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Full text of "Jahrbuch der Kais. Kön. Geologischen Reichs-Anstalt"

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JAHRBUCH 


KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 


GEOLOGISCHEN  REICHSANSTALT. 


".?^- 


'\ 


XLLBAND.  189  L 


Mit  9  Talelu. 


WIEN,   1892. 
ALFRED   HOLDER, 

K.  W   IC.    FlOP-  UXD  UXl  VKl-^rtrrÄ'i\-^-lilJ('HHANI)J.El\ 

Kotüenthurmstrasse  l.'). 


IV 

Heft  IV. 

(Ausgegeben  im  April  18!)4.) 


Seite 


Generalregister  der  Bände  XXXI — XL  des  Jahrbiiclies  und  der  Jahrgänge  1881 
bis  181)0  der  Verliandlungen  der  k.  k.  geologischen  Eeichsanstalt.  Von 
Dr.  A.  Ma losch 1—^06 


Verzeichniss  der  Tafeln. 

Tafel  Seite 

1 — Jll  zu:   Dr.  A.  B  i  t  (  uer :  Triaspetrefakten  von  Balia  in  Jvlciiiasieii  .    ...       97 
IV  zu:  A.  V.  El  tei'lc  i  11 :    Beiträge    zur   Kcnntniss    der  Erzlagerstätte    des 

Schneeberges  bei  Mayrn  in  Südtirol    • 289 

V — VI  ZU:  Dr.  F.  K  i  nkelin:   Neogenbildungen  westlicli  von  S.  Barthelmac  in 

Unterkrain -lUl 

VII  zu:  K.  J.  Ma.ska:    Die  diluviale  Fauna   und  Spuren   des  Menschen    in 

der  Schoschuwker  Höhle  in  Mähren 415 

VIII  — IX  zu:  Dr.  M.  Kfiz:  Die  Höhlen  in  den  mährischen  Devonkalken  und  ihre 

Vorzeit 443 


Personal  stand  der  k.  k.  geologischen  Reiclisanstalt. 


Director : 

Stur  Dionys,  k.  k.  Hofratli,  Ritter  des  k.  säcbsisclien  Albreclits-Ordeiis, 
corr.  Mitgl.  d.  kais.  Akad.  d.  Wissenscli.,  Membre  associc  de  l'Acad. 
Royale  des  Sciences,  des  Lettres  et  des  beaux  arts  de  Belgique, 
corr.  Mitgl.  der  naturf.  Gesellscb.  „Isis"  in  Dresden,  Socio  corrisp. 
del  R.  istituto  veneto  di  scienze,  lettere  ed  arti  in  Venedig  etc., 
III.,  Rasnnioffskygasse  Nr.  2, 

Vice-Director : 

Stäche  Guido,  Ritter  des  üsterr.  kaiserl.  Ordens  der  eisernen  Krone 
III.  Gl. ,  Commandeur  d.  tunes.  Niscian-Iftkbar-Ordens ,  Phil.  Dr., 
k.  k.  Oberbergrath ,  Ehrenmitglied  der  ungar.  geolog.  Gesellschaft 
in  Budapest  und  der  naturforsch.  Gesellscb.  „Isis"  in  Dresden  etc., 
III.,  Oetzeltgasse  Nr.  2. 

Chefgeologen : 

Mojsisovics  Edler  von  Mojsvär  Edmund,  Commandeur  des 
montenegrinischen  Danilo-Ordens ,  Officier  des  k.  italienischen 
St.  Mauritius-  und  Lazarus-Ordens,  sowie  des  Ordens  der  Krone 
von  Italien,  Ehrenbürger  von  Hallstatt,  Jur.  U.  Dr.,  k.  k.  Ober- 
bergrath ;  wirkl.  Mitglied  der  kaiserl.  Akad.  der  Wissenschaften 
in  Wien ,  corresp.  Mitglied  der  kaiserl.  Akad.  der  Wissenschaften 
zu  St.  Petersburg,  der  R.  Accademia  Valdarnese  del  Poggio  in 
Monte  varcchi ,  des  R.  Istituto  Lomb.  di  scienze ,  lettere  ed  arti 
in  Mailand,  der  Acad.  of  Natur.  Science  in  Philadelphia,  der 
geolog.  Gesellschaften  in  London  und  Lüttich ,  Ehrenmitglied  der 
Societe  Beige  de  Geologie ,  de  Paleontologie  et  d'Hydrologie  in 
Brüssel,  des  Alpine  Club  in  London  und  der  Soc.  degli  Alpinisti 
Tridentini  etc.,  III.,  Strohgasse  Nr.  26. 

Paul  Carl  Maria,  Ritter  des  kaiserl.  österr.  Franz  Josef- Ordens ,  k.  k. 
Bergrath,  Mitglied  der  Leop.  Car.  Akad.  der  Naturf  in  Halle,  III., 
Seidelgasse  Nr.  34. 

Tictze  Emil,  Ritter  des  k.  portugiesischen  Set.  Jacob-Ordens,  Besitzer 
des  Klein-Kreuzes  des  montenegrinischen  Danilo-Ordens,  Phil.  Dr., 
k.  k.  Oberbergrath ,  Mitglied  der  Leop.  Car.  Akad.  der  Naturf.  iix 
Halle ,  Ehrencorrespondent  der  geogr.  Gesellschaft  in  Edinburgh^ 
corresp.  Mitglied  der  geogr.  Gesellschaften  in  Berlin  und  Leipzig. 
d.  schlesischen  Gesellschaft  für  vaterländische  Cultur  in  Breslau  etc.y 
III.,  Ungargasse  Nr.  27. 

Yorstand  des  chemischen  Lahoratoriunis : 

John  von  Johncsberg  Conrad,  HL,  Erdbergerländc  Nr.  2. 


VI 

Geologen: 

Vaoek  iMicluvel.  III..  b>(lbcri>eilan(le  Nr.  4. 
Hittue  I-  Alexander,  Ph.  Dr.,  III.,  Thongasse  Nr.  11. 

Adjuiicten: 

Teller  Friedrieli.  111.,  Geusaiigasse  Nr.  9. 

Foul  Ion  Heinrieh,  Freili.  v..  HL,  Rasnmoffskygasse  Nr.  1. 

Assistent: 

Taiiscli  Le()i)ol(I  v..  Tliil.  Dr.,  Vlll..  Josefstädterstrasse  Nr.  20. 

Bibliothekar. 

Matosch  Anton,  Ph.  Dr.,  111.,  Haiiptstrasse  Nr.  33. 

Praktikanten : 

Game rl ander  Carl  Freih.  v.,  IV.,  Victorgasse  Nr.  25. 
Geyer  Georg,  111.,  Rasumoffskygasse  Nr.  23. 
Bukowski  Gejza  v.,  VIII.,  Marxergasse  Nr.  27. 

(1  stelle  unbesetzt.) 

Für  die  Kartensammlung: 

Jahn  Eduard.  III.,  Messenhausergasse  Nr.  7. 

Für  die  Kanzlei: 

Girardi  Ernst,  k.  k.  Rechnungsofficial,  VI.,  Windmühlgasse  Nr.  2a. 

Diener : 


III. ,  Rasumotfskygasse 

Nr.  23  und  25. 


Erster  Amtsdiener:  Schreiner  Rudolf 
Laborant:  K  a  1  u  n  d  e  r  Franz 
Zweiter  Amtsdiencr:  Palme  Franz 
Dritter  Amtsdiener:   Ulbing  Johann 
A  m  t  s  d  i  e  n  e  r  g  e  li  i  1  f  e  für  das  Laboratorium  : 

Ruzek  IStanislaus 
Heizer:  Kohl  Johann 
Portier:  Kropitsch  Johann,  Invaliden-Hof burgwächter ,  IlL,  Inva 

lidenstrasse  Nr.  1. 


Ansgegebeii  am  1.  Anlast  1891. 


JAHRBUCH 


KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 


GEOLOGISCHEN  REICHSANSTÄLT. 


JAHRGANG  1891.  XLI.  BAND. 

1.  Heft. 

Mit  Tafel  I— III. 


WIEN,  1891. 
ALFRED   HOLDER, 

K.  U.  K.  HOF-  UND  UNIVERSITÄTS-BUCHHÄNDLER, 
Rothenthurmstrasse  15. 


R.  FRIEDLÄNDER  &  SOHN,  Berlin  N.  W.  6,  Carlstrasse  11. 

Soeben  erschien: 

Dr.  Max  Blanckenhorn 


isclmilieomDliie 


:bTord.-S37-rie3:i. 

Eine  geologiscli-gcographische  Skizze  mit  10  in  den  Text  gedruckten  Abbildungen 
und  2  Karten  von  Nord-Syiüen  im  Maasstabe  1 :  500,000,  einer  farbigen  orogra- 
pbischen  (54 :  76  cm)  und  einer  geognostischen   in  Farben   mit   zwei  Gebirgsprofilen 

(54:90  cm). 


Preis  36  Mark. 


Die  Tiefbohrung  bei  Batzdorf  nördlich  bei 
Bielitz-Biala. 

Von  D.  Stur. 

Die  Terraineiuseiikung ,  längs  welcher  die  Nordbahntrace  von 
Wien  nach  Krakau  gezogen  wurde,  besitzt  ein  gleich  hohes  Interesse 
für  den  Bergmann  wie  für  den  Geologen.  Diese  Einsenkung  scheidet 
nicht  nur  das  mährisch-schlesische  Culm-Daclischiefergebirge  in  Nord- 
west von  dem  in  Südost  gelegenen  Karpathensandstein  Gebirgszuge; 
sie  bildet  speciell  heute  eine  thatsächliche  Grenzscheide  zwischen  den 
Kohlen  führenden  Culm-  und  Carbonablagerungen  des  mährisch-schlesisch- 
polnischen  Steinkohlenbeckens  und  dem  viel  jüngeren  Karpathensand- 
steine. 

Die  besagte  Einsenkung  ist  nichts  weniger  als  klar  aufgeschlossen. 
Diese  Grenzscheide  ist  vielmehr  durch  eine  sogenannte  „Auflagerung" 
(D.  Stur,  Die  Culmflora  der  Ostrauer  und  Waldenburger  Schichten. 
Abhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1877,  Bd.  VIIl,  H.  2,  pag.  252  |458|), 
die  aus  Diluvial-  und  Tertiärgebilden  zusammengesetzt  zu  sein  pflegt, 
ganz  und  gar  verdeckt  und  nur  langwierigen  und  kostspieligen  Unter- 
suchungen zugänglich. 

Seit  Hohenegger's  Zeiten  haben  die  Montanisten  es  an  Ver- 
suchen nicht  fehlen  lassen,  den  sich  hier  der  Erkenntniss  der  thatsäch- 
liclien  Verhältnisse  in  den  Weg  legenden  Schleier  zu  lüften.  Doch  bis 
heute  ist  die  südliche  Grenze,  bis  zu  welcher  die  Culm-Carbonablage- 
rung  reicht,  und  bis  zu  welcher  es  den  Schürfern  gelang,  abbauwürdige 
Kohlenflötze  nachzuweisen,  nicht  wesentlich  in  der  Richtung  zum  Kar- 
pathensandstein hinaus  gerückt  worden. 

Der  Geologe  findet  in  dem  breit  aufgelegten  Karpathensandstein- 
zuge  keine  Thatsache  vorliegen,  welche  ihm  darüber  Bestinmitheit  bieten 
würde ,  dass  die  Culm-Carbonablagerung  in  dem  cölossalen  Räume 
zwischen  dem  Culm-Dachschiefergebirge  bei  Weisskirchen  einerseits  und 
den  krystallinischen  Inselbergen  der  Tatra   andererseits    fehlen    müsse. 

Bei  eingehenderer  Betrachtung  der  durch  viele  Mühen  der  Geo- 
logen zusammengetragenen  Daten    findet    man  allerdings  um  die  west- 

Jahrbuch  der  k.k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  I.Heft.  (D.  Stur.)  1 


D.  Stur. 


[2] 


lieberen  krystalliniscben  Inselberge  der  Tatra  von  Pistjan  an  bis  an 
den  Ostfuss  der  boben  Tatra,  auf  der  nrcbäiscben  Ablagerung,  keine 
Cubn-Carbongcstoinc  folgen.  Sic  mangeln  bicr  ganz  und  gar  und  was 
wir  daselbst  bemerken  konnten,  liess  sieb  in  Ermanglung  sicberer  Culm- 
und  Carbonpetrefakten  böebstens  für  Rotbliegendes  erklären. 

Erst  viel  östlieber,  namcntlicb  bei  Dobscbau  und  von  da  östlicb 
bis  in  die  Gegend  von  Kascbau  (D.  Stur,  Beriebt  über  die  geologische 
Aufnabrae  der  l'mgebung  von  Scbmolnitz  und  Gölnitz.  Jabrb.  d,  k.  k. 
geol.  Keiebsanstalt.  18G9,  Hd.  XIX,  pag.  404)  kennen  wir  Conglomerate, 
Sandsteine  und  Scbiefer,  wovon  die  letzteren  an  den  Culm-Dacbscbiefer 
erinnern,  wovon  die  Sandsteine  grosse  Producten,  auch  andere  Koblen- 
kalk-Hraebiopoden,  am  häufigsten  aber  Reste  von  mitunter  grossen  Cri- 
noiden  führen,  die  wir  vorläufig  als  der  Steinkoblcnformation  im  Allge- 
meinen angehörig  ((iailtbaler  l;^chiefer)  betrachtet  haben.  Wir  erhielten 
nameutlieh  aus  Dobsebau  in  neuester  Zeit  eine  sehr  werthvolle  Suite 
dieser  Petrefakten,  die  uns  die  älteren  Funde  in  unserem  Gedächtnisse 
auflFrischten. 

Diese  Producten  fiiln-enden  Gesteine  lassen  sich ,  obwohl  deren 
Petrefakten  zur  Vornahme  der  Bestimmung  derselben  bisher  Niemanden 
eingeladen  haben,  doch  in  keiner  Weise  mit  jenen  marine  Tbierreste 
führenden  Einlagerungen  der  Ostrauer  Schiebten,  die  früher  aus  Über- 
schlesien von  R  (■>  m  e  r ,  später  aus  dem  Idasebachte  bei  Hruschau  aus 
unserem  Gebiete  von  mir  bekannt  gegeben  worden  sind,  für  ident  zu 
erklären;  vielmehr  liegt  es  viel  näher,  diese  grosse  Producten  enthal- 
tenden Gesteine  von  Dobschau  und  Umgebung  mit  der  bekannten  Berg- 
kalkfauna von  Altwasser  in  Niederschlesien  in  Vergleich  zu  nehmen, 
folglich  in  den  Steinkohlengesteinen  östlicb  der  hohen  Tatra,  Repräsen- 
tanten des  Liegenden  des  Kohlen  führenden  Culmcarbons,  also  in 
weiterer  Liiue  als  Vertreter  des  Culm-Dachscbiefers  zu  betrachten. 

Eine  dritte  Thatsacbe  liegt  uns  aus  noch  östlicherer  Gegend  vor, 
die  ich  hier  auffrischen  möchte  —  über  ein  Vorkommen  von  Schiefern 
mit  Pflanzen,  die  dieselben  unzweifelhaft  dem  Carbon  zuweisen.  Nach 
Notizen  und  Anfsamndungen  von  P.  Part  seh  hatte  die  k.  k.  tech- 
nische (Jonnnission  im  Jahre  183G  bei  Zeinplin  westlich  im  dortigen 
Schiefer  Pflanzenreste  gefunden,  und  zwar  Reste  von  Asterophyl- 
lites  und  von  Pecopteris,  die  das  Carbonalter  der  betreffenden  Ab- 
lagerung ausser  Zweifel  stellen.  Das  Gestein  ist  ein  glhnmeriger,  ganz 
schwarzer  Scbiefer,  die  Pflanzen  weiss  in  Kalk  versteinert,  jedoch  nicht 
so  glänzend  wie  alpine  Anthracitschiefer.  (Abhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichs- 
anstalt. Bd.  VIÜ,  lieft  2.  Die  Culmflora  der  Ostrauer  und  Waldenburger 
Schichten,  pag.  318.) 

Der  letzterörtertc  Carbonpflanzenfund  ist  geeignet  zur  Annahme 
zu  drängen:  Dass  auf  die  Ablagerung  des  Dobschauer  und  Kaschauer 
Producten-Cnlm  ebenso  eine  Culm-Carbonablagerung  mit  Koblenflötzen 
im  Nordosten  und  Norden  von  Zemplin  folgen  könne,  wie  wir  eine 
solche  Folge  über  dem  Culm,  von  Bobrownik  an,  über  Ostrau  und  Kar- 
vvin  kennen. 

Da  nun  aber  der  Pflanzenfundort  von  Zemplin,  südlich  des  Kar- 
patbensandsteinzuges ,  an  der  Südseife  desselben  vorliegt,  so  werden 
wir  in  diesem  Falle  gedrängt  anzunehmen,  dass  die  Culm-(-arbonal)lage- 


I  ;}1  Dio  Tiefliohriui^  bei  JJalzdoif  nördlich   hei    Bieli(/.-Biala.  3 

riiiii;-  die  ganze  Breite  des  KiirnatlieDzugcs  uiiterteulc  und  vom  Nord- 
rande desselben  bei  Ostraii-Karwin  bis  an  dessen  SUdrand  bei  Zeniplin 
ausgedehnt  sein  könne. 

Während  also  der  Mangel  an  Culm-Carbongesteinen  (Ostrauer  und 
Scliatzlarer  Hellichten)  an  der  westlichen  Reibe  der  krystallinischen 
Inselberge  der  Tatra  uns  an  jene  Stellen  des  böhuiischen  Massivs  er- 
innert, an  welchen,  wie  bei  Z()bing.  Hurr  bei  Budweis,  bei  Schwarz- 
Kosteletz,  ferner  bei  Starkenbach  und  Hohenelbe  in  Nordböhmen,  über 
dem  archäischen  Grundgebirge  fast  unmittelbar  die  Ablagerung  des 
Kothliegenden  folgen  und  Cnlm  und  Carbon  fehlen  —  spricht  die  Pflanzen- 
fundstelle bei  Zcm])lin  zu  Gunsten  der  Annahme:  Dass  das  weite  Ge- 
biet des  Karpatiiensandsteines  in  seinem  Untergrunde  ausgedehnte  Flötz 
führende  Culm-Carbongebiete  bergen  könnte. 

lud  so  sehen  wir  an  der  Linie  der  Nordbahn  die  Wünsche  der 
Montanisten  und  das  Sehnen  der  Geologen  nach  Aufscbluss  vereinigt 
zum  gemeinsamen  Vorgehen. 

Vor  einigen  Tagen  wurde  mir  die  Nachricht  überbracht,  dass  in 
letzter  Zeit  bei  Bielitz,  und  zwar  bei  Batzdorf  zwischen  Bielitz  und 
Dzieditz,  ein  Bohrloch  bis  in  die  Tiefe  von  222  Metern  niedergebracht 
wurde,  ohne  ein  erwünschtes  Resultat  erreicht  zu  haben. 

Die  Bohrung  wurde  auf  die  Thatsache  basirt,  dass  bei  Goczalko- 
witz,  Pless  südlich,  Bielitz  nördlich,  3—4  Steinkohlenflötze  unweit  der 
Grenze  Oberschlesiens  bekannt  seien  —  es  daher  kaum  anders  sein 
könne,  als  dass  man  auch  südlich  dieser  Grenze  in  unserem  Gebiete 
Kohlenflötze  erschürfen  müsse. 

Die  mitgebrachten  Bohrproben  lehren  Folgendes: 
Teufe  20  Meter.    Grauer  Schiefer  und  glimmeriger,    lichter  Sandstein; 
ein  kleines  Quarzgerölle  lag  der  Probe  bei. 

„      20—22  Meter.  Detto. 

„      22  Meter.    Grauer  Sandsteinschiefer. 

„      24       „        Aufgelöster,  weicher,  grauer  Schiefer. 

„      28       „        Wie  20—22  Meter. 

„      34       „        Wie  22  Meter. 

„       39       „        Roth,     grau     und     braun    gebänderter    weicher 
Schiefer. 

„      52       „         Lichtgrauer  harter  Mergel,  splitterig  mit  Harnischen. 

„      56       „        Detto. 

„       58       „         Weissgrauer,  weissglimmeriger,  feinkörniger  Sandstein. 

„      59       „         Lichtbrauner,  dichter  Kalkmergel. 

„      60       ,,         Detto. 

„       69       „         Lichtgrauer ,    dichter    glimmeriger  Sandstein ,    dicker 
geschichtet  als  bei  58  Meter. 

,,       79       „         Fein  zerstossene  Probe    mit  licht-    und  dunkelgrauen 
Schieferbröckelchen. 

„      80—86  Meter.  Detto. 

„       86  Meter.    Wie  79,  zweifarbig,  grau. 

„       95       „        Einfarbig  dunkelgraue  Probe  von  Schiefer. 

„     106       „        Lichtgrauer  Mergel,  roth  gestreift. 

„     112       „        Dunkel-  und  lichtgrau  gefärbte  Mergelprobe,  plastisch, 
wenn  nass. 

i* 


D.  Stur. 


[4] 


Teufe  114  Meter,   Zweifarbig'  grau,  lichte  und  duukle  Bröckeben. 

..     116       „         Dunkelgrauer  Mergelscbiefer  mit  Kalkspatbadern. 

„     120 — 127  Meter.  Grauer  Sandsteiusebiefer  mit  Kalkspatbadern. 

„    137  Meter.    Detto. 

„     174       „         Dunkelgrauer,  splitteriger  Schiefer  mit  Glimmer. 

„180       „         Weicher,  dunkler  Schiefer. 

„     203       „        Dunkler  Schiefer  mit  Kalkspathadern. 

„    218       „         Dunkler    Sandsteinschiefer    mit    Kalkspathadern    und 
Glimmer. 

„     220       „         Bituminöser  Sandsteinschiefer  mit  Kalkspath. 

„    222       „        Detto. 

Wie  man  den  vorangebenden  Daten  entnehmen  kann ,  hat  das 
222  Meter  tiefe  Bohrloch  vorherrschend  graue,  schieferige  Gesteine  mit 
Kalkspatbadern  durchteuft.  Einige  Abwechslung  in  der  Schichtenreibe 
bemerkt  man  darin,  als  an  zwei  Stellen,  bei  58  und  69  Meter,  ein  auf- 
fallend lichter,  glimmeriger,  feinkörniger  Sandstein  erbohrt  wurde  und 
überdies  die  verquerte  Schichtenreibe  bei  39  und  bei  106  Meter  ziegel- 
oder  dunkclroth  und  braun  gefärbte  Gesteine  wahrnehmen  Hess. 

Jenen  Proben,  die  grössere  Bruchstücke  der  betreffenden  Gesteine 
darstellen,  sieht  man  es  gleich  beim  ersten  Anblicke  an,  dass  die  ver- 
querte Schichtenreibe  den  Gebilden  des  Karpatbensandsteins  angehört. 
Auf  unseren  Karten  finden  wir  sie  mit  der  Farbe  „Alttertiärer  Sand- 
stein und  Schiefer"  bezeichnet. 

Nach  dem  Gesammteindrucke  der  erhaltenen  Proben  bin  ich  ge- 
neigt ,  in  der  betreffenden  Schichtenreibe  die  jüngsten  Schichten  des 
tertiären  Wiener  Sandsteins,  denen  auch  rotbe,  überhaupt  bunte  Schiefer 
eingeschaltet  sind,  zu  erkennen. 

Die  Mittbeilung,  dass  die  Bohrung  häufig  mit  Nacbfall  zu  thun 
hatte,  und  dass  steil  aufgerichtete  Schichten  durchgebohrt  werden 
mussten,  lässt  auf  gestörte  Lagerung  der  verquerten  Schichtenreibe 
schliessen. 

Wer  den  eben  erörterten  Bohrversuch  und  sein  Resultat  zur  Kennt- 
niss  nimmt,  der  ist  gewiss  zu  entschuldigen,  wenn  er  nur  diesen  Fall  vor 
Augen  habend  und  kennend ,  sieb  der  Behauptung  ergibt ,  dass  in  der 
hier  in  Rede  stehenden  Terrainsdepression  und  namentlich  südlich  dieser 
Tiefenliuie  näher  zum  Karpathensandsteingebirge,  vom  Kohlenindustriellen 
nichts  mehr  zu  holen  ist. 

Der  Geologe  darf  in  diesem  Falle  nicht  säumen ,  die  ihm  be- 
kannten einschlägigen  Thatsachen  zu  erörtern ,  die  geeignet  sind ,  vor 
einem  voreiligen  Abschlüsse  der  Bemühungen,  die  Culm-Carbonscbichten 
näher  dem  Karpathensandsteingebirge  zu  erforschen,  zu  warnen. 

Es  war  im  Jahre  1874,  als  mir  eine  Suite  von  Carbonschichten 
zur  Bestimmung  eingesendet  wurde,  die  meine  Aufmerksamkeit  sehr 
lebhaft  zu  erregen  geeignet  war. 

Die  Suite  enthielt  durchwegs  unzweifelhafte  Arten  der  Schatzlarer 
Schichten,  aus  einer  Gegend,  in  welcher  nur  die  Gesteine  des  Culm- 
Dachschiefers  und  Devongesteine  bis  dabin  bekannt  waren.  Diese  That- 
sache  erschien  mir  um  so  wichtiger,  als  gleichzeitig  das  Mitvorkommen 
von  Koblenflötzchen  notificirt  wurde  —  hier  also  ein  unerwartetes  und 
ungeahntes  Vorkouiiiicn    von  Scbatzlarcr  ("arbon    vorhiii'.     Wer    es  aus 


[5] 


Die  Tiefbohnnic  hei  Batzdoif  nördlich  hm   Bielitz-Biala. 


Erfaliriing-  weiss,  welche  colossalen  Massen  von  ausgezeiclineten  Stein- 
kohlen die  Sehat/.larcr  KSchichten  überall  bergen,  wo  sie  anstehen,  z.  B. 
in  Schatzlar  und  in  Preussisch-Niederschlesien,  in  Karwin  und  in  Ober- 
schlesien, in  Frankreich,  in  Belgien,  in  England  und  Westphalen,  der 
wird  meine  Aufregung  in  Folge  dieser  Bekanntgabe  begreifen. 

An  Ort  und  Stelle  angelangt,  sah  ich  also  gleich,  dass  das  Vor- 
kommen am  Sträzberge  bei  Chorin  am  linken  Ufer  der  Beßva  zwischen 
Hustopetsch  und  Wallachisch-Meseritsch  gelegen,  dem  Karpathensandstein- 
gebiete  angehört  —  und  diese  Thatsache  war  geeignet,  meine  lebhaften 
Hoffnungen  bis  auf  Null  herabzustimmen. 

Immerliin  durfte  ich  die  Möglichkeit,  dass  hier  die  Karpathen- 
sandsteingebilde  nur  oberflächlich  auflagern  und  wie  den  Onlm-Dach- 
schiefer,  so  auch  die  Sehatzlarer  Carbonsehichten  nur  oberflächlich  über- 
decken könnten,  nicht  aus  den  Augen  lassen  —  um  so  mehr,  als  die 
vorläufigen  Schürfarbeiten  an  mehreren  Stellen  die  Schichten  entblösst 
hatten  und  ich  hier  eigenhändig  in  den  zwischen  den  lichten  Sand- 
steinen eingeschalteten  Schieferthonschichten  sammeln  konnte,  in  welchen 
die  Schatzlarer  Pflanzenarten  reichlich  abgelagert  zu  finden  waren. 

Ich  will  an  dieser  Stelle  den  Gang  der  Untersuchung  am  Sträz- 
berge nur  kurz  und  so  weit  skizziren  als  es  nöthig  ist,  das  erhaltene 
Resultat  zu  charakterisiren. 

Es  wurde  am  Sträzberge  ein  Schacht  abgeteuft.  Dieser  stand  bis 
zu  der  Teufe  von  30  Klaftern  in  einem  Gebilde,  das  sich  vorherrschend 
als  ein  plastischer  Thon  präsentirte  und  von  den  Arbeitern  Tegel  be- 
nannt wurde.  Dieser  Tegel  war  gleich  vom  Tage  an  mit  verschieden- 
artigsten Gesteinsblöcken  derart  gespickt,  dass  diese  faust-  und  kopf- 
grosse,  auch  grössere  Blöcke  nach  der  Teufe  häufiger  wurden. 

In  der  Tiefe  von  25  —30  Klaftern  mehrten  sich  die  Blöcke  be- 
deutend und  während  diese  früher  hauptsächlich  aus  Teschenit  oder 
Pikrit  bestanden,  wurden  in  der  Teufe  von  25 — 30  Klaftern  hauptsäch- 
lich Bruchstücke  von  Kohlensandstein ,  von  Schieferthon  und  daran 
haftender  Kohle  bemerkt. 

In  der  30.  Klafter  fuhr  man  ein  wohl  geschichtetes  Kohlengebirge 
an ,  welches  den  ganzen  Lichtraum  des  Schachtes  einnahm.  In  der 
Teufe  von  32  Klaftern  wurde  in  der  Sohle  abermals  der  die  Gesteins- 
trümmer enthaltende  Tegel  sichtbar  und  man  sah  ihn  bis  zur  Teufe 
von  34  Klaftern  immer  mehr  und  mehr  in  den  Lichtraum  des  Schachtes 
nach  Südost ,  die  Kohlengesteine  verdrängend ,  fortschreiten ,  so  dass 
fast  nur  der  halbe  Schachtraum  noch  anstehendes  Kohlengestein  zeigte. 
In  der  35.  Klafter  trat  wieder  der  Tegel  nach  Nordwest  zurück,  so 
dass  in  der  36.  Klafter  der  Teufe  abermals  der  Schacht  ganz  in  Kohlen- 
gesteinen stand  und  zugleich  hatte  man  an  der  Schachtsohle  ein  Kohlen- 
flötz  von  26  Zoll  durchschnittlicher  Mächtigkeit  aufgeschlossen. 

Von  nun  an  war  Streichen  und  Fallen  des  Flötzes  klar  geworden 
und  man  konnte  das  Streichen  in  h  16 — 17 ,  das  Verflachen  nach 
h  21—22  unter  46—47  Grad  abnehmen. 

Bei  fortgesetzter  Teufung  des  Schachtes  sah  man  leider  bald, 
dass  im  Liegenden  des  Flötzes  der  Schieferthon  nur  circa  8  Zoll  stark 
war  und  unter  dem  Schieferthone  abermals  der  Tegel  mit  Gesteins- 
trümmern folgte.  Gleichzeitig  wurde  der  Tegel  unter  dem  mit  gleichem 


D.  Stur. 


16] 


Streichen  und  Fallen  fortsetzenden  Flötze  immer  mächtiger,  so  dass 
schon  in  der  89.  Klafter  der  Schacht  bereits  iianz  im  Tei>el  stand, 
während  dasKohleni;-ebirü,e,  seinem  Fallen  entsprechend,  schief  in  Südost 
nach  der  Tiefe  fortsetzend ,  seitwärts  aus  dem  Bereiche  des  Schachtes 
p:elangt  war  und  man  gezwungen  wurde,  mit  einer  Ausleukung  das 
Flötz  zu  verfolgen.  Da  nun  der  weiter  durch  viele  Klafter  abgeteufte 
Schacht  nur  noch  den  Tegel  und  kein  Steinkohlcngebirge  mehr  fand, 
so  wurde  es  bald  klar,  dass  das  durch  den  Schacht  getroftene  Kohlen- 
gebirge als  ein  isolirtes  Trumm,  vom  Tegel  rundum  umschlossen,  auf- 
zufassen sei.  Die  weiteren  Arbeiten  haben  es  bis  zur  Evidenz  erwiesen, 
dass  das  Kohlengebirgstrumm  nach  allen  Richtungen,  sowohl  nach  dem 
Streichen  als  Verliächen  vom  Tegel  umschlossen  und  begrenzt  sei, 
namentlich  keine  Fortsetzung  nach  irgend  einer  Richtung  habe. 

Von  Wichtigkeit  kann  nur  noch  die  Nachricht  sein,  dass  man  bei 
Verfolgung  des  Flötzes  nach  allen  Richtungen ,  indem  man  es  voll- 
ständig abgebaut  hatte,  angeblich  26.000  Centner  Kohlen  gewonnen  hatte. 

Der  gänzliche  Ausbau  des  Kohlenflötzes  innerhalb  des  Kohlen- 
gesteinstrummes  brachte  somit  dieselbe  Thatsache  zur  Kenntniss ,  wie 
an  vielen  anderen  Stellen  des  Kari)atliensandsteinzuges  der  zum  Behufe 
der  Gewinnung  von  Kalk  erfolgte  gänzliche  Ausbau  einer  oder  der 
anderen  Kalkblockklippe,  nach  welcher  nichts  weiter  als  der  Hohl- 
raum zurückbleibt,  in  welchem  die  Blockklippe  placirt  war. 

Der  Fund  von  Bflanzenresten  der  Schatzlarer  Carbonschichten  am 
Sträzberge  bei  Chorin  führte  also  in  seinen  Consequenzen  zur  sicheren 
Erkenntniss,  dass  in  der  besagten  Einsenkung,  und  zwar  sogar  im 
Gebiete  des  K  arpath  ensandsteins,  Kohlenflötze  enthaltende 
Blockklipi)en   des  Schatzlarer  Carbons  eingeschlossen  vorkommen. 

Durch  die  Verfolgung  des  Vorkommens  der  Schatzlarer  Ptlanzen 
am  Sträzberge  ist  ferner  jene  Annahme ,  dass  in  dem  weiten  Gebiete 
des  Karpathensandsteinzuges  die  Culmcarbonablagerung  ausgedehnt 
vorkommen  könne,  zur  Thatsache  geworden. 

Freilich  ist  die  Bedeutung  dieser  Thatsache  dahin  zu  beschränken, 
dass  bisher  nur  einige  solche  grössere  oder  kleinere  Blockklippen  und  nur 
in  der  nächsten  Umgebung  von  Chorin- Hustopetsch  sicher  nachgewiesen 
erscheinen.  Man  hat  nämlich  in  einem  zweiten  Schachte  unweit  westlich 
vom  Sträzberge  eine  grössere  Blockklippe  des  Schatzlarer  Carboiigesteins 
und  eine  viel  kleinere  dritte  Blockklippe  im  Osten  des  Sträzschachtes 
im  Gehänge  zur  Beöva,  in  einem  tonnlägigen  kleinen  Schachte  auf- 
geschlossen ,  in  welchem  ich  selbst  Kohlenschmitzcn  besichtigte  und 
Schatzlarer  Pflanzen  sammelte.  Endlich  geht  eine  sogenannte  Sage  in» 
Volksnumde  um,  dass  vor  Jahren  im  Nordosten  bei  Perna  eine  vierte 
Blockklippe  erschürft  worden  war,  aus  welcher  man  auch  Steinkohle 
gewonnen  hatte. 

Dem  Geologen  drängt  sich  zunächst  die  Frage  auf:  Woher  können 
die  Carbon  -  lilockklippcn  in  der  Gegend  von  Chorin  -  Hustopetsch 
stammen  V 

Die  sich  bei  der  Beantwortung  dieser  Frage  aufdrängende  wichtigste 
Thatsache  ist  jedenfalls  die:  Dass  die  Blockklippe  am  Sträzberge 
26.000  Centner  Kohle  geliefert  hat,  also  eine  sehr  beträchtliche  Grösse, 
respcctive  Inhalt  besitzen  musste. 


I  7]  Die  Tiefbolininf;  bei  Batzdorf  iiönllicli  bei  Bielitz-Hiala.  7 

Diese  Grösse  der  Ulockklippe  hat  iiiclits  IJngewühnliclies  an  sieh. 
Man  l<ennt  ja  Kalkhloclvivlippen ,  (He  schon  seit  einem  halben  Jahrhundert 
im    Abbau  begriffen  sind. 

Weit  aut^älliger  ist  an  der  Blockklippe  am  Strä^berge  die  äussere 
Gestalt,  in  welcher  sie  sich  bei  dem  Abteufen  des  Schachtes  dem  Beob- 
achter präscntirte.  Man  sah,  dass  die  Blockklippe  scharfe  vors])nngendc 
Ecken  besass,  was  namentlich  in  der  35.  Klafter  klar  hervortrat ;  diese  Ecken 
wurden  von  dem  plastischen  Thone  so  umschlossen  und  bewahrt,  dass 
das  an  dieser  Ecke  erschürfte  Kohlenfiötz  gar  keine  Spur  von  irgend 
welcher  Zerstörung,  mechanischer  Abreibung  oder  Umwandlung  der 
Kohle  wahrnehmen  Hess,  wie  man  solche  z.  B.  an  Kohlenausbissen  zu 
treffen  gewohnt  ist  und  unmittelbar  als  vorzügliches  Brennmateriale 
verwendet  werden  konnte.  Man  kann  also  bei  dieser  Beschaffenheit  der 
Aeusserlichkeit  nicht  daran  denken,  anzunehmen,  dass  diese  Blockkli))pe 
von  weitem  hergebracht  wurde.  Ebenso  eckig,  nicht  mit  Gewalt  ab- 
gerundet, erschienen  auch  die  anderen  kleineren  Blockklippen  wo  nach 
Herausnahme  einer  Randpartie  des  Gesteins  der  Abdruck  derselben  im 
Tegel  sichtbar  wurde  und  wo  die  Kohlenschmitzen  bis  an  den  Rand  der 
Hlockklippe,  ohne  auch  die  geringste  Veränderung  zu  zeigen ,  zu  ver- 
folgen waren. 

Dann  drängt  sich  ferner  die  Ansicht  dem  Beobachter  auf,  dass 
die  Blöcke  des  Schatzlarer  Carbongesteins  schon  längst  abgelagert 
waren ,  die  Kohle  der  Schmitzen  und  des  Flötzes  genau  die  fertige 
Beschaffenheit  zeigte,  wie  wir  diese  in  den  Kohlenbauen  von  Schatzlar 
oder  Karwin  zu  sehen  gewohnt  sind;  dass  also  die  Einbettung  der 
Blockklippen  des  Schatzlarer  Carbongesteins  in  den  Tegel  von  Chorin 
erst  lange  nach  der  Ablagerung  des  Carbons  an  Ort  und  Stelle  statt- 
finden musste. 

Alle  diese  Thatsachen  und  Erwägungen  drängen  den  Geologen 
zur  Annahme,  dass,  da  die  Blockklippen  eckig,  unabgerieben  sind,  die- 
selben also  nicht  als  von  Weitem  her  transportirt  erscheinen ,  die  an- 
stehende Formation,  von  welcher  sie  als  Theile  abstammen,  nicht  weit 
weg  von  der  Ablagerungsstelle  derselben  liegen  könne. 

Eine  wichtige  Einwendung  gegen  die  letztere  Annahme  scheint 
in  der  Thatsaclie  zu  liegen ,  dass  die  nächste  Umgebung  von  Chorin 
nur  Culm-Dachschiefer-  und  ältere  Gesteine  anstehend  zeigt  und  hier 
überall  die  Ostrauer  und  Schatzlarer  Schichten  weit  und  breit  zu  fehlen 
scheinen,  also  das  Vorkommen  von  Schatzlarer  Carbonschichten  hier  un- 
motivirt  erscheint. 

Thatsächlich  liegt  in  der  oft  erwähnten  Terrains-Einsenkung  das 
südlichste  bekannte  Vorkommen  der  Ostrauer  Schichten  bei 
Schönbrunn,  vom  Sträzberge  40  Kilometer  entfernt;  noch  um  20  Kilo- 
meter weiter  nach  Osten  folgt  erst  das  Vorkommen  der  Schatzlarer 
Schichten  bei  Karwin. 

Noch  wichtiger  ist  die  Thatsache,  dass  die  Ostrauer  Schichten  bei 
Schönbrunn  fast  unmittelbar  am  Südostrande  des  Culmdachschiefers 
angelagert  erscheinen,  dagegen  die  Karwiner  Schatzlarer-Schichten  von 
demselben  Südrande  des  Culmdachschiefers  bei  Scliönbrunn  an  20  Kilo- 
meter südlicher  erst  vorliecren. 


8  »•  Stur.  [8] 

Geg:eniiber  diesen  Thatsachen  sollte  mau  erwarten  und  finden, 
dass  bei  Chorin-IIustopetsch  auf  den  Culmdachschiefer  von  Weisskirchen 
erst  die  Ostrauer  Schichten ,  und  erst  in  weiterer  Entfernung-  nach  Süd- 
osten die  Scliat/Jarer  Schichten  folgen,  während  thatsächlich  bei  Chorin 
die  Ostrauer  Schichten  weder  anstehend  noch  auch  in  Blockklippen 
auftretend  bisher  gefunden  wurden,  und  heute  nur  Blockklippen 
des  Schatzlarer  Carbons,  ganz  nahe  am  Cuhndachschiefer ,  angefahren 
wurden. 

Doch  darf  man  dieser  Thatsache  nicht  mehr  Gewicht  beilegen, 
als  ihr  wirklich  zukommt.  Im  niederschlesischen  Becken  und  bei 
Schatzlar  liegen  die  Schatzlarer  Schichten  unmittelbar  auf  dem  archä- 
ischen Grundgebirge,  also  auf  weit  älterem  Gebirge,  ohne  Zwischeu- 
einschaltnng  der  Ostrauer  Schichten ;  sie  können  daher  auch  in  der 
Gegend  von  Weisskirchen,  ohne  Zwischenlagcrung  der  Ostrauer  Schichten 
auf  dem  Culmdachschiefer  selbstständig  auftreten  und  wir  können  er- 
warten, dass  südlich  von  einer  Linie,  welche  Chorin-Hustopetsch 
mit  Karwin  verbindet,  im  Gebiete  des  Karpathensandsteines ,  diesen 
unterlagernd ,  thatsächlich  das  Schatzlarer  Carbon  ansteht  und  von 
diesem  „Anstehenden"  die  Blockklippen  von  Chorin  -  Hustopetscb 
stammen. 

Wem  nun  alle  die  bisher  erwähnten  Thatsachen  bekannt  sind, 
der  wird  das  Unternehmen :  mittelsteine  rBohrungbeiBielitz 
nördlich  im  Gebiete  des  Karpathensandsteins  die  Fort- 
setzung des  Ostrauer  Culmcarbons  zu  entdecken,  gewiss 
motivirt  linden,  aber  auch  die  Schwierigkeiten,  die  diesem  Unternehmen 
entgegenstehen,  vollkommen  würdigen  können. 

Zuerst  sei  jene  Schwierigkeit  klar  gemacht,  die  der  Untersuchung 
mittelst  Bohrlöchern  das  T  r  e  f f e  n  der  Blockklippen  in  der  Tiefe  des 
Gebirges  verursacht. 

Bei  der  Abteufung  des  Schachtes  am  Sträzberge  war  diese 
Schwierigkeit  handgreiflich  demonstrirt.  Wenn  nämlich  der  Anschlags- 
|)unkt  des  Strnzschachtes  nur  um  einige  Meter  weiter  in  nordwestlicher 
Richtung  ursprünglich  verlegt  worden  wäre,  so  hätte  dieser  Schacht 
unmöglich  die  Carbon  -  Blockklippe  trcflen  können ,  und  wäre  derselbe 
oimc  auch  nur  die  geringste  Spur  von  der  Existenz  dieser  Blockklippe 
mit  2G.000  Gentner  Kohlen,  die  ebenso  gut  auch  weit  grösser, 
umfangreicher  und  kostbarer  an  Kohle  hätte  sein 
können,  zu  erlangen,  vorbeigefahren.  Der  Sträzschacht  hatte  über- 
dies die  im  Gehänge  der  Beöva  bekannt  gewesene  kleine  Klippe,  die 
eigentlich  die  Veranlassung  zur  Untersuchung  gegeben  hatte,  auch  nicht 
getroffen. 

Im  Angesichte  dieser  Thatsachen  kann  man,  ohne  zu  fürchten, 
widerlegt  zu  werden,  behaupten,  dass  auch  das  Bohrloch  bei  Bielitz 
bei  einer  ganzen  Anzahl  von  kohlenführender  Blockklippen  vorbei- 
gefahren sei  und  dass  im  Falle  ein  Glückskind  den  Anschlagspunkt 
des  Bohrloches  anders  gewählt  hätte,  das  Unternehmen  zu  einem  gliick- 
lidien  Resultate  gelangt  wäre. 

Ebenso  kann  ein  Befragter  den  Rath  ertheilen:  Man  möge  nur 
noch  weiter  bohren ,  vielleicht  gelingt  es.  in  der  Teufe  von  wenigen 
Metern  einen  Kohlenfund  zu  machen. 


[9]  Die  Tiefljolinmg  bei   Bafzdorf  nördlich  bei   Bielitz-Biala.  9 

Zubegeben,  dass  die  Fortset/un«i-  des  Bolirlcx^hes  hei  Hielit/  juif 
Kohle  stösst ,  wer  wird  lieute  den  Mutli  finden  zu  ratlien  ,  man  möge 
nun  mit  einem  250  Meter  tiefen  Schachte  nachfahren  und  (h>n  Fund 
ausnützen,  —  im  Angesichte  der  im  Strazschachte  festgestellten  Möglich- 
keit, dass  der  fertige  Schacht  an  der  Fundstelle  eine  Blockklippe  mit 
den  Schatzlarer  Schichten  Jintrifft,  aus  welcher  möglicher  Weise 
nicht  einmal  2  6.00  0  Centner  Kohle  zu  holen  wären,  — 
im  Falle  nändich,  wenn  die  Blockklippe  kleiner  wäre,  als  jene,  die 
im  Schachte  des  Sträzberges  gefunden  wurde. 

Das  Schicksal  hat  im  vorliegenden  Falle  den  Bergmann  und  den 
Geologen  Hand  in  Hand  vor  eine  schwierige  Aufgabe  gestellt. 

Die  Untersuchung  des  Karpathensandsteinzuges ,  in  welchem  der 
Sträzscliacht  die  Möglichkeit  der  Gewinnung  namhafter  Mengen  von 
ausgezeichneter  Steinkohle  gezeigt  hat,  —  fallenlassen,  bedeutet: 
sich  eines  möglichen  bedeutenden  Gewinnes  entschlagen. 

Die  Untersuchung  des  Karpathensandsteinzuges  auf  in  ihm  eventuell 
enthaltene  Steinkohlen  in  die  Hand  zu  nehmen,  bedeutet:  eine 
langwierige,  kostspielige,  vielen  Wechselfällen  ausgesetzte  Unternehmung 
zu  beginnen ,  deren  Endresultat  nach  bisher  vorliegenden  Er- 
fahrungen sich  durchaus  noch  nicht  präliminiren  lässt. 

Es  wurde  bisher  nur  ein  einziger  Versuch  durchgeführt,  und  dieser 
hat  die  Möglichkeit,  einzelne  B 1  o  c  k  k  1  i  p  p  e  n  mit  Kohlen- 
flötzen  im  Karpathensandsteinzuge  zu  finden,  erwiesen, 
in  einem  weiten  Gebiete,  in  welchem  bisher  keine  sichere  Begründung 
vorlag,  auf  welcher  man  die  Annahme  des  Vorkommens  von  Kohle 
überhaupt  hätte  basiren  können. 

Das  Vorkommen  der  Blockklippen  mit  Steinkohlen  führt  uns,  da 
nä'mlich  die  colossalen  Blöcke  nicht  von  weitem  hertransportirt  sein 
können ,  nothwendig  zur  Voraussetzung ,  dass  auch  das  anstehende 
Steinkohlengebirge  nicht  weit  davon  entfernt  vorliegen  könne. 

Zunächst  ist  also  die  Vermehrung  unserer  Erfahrung  und  unserer 
Kenntnisse  von  der  inneren  Beschaffenheit  des  Karpathensandsteinzuges 
anzustreben.  Wenn  uns  mehrere  solche  Fälle,  wie  der  Sträzschacht, 
bekannt  sein  werden,  würden  wir  sicherer  weiterschliessen  können, 
namentlich  dann,  wenn  es  erwiesen  werden  sollte,  dass  die  Blockklippen 
nicht  stets  vereinzelt,  sondern  zahlreicher,  gruppirt,  oder  gar  in  Reihen 
gedrängt  vorkommen,  wie  man  dies  ja  von  den  neocomen  und  jurassi- 
schen Blockklippen  weiss. 

Der  Sträzschacht  hat  ferner  gezeigt,  dass  die  Blockklippen  nicht 
in  grosser  Teufe,  sondern  theils  ganz  oberflächlich  zu  finden  sind,  oder 
in  einer  massigen  Tiefe  von  30 — 40  Klaftern  erreicht  werden  können. 
Thatsächlich  hat  dann  die  Fortsetzung  des  Schachtes  bis  zur  Tiefe 
von  137  Metern  keine  neue  Beobachtung  zu  machen  erlaubt ,  da  bis 
zu  dieser  Tiefe  der  Blöcke  enthaltende  Tegel  durchfahren  wurde  und 
keine  weiteren  Blockklippen  getroffen  wurden. 

Hieraus  könnte  man  die  Lehre  folgern ,  dass  es  nicht  sehr  tiefe 
Bohrlöcher  sein  müssen,  die  man  bei  der  Untersuchung  des  Blockklippen 
führenden  Terrains  in  Anwendung  bringen  sollte.  Minder  tiefe  Bohr- 
löcher sind  verhältnissmässig  viel  weniger  kostspielig  und  weniger 
zeitraubend  und  können  drei  weniger  tiefe  Bohrlöcher  mehr  Aufschluss 

Jahrliuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  I.Heft.  (D.  Stur.)  2 


10  DStiir.      .  [10] 

l)iinj;cn,  als  ein  einziges  tiefes  Bohrloch,  wie  es  in  dem  vorliegenden  Falle 
bei  Hielitz   Tiiatsache  ist. 

Ferner  wäre  zu  beherzigen ,  dass  man  der  Feststellung  des  An- 
schlagspnnktes  eines  Bohrloches  die  möglichste  Sorgfalt  zuwende  und 
Übertags  genaue  Nachsuchung"  anstelle ,  ob  man  in  dem  betreffenden 
Terrain  oberflächlich  sichtbare  Blockklippen  des  Carbons  nicht  nach- 
weisen könne.  Am  Sträzschachte  hatte  die  Erfahrung  gezeigt,  dass  da 
neben  einer  am  Tage  sichtbaren  Blockklippe  mehrere  unterirdische 
Blockklii)pcn  situirt  waren,  wovon  eine  auch  vom  Sträzschachte  seitlich 
angefahren  wurde. 

Erst  wenn  durch  die  Vermehrung  der  Bohrlöcher  auch  unsere 
Erfahrung  über  die  geologische  Beschaffenheit  des  Karpathensandstein- 
zuges  gefördert  und  vermehrt  sein  wird ,  wird  es  vielleicht  rathsam 
erscheinen,  an  Hoffnung  verheissenden  Stellen  auch  tiefere  Bohrlöcher 
abzuteufen. 

Der  Geologe  muss  es  im  Interesse  der  Wissenschaft  und  der 
Industrie  wünschen,  dass  die  Untersuchung  des  Karpathensandsteins 
nicht  fallen  gelassen  werde  und  hat  mit  der  wahrheitsgemässen  Dar- 
legung der  bekannten  Thatsachen  seine  Aufgabe  vorläufig  erfüllt. 


Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien. 

(Fünfte  Folge.) 

Von  Dr.  Emil  Tietze. 

M.  Der  Karniowicer  Kalk. 

Im  verflossenen  Sommer  1890  habe  ich  Gelegenheit  gehabt,  wenig- 
stens für  einige  Tage  wieder  einmal  die  Umgebungen  von  Krakau  zu 
besuchen  und  bin  dadurch  in  die  Lage  versetzt,  Einiges  zur  Ergänzung 
der  Besehreibung  beizutragen,  welche  ich  in  meiner  grösseren  Abhand- 
lung von  dieser  Gegend  gegeben  habe.  (Vergl. :  Die  geognostischen  Ver- 
hältnisse der  Gegend  von  Krakau.  Wien  1888,  aus  dem  Jahrbuch  der 
k.  k.  geol.  Reichsanstalt  1887,   nebst  Karte.) 

Insbesondere  interessirte  mich  die  Frage  nach  dem  Vorkommen  und 
dem  Alter  des  sogenannten  Karniowicer  Kalkes,  die  ich  in  jener 
Abhandlung  als  eine  noch  nicht  abgeschlossene  hingestellt  hatte.  Seit 
jener  Publication  nun  haben  andere  Beobachter  über  diesen  Gegenstand 
weitere  Untersuchungen  gemacht  und  so  hat  auch  Herr  F.  Bartonec 
in  Sierza,  Inspektor  der  gräflich  Po tocki'schen  Thon-,  Eisen-,  Galmei- 
und  Kohlengruben,  nichrfache  Begehungen  des  hier  in  Betracht  kommen- 
den Terrainabschnittes  vorgenommen.  Diese  haben  ihn  mit  den  Aufschluss- 
punkten des  fraglichen  Kalkes  genauer  bekannt  gemacht,  wie  sich  denn 
der  Genannte  überhaupt,  seit  er  die  Leitung  jener  Bergbaue  über- 
nommen hat,  auf  das  Eingehendste  und  in  anzuerkennendster  Weise 
über  die  Verhältnisse  jenes  Gebietes  zu  unterrichten  gesucht  hat. 

Von  ihm  erhielt  ich  auch  eine  Einladung ,  gewisse  Theile  eben 
dieses  Gebietes  gelegentlich  wieder  zu  besichtigen  und  seiner  freundlichen 
Begleitung  verdanke  ich ,  dass  ich  auf  verschiedene  Einzelheiten  auf- 
merksam wurde,  die  mir  theilweise  bei  meiner  früheren  Bereisung  jener 
Landschaft  entgangen  waren.  Zu  diesen  Einzelheiten  gehörten  nun  auch 
solche  in  der  Gegend  von  Karniowice  und  Filipowice,  aus  welcher  das 
Auftreten  des  Karniowicer  Kalkes  bekannt  ist. 

Wir  besuchten  das  Thal  von  Filipowice,  wo  zunächst  bezüglich 
der  Verbreitung  des  i)roductiven  Kohlengebirges  (vergl.  meine  vVrbeit 
über  Krakau,  pag.  109,  113)  einige  Daten  nachzutragen  sind.  Die  aller- 
dings sehr  undeutlichen  Spuren  der  Steinkohlenformation  treten  näm- 
lich in  etwas  grösserem  Umfange  zu  Tage,  als  dies  auf  meiner  Karte 
zur  Darstellung  gelangt  ist. 

Jahrbuch  der  k.k. geol.  Keiohsanstalt.  1891.  41.  Band.  i.  Heft.  (E.  Tietze.)  2* 


1 2  Dr.  Emil  Tietze.  ['2] 

Auf  der  Generalstabskarte,  welche  meiner  Karte  zu  Grunde  gelegt 
ist.  sieht  man.  und  /war  bereits  mehr  im  nördlichen  Theile  des  Dorfes 
Filipowice.  aber  noch  südlich  von  der  Thalgabelung,  die  im  nördlichsten 
Theile  desselben  Dorfes  eintritt,  einen  trockenen  Wasserriss  gezeichnet, 
welcher,  von  Westen  kommend,  auf  der  rechten  Seite  des  Filipowicer 
Baches  einmündet  und  in  Wirklichkeit  nicht  ganz  trocken  ist,  sondern 
ein  kleines  Bächlein  führt.  In  der  Nähe  der  Einmündungsstelle  nun 
steht  auf  der  westlichen  Thalseite  eine  kleine  Partie  des  Kohlenge- 
birges an,  welches  hier  auch  nocb,  wenngleich  ebenfalls  in  wenig  aus- 
gedehnter Weise,  auf  der  (istlichen  Thalseite  bemerkt  werden  kann, 
dort  sogar  mit  Ausbissen  von  Kohle  selbst.  Diese  letztere,  Stelle  ist  erst  in 
allerletzter  Zeit  von  den  Bauern  aufgedeckt  worden ,  zum  Theil  weil 
nach  einem  Material  zur  Ziegelbereitung  gesucht  wurde ,  welches  von 
den  lehmig  zersetzten  Schiefern  der  Kohlenformation  geliefert  wird. 

Dieses  Vorkommen  wird  hier  ziemlich  direct  (das  heisst  unter 
Zwischenschiebung  nur  ganz  wenig  mächtiger  und  vermuthlich  auch  nocb 
zum  Carbon  geh()riger  Sandsteinlagen)  von  dem  deutlich  entwickelten 
Conglomerat  des  Buntsandsteins  bedeckt,  welches  man  ganz  in  der 
Nähe  sogar  im  Bachbett  anstehen  sieht ,  wie  denn  auch  meine 
Karte  hier  auf  der  östlichen  Thalseite  die  Anwesenheit  dieses 
Conglomerats  zum  Ausdruck  gebracht  hat.  Nördlich  von  dem  be- 
schriebenen Punkte  führt  ein  Weg  westlich  über  den  Berg  in  der 
Richtung  nach  Psary  und  dem  oberen  Theil  von  Karniowice  und  wie- 
derum etwas  nördlich  von  der  Abzweigung  dieses  Weges  kommen  noch 
einige  kleine,  zum  Theil  überwachsene  Kohlenhalden  auf  der  westlichen 
Thalseite  vor,  deren  Anwesenheit  leicht  übersehen  werden  kann. 

Es  ergibt  sich  also ,  dass  die  Spuren  der  Steinkohlenformation 
hier  etwas  weiter  nach  Norden  reichen,  als  ich  dies  verzeichnet  hatte. 
Es  ist  allerdings  heute  schwer  zu  ermitteln,  ob  nicht  an  dem  zuletzt 
erwähnten  Punkte  die  bewusste  Formation  erst  in  einer  gewissen,  wenn 
auch  sicher  nicht  bedeutenden  Tiefe  unter  der  Oberfläche  ansteht ,  in 
welchem  Falle  ihr  Aufschluss  durch  den  alten  Grubenbau  auf  Grund 
eines  Versuches  und  nicht  auf  Grund  unmittelbarer  Anhaltspunkte  statt- 
gefunden hätte.  Bei  der  flachen  Lagerung,  welche  längs  der  Mitte  des 
Dorfes  und  darüber  hinaus  die  Gebilde  des  Buntsandsteins  beherrscht, 
wäre  es  übrigens  nicht  auffallend,  wenn  das  augenscheinlich  tiberall 
unweit  der  Thalsohle  vorhandene  Carbon  mehrfach  in  die  Nähe  der 
Oberfläche  träte.  Das  allgemeine  Bild  aber,  welches  ich  (pag,  111 
meiner  Monographie)  von  dem  Profil  von  Filipowice  entworfen  habe, 
wird  keinesfalls  durch  die  hier  mitgetheilten  Beobachtungen  verändert. 
Wir  bebalten  einen  Schichtensattel  vor  uns,  an  dessen  Basis  die  Kohlen- 
formation nachgewiesen  erscheint,  über  welcher  zunächst  die  permo- 
triadischen  Absätze  und  dann  sowohl  nach  Norden  wie  nach  Süden  zu 
die  verschiedenen  in  dieser  Gegend  vorhandenen,  späteren  mesozoischen 
Bildungen  bis  zum  Jura  einschliesslich  folgen. 

Dass  übrigens  der  Jura  in  der  Richtung  nach  Lgota,  das  ist  nach 
Norden  zu,  wenigstens  ursprünglich  vollständiger  entwickelt  gewesen 
sein  mag,  als  dies  vielleicht  aus  meiner  Karte  hervorgeht,  möchte  ich 
schon'  aus  der  mir  gewordenen  Mittheilung  schliessen ,  dass  in  einem 
Stollen   dicht    bei    dem  Steigerhause    in  der  Colonie  Galman,    inmitten 


r3l  Beitrüge  zur  Geologie  von  Galizien.  13 

eines,  wie  ich  mich  persönlich  iiherzeu^te,  hanptsäclilich  aus  triadischen 
Gesteinsbrocken  bestellenden  Gebirgsschuttes  nahe  der  Obertläche  des 
dortigen  Gahneigebirges  auch  einig-e  Fossilien  der  Haiiner  Oolithe  gefunden 
wurden,  die  ottenbar  einer  ehemals  dort  verbreiteten,  si)ätcr  zerstörten 
Ablagerung  angehörten.  Damit  wird  der  Schluss  nahe  gelegt,  dass  auch 
die  von  mir  bei  Niesulowice  und  Lgota,  inmitten  einer  diluvialen  Sand- 
bedeckung, angegebenen  Vorkommnisse  des  oberen  Jura  den  braunen 
Jura  ebenso  im  Liegenden  haben ,  wie  er  im  siidHchen  Theile  des 
Filipowicer   Thaies  im  Liegenden  des  oberen  Jura  sich  befindet. 

Um  nun  aber  endlich  auf  den  Karniowicer  Kalk  des  Filipowicer 
Thaies  zu  kommen ,  so  sahen  wnr  denselben  in  der  Nähe  jener  oben 
bereits  erwähnten  Thalgabelung  im  nördlichsten  Theile  des  Dorfes  her- 
vortreten, und  zwar  ganz  in  der  Nähe  der  Vereinigungsstelle  der  beiden 
Quellbäche  des  Filipowicer  Baches,  zunächst  im  östlichen  (ungefähr  in 
der  Richtung  von  Ostreznica  herkommenden)  Bache,  wo  er  an  zw^ei 
Punkten  sichtbar  wird,  getrennt  durch  eine  kleine  Partie  von  Por- 
phyrtuff und  überlagert  von  einer  wenig  mächtigen  Bank  des  Conglo- 
merates.   Der  Kalk  besitzt  eine  nur  geringe  Mächtigkeit. 

Ein  anderer  Punkt  des  Auftretens  dieses  Kalks  befindet  sich  im 
unteren  Theil  des  westlichen  (in  der  Richtung  von  Galman  herkommen- 
den) Quellbaches,  etwa  150  Schritte  ober  der  Vereinigungsstelle  der 
beiden  Quellbäche.  In  diesem,  namentlich  nach  aufwärts  zumeist  aus- 
getrockneten Bache  sind  die  Aufschlüsse  sehr  mangelhaft  und  überdies 
nur  auf  den  Wassereinriss  selbst  beschränkt,  während  die  Gehänge, 
wie  dies  meine  Karte  angibt,  von  Löss  eingenommen,  bezüglich  auch 
von  Wald  bekleidet  werden ,  der  jeden  weiteren  Einblick  in  die  Zu- 
sammensetzung des  Gebirges  verhindert.  Immerhin  deuten  herumliegende 
Rollstücke  an ,  dass  hier  der  Kalk  zunächst  wieder  von  einer  Conglo- 
meratbank  bedeckt  wird.  Nasse  Stellen  darüber  könnten  auf  die  An- 
wesenheit einer  wasserundurchlässigen  Thonlage  bezogen  werden.  Noch 
weiter  hinauf  in  dem  Einriss  liegen  einige  Stücke  von  Porphyrtuflf 
herum,  bis  schliesslich  nach  oben,  gegen  das  Ende  des  Waldes  zu,  einige 
Spuren  von  Röthdolomit  auftreten,  ziemlich  übereinstimmend  mit  der 
Position,  in  der  man  nach  dem  bisherigen  Kartenbilde  das  Vorkommen 
dieses  Dolomits  über  den  Porphyrtufifen  in  Ergänzung  dieses  Bildes  zu 
erwarten  hatte. 

Wiederum  ein  anderes  Vorkommen  des  Karniowicer  Kalks  ist 
etwas  westlich  von  der  Mitte  des  Dorfes  Filipowice  zu  beobachten,  und 
zwar  in  jener  kurzen  Schlucht,  welche  zunächst  südlich  von  den  früher 
geschilderten  Kohlenausbissen  in  den  Filipowicer  Bach  mündet  (also 
direct  südlich  von  jenem  auf  der  Karte  als  trockener  Wasserriss  ge- 
zeichneten Bächlein).  Am  oberen  Ende  der  genannten  Schlucht  befindet 
sich  ein  Steinbruch,  der  eine  interessante  Schichtenfolge  blosslegt.  Unten 
sieht  man  bunten  Sandstein.  Darüber  folgt  ein  etwa  2  Fuss  mächtiges 
Conglomerat ,  bedeckt  von  einer  ebenfalls  nicht  mächtigeren  Lage  von 
PorphyrtuflF,  in  welchem  sich  bereits  Kalklinsen  eingeschaltet  finden. 
Darauf  folgt  die  compacte  Hauptmasse  des  Kalkes,  ungefähr  4  Meter 
mächtig,  und  über  dieser  kommt  noch  eine  schwache  Lage  von  rothem 
Porphyrtuff,  der  hier  das  Schichtenprofil  vorläufig  abschliesst,  soweit 
dasselbe  nämlich  durch  die  Steinbruchsarbeiten  aufgeschlossen  ist.  Man 


14  Dr.  Emil  Tietze.  [4] 

erkennt  indessen  weiter  nacli  der  Hölie  fortschreitend,  dass  über  den 
aufgezählten  Schichten  wieder  Conglomerate  auftreten.  Der  Kalk  ent- 
hält an  dieser  Stelle  Spuren  von  Pflanzenabdrücken,  zumeist  schilfartig-en 
Gebilden,  die  man,  ohne  dass  ich  hierauf  besonderen  Werth  legen  will, 
versucht  sein  könnte  mit  dem  Yuccites  des  Voltziensandsteines  zu 
vergleichen. 

Man  kann  nun  eine  Strecke  lang  den  Weg  verfolgen ,  welcher 
oberhalb  der  zuletzt  beschriebenen  Schlucht,  an  einem  auf  der  Höhe 
stehenden  Kreuz  vorbei,  gegen  Psar}^  zu  führt. 

In  der  Nähe  dieses  (auf  der  Generalstabskarte  angegebenen) 
Kreuzes  sieht  man  noch  Spuren  des  conglomeratischen,  dem  Buntsandstein 
angehörigen  Schotters.  Bald  westlich  dahinter  gelangt  man  zu  den  oberen 
Verzweigungen,  bezüglich  Anfängen  einer  bewaldeten  Schlucht,  welche 
bereits  in  das  Karniowicer  Thal,  und  zwar  westlich  von  Dulawa,  mündet. 

In  allen  Verzweigungen  dieser  Schlucht  (es  sind  deren  etwa  fünf) 
ist  der  Karniowicer  Kalk  entblösst.  In  der  östlichsten  Schluchtabzweigung, 
zu  welcher  man  auf  dem  angegebenen  Wege  zuerst  gelangt ,  sieht  man 
von  oben  hinabsteigend  zuerst  Porphyrtuif,  zum  Theil  Stücke  eines  festeren 
Porphyrs  enthaltend,  welcher  dem  Gestein  von  Miekinia  ähnelt,  darunter 
eine  schwache  Partie  von  Conglomerat  und  darunter  dann  den  Karnio- 
wicer Kalk,  welcher  seinerseits  von  buntem  Sandstein  unterteuft  wird. 
In  der  zunächst  westlich  davon  folgenden  Schluchtverzweigung  liegt 
ebenfalls  Sandstein  unter  dem  Kalk,  doch  erscheint  der  Sandstein  hier 
mit  thonigen  und  tuffigen  Zwischenlagen  durchsetzt  und  über  dem  Kalk 
liegt  direct  Porphyrtuff. 

In  den  übrigen  (noch  westlicher  gelegenen)  Schluchtabzweigungen 
ist  nur  der  Kalk  deutlicher  entblösst  und  sind  die  übrigen  Gesteine  in 
Folge  von  Verschüttungen  und  Bewachsung  des  Terrains  nicht  genügend 
aufgeschlossen ,  um  eine  genaue  Reihenfolge  derselben  ermitteln  zu 
lassen.  Hier  in  dieser  Gegend  kann  man  im  Kalk  noch  am  meisten 
Pflanzenreste  finden.  Doch  sind  einigermassen  deutliche  Stücke,  wie  es 
scheint,  grosse  Seltenheiten.  Unter  den  Exemplaren,  die  ich  selbst  mit- 
bringen konnte,  ist  die  Gattung  Taeniopteris  und  sehr  wahrscheinlich 
(nach  freundlicher  Bestimmung  Sturs)  auch  Zamites  vertreten.  Andere 
Stücke  erwiesen  sich  als  gänzlich  unbestimmbar. 

Alle  die  bisher  erwähnten  Vorkommnisse  von  Karniowicer  Kalk 
sind  nun  zweifellos  dem  Schieb tencomplex  zuzuth eilen,  welchen  ich  als 
Perm-Buntsandsteinformation  angesprochen  habe.  Die  Zwischenschiebung 
des  Kalkes  zwischen  die  Sandsteine,  Conglomerate  und  Porphyrtuffe  dieses 
Complexes  ist  eine  ganz  evidente. 

Anders  verhält  es  sich  mit  denjenigen  bisher  zum  Karniowicer 
Kalk  gestellten  Bildungen,  welche  die  an  Masse  bedeutendsten  und  auf- 
fälligsten Partien  dieses  angeblichen  Schichtenhorizontes  ausmachen  und 
welche  theils  zwischen  Filipovvice  und  Miekinia,  theils  östlich  oberhalb 
Karniowice  felsbildend  auftreten. 

Für  diese  letzteren  Partien ,  von  welchen  ich  diesmal  allerdings 
nur  die  Felsen  bei  Karniowice  nochmals  zu  besuchen  Zeit  hatte,  möchte 
ich  nunmehr  mit  ziemlicher  Sicherheit  ein  höheres  Alter  annehmen  und 
sie  als  klippenartige  Kuppen  des  Kohlenkalks  auffassen,  welclie  inmitten 
der  Absätze  der  Perra-Buntsandsteinformation  auftauchen. 


[5]  Beiträge  zur  Geologie  vöii  fializien,  15 

Es  bestehen,  wie  ich  schon  in  meiner  iirössercn  Arbeit  ausführte 
(1.  c.  pag-.  104 — 106,  vergl.  pa^-.  112),  zu  bedeutende  Schwierigkeiten  für  die 
Deutung-  der  Lagerung-sverhaltnisse.  wenn  man  diese  Kalke  als  Einhigc- 
rungen  in  die  genannte  Formation  auffassen  \v\\\.  Dieselben  sind  überdies 
an  den  Stellen  ihres  Aufschlusses  mächtiger  als  die  früher  beschriebenen 
Kalkbänke.  Aber  trotz  dieser  Mächtigkeit  setzen  sie  sich  rechts  und 
links  von  jenen  Aufschlüssen  nicht  fort,  was  sie  doch  thun  sollten, 
wenn  sie  einer  zwischen  die  Schichten  des  Buntsandstein  eingeschobenen 
Bank  angehörten.  Wenn  die  echten  Karniowicer  Kalke  allerdings  auch 
nur  in  der  Art  auftreten ,  dass  sie  auf  der  Karte  als  kleine  unbe- 
deutende Fleckchen  dargestellt  werden  müssten,  so  liegt  dies  daran, 
dass  die  Entblössung  dieser  Bänke  in  zumeist  schmalen  Erosionsfurchen 
erfolgt  ist,  zwischen  welchen  das  Terrain  verdeckt  bleibt.  Beiderseits 
solcher  Schluchten  muss  dann  natürlich  jede  Spur  der  bewussten  Bänke 
verschwinden.  Die  jetzt  in  Bede  stehenden  Kalke  dagegen  bilden  Kuppen 
und  Felsen  auf  schon  an  sich  erhöhten  Terrainstellen.  Ihre  Fortsetzung, 
wäre  sie  wirklich  vorhanden,  müsste  sich  an  den  betreffenden  Gehängen 
bemerkbar  machen,  weil  kein  Grund  ersichtlich  ist,  warum  gerade 
einzelne  Stellen  dieser  Gehänge  zur  Bildung  kuppenförmiger  Hervor- 
ragungen und  Aufschlüsse  dieser  Kalke  prädisponirt  gewesen  sein 
sollten.  Unter  sonst  gleichen  Verhältnissen  müssten  die  letzteren  an 
diesen  Gehängen  längs  ihrer  ganzen  Erstreckung  felsbildend  auftreten, 
anstatt,  wie  dies  thatsächlich  geschieht,  in  der  Umgebung  jener  Klippen 
spurlos  zu  verschwinden,  während  doch  Spuren  anderer  Gesteine  (Conglo- 
raerate  und  dergleichen)  daselbst  zu  tinden  sind. 

Zudem  ist  eine  gewisse  petrographische  Aehnlichkeit  dieser  klippen- 
förmig  auftretenden  Kalke  mit  gewissen  helleren  Varietäten  des  Kobleu- 
kalks  der  Gegend  von  Czerna  vorhanden ,  während  andererseits  eine 
Verschiedenheit  derselben  gegenüber  den  oben  erwähnten  Kalken  des 
bunten  Sandsteins  herausgefunden  werden  kann.  Diese  Kalke  des  Bunt- 
sandsteins, für  welche  man  in  Zukunft  den  Namen  Karniowicer  Kalk 
ausschliesslich  zu  verwenden  haben  wird  ^) ,  haben  fast  überall  einen 
gelblichen  oder  auch  gelbröthlichen  Farbenton  und  zeigen  überdies  eine 
eigenthümliche,  den  besprochenen  Klippenkalken  in  geringerem  Grade 
zukommende  Durchlöcherung,  durch  welche  sie  trotz  ihres  sonst  zucker- 
körnigen oder  fast  krystallinischen  Aussehens  ein  wenig  an  Kalktuffe 
erinnern,  mag  auch  ein  zelliges  Aussehen  namentlich  bei  dolomitischen 
Kalken  anderwärts  auch  echt  marinen  Bildungen  nicht  fehlen.  Ihnen 
gehören  dafür  allein  und  ausschliesslich  die  etwa  aufzutindendeu 
Pflanzenspuren  an,  während  man  beispielsweise  an  dem  Felsen  östlich 
von  Karniowice  vergeblich  nach  Pflanzen  suchen  wird.  Die  bereits 
von    Hohenegger    und    Fallaux    (Geognostische    Karte    des    ehe- 

')  Dr.  Gürich  hat  in  den  Erläiiteruagen  zu  seiner  kürzlich  erschienenen 
Karte  von  Schlesien  (Breslau  1890)  den  Namen  „Karniowicer  Schichten"  in  einem  sehr 
•weiten  Sinne  gebraucht,  indem  er  darunter  die  ganze  Buntsandsteinforniation,  bezüg- 
lich das  damit  eventuell  verknüpfte  Penn  des  Krakauer  Gebietes  im  Allgemeinen  ver- 
standen hat.  Auch  Zareczny  bat  neuerdings  eine  ähnliche  Bezeichnungsweise  einge- 
führt. Ich  habe  bereits  in  einem  Eeferat  (Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1890, 
pag.  276)  Gelegenheit  genommen,  auf  die  Unzukömraliclikeit  dieses  Vorganges  hinzuweisen, 
•welcher  der  mit  dem  Namen  Karniowice  verbundenen ,  ausschliesslich  au  die  dortigen 
Kalke    anknüpfenden  Tradition   widersprechend   nur   zu  Verwechslungen  führen  könnte. 


1(5  Dl"-  Emil  Tietze.  [6] 

maliiien  Gebietes  von  Krakau.  Wien  1866,  pas:.  14  der  Erläuterung) 
an*::edeutete  Vermuthung-,  dass  die  der  Buntsandsteingruppe  dieses 
Gebietes  unterg:eor(lueten  Kalke  Süsswasserabsätze  ^)  sein  k'hinten,  liegt 
jedenfalls  bei  diesen  echten  Karniowicer  Kalken  ziemlieli  nahe,  während 
man  bei  den  bisher  irrthündich  hierher  gerechneten  Bildungen  eher 
nach  Korallen  oder   dergleichen  zu  suchen  versucht  sein  könnte. 

Die  bereits  ziemlich  alte  Ansicht  Alth"s  (Poglad  na  geologi^ 
Galicyi  zachodniej  in  den  sprawozdanie  komisyi  tizyograficznej.  Krakau 
1872 ,  pag.  99) ,  welche  ich  in  meiner  Arbeit  der  weiteren  Prüfung 
empfahl,  dass  nämlich  unter  der  Bezeichnung  Karniowicer  Kalk  zwei 
verschiedene  Ablagerungen  zusammengefasst  worden  seien,  gewinnt  nach 
dem  Gesagten  jedenfalls  sehr  an  AVahrscheinlichkeit,  w^ennauch  die  soeben, 
gleich  wie  die  bereits  vor  einigen  Jahren  von  mir  zu  dieser  Frage  bei- 
gebrachten Gesichtspunkte  zunächst  nur  den  Lagerungsverhältnissen 
entnommen  sind.  Es  scheint  aber,  dass  ziemlich  bald  nach  meiner 
ersten  Bereisung  dieser  Gegend  auch  von  anderer  Seite  und  ganz  unab- 
hängig von  mir  eine  ähnliche  Auffassung  befürwortet  werden  konnte, 
wie  aus  gewissen  vorläufigen  Bemerkungen  Zareczn y"s  in  dessen  Arbeit 
über  das  Krakauer  Devon  hervorgeht  (vergl.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol. 
Reichsanstalt.  1888). 

Der  Genannte  erwähnte  damals  (1.  c.  pag.  48) ,  dass  nach  seiner 
Ansicht  die  Darstellung  der  Verbreitung  des  Kohlenkalks  auf  den  bis- 
herigen Karten  des  Krakauer  Gebietes  mancher  Aenderung  bedürfen 
werde,  l  nter  Anderem  seien  echte  Kohlenkalke  ..unter  fremdem  Namen 
als  Karniowicer  Kalk"  eingezeichnet  worden.  Dieser  Auffassung  hat  der- 
selbe Autor  neuestens  nochmals  bestimmteren  Ausdruck  gegeben .  in 
einer  in  polnischer  Sprache  erschienenen  Arbeit,  betitelt:  „Studyja 
geologiczne  w  Krakowskim  okregu"  (pag.  6  in  der  oben  schon  genannten 
Zeitschrift  „Sprawozdanie  Komisyi  fiziograficznej",  Krakau  1889).  Er 
schreibt  dort,  er  finde  es  „etwas  sonderbar",  dass  die  pittoresken  Felsen 
im  Kamienica-Thale  vor  Filipowice  zu  den  Karniowicer  Kalken  ge- 
zählt werden.  ..Trotz  gänzlicher  Uebereinstimmung  aller  bisherigen, 
sowohl  in  der  Karte  als  in  den  Beschreibungen  gegebenen  Bestimmungen, 
muss  dieser  Kalk  entschieden  zu  den  Kohlenkalken  gerechnet  werden,  denn 
obwohl  er  auf  den  ersten  Blick  dem  Karniowicer  Kalke  ähnlich  ist,  enthält 
er  doch  unzweifelhafte  marine  Versteinerungen  (Crinoiden ,  Pruducten, 
Korallen  zu  der  Art  Syn'ngopora  reticulala  gehörig  etc.).  Ein  ähnlicher 
Kalk,  wahrscheinlich  Kohlenkalk,  bildet  im  Miekinia-Thale  niedrige 
Felsen ,  in  denen  ich  jedoch  trotz  eifrigen  Suchens  ausnahmsweise  bis 
jetzt  keine  Fossilien  entdecken  konnte.  Ein  ganz  gleicher  Koblenkalk 
bildet   hervorragende    (zum  Theil   schon   verschüttete)   Stufen    auf   der 


*)  Man  würde,  wollte  man  diese  Yermuthung  weiter  ausmalen,  etwa  au  Quellen- 
absätze zu  denken  haben,  welche  in  der  Nähe  der  Küste  stattfanden  und  bereits 
untertriadische,  respeotive  permiscbe  Bildungen  zum  Untergrund  hatten ,  während  sie 
andererseits  bei  wechselndem  Wasserstande  des  untertriadischen  Meeres  wieder  über- 
fluthet  nnd  von  anderen  Ablagerungen  derselben  Epoche  bedeckt  wurden.  Jene  Kalk 
absetzenden  Quellen  jedoch  könnte  man  gleichsam  als  eine  Nachtragserscheinung  in 
Zusammenhang  bringen  mit  dem  Ausbruch  des  Porphj-rs  von  Miekinia.  welcher  Ausbruch, 
wie  ich  seiner  Zeit  eezeigt  habe,  vor  der  Ablagerung  des  untertriadischen  Schichten- 
complexes  jeuer  Gegend  stattgefunden  hatte,  während  allerdings  die  dortigen  Porphyrtuffe 
vii-lfach   etwas  jünger  siud  als  der  bewusste  Porphyr. 


[7]  Beiträge  znr  Geologie  von  Galizien.  \'J 

Höbe,  in  der  obersten  Ver/.weigunii"  desjenigen  Tbälcbens,  welcbes  etwas 
üstlieb  vom  Kaniienica-Tbal  beginnt  und  von  bier  direct  südiicb  gegen 
Wola  Filipowska  berabläuft/' 

Obscbon  der  Name  Kamieuica-Tbal  anf  den  nns  zur  Verfügung 
stebenden  topograpbiscben  Karten  in  der  fraglieben  Gegend  nicbt  er- 
sebeint,  kann  gemäss  der  voranstebenden  Besebreibung,  wenn  man  die 
Einzelbeiten  derselben  im  Zusammenbange  untereinander  und  mit  ge- 
wissen voranstebenden  Sätzen  auftasst,  kein  Zweifel  darüber  obwalten, 
dass  bier  zum  Tbeile  aucb  von  jenen  Kalken  die  Rede  ist,  welcbe  auf 
meiner  Karte  in  der  Gegend  zwisoben  Filipowiee  und  Miekinia  als 
Karniowieer  Kalk  eingetragen  wurden,  gleichwie  sie  beispielsweise  scbon 
bei  Römer  unter  demselben  Namen  tigurirten.  Es  sind  dies  jedocb 
Vorkommnisse,  welcbe  mich  bereits  im  Texte  meiner  Arbeit  zu  den 
oben  wieder  berübrten  Bedenken  veranlassten  und  ich  freue  micb,  dass 
diese  Bedenken  nunmebr  durcb  die  von  Zareczny  mitgetbeilten  Ver- 
steinerungsfunde aucb  ibre  palaontologiscbe  Bestätigung  erbalten  baben. 

Direct  ,,sonderbar'*  braucbt  nmn  aber  desbalb  die  frübere  Be- 
stimmung jener  Kalke  nicbt  zu  tinden.  Jede  Bestimmung  gründet  sich 
zunächst  auf  das  dem  betretfeuden  Forscher  zugängliche  Beobachtungs- 
material. Wenn  einem  späteren  Forscher,  so  wie  das  der  natürliche 
Verlauf  solcher  Dinge  mit  sich  bringt,  ein  umfassenderes  Material  von 
Thatsacben  zur  Verfügung  steht,  so  wird  er  natürlich  auch  eine  genauere 
Bestimmung  zu  geben  im  Stande  sein.  Mau  wird  es  ganz  selbstver- 
ständlich tinden,  dass  er  mehr  zu  wissen  in  der  Lage  ist  als  seine  Vor- 
gänger ,  aber  man  wird  es  eben  desbalb  aucb  nicht  auffallend  oder 
sonderbar  nennen ,  dass  diese  Vorgänger  noch  nicht  auf  dem  fort- 
geschrittenen Standpunkte  des  Nachfolgers  standen,  so  lange  ihnen  ge- 
wisse für  die  Beurtheilung  einer  Frage  wünschensw^erthe  Bebelfe  noch 
fehlten. 

Verhalte  sich  das  aber,  wie  es  wolle,  jedenfalls  ist  Herr  Zareczny 
zu  der  Auffindung  derartiger  Behelfe  in  unserem  Falle  zu  beglück- 
wünschen: denn  ihm  gebührt  das  Verdienst,  durcb  seine  oben  citirten 
Andeutungen  zur  Klärung  der  uns  hier  beschäftigenden  Frage  wesentlich 
beigetragen  zu  baben.  Meine  eigenen  diesmaligen  Ausführungen  be- 
zweckten indessen  zu  zeigen,  dass  gewisse,  von  mir  bereits  früher  aus- 
gesprochene Vermuthungeu  sich  als  begründet  erweisen,  und  dass  ferner 
der  echte,  nach  Ausscheidung  der  zu  einer  älteren  Ablagerung  gehörigen 
Klippen  noch  übrig  bleibende  Karniowieer  Kalk  ein  sicheres  Glied 
derjenigen  Schichtenreibe  sei,  für  welcbe  ich  in  erster  Linie  (in  Ueber- 
einstimmung  mit  Hobenegger,  Fallaux  und  Hauer)  das  Alter 
des  Buntsandsteines  in  Anspruch  genommen  habe ,  jedoch  mit  der 
Modification ,  dass  in  eben  dieser  Schichtenreibe  eine  tbeilweise ,  vor- 
läufig allerdings  nicht  näher  zu  präcisireude  Vertretung  des  Perm  mit 
enthalten  sei. 

Was  im  Uebrigen  aus  den  heute  von  mir  mitgetbeilten  Angaben  ge- 
schlossen werden  kann,  das  ist  zunächst  eine  gewisse  Variabilität  in  der 
Aufeinanderfolge  der  einzelnen  Gesteine ,  aus  welchen  sich  die  Perm- 
Buntsandsteinformation  dieser  Gegend  zusammensetzt,  ein  Umstand,  auf 
den  ich  übrigens  schon  früher  auf  Grund  anderer  Einzelbeiten  aufmerksam 
gemacht  habe  (1  c.  pag.  102,  111,  116).  Es  gibt  unter  den  mitgetbeilten 

Jabrbucli  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  i.  Heft.  (E.  Tletze.)  3 


lg  Dr.  Emil  Tietze.  [8] 

Scliiclitcnfolgen ,  imierlialb  deren  der  eigentliche  Karniowicer  Kalk 
auftritt,    nicht  zwei,   die  untereinander   völlig-   übereinstimmen  würden. 

Hei  diesem  Umstände  hin  ich  indessen  genöthigt,  noch  einige 
Augenblicke  zu  verweilen,  um  gewissen  missverständlichen  Auftassungen 
entgegenzutreten,  welche  von  Zareczny  in  dessen  oben  citirter  neuester 
Arbeit  vorgebracht  wurden,  denn  diese  Ausführungen  scheinen  mir  nur 
allzu  geeignet,  die  von  demselben  Autor  durcli  seine  Funde  auf  der 
einen  Seite  geförderte  Klärung  der  Altersfrage  des  Karniowicer  Kalkes 
auf  der  anderen  Seite  wieder  zu  trüben. 

Ich  citire  den  ganzen  hierher  gehörigen  Abschnitt  (I.e.  pag.  7);  der 
Autor  schreibt:  „Die  Karniowicer  Schichten  besitzen  nicht  die  Reihenfolge, 
wie  sie  auf  der  Wiener  Karte"  (worunter  meine  Karte  der  Umgebung- 
von  Krakau  zu  verstehen  ist)  „angegeben  erscheint,  nach  welcher  zu 
Unterst  der  Karniowicer  Kalk  liegen  soll ,  der  dann  erst  von  Sand- 
steinen, Oonglomeraten  und  Tuffen  überlagert  wird.  Sie  besitzen  auch 
nicht  die  von  A  Ith  angegebene  Aufeinanderfolge,  nach  welcher  das  tiefste 
Glied  Conglomerate  sein  sollen,  über  welchen  zuerst  Sandsteine,  Porphyr- 
tuflfe  und  als  oberste  Lage  die  Karniowicer  Kalke  erscheinen.  Sie  haben 
auch  nicht  die  von  R ö  m  e  r  und  0 1  s  z  e  w  s  k  i  angenommene  Reihenfolge, 
wonach  der  Karniowicer  Kalk  zwischen  dem  Conglomerat  und  dem 
Tuft"  liegen  soll.  Das  tiefste  Glied  dieser  Schichten  ist  niindich ,  Avie 
Römer  richtig-  angibt,  eine  dicke,  im  Krakauer  Bezirke  weit  verbreitete 
Lage  des  Karniowicer  Sandsteines ,  der  stellenweise  Calamiten  und 
Lepidodendren  einschliesst,  also  eine  unzweifelhaft  paläozoische  Lage, 
die  höchstwahrscheinlich  noch  zur  Kohlenformation  gehört.  Auf  dieser 
ruht,  nur  stellenweise  abgesetzt,  der  sogenannte  Karniowicer  Kalk, 
das  ist  ein  krystallinischer,  kalkiger  Süsswassertuft"  mit  Abdrücken  von 
Land  pflanzen,  und  erst  auf  dem  Karniowicer  Kalk  liegen  Conglomerate 
und  Tutfe.  Ueberall,  wo  Kalk  und  Conglomerate  zusammen  auftreten, 
liegen  die  Conglomerate  auf  den  Kalken  und  niemals  unter  denselben. 
Sie  enthalten  im  Gegentheile  oben  Knollen  von  Porphyr  und  Porphyrtutf, 
welcher  sie  fast  überall  unmittelbar  bedeckt.  Meiner  Ansicht  nach  be- 
zeichnet erst  der  Karniowicer  Kalk  das  Ende  der  Kohlenformation  (sie !) 
und  er  geht  unmittelbar  dem  Erscheinen  des  Porphyrs  von  Miekinia 
voraus.  Er  ist  übrigens  eine  evident  locale  Bildung ,  die  sich  auf  das 
Gebiet  zwischen  den  Thälern  von  Karniowice  und  Miekinia  beschränkt, 
und  die  während  der  Entstehung-  der  groben  Conglomerate  an  vielen 
Stellen  der  Zerstörung  unterlag.  Die  in  ihm  und  in  dem  unter  dem- 
selben liegenden  Karniowicer  Sandstein  erodirten  Gruben  füllt  auch 
stellenweise  das  Conglomerat  aus,  welches  in  diesem  Falle  auch  im 
gleichen  Niveau  wie  der  Karniowicer  Kalk  oder  unterhalb  der  Bänke 
desselben  zu  liegen  scheint,  wodurch  dann  die  Bänke  des  Kalkes 
plötzlich  aufhören  und  wie  abgeschnitten  erscheinen.  Dadurch  werden 
falsche  Eindrücke  hervorgerufen,  die  beispielsweise  De  gen  bar  dt  zu 
der  Behauptung  veranlassten,  dass  die  Conglomerate,  Kalke  und  Tuffe 
mehrfach  mit  einander  wechsellagern." 

Zunächst  muss  ich  da  von  dem  Erstaunen  sprechen ,  das  ich 
empfand,  als  ich  von  der  Reihenfolge  erfuhr,  welche  ich  bezüglich  der 
Glieder  unserer  Perm-Buntsandsteinbildung  aufgestellt  haben  soll.  Diese 
angebliche  Reihenfolge  ist  augenscheinlich    nur  der  meiner  Karte    bei- 


[9]  Beitrage  zur  Geologie  vuu  Galizicn.  |<) 

gegebenen  F'aibenerläiiterung-  entnommen,  in  welcher  sämmtliche  Farben 
der  Karte  vertical  untereinander  gestellt  aufgeführt  werden,  was 
natürlich  auch  bei  den  Farben  gesclichen  musstc,  welche  für  die  ver- 
schiedenen Bildungen  zwischen  dem  Roth  und  dem  Carbon  gewählt 
wurden.  Irgend  eine  Aufeinanderfolge  für  diese  Ausscheidungen  nuisste 
ja  doch  ausgesucht  werden,  auch  wenn  man  denselben  zunächst  keinen 
besonderen  stratigraphischen  Werth  beilegte.  Wozu  aber  schreibt  man 
Kartenerliiuterungen,  wenn  dieselben  nicht  berücksichtigt  werden?  Es 
heisst  in  meiner  Arbeit  über  die  geognostischen  Verhältnisse  der  Gegend 
von  Krakau  (1.  c.  pag.  15)  ausdrücklich,  dass,  abgesehen  von  dem  obersten 
Niveau  des  Roth,  „welches  auch  eine  ganz  bestimmte  stratigraphische 
Stellung  einnimmt",  jene  Ausscheidungen  innerhalb  der  Perm-Buntsand- 
steinformation sich  ganz  vorwaltend  auf  petrographische  Begriffe  be- 
ziehen. „Niveauunterschiede  sollen  damit  weiter  nicht  angedeutet  sein, 
da  manche  der  betreffenden  Bildungen  nicht  mit  genügender  Constanz 
anhalten  und  auch  Wechsellagerungen  vorkommen.  Nur  von  den  Porphyr- 
tufien  könnte  man  vielleicht  sagen ,  dass  sie  gern  ein  etwas  höheres 
Niveau  einnehmen."  Ueber  den  letzteren  Punkt  spreche  ich  noch  einmal 
mit  der  erforderlichen  Einschränkung  auf  Seite  16  (unten). 

Im  Uebrigen  ist  auch  aus  meinen  Einzelbeschreibungen  allent- 
halben zu  entnehmen ,  dass  ich  mich  zu  dieser  Frage  vielfach  anders 
verhalte,  als  mir  Herr  Zareczny  insinuirt,  wenn  auch  im  Grossen 
und  Ganzen  die  von  mir  in  dem  erwähnten  Farbenschema  adoptirte 
Reihenfolge,  wie  ebenfalls  aus  meiner  damaligen  Einzelschilderung  und 
wie  des  Weiteren  aus  meiner  heutigen  Mittheilung  hervorgeht,  dem  that- 
sächlichen  Befunde  wenigstens  in  manchen  Fällen  conform  ist,  abgesehen 
von  der  Position  des  Karniowicer  Kalkes  selbst,  der  in  jenem  Schema 
allerdings  den  untersten  Platz  einnimmt.  Es  geschah  dies  aber  nicht 
ohne  Absicht ,  denn  so  lange  ich  im  Zweifel  bleiben  konnte ,  ob  nicht 
ein  Theil  der  früher  von  anderen  Autoren  als  Karniowicer  Kalk  be- 
zeichneten Schichten  zur  Carbonformation  im  weiteren  Sinne  gehören, 
so  lange  musste  ich,  um  jede  Missdeutung  zu  vermeiden,  diesem  Kalk 
in  meiner  Farbenerläuterung  einen  gesonderten  Platz  anweisen  und 
konnte  es  angemessen  finden,  diesen  Platz  zwischen  den  zweifellos  der 
unteren  Trias,  bezüglich  dem  Perm  angehörigen  Schichten  und  dem 
Carbon  zu  wählen,  und  jener  Zweifel  hat  sich  ja  jetzt  nach  Zareczny's 
eigenen  Ausführungen  als  berechtigt  herausgestellt.  Kann  man  aber 
mehr  thun  als  sich  von  vornherein  gegen  denkbare  Unterschiebungen 
zu  verwahren,  wie  ich  das  in  der  oben  citirten  Stelle  gethan  habe  und 
kann  man  nicht  verlangen,  dass  ein  Autor,  der  sich  vornimmt,  an  den 
Arbeiten  seiner  Vorgänger  Kritik  zu  üben ,  sich  die  Mühe  gebe ,  diese 
Arbeiten  zu  lesen? 

Uebrigens  widerspricht  sich  ja  Zareczny,  indem  gerade  er 
selbst,  und  zwar  ganz  direct,  dem  Karniowicer  Kalk  eine  sehr  tiefe 
Lage  innerhalb  der  von  mir  zum  Buntsandsteine,  bezüglich  zum  Perm 
gerechneten  Bildungen  anweist  und  diesen  Kalk  sogar  noch  zur  Kohlen- 
formation rechnet!  Diese  tiefe  Position  nehmen  die  bewussten  Kalke, 
soweit  sie  dem  echten  Karniowicer  Kalk  mit  Pflanzenresten  angehören, 
wie  wir  oben  gesehen  haben,  in  Wirklichkeit  allerdings  nicht  ein,  aber 
der  geschätzte  Autor   hätte ,   wenigstens  von  seinem  Standpunkte  aus, 


20  Dr  Emil  Tietze.  j^JQ] 

keinen  Grund,   sich   j::egen   die   Stellung:   auszusprechen,  welche  jener 
Kalk  in  der  Farbenerläuterung  zu  meiner  Karte  erhalten  hat. 

In  Wirklichkeit  liegt  der  echte  Karniowicer  Kalk ,  wie  ich  aus- 
einandersetzen konnte,  stellenweise  sogar  über  Porphyrtuffen  und  jeden- 
falls sehr  häufig  über  buntem  Sandstein,  welcher  letztere  dabei ,  wie  das 
z.B.  in  jener  Schlucht  oberhalb  Dulawa  der  Fall  ist,  zu  ziendicher 
Mächtigkeit  anschwellen  kann.  Es  stellt  sich  aber  heraus,  dass 
Zareczny  diesen  bunten  Sandstein  noch  dem  Carbon  zuzurechnen 
gewillt  ist,  denn  er  sagt  ja  ausdrücklich,  dass  der  „Karniowicer  Sand- 
stein", auf  welchem  der  besprochene  Kalk  liegt,  eine  unzweifelhaft 
paläozoische  Schicht  sei ,  die  höchst  wahrscheinlich  noch  zur  Kohlen- 
formation gehöre. 

Wir  hätten  zufolge  dieser  seltsamen  Auffassung  im  Krakauer 
Gebiet  über  dem  Kohlenkalk  zweierlei  Kohlenformationen  zu  unter- 
scheiden, eine  ältere ,  deren  Bildungen  auch  petrographisch  ganz  den 
Habitus  des  wirklichen  Carbons  an  sich  tragen  und  die  wenigstens  in 
den  westlicheren  Theilen  des  Gebietes  auch  vollständig  mit  den  Bil- 
dungen der  benachbarten  Kohlenreviere  übereinstimmen ,  und  eine 
jüngere  Kohlenformation,  deren  Gesteine  den  Habitus  des  bunten  Sand- 
steines aufweisen  und  die  dabei  völlig  discordant  über  der  älteren 
(wirklichen)  Kohlenformation  aufliegt,  während  sie  sich  ebenso  con- 
cordant  zu  den  darüber  folgenden  Bänken  des  Roth  und  des  Muschel- 
kalks verhält.  Ich  sage  absichtlich  den  darüber  folgenden  Bänken  des 
Roth ;  denn,  dass  die  fraglichen  bunten  Sandsteine  mit  den  ausserdem 
noch  unter  dem  Roth  liegenden  Porphyrtuffen,  Conglomeraten  und  bunten 
Tbonen  einen  einheitlichen  Complex  vorstellen  und  zusammengehören, 
wird  Jeder  erkennen,  der  über  vielleicht  recht  fleissigen  und  zeitrauben- 
den Einzelstudien  den  Blick  für  das  Ganze  nicht  verloren  hat  und  dem 
bei  der  Betrachtung  einzelner  Bäume  das  Bewusstsein,  sich  im  Walde 
zu  befinden,  nicht  abhanden  kommt. 

Nun  aber  stellt  der  geschätzte  Autor  die  Sache  so  dar,  als  ob 
bereits  F.  Römer  jenen  bunten  Sandstein  als  das  tiefste,  durch 
Calamiten  und  Lepidodendren  ausgezeichnete  Glied  des  in  Rede  stehen- 
den Schichtencomplexes  aufgefasst  und  als  paläozoisch  gedeutet  hätte. 
Das  ist  wieder  ein  merkwürdiges  Missvcrständniss,  welches  durch  ein 
genaueres  Citat  aufgeklärt  zu  werden  verdiente.  Ich  habe  die  hierher 
gehörigen  Publicationen  Römer's,  seine  Geologie  von  Oberschlesien 
und  seinen  Aufsatz  über  das  Vorkommen  des  Rothliegenden  bei  Krzeszo- 
wice  (Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  1864,  pag.  633  etc.)  darauf  hin 
nochmals  durchgesehen  ,  ohne  jedoch  den  geringsten  Anhaltspunkt  für 
ein  solches  Citat  zu  finden.  Ich  habe  gefunden ,  dass  R  ö  m  e  r  in  dem 
zuletzt  erwähnten  Aufsatz  (1.  c.  pag.  633  u.  636)  die  Sandsteine  der 
Thäler  von  Filipowice  und  Miekinia  dem  bunten  Sandstein  zurechnete, 
trotzdem  er  sonst  geneigt  ist,  den  hier  besprochenen  Schichtencomplex  der 
Hauptsache  nach  in's  Perm  zu  stellen;  ich  habe  gefunden,  dass  Römer 
der  Wahrheit  ganz  entsprechend ,  sowie  ich  das  später  auch  gethan 
habe,  an  der  Basis  desselben  Schichtencomplexes  carbonische  Schiefer 
(nicht  Sandsteine)  bemerkt  hat,  aber  ich  habe  nirgends  gefunden,  dass 
in  jenen  Schriften  von  einem  Sandstein  mit  Calamiten  und  Lepi- 
dodendren   die  Rede  ist ,    der    noch    zu    der    strittigen   Schichtenreihe 


[11]  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien.  21 

gezählt  wurde.  Es  ist  mir  mit  einem  Wort  ganz  unerfindlich ,  worauf 
die  angegebene  Beliauptung  Zarecznys  berulit.  Sollte  er  etwa  die 
thatsäehlich  noch  zum  Carbon  gehörige  »Sandsteinbank  an  der  Basis  des 
Filipowicer  Thaies,  von  welcher  oben  (pag.  12  [2],  Zeile  li)  u.  20  dieser 
Beiträge)  gesprochen  wurde  und  in  der  sich  freilich  leichter  Lepi- 
dodendren  und  dergleichen  finden  könnten,  mit  den  davon  ziemlich  ab- 
weichenden Sandsteinen  identificirt  haben ,  welche  wir  in  mehr  oder 
minder  directer  Verbindung  mit  den  Karniowicer  Kalken  kennen  gelernt 
haben?  Ich  vermag  auf  diese  Frage  keine  bestimmte  Auskunft  zu 
geben  und  es  ist  vielleicht  auch  müssig ,  sich  allzu  lange  dabei  aufzu- 
halten. 

Nicht  weniger  betroffen,  als  über  die  vorstehend  berührten  Punkte, 
bin  ich  übrigens  im  Hinblick  auf  die  Behauptung,  dass  der  Karniowicer 
Kalk  älter  sei,  als  der  Porphyr  von  Miekinia.  Wer  diesen  Porphyr  in 
der  Natur  beobachtet  und  gesehen  hat,  dass  er  eine  direct  über  dem 
dort  steiler  aufgerichteten  Steinkohlengebirge  discordant  liegende  dicke 
Platte  bildet  und  dass  ganz  unzweifelhaft  erst  über  ihm,  und  zwar 
wieder  in  discordanter  Stellung  die  flach  gelagerten  Schichten  des  bunten 
Sandsteines  folgen  (vergl.  meine  Monographie  über  Krakau,  pag.  115 
bis  120),  und  zwar  eines  Sandsteines,  wie  er  sonst  in  dieser  Gegend 
unter  dem  Karniowicer  Kalk  gefunden  wird,  der  begreift  nicht,  wie 
man  diesen  Porphyr,  der  doch  auch  nach  Römer  (z.B.  Zeitschr.  d. 
deutsch,  geol.  Ges.  1864,  pag.  638)  „jünger  ist  als  das  Koblengebirge", 
diesem  letzteren  selbst  zurechnen  und  der  begreift  noch  weniger,  wie 
man  ihn  andererseits  als  eine  dem  Karniowicer  Kalk  nachfolgende 
Bildung  betrachten  kann. 

Aus  dem  Umstände,  dass  die  Porphyrtuffe  dieser  Gegend  vielfach 
ein  ziemlich  hohes  Niveau  in  der  zwischen  dem  Roth  und  dem  Carbon 
entwickelten  Schichtenreihe  einnehmen ,  lässt  sich  doch  kein  Schluss 
ableiten,  welcher  die  bei  dem  Porphyr  selbst  und  direct  anzustellenden 
Beobachtungen  umzustossen  vermöchte.  In  diesen  Tuffen  werden  wir 
vielmehr,  wie  ich  mich  früher  (1.  c.  pag.  120)  ausdrückte,  „nur  ein 
regenerirtes  und  nicht  ein  dem  Ausbruch  der  Porphyre  gleichzeitiges 
Material  zu  erblicken  haben".  Anderenfalls,  wenn  wir  jenen  Tuffen  eine 
grössere  Selbstständigkeit  zugestehen  wollen,  haben  wir  darin  vielleicht 
theilweise  die  Spuren  von  vulkanischen  Aschen  oder  dergleichen  vor 
uns,  deren  Ausbrüche  während  des  Absatzes  unserer  Perm- Buntsand- 
steinformation erfolgten  und  einen  Nachklang  derjenigen  eruptiven 
Thätigkeit  vorstellten,  welche  durch  den  Ausbruch  des  Porphyrs  selbst 
bezeichnet  wurde  (vergl.  die  Anmerkung  auf  pag.  16  [6]  dieser  Arbeit), 
aber  das  macht  diesen  letzteren  Porphyr,  dort,  wo  er  bei  Miekinia  in 
grossen  Steinbrüchen  abgebaut  wird,  noch  immer  nicht  jünger  als  den 
echten  Kalk  von  Karniowice. 

Aber  selbst  wenn  dieser  Porphyr  und  jene  Tuffe  absolut  gleich- 
alterig  wären,  soweit  man  das  nämlich  in  Bezug  auf  Gesteine  behaupten 
dürfte,  von  welchen  ein  Theil,  wie  die  genannten  Porphyrtuffe,  in  etwas 
verschiedenen  Lagen  vorkommt,  selbst  dann  wäre  die  Behauptung 
Zareczny's  noch  unverständlich;  denn  wir  haben  ja  gesehen,  dass 
der  Karniowicer  Kalk  mit  den  Tuffen  wechsellagert,  dass  solche  Tuffe 
sich  sogar  stellenweise    unter    ihm    befinden    und    dass  er  andererseits 


'22  Dr.  E«il  Tief«  [12] 

anch  Linsen  in  diesen  Tuffen  bilden  kann.  Da  müsste  man  doch  wenijrstens 
den  Schloss    anf  Gleichzeitigkeit    der    verglichenen  Bildungen  machen. 

Wenn  ich  hier  von  den  Porphmnffen  gelegentlich  der  Frage 
spreche,  ob  der  Poq»h\T  von  Miekinia  älter  als  der  Kamiowicer  Kalk 
sei  oder  nicht,  so  geschieht  dies  übrigens  nur  aus  dem  Bestreben,  für 
die  Möglichkeit  jener  Behauptung  Zarecznys  irgend  eine  Erklärung 
ZQ  suchen.  Der  genannte  Autor  selbst  hat  auf  diesen  Punkt,  wie  ich 
zugestehen  muss .  nicht  verwiesen .  sondern  sich  mit  dem  Ausspruch  seiner 
Meinung  vorläutig  begnügt.  -Zahlreiche  und  interessante  Einzelnheiten, " 
schreibt  er  einige  Zeilen  später  in  Bezug  aut'  die  .Kamiowicer 
Schichten",  konnten  .nur  in  einer  grossen  und  kritischen  Beschreibung 
gegeben  und  genügend  gewürdigt  werden"'.  Von  dieser  kritischen 
Best!  -   werden    wir    dann    also  die  genaueren  Beweise  der  hier 

zur  I  ~  —  D  gelangten  Behauptungen  zu  erwarten  haben  und  können 
dann  Endgiltiges  auch  über  das  Alter  des  Porphyrs  von  Miekinia  zu 
erfahren  hoffen. 

In  dieser  kritischen  Beschreibnng  wird  voraussichtlich  auch  die 
nähere  Erläuterung  für  den  folgenden  Satz  gegeben  werden,  den  ich 
hinter  den  bisher  erwähnten  Aussprüchen  finde  und  den  ich  hier  noch 
erwähne,  weil  er.  obschon  mit  der  Frage  der  Kamiowicer  Kalke  nicht 
in  unmittelbarer  Beziehung  stehend.  dcKrh  gleichfalls  bekundet,  zu  wie 
abweichenden  Ansichten  die  neueste  Forschung  gegenüber  den  älteren 
Beobachtungen  in  der  Krakauer  Perm-Buntsandsteinbildung  gelangt. 
Zareczny  schreibt:  .In  den  Sandsteinen  von  Kwacza2a  kommen  die 
anf  der  Wiener  Karte  verzeichneten  Kamiowicer  Conglomerate  gar 
nicht  vor.  Die  Conglomerate  von  Kwaczaia.  Zag<»rze  und  Pogorzyce 
stossen  zwar  an  die  Sandsteine  an,  sind  jedwh  eine  viel  spätere  geo- 
logische Bildung. - 

Zunächst  erwähne  ich,  um  weitergehende  Missverständnisse  za 
vermeideo.  dass  ich  auf  meiner  Karte  nur  ganz  im  Allgemeinen  Con- 
glomerate der  besprochenen  Formation  ausgeschieden  habe.  Solche  habe 
ich  anch  bei  KwaczaJa.  westlich  von  Alwemia.  verzeichnet,  aber  nicht 
speciell  Kamiowicer  Conglomerate.  Ich  machte  vielmehr  (1.  c.  pag.  15} 
in  den  Erläutemngen  jener  Karte  ausdrücklich  darauf  aufmerksam, 
dass  in  der  Gegend  westlich  von  Alwemia  besonders  Quarzgerölle  an 
der  Zusanmiensetzung  der  bewussten  Conglomerate  theilnehmen  im 
Gegensatz  zu  den  Conglomeraten  nördlich  der  Linie  Trzebioia-Krzeszo- 
wice  (das  ist  der  Gegend  von  Myjlachowice.  Kamiovrice  und  Filipowice), 
wo  die  entsprechenden  GeröUe  hauptsächlich  aus  Kohlenkalk  bestehen. 

Was  aber  die  Bemerkung  anlangt,  dass  die  conglomeratischen 
Gesteine  von  Kwacza^a.  welche,  nebenbei  gesagt,  wie  die  meisten  der 
dort  unter  dem  Köth  sichtbaren  Bildungen  von  ziemlich  loser  Beschaffen- 
heit sind,  einer  viel  jüngeren  Ablagerang  ang^ehören  scdlen.  so  verweise 
ich  darauf,  dass  schon  F.  Römer  »Geokigie  von  ( Jberschlesien.  pag.  106 
das  jugendliche  Aussehen  dieser  Bildun^'en  betont,  ohne  sich  dadurch 
von  ihrer  durch  die  Lagerangsverhältnisse  gelx»tenen  Deutung  als  einer 
zwischen  dem  Carbon  und  dem  Roth  befindlichen  Ablagerang  abhalten 
ZQ  lassen,  l'ebrigens  führt  Römer  ganz  speciell  das  Auftreten  von 
Conglomeraten  als  zu  dieser  Ablagerang  gehörig  an  und  auch  Hohen- 
egger    und    Fall  au  x     sprechen     von    solchen    Conglomeraten    bei 


Mßl  Beilräge  zur  Geologie  von  Galizien.  23 

KwaczaJa  (pag.  11  und  12  ihrer  Arbeit)  ^aiiz  in  demselben  8inne.  Sie 
erwähnen  das  Vorkommen  von  Absätzen  daselbst,  die  aus  „nussj^rossen 
Quarzkörnern"  bestehen  und  sprechen  von  einer  Einschaltunj::  rother 
Thone  in  diese  Absätze.  Es  ist  also  nicht  allein  die  „Wiener  Karte", 
welche  Herrn  Zareczny  in  diesem  Falle  zu  seinen  Recriminationen 
Anlass  zu  bieten  vermaij. 

Diese  Karte  wird  Ja,  ich  zweifle  nicht  daran,  von  ihm,  der  sich, 
wie  ich  hcire,  schon  seit  einer  Reihe  von  Jahren  mit  dem  Studium  des 
Krakauer  Hügellandes  beschäftigt,  in  vielen  Einzelnheiten  berichtigt 
und  ergänzt  werden  können.  Namentlich  gewisse  mehr  oder  weniger 
minutiöse  Aenderungen  von  Formationsgrenzen,  hie  und  da  auch 
grössere  Oorrecturen  dieser  Art  werden  von  einem  so  flcissigen  Local- 
forscher  leicht  beizubringen  sein ;  glückliche,  mit  Zeitaufwand  und  Mühe 
zu  Stande  gebrachte  Versteinerungsfunde ,  wie  sie  beispielsweise  dem 
Genannten  im  Debniker  Devon  gelungen  sind,  werden  dabei  sicherlich 
das  Lob  und  die  Anerkennung  finden ,  die  sie  in  vollem  Masse  ver- 
dienen. Würde  aber-  ein  solcher  Autor  seine  Aufgabe  zum  Theil  darin 
suchen ,  gleichsam  um  jeden  Preis  die  Auffassungen  seiner  Vorgänger 
zu  demolircn ,  dann  könnte  er  leicht  über  sein  Ziel  hinausschiessen, 
wenn  dieses  Ziel  nicht  ausschliesslich  in  dem  Beifall  des  engeren 
Kreises  eines  Theils  seiner  Landsleute  gesucht  wird.  Namentlich  wäre  bei 
Ausschluss  der  letztgenannten  Voraussetzung  eine  Art  der  Literatur- 
behandlung zu  vermeiden,  durch  welche  die  Entwicklung  der  Ansichten 
der  früheren  Forscher  in  einer  einseitigen  Beleuchtung  und  durch 
welche  diese  Ansichten  selbst  in  einer  dem  Sinne  der  betreffenden 
Ausfährungen  nicht  ganz  entsprechenden  Darstellung  erscheinen. 


N.  Der  Wasserstollen  bei  Trzebionka. 

Auch  ein  mir  neues  N  eo  genvorkommen  kam  ich  anlässlich  jener 
Reise  in  die  Lage  zu  constatireu.  Bei  Trzebionka  nämlich  (nordwestlich 
vom  Bahnhofe  Trzebinia)  befindet  sich  ein  Wasserstollen  ,  w^elcher  vom 
südlichen  Rande  der  dortigen  mesozoischen  Hügelkette  bis  unter  die 
Gegend  der  dort  im  erzführenden  Dolomit  des  Muschelkalkes  angesetzten 
Erzbergbaue  reicht  und  welcher  der  Reihe  nach  die  dort  entwickelten 
Formationen  durchfahren  hat,  bis  er  unter  den  Muschelkalk,  und  zwar 
bis  in  die  Conglomerate  des  Buntsandsteins,  gelangte,  eine  Thatsache, 
die  mir  früher  unbekannt  geblieben  w-ar. 

Das  Auftreten  dieser  Conglomerate  im  unmittelbaren  Liegenden 
des  Roths  ist  hier  um  so  interessanter,  als  sich  sonst  am  nördlichen 
Rande  der  südlich  der  Kohlenforraation  von  Sierza  hinziehenden  Hügel 
von  den  Gesteinen  der  Buntsandsteingruppe  fast  nur  die  dieser  Gruppe 
angehörigen  Thone  in  der  Tiefe  wie  an  der  Oberfläche  nachweisen 
Hessen  (vergl.  z.  B.  meine  Arbeit  über  Krakau,  pag,  91),  ein  Umstand, 
der  mich  sogar  (und  wohl  mit  Recht)  bewogen  hatte) ,  das  Ver- 
hältniss  einer  localen  gegenseitigen  Vertretung  zwischen  Thonen 
und  Conglomeraten  vorauszusetzen  (vergl.  1.  c.  pag.  102).  Hier,  südöstlich 
von  Sierza,  beginnen  offenbar  die  bereits  bei  Myslaehowice,  östlich  von 
Sierza,  so  mächtig   entwickelten  Conglomerate  sich    in    das  Schichten- 


24  l^r-  Emil  Tiotze.  [14] 

profil  einznsclialten  und  dürften  liier  die  rothen  Thone  des  Biintsand- 
steiues  erst  im  Liegenden  erwartet  werden,  ähnlich,  wie  sie  am  Wege 
von  Trzehinia  nach  Myälachowice  das  Liegende  dieser  Schotterbildungen 
ausmachen.  Die  mitgetheilte  Beobachtung  hilft  somit  den  Gegensatz 
etwas  vermitteln,  den  wir  zwischen  der  Entwicklung  des  Buntsaudsteines 
im  Norden  und  im  Süden  der  Kohle  von  Sierza  bisher  in  viel  schärferer 
Weise  voraussetzen  mussten. 

Nicht  minder  wichtig  ist  aber  eine  Beobachtung,  welche  sich  am 
anderen  Ende  des  Stollens ,  nämlich  am  Ausgange  desselben  gegen 
die  Ebene  zu,  südlich  von  Trzebionka,  machen  lasst.  Hier  sind  in 
geringer  Mächtigkeit  gelbliche  Thone  aufgedeckt  worden,  von  denen 
mau  auch  noch  Spuren  (obschon  mit  anderen  Gesteinen  vermischt)  auf 
einer  Halde  neben  dem  Stollen  herumliegen  sieht.  Da  sich  nun  Schalen 
von  neogencn  Auslern  in  diesen  Thonen  tinden,  die  letzteren  selbst  überdies 
das  hängendste  Glied  des  ganzen  durch  den  Stollen  aufgeschlossenen  Profils 
darstellen,  so  ist  es  unzweifelhaft,  dass  wir  hier  eine  ncogene  Ablagerung 
vor  uns  haben. 

Durch  diese  Beobachtung  wird  eine  Angabe  F.  Römer's,  der  aller- 
dings ohne  nähere  Aufklärung  oder  Erläuterung  ncJrdlich  von  Chrzanow 
in  der  Niihe  der  von  Trzebinia  nach  Szczakowa  führenden  Eisenbahn 
Tertijirbildungen  auf  seiner  Karte  von  Oberschlesien  einzeichnete  (vergl. 
meine  Arbeit  über  Krakau,  pag.  93),  ebenso  gerechtfertigt,  wie  die 
Zweifel  beseitigt  werden ,  welche  man  aus  meiner  Besprechung  dieser 
Einzeichnung  herauslesen  kann.  Ich  halte  mich  verpflichtet,  dies  aus- 
drücklich hervorzuheben. 

Schliesslich  sei  bemerkt,  dass  in  diesem  Stollen  auch  an  der 
passenden  Stelle  unter  dem  weissen  Jura  eine  schwache  Lage  des 
Baliner  Ooliths  angetroffen  wurde ,  und  zwar  direct  in  der  Nähe  des 
Punktes,  von  welchem  jene  einer  Grenzbildung  zwischen  weissem  und 
braunem  Jura  entsprechenden,  vonUhlig  untersuchten  Fossilien  stammten, 
deren  ich  in  meiner  grösseren  Arbeit  (1.  c.  pag.  108)  gedacht  habe. 

O.  Exotische  Blöcke  bei  Bachowice. 

Ein  anderer  Punkt,  für  welchen  meine  frühere  Darstellung  einer  Ergän- 
zung bedarf,  befindet  sich  bereits  südlich  der  Weichsel  im  karpathischen 
Vorlande  nördlich  von  Wadowice ,  und  zwar  in  der  Nähe  des  Dorfes 
Bachowice,  von  wo  Herr  Bartonec  uns  vor  etlichen  Monaten  zwei 
Fossilien  eingesendet  hatte,  die  mir  sofort  die  Idee  nahelegten,  dass 
wir  daselbst  einen  neuen  Fundort  exotischer  Blöcke  zu  ver- 
zeichnen haben  würden.  Diese  Fossilien  waren  ein  Planulat  des  oberen 
Jura  in  einem  grauen  Kalkstein  und  ein  Calamit  der  Steinkohlenformation 
in  einem  mittelkörnigen,  bräunlich  gelben  Kohlensandsteine.  Mitgetheilt 
wurde  uns  damals  ferner,  dass  in  der  Nähe  dieser  Funde  Kohlenspuren 
entdeckt  worden  seien. 

Herr  Bartonec  hatte  die  Freundlichkeit,  mich  auch  zu  diesem 
Punkte  zu  begleiten.  Letzterer  befindet  sich  östlich  von  Bachowice  in 
der  Nähe  des  Jägerhauses,  an  welchem  man  auf  der  von  Woi;niki 
nach  Ryczöw  führenden  Strasse  vorbeikommt.  Hier  werden  Andeutungen 


[151  Beiträge  zur  Geologie  vou  Galizien.  ^5 

iiltcriT,  (Ins  lioisst  vordilnvialer  Gesteine  niclit  blos  im  Raeliowski  las 
nördlieli  vom  ,Iäi;crliause  sielitl)ar,  von  wo  sie  meine  Karte  ani,nbt. 
sondern  ancli  in  der  Wald])artie  direct  siidlicli  vom  .läiverliause  in  den 
kleinen  8('ldncliten.  welelie  dort  in  der  Riclitung-  nach  Z\i;'odo\vice  her- 
absehen. Diese  Anfschliisse  befinden  sieh  also  ungefähr  in  der  Strei- 
ehuniisfortset/ung  jener  oligocäncn  Gesteine,  welelie  meine  frühere  Dar- 
stellung auf  der  Süd-  und  Siidostseite  des  Dorfes  Piaehowiee  verzeich- 
net hat. 

In  den  luiheren,  das  ist  dem  Jägerhause  näher  geleg-enen  Theilen 
der  genannten  Schluchten  kommen  nun  grobkörnige  Sandsteine  vor, 
welche  dem  Grodeker  oder  Ciozkowicer  Sandstein,  wie  er  auch  am  Süd- 
ende von  Bachowice  auftritt,  durchaus  ähnlich  sehen  und  die  besonders 
in  den  östlicher  gelegenen  Schluchtverzweigungen  besser  zur  Geltung 
gelangen.  Etwas  tiefer  herrscht  ein  weisspunktirter  Sandstein ,  mit 
welchen) ,  nach  den  losen  umherliegenden  Stücken  zu  schliessen ,  auch 
ein  sehr  feinkörniges,  etwas  breccienartiges  Conglomerat  verbunden  er- 
scheint. Dieses  letztere  sieht  ganz  so  aus,  dass  man  sich  versucht  fiihlt, 
darin  nach  Nummuliteti  zu  suchen,  und  ist  es  in  der  That  auch  sehr 
wahrscheinlich,  dass  die  Nummuliten,  welche  nach  einer  früheren  An- 
gabe (vergl.  d.  Werk  v.  Hohen  egger  u.  Fallaux,  pag.  28,  meine 
Abhandlung  über  Krakau,  pag.  3:19,  R  ö  m  er,  Geol.  v.  Oberschi.,  pag.  360) 
bei  Bachowice  gefunden  wurden,  dieser  Ablagerung  entstammten. 

Doch  gelang  es  weder  mir,  noch  Herrn  Bartonec  dergleichen 
hier  wieder  zu  finden,  obschon  auf  den  verwitterten  Schichtoberfläehen 
Spuren  von  Versteinerungen  erkennbar  sind ,  die  sich  aber  als  nicht 
näher  bestimmbare  Zweischalerfragmente  herausstellen.  Da  übrigens 
das  betreffende  Gestein  mit  Säuren  braust  und  Römer  das  Nummu- 
litengestein  von  Bachowice  als  breccienartigen  Kalk  beschreibt,  so  er- 
scheint die  ausgesprochene  Vermuthung  um  so  mehr  gerechtfertigt,  als 
ich  weder  jetzt,  noch  früher  im  Bachowski  las  ein  anderes  kalkhaltiges 
Gestein  im  Bereich  der  hiesigen  oberen  Karpathensandsteine  entdecken 
konnte,  auf  welches  die  Bezeichnung  Breccie  anwendbar  gewesen  wäre. 

Wahrscheinlich  ebenfalls  in  der  Nähe  anstehend  sind  gewisse  fein- 
körnige Gesteine  von  violettbrauner  Färbung,  bei  welchen  sich  die 
Frage  aufdrängt,  ob  dieselben  als  blosse  Sandsteine  oder  eventuell  als 
sandige  Eruptivtuffe  aufzufassen  wären.  Herr  C.  v.  John,  dem  ich  eine 
Probe  davon  zur  Untersuchung  mittheilte,  konnte  diese  Frage  zwar 
nicht  sicher  entscheiden,  da  der  von  der  Probe  gefertigte  Dünnschliflf 
zu  undeutliche  Verhältnisse  aufwies,  doch  Hessen  sich  immerhin  Spuren 
von  Augit  und  Hornblende  in  der  Masse  nachweisen,  so  dass  die  An- 
nahme, mau  habe  es  mit  einem  Tuff  zu  thun,  viel  Wahrscheinliches 
hat.  Vielleicht  ist  zersetztes  Teschenitmaterial  an  der  Zusammensetzung 
des  Gesteins  betheiligt. 

Mit  allen  diesen  Schichten  nun  sind  an  einigen  Stellen  kohlige 
Schiefer  verbunden  ,  welche  die  Veranlassung  zu  der  Vermuthung  ge- 
geben hatten,  dass  hier  Steinkohle  vorkomme. 

Diese  kohligen  Schiefer  erwiesen  sich  indessen  als  jeder  prakti- 
schen Bedeutung  entbehrend,  wie  dies  bei  Kohlenfunden  im  Karpathen- 
sandstein  von  vornherein  als  wahrscheinlich  vorauszusetzen  ist.  Der 
früher  erwähnte ,    dem   C.  Suchowi  nahestehende  Oalamit  aber  hat  mit 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reiohsanstalt.  I8i)l.  41.  Baml.  l.  Heft.  (E.  Tiet/e.)  4 


9(5  Or.  Emil  Tietze.  [IG] 

diesen  Kolileiispiiren  nichts  zu  tliiiu.  Er  gehört  einem  Uhrigcns  hier 
wenii;-  verbreiteten  (»estein  an,  welches  den  karpathisclien  Absätzen  als 
iVcnulartiii'er  Einschluss  ang-ehört,  gleich  den  jurassischen  Kalkblöcken, 
welche  stellenweise  in  grosser  Menge  an  dieser  Localität  zu  finden 
sind  und  welche  man  theilwcise  noch  in  den  karpathisclien  Sandsteinen 
steckend  beobachten  kann. 

Diese  jurassischen  Kalkblöcke,  deren  Durchmesser  theilwcise  einen 
halben  Meter  und  darül)cr  betragt,  sind  nicht  ganz  ohne  Interesse.  Ihr 
Gestein  ist  oft  ein  etwas  mergeliges  und  zeigt  nicht  selten  neben  der 
hellgrauen  eine  grünliche  Färbung.  P>ei  einzehicn  Stücken  beobachtet 
man  zudem  unregclmiissig ,  das  heisst  nianchmal  häufiger ,  manchmal 
seltener  vcrtheilte  oolithische  braune  Körner  in  der  dichten  Hauptmasse 
des  Kalkes. 

Zu  Folge  dieser  Eigenschaften  stinnnt  der  betreffende  Kalkstein 
weder  mit  den  Gesteinen  des  Jura  im  eigentlichen  Krakauer  Gebiet 
nördlich  der  Weichsel,  noch  mit  den  Gesteinen  der  nicht  allzu  weit  ent- 
fernten Kalkklijjpen  von  Inwald ,  Andrychau  und  Roczynny  iiberein. 
Noch  auffallender  wird  aber  die  dadurch  angedeutete  Verschiedenheit 
der  verglichenen  Jurabildungen  durch  die  organischen  Einschlüsse  der 
Blöcke.  Solche  Einschlüsse  scheinen  hier  nändich  ziendich  häufig  vor- 
zukonnnen,  insbesondere  Ammoniten.  Darunter  fallen  Planulaten  auf, 
die  in  die  Verwandtschaft  des  Ferisp/nnctes  Iv'jdex  gehliren  ,  sich  aber 
leider  ebensowenig  sicher  bestimmen  Hessen  wie  die  hier  vorwaltenden 
Phylloceraten.  Ausser  solchen  Ammoniten  ist  das  Gestein  aber  besonders 
reich  an  Crinoidengliedern  und  Cidaritenstacheln ,  welche  auf  ange- 
witterten Flächen  massenhaft  hervortreten.  Auch  wurden  Spuren  von 
Gastro])oden  gefunden. 

Es  sei  bemerkt ,  dass  für  die  Annahme ,  es  seien  hier  vielleicht 
einige  Niveaus,  bezüglich  verschiedene  Schichtcomplexe  vertreten,  An- 
haltspunkte nicht  vorliegen.  Abgesehen  von  der  sonstigen  Ueberein- 
stimnmng  der  zu  vergleichenden  Gesteinsstücke  zeigen  gewisse  Stucke 
mit  Planulaten  und  andere  Stücke  mit  Phylloceraten  vielmehr  dasselbe 
(Jewirr  von  Crinoiden-  und  Cidaritenresten  auf  den  Verwitterungsfiächen. 
lleberdies  liegen  auf  einem  der  Stücke  ein  Planulat  und  ein  Pliylloceras 
beisammen. 

Die  letzterwähnte  Gattung  verleiht  der  kleineu  Fauna  den  eigen- 
thünilichen  Charakter,  und  zwar  speciell  einen  mediterranen  Typus,  wäh- 
rend die  Planulaten  für  sich  allein  an  die  Ammonitenfauna  der  unteren 
Abtheilung  des  weissen  Jura  im  Krakauer  Gebiet  erinnern  könnten. 
Das  genügt  aber  zu  keiner  Gleiclistellung  mit  diesen.  Ein  Vergleich  mit 
den  jüngeren  Absätzen  des  ausserkarpatliischen  Jura  ist  ebenfalls  schon 
deshalb  ausgeschlossen,  weil  diese  Absätze  sich  nie  als  sehr  reich  an  Ammo- 
niten erweisen  und  ebensowenig  ist  ein  faunistischer  vVnklang  an  die 
Nerineenfauna  des  Inwalder  Kalks  zu  bemerken.  Man  wird  also  sagen 
dürfen,  dass  hier  in  der  Geg-end  zwischen  den  oberjurassisclieu  Klippen 
von  Inwald  und  Andrychau  und  dem  ausserkarpatliischen  .Iura  eine 
(d)erjnrassisclie  l>il<lung  von  eigenartiger  P>eschaflcnlieit  entwickelt  war, 
deren  genauere  Horizontirung  späteren  P>estinnnungen  vorbehalten  bleiben 
mnss.  wenn  es  auch  .    wie  liijr/ugefügt  werden  s(dl,  den  Anschein  hat, 


[17]  Beifriiiiu  zur  Oeolonic   von  (ializieii.  27 

als    soi  (las    zu  crniidclmle  Niveau    ein  tieferes    als   das    des  Iinvalder 
l'ithonkalks. 

Vom  rein  räuinliclien  Standpiinkt  aus  betrachtet,  bildet  der  bc- 
sproclieno  Fund  ein  neues  Rindej;iicd  /wisclicn  dem  ausserkarpathischen 
und  dem  karpatliiselien  oberen  Jura  dieser  Gegend. 

Nach  der  karpatliischen  Seite  zu  beträgt  die  Entfernung  des  be- 
seliriebenen  Punktes  von  der  nächst  gelegenen  anstehenden  Inwalder 
Klippe  allerdings  noch  16  Kilometer  in  der  Luftlinie,  dagegen  nur 
etwa  2'.,  Kilometer  von  dem  grossen  Vorkommen  exotischer  Blöcke 
des  Inwalder  Kalks  bei  Wozniki,  wo  einer  der  Jurablöcke  so  umfang- 
reich ist,  dass  er  zur  Anlage  eines  Steinbruchs  auf  Kalkstein  Veran- 
lassung gegeben  hat  (vergl.  meine  Arbeit  über  Krakau  1.  c.  pag.  338). 
Andererseits  ist  das  nächste  anstehende  ausserkarpathische  JuraNor- 
kommen  nördlich  der  Weichsel  westlich  Rusocice  nur  etwa  GV2  Kilo- 
meter von  dem  Jägerhause  von  Hachowice  entfernt.  Wenn  man  dabei 
berücksichtigt,  dass  der  obere  Jura,  der  südlich  von  Mirow,  zwischen 
Oklesna  und  Rusocice  an  die  WcichseJ  herantritt,  dort  keinesfalls  seine 
südliche  Ablagerungsgreuze  gehabt  haben  kann,  da  sein  Auftreten  da- 
selbst nur  durch  sjjäter  erfolgte  Auswaschung  abgeschnitten  wurde  und 
überdies  seine  Gcsteinsbeschaflfenheit  nicht  auf  die  etwaige  directe  Nähe 
einer  ehemaligen  Küste  hinweist,  so  ergibt  sich,  dass  die  ursprünglichen 
Entfernungen  der  verglichenen  Bildungen  (auf  die  heutige  Oberfläche 
projicirt)  noch  viel  kleiner  gewesen  sein  müssen,  als  dies  den  obigen 
Zahlen  entspricht.  Wenn  man  nun  auch  annclimcn  will,  dass  durch  Zu- 
sanunenschiebung  und  Faltung  die  urspiünglichen  Distanzen  einzelner 
Ablagerungsstellcn  sich  andererseits  verkürzt  haben,  so  kann  das  doch 
hier  nicht  allzu  viel  ausmachen,  da  speciell  der  ausserkarpathische  Jura 
noch  ziendich  flach  gelagert  ist,  jene  Zusammcnschieliuug  also  im  Wesent- 
lichen nur  die  karpathischcn  Bildungen,  denen  die  Blöcke  untergeordnet 
sind,  betroffen  hat. 

Es  wird  demnach  immer  schwieriger,  eine  eventuelle  Grenze  zwischen 
den  beiden  oberjurassischen  Entwicklungen  zu  construiren  und  trotz 
aller  \'erschiedcnhciten  wird  der  einstige  directe  Zusammenhang  zwischen 
denselben  immer  wahrscheinlicher.  Ich  werde  übrigens  weiter  unten 
aus  Anlass  der  Besprechung  gewisser  neuerer  Ermittlungen  l)ei  Wieliczka 
Gelegenheit  haben,  nochmals  auf  diesen  Punkt  zurückzukommen. 

Die  oben  besprochenen  Kalkblöcke  sowohl ,  wie  die  Blöcke  des 
carbonischen  Sandsteins  gehören  voinelindich  den  tieferen  Theilcn  des 
alttertiären  Schichtcnsystemes  an ,  welches  bei  Bachowice  entwickelt 
ist.  Es  sind  dies  aber  nicht  die  einzigen  exotischen  Gesteine  dieser 
Localität.  In  den  östlichen  Schluchtverzweigungen,  dort,  wo  die  echten 
Ciozkowicer  Sandsteine  etwas  besser  aufgeschlossen  sind,  kommen  auch 
noch  grössere,  bis  zu  1  Bieter  im  Durchmesser  aufweisende  Blöcke  eines 
niittelkörnigen  Granits  vor,  der  sich  durch  weissen  Feldspath  und 
schwarzen  Glinmier  auszeichnet  1),  so  dass  wir  hier  auf  ziemlich  engem 


M  Die  meisten  srrauitischen  oder  gneissartigen  exotischen  Gesteine  des  Kar- 
patlienraudes  in  dieser  Gegend  haben  weissen  Feldspath  und  sclnvarzeii  Glimmer.  Ali- 
weicheud  davon,    das    heisst    theilweisc  durch  röthlicheu  Feldspath  ausgezeichnet,   ist 

4* 


Og  Dr.  Emil  Tiet/.ti.  Mj^l 

Kaunie  die  Koste  eines  etwas  coinplieirtcr  ziisannueni^esetzten  Thciles 
jenes  älteren  Gel)iii;es  vor  uns  haben,  welelies  vor  dem  Absatz  des 
Flyseh  an  Stelle  der  lientii;en  Karpatlien,  und  zwar  besonders  am 
Xordrande  derselben  bestanden  luiben  nuiss.  leb  sage  das  im  Sinne 
jener  Ansebauuni;cn,  die  ieb  sebon  öfter  über  die  Bedeutung  der  exo- 
tiseben  Blöcke  auseinandergesetzt  babe. 

Da  indessen  jurassische  und  altkrystalliniscbe  Blöcke  unter  den 
exotischen  Gesteinen  der  Karpatbcn  besonders  häutig  sind ,  so  erregt 
unter  den  Bachowicer  Funden  die  Anwesenlieit  der  vorher  erwähnten 
carbonischen  Sandsteinblöcke  naturgemäss  die  meiste  J^eachtung,  umso 
mehr,  als  dergleichen  in  den  galizischen  Karpatlien  ^)  bisher  kaum  nach- 
gewiesen sein  dürften.  Es  verlohnt  sich  daher  vielleicht,  bei  dieser  Gelegen- 
heit die  Frage  der  A'ertretung  des  Garbons  in  den  karj)atbisclien  Terri- 
torien und  die  Rolle,  welche  dieser  Formation  daselbst  zugestanden 
werden  kann,  etwas  allgemeiner  ins  Auge  zu  fassen. 

In  Schlesien  und  Mähren  spielen  solche  Blöcke  allerdings  eine 
gewisse  Rolle.  Nach  nüindlichen  Mittheilungen ,  die  ich  von  Herrn 
Dr.  V.  Tausch  erhielt,  treten  unweit  der  Bahnstation  llnstopetseh 
(bei  Wallachisch-Meseritsch  in  Mähren\  und  zwar  bei  dem  Dorfe  Ghorin 

der  allerdiags  auch  weiter  im  Inueru  des  Gebirges  gelegene  Granit  vuu  ]5ugiij  (vergl. 
meine  Arbeit  über*Krakau,  1.  c.  pag.  oöS — iJöb). 

Ich  will  bei  dieser  Gelegenheit  übrigens  erwähnen,  duss  mir  vor  Kurzem  Herr 
Hofrath  Stur  ein  Stück  völlig  rolhen  Giauits  zeigte,  das  sich  in  der  Sammlung  tier 
k  k.  geologischen  Eeichsanstalt  g('fun(ieu  hatte  mit  der  FunJortshezeichnung  Jwonirz. 
Es  war  zugleich  auf  der  alten  Etiquette  vermerkt,  dass  dies  Gestein  aus  einem  hinter  der 
dortigi  u  Badeanlagc  ausgebcutelcu  Sttiinbruch  stamme.  Da  dort  (vergl.  meine  früheren 
Beiträge,  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  18H9,  pag.  H24)  ein  massiger  altlortiärer 
Saudstcin  ansteht,  so  ist  der  betrcH'ende  Granit  möglicherweise  als  grösserer  131ock  in 
diesem  Saudstein  vorgekommen,  obwohl  es  autfällig  ist,  dass  mir  bei  meinem  Besuche 
des  Bades  Iwonicz  vou  einem  derartigen  Vorkommen  nichts  erzählt  wurde  und  auch 
sonst  nichts  Analoges  daselbst  zu  Gesicht  gekommen  ist.  Jedenfalls  sieht  das  Gestein 
ganz  anders  und  viel  röther  aus  als  die  mit  Sicherheit  den  exotisclieu  Blöcken  Galiziens 
angehörigeu  Granite. 

Andererseits  ist  bei  dem  fraglichen  Stück  an  ein  nordisches  Erraticum  schon 
dp.shalb  schwer  zu  denken,  weil  weit  ringsum  von  erratischen  Geschieben  nichts  beob- 
achtet wird  und  weil  die  Südgrenze  des  nordischen  Diluviums,  wie  Uhlig  (.Tahrb.  d. 
k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1884)  gezeigt  hat,  einige  Meilen  weiter  nördlich,  jenseits  der 
Linie  JasJo     Krosno,  verläuft. 

Freilich  habe  ich,  und  das  kann  bei  dieser  (ielegenheit  gleichfalls  zur  Sprache 
kommen,  vor  einigen  Jahren  bei  einer  im  Verein  mit  Jlerrn  Noth  gemachten  Excursion 
einen  rothen,  dem  skandinavischen  Granit  überaus  ähnlichen  kleineren  (Jraiütblock  noch 
weiter  südlich  in  der  Gegend  d'S  502  Meter  hohen  Dukla-Passes  gefunden  (einige 
lÜÜ  Schritte  westlich  der  Passhöhe  und  in  einer  noch  etwas  grösseren  Höhe),  allein  ich 
getraue  mich  nicht,  aus  so  vereinzelten,  mir  gänzlich  räthselhatten  Funden  (der  letzt- 
erwähnte Block  konnte  vom  Boden  aufgehoben  werden  und  deshalb  ist  seine  Ver- 
schleppung durch  Menschenhand  nicht  gauz  ausser  dem  Bereich  der  Möglichkeit)  irgend- 
welche Schlüsse  zu    ziehen. 

Eine  künftige  Uutersuchnng  der  Umgebung  von  Iwonicz  und  Dukla  wird  vielleicht 
der  Lösung  der  Frage  näher  kommen ,  ob  nicht  in  dieser  Gegend  ausnahmsweise  ein 
exotischer  Granit  verbreitet  ist,  dessen  Merkmah;  vou  denen  der  sonstigen  Karpathen- 
granite  verschieden  und  zufällig  denen  des  rothen  nordischen  Granites  verwandter  sind. 

'j  Nachweise  über  die  exotischen  Blöcke  des  hier  zunächst  in  Betracht  kommenden 
Stuckes  der  Karpathen  linden  sich  in  meiner  grösseren  Abhandlung  über  die  Gegend 
von  Krakau  zerstreut  (vergl.  übrigens  1.  c.  pag.  52  und  besonders  401 — 402).  Von  einem 
allgemeinereu  Standpunkt  habe  ich  das  Vorkommen  solcher  Blöcke  in  einer  früheren 
Mittheilung  behandelt  (Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalf.  1885,  pag.  379).  wo  auch 
verschiedene  Liti-raturangaboi  zu  linden  sind. 


r|91  Beifrage  zur  (leologie  von  Gali/.ioii.  29 

am  linken  Uter  der  IVezwii  karpatliisclie,  zinn  Tlieil  llioni^c  Bil(lnnj>-en 
auf,  die  der  Genannte  den  oberen  lIieroi;ly|)liens('liicliten  zureelmen  /ii 
dürfen  j;laubt.  und  inmitten  dieses  alttertiären  Selneliteneomplexes  fanden 
sieh  Blöeke  carbonischen  Sandsteines  mit  Calamitcn.  Aber  noch  mehr, 
CS  kamen  hier  zwei  uni;;ehenre  Blöcke  von  echter  Steinkohle  vor,  so 
ii'ross.  dass  darin  vor  Jaln-en  ein  Al)ban  versucht  wurde  ')  und  dass  sell)St 
Fachleute  eine  Zeit  lan;;-  glaubten  .  das  anstehende  Kohlen<;ebirge  vor 
sich  7A\  haben.  Noch  in  neuester  Zeit  sollen  übrigens  die  fraglichen 
Arbeiten  von  sanguinischer  Seite  wieder  aufgenonmien  worden  sein.  Wie 
mir  Dr.  v.  Tausch  gleichfalls  mittheilte,  gibt  es  ferner  ebenfalls  in 
der  Nähe  von  Ilustopetsch ,  und  zwar  beim  Dorfc  Perna  den  ol)eren 
Hierog-iyplienscliichten  untergeordnete  Sandsteinlagen,  in  welchen  äusserst 
zahlreiche,  theils  kleine,  theils  grosse  Partikeln  von  echter  Steinkohle 
direct  als  Bestandtlieil  des  Sandsteins  auftreten. 

Aus  allem  Diesen  g:eht  hervor,  dass  in  diesem  Theil  des  mährischen 
Karpathenrandes  zur  Zeit  der  Fl^^schbildung  anstehendes  Kohlen- 
gebirge vorhanden  und  sogar  an  der  Lieferung  des  Materials  für  den 
Flysch  betheiligt  war.  Es  ist  das  um  so  bemerUenswerther ,  als  die 
nördliche  Vorlage  der  dortigen  Karpathen  aus  Grauwacken  besteht, 
und  als  das  productive  Kohlengebirge  in  dieser  Vorlage  nicht  mit  ver- 
treten ist. 

Bezüglich  der  exotischen  Blöcke  in  den  schlesischen  Karpathen 
hat  Hohen  egg  er  in  seiner  Beschreibung  der  „geognostischen  Ver- 
hältnisse der  Nordkarpathen"  (Gotha  1861,  pag.  35  u.  36)  erwähnt,  dass 
sich  unter  diesen  Blöcken ,  abgesehen  von  Trümmern  krystallinischer 
Felsarten  und  jurassischer  Kalke,  auch  paläozoische  Gesteine,  und  zwar 
Devonkalk  und  carbonische,  theilweise  durch  Ptlanzen  ausgezeichnete 
Sandsteine  und  Schiefer,  sowie  auch  Stücke  von  echter  Steinkohle 
finden,  welche  carbonischen  Gesteine  und  Schiefer  auch  dort  den  alt- 
tertiären Karpathensandsteineu  als  Einschlüsse  angehören.  Er  hat  sogar 
auf  seiner  zu  jener  Arbeit  gehörigen  Karte  die  grösseren  Carbonblöcke 
durch  eine  besondere  Bezeichnung  hervorgehoben.  Zu  den  östlichsten 
Vorkommnissen  dieser  Art  dürften  nach  diesen  Mittheilungen  gewisse 
Partien  von  Stemkohlentrünuncrn  gerechnet  werden ,  welche  bei  Matzdorf 
westlich  von  Bielitz  und  bei.Tablunkau  von  den  Schmieden  jener  Gegenden 
aufgesammelt  und  zur  Feuerung  benützt  wurden. 

Diesen  Fundstellen  carbonischer  Trümmer  reiht  sich  nun  einige 
Meilen  weiter  im  Osten  der  galizische  Fundort  Bachowice  an.  Wohl 
hatten  bereits  H  o  h  e  n  e  g  g  e  r  und  F  a  1 1  a  u  x  (Erläuterung-en  zur  gcogn. 
Karte  des  ehem.  Gebietes  von  Krakau.  Wien  1868,  pag.  28)  in  aller 
Kürze  von  dem  Vorkommen  von  Steinkohlenbrocken  in  den  alttertiären 
Schichten  der  Karpathen  südlich  von  Krakau  geredet  und  ich  selbst 
hatte  (Geogn.  Verhältnisse  d.  Gegend  v.  Krakau,  pag.  282  u.  300)  in  von 

')  lu  einem  soeben,  gleichzeitig  mit  diesen  Beiträgen  er.s(;heinenden  Aufsalze 
Stur's  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol  Eeichsanstalt  1891)  wird  das  Vorkommen  eines  dieser 
Blocke  am  Strazberge  bei  Clioiin  auf  Grund  älterer  Noti/en  des  genannten  Autors 
näher  beschrieben  und  dabei  mitgetlieilt,  dass  die  betreffende  Kohle  den  Schatzlarer 
Schichten,  also  keineswegs  der  tiefsten  Abtheilung  des  productiven  Kohlengebirges  in 
Mähren,  angehörte.  Ich  bin  aber  vorläufig  noch  nicht  in  der  Lage ,  mich  näher  auf 
diesen  Aufsatz  zu  beziehen,  von  dem  ich  erst  Kunde  erhielt,  als  meine  Arbeit  schon 
dem  Druck  übergeben  war. 


30  Dr.  Emil  Tietze.  r20l 

mir  allordiiiiis  für  iiltcr  i;clialtcneii  Hildungcn  jener  Gegeiul  das  Dasein 
kleiner  Kohlenfrapnentc  angegeben,  allein  eigentliche  exotische  IMöckc 
von  Steinkohle  oder  gar  von  Sandsteinen  des  Kühlengel)irges  waren 
meines  Wissens  bisher  nicht  aus  diesem  Theile  der  gali/ischen  Kar- 
pathen  bekannt.  Man  muss  sich  auch,  nebenbei  gesagt,  hüten,  in  diesem 
Gebirge  nicht  jeden  Kohlentnnd  auf  alte  Steinkohle  zu  be/ielien,  da  ein 
Theil  der  (praktisch  übrigens  selten  verwerthbaren)  Kohlencinschlüssc 
in  den  betreffenden  Flyschgesteinen  sicher  mit  den  letzteren  selbst 
gleichzeitigen  Ursprunges  ist. 

In  gewissem  Sinne  erscheint  also  der  Fund  von  Bachowicc  als 
ein  Seitenstück  zu  jenen  Funden  von  Kohlenkalkblöcken,  welche  Uhlig 
(Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1883,  pag.  21(3)  bei  Zwiernik 
und  Niedzwiedzki  (Wieliczka,  pag.  40)  östlich  von  Wieliczka  ent- 
deckt haben. 

Diese  Kohlenkalkrestc,  sofern  sie  sämmtlich,  wie  schliesslich  wohl 
anzunehmen .  den  Kar))athensandsteinen  entstammten  und  nicht  etwa 
diluvial-erratischen  Ursprunges  waren,  bewiesen ,  dass  der  Kohlenkalk 
einst  von  der  Krakauer  Gegend  her  bis  in  die  Gegend  des  heutigen 
Karpathenvorlandes  verbreitet  war,  dass  er  sodann  an  der  Bildung  jenes 
eigenthündichcn  Gesteinswalles  theilnahm,  von  dem  in  den  Schriften  der 
letzten  Jahre  öfters  die  Rede  war  und  dass  er  si)atcr  das  Schicksal 
der  anderen  Gesteine  dieses  Walles  theiltc,  welche  während  der  Ab- 
lagerung der  Karpathensandsteine  bis  auf  geringe  Ueberbleibsel  zerstört 
wurden. 

Aehnliches  gilt  nun  von  der  productiven  Kohlenformation,  welche 
sicher  einst  in  Schlesien  (wo  sie  ja  ohnehin,  z.  B.  bei  Karwin  ,  heute 
noch  ganz  in  die  Nähe  der  karpathischen  Erhebungen  heranreicht),  sowie 
in  iiewissen  Tlieilen  Mährens  und,  wie  sich  nunmehr  zweifellos  heraus- 
stellt, auch  in  (ializien  an  Orten  entwickelt  war,  die  heute  von  kar- 
pathischen Sandsteinen  eingenonmien  werden.  Der  Bachowicer  Fund 
beweist  jedenfalls,  dass  in  der  Tliat  Gesteine  jener  Formation  wenigstens 
bis  auf  eine  Entfernung  von  ungefähr  einer  deutschen  Meile  noch 
südlich  der  Weichsel  entwickelt  waren ,  sofern  wir  nämlich  das  Vor- 
kommen der  exotischen  Blöcke  in  der  Nachbarschaft  der  Gestcinskli])pen 
annehmen  müssen,  von  denen  die  Blöcke  al)stanimen. 

Ich  habe  übrigens  eine  derartige  ehemalige  Ausdehnung  des 
Kohlengebirges  speciell  in  diesem  Theile  Galiziens  bereits  a  priori 
vermuthet,  denn  ich  schrieb  (Die  geogn.A'erhältnissed.  Gegend  von  Krakau, 
pag.  06) ,  es  sei  die  Vernuithung  begründet,  dass  jenes  productive 
Gebirge  in  der  Gegend  des  Weichseithaies  zwischen  Zarki  und  Oswiccim 
und  „vielleicht  auch  darüber  hinaus  ])is  an  den  Karpathcnrand"  unter- 
irdisch vorhanden  sei,  wobei  ich  mich  auf  den  Nachweis  desselben  bei 
Grojec,  südlich  Oswiecim  berufen  konnte.  Allerdings  musste  ich  dabei 
auch  auf  die  Thatsachc  hinweisen,  dass  nach  den  Ergebnissen  gewisser 
bergmännischer  Anlagen  in  der  Nähe  des  Weichseithaies  zu  urtheilen, 
aller  Wahrscheinlichkeit  nach  die  Zahl  und  Mächtigkeit  der  dem  Garbon 
angehtirigen  Fhitze  daselbst  im  Vergleich  mit  den  nördlicher  gelegenen 
Partien  dieser  Formation  in  der  Abnahme  begriffen  erscheint,  was  auf 
eine  schon  ursjjrünglich  übermässig  grosse  Ausdehnung  des  productiven 
Carbons  gegen  die  Karpathen  zu,    wenigstens  für  diese  Gegend,  niclit 


[21]  Beiträge  zur  Geologie  von  Galiziim.  3^ 

eben  sc'lilics^jeu  lioss.  Es  bedarf  ancli  keiner  liing-eren  Erlänterunfi,-,  dass 
mit  jener  Vermiitlunig-,  wie  sclion  der  Wortlaut  des  eitirten  Passus  beweist, 
nicht  etwa  auch  die  Annahme  einer  noch  heute  l)estehenden  unge- 
störten Fortset/uns;  des  Carbons  unter  den  Karpathen  seilest  ver- 
bunden war. 

lleberdies  habe  ich  in  den  Schlussbenicrkungen  meiner  Darstel- 
lung'der  i^eognostischen  \'erhältnisse  der  Gegend  von  Krakau  (1.  c.  pag.  409 
bis  411)  keinen  Zweifel  darüber  gehissen,  wie  ich  mich  zu  jenen  Vor- 
stellungen verhalte,  denen  zufolge  das  Kolilengebirge  des  oberschlesiscli- 
mähriscli-galizischen  Beckens  sich  ziemlich  weit  unter  die  Karpathen 
fortsetzen  soll,  und  zwar  unter  Beibehaltung  seiner  im  Flachlande  zur 
Geltung  kommenden  Tektonik,  nur  überschoben  von  den  angeblich  nach 
Norden  gewanderten  und  dabei  zusammengefalteten  Flyschmassen. 

Bei  der  Abfassung  jener  Bemerkungen  war  indessen  auf  die 
Bedeutung  der  exotischen  Blöcke  von  Gesteinen  des  productiven  Carbons 
für  diese  Frage  noch  kein  Bezug  genommen  worden,  weil  innerhalb  des 
damals  behandelten  Gebietes  noch  keinerlei  Beobachtungen  zu  einer 
solchen  Bezugnahme  Veranlassung  gaben.  Heute  erscheint  es  aber  natür- 
lich, eine  derartige  Beziehung  aufzusuchen,  und  gleich  vornweg  lässt  sich 
erklären,  dass  Funde,  wie  die  des  Calamitensandsteins  von  Bachowice, 
nur  geeignet  sein  können,  den  von  mir  den  Su  ess'schen  Anschauungen 
gegenüber  eingenommenen  Standpunkt  zu  bestätigen ,  nicht  aber  zu 
widerlegen.  Denn  nicht  die  Annahme  einer  Fortsetzung  des  Carbons 
unter  der  Flyschdecke  im  Allgemeinen ,  sondern ,  ich  wiederhole  das, 
speciell  die  Vorstellung  von  der  Fortsetzung  derselben  Lagerungs- 
verhältnisse ist  für  jene  Anschauungen  das  Bezeichnende. 

Wenn  Absätze  der  Steinkohlenformation,  woran  wohl  kein  Zweifel 
mehr  sein  kann,  eine  Strecke  lang  an  der  Zusammensetzung  jenes  Gesteins- 
walles theilgenommen  haben,  aus  dessen  Zerstörung  die  exotischen  Blöcke 
der  Karpathen  hervorgingen,  so  haben  dieselben  einer  Klippenreihe,  bezüg- 
lich einem  Gebirgszuge  angehört,  welcher  aus  den  Gewässern  der  alt- 
tertiären Zeit  mehr  oder  weniger  aufragte  und  daher  der  Brandung  dieser 
Gewässer  ausgesetzt  war.  Dieser  Gebirgszug  ist  aber  (vergl.  pag.  398 
meiner  Krakauer  Arbeit)  jedenfalls  bald  nach  Ablauf  der  Jurazeit  ge- 
faltet und  aufgerichtet  worden,  soweit  nicht  etwa  schon  frühere  Störungen 
in  derselben  Region  einen  Einfluss  auf  das  Relief  der  Gegend  genommen 
hatten.  Jene  nachjurassischen  Störungen  aber  müssen  ziemlich  intensiver 
Natur  gewesen  sein,  wie  die  Tektonik  der  discordant  von  Karpathen- 
sandstein  umgebenen  jurassischen  Klippen  von  Inwald,  Andrychow  und 
Roczynny  deutlich  genug  beweist.  Man  wird  leicht  einsehen,  dass  die 
vorjurassischen  Absätze  dieser  Gegend  von  diesen  Störungen  in  wesent- 
liche Mitleidenschaft  gezogen  werden  mussten.  Es  ist  also  die  Lagerung 
des  Carbons  in  dieser  Gegend  schon  zur  Zeit  des  Absatzes  des  Flysch 
eine  von  der  Lagerung  derselben  Formation  ausserhalb  der  Karpathen 
verschiedene  gewesen.  Der  Flysch  jedoch  hat  das  Carbon  weder  bei 
seinem  Absatz,  noch  bei  einer  späteren  hypothetischen ,  von  fern  her 
wirkenden  Ueberechiebung  einfach  bedeckt,  sondern  seine  Absätze  haben 
wenigstens  theihveise  die  carbonischen  Gesteine  als  Bestandtheile  von 
Ufern  und  Riffen  vorgefunden,  welche  bei  ihrer  Zerstörung  das  Material 
für  jene  Absätze  abgeben  halfen.  Damit  erledigen  sich  gewisse  Fragen 
in  sehr  einfacher  Weise. 


32  Dr.  Emil  Tietze.  \22] 

So  sag-t  auch  schon  H  ob  eneg-g-er  (Norclkar])atlien,  1.  e.  pag.  .-jG) 
in  liezug  auf  die  westliclier  gelegenen  Grenzgebiete  zwiscben  Karpatben 
und  ausserkarpatbiscben  Bildungen,  dass  in  der  Eocänperiode  das  Stein- 
koblcnbeeken  von  Ostrau  dureb  „das  Eindringen  des  Karpatbenmeeres", 
wie  er  glaubte,  in  Verbindung  mit  plutoniscben  Kräften  „furebtbar  an- 
gegriffen und  tbeihveise  zerstört"  wurde.  Er  fiigt  binzu,  dass  man  mebr- 
lacb  unter  der  tertiären  Decke  grossartigen,  unterirdischen  Auswaschungen 
und  einem  ^Abschneiden"  des  ganzen  Kohlengebirges  begegne.  Dies 
seien  Orte,  welche  der  Steinkohlenbergbau  sorgfältig  zu  vermeiden 
habe.^)  Wie  soll  man  derartige  Erscheinungen  mit  einer  blossen  Ueber- 
schiebung  des  Kohlengebirges  durch  den  Flysch    in  Einklang  bringen  V 

Während  aber  in  Mähren  und  Schlesien  die  exotischen  Carbon- 
bhicke  noch  häufiger  auftreten,  regt  der  bereits  betonte  Umstand  ihrer 
grossen  Seltenheit  in  Galizien  noch  speciell  zum  Nachdenken  an.  Man 
darf  sich  dabei  vor  Augen  halten,  dass  Bachowice  nicht  allein  der 
einzige  bis  jetzt  bekannte  Fundort  hieher  gehüiiger  Sandsteinblöcke  in 
den  galizischen  Karpathen  ist,  sondern  dass  auch  an  diesem  Fundorte 
selbst  die  Stücke  von  Kohlensandstein  (piantitativ  eine  nur  unterge- 
ordnete Rolle  spielen,  im  Vergleich  mit  den  Blöcken  von  Granit  und 
Jurakalk.  Es  scheint  also,  dass  selbst  in  denjenigen  heute  vom  Flysch 
occupirten  Gebieten,  bis  zu  welchen  das  Carbon  einst  thatsächlich  sich 
erstreckt  hat,  die  Zerstörung  seiner  Schichten  stellenweise  schon  vor 
dem  Beginn  des  Flyschabsatzes  eine  so  weitgehende  war,  dass  die 
Agentien,  welche  später  bei  der  Entstehung  der  exotischen  Blöcke 
thätig  waren,  nicht  mehr  viel  davon  zu  zerstören  vorfinden.  Griffen 
nämlich  jene  Agentien  das  krystallinische  Grundgebirge  zur  alttertiären 
Epoche  so  ausgiebig  an,  wie  das  die  allenthalben  in  den  betreffenden 
Schichten  vorfindlichen  Granit-  und  Gneissblöcke  beweisen,  dann  hätten 
sie  das  darauf  abgelagerte  Kohlengebirge  wohl  nicht  verschont,  wenn 
dieses  noch  in  ausgedehnteren  Partien  vorhanden  gewesen  wäre. 

Wenn  ich  also  auch  bei  meiner  Discussion  der  vorher  erwähnten 
Suess'schen  Ansichten  (vergl.  besonders  1.  c.  pag.  410  unten)  die  Mög- 
lichkeit ausdrücklich  zugestanden  habe,  dass  eine  südliche  Fortsetzung 
des  polnisch-mährisch  schlesischen  Kohlengebirges  einst  bestanden  habe 
oder  stellenweise  noch  jetzt  bestehe,  so  bezog  sich  das  ganz  im  Allge- 
meinen auf  die  Denkbarkeit  des  blossen  Vorhandenseins  entsprechender  Bil- 
dungen in  einem  Thcil  des  vom  Flysch  bedeckten  Gebiets.  Dass  aber, 
so  fügte  ich  hinzu,  die  Steinkohlenformation  „gleichsam  ungestört  bis 
zu  ihrem  ursprünglichen  Ablagcrungsende  unter  dieser  Decke  fortsetzt, 
und  dass  dieses  Ende  dabei  meilenweit  südlich  von  dem  heutigen  Kar- 
patheurande sich  befindet",  dafür  lasse  sich,  insbesondere  durch  blosse 


')  Das  Vorkommen  echter  Steinbohlentrümmer  zwischen  Sandsteinen,  schreibt 
Hohenegger,  habe  in  der  That  schon  manchen  geübten  Bergmann  „zu  kostbaren 
Schnrfanlagen  verführt".  Einer  seiner  ersten  Schritte  bei  IJebernahme  der  Bergdirection 
in  Teschen  sei  deshalb  gewesen,  „4  Schnrfschächte  auf  solche  eocilne  Trümmer  ein- 
zustellen". Es  ist  auch  klar,  dass  selbst  im  Falle,  wo  beim  ersten  Anlauf  grö.fsero 
Blöcke  mit  einem  Gehalt  von  etlichen  1000  Centnern  Kohle  gefunden  würden,  der  Abbau 
nicht  lohneu  könnte.  Man  vergleiche  die  Kosten  von  Bohr-  und  Schachtanlagen  mit 
dem  Verkaufspreise  der  Kohlen  und  man  wird  finden,  dass  solche  Versuche  für  den 
Unternehmer  den  garantirten  Bankerott  bedeuten  würden. 


\23]  Beiträge  zui/Geologie  von  Galizien.  ^f^ 

Speculation  ein  Beweis  nicht  erbringen.  Es  schien  mir  nicht  überflüssig, 
dies  heute  wieder  hervorzuheben. 

Aus  all  dem  Gcsag-ten  geht  jedenfalls  hervor,  dass  vom  praktischen 
Standpunkte  aus  besondere  Hoffnungen  auf  die  productive  Kohlenfor- 
mation, die  unter  den  westlichen  Karpathen  vorhanden  sein  soll,  nicht 
zu  setzen  sind. 

Dass  aber  für  die  östlicher  gelegenen  Theile  der  galizischen  Kar- 
pathen aus  anderen  Gründen  noch  weniger  Aussicht  besteht,  Steinkohle 
in  der  Tiefe  aufzufinden,  das  konnte  ich  schon  früher  gelegentlich  einer 
Discussion  über  die  genetischen  Verhältnisse  des  Erdöls  betonen  (vergl. 
Jahrb.  d.  gcol.  Reichsanst.  1879,  pag.  800),  als  es  sich  darum  handelte, 
zu  zeigen,  dass  das  galizische  Erdöl  unmöglich  auf  Kohlenablagerungen 
in  der  Tiefe  zurückzuführen  sei. 

Die  vertalkten,  fast  an  das  Vorkommen  der  Tarantaise  erinnernden 
Pflanzen  des  Schiefers  der  Gegend  von  Zemplin  (vergl.  Stur,  Die 
Culmflora.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  Wien  1877 ,  8.  Bd., 
pag.  318),  welche  von  anderer  Seite  benützt  wurden,  um  eine  einstige 
riesige  Ausdehnung  des  mährisch -schlesisch- polnischen  Kohlenbeckens 
wahrscheinlich  zu  machen,  kommen,  wie  mir  scheint,  für  diese  Frage 
nicht  in  Betracht.  Der  betreffende  Punkt  liegt  weit  südöstlich  des  Granits 
der  Tatra,  deren  ältere  Vorlagen  auf  der  galizischen  Seite  dock  keinerlei 
Steinkohlen  aufweisen  und  er  liegt  überhaupt  nahezu  jenseits,  der 
altkrystallinischen  Zone  des  karpathischen  Bogeus,  von  welcher  Zone 
die  altkrystallinischen  Gesteine  des  nördlichen  Ungarns  bekanntlich  nur 
ein  fragmentarisches  Glied  sind.  So  gut  wie  diese  innerkarpathischen 
Schiefer  der  Gegend  von  Zemplin  könnte  man  das  Carbonvorkomraen 
der  Stang-Alpe  in  Steiermark  mit  den  Ostrauer  Absätzen  in  directe 
Verbindung  bringen  wollen,  was  aber  wohl  auf  Widerspruch  stossen  würde. 


P.  Ein  Ausflug  nach  Mietniöw. 

Auch  Wieliczka  wurde  heuer  von  mir  wieder  besucht ,  und  zwar 
namentlich  auf  Grund  einer  Aufforderung  des  Herrn  Prof  v.  Szajnocha 
in  Krakau,  welcher  die  durch  die  Controversen  der  letzten  Zeit  be- 
kannter gew^ordenen  Steinbrüche  von  Mietniöw  mit  mir  gemeinsam  zu 
besichtigen  wünschte.  Ich  hatte  überdies  das  Vergnügen,  bei  diesem  Aus- 
fluge nach  Mietniöw  ausser  von  Herrn  Szajnocha  noch  von  Herrn 
Bergrath  v.  Strzelecki  aus  Wieliczka  begleitet  zu  werden. 

Bekanntlich  handelt   es  sich  bei   jenen  Controversen  vornehmlich 
darum,  ob  in  dem  Saudstein  von  Mietniöw,  bezüglich  in  seinen  Zwischen- 
lagen Versteinerungen  vorkommen,  durch  welche  das  cretacische  Alter 
dieses  von  mir  aus  anderen  Gründen  dem  Oligocän  zugetheilten  Sand 
Steins  erwiesen  werden  kann. 

Wenn  nun  auch  die  Nichtauffindung  solcher  Versteinerungen  kein 
voller  Beweis  dafür  ist,  dass  dergleichen  überhaupt  an  gewissen 
Stellen  nicht  gefunden  werden  können,  so  muss  doch  begreiflich  ge- 
funden werden,  dass  man  bei  einem  solchen  negativen  Resultat  weniger 
leicht  dazu  gelangt,  das  behauptete  cretacische  Alter  der  betreffenden 
Ablagerung  anzuerkennen,    als  wenn  man   selbstständig  und  gleichsam 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  1.  Heft.  (E.  Tietze.)  5 


{^4  öl'-  I^niil  Tifitzo.  r24| 

liandgreiflich  zu  den  erwünscliten  Beweisen  im  positiven  Sinne  £i,elangt. 
leb  muss  nun  bekennen,  dass  trotz  inebrstündig-en  Sncbens  in  dem  g-e- 
nannten  Steiubruebe  es  Keinem  von  uns  Dreien  gelang-,  aucb  nur  die 
KSpur  eines  Petrefaktes  aufzufinden.  leb  begnüge  micb  zunäebst  damit, 
diesen  Umstand  zu  constatiren. 

Beziiglicb  eines  anderen  Punktes  jedoeb  bin  icb  in  der  Lage, 
eine  Erg:änzung  meiner  früberen  Darstelbing  des  betreflfenden  Auf- 
sehhisses  zu  geben. 

Wir  beobacliteten  nämlicli  diesmal  als  Zvviscbenlagen  des  Sand- 
steins nicbt  allein  jene  gebänderten  Sandsteinscbicfer  mit  Koblen- 
scbmitzen  ,  welcbe  ieb  scbon  früber  von  liier  erwäbnt  batte ,  sondern 
aucb  einzelne,  etwas  unregelmässige  Lagen  dunkler,  im  feucbten  Zu- 
stande plastiscber  Tbone,  die  ziemlicb  äbnlicb  sind  jenen  Tbonproben, 
in  welcben  die  von  Herrn  Prof.  Niedzwiedzki  seinerzeit  von  Cbo- 
ragwica  mitgebracbten  Cepbalopodenscbalen  gelegen  sind.  Insofern  ieb 
also  das  Vorkommen  solcber  Tbonzwiscbenlagen  im  Sandstein  von 
Mietniöw  früber  Herrn  Niedzwiedzki  gegenüber  bestritt,  weil  icb 
dieselben  tbatsäcblicb  im  Jabre  188  A  daselbst  nicbt  beobacbtete,  wäb- 
rend  sie  bei  dem  beutigen  Stande  der  Steinbrucbsarbeiten  augenscbein- 
lich  wieder  siebtbar  sind ,  bin  icb  loyaler  Weise  verpflicbtet,  die  be- 
treffende Beobacbtung  besonders  bervorzubeben.  Icb  bemerke  übrigens, 
dass  andererseits  gerade  die  cretaciscben  Fossilien,  Avelcbe  nacb  den 
Angaben  Ni  edz  wiedzki's  aus  dem  Mietniöwer  Steinbrucb  stammen, 
nicht  in  solchen  Thonen,  sondern  in  sandigen  Gesteinen,  bezüglich  Sand- 
steinvarietäten enthalten  sind,  welcbe  weder  mit  diesen  Thonen,  noch 
mit  dem  Hauptgestein  des  Mietniöwer  Bruchs  vergleichbar  sind.  Ich 
bemerke  ferner,  dass  jene  dunklen  Schieferthone  ihrerseits  eine  grosse 
Aehnlichkeit  mit  den  oligocänen  Schieferthonen  von  Vereczke  in  der 
Marmarosch  besitzen,  über  welche  anfänglich  ich  im  Vereine  mit  Herrn 
Paul,  später  auch  Vacek  berichtet  haben. 

Es  verdient  gesagt  zu  werden,  dass  die  Aufschlüsse  bei  Mietniöw 
eigentlich  aus  zwei  einander  sehr  benachbarten  Steinbrüchen  bestehen 
und  dass  die  bewussten  Tbone  sich  nur  in  dem  einen  dieser  Brüche 
nachweisen  Hessen ,  in  welchem  gerade  zur  Zeit  unserer  Anwesenheit 
gearbeitet  wurde.  Das  würde  darauf  hinweisen ,  dass  solche  Tbone 
nicht  in  der  ganzen  Ablagerung  gleichmässig  vertheilt  sind.  Daraus 
könnte  erklärt  werden,  dass  dieselben  vielleicht  nicht  bei  jedem  Besuch 
der  Localität  gleich  gut  erkennbar  sind,  da  ihre  Beobachtbarkeit  von 
dem  wechselnden  Stande  der  Arbeiten  in  den  Brüchen  abbängig  sein  mag.^) 

Manche  Thonlagen  enthalten  schieferige,  dünne  Sandsteinzwischen- 
lagen von  weisslicher  Farbe.  Wenn  ein  Klumpen  solchen  Thones  herab- 
stürzt und  auf  die  Halde  gelangt,  so  zerbröckeln  die  erwähnten 
Zwiscbenlagen  in  ganz  kleine  Stückchen.  Solche  Thonklumpen  sehen 
dann  beim  ersten  Blick  so  aus,  als  ob  Detritus  von  Petrefaktenschalen 
in  ihnen  enthalten  wäre,  was  beim  Suchen  nach  Versteinerungen  oft 
zu  Enttäuschungen  führt. 

*)  Zur  Illustrirung  dieses  Umstandes  kann  dienen,  dass  Herr  Hofrath  Stur, 
wie  er  mir  mittheilte,  im  Herbst  vorigen  Jahres,  also  später  als  ich,  nochmals  in 
Mietniöw  war  und  nicht  mehr  in  der  Lage  war,  seine  früheren  Beobachtungen 
sämmtlich   zu  wiederholen. 


\'2b]  ISoitiase  zur  Geolof^ic   von  (iaii/.ien.  35 

Wenn  ich  mm  noch  llillzll^ii^^•c ,  dass  wir  auch  ciiizchic  scheue 
Stücke  mit  groben  Hieroglyphen  nachweisen  konnten,  weK;he  einer 
Zwischenlagc  im  Sandstein  /u  entsprechen  scheinen,  so  habe  ich  das 
rein  Thatsäcliliche  unserer  diesmaligen  Erhebungen  mitgetheilt. 

Nach  meiner  Rückkehr  von  der  Reise  habe  ich  nun  vor  Allem 
die  im  vorigen  Jahr  von  Herrn  Stur  in  derselben  Localität  gesammelten 
Stücke  verglichen  und  darunter  eines  gefunden,  welches  den  Gesteins- 
stücken sehr  ähnlich  sieht,  in  welchen  die  von  Niedzwiedzki  ge- 
sammelten Rruchstücke  von  Cephalopoden  liegen.  Es  ist  ein  dunkler, 
bröckliger  Sandstein  mit  kleinen,  undcntlichen  und  gänzlich  unbestinmi- 
baren  Schalentrümmern ,  in  welchem  Brocken  eines  dunklen  Schief'er- 
thones  enthalten  sind.  Ausser  jenen  Schalentrümmern  liegt  in  dem 
bewussten  Sandstein  ein  Gastropod,  welches  indessen  leider  ebenfalls 
nicht  sicher  bestimmbar  ist.  Es  Hess  sich  also  in  keiner  Weise  ein 
neues  Moment  zur  besseren  Beurtheihing  der  Sachlage  beibringen. 

Der  allgemeine  Eindruck  indessen,  den  wir,  Herr  Prof.  S  z  a  j  n  o  c  li  a 
und  ich,  von  der  fraglichen  Ablagerung  erhielten,  war  doch  wieder  der, 
dass  diese  Ablagerung,  an  und  für  sich  betrachtet,  als  alttertiär  zu 
deuten  wäre.  Man  braucht  dabei  in  keiner  Weise  anzuzweifeln ,  dass 
Prof.  Niedzwiedzki  hier  wirklich  jene  cretacischen  Fossilien 
gefunden  hat ,  welche  ihn  zuerst  bestimmten ,  die  ganze  Ablagerung 
für  Kreide  zu  halten.  Ich  erkläre  das  nochmals  ganz  ausdrücklich 
und  bin  ja  sogar  heute  in  der  Lage,  wie  aus  dem  Obigen  hervorgeht, 
gewisse  Bedenken  bezüglich  der  Provenienz  der  jene  Fossilien  ein- 
scbliessenden  Gesteine  fallen  zu  lassen. 

Eines  aber  möcbte  ich  denn  doch  hervorbeben.  Stur  hat  am 
Schlüsse  seiner  Mittheilung  über  Mietni(iw  die  Aeusserungen  zweier 
vorzüglichen  Kenner  von  Kreidepetrefakten,  der  Herren  Schlüter  und 
ühlig  angeführt,  welchen  die  fraglichen  Fossilien  zur  Ansicht  vor- 
lagen. Obwohl  nun  diese  Aeusserungen  dahin  lauten,  dass  eine  nähere 
Bestimmung  der  betreffenden  Fragmente  nicht  möglich  sei,  spricht  die 
Natur  dieser  Reste  doch  mehr  für  den  neocomen  Charakter  der  Fossilien 
als  für  den  eines  jüngeren  Kreidehorizoutes.  Einen  solchen  jüngeren 
Horizont  muss  aber  andererseits  Niedzwiedzki  dabei  schon  deshalb 
für  vertreten  ansehen,  weil  das  Neocom  der  Umgebung  von  Wieliczka 
in  ganz  anderer  Ausbildung  entwickelt  ist  als  der  Sandstein  von 
Mietni(')w  und  weil  dieser  Sandstein,  bezüglich  seine  von  Niedzwiedzki 
anerkannten  Aequivalente  auf  den  sicheren  Neocomschichten  aufruhen. 
Wie  soll  man  nun  die  vorliegende  Vergesellschaftung  einer  wesentlich 
aus  Hamiten  oder  Crioceren  bestehenden  Fauna,  unter  denen  nach 
U  h  1  i  g  eine  Form  ziemlich  nahe  an  die  Crioceren  des  Barrömien  er- 
innert, in  einem  postneocomen  Absatz  besonders  annehmbar  finden? 
Denn  wenn  diese  Vergesellschaftung  auch  principiell  der  Voraussetzung 
eines  etwas  jüngeren  cretacischen  Alters  nicht  direct  widerspricht,  so 
ist  doch  ihr  Gesammthabitus  sicher  mehr  der  der  Zugehörigkeit  zu  einer 
etwas  älteren  Ablagerung.  Liegt  es  denn  im  Hinblick  auf  den  frag- 
mentarischen Zustand  der  bewussten  Fossilien  nicht  in  der  That  nahe, 
an  eine  Einschwemmung  der  Schalen  zu  denken  y  Lagen  aber  die 
Schalenbruchstücke  auf  secundärer  Lagerstätte,  dann  ist  es  auch  nicht 
mehr  unbedingt  nöthig,  die  Absätze,  die  sie  einschlössen,  für  cretacisch 


36  r)r.  Emil  Tietze.  [26] 

anzusehen  und  wenn  im  rohrii;en  alle  Unistiinde  für  ein  alttortiäres 
Alter  Jener  Absätze  sprechen,  Avie  ich  früher  ausführlich  auseinander- 
iiesctzt  habe,  dann  wird  man  naturgeniäss  diesen  letzteren  Umstanden 
am  meisten  Rechnuni;-  zu  tragen  gewillt  sein.  Deshalb  scheint  mir 
unter  der  Voraussetzung,  dass  die  von  Ni  edzwiedz  ki  bei  Mietniow 
entdeckten  Keste  ans  mit  dem  dortigen  Sandstein  verbundenen  Gesteinen 
stammen,  die  Erklärung  Stur's,  man  habe  es  mit  Einschwemmungen 
in  ein  eocäncs,  heziigiich  oligocänes  Lager  zu  thun,  die  den  Ver- 
hältnissen entsprechendste   zu  sein. 

Die  alttertiären  Bildungen  des  karpathischen  Vorlandes  südlich 
von  Krakau  und  insbesondere  auch  der  Ciezkow  icer  Sandstein ,  zu 
welchem  ich  den  Sandstein  von  Mietniow  rechne,  liegen ,  wie  ich  das 
in  meiner  grösseren  Arbeit  auseinandersetzen  konnte,  so  evident  dis- 
cordant  über  den  neocomen  Bildungen  desselben  Gebietes ,  dass  sehr 
leicht  etwas  neocomer  Detritus  und  dabei  local  auch  Fragmente  creta- 
cischer  Schalen  in  jene  alttertiären  Absätze  hincingclangen  konnten,  so  gut 
wie  ja  unbestreitbarer  Weise  auch  die  jurassischen  Ammoniten  und  der 
carbonische  Calaniit  von  Bachowice,  von  denen  gerade  vorher  die  Rede 
war,  in  den  gleichen  alttertiären  Bildungen  sich  auf  secundärer  Lager- 
stätte finden. 

Unser  gemeinschaftlicher  Besuch  des  Mietniower  Steinbruches  hat 
sich  übrigens  nicht  auf  die  Besichtigung  dieses  Bruches  allein  beschränkt. 
Die  Herren  Szajnocha  und  Strzelecki  haben  mit  mir  noch  einige 
der  Schluchten  begangen ,  welche  von  dem  Höhenrücken  bei  Choragwica 
und  Mietni('»w  nordwärts  gegen  die  Strasse  Wieliczka-Bochnia  herab- 
ziehen. Leider  zeigte  sich ,  dass  die  Aufschlüsse  in  diesen  Schluchten 
der  Veränderlichkeit  unterliegen  und  je  nach  dem  wechselnden  Spiel 
der  Gewässer  und  vegetativen  Vorgänge  bald  ein  deutlicheres,  bald  ein 
verwischteres  Bild  der  Verhältnisse  bieten.  Wir  trafen  diesmal  für 
unsere  Begehung  keinen  fiiinstigen  Zeitpunkt. 

Insbesondere  erwiesen  sich  die  Entblössungen  des  an  der  Grenze 
von  Tomaszkowice  und  Przebieczany  verlaufenden  Baches,  von  welchen 
ich  in  meiner  grösseren  Arbeit  (pag.  296)  berichtete,  viel  undeutlicher 
als  sie  früher  erschienen.  Sie  sind  seit  der  Zeit  meines  ersten  Besuches 
vielfach  verstürzt  und  verwachsen,  was  auch  Herrn Bergrath  Strelecki, 
der  diesen  Hach  seit  etlichen  Jahren  nicht  besuclit  hatte,  auffiel.  Aber 
auch  in  demjenigen  Bache,  welcher  bei  dem  durch  die  Literatur  bekannt 
gewordenen  .\ufschluss  des  Tomaszkowicer  Sandsteines  herabkommt, 
waren  manche  Verhältnisse  nicht  mehr  in  der  früheren  Deutlichkeit  zu 
sehen.  Anderes   war  dafür  vielleicht  besser  entblösst  als  früher. 

Jedenfalls  Hessen  sich  aber  hier  noch  einige  Beobachtungen  an- 
stellen ,  w  eiche  auf  die  neuesten  Differenzen  zwischen  Herrn  N  i  e  d- 
z  w  i  e  d  z  k  i  und  mir  Bezug  haben ,  also  auf  Streitpunkte ,  die  ich  in  meiner 
jüngst  erschienenen  Schrift:  .,Einiges  über  die  Umgebung  von  Wieliczka" 
(siehe  Verhandlungen  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1890,  Nr.  8)  zu  dis- 
cutiren  Veranlassung  hatte.  Ich  meine  hier  besonders  die  Frage  nach 
dem  Streichen  der  Schiefer,  welche  direct  südlich  vom  Tomaszkowicer 
Sandstein  auftreten  und  deren  Discordanz  gegenüber  demselben  Sandstein 
Niedzwiedzki  aus  dem  Unistande  folgern  wollte,  dass  diese  Schiefer 
ein  nordsüdliches  Streichen  besitzen  sollten,  w^äiireud  der  Sandstein  selbst 


["271  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien.  37 

mein-  ostwestlicli  streiche.  Herr  Prof.  8zajnoclia,  dem  ich  diesmal  als 
einem  Unparteiischen  die  Beobachtungen,  das  Streichen  betreffend,  über- 
liess,  constatirtc  an  mehreren  Punkten  ein  zweifelloses  Ostweststreichen  der 
betreffenden  Schiefer  zwischen  Stunde  6  und  7  bei  ziemlich  steiler,  südlicher 
Neigung"  derselben.  An  einer  Stelle,  und  zwar  gerade  an  einem  Aufschluss, 
der  ausnahmsweise  eine  dünne  und  deshalb  auch  deutlich  geschichtete 
Partie  des  sonst  sehr  massigen  Tomaszkowicer  Sandsteines  in  der  Nähe 
der  Grenze  gegen  die  thonigen  und  schieferigen  Hildungen  zu  bloss- 
gelegt  hatte,  ermittelte  Herr  Szajnocha  das  Streichen  dieser  Partie 
zu  Stunde  7.  Diese  Peol)achtungen  lieferten  also  ein  die  Bedenken 
Niedz wiedzki's  völlig  entkräftendes  Ergebniss,  insoferne  sie  eine 
nahezu  völlige  Uebereinstimmung  der  bewussten  Streichungslinien  fest- 
stellten. Damit  wird  auch  die  von  mir  ausgesprochene  Vermuthung 
zugänglicher,  dass  an  jener  Stelle,  an  welcher  ich  früher  ein  schein- 
bares meridionales ,  also  der  allgemeinen  Richtung  ganz  entgegen- 
gesetztes Streichen  gewisser  fischführender  Schiefer  wahrnahm,  während 
die  Lage  der  in  diesen  liegenden  Fischschuppen  auf  eine  ostwestliche 
Richtung  hinwies ,  in  der  That  falsche  Schichtung  vorliegt. 

Leider  konnten  übrigens  diesmal  solche  Fischreste,  von  denen 
ich  früher  Proben  mitbringen  konnte,  nicht  aufgefunden  werden.  Die 
betreffende  Fundstelle ,  die  vor  Jahren  einen  sehr  guten  Aufschluss 
gewährte ,  war  in  Folge  der  Veränderungen  in  der  Configuration  des 
Baches  undeutlich  geworden,  während  andere  Punkte,  die  früher  weniger 
gut  entblösst  waren  ,  einen  deutlicheren  Einblick  in  den  Aufbau  der 
hiesigen  Schichten  darboten,  wodurch  sich  erklären  würde,  dass  Niedz- 
wiedzki  das  ostwestliche  Streichen  dieser  Schichten  in  Abrede  zu 
stellen  versucht  wurde. 

Der  Umstand  hingegen,  dass  an  der  diesmal  von  Prof.  Szaj  nocha 
gemessenen  Stelle  das  Streichen  des  Tomaszkowicer  Sandsteines  in 
Stunde  7  stattfindet,  stimmt  mit  der  Angabe  N  i  e  d  z  w  i  e  d  z  k  i's ,  der- 
zufolge  dieser  Sandstein  nahezu  ostwestlich  streicht,  besser  überein,  als 
mit  meiner  frühereu  Angabc,  wonach  ein  Streichen  in  Stunde  4^/2  an- 
zunehmen gewesen  wäre.  Ich  habe  dieses  letztere  Streichen  indessen 
seiner  Zeit  an  einer  anderen  Stelle  abgelesen  und  bin  sicher,  mich 
nicht  getäuscht  zu  haben.  Der  Widerspruch  der  betreffenden  Angaben 
ist  indessen  nur  ein  scheinbarer.  Er  erklärt  sich  durch  die  Unregel- 
mässigkeiten, denen  die  Streichungslinien  in  diesem  Gebiet  nicht  selten 
in  Folge  von  Biegungen  ausgesetzt  sind ,  wie  ich  das  für  den  dem 
Tomaszkowicer  Sandstein  verwandten  und  benachbarten  Sandstein 
zwischen  Choragwica  und  Strozina  schon  früher  ausdrücklich  und  mit 
besonderer  Begründung  hervorgehoben  habe  (vergl.  die  Monogr.  über 
Krakau,  pag.  294  und  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  Nr.  8, 
pag.  7  des  Aufsatzes).  Habe  ich  also  hier  einen  Fehler  gemacht,  so 
besteht  er  darin ,  dass  ich  einer  zufällig  gerade  gut  anzustellenden 
Beobachtung  eine  zu  verallgemeinerte  Bedeutung  gegeben  habe. 

Soll  ich  nun  die  Aufzählung  der  Eindrücke  zum  Abschluss  bringen, 
welche  auf  der  gemeinsam  mit  Prof.  S  z  aj  n  o  ch  a  ausgeführten  Excursion 
gewonnen  wurden,  so  muss  ich  noch  anführen,  dass  südlich  hinter  den 
Schiefern  ,  zu  welchen  die  grauen  fischführenden  Schiefer  jenseits  des 
Tomaszkowicer  Sandsteins  gehören  und  welche  den  Lednicer  Schichten 


38  Dr.  Euul  Tietze.  128] 

N  i  e  d  z  w  i  e  d  z  k  i"s  zufallen  ,  in  dem  schon  dicht  mit  Gebüsch  und 
Gestrüpp  bewachsenen  Thcile  des  Baches  dunkle  Schiefer  mit  dünn- 
schieferigen  sandigen  Lagen  nnd  mit  Hieroglyphen  constatirt  wurden, 
welche  in  ihrem  Aussehen  sehr  an  Wcrnsdorfer  Schichten  erinnern,  so 
dass  es  nicht  gerathen  erscheint,  dieselben  gleich  den  Lednicer  Schichten 
dem  Oligocän  zuzuweisen.  Wir  würden  vielleicht  hier  den  Beginn  des 
Neocoms  anzunehmen  haben,  welches  sowohl  Niedz  wie  dz  ki  als  ich 
im  oberen  Tlieilc  des  betrefienden  Baches  voraussetzen. 


Q.  Die  Ergebnisse  zweier  Bohrungen  in  der  Nähe  von 

Wieliczka. 

Im  Anschluss  an  diese  Mittheilungen  will  ich  nun  noch  über  die 
Erfahrungen  berichten,  w^elche  man  bei  einigen  Bohrungen  in  der  Nähe 
von  Wieliczka  bezüglich  der  Zusammensetzung  des  dortigen  Gebirges 
gemacht  hat. 

Es  ist  bekannt,  dass  man  nach  einem  unter  Mitwirkung  des 
Herrn  Prof.  N  i  e  d  z  w  i  e  d  z  k  i  festgestellten  Plane  seit  einigen  .Jahren 
damit  beschäftigt  ist,  die  Umgebung  des  Salzgebirges  von  Wieliczka 
durch  bergmännische  Arbeiten  zu  untersuchen,  um  zu  ermitteln,  ob  und 
in  welcher  Weise  diese  Salzlagerstätte  sich  über  die  durch  den  Bergbau 
aufgeschlossenen  Regionen  hinaus  fortsetzt. 

Zunächst  versuchte  man  die  Verhältnisse  im  Westen  der  Grube 
aufzuklären  ,  nnd  zu  diesem  Zwecke  wurde  das  mit  Nr.  1  bezeichnete 
Bohrloch  von  Kossocice  hergestellt,  über  welches  ich  in  meiner  Mono- 
graphie der  Gegend  von  Krakau,  in  dem  Wieliczka  behandelnden 
Capitel  (pag.  211  u.  f.)  berichtet  habe.  Da  die  bei  dieser  Bohrung  er- 
zielten Resultate  nicht  allen  Erwartungen  genügten,  welche  man  an 
dieselbe  geknüpft  hatte,  so  wurde  etwas  südlich  davon,  das  ist  etwas 
mehr  gegen  den  Karpathcnrand  zu ,  im  Sommer  1 888  eine  neue  mit  Nr.  2 
bezeichnete  Bohrung  in  der  Nähe  von  Barycz  begonnen,  welche  im 
Sei)tember  1890,  als  das  Liegende  der  Salzformation  erreicht  worden 
war,  zum  Abschluss  gebracht  wurde.  Gütigen  Mittheilungen  des  Herrn 
Ministerialrathes  Ott  im  hiesigen  k.  k.  Finanzministerium  und  des 
Herrn  Bergrathes  v.  Strzelecki  in  Wieliczka  verdanke  ich  die 
Möglichkeit,  von  den  wissenschaftlich  bemerkenswerthen  Ergebnissen 
dieser  Bohrung  an  dieser  Stelle  Kenntniss  zu  geben,  für  welches  Ent- 
gegenkommen ich  den  Genannten  besonderen  Dank  schulde. 

Den  erwähnten  Mittheilungen  zufolge  durchstiess  man  die  ober- 
flächlichen Aufschüttungen  nnd  die  Dammerde  bei  1  Meter  5  Centimeter 
Tiefe  und  einen  gelben,  augenscheinlich  diluvialen  Lehm  mit  Wnrzel- 
fasern  bei  1  Meter  und  82  Centimeter  Tiefe.  Darunter  folgte  ein  weisslich 
grauer  abfärbender  Thon  bis  zu  2  Meter  36  Centimeter  und  ein  asch- 
grauer, stark  sandiger,  mit  Wasser  schlammig  werdender,  Glimmer- 
schüppchen  und  Pflanzenreste  führender  Thon  bis  zu  G  Meter  34  Centi- 
meter. Darunter  gelangte  man  bis  zur  Tiefe  von  7  Meter  80  Centimeter 
auf  eine  Schotterschiclit,  bestehend  aus  Gerollen  von  Mergel,  Sandstein, 
Kalkstein,  Quarz,  (Jranit  und  Stücken  von  rothem  Thon.  Bis  hieher 
darf  man  vernnithlich  die  Anwesenheit  quartärer  Bildungen  annehmen. 


r29|  Bi'itiägo  zur  Geologio  vou  Galizien.  ^f) 

Sicher  tertiär  ist  nun  selion  der  darunter  folgende  bläulich  f^-raue 
Thon,  der  sich  durch  nuischcligen  Bruch  auszeichnet  und  viele  (lyps- 
knoUen,  sowie  Selenitplatten  führt,  nach  20  Meter  Tiefe  etwas  salzig  wird 
und  nach  30  Meter  Tiefe  in  Salzthon  übergeht,  der  seinerseits  ebenfalls  Gyps 
fuhrt.  Zwischen  39  und  45  Meter  Tiefe  erscheint  Orünsalz  mit  Gy[)S  und 
Thon  vermengt,  darunter  IVg  Meter  stark  eine  Art  Krystallsalz.  Diese 
Salzlagen  haben  also  zusammen  eine  Mächtigkeit  von  nicht  ganz  8  Metern. 
Darunter  folgt  Avieder  Salzthon  und  etwa  vom  51.  Meter  an  bis  zu 
58V2  Meter  w^erden  Wechsellagen  von  Salz,  Thon  und  Gyps  angegeben, 
wobei  es  fraglich  gelassen  wird ,  ob  das  hier  gefundene  Salz  dem 
Spizasalz  entspreche.  Nun  kommt  aufs  Neue  Salzthon .  dem  zwischen 
71  und  TG  Meter  Tiefe  einige  Lagen  von  Salzsandstein,  aber  sonst 
überall  Partien  von  Gyps  untergeordnet  sind,  während  zwischen  dem 
110.  und  115.  Meter  dünne  Lagen  feinkörnigen  Sandsteines  darin  auf- 
treten, wobei  der  Gyps  nach  unten  zurücktritt. 

Es  folgten  nun  von  122 ',2  bis  136  Meter  Tiefe  harte,  graue,  fein- 
körnige Sandsteine  mit  einigen ,  zum  Theil  stark  sandigen  Thonein- 
lagerungen,  und  es  schien  anfänglich  zweifelhaft,  ob  man  hier  noch  die 
Salzformation  oder  vielleicht  schon  Karpathcnsandstein  vor  sich  habe. 
Ein  überaus  mächtiger  bläulichgrauer  Salzthon  indessen ,  dem  dünne 
Lagen  von  feinkörnigem  Sandstein  und  ein  Mergel  untergeordnet  waren, 
der  das  Liegende  jenes  Sandsteines  bildete,  war  geeignet,  jene  Zweifel 
wieder  zu  zerstreuen.  Zwischen  237  Meter  50  Centimeter  und  241  Meter 
90  Centimeter  Tiefe  führte  dieser  Salzthon  Gypsknollen  und  faserigen 
Gyps  und  weiter  unten  bis  zur  Tiefe  von  264  Meter  wechselte  er 
mit  Lagen  von  Salzsandstein,  Gyps  und  unbedeutenden  Partien  von 
Anhydrit. 

Bei  264  Meter  aber  erreichte  man  die  Ablagerung  des  Szybiker 
Salzes ,  w^elches  bis  zur  Tiefe  von  289  Meter  30  Centimeter  anhielt. 
Das  gäbe  für  die  Mächtigkeit  der  Szybiker  Salzlagen  hier  eine  Mäch- 
tigkeit von  mehr  als  25  Meter.  Indessen  treten  darin  einige  Zwischen- 
lagen von  Thonen  auf,  und  zeigt  sich  auch  das  Salz  selbst  durch  Thon 
und  Anhydrit  verunreinigt.  Nur  die  zwischen  268  Meter  56  Centimeter 
und  274  Meter  80  Centimeter  angetroffene  Salzpartie  war  ziemlich  rein 
und  nur  durch  geringe  Beimengungen  von  Anhydrit  verunreinigt. 

Darunter  folgte  eine  9  Meter  10  Centimeter  starke  Lage  von  Mergel 
und  grünlich  grauem  Thon  und  wiederum  hierunter  eine  1  Meter 
20  Centimeter  starke  Partie,  in  welcher  Sandsteine,  Thone,  Anhydrite 
und  nochmals  Andeutungen  von  Szybiker  Salz  vorkamen ,  um  schliess- 
lich wieder  einem  Salzthon  mit  Gypskörnern  Platz  zu  machen,  der  von 
gewöhnlichem  Salzthon  bei  311  Meter  30  Centimeter  abgelöst  wurde. 
Dieser  hielt  an  bis  zur  Tiefe  von  355  Meter  30  Centimeter  und  erwies 
sich  als  das  liegendste  Glied  der  ganzen  hier  beschriebenen  tertiären 
Schichtenfolge,  denn  in  dieser  Tiefe  gelangte  man  mit  dem  Bohrloch 
in  hellen  jurassischen,  Hornstein  führenden  Kalk. 

In  einer  Tiefe  von  364  Meter  10  Centimeter  blieb  das  Bohrloch 
in  diesem  Kalk  stehen,  da  der  Zweck  desselben,  soweit  es  sich  um 
eine  Recognoscirung  des  Terrains  handelte,  mit  der  Constatirung  des 
Liegenden  der  Salzformation  erreicht  war. 


40  Dr.  Emil  Tietze.  [30] 

Dass  dieses  Liegende  hier  wieder  Jiirakaliv  ist,  wie  im  Kossocicer 
Bobrloclie,  ist  gewiss  von  hohem  Interesse,  einmal,  weil  erwiesen  wird, 
dass  selbst  in  solcher,  doch  schon  etwas  grösseren  Nähe  vom  Kar- 
patbenrande der  Karpatliensaiulstein  zwischen  dem  Miocäu  und  dem 
älteren  Gebirge  noch  fehlt,  und  zweitens,  weil  es  offenbar  wird ,  dass 
der  obere  Jura  von  Krakau  herüber  noch  viel  weiter  an  die  Karpathen 
heranreicht,  als  man  bisher  mit  Bestimmtheit  gewusst  hat.  Es  wird 
dadurch  die  Vermuthung  immer  näher  gerückt,  dass  ein  Zusammenhang 
zwischen  dem  Krakauer  Jura  und  dem  Jura  bestanden  hat,  dessen 
Ueberreste  wir  in  den  nördlichen  Raudtheilen  der  karpathischen  Flyscli- 
zone  theils  als  Khppen ,  theils  als  exotische  Blöcke  erhalten  finden, 
gleichviel  wie  man  sich  diesen  Zusammenhang  im  Hinblick  auf  gewisse, 
in  feineren  Gesteins-  und  Altersfragen  beruhende  Schwierigkeiten  vor- 
stellen will.  Ich  erinnere  hier  an  den  von  mir  (Gegend  von  Krakau, 
1.  c.  pag.  283 — 284)  besprochenen  Kalkstein  von  Sygneczöw  bei 
Wieliczka ,  von  dem  bereits  Beyrich  annahm,  dass  er  mit  dem 
Krakauer  Jura  zusammenhänge,  und  ich  erwähne,  dass  die  Entfernung 
dieser ,  heute  durch  den  Abbau  vernichteten  Blockklippe  von  dem 
Baryczer  Bohrloch  nur  2  Kilometer  beträgt.  Dabei  geht  aber  die  Ver- 
bindungslinie der  beiden  Punkte  schräg  gegen  das  Streichen,  entspricht 
also  nicht  einmal  der  kürzesten  Entfernung  zwischen  dem  Bohrloch  und 
den  Schichten,   denen  jener  exotische  Block  angehörte. 

Weitere  Gesichtspunkte  von  einigem  Interesse  gewinnen  wir  zu- 
nächst durch  eine  Vergleichung  der  soeben  mitgetheilten  Daten  mit  den 
Angaben,  die  über  das  Kossocicer  Bohrloch  gemacht  werden  konnten. 

Dort  wurde  der  Jura  in  einer  Tiefe  von  322  Meter,  hier  wurde 
er  in  einer  solchen  von  355  Meter  erreicht.  Daraus  ergibt  sich  eine 
Abdachung  desselben  gegen  Süden  zu.  Doch  entzieht  es  sich  vorläufig 
der  Beobachtung,  ob  diese  Abdachung  zunächst  mit  der  für  das  Miocän 
dieser  Gegend  bezeichnenden  Fallrichtung  gegen  den  Karpathenrand 
hin  zusammenhängt,  oder  ob  dieselbe  ausschliesslich  auf  ältere  Ver- 
änderungen  der  Juraoberfläche  zurückzuführen  ist. 

Auf  alle  Fälle  wird  die  Annahme  solcher  älterer  Veränderungen 
nicht  ganz  auszuschliessen  sein ,  wenn  es  sich  nicht  um  den  jetzt  er- 
wähnten speciellen  Fall ,  sondern  überhaupt  um  die  Erklärung  der 
Thatsache  handelt,  dass  der  obere  Jura,  der  doch  unweit  von  hier  bei 
Krakau  oder  sogar  noch  bei  Kurdwanow  mehr  oder  weniger  ansehn- 
liche Hügel  bildet,  die  sich  bis  gegen  100  Meter  über  das  Niveau  des 
"Weichseithaies  erheben,  hier  erst  in  solcher  Tiefe  unter  der  Tegeloberfläche 
und  jedenfalls  in  einer  Tiefe  von  ungefähr  285  Meter  unter  dem  Niveau 
der  Weichsel  bei  Krakau  erreicht  wird.  Auch  bei  Swoszowice  wurde 
(vergl.  meine  Monographie  über  die  Gegend  von  Krakau,  1.  c.  pag.  189) 
der  jurassische,  unter  dem  dortigen  Miocän  liegende  Kalk,  der  dort 
bei  zwei  verschiedenen  Bohrungen  zur  Feststellung  gelangte ,  erst  in 
einer  Tiefe  von  48,  beziehungsweise  von  81  Meter  angefahren.  Man  dart 
geneigt  sein,  diese  Tiefenlagen  des  Jura  im  Bereich  der  den  Karpathenrand 
begleitenden  Miocänzone  mit  einer  Verwerfung,  bezüglich  mit  einem 
Absinken  der  jurassischen  Schichten ,  selbstverständlich  einschliesslich 
ihrer  Unterlage,  in  Beziehung  zu  bringen.  Es  hat  dabei  den  Anschein, 
als  ob  dieses  Absinken  gegen  Wieliczka  zu  ein  besonders  starkes  gewesen 


[31]  Beiträge  znr  Geologie  von  Galizien.  ^j 

wäre,  wie  einmal  aus  dem  rmstaiide  geschlossen  werden  könnte,  dass 
bei  Swoszowicc,  Avie  eben  gesagt,  die  Tiefe,  in  der  der  Jura  angetroiren 
wurde,  geringer  ist,  als  bei  Kossoeice  oder  Barycz ,  und  wie  zweitens 
aus  den  später  zu  machenden  Mittheilungen  über  ein  noch  näher  an 
Wieliczka  befindliches  Bohrloch  (Nr.  III)  hervorgeht ,  in  welchem  l)ei 
einer  viel  grösseren  Tiefe  der  Jura  überhaupt  noch  nicht  erreicht 
wurde. 

Es  würde  nahe  liegen,  die  durch  jenen  Abbruch  des  Jura  geschaffene 
Situation  sich  als  eine  der  localen  Veranlassungen  für  die  Bildung  des 
Salzlagers  von  Wieliczka  vorzustellen,  da  die  Ausscheidung  des  Salzes 
dann  in  einem  vertieften  Canal  vor  sich  gegangen  wäre,  welcher  im 
Norden  von  den  stehengebliebenen  Rändern  der  jurassischen  Platte, 
im  Süden  von  dem  zur  Miocänzeit  schon  vielfach  trocken  gelegten 
karpathischen  Gebiet  begrenzt  gewesen  wäre.  So  sehr  ich  aber  auch 
geneigt  bin,  diesem  Gesichtspunkte  eine  gewisse  Bedeutung  zuzugestehen, 
so  sehr  tühle  ich  mich  doch  verpflichtet,  darauf  hinzuweisen,  dass  mit 
dieser  Vorstellung  wiederum  die  Erfahrungen  in  dem  später  zu  be- 
schreibenden Bohrloch  Nr.  III  nicht  völlig  liarmonircn,  da  vorläufig  nicht 
eingesehen  werden  kann,  warum  dann  dort  in  einem  augenscheinlich 
noch  zu  jenem  vertieften  Canal  gehörigen  Gebiet  die  Salzabsätze,  wie 
wir  sehen  werden,  durchaus  fehlen. 

Ein  anderer  Vergleichspunkt  zwischen  den  von  den  Bohrlöchern  Nr.  I 
und  II  durchfahrenen  Schichten  ergiebt  sich  im  Hinblick  auf  die  Tiefe 
des  Auftretens  der  Szybiker  Salzlager,  welche  im  Baryczer  Bohrloch 
(Nr.  II)  in  264  Meter,  im  Kossocicer  Bohrloch  (Nr.  I)  in  217^2  Meter 
Tiefe  erreicht  wurden.  Auch  hier  ergiebt  sich,  was  in  diesem  Falle 
übrigens  vorausgesehen  wurde,  eine  Abdachung  dieses  Theiles  des 
Salzgebirges  gegen  Süden  zu.  Das  hängt  hier  indessen  vermuthlich  mit 
der  allgemeinen  Südneigung  der  Schichten  des  subkarpathischen  Miocäns 
zusammen. 

Die  Mächtigkeit  des  Szybiker  Salzes  im  Kossocicer  Bohrloch 
beträgt  einschliesslich  zweier,  zusammen  7' 70  Meter  starker  Zwischen - 
mittel  32*22  Meter,  die  Mächtigkeit  desselben  Schichtencomplexes  im 
Baryczer  Bohrloch,  wenn  wir  als  untere  Grenze  dabei  jene  kleine  bei 
299^1 2  Meter  durchteufte  Schichte  annehmen ,  in  welcher  noch  Spuren 
von  Szybiker  Salz  vorkamen,  beträgt  einschliesslich  der  gänzlich  tauben 
Zwischenmittel  35"50  Meter,  ist  also  ungefähr  dieselbe.  Während  beim 
Baryczer  Bohrloch  diese  unterste,  noch  zum  Szybiker  Complex  zu  rech- 
nende Lage  von  dem  Jura  durch  eine  aus  Salzthon  bestehende  Schichtfolge 
von  55*80  Meter  Stärke  getrennt  wird,  musste  man  im  Kossocicer  Bohrloch 
noch  70*46  Meter  tief  gehen,  um  den  Jura  zu  erreichen.  Auch  diese 
Mächtigkeiten  sind  von  einander  nicht  so  verschieden,  dass  dies 
besonders  auffallen  würde.  Ueberdies  besteht  das  Liegende  der  Szybiker 
Salze  auch  im  Kossocicer  Bohrloch  vorwaltend  aus  Salzthon  und  ist  in 
diesem  Bohrloch  nur  die  Anwesenheit  einer  Lage  von  Grünsalz  unter 
dem  Szybiker  Salz  auifällig,  für  welche  im  Baryczer  Bohrloch  das 
Analogen  fehlt.  Rechnen  wir  weiter  aus,  dass  im  Kossocicer  Bohrloch 
die  Mächtigkeit  sämmtlicher  Schichten  vom  oberen  Beginn  des  Szybiker 
Salzes  bis  zum  Jura  102-68  Meter  beträgt,  die  correspondirendc  Schicht- 
folge im  Baryczer  Bohrloch    aber   91*30  Meter  mächtig  ist,    so    kann 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  l.  Heft.  (E.  Tietze.)  ti 


42  ^^r-  Kniil  Tiei/^e.  [32] 

man  auf  Gniiul  aller  dieser  Daten  sajien,  dass  dieser  untere  Theil  der 
Salzfornuition  in  Mächtigkeit  und  in  Besebatifenlieit  der  Scliicliten  an 
den  beiden  Hohrpunkten  nicht  wesentlich  dititerirt,  dass  also  die  früher 
von  mir  vertretene  Annahme  einer  verbältnissmässig  grösseren  Constanz 
im  Auftreten  dieses  Seliiehtcomplexes  für  den  besprochenen  Fall  eine 
neue  Bestätigung  erfährt. 

Anders  verhält  sieb  die  Sache,  sobald  wir  die  ü  b  e  r  den  Szybiker 
Salzen  entwickelten  Bildungen  miteinander  für  beide  Localitäten  ver- 
gleichen. 

Im  Kossocicer  Bohrloche  beginnt  das  eigentliche  Salzgebirge  mit 
einem  über  den  Szybiker  Salzen  liegenden  Salzthon  erst  in  einer  Tiefe 
von  über  200  Meter  und  die  grosse  Hauptmasse  der  darüber  folgenden 
Schichten  besteht  aus  Thonen,  welche  in  ihrer  Beschaft'enheit  ganz  den 
sogenannten  „Swoszowicer  Thonen"  entsprechen.  Im  Baryczer  Bohrloch 
beginnt  das  eigentliche  Salzgebirge  mit  echtem  Salzthon  bereits  230  Meter 
über  dem  Szybiker  Salz  in  einer  Tiefe  von  nur  30  Meter  unter  der  Tages- 
oberfläche. Blaue  Thone  aber,  welche  dem  Swoszowicer  Thone  ent- 
sprechen könnten,  sind  hier  nur  in  der  relativ  geringen  Mächtigkeit 
von  einigen  20  Metern  über  dem  Salzthon  vorhanden.  Zudem  führen 
diese  Thone  hier,  wie  angegeben  wurde,  viele  Gypsknollen  und  werden 
in  einer  gewissen  Tiefe  sogar  salzig,  um  schliesslich  direct  in  Salzthon 
überzugehen. 

Diese  Verhältnisse  sprechen  doch  wohl  deutlich  genug  für  die 
von  mir  behauptete  Aequivalenz  eines  grossen  Theiles  der  Swoszowicer 
Thone  mit  dem  höheren  Theil  des  eigentlichen  Salzgebirges.  Da  hält 
es  jedenfalls  schwer,  die  Meinung  aufrecht  zu  erhalten,  dass  die 
Swoszow'icer  Thone  ein  selbstständiges  jüngeres  Schichtglied  dem 
Salzthon  geg-enüber  vorstellen  sollen.  Bei  der  nicht  bedeutenden  (etwa 
300  Meter  betragenden)  Entfernung  beider  Bohrlöcher  von  einander  wäre 
ein  so  plötzliches  Anschwellen  der  Mächtigkeit  des  Salzthones  und 
seiner  Zwischcnmittel  im  Baryczer  Bohrloch  und  ein  so  ])lötzliches 
Zusammenschrumpfen  der  Swoszowiczer  Thone  andererseits  ein  in  hohem 
Grade  räthselhaftes  Phänomen.  Es  ist  aber  überflüssig,  die  Zahl  der 
Räthsel  für  die  Geologie  dieser  Gegend  in  einem  Falle  zu  vermehren, 
in  welchem  eine  naturgemässe  Erklärung,  wie  sie  hier  durch  die  Inan- 
spruchnahme der  Faciestheorie  geboten  wird,  so  nahe  liegt. 

Die  faciellen  Verschiedenheiten  des  Gebirges  über  den  Szybiker 
Salzlagern  zeigen  sich  übrigens  für  die  verglichenen  Punkte  noch  in 
anderer  Weise.  Schon  in  meiner  Monographie  der  Gegend  von  Krakau 
(1.  c.  pag.  256)  schrieb  ich  im  Hinblick  auf  die  damals  erst  im  Plane 
liegenden  Arbeiten  südlich  vom  Kossocicer  Bohrloche,  es  sei  nicht 
unmöglich,  dass  dort,  das  ist  also  in  der  Gegend  des  heutigen  Bohr- 
loches Nr.  II,  „auch  die  Aequivalente  des  oberen  Salzgcbirges ,  als 
welche  ich  die  Swoszowicer  Mergel  (des  Kossocicer  Bohrloches)  betrachte, 
sich  w  icder  etwas  mehr  anreichern  und  dass  dort  noch  einige  kleinere 
Grünsalzkör])er  über  dem  unteren  Salzgebirge  angetroffen  werden". 
Diese  Vermuthung  hat  sich,  wie  das  diesmal  mitgetheilte  Bohrprofil 
erweist,  bestätigt.  In  einer  Tiefe  von  39  Meter  wurde  thatsächlich  das  bei 
Kossocice  über  den  Szvl)iker  Salzen  vermisste  Grünsalz  gefunden. 


[;],')]  IJeilra^e  znr  C!eolif*ie   von  (!ali/.iüii.  43 

Wenn  nun  aneli  niclit  vai  erwarten  ist,  dass  in  dieser  Gegend  be- 
sonders grosse  Mengen  von  dieser  Salzart  vorhanden  sind,  so  ist  anderer- 
seits bei  der  Unregelmässigkeit  der  Begrenzung  der  daraus  bestehenden 
Partien  auch  nicht  auszuschliessen,  dass  stellenweise  grössere  Mächtig- 
keiten des  Griinsalzes  angetroffen  werden  könnten,  als  dies  die  von  der 
Bohrung  erschlossene  Mächtigkeit  ist,  und  es  ist  ebensowenig  ganz 
auszuschliessen ,  dass  mehrere  solche  Grünsalzkörper  in  etwas  ver- 
schiedenen Höhenlagen  in  den  Baryczer  Salzthonen  zerstreut  sich  vor- 
finden .  dies  Alles  natürlich  nur  unter  der  keineswegs  sicheren  Voraus- 
setzung, dass  das  obere  Salzgebirge  hier  noch  den  undeutlichen  und 
verworrenen  Schichtungscharakter  aufweist ,  w'ie  er  sich  im  Bereiche 
der  Grube  von  Wieliczka  selbst  l)ekundet. 

Immerhin  ist  die  Tiefe,  in  der  das  Grünsalz  bei  Barycz  angetroffen 
wurde,  relativ  so  gering,  dass  es  sich  vielleicht  lohnt ,  dieses  Salz  durch 
einen  Schachtbau  aufzusuchen,  wenn  auch ,  wie  schon  angedeutet  und 
im  Hinblick  auf  die  von  mir  schon  früher  ausdrücklich  betonte  Verarmung 
des  Salzgebirges  gegen  Westen  hin,  besonders  schwungvolle  Hoffnungen 
an  einen  derartigen  Bau  nicht  gcknüi)ft  werden  sollten.  Weiteren  Er- 
wägungen wird  überdies  anheimzustellen  sein,  ob  der  Salzgehalt  dieser 
Region  nicht  dereinst  zur  Auslaugung  herangezogen  werden  soll. 

Doch  beschäftigt  uns  ja  hier  zunächst  die  wissenschaftliche  Seite 
der  gewonnenen  Erfahrungen  und  der  Nachweis ,  dass  im  Gebiete  des 
hiesigen  Miocäns  auf  kürzere  Distanzen  auffallende  facielle  Veränderungen 
vor  sich  gehen.  Dieser  Nachweis  aber  ist,  abgesehen  von  den  schon 
in  meiner  grösseren  Arbeit  angeführten  Thatsachen,  durch  die  voran- 
stehenden Vergleiche  als  erbracht  anzusehen  und  wird  durch  die  gleich 
zu  besprechenden  Erscheinungen  im  Bohrloch  Nr.  HI  noch  ergänzt  werden. 
Zur  Illustration  dessell)cn  könnte  man  vielleicht  auch  auf  das  Vor- 
kommen von  Spizasalz  au  der  Basis  des  Grünsalzes  im  Baryczer  Bohr- 
loch hinweisen,  da  im  Kossocicer  Bohrloch  dergleichen  nicht  angetroffen 
wurde.  Doch  sind  die  auf  diese  Salzart  bezogenen  S])uren  zu  fraglicher 
Natur,    um  schon  jetzt  ernstlich  in  Rechnung  gezogen  zu  werden. 

Dagegen  geht  aus  den  Verhältnissen  bei  Barycz  und  Kossocice, 
aus  dem  reducirtcn  Auftreten  des  Grünsalzes  an  der  einen  und  aus 
dem  gänzlichen  Fehlen  des  Grünsalzes  über  den  Szybiker  Salzen  an 
der  anderen  Localität  ein  Argument  gegen  die  von  Niedzwiedzki 
(Wieliczka  pag.  101)  vertretene  Vorstellung  hervor,  der  zu  Folge  die 
Existenz  des  Grünsalzes  von  der  Anwesenheit  älterer  Salzgebilde  in 
seinem  Liegenden  abhängig  sein  soll.  Solche  ältere  Salzgebilde  sind 
ja  hier  so  gut  wie  in  Wieliczka  selbst  vorhanden ,  aber  die  Ablage- 
rungen über  denselben  zeigen  theils  graduell,  theils  überhaupt  einen 
anderen  Charakter  als  in  der  Grube,  üebrigens  habe  ich  mich  schon 
an  einer  anderen  Stelle  (Krakau,  1.  c.  pag.  205  u.  20(3)  darüber  ausge- 
sprochen ,  dass  das  obere  sogenannte  „Salztrünmiergebirge"'  bezüglich 
seines  Salzgehaltes  im  Wesentlichen  als  selbstständig  aufzufassen  sei. 
Während  nun  die  Bohrlöcher  Nr.  I  und  II  bei  Kossocice  und 
Barycz  die  Gegend  westlich  der  Grube  in  vieler  Beziehung  aufklärten, 
wurden  schliesslich  auch  Arbeiten  iu's  Werk  gesetzt,  um  die  Region 
nördlich  der  Grube  besser  kennen  zu  lernen.  Es  waren  hier  ursprüng- 
lich zwei  Bohrungen  projectirt,    von  welchen  die  nördlichere ,    wie  die 

6* 


44  Ur.  Enül  Tietze.  [34] 

Diii.uc  heute  stolicn,  wolil  kauiii  in  Anyrili"  {A'cnoiiimcn  werden  wird, 
während  die  slidliehere .  das  ßi)hrlüch  Nr.  III,  neben  dem  lletorniaten- 
kloster  im  nördlichen  Theilc  der  Stadt  Wieliezka  selbst  zur  Ausfüh- 
rung: kam. 

Auf  Grund  officieller  Daten  des  k.  k.  Finanzministeriums,  als  der 
voriiesetzten  Behörde  der  staatlichen  Salzwerke,  in  welche  Daten  mir 
amtlich  Einsicht  zu  nehmen  verstattet  war,  bin  ich  in  den  Stand  {ge- 
setzt, das  wissenschaftlich  Interessanteste  über  diese  Bohrung  niitzu- 
theilen.  Es  verdienen  gewisse  Einzelheiten  des  betreffenden  Bohrprotils 
in  der  That  dem  Staube  der  Acten  entrückt  und  der  gedruckten  Fach- 
literatur einverleibt  zu  werden. 

Vorausgeschickt  sei,  dass  die  erwähnte  Bohrung  am  26.  Juli  1890, 
an  welchem  Tage  sie  zunächst  eingestellt  wurde,  die  sehr  erhebliche 
Tiefe  von  481  Meter  GO  Centimeter  unter  der  Tagesoherfläche  erreicht 
hatte.  Es  ist  dies  eine  der  grössten  Tiefen,  welche  bisher  in  Galizien 
von  einem  Bohrloch  aufgesucht  Avurde,  da  selbst  die  tiefsten  Fctroleum- 
bohrungen  der  weiter  östlich  gelegenen  Landstriche  grösstentheils  noch 
ziendich  erheblich  hinter  dieser  Leistung  zurückbleiben. 

Oben  durchstiess  man  dabei  zuerst  eine  dünne  Lage  von  Damm- 
erde, sodann  etwas  gelben  Lehm  mit  Wurzelfasern  und  gelangte  bald 
zu  einem  ebenfalls  nur  wenig  mächtigen ,  weisslich  grauen ,  sandigen 
Thon  mit  PHanzenresten.  Von  der  Schotterschicht ,  die  im  Bohrloch 
Nr.  II  angetroffen  wurde,  scheint  hier  nichts  vorhanden  zu  sein. 

Mit  einem  bläulich  grauen,  sandigen  Thon,  der  sich  durch  Wasser- 
führung auszeichnet ,  beginnt  sodann  sehr  wahrscheinlich  bereits  das 
neogene  Tertiürgebirgc.  Darunter  folgte  jedenfalls  rasch  und  bis  zur 
Tiefe  von  9  Meter  anhaltend  ein  bläulich-grauer,  glimmerhältiger  Sand- 
stein, nach  welchem  man  einen  grünlich-grauen  Thon  erreichte.  Bis 
zur  Tiefe  hielt  nun  ein  Wechsel  von  ähnlichen  Thonen  mit  Sandstein- 
lagcn  an,  wobei  zu  bemerken  ist,  dass  die  Thone  prävaliren.  Die 
den  letzteren  eingeschalteten  Sandsteine  sind  indessen  meist  sehr  hart 
und  dabei  von  bläulich-grauer  Färbung. 

Bemerkenswerth  sind  folgende  Einzelheiten.  Ungefähr  in  60  Meter 
Tiefe  kommen  im  Sandstein  Klüfte  vor,  welche  mit  compactem  Sande 
ausgefüllt  sind.  In  364  Meter  Tiefe  beginnt  ein  sandiger  grünlich-grauer 
Thon  mit  Oypskörnern,  der  bis  zu  379  Meter  anhält,  aber  zwischen  dem 
373.  und  376.  Meter  von  hartem  Sandstein  mit  Gyps  und  Anhydrit 
unterbrochen  wird.  Ein  solcher  Sandstein  liegt  dann  noch  zwischen 
dem  379.  und  384.  Meter,  während  der  unter  dieser  Tiefe  zunächst  folgende, 
bis  zum  401.  Meter  anhaltende  Sandstein  die  Gypscinschlüsse  wieder  ver- 
liert. Dann  kommen  ausschliesslich  Thone,  die  anfänglich  noch  (bis  zu 
43S  Meter)  sandig  sind.  In  der  Tiefe  von  455— 458  Meter  wurde  der 
dort  herrschende  Thon  als  Gas  führend  erkannt.  Schliesslich  ist  das  Bohr- 
loch, nachdem  sich  gewisse  technische  Schwierigkeiten  ergaben,  in  ge- 
wöhnlichem Thon  stehen  geblieben.  Salz  wurde  nicht  gefunden. 

Die  Ergebnisse  dieser  Bohrung  sind  in  hohem  Grade  lehrreich. 
Sie  bestätigen  zunächst  die  Meinung,  die  ich  in  meiner  grösseren  Arbeit 
(1.  c.  pag.  256)  aussprach,  als  ich  bezüglich  der  im  Norden  des  Berg- 
baues projectirten  Bohrungen  sagte,  dass  hier  „wie  wohl  bewiesen 
wurde,  die  Hoffnungen  ziemlich  geringe"   seien.     Sie  sind  aber  nichts- 


[35]  Beiträge  zur  Geologie  von  Gali/ien.  45 

destowcni^cr  seihst  für  mich  iiherraschcnd ,  da  icl»  mir  ein  so  rasches, 
absolutes  ^'ersch\Yindcn  des  Salzes,  wie  es  thatsächlich  jetzt  nachge- 
wiesen wurde,  kaum  vorgestellt  hätte,  im  Hinblick  auf  die  relativ  nicht 
bedeutende  Entfernuni;-  des  Bohrpunktes  von  den  Salzschächten.  Wenn 
nändich  auch  keine  Hortnunj;-  bestand,  die  Griinsalzkörper  des  oberen 
geschichteten  Salzgebirires  hier  nochmals  auftreten  zu  sehen,  so  hätte 
man  ja  vielleicht,  wie  ich  mich  ausdrückte,  „nicht  gerade  unbedingt 
ein  urplötzliches  Verschwinden"  des  tiefereu  geschichteten  Salzgebirges 
voraussetzen  müssen ,  wenn  mir  auch  von  vornherein  wahrscheinlich 
M'ar,  dass  im  Falle  des  Antreffens  correspondirendcr  J jagen  dieselben  so 
verunreinigt  und  mit  taubem  (iesteinsmaterial  verbun(len  sein  würden, 
dass  ein  praktischer  Erfolg  dabei  nicht  in  Aussicht  stehen  köunte. 

Es  ist  nun  der  ganzen  hier  geschilderten  Zusammensetzung  des 
von  dem  Bohrloch  aufgeschlossenen  Gebirges  nach  anzunehmen,  dass 
sich  die  Bohrung,  abgesehen  von  der  geringfügigen  Ablagerung  von 
quartären  Bildungen,  welche  zuerst  durchstossen  wurden,  ganz  aus- 
schliesslich, und  zwar  bis  zur  untersten  Tiefe  in  miocänen  Schichten  be- 
funden hat,  mit  welcher  Annahme  auch  die  Beschaffenheit  gewisser  mir 
übersandter  Bohrproben  übereinstinmit.  Bei  der  grossen  Mächtigkeit  der 
durchteuften  Schichten,  w^elche  die  Mächtigkeit  der  bis  jetzt  durch  den 
Grubenbau  aufgedeckten  Massen  des  Salz  führenden  Gebirges  auf  alle 
Fälle  sehr  bedeutend  übersteigt '),  ist  es  indessen  ganz  unzulässig  anzu- 
nehmen, dass  man  hier  etwa  blos  ein  Hangendglied  der  Salzformation 
vor  sich  habe,  unter  welchem  das  Salz  selbst  noch  zu  gewärtigen  wäre. 
Vielmehr  muss  jene  Salzformation  in  den  Ablagerungen ,  welche  das 
Bohrprofil  aufklärte,  in  ihrer  ganzen  Masse  und  Ausdehnung  als  nnt- 
vertreten  angenommen  werden.  Und  dennoch  keine  Spur  von  Salz  und 
nur  jene  schwachen  Andeutungen  eines  dem  Salzgebirge  verwandten 
Absatzes,  w^elche  wir  in  gewissen  Gyps  oder  Anhydrit  führenden  Thonen 
und  Sandsteinen  erkennen  dürfen !  Selbst  diese  aber  erst  in  so  grosser 
Tiefe,  dass  es  schwer  hält,  sie  mit  den  im  Abbau  befindlichen  Salz- 
körpern oder  Salzschichten  in  Parallele  zu  bringen ! 

Daraus  geht  hervor,  dass  der  rasche  Facieswechsel ,  den  ich  für 
die  Miocänbildungen  in  der  Umgebung  und  Fortsetzung  des  Salzgebirges 
anzunehmen  genöthigt  war,  thatsächlich  die  Rolle  spielt ,  die  ich  dem- 
selben zuwies,  ja  vielleicht  eine  noch  viel  grössere,  und  dass  gewissen, 
von  anderer  Seite  vorgenommenen  Gliederungen  des  hiesigen  Miocän- 
gebirges  jeweilig  nur  eine  ganz  locale  Geltung  zukommt,  so  nützlich 
und  nothwendig  auch  die  Unterscheidungen  in  der  Aufeinanderfolge 
verschiedener  Glieder  für  bestimmte  Profile  sein  mögen  und  sind.  „Für  mich 
haben  nur  diese  Unterschiede,"  so  drückte  ich  mich  erst  kürzlich -)  aus, 
„nicht  dieselbe  Bedeutung  wie  für  Herrn  Niedz  wiedzki"  ;  sie  ent- 
sprechen eben  nicht  dem,  was  der  Letztere  „stratigraphische  Einheiten" 
nennt  und  darin  also  liegt  das  Lehrreiche  der  beim   Reformatenkloster 


*)  Ich  erinnere  daran,  dass  der  tiefste  Punkt  der  Grube  nur  286  Meter  unter 
dem  Tagkranze  des  Franz  Joset'schachtes  liegt,  das  Bohrloch  also  in  den  miocänen 
Schichten  um  ungefähr  200  Meter  tiefer  reicht  als  die  tiefsten  Aufschlüsse  der  Grube. 
Es  reicht  aber  auch  sehr  beträchtlich  tiefer  als  die  Bohrlöcher  von  Barycz  und  Kos- 
socice,  die  doch  schon  das  Liegende  des  Miccäns  angetroffen  haben. 

-)   Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichs  mstalt.  1890,  pag.  103  (13    des  Separatiibdrucks). 


46  Dr.  Emil  Tietze.  [3G] 

gewonnenen  Erfahrnngen,  dass  sie  eine  weitere  Bestätigung-  der  Grund- 
sätze ergeben,  zu  welchen  ein  vorurtheilsloses,  das  lieisst  nicht  von  ge- 
wissen Schuhiieinungen  beeinfiusstes  Studium  der  galizischcn  Miocän- 
bildungen  wohl  stets  gelangen  wird. 

Gorade  im  vorliegenden  speciellen  Falle  hatte  übrigens  bereits 
N  i  e  d  z  w  i  e  d  z  k  i  selbst  sieh  auf  einen  Standpunkt  gestellt ,  w^elcher 
der  Anwendung  der  Faciestheorie  durchaus  entspricht.  Er  schrieb  in 
seiner  Abhandlung  über  Wieliczka  (pag.  1 1 2),  dass  von  der  Grube  aus 
in  der  Richtung  nach  Norden  eine  mehr  oder  weniger  vollständige 
allgemeine  Abnahme  der  Salzeinschliisse  innerhalb  des  Salzthones  anzu- 
nehmen sei .  bis  dieser  Thon  sodann  in  ein  Schichtensystem  von  ge- 
wöhnlichen Tbonen  und  dazwischen  lagernden  Sanden  übergehe,  welches 
die  Liegendthone  der  Bogucicer  Sande  regelmässig  unterteufe.  Diese 
Voraussetzung,  mit  welcher  ich  mich  (Krakau,  1.  c.  pag.  219)  einver- 
standen zeigte,  ist  jedenfalls  ein  Beweis  dafür,  dass  bei  den  eigen- 
tliündichen  Verhältnissen  des  hiesigen  Miocäns  die  Annahme  eines 
relativ  raschen  Facieswechsels  in  diesem  Miocän  selbst  von  Solchen 
nicht  ausgeschlossen  w^erden  konnte,  welche  im  Allgemeinen  mehr  ge- 
neigt sind  die  Verschiedenheiten  der  Gesteinsentwicklung  mit  geologischen 
Niveauunterschieden  in  Verbindung  zu  bringen ,  als  local  veränderte 
Absatzbedingungen  für  dieselben  verantwortlich  zu  machen. 

Wir  dürfen  nur  heute  jene  Voraussetzung  in  etwas  weiterem  Sinne 
nehmen  als  sie  Ni  edzwiedzki  nahm.  Der  Letztere  glaubte  nämlich, 
wenn  ich  recht  verstehe ,  dass  der  Wechsel  von  Thon  und  sandigen 
Lagen,  welcher  im  Norden  der  Grube  anzutreffen  sein  würde,  nur  als 
ein  Aequivalent  des  Salztrümmergebirges  aufgcfasst  werden  dürfe,  denn 
einmal  fasste  er  denselben  als  einen  Schichtencomplex  auf,  welcher 
unter  den  Liegendthonen  der  Bogucicer  Sande  seinen  Platz  habe, 
welche  Liegendthone  ihrerseits  mit  den  Swoszowicer  Mergeln  ])aralle- 
lisirt  wurden ;  andererseits  aber  sah  er  darin  einen  Schichtencomplex, 
der  für  jünger  zu  halten  wäre  als  das  tiefere  geschichtete  Salzgebirgc. 
Er  schrieb  nämlich  ausdrücklich,  dass  die  Aequivalente  dieses  Schichten- 
systems (das  Salztrümmergebirge)  nur  deshalb  im  Bereich  des  Gruben- 
baues salzführend  auftreten ,  weil  dasselbe  dort  „über  Salzlagern  zu 
liegen  kam",  eine  Auffassung,  gegen  die  ich  übrigens  (1.  c.  pag.  219) 
in  einer  Anmerkung  meine  Bedenken  zu  äussern  nicht  unterlassen  konnte. 

Es  wurde  aber  schon  geltend  gemacht,  dass  die  riesige  Mächtig- 
keit des  in  dem  bewussten  Bohrloch  angetroffenen  aus  Thonen  mit 
Sandsteinzwischenlagen  bestehenden  Schichtcncomplexes  die  Annahme 
begründet,  dass  hier  auch  die  tiefsten  Lagen  des  Salzgebirges  ihre  Ver- 
tretung finden  und  andererseits  crgiebt  das  Bohrprofil  keinen  Anhalt 
für  eine  Formationsgrenze,  welche  die  Grenze  zwischen  den  Ae(piiva- 
lenten  des  Salztrünnnergebirges  nach  oben  gegen  die  Liegendthone  der 
Bogucicer  Sande  darzustellen  hätte.  Wir  haben  vielmehr  einen  ein- 
heitlichen ,  vorläufig  nicht  weiter  trennbaren  Schichtenconiplcx  vor 
uns,  in  vvelciieni  alle  durch  den  Grubenbau  aufgeschlossenen  Bildungen 
ihr  zeitliches  Acfpiivalent  finden  dürften. 

Aus  dieser  B)etrachtung  ergiebt  sich ,  dass  es  zunächst  vom  rein 
l)raktischen  Standpunkt  aus  gerathen  schien,  die  bewusste  Bohrung  ein- 
zustellen, denn  Gründe  für  die  Hoffiumi;-,  ab!)auwürdiges  Steinsalz  in  der 


|37|  lieiträge  zur  Geologi«  von  Galizieu.  ^^ 

Gegend  des  Reforniateuklosters    aiifziitindcn,  Hessen    sich  nach  den  ge- 
wonnenen Erfalunngen  nocli  weniger  geltend  machen  als  früher. 

Es  ist  aber  vorauszusetzen,  dass  jener  rein  praktische  Standpunkt 
hier  schon  zu  Anfang  nicht  der  allein  massgebende  bei  der  Anlage  des 
Bohrlochs  gewesen  ist;  sonst  würde  ja  z.B.  Prof.  Niedzwiedzki 
nicht  einer  Anlage  zugestimmt  haben,  welche  schon  zu  Folge  seiner 
eigenen  Ausführungen  keinen  Erfolg  versprechen  konnte.  Es  ist  viel- 
mehr anzunehmen ,  dass  es  sich  bei  dieser  wie  bei  den  anderen  Boh- 
rungen in  der  Nähe  von  Wieliczka  wenigstens  thcilweise  auch  um  die 
rein  wissenschaftliche  Feststellung  von  Thatsachen  handelte,  deren  Kcnnt- 
niss  ja  übrigens  indirect  der  Praxis  stets  wieder  von  Nutzen  sein  wird. 
Deshalb  kann  der  Wunsch  nicht  unterdrückt  werden ,  es  möchte  das 
Bohrloch,  wenn  die  entgegenstehenden  technischen  Schwierigkeiten  nicht 
unüberwindliche  sind,  noch  weiter  vertieft  werden.  Es  wäre  ja  doch 
von  höchstem  Interesse  zu  erfahren  ,  wie  das  Liegende  des  bis  jetzt 
durchfahrenen  Schichtensystems  beschaffen  ist,  ob  dasselbe  z.  B.  ähn- 
lich wie  das  Liegende  der  in  den  Bohrlöchern  Nr.  I  und  II  angetroftenen 
Miocänschichten  aus  Jurakalk  besteht  oder  ob  die  bei  Krakau  ent- 
wickelten Kreidebildungen  bis  hierher  reichen  oder  endlich  ,  ob  nicht 
gar  gegen  alles  Erwarten  hier  noch  Karpathensandsteine  die  Unterlage 
des  Miocäns  bilden. 

Ausser  den  hier  erwähnten  Bohrlcichcrn  ist  nun  noch  eine  weitere 
Bohrung  dem  früher  festgesetzten  Plane  gemäss  angelegt  worden,  und" 
zwar  im  Osten  von  Wieliczka  in  der  Richtung  nach  Przebieezany  hin. 
Dieselbe  ist  noch  nicht  zu  Ende  gefiihrt  und  es  fehlen  mir  vorläufig 
noch  alle  näheren  Angaben  über  dieselbe.  Fast  möchte  ich  indessen 
annehmen,  dass  dieses  Bohrloch  zu  weit  nördlich  gelegen  sei ,  um 
eine  sichere  Entscheidung  über  die  Frage  zu  gestatten,  ob  die  Salzlager 
Wieliczkas  nach  Osten  zu  in  abbauwürdiger  Weise  fortsetzen. 

R.   Bemerkungen  über  das  Schutzgebiet  der  Quellen  von 

Regulice. 

Da  die  zur  Zeit  bestehenden  Brunnen  im  Grebiete  der  Stadt  Krakau 
nach  der  Aussage  der  competenten  Kreise  weder  in  Bezug  auf  Quantität 
noch  auf  Qualität  des  Wassers  dem  Bedürfnisse  dieser  Stadt  genügen, 
so  sind  schon  seit  Jahren  verschiedene  Vorschläge  aufgetaucht,  um 
Krakau  in  anderer  Weise  mit  Wasser  zu  versorgen.  Unter  diesen  Vor- 
schlägen nimmt  das  Project  einer  Wasserleitung  aus  der  Gegend  von 
Regulice  her  schon  deshalb  einen  hervorragenden  Platz  ein,  weil  es 
das  der  Ausführung  am  meisten  nahe  gerückte  erscheint  und  weil  mit 
ihm  die  Mehrzahl  der  Vorarbeiten  in  jener  Frage  sich  beschäftigt  hat. 

Zu  diesen  Vorarbeiten  gehört  auch,  dass  bereits  vor  längerer  Zeit 
unter  Intervention  der  Professoren  Alth  und  Szajnocha  ein  Schutz- 
gebiet für  die  Quellen  festgestellt  wurde,  welche  in  dem  Geraeindegebiet 
von  Regulice  entspringen  und  welc'  e  nunmehr  ganz  ernsthaft  in  Aussicht 
genommen  wurden,  die  Stadt  Krakau  mit  entsprechendem  Trinkwasser 
zu  versehen.  H 


')  Eine  in  polnischer  Sprache  geschriebene  Zusammenstellung  verschiedener,  diese 
Frage  berührender  Gutachten,  sowie  einen  historischen  Abris?  der  Eiitwickinng  dersell)en 


48  Dr.  Emil  Tietze,  ["33! 

Bezüglich  dieses  Schutzgebietes  hatten  sieh  jedoch  im  letzten 
Sommer  Meinungsverschiedenheiten  erhoben;  es  waren  Stimmen  laut 
geworden,  welche  dasselbe  als  zu  weit  ausgedehnt  bezeichneten  und  es 
war  die  Ansicht  ausgesprochen  worden ,  dass  dadurch  einer  eventuell 
zu  beginnenden  bergbaulichen  Thätigkeit  in  jener  Gegend  unnöthige 
Hindernisse  in  den  Weg  gelegt  würden.  Diese  Umstände  bewogen  die 
Bergbehörde  noch  im  Laufe  des  Novembers  1890  eine  Commission  ein- 
zuberufen, bei  welcher  die  Angelegenheiten  des  Regulicer  Schutzgebietes 
nochmals  zur  Discussion  gebracht,  und  zu  welcher  Herr  Bergrath 
v.  Strzelecki  aus  Wieliczka  und  ich  selbst  als  unparteiische  Sach- 
verständige zugezogen  wurden. 

Es  wurden  bei  dieser  Veranlassung  Herrn  Bergrath  v.  Strzelecki 
und  mir  eine  Anzahl  von  Fragen  vorgelegt  und  da  die  Ikantwortung 
dieser  Fragen,  wie  ich  glaube,  vv^enigstens  theilweise  nicht  ausschliesslich 
die  bei  jenen  Verhandlungen  Betheiligten  angeht,  sondern  auch  ein  etwas 
allgemeineres  Interesse  besitzen  kann,  so  will  ich  mir  erlauben  in 
Folgendem  die  geologischen  Verhältnisse  auseinanderzusetzen,  welche 
nach  unserem  Dafürhalten  für  jene  Beantwortung  in  Betracht  kamen. 
Auf  diese  Weise  werden,  unbeschadet  dessen,  was  dann  thatsächlich  in 
der  ganzen  Angelegenheit  geschieht  oder  nicht  geschieht,  wenigstens 
die  Gesichtspunkte  fixirt,  unter  denen  diese  Angelegenheit  vom  fach- 
männischen Standpunkte  aus  aufgefasst  werden  darf,  und  wenn  ich 
dabei  auch  nicht  in  der  Lage  bin,  neue,  unsere  Kenntnisse  bereichernde 
Beobachtungen  beizubringen,  so  hoffe  ich  doch,  dass  die  von  einem 
früher  nicht  hervorgetretenen  speciellen  Bedürfniss  beeinflusste  Discussion 
des  geologischen  Bildes  jener  Gegend  für  das  bessere  Verständniss 
dieses  Bildes  selbst  von  einigem  Nutzen  sein  kann. 

Ich  schicke  voraus,  dass  der  Regulicer  Bach,  um  dessen  Quellen 
es  sich  hier  handelt,  etwa  5  Meilen  ^)  westlich  von  Krakau,  südlich  vom 
Dorfe  Nieporaz,  im  nördlichen  Theil  des  bei  dem  Städtchen  Alwernia 
gelegenen  Dorfes  Eegulice  entspringt,  um  westlich  der  durch  ihre  Thon- 
gruben  bekannten  Hügel  von  Mirow  in  der  Nähe  von  Oklesna  in  die 
Weichsel  zu  münden.  Das  Wesentlichste  über  die  geologische  Zusammen- 
setzung des  Wassergebietes  dieses  Baches  kann  in  meiner  Darstellung 
der  geognostischen  Verhältnisse  der  Gegend  von  Krakau,  sowie  auf  der 
dieser  Darstellung  beigegebenen  Karte  eingesehen  werden.  Es  ergiebt 
sich  aus  derselben  Darstellung,  wie  übrigens  zum  Theil  schon  aus 
früheren  Publicationen  über  das  Krakauer  Gebiet,  dass  in  der  Um- 
gebung von  Eegulice  Bildungen  des  Muschelkalkes  entwickelt  sind,  dass 
diese  Bildungen  über  Schichten  liegen,  die  dem  Buntsandstein  und  zum 
Theil  vielleicht  dem  Perm  zufallen,  während  andererseits  jurassische, 
theils  dem  braunen,  theils  dem  weissen  Jura  angehörige  Schichten  den 


findet  man  in  einem  von  dem  Gemeinderathe  der  Stadt  Krakau  herausgegebenen  und 
verlegten  Buche,  betitelt:  Zdanie  sprawy  i  wnioski  w  przedmiocie  budowy  wodociagu 
regulickiego,  Krakau  1889.  Eine  Untersuchung  der  Brunnenwässer  der  Stadt  Krakau 
wurde  übrigens  von  Olszewski  und  Trochanowski  gegeben.  (Chemiczny  rozbiör 
wod  studzienych  miasta  Krakowa,  in  den  Berichten  der  physiographischen  (Commission, 
Krakau  1889).    Vergl.  dieselben  Berichte.  1871,  pag.  131. 

')  In  der  Luftlinie  beträgt  die  besprochene  Entfernung  allerdings  etwas  weniger, 
nämlich   30  Kilometer. 


\;\^\  Reiträsio  zur  Geologie  von  Giilizien.  49 

Muschelkalk  iiberlniiiM-n.  sowie  dass  in  dieser  Oeü,end  aiicli  (iiiartiire 
Absätze  auftreten,  initer  denen  der  Löss  an  der  Westseite  des  Kejiulieer 
Tliales  und  die  vSande,  welelie  sich  nördlich  von  Ref;ulicc  im  Hereich 
des  Cheehlobachcs  ausbreiten,  in  erster  Stelle  zu  nennen  wären.  Fügt 
man  noch  hinzu,  dass  an  einigen  Stellen  der  näheren  und  weiteren 
l'mgebun^"  auch  das  Vorkommen  von  Melapliyren  bekannt  ist,  und  dass 
die  fraglichen  Quellen  aus  dem  Muschelkalk,  und  zwar  aus  dessen 
unterer  Abtheilung  entspringen,  so  ist  das  zum  Verständniss  der  folgen- 
den Hetrachtungen  unmittelbar  Nothwendige  vorausgeschickt,  soweit 
dabei  das  rein  geologische  Moment  in  Betracht  kommt. 

Es  erübrigt  mir  nur  noch  mit  einigen  Worten  auch  die  ungefähre 
Grenze  des,  wie  gesagt,  unter  Mitwirkung  der  Herren  Alth  und 
Szajnocha  festgestellten  Schutzgebietes  der  Quellen  zu  bezeichnen, 
um  so  den  der  weiteren  Discussion  zu  Grunde  liegenden  Thatbestand 
überblicken  zu  können. 

Dieses  Schutzgebiet  umfasst  der  Hauptsache  nach  den  hügeligen 
Theil  des  Wassergebiets  des  Regulicer  Baches  und  seiner  kleinen  Zu- 
flüsse (wie  insbesondere  des  als  Reserve  der  fraglichen  Quellen  in  Aus- 
sicht genonunenen  Szymotabaches)  bis  zum  unteren  Ende  des  Dorfes 
Regulice,  sowie  einige  jenseits  der  oberflächlichen  Wasserscheiden  ge- 
legene Gebietstheile.  Es  wird  im  Westen  von  dem  Bache  von  Plaza  be- 
grenzt, welcher  in  die  westlich  von  Regulice  sich  erhebende  Muschel- 
kalkplatte sich  bis  zu  einer  ziendichen  Tiefe  einschneidet,  reicht  also 
hier  ein  wenig  über  die  allerdings  sehr  nahe  an  Plaza  gelegene  Wasser- 
scheide zwischen  dem  Regulicer  Bach  (bezüglich  der  Szymota)  und  dem 
Plazabache  hinaus. 

Im  Süden  bildet  der  Rand  der  Muschelkalkplatte  oberhalb  der 
Dörfer  Babice  und  Kwaezala  die  ungefähre  Grenze  jenes  Schutzgebiets 
bis  in  die  Gegend  zwischen  Regulice  und  Alvvernia,  wo  die  Grenze  den 
Regulicer  Bach  überschreitet,  um  sich  nach  der  die  Ortschaften  Grojec 
und  Alwernia  verbindenden  Strasse  hinzuziehen.  Von  hier  verläuft  die 
Ostgrenze  des  Rayons  über  die  Höhe  des  Berges  Brandiska  an  der 
Westseite  des  Dorfes  Grojec  vorbei  bis  zum  Höhenpunkte  370  Meter  der 
Generalstabskarte.  Von  hier  aus  geht  die  Grenze  sodann  über  Zboinik 
bis  an  den  die  Nordgrenze  des  Schutzgebiets  bildenden  Chechlobach, 
den  sie  in  der  Gegend  nördlich  der  Localität  Stawki  indessen  wieder 
verlässt,  um  sich  seitlich  von  Bolecin  wieder  gegen  den  Plazabach  hin- 
zuziehen. Auf  diese  Weise  wurde  der  ncirdlich  von  den  Localitäten 
Stawki,  Oblaski,  Nieporaz  und  Zboinik  gelegene,  Bagno  las  genannte 
Wald .  der  einen  Theil  der  vom  Chechlo  durchflossenen ,  nördlich  von 
Regulice  gelegenen  Hochfläche  bildet,  noch  dem  Schutzgebiet  einverleibt. 

Die  übrigen  Theile  des  Schutzgebiets  sind,  wie  nebenher  bemerkt 
werden  kann,  grösstentheils  unbewaldet,  so  dass,  wie  schon  in  einem  Gut- 
achten der  früher  befragten  Sachverständigen  gesagt  wurde,  von  einer 
eventuellen  Entwaldung  für  den  gegenwärtigen  Wasserreichthum  der 
fraglichen  Quellen  nach  dieser  Hinsicht  keine  weitere  Gefahr  drohen 
kann ,  da  die  denkbaie  Verminderung  dieses  Wasser reichth ums  durch 
Abholzungen  im  Entstehungsgebiet  der  Quellen  schon  vor  dem  heutigen, 
als  Basis  für  das  betreffende  Project  angenonmienen  Zustand  der  Dinge 
eingetreten  sein  muss. 

Jahrbuch  der  k.  k.  ojeol.  Keichsanstalt.  lain.  41.  Band.  l.Hefr.  (E.  'I  ictze.)  7 


50  I'r-  Emil  Tietze.  [40] 

Wenn  nun  die  Möglichkeit  in's  Ani>-e  i^'cfasst  "wnvde,  dass  eine 
Sclijidiguni;-  eben  jener  Quellen  durch  bergbanliehe  Unternebniungen  be- 
wirkt werden  köinite,  so  befand  man  sich  /unächst  in  der  angenehmen 
Lage  feststellen  zu  können,  dass  dergleichen  Unternehmungen  im  Augen- 
blick in  dem  besprochenen  Schutzgebiet  (und  nur  um  dieses  handelte 
es  sich  bei  den  erwähnten  Verbandlungen)  nicht  bestehen ,  dass  also 
ein  ernsterer  Interessenconflict,  wie  er  angesichts  bestehender  älterer 
Kechtsansprüche    zu  besorgen  gewesen  wäre,    ausgeschlossen    erschien. 

Es  musste  aber  die  Frage  gestellt  werden,  ob  im  Hinblick  auf  die- 
jenigen Stinimen,  welche  sich  für  die  Zukunft  gegen  eine  Unterbindung  der 
bergbaulichen  liestrebungen  in  jener  Gegend  erhoben  hatten,  diesen  Be- 
strebungen überhaupt  einige  Aussicht  auf  Erfolg  zugestanden  werden 
dürfe.  Bei  einer  ganz  oder  theilweise  verneinenden  Antwort  auf  diese 
Frage  konnten  selbstverständlich  manche  Bedenken  bei  der  Behandlung 
des  Gegenstandes  in  Wegfall  kommen  und  gewisse  Einwände  gegen 
das  Schutzgebiet  als  der  praktischen  Bedeutung  entbehrend  bezeichnet 
werden. 

In  der  That  gibt  es  auch  nur  einige  wenige  Eventualitäten, 
welche  sich  in  dem  betreffenden  Fall  ins  Auge  fassen  lassen,  wenigstens 
gemäss  den  Kenntnissen,  die  wir  zur  Zeit  über  die  geologische  Be- 
schaffenheit des  fraglichen  Gebiets  besitzen  und  im  Hinblick  auf  die 
Anforderungen,  die  bei  dem  heutigen  Stande  der  Technik  an  den  Be- 
griff nutzbares  Mineral  gestellt  werden.  Aber  auch  diese  Eventualitäten 
sind,  bei  Berücksichtigung  aller  speciellen  Umstände,  der  Hauptsache 
nach  nicht  von  der  Art,  dass  an  sie  Hoffnungen  auf  lohnenden  (iewinn 
geknüpft  werden  könnten,  wie  denn  auch  schon  ein  früheres,  das  Ge- 
biet behandelndes  Gutachten  die  Einrichtung  bergbaulicher  Unter- 
nelnnungen  bei  Regulice  als  ausser  dem  Bereich  der  Wahrscheinlichkeit 
liegend  betrachtet  hatte. 

Inwieweit  diese  Voraussicht  als  begründet  zu  gelten  hat ,  wird 
aus  dem  zunächstfolgenden  Theil  meiner  Darstellung  speciellcr  ersichtlich 
werden. 

Es  ist  in  letzter  Zeit  nicht  allzuweit  von  den  Grenzen  des  Regulicer 
Schutzrayons,  nämlich  bei  Trebce,  wenige  Kilometer  westlich  von  Plaza 
nach  Steinkohle  gesucht  worden,  wobei  die  betreffenden  Arbeiten,  wie 
ich  aus  mir  gewordenen  Mittheilungen  schliessen  zu  dürfen  glaube,  bis 
in  den  Buntsandstein  niedergebracht  wurden.  Das  legt  die  Frage  nahe, 
ob  hier  und  im  Bereiche  jenes  Rayons  überhaupt  das  Vorkommen  von 
Steinkolde  in  der  Tiefe  vorausgesetzt  werden  kann.  Diese  Frage  ist 
nach  meinem  Dafürhalten  bejahend  zu  beantworten ,  allerdings  nur 
soweit  eben  die  rein  principielle  Seite  derselben  in  Betracht  kommt. 

Schon  in  meiner  Arbeit  über  die  geognostischen  Verhältnisse  der 
Gegend  von  Krakau  habe  ich  (pag.  98)  darauf  hingewiesen ,  dass  ein 
Durchschnitt,  den  man  von  Babice  über  Chrzanow  nach  Sierza  legen 
könnte,  das  Bild  einer  etwa  zwei  Meilen  breiten  Mulde  ergeben  würde, 
„deren  nördlicher  und  südlicher  Rand  entgegengesetztes  Einfallen  der 
Schichten  und  das  Hervortreten  der  älteren  Glieder  an  diesen  Rändern 
aufweist,  während  nach  der  bei  ('hrzanow  gelegenen  Muldenmitte  zu  die 
Anweseidieit  der  jüngsten  Glieder  der  Mulde,  das  ist  in  diesem  Falle 
der  jurassischen  Gesteine,  bemerkt  wird".  Diese  Mulde  wird  im  Wesent- 


[41  I  Heitrafrc  xiir  (!etil(i;;io   von  Galizien.  5] 

liehen  von  iiiesozoiselieii  Absät/cn  n-ehildct.  An  ilireii  Iväiidern  treten 
die  Gesteine  der  renn-liuntsandsteinformation  auf  und  an  der  Basis 
dieser  letzteren  lieiit  l)eiderseits  die  alte  ÖteinUoldcntbrniation .  wenn 
diese  auch  ^T.yen  das  Wcichselthal  weniger  deutlich  entwickelt  oder 
vielmehr  weniger  gut  aufgeschlossen  ist  als  im  Norden  der  Mulde.  Es 
unterliegt  also  keinem  Zweifel,  dass,  im  Ganzen  und  Grossen  betrachtet, 
die  Anwesenheit  der  Steinkohlenformation  der  ganzen  Muldenbreite 
nach  iji  der  Tiefe  anzunehmen  ist,  genau  so ,  wie  wir  beisj)iclsweise 
unter  dem  i\Iuschelkalk  dieser  Gegend  nahezu  allenthalben  den  Bunt- 
sandstein annehmen  dürfen ,  auch  wo  derselbe  in  Folge  seiner  Be- 
deckunu'  durch  jüngere  Schichten  der  Beobachtung  entzogen  wird. 

Die  Kohle  also  ist  da  und  wir  sind  zu  dieser  Annahme  umso 
mehr  berechtigt,  als  die  Stcinkohlenformation  in  der  Gegend  jener 
Mulde  und  speciell  im  Meridian  von  Rcgulice  noch  keineswegs  die 
Ostgrenze  ihrer  Verbreitung  für  das  Krakauer  Gebiet  erreicht  hat, 
wie  die  Vorkommnisse  derselben  bei  Rudno,  Tenczynek  und  bei  Zalas 
hcweisen.  Der  Umstand,  dass  dabei  direct  südlich  von  Rcgulice 
oder  bei  Kwaczala  die  Kohlenformation  noch  nicht  direct  nach- 
gewiesen wurde,  dass  vielmehr  ein  solcher  Nachweis  erst  an  einigen 
etwas  westlicher  gelegenen  Localitäten  des  der  Weichsel  zugekehrten 
Muldenrandes  geführt  wurde,  kommt  hierbei  wenig  in  Betracht,  denn 
was  sollte  natürlicherweise  als  das  Liegende  der  Sande  und  Con- 
glomerate  von  Kwaczala  vorausgesetzt  werden,  wenn  nicht  das  (Jarbon, 
dessen  einstige  Ausdehnung  bis  südlich  der  Weichsel ,  und  zwar  bis 
zu  einem  noch  etwas  östlich  vom  Regulicer  Meridian  gelegenen  Punkte 
(Bachowski  las)  ich  in  eben  diesen  Beiträgen  bereits  wahrscheinlich 
gemacht  habe. 

Ganz  anders  aber  steht  die  Frage,  wenn  es  sich  nicht  mehr  um  das 
blosse  Vorhandensein  der  Steinkohlenformation,  sondern  um  deren 
Abbauwürdigkeit  in  dem  fraglichen  Gebiet  handelt.  Im  Bereich 
der  ganzen  oben  erwähnten  Mulde  (wenn  wir  von  der  östlichen  und 
westlichen  Verlängerung  derselben  absehen),  und  speciell  im  Bereiche 
des  Regulicer  Schutzrayons  würde  man  je  nach  dem  Punkte ,  an  dem 
man  sich  ansetzt,  mehr  oder  weniger  den  ganzen  Complex  der  dort  vor- 
handenen mesozoischen  Schichtenreihe  einschliesslich  des  l)unten  Sand- 
steines zu  durchteufen  haben,  ehe  man  Aussicht  hätte,  auf  die  Kohlen- 
formation zu  gelangen  und  selbst  dann  noch  bleibt  es  fraglich,  ob  man 
unmittelbar  auf  Kohlenflötze  kommt,  weil  unter  Umständen  er^t  noch 
eine  Partie  des  Kohlensandsteines  durchfahren  werden  müsste.  Wer 
vermöchte  unter  solchen  Umständen  mit  anderen  Kohlenbergbaucn  der 
Umgebung  zu  concurriren,  welche  sieb  mehr  oder  weniger  direct  über 
dem  kohlenführenden  Schichtencomplex  mit  ihren  Anlagen  entwickelt 
haben  V 

Dazu  kommt  noch  die  Erwägung,  dass  nach  den  Erfahrungen, 
welche  bisher  in  der  Kohlenformation  in  der  Nähe  des  Weichsel- 
tliales  gemacht  wurden,  eine  grosse  Zahl  und  Mächtigkeit  der 
Flötze  daselbst  nicht  mit  Sicherheit  erwartet  werden  kann,  wie  denn 
leider  thatsächlich ,  zum  Theil  allerdings  auch  wegen  der  Schwierig- 
keiten der  Wassergewiiltigung,  keiner  der  daselbst  gemachten  Versuche 
zu  einem  dauernden  Abbau  geführt  hat.  Und  doch  sind  diese  Versuche 

7* 


52  Dr.  Emil  Tietze.  [^42] 

(l)ci  MoczydU),  Jaworck  ^laiiisku  und  Zarki,  vci\ü,1.  Gcügn.  Vcrluiltii.  d. 
CJciicnd  von  Krakau,  K  c.  pag*.  05)  melir  oder  weniger  an  der  Basis 
des  Steilrandes  der  nieso/oisclien  Mulde  erfolgt  und  waren  nielit  mit  den 
Kosten  der  sterilen  Arbeit  in  den  das  Carbon  bedeekenden  Schichten 
belastet ! 

Man  würde  also  bei  den  Arbeiten  auf  Steinkohle  im  Regnlicer 
Scliutzravon  ein  vermuthlicli  schon  an  sich  nicht  besonders  verlockendes 
Terrain  unter  den  schwierigsten  Verhältnissen  auszubeuten  haben,  woran 
in  absehbarer  Zeit  Niemand  ernstlich  oder  auf  die  Dauer  denken  wird. 
Nach  dieser  Seite  hin  wird  also  Niemand  durch  die  Aufrcchterhaltung 
jenes  Schutzrayons  geschädigt,  sondern  es  wird  dadurch  im  Oegentheil 
die  Versuchung,  Geld  und  Arbeitskraft  zu  verlieren,  ich  möchte  sagen 
in  vorsorglicher  Weise  abgeschnitten. 

Des  Weiteren  wäre  allenfalls  in  Erwägung  zu  nehmen,  ob  in  dem 
triadischen  Kalk-  und  Dolomitcomplex  dieser  Gegend  Eisen-  und  Galmei- 
erze  vorkommen  könnten,  wie  sie  sonst  in  dieser  Formation  sowohl 
im  Krakauer  Gebiet,  als  im  benachbarten  Oberschlesien   bekannt  sind. 

Für  diese  Frage  ist  zunächst  liervorzuhebcn,  dass  die  überwiegende 
Masse  der  an  der  Tagesoberfläche  zugänglichen  Schichten  dieses  Complexes 
der  untersten,  unter  dem  sogenannten  erzführenden  Dolomit  befindlichen 
Abtheilung-  des  Muschelkalkes  angehört ,  in  welcher  das  Auftreten  ab- 
bauwürdiger Erze  für  gewöhnlich  nicht  zu  erwarten  ist.  Das  Auftreten 
des  erzführenden  Dolomites  selbst  wird  sodann  allerdings  sowohl  von 
meiner  Karte,  als  von  der  früheren  Fallaux-llohc  nei;gcr"schen 
Karte  stellenweise  angegeben  in  Uebereinstimmung  nnt  F.  Köm  er, 
der  unter  anderem  Namen  dieses  Niveau  daselbst  ebenfalls  ausge- 
schieden hat,  allein  es  ist  nicht  zu  übersehen,  dass  die  Benennung 
„erzführender  Dolomit"  vor  Allem  eine  stratigraphische  ist,  dass  sie 
für  eine  Schichtabtheilung-  gewählt  wurde,  in  welcher  Erze  vorkommen 
können,  aber  nicht  müssen.  Wären  abbauwürdige  Erze  hier  vorhanden, 
so  würden  sie  schwerlich  bis  heute  der  Beobachtung  entgangen  sein, 
da  doch  schon  so  viel  und  seit  langer  Zeit  im  Krakauer  Gebiet  auf 
solche  geschürft  wuide.  Jedenfalls  kann  man  sagen ,  dass  bis  jetzt 
keinerlei  sichere  Anhaltspunkte  in  diesem  Sinne  vorliegen,  weshalb  die 
Rücksichtnahme  auf  diesen  Funkt  keine  dringende  ist  und  entfallen  kann. 

Von  sonstigen  Mineralproducten  ,  deren  Abbau  möglicherweise  in 
Betracht  kommen  könnte,  wären  nunmehr,  wenn  wir  bei  der  Betrachtung 
derselben,  wie  bisher,  die  geologische  Altersfolge  in  der  Ordnung  von  unten 
nach  oben  berücksichtigen ,  die  feuerfesten  Thone  zu  erwähnen,  welche 
im  Krakauer  Gebiet  an  der  Basis  der  dortigen  jurassischen  Schichten 
auflreten  und  welche  von  mir  im  Eiiddang  mit  F.  Römerin  den  braunen 
Jnra  gestellt  wurden,  mit  welcher  Auffassung  schliesslichauchRaciborski 
auf  (Jrund  seiner  Bearbeitung  der  fossilen  Flora  dieser  Thone  überein- 
stinmit.  ')  Diese  Thone  haben  für  die  Frage  des  Schutzgebietes  insofern 


')  AufaiiKS  hatte  mau  iu  Krakau  diese  Flora  l'ür  „cntscliieilen  rhütiscli"  gehalten 
(vergl.  Jaiirl).  d:  k.  k.  geol.  ]?eichsanstalt.  1889,  pag.  47).  dann  war  Raciborski  ge- 
neigt, sie  den  iiassischen  Floren  anzureihen  (?!|)rawozdanie  Komisyi  FizyograHcznej, 
Krakau  188!*,  Sitzungsberichte  pag.  14).  Endlich  aber  gelangte  derselbe  Autor  dazu, 
die  phytopaläontolojrische  Autlassung  S  t  u  r'.s  zu  ac<:eptiren,  welche  von  mir  bereits  in 
meiner  Beschreibung  des  Krakauer  Gebietes    als    im  Einklang   mit   den  Lagerungsver- 


["43]  Beiträge  zur  Geologe  von  Galizien.  53 

eine  l)Csondcrc  Bcdculuiiii-,  als  sie  zu  den  licsel/.licli  niclit  vorholiMltoncn 
Mineralien  j^-eliüren  und  dcin^i;-enuiss  von  dem  jeweiligen  (JiundcMiien- 
thiimer  ohne  besondere  Krlaubniss  der  Herg;beliörden  ausj;cbeutet  werden 
könnten ,  sobald  niclit  andere  Vorsebriften  einer  solchen  Arbeit  im 
We<;e  stehen. 

Hier  sei  nun  zuerst  constatirt.  dass  das  Auftreten  abbau- 
würdiger Lagen  solcher  Thone  innerhalb  der  Grenzen  des  Schutz- 
gebietes wiederum  noch  nicht  nachgewiesen  ist.  Handelt  es  sich  aber 
darum,  die  Wahrscheinlichkeit  oderrnwahrsehcinlichkcit  des  Vorhanden- 
seins solcher  Lagen  zu  ])riiten,  so  darf  hervorgehoben  werden,  dass  die 
fraglichen  Thone  keineswegs  überall  im  Krakauer  CJebiet  in  Begleitung 
der  jurassischen  Schichten  vorkommen,  dass  also  die  blosse  Anwesenheit 
solcher  Schichten  noch  niclit  genügt,  um  das  Vorkommen  der  Thone 
au  ihrer  Basis  als  nothwendig  vorauszusetzen  und  dass  somit  die 
Versuche  zur  Auffindung  derselben  nicht  von  vorneherein  Aussicht  auf 
Erfolg  haben.  Durch  das  Verbot  eines  Bergbaues  auf  diese  Thone 
würden  also  keinesfalls  überall  sichere  Hoffnungen  zerstört  werden  und 
ein  solches  Verbot  würde  nicht  gleichbedeutend  sein  mit  der  Verhinde- 
rung der  Benützung  eines  zweifellosen  Besitzes. 

Das  mehr  oder  minder  abbauwürdige  Vorkommen  derartiger  Thone 
im  Gebiete  des  Hügellandes  westlich  von  Krakau  beschränkt  sich  nach 
den  bisherigen  Erfahrun;:en  auf  eine  Zone,  welche  durch  die  Ortschaften 
Mirow,  Grojec,  Zalas  (Gluchowkischlucht)  und  Czatkowice  bestimmt 
wird ,  abgerechnet  natürlich  die  Landstriche ,  an  welchen  innerhalb 
dieser  Zone  die  mit  den  Thonen  zunächst  verbundenen  Absätze  durch 
nachträgliche  Denudation  entfernt  sind.  Aber  selbst  innerhalb  der  auf 
diese  Weise  umgrenzten  Gegend  sind  die  Thone  nicht  überall  dort  vor- 
handen, wo  sie  in  Folge  der  Conservirung  der  jurassischen  Decke  vor- 
handen sein  könnten,  wenn  sie  überall  ursprünglich  entwickelt  gewesen 
wären.  So  z.  B.  hat  man  in  der  Gegend  von  Tenczynek  keine  Anhalts- 
j)unkte  bezüglich  der  Anwesenheit  jenes  Mineralproductes. 

Es  ist  also  beispielsweise  sehr  wohl  nuiglich ,  dass  in  der  Nähe 
von  Grojec,  dort,  wo  der  Schutzrayon  der  Kegulicer  Quellen  mit  seiner 
Ostgrenze  auf  das  Gebiet  jurassischer  Gesteine  übergreift,  die  bei  Grojec 
entwickelten  und  dort  abgebauten  Thone  noch  bis  in  das  Gebiet  des 
Kayons  stellenweise  unter  der  ol)erjurassischen  Decke  hereinreichen, 
aber  es  ist  nicht  mit  Sicheidicit,  ja  nicht  einmal  mit  grosser  Wahr- 
s(dieinlichkeit  vorauszusetzen,  dass  sie  überall  dort  vorkonnnen,  wo  die 
Karten  das  Auftreten  oberjurassischer  Bildungen  als  Decke  des  braunen 
Jura  angegeben  haben,  besonders  da  der  braune  Jura  in  der  Richtung  nach 
Kegulice  zu  local  an  Mächtigkeit  zu  verlieren  scheint.  Auch  ist  zu 
berücksichtigen,  dass  die  Verbreitung  der  jüngeren  jurassischen  Bil- 
dungen schon  deshalb  keinen  Maassstab  für  die  Verbreitung  der  zunächst 

hältnissen  stehend  bezeichnet  werden  konnte  und  dcrznfolge  wir  in  jenen  Thonen  eine 
Flora  des  hraunen  Jura  zur  Vertretung  gebracht  sehen  (siehe  den  Anzeiger  der 
Krakauer  Akad.  d.  Wissensch.  Krakau  1890,  vergl.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reiclisanstalt. 
1890,  pag.  96).  Man  sieht  daraus,  wie  vorsichtig  man  in  der  Deutung  pHanzlicher 
Reste  sein  muss.  Wie  mir  Herr  Bartouec  mittheilt,  soll  bei  G'ojec  eine  dünne, 
nicht  abbauwürdige  Lage  feuerfesten  Thones  stellenweise  sogar  noch  über  den  mittel- 
jurassischen Ammoniten  gefunden  worden  sein,  wodurch  die  Zusammengehörigkeit  aller 
dieser  Bildungen  noch  deutlicher  werden  würde,  wie  ich  nebenher  erwähnen  will. 


54  Dr.  Emil  Tietze.  ["441 

damntor  folg-cnden  Absätze  abgibt,  weil  die  Unrcgcbiiässig-kcitcn  des 
jiltcu  Kelicts  der  Gegend,  welcbes  der  braune  Jura  bei  seiner  Ablage- 
rung vorfand,  die  Verbreitung  des  letzteren  mebr  eingeengt  haben,  als 
die  der  darauf  folgenden  Sebicliten  des  weissen  Jura. 

Schon  im  Frühjahre  181)0  theilte  uns  Herr  Berginspector  Bar- 
tonec  in  Sierza,  der  zur  Zeit  auch  den  Abbau  bei  den  Thongruben 
von  Grojec  und  Mirow  beaufsichtigt,  mit,  dass  man  bei  Grojec  gelegentlich 
neuer  Aufschlussarbeiten  eine  aus  Muschelkalk  bestehende  unterirdische 
Kuppe  angetroffen  habe.  Diese  Kuppe  ragte  in  die  Schichten  des  braunen 
Jura  enjpor  und  schnitt  dabei  die  Verbreitung  des  Thones  ab,  welcher  sich 
um  sie  herum  angelagert  findet.  Ein  solches  Verhältniss  kann  aber  mehr- 
fach eintreten  und  es  ist  unberechenbar,  wo  dies  der  Fall  ist.  Die 
Zusammenfassung  dieser  Umstände  berechtigt  zu  dem  Ausspruche,  dass 
die  Anwesenheit  feuerfester  Thone  im  Bereiche  des  Regulicer  Schutz- 
gebietes zwar  an  einzelnen  Stellen  wahrscheinlich ,  aber  nicht  einmal 
dort  gewiss  ist,  wo  jurassische  Schichten  an  der  Oberfläche  nach- 
gewiesen wurden ,  und  dass  die  Abbauwürdigkeit  der  eventuell  vor- 
handenen Thone  vielfach  eine  problematische  ist,  namentlich  aber  in 
denjenigen  Theilen  des  Schutzgebietes,  welche  ausserhalb  der  oben 
erwähnten  Zone  liegen,  wie  beispielsweise  in  der  Nähe  des  Jurarückens, 
der  sich  westlich  von  Nieporaz  in  der  Gegend  von  Oblaski  und  Stawki 
erhebt. 

Es  bleiben  von  nutzbaren  Mineralien  im  fraglichen  Schutzgebiet, 
weini  wir  von  den  allenfalls  durch  Steinbrüche  ober  Tage  zu  gewinnenden 
Gesteinen,  wne  den  Kalken  der  Gegend  absehen,  nur  mehr  die  Rasen- 
erze zu  erwähnen  übrig,  welche  bei  Nieporaz  und  im  Bereich  des 
Bagno  las  den  dortigen  (^uartärsandcn  eingeschaltet  sind.  Bei  Nieporaz 
selbst  habe  ich  ihr  Vorkommen  schon  auf  meiner  Karte  markirt.  Im 
Bereiche  des  Bagno  las  treten  aber  el)enfalls  eisenschüssige  Ausschei- 
dungen auf,  die  daselbst  stellenweise  zur  Bildung  des  den  Forstleuten 
so  unangenehmen  Ortstein  Veranlassung  geben,  eines  Gebildes,  welches 
bekanntlich  in  gewissen  Sandgebieten  eine  für  Baumwurzeln  undurch- 
dringliche Kruste  im  Boden  darstellt  und  auf  diese  Weise  das  Wachs- 
thum  des  Waldes  hemmt. 

Bei  der  relativ  leichten  Gewinnungsart  dieser  Erze,  welche  mehr 
oder  weniger  in  der  Nähe  der  Tagesoberfläche  vorkommen ,  und  im 
Hinblick  auf  den  Umstand,  dass  Rasenerze  neuerdings  ein  gesuchter 
Artikel  sind,  kann  einer  eventuellen  Ausbeutung  dieses  Minerals  die 
Aussicht  auf  Gewinn  nicht  abges])rochen  werden,  obschon  festzuhalten 
ist,  da?s  an  gewissen  heute  entsumpften  Orten,  sowie  ich  das  schon 
früher  bezüglich  der  Rasenerze  auf  den  Ackerfeldern  bei  Bolecin  sagte 
(Geogn.  Verhältnisse  von  Krakau,  1.  c.  pag.  101),  ein  Nachwuchs  der 
Erze  nicht  mehr  zu  gewärtigen  ist. 

Dies  ist  der  Thatbestand  in  Bezug  auf  die  Frage,  ob  und  in- 
wieweit der  Regulicer  Schutzrayon  die  Entwicklung  hofiCnungsreicher 
Bergbaue  verhindern  könnte.  Man  sieht,  dass  dies  im  Grossen  und 
Ganzen  nicht  der  Fall  ist,  denn  abgesehen  von  einer  eventuellen  Aus- 
beutung der  vorhandenen  Rasenerze,  die  ja  doch  nie  ein  Unternehmen 
grösseren  Styls  würde  vorstellen  können ,  sind  die  Aussichten  auf  die 
Eröffnung  gewinnbringender  Bergbaue    entweder   haltlos,    wie    in    der 


("451  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizieii.  fjrj 

Kolilenfr.igc  oder  zweifelhaft,  wie  hinsiclitlieli  der  Miisclielkalker/.e  und 
der  leuerfesten  Tlione. 

Ein  dringendes  Bediirfniss,  im  bergbaulichen  Interesse  den  Regnlieer 
Sehutzrayon  aufzuheben  oder  einzusehranken,  liegt  demnach  nicht  vor. 

Es  kann  nun  aber  andererseits  die  Frage  aufgeworfen  werden, 
ob  die  Regulicer  Quellen  denn  ihrerseits  eines  solchen  Schutzrayons 
thatsächlich  bedürfen  und  ob  eine  Einschränkung  desselben  ohne 
Gefährdung  des  Zuflusses  jener  Wassers])ender  thunlich  erscheine  ? 

In  dieser  Hinsicht  darf  zuerst  wohl  bemerkt  werden ,  dass  der 
heute  bestehende  Rayon  keineswegs  eine  exorbitante  Ausdehnung  l)esitzt, 
insofern  der  weiteste  Abstand  seines  Umfanges  von  den  zu  schützenden 
Quellen,  das  ist  im  Westen  bei  Plaza ,  nur  etwa  5  Kilometer  beträgt, 
wobei  jedoch  noch  in  Betracht  kommt,  dass  die  Quellen  des  Szymoto- 
baches,  welche  im  Falle  gesteigerten  Bedarfes  den  Regulicer  Quellen 
als  Reserve  dienen  sollen ,  von  dieser  Westgrenze  nur  sehr  wenig  ent- 
fernt liegen.  Der  Rayon  ist  also,  rein  räumlich  betrachtet,  keineswegs 
über  eine  Entfernung  liinausgerückt,  welche  von  vorneherein  und  unter 
allen  Umständen  als  eine  in  solchen  Fällen  ungewöhnliche  bezeichnet 
werden  müsste,  wenn  man  auch  unter  besonderen  geologischen  Be- 
dingungen manchmal  mit  kleineren  Entfernungen  sein  Auslangen 
finden  mag.  ^) 

Handelt  es  sich  nun  um  die  Disciission  der  geologischen  Bedin- 
gungen, welche  speciell  für  die  Regulicer  Quellen  und  deren  Wasser- 
bezug von  Wichtigkeit  sind,  so  erscheinen  die  folgenden  Erwägungen 
als  massgebend  für  die  Frage  des  Schutzrayons. 

Da,  wie  schon  gesagt  wurde,  die  bewussten  Quellen  aus  Muschel- 
kalkschichten entspringen,  so  rauss  man  bestrebt  sein,  die  wasserführende 
Muschelkalkplatte  der  Umgebung  von  Regulice  vor  Eingriffen  zu 
schützen,  wie  nicht  minder  diejenigen  über  dem  Muschelkalk  folgenden 
Bildungen ,  aus  welchen  eine  Zufuhr  von  Wasser  in  den  Muschelkalk 
möglich  erscheint.  Dass  aber  diese  Muschelkalkplatte  in  der  That  hier 
wasserführend  ist,  beweisen  ausser  den  Quellen  von  Regulice  selbst 
noch  etliche  andere  Quellen ,  die  in  der  Richtung  nach  Plaza  zu  und 
bei  Plaza  selbst  aus  dem  Muschelkalk  entspringen  und  welche  als  ver- 
schiedene Austrittsöffnungen  für  das  im  Muschelkalk  circulirende  Wasser 
angesehen  werden  können.  Der  Muschelkalk  stellt  also  gleichsam  eine 
Art  von  Reservoir  vor,  welches  an  verschiedenen  Stellen  rinnt  und  es 
stellt  sich  das  Bedürfniss  heraus,  dieses  Rinnen  auf  die  bestehenden 
Stellen  zu  beschränken,  sowie  das  Reservoir  selbst  mit  seinen  Zu-  und 
Abflüssen  möglichst  intact  zu  erhalten. 

Dem  hier  betonten  Bedürfnisse  entspricht  aber  der  bestehende 
Sehutzrayon  nach  Thunlichkeit.  Er  umfasst  die  östlich  von  Regulice 
sich  erhebende  Muschelkalkpartie,  sowie  die  westlich  davon  befindliche 
Partie  bis  zu  der  Furche  des  Baches  von  Plaza.  Durch  diese  Furche 
wird  wenigstens  theilweise  die  directe  Verbindung  einer  mehr  oder 
weniger  grossen  Anzahl  von  Muschelkalkschichten  gegen  die  noch  west- 


')  Man  mag  hier  vergleichen,  was  ich  iu  einer  früheren  Folge  dieser  Beiträge 
(.Tahrl).  d.  k  k.  geol.  Reichsanstalt.  1889,  pag.  3H5  u.  s.  w.)  gelegentlich  der  Besprechung 
des  Schutzrayons  von  Iwonicz  gesagt  habe,  für  welchen  allerdings  ganz  andere  geolo- 
gische Verhältnisse  Geltung  haben. 


56  Dr.  Emil  Tietze.  [4(;| 

Heller  gelcii'cne  Fortsct/ung-  derselben  Formation  zu  unterbroclien ,  so 
dass  dadureli  eine  passende  Grenze  des  Rayons  nach  dieser  Kielitnnu,' 
hin  geseliaffen  wurde,  wie  nebenher  bemerkt  werden  soll.  Was  nändich 
etwa  an  Wasser  jenseits  des  Plazabaches  hervortritt  oder  bei  bergbau- 
liehen rnternehniungen  und  dergleichen  zum  Ausfluss  aus  den  Muschel- 
kalksehiehten  veranlasst  werden  könnte,  steht,  sofern  oder  soweit  die 
wasserführenden  Lagen  unterbrochen  sind ,  nicht  mehr  in  so  directem 
Zusanimenliaug  mit  der  Wassercirculation  ,  die  innerhalb  der  Regulice 
benachbarten  Partien  dieser  Formation  stattfindet.  Indirect  dürfte  ein 
soleiicr  Zusannnenhang  freilich  noch  anzunehmen  sein  für  diejenigen 
Gebiete,  in  welchen  sich  auf  der  Nordseite  des  Dorfes  Plaza  wieder 
durch  den  Wegfall  einer  Frosionsfarclie  die  Vereinigung  der  verschie- 
denen Lagen  des  Muschelkalkes  vollzieht,  indessen  kommt  dieser  Um- 
stand im  Hinblick  auf  die  von  dem  Wasser  dabei  zu  durchmessenden 
grösseren  Entfernungen  und  auf  die  unterirdischen  Umwege,  die  es  bis 
zu  der  Gegend  westlich  vom  Pla/abache  zu  nehmen  hatte,  weniger  in 
Betracht.  iSchliesslich  können  auch  die  Grenzen  eines  Schutzgebietes 
nicht  ins  Unendliche  ausgedehnt  werden. 

Wollte  man  aber  sagen,  dass  ja  von  einem  ähnlichen  Gesichts- 
punkte aus,  wie  dem  hier  betonten,  auch  die  Thalfurche  des  Regulicer 
Baches  selbst  eine  Unterbrechung  der  Circulation  des  Wassers  für  die 
rechts  und  liid^s  vom  Regulicer  Thal  gelegenen  Muscihelkalkpartien 
bewirken  könnte,  so  würde  das  eine  Nutzanwendung  auf  die  Frage 
des  Qnellenschutzes  schon  deshall)  nicht  zulassen,  weil  diese  im  oberen 
Theil  des  Thaies  entspringenden  Quellen  augenscheinlich  in  der  Gegend 
der  Vereinigung  der  durch  den  Bach  getrennten  Theile  der  Muschel- 
kalkplatte hervortreten  und  ihre  Speisung  von  beiden  Seiten  des  Thaies 
bewirkt  werden  kann.  Die  Unterbrechung  der  Muschelkalkpartien  östlich 
und  westlich  von  Regulice.  sowie  sie  sich  auf  meiner  Karte  darstellt,  ist 
jedenfalls  nur  eine  scheinbare  und  durch  jüngere  Ueberlagerungen 
hervorgerufen.  Auch  kommt  hier  die  geringere  Entfernung  der  Punkte, 
um  die  es  sich  handeln  kann ,  von  den  Quellen  schon  w^esentlich  in 
Betracht. 

Was  mm  die  jüngeren  Bedeckungen  des  Muschelkalkes  anbetrifft, 
von  denen  gesagt  wurde,  dass  aus  ihnen  eine  Zufuhr  von  Wasser  in 
den  Muschelkalk  unter  Umstanden  denkhar  ist ,  so  treten  dergleichen, 
soweit  das  Schutzgebiet  in  Betracht  kommt ,  vornehmlich  im  Norden 
der  oberflächlich  sichtbaren  Muschelkalkpartien  auf,  theilweise  indessen 
auch  noch  im  Osten,  Von  gewissen  Quartärbildiingen,  im  l)creich  der 
Muschelkalkentvvieklung  selbst ,  wie  von  dem  Löss  auf  der  Westseite 
des  Regulicer  Thaies  kann  hier  als  minder  wesentlich  abgesehen 
werden. 

Es  ist  nun  aber  eine  Fortsetzung  des  Muschelkalkes  unter  jene 
jüngeren  Bedeckungen  allenthalben  anzunehmen,  insbesondere  im  Norden 
im  Bereich  des  von  dem  Chechlobaclie  durchflossenen  llochgcbiets  ; 
denn  der  Muschelkalk  bei  Regulice  stellt,  wie  schon  früher  angedeutet, 
nur  den  südlichen  Flügel  einer  grossen  Mulde  dar,  deren  Nordflügel 
nördlich  der  zwischen  Trzebina  und  Filipowice  verlaufenden  Eisenbahn 
zum  Vorschein  konmit,  wie  das  in  meiner  Beschreibung  jenes  Land- 
striches   gelegentlich    der  Darstellung    der  geognostischen  Verhältnisse 


r47l  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien.  fy'J 

des  Krakauer  Gebietes  dar^ele^t  wurde.  Es  sind  uns  solche  Aufschlüsse 
des  uürdlichen  Flügels  jener  Muscbelkalkniulde  bei  Trzebinia,  Mloszowa, 
Dulowa  und  Filipowice  bekannt,  und  es  liegt  auch  kein  Grund  zu 
der  Annahme  vor ,  dass  im  Wassergebiet  des  Chechlo ,  speciell  im 
Dulowski  las  und  Hagno  las,  die  dem  Inneren  jener  Mulde  entsprechen- 
den Muschelkalkpartien  etwa  in  ähnlicher  Weise  denudirt  seien ,  wie 
sie  weiter  östlich  in  der  Gegend  von  Rudno  und  Tenczynck  stellen- 
weise denudirt  sind,  in  jener  Gegend  nämlich,  welche  in  der  Nähe  des 
alten,  selbstverständlich  wie  bei  allen  derartigen  Kelietformen ,  etwas 
unrcgelmässig  verlaufenden  ,  östlichen  Denudationsrandes  des  Muschel- 
kalkes gelegen  ist  (vergl.  Gcogn.  Verhältnisse  der  Gegend  von  Krakau, 
1.  c.  pag.  396),  von  dem  ich  voraussetze,  dass  er  vor  der  mittleren 
Jurazeit  gebildet  wurde. 

Die  jüngere  Bedeckung  des  Muschelkalkes,  von  der  hier  gesprochen 
wurde,  besteht  zunächst  aus  mittel-  und  oberjurassischen  Ablagerungen, 
sodann  im  Bereich  des  Chechloflusses ,  von  welchem  Bereich  südlich 
von  jenem  Flusse,  wie  schon  gesagt,  ein  Gebietstheil  dem  Schutzrayon 
zufällt,  aus  diluvialen  Sauden.  Ol)  auch  Neogenscbichten  hier  local  in 
der  Tiefe  vorkommen ,  wie  sie  bei  Trzebinia  (vergl.  oben)  und  bei 
Krzeszowice  nachgewiesen  sind,  lässt  sich  zur  Zeit  weder  bejahen,  noch 
verneinen. 

Von  dieser  Bedeckung  können  im  Allgemeinen  sowohl  die  dilu- 
vialen Sande  als  die  Kalke  des  weissen  Jura  als  mehr  oder  weniger 
wasserdurchlässig  betrachtet  werden.  Schlechter  Aufschlüsse  wegen  ist 
der  stellenweise  vorhandene  oder  als  vorhanden  vorauszusetzende  braune 
Jura  gerade  in  dieser  Gegend  relativ  ungenügend  bekannt.  Die  sandigen 
Bildungen  aber,  wie  sie  denselben  vielfach  im  Krakauer  Gebiet  aus- 
zeichnen und  wie  sie  z.  B.  etwas  westlich  von  hier  bei  Koscielec,  ge- 
rade im  Innern  der  besprocheneu  Mulde,  entwickelt  sind,  würden  eben- 
falls zu  den  Wasser  durchlassenden  Schichten  zu  rechnen  sein. 

Dagegen  würden  die  feuerfesten  Thone  an  der  Basis  des  braunen 
Jura  als  undurchlässig  zu  gelten  haben.  Im  Hinblick  auf  diesen  Um- 
stand aber  anzunehmen,  dass  die  Gesammtmasse  der  über  diesen  Thonen 
liegenden  Schichten  für  die  Zufuhr  von  Wasser  in  dem  darunter  liegen- 
den Muschelkalk  nicht  in  Betracht  konmie,  wäre  nichtsdestoweniger 
eine  Täuschung. 

Die  jurassischen  Schichten  nämlich,  denen  in  ihrer  Verbreitung,  wie 
ich  wiederholt  hervorgehoben  habe,  die  bewuissten  Thone  durchaus  folgen, 
lagern  discordant  über  und  an  dem  Muschelkalk.  Findet  diese  Ueber- 
lagerung  an  der  Tages(»berfläche  statt,  dann  kann  das  Auftreten  wasser- 
undurchlässiger Thone  an  der  Basis  jener  Schichten  allenfalls  den 
directen  Austritt  oberflächlicher  Quellen  veranlassen,  welche  sich  unab- 
hängig von  den  Quellen  des  Muschelkalks  verhalten.  Findet  aber  jene 
Ueberlagerung  oder  Anlagerung  unterirdisch,  das  heisst  unter  der  Tages- 
oberfläche statt,  wie  das  gerade  bei  der  hervorgehobenen  Discordanz 
häufig  der  Fall  sein  wird,  dann  kann  das  betretlende  Wasser  an  den 
Punkten,  wo  jene  Thone  ausgehen,  mit  der  Muschelkalkoberfläche  in 
Berührung  kommen  und  in  die  Unterlage  der  Thone  an  geeigneten 
Stellen  eindringen. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsaastalt.  1891.  41.  Band.  l.  Heft.  (K  Tietze.)  8 


58  Dr.  Emil  Tietze.  [48] 

Dazu  kommt,  dass  nach  dem  früher  Gesagten  die  Existenz  der 
Thoue  selbst  gar  nicht  einmal  überall  mit  Sicherheit  dort  vorausgesetzt 
werden  kann,  wo  sich  die  Hangendbildungen  derselben  entwickelt  tinden, 
dass  sie  eventuell  stellenweise  schon  ursprünglich  gänzlich  fehlen,  oder 
dass  ihre  Ausbreitung  selbst  in  den  Regionen,  wo  sie  sonst  vorkommen, 
durch  eine  bis  in  den  braunen  Jura  aufragende  Kuppe  des  älteren  Ge- 
birges unterbrochen  sein  kann,  was  sich  der  Berechnung  entzieht.  Ein 
solches,  auch  nur  stelleuweises  Fehlen  der  undurchlässigen  Thone  würde 
dann  ebenfalls  ein  Eindringen  des  Wassers  aus  den  jüngeren  Schichten 
in  den  Muschelkalk  zulassen. 

Wir  sind  also  jener  Thone  wegen  nicht  berechtigt,  diejenigen 
Landstriche  aus  dem  Schutzrayon  auszuscheiden,  in  welchen  der  Muschel- 
kalk unter  einer  jüngeren  Bedeckung  verschwindet.  Wir  dürfen  vielmehr 
auch  diese  Landstriche  als  wenigstens  theilweise  von  Einfiuss  auf  die 
Speisung  der  Regulicer  Quellen  betrachten. 

Bei  den  bisherigen  Erörterungen  haben  wir  die  Neigungsverhältnisse 
der  das  besprochene  Gebiet  zusammensetzenden  Schichten  noch  nicht 
weiter  berücksichtigt.  Die  Hauptmasse  der  westlich  Regulice  sichtbaren 
Muschclkalkschichten  zeigt  eine  allgemeine,  wenngleich  nicht  starke, 
so  doch  wahrnehmbare  Neigung  nach  Norden.  Man  könnte  deshalb 
versucht  sein  zu  glauben,  dass  nur  diejenigen  Thcile  der  Muschelkalk- 
platte, welche  südlich  von  der  Gegend  der  Quellen  liegen,  für  die 
Speisung  der  letzteren  in  Betracht  kämen.  Man  könnte  annehmen,  dass 
das  in  diesen  Schichten  befindliche,  bezüglich  ihnen  von  oben  zugeführte 
Wasser,  sofern  dasselbe  sich  zwischen  oder  über  gewissen  Schichtflächen 
bewegt,  vielfach  unterirdisch  gegen  die  Mitte  der  durch  den  Chechlo- 
Bach  bezeichneten  Mulde  bin  abfliessen  und  somit,  wenigstens  was 
die  nördlich  von  den  Regulicer  Quellen  gelegenen  Partien  anlangt, 
ohne  Einfluss  auf  die  Entstehung  der  bewussten  Quellen  bleiben  werde. 
Man  könnte  daraus  weiter  folgern  wollen,  dass  dann  dennoch  die  voran- 
stehend besprochenen  Landstriche,  in  welchen  nördlich  von  den  Quellen 
der  Muschelkalk  unter  jüngeren  Schichten  ruht,  dem  Schutzrayon  vielleicht 
ganz  überflüssiger  Weise  einverleibt  worden  seien. 

Der  Sicherheit  einer  solchen  Annahme  stehen  indessen  einige 
bemerkenswerthe  Erwägungen  entgegen. 

Wenn  in  geneigten  Schichten  sich  bewegendes  Wasser,  von 
welchem  ein  Theil  unterwegs  als  Quelle  zum  Austritt  gelangt ,  ohne 
dass  die  Neigung  der  Schichten  jenseits  der  Quelle  eine  andere  wird, 
in  eben  dieser  jenseitigen  Region  durch  künstliche  Eingriffe  angezapft 
wird,  dann  wird  das  eine  Rückwirkung  auch  auf  die  gleichsam  vor 
der  supponirten  Quelle  gelegenen  höher  ansteigenden  Theile  des  be- 
wussten Schichtencomplexes  und  dessen  Wasserführung  äussern ,  dann 
wird  vor  Allem  auch  die  Druckkraft  verändert  werden,  unter  der  jene 
Quelle  hervortritt.  Der  Fall  erscheint,  wenn  auch  das  Gleichniss  hinkt, 
in  gewissem  Sinne  ähnbcli  dem  Ocffnen  eines  Ventils,  durch  welchen 
Vorgang  der  Druck  des  Dampfes  auf  die  Kessclwände  herabgesetzt 
wird.  Es  wird  jedenfalls  die  Rückstauung  des  in  jenem  Schichten- 
complex  nicht  völlig  frei,  wie  in  einem  See,  sondern  mit  Hindernissen 
circulirciiden  Wassers  gegen  die  besagte  Quelle  zu  gemindert  und  die 
Tendenz    zu    rascherem    Abfluss    gegen    die     soeben  als  jenseitig    be- 


[491  Beitrage  zur  Geologie  von  Galizien.  59 

zeichnete  Tietcnre^ion  vennelirt  werden,  /nni  offenbaren  Naclillieil  der 
Quelle,  deren  Austritt  durch  den  bisherigen  Gleichgcwichts/ustand  der 
Dinge  regulirt  war. 

Von  vorneherein  lässt  sich  also  sagen ,  dass  selbst  bei  dem  ein- 
fachen ,  hier  zunächst  als  möglich  gedachten  tektonischen  Verhältniss 
gewisse  EingriflPe ,  die  nordwärts  der  Regulicer  Quellen  bewerkstelligt 
werden  sollten,  namentlich  wenn  sie  nach  der  Tiefe  bis  zum  Muschel- 
kalk ausgedehnt  werden  würden,  als  der  Wasserversorgung  von  Krakau 
unter  Umständen  schädlich  bezeichnet  werden  müssten.  Nun  aber  ist 
keineswegs  ausgemacht,  dass  die  tektonischen  Verhältnisse  jenes  Ge- 
bietes in  Wirklichkeit  so  einfach  sind,   als  hier  angenommen  wurde. 

Wir  w  issen,  und  darauf  wurde  im  Lauf  dieser  Auseinandersetzung 
ja  schon  hingewiesen,  dass  das  Gebiet  von  Regulice  einschliesslich  der 
Hochfläche  am  Chechlo-Bach  zu  einer  grossen  .Schichtmulde  gehört, 
deren  südlicher  Rand  gleich  nördlich  vom  Weichselthal  sich  erhebt, 
während  der  nördliche  Rand  derselben  sich  von  Szozakowa,  also  von  der 
russisch-preussischen  Grenze  über  Tizebinia  bis  in  die  Gegend  von 
Krzeszowice  verfolgen  lässt.  Bereits  in  meiner  Darstellung  der  geo- 
gnostischen  Verhältnisse  der  Gegend  von  Krakau  habe  ich  aber  darauf 
aufmerksam  gemacht,  dass  diese  Mulde  von  einer  secundären  Faltung 
unterbrochen  wird.  Dort,  wo  sich  die  Mulde  im  Westen  bedeutend 
verbreitert,  also  etwa  in  der  Gegend  zwischen  Szczakowa  und  Hierza 
einerseits  und  Chelmek  und  Libiaz  andererseits  wird  diese  sccundäre 
Falte  westlich  von  Chrzanow  deutlich  sichtbar.  Die  Schichten  des 
Muschelkalkes  wölben  sich  inmitten  des  Muldeninnern  aufs  Neue  empor 
und  noch  etwas  westlicher  bei  Jaworzno  tritt  sogar  das  ältere  Liegend- 
gebirge der  ganzen  Mulde,  in  diesem  Falle  die  8teinkohlenformation 
mit  dem  Buntsandstein  aus  der  Muldenmitte  hervor,  so  dass  man  in 
jener  Gegend  von  einer  Dojjpelmulde  reden  könnte. 

Jene  secundäre  Falte  schwächt  sich  in  ihrem  äusseren  Auftreten 
östlich  von  Chrzanow  ab  und  im  Gebiet  des  oberen  Chechlo-Baches 
zwischen  Nieporaz  und  Dulawa ,  welches  Gebiet  ja  theilweise  für  den 
besprochenen  Schutzrayon  in  Betracht  kommt,  ist  oberflächlich  von 
einer  Fortsetzung  jener  Falte  nichts  mehr  nachzuweisen,  weil  hier  das 
ältere  Gebirge  unter  der  diluvialen  Sandbedeckung  gänzlich  verschwindet. 
Wer  aber  wollte  behaupten ,  dass  die  Falte  in  der  Tiefe  ganz  zu  be- 
stehen aufgehört  habe?  Eine  solche  Behauptung  wäre  um  so  unwahr- 
scheinlicher, als  etwas  östlich  von  den  Quellen  des  Chechlo-Baches  in 
der  Nähe  von  Rudno  und  Tenczynek  aufs  Neue  ein  Theil  der  Liegend- 
schichten jener  mesozoischen  Mulde  zum  Vorschein  konmit,  so  dass  die 
Kohlengruben  bei  diesen  Localitäten  in  der  Fortsetzung  jener  zwischen 
Jaworzno  und  Chrzanow  deutlich  entwickelten  Secundärfalte  erscheinen. 

Ein  solcher  unterirdischer  Rücken  aber  w'ürde  der  Wasserabfuhr 
gegen  Norden  eine  Grenze  setzen,  und  zwar  schon  innerhalb  der 
Schichten  des  Muschelkalks  selbst,  weil  er  eine  Unterbrechung  der  nörd- 
lichen Fallrichtung  dieser  Formation  bedeuten  würde.  Wollte  mau  da- 
gegen einwenden ,  die  Existenz  eines  solchen  Rückens  sei  hier  nicht 
erwiesen,  sondern  nur  wahrscheiidich  gemacht  worden,  so  würde  das 
eine  Verkennung  der  Grundsätze  sein ,  nach  denen  ein  Quellenschutz- 
rayon festzustellen  ist.  Diese  Grundsätze  bedingen  eben  die  Voraussicht 


60  Dr.  Emil  Tietze.  [5()] 

von  Möglichkeiten  und  wahrsclicinliclien  Eventiialitfiten  für  alle  die 
Fälle,  in  welchen  eine  absolut  sichere  Entscheidung  durch  den  Mangel 
an  direct  beobachtbaren  Thatsachen  erschwert  wird. 

Was  die  Deckschichten  des  Muschelkalks  und  zunächst  die  juras- 
sischen Absätze  anlangt,  so  können  aber  auch  schon  die  einige  Male 
betonten,  von  der  eigentlichen  Tektonik  unabhängigen  rnregelmässig- 
keiten  des  alten  Muschelkalkreliefs  locale  Stauungen  des  bis  zur  Muschel- 
kalkoberfläclie  durchsickernden  Wassers  bewirken ,  welche  den  Regu- 
licer  Quellen  zu  Gute  kommen,  ähnlich  wie  die  Stauung,  welche  durch 
die  eben  supponirte,  rein  tektonische  Störung  der  triadischen  Bildungen 
bewirkt  werden  kann. 

Der  Vereinfachung  der  Betrachtung  wegen  wurden  die  Regulicer 
Quellen  bisher  im  Wesentlichen  als  blosse  Schicht(juellen  aufgefasst  und 
schon  von  diesem  Standpunkt  aus  konnte  einer  Verengerung  des  be- 
stehenden Schntzrayons  nicht  das  Wort  geredet  werden.  Es  darf  aber 
auch  nicht  übersehen  werden,  dass  diese  Auffassung  eine  zu  einseitige 
wäre,  wollte  man  sich  mit  ihr  begnügen.  Schon  der  Umstand,  dass  jene 
Quellen  mit  ziemlich  bedeutendem  Wasserreichthum  hervorbrechen,  lässt 
darauf  schliessen,  dass  ihnen  auch  aus  Spalten  und  Klüften  Wasser  zu- 
kommt. Ist  einmal  der  Wasserreichthum  einer  Quelle  so  gross,  dass  sie 
sofort  als  Bach  aus  dem  Gestein  hervortritt,  wie  das  bei  den  Regulicer 
Hauptquellen  der  Fall  ist,  dann  hat  sie  auch  schon  einen  gewissen 
unterirdischen  Lauf  mit  entsprechenden  Verzweigungen  gehabt,  der  ent- 
weder durch  tektonisch  entstandene  Klüfte  vorgezeichnet  wurde  oder  der 
durch  Gesteinsunterwaschungen  zur  Bildung  von  Klüften  oder  Gesteins- 
zerrüttungen über  jenem  Lauf  geführt  hat.  Der  letztere  Fall  wird  sogar 
jedenfalls  eingetreten  sein,  gleichviel  ob  der  erstere  vorangegangen  ist 
oder  nicht. 

Nun  aber  liegen  Anhaltspunkte  dafür  vor ,  dass  in  der  Gegend 
von  Regulice  auch  tektonische  Ursachen  innerhalb  des  Gebirges  zu  einer 
Bildung  von  Klüften  und  Sprüngen  geführt  haben  mögen,  welche,  ganz 
unabhängig  von  dem  Abfluss  des  Wassers  längs  der  Schichtflächen, 
auch  quer  durch  dieselben  das  letztere  den  Quellen  zuzuführen  im 
Stande  sind. 

Wir  befinden  uns  nämlich  bei  Regulice  in  einer  Region  der 
Streichungsänderungen,  worauf  ich  schon  in  meiner  Monographie  über 
die  Gegend  von  Krakau  (l.  c.  pag.  148)  aufmerksam  gemacht  hal)e,  da 
ich  bei  einer  im  Jahre  1883  im  Verein  mit  den  Herren  Prof.  Alth, 
Dr.  V.  Szajnocha  und  Berghauptmann  Wachtel  in  jener  Gegend 
unternommenen  Excursion  statt  des  westlich  von  Regulice  üblichen  Ost- 
weststreichens der  Schichten  an  einigen  Stellen  der  Ostseite  des  Regulicer 
Thaies  nordwest-südöstliche  oder  gar  annähernd  meridiane  Streichungs- 
richtungen wahrgenommen  hatte.  ^) 

Es  ist  ein  vermuthlich  damit  im  Zusammenhang  stehendes  und 
jedenfalls  beachtenswerthes  Verhältniss ,  dass  auch  die  Melaphyrvor- 
kommnisse  der  Gegend  von  Regulice  und  Alwcrnia  einer  in  demselben 


')  Dieselben  kommen  gar  nicht  weit  von  den  Quellen  vor,  wenn  auch  nicht 
gerade  unmittelbar  bei  diesen  selbst,  wie  man  vielleicht,  was  mir  nachträglich  auflällt, 
aus  der  Stylisirung  auf  der  oben  citirten  Seite  herauslesen  konnte. 


[51]  Beiträge   zur  Geologie  von  Cializien.  (^\ 

Sinne  von  der  ostwestHclicn  Kicbtnng-  abweiclicndcn  Linie  t()li;en  .  wo- 
von man  ^<ich  diireli  die  Hetraclitung  meiner  Karte  leieht  überzeugen 
wird.  Wir  kennen  ein  solches  Vorkommen  im  unteren  Theile  des  8zy- 
motathales,  dann  zwei  solche  Vorkommnisse  zu  beiden  Seiten  des  Regu- 
licer  Baches  bei  Alwernia,  einen  Melaphyrtelsen  siidöstlieh  vonAlwernia. 
nändich  westlich  vom  Schlosse  von  Poroba  und  endlich  ist  in  den  Thon- 
gruben  von  Mirow-  schon  seit  längerer  Zeit  das  unterirdische  Auftreten 
eines  von  F.Römer  als  Porphyr  bezeichneten,  vermuthlich  aber  eben- 
falls zum  Melaphyr  geh(3rigen  Eruptivgesteins  bekannt,  welches  ziem- 
lich genau  in  der  Fortsetzung  der  durch  die  vorgenannten  Punkte  be- 
zeichneten Linie  auftritt. 

Dies  Alles  giebt  ausreichenden  Grund  zu  der  Annahme ,  dass 
in  der  Gegend  von  Regnlice  eine  Zone  der  Störungen  vorhanden  ist, 
mit  welcher  auch  bei  Beurtheilung  der  Wasserverhältnisse  gerechnet 
werden  muss. 

Als  es  sich  nun  darum  handelte,  aus  der  Verknüpfung  der  hier 
geltend  gemachten,  mannigfachen  Gesichtspunkte  eine  praktische  Folgerung 
zu  ziehen,  so  vvar  das  nicht  eben  schwer.  Die  geschilderten  Verhältnisse 
berechtigten  schliesslich  zu  dem  Ausspruch,  dass  der  für  die  Regulicer 
Quellen  bereits  behördlich  festgestellte  Schutzrayon  keineswegs  zu  weit 
gefasst  sei ,  und  dass  Störungen  der  natürlichen  Wassercirculation  in 
diesem  Gebiete    möglichst  hintanzuhalten  seien. 

Was  im  Hinblick  auf  diesen  Umstand  die  noch  einmal  an  die  Sach- 
verständigen ausdrücklich  gestellte  Frage  der  Zulassung  bergbaulicher 
Arbeiten  innerhalb  jenes  Rayons  anlangt ,  so  ging  die  Antwort  darauf 
aus  dem  Ges^agten  fast  als  eine  selbstverständliche  hervor. 

Vor  Allem  ist  von  vornherein  klar,  dass  solche  Arbeiten  in  der 
Muschelkalkformation  jedenfalls  auszuschliessen  sind,  desgleichen  solche 
Arbeiten,  welche  auf  eventuelle  Mineralproducte  im  Muschelkalk  selbst 
zwar  nicht  reflectiren,  aber  diese  Formation  behufs  Erreichung  anderer 
Gesteine  anritzen  oder  durchteufen,  v(\e  dies  bei  Aufsuchung  von  Stein- 
kohlen der  Fall  sein  müsste. 

Aber  auch  der  Bergbau ,  der  sich  in  den  Schichten  über  dem 
Muschelkalk  bewegen  würde ,  wobei  zunächst  ein  Aufsuchen  oder  eine 
eventuelle  Ausbeutung  der  feuerfesten  Thone  in  Betracht  käme,  könnte 
den  zu  schützenden  Quellen  gefährlich  werden,  namentlich  w^enn  Wasser 
aus  solchen  Brunnen  gepumpt  werden  müsste.  Findet  ein  solcher  Bau 
über  den  Thonen  statt,  so  wäre  diese  Thätigkeit  geeignet,  das  über 
den  wasserundurchlässigen  Lagen  eventuell  abfliessende  und  bei  der 
stellenweisen  Unterbrechung  der  letzteren  dem  tieferen  Gebirge  zusitzende 
Wasser  dem  Sammelgebiet  der  Quellen  zu  entziehen.  Werden  aber  bei 
einem  solchen  Bergbau  die  fraglichen  Thonlager  durchstossen  oder  be- 
seitigt, was  ja  dem  Zweck  der  Thongewinnung  entspricht,  so  würde 
dadurch  unter  Umständen  das  über  den  Thonen  angesammelte  Wasser 
in  die  Tiefe  geleitet  werden  und  es  könnte  dasselbe  dann  allerdings 
directer  als  vorher  mit  dem  unterlagernden  Muschelkalk  in  Berührung 
kommen  und  in  denselben  einsickern ,  aber  es  würde  dies  an  anderen 
Stellen  geschehen  als  denjenigen ,  an  welchen  die  hergel)rachte  Circu- 
lation  des  Wassers  im  Gebirge  stattfand.  Ob  bei  den  Unebenheiten  des 
Muschelkalkreliefs   dies  nicht  von  nachtheiligem  Einfluss   auf  die  Spei- 


ß2  Dr-  Emil  Tietze.  f52] 

sung-  der  Quellen  sein  könnte,  ist  aber  schwer  vorherznsagen.  Die  blosse 
Möglichkeit  eines  solchen  Einflusses  genügt  indessen,  um  aucli  in  diesem 
Falle  eine  ablehnende  Haltung  gegenüber  den  Bestrebungen  an/unehnien, 
welche  dem  Bergbau  wenigstens  unter  gewissen  Beschränkungen  freiere 
Hand  im  Gebiete  des  Schutzrayons  verschatfen  wollen. 

Nur  in  einem  Falle  erscheint  ein  Aufgeben  dieser  ablehnenden 
Haltung  statthaft  und  eine  Ausnahme  von  dem  Verbot,  im  Schutzrayon 
Bergbau  zu  betreiben,  allenfalls  zulässig. 

Dieser  Fall  bezieht  sich  auf  die  Rasenerze ,  welche ,  wie  früher 
gesagt  wurde,  in  gewissen  Theilen  des  Rayons  vorkommen. 

Bei  der  geringen  Tiefe,  in  welcher  solche  Erze  gefunden  zu  werden 
pflegen,  brauchen  Bedenken  gegen  einen  Abbau,  bezüglich  gegen  eine 
Entfernung  derselben  nicht  geäussert  zu  werden.  Ich  sage  absichtlich 
nicht  blos  „Abbau",  sondern  auch  „Entfernung",  denn  es  kann  der 
Fall  gedacht  werden ,  dass  es  sich  für  einzelne  Strecken  mehr  darum 
handelt,  durch  Beseitigung  eines  Hindernisses  dem  Wachsthum  des  Waldes 
Raum  zu  schaffen  als  durch  den  Verkauf  der  Erze  einen  directen  Ge- 
winn zu  erzielen,  ein  Fall,  der  dann  eintritt,  wenn  es  local  zur  Bildung 
einer  Kruste  von  Ortstein  gekommen  ist. 

Insofern  eine  solche  Kruste  das  Einsinken  der  atmosphärischen 
Niederschläge  gegen  die  Basis  des  durchlässigen  Diluvialsandes  eher 
zu  erschweren  als  zu  erleichtern  geeignet  ist  und  insofern  diese  Kruste 
dann  den  lein  oberflächlichen  Abfluss  der  Wässer  gegen  die  offenen  natür- 
lichen Entwässerungsrinnen  zu  begünstigt,  kann  die  Beseitigung  derselben 
sogar  unter  Umständen  von  einem,  wenn  auch  bescheidenen  Nutzen  für 
die  Speisung  der  aus  den  tieferen  Schichten  des  Gebietes  entspringen- 
den Quellen  werden, 

S.    Einiges  über  die  Umgebung  von  TJumacz. 

Schon  vor  einigen  Jahren  (Beiträge  zur  Geologie  von  Galizicn, 
8.  Folge,  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Rcichsanstalt.  1S8B,  pag.  OSl  etc.)  habe 
ich  einige  Mittheilungen  über  die  Umgebung  von  T^umacz  gemacht.  Ich 
möchte  hier  einige  Beobachtungen  nachtragen,  welche  ich  bei  einem 
erneuerten  Besuch  jener  Gegend  im  Jahre   1887  anstellen  koimte. 

Bereits  damals  gedachte  ich  eines  kleinen  Baches,  welcher  in  der 
Nähe  des  Dorfes  ^jokutki  aus  einer  im  Gyps  befindlichen  Höhle  hervor- 
tritt und  dessen  Wasser  sich  durch  einen  kleinen  Salzgehalt  auszeichnet. 
Ich  konnte  diesmal  deutlicher  als  früher  den  schwach  bitteren  Geschmack 
jenes  Wassers  constatiren.  Ausserdem  ist  zu  bemerken,  dass  innerhalb 
der  Höhle  etwas  Fledermausguano  vorkonmit,  ein  Product,  nach  welchem 
vielleicht  auch  anderwärts  in  den  ostgalizischen  Gypshöhlen  seiner  land- 
wirthschaftlichen  Bedeutung  wegen  gesucht  werden  sollte,  sofern  erst 
die  Höhlen  selbst  besser  bekannt  und  erschlossen  sein  werden,  als  dies 
bislang  der  Fall  ist. 

Der  Eingang  in  die  hier  erwähnte  Höhle,  bezüglich  der  Austritt 
des  genannten  Baches  befindet  sich  gleich  links  vom  Wege ,  der  von 
fidkutki  nach  Okniany  führt. 

Von  diesem  Wege  zweigt  sich  bald  links  (nördlich)  ein  Weg  nach 
dcni  Dorfe  Bratyszüw  ab.    Der  letztere  Weg  tritt  bald  in  ein  zunächst 


r53l  Beiträge  zur  Geologie  vou  Galizien.  ß3 

nach  Norden  verlaufendes  Thal  ein,  welches  in  der  Nähe  der  Localität 
Pod  Kaniienieni  eine  sciiarfe  Unibie^nnc;  nach  Osten  (in  der  Riclitun;? 
nach  Ostra  v.n)  autweist.  und  \v(>l('hes  den  l)ez(Mchnenden  Namen  Suclio- 
dol  oder  trockenes  Thal  führt.  Während  die  Westseite  dieses  Thaies 
von  Löss  eingenonnnen  wird,  erhebt  sich  das  östliche  Ufer  steiler  und 
weist  ein  Auftreten  von  neog-enen  Gypsen  auf,  welches  bei  der  Auf- 
nahme dieses  Gebietes  übersehen  wurde.  Noch  vor  etlichen  Jahren  kam 
an  dieser  Berglehne  eine  starke  (Quelle  zum  Vorschein,  wie  mir  von  zu- 
verlässiger Seite  versichert  wurde,  während  heute  diese  Quelle  versiegt 
ist.  Ganz  augenscheinlich  hat  das  Wasser  hier  in  dem  durchhöhlten 
Gyps  seitdem  tiefere  Horizonte  aufgesucht  und  fliesst  unterirdisch  ab  ; 
denn  an  eine  andere  Ursache  seines  plötzlichen  Ausl)leibens,  etwa  in 
Folge  klimatischer  Veränderungen,  ist  im  Ernst  nicht  zu  denken.  Das 
Thal,  w^elches  ja  augenscheinlich  einst  mehr  Wasser  geführt  hat,  indem 
es  doch  ganz  einfach  als  ein  Erosionsthal  aufgefasst  werden  darf,  be- 
kommt somit  mehr  und  mehr  den  Gharakter,  auf  welchen  sein  Name 
anspielt,  ein  Beweis,  dass  der  Karstcharakter  ^)  der  i)odolischen  Gyps- 
gegenden  einer  beständigen  Steigerung  unterworfen  erscheint,  ganz  wie 
wir  das  bei  anderen  Karstgebieten  wahrnehmen  können. 

Hier  mag  noch  die  Thatsache  mitgetheilt  werden,  dass  von  den 
zahlreichen  Gypstrichtern  der  östlichen  Umgebung  von  TJumacz  nur 
einige  wenige  mit  Wasser  gefüllt  erscheinen,  während  die  meisten  leer 
sind.  Das  ist  nicht  uninteressant.  W^ären  diese  Trichter  reine  Oberflächen- 
erscheinungen ,  würden  sie  etwa  nur  der  oberirdischen  Auslaugung  ihr 
Entstehen  verdanken,  dann  würde  ihr  Verhalten  in  der  angegebenen 
Beziehung  wohl  ein  gleichmässigeres  sein.  Das  Vf asser,  w^elches  sich  in 
einigen  derselben  sammelt,  würde  sich  in  den  anderen  ebenfalls  sammeln. 
So  aber  mnss  man  wohl  annehmen,  dass  die  Mehrzahl  der  Trichter  mit 
den  Höhlungen  im  Gypse  communicirt,  und  dass  das  Trichterphänomen 
dem  partiellen  Einsturz  der  Höhlendecken  seine  Entstehung  verdankt, 
w^ährend  bei  den  gefüllten  Trichtern  eine  später  eingetretene  Verstopfung 
der  nach   der  Tiefe  führenden  Verbindung  vorausgesetzt  werden  kann. 

Dass  aber  jene  vorausgesetzten  Deckeneinstürze  im  ostgalizischen 
Gypsgebiete  thatsächlich  vorkommen,  wenn  dergleichen  auch  natürlich 
keine  alltägliche  Erscheinung  ist,    das  hat  sich  vor    etlichen  Jahren  in 

^)  Auf  diesen  Karst, Charakter  derjenigen  Gegenden  Ostgaliziens,  in  welchen  der 
tertiäre  Gyps  eine  hervorragende  Rolle  spielt,  habe  ich  schon  in  meinem  früheren  Bei- 
trage (1.  0.  pag.  682)  ganz  ausdrücklich  aufmerksam  gemacht.  Nicht  allein  die  schon 
seit  lange  bekannten  Gypstrichter,  welche  einen  höchst  auffallenden  Zug  der  betreuen- 
den Landschaften  bilden  und  aus  deren  Anwesenheit  sofort,  trotz  oberflächlicher  Mas- 
kirung  des  Terrains  durch  andere  Bildungen,  auf  die  Anwesenheit  des  Gypses  ein  Bück- 
schluss  erlaubt  ist,  bilden  ein  Analogon  der  Karsttrichter  des  Kalkgebirges;  auch  das 
Vorkommen  von  Höhlen  und  unterirdischen  Wasserläufen  bedingt  eine  principielle 
Aehnlichkeit  mit  den  Karsterscheinungen  des  Kalkgebirges,  eine  Thatsache,  die  bei  der 
relativ  leichten  Löslichkeit  des  Gypses  übrigens  gar  nicht  befremdlich  ist.  Ich  finde 
besonders  deshalb  auf  diese  Umstände  hinzuweisen  mich  bemüssigt,  weil  bei  der  hori- 
zontalen Lage  des  podolischen  Gypses  alle  die  Vorstellungen,  welche  die  Ursache  der 
Karsterscheinungen  in  tektonischen  Störungen  der  betreffenden  Gebirgsmassen  suchen, 
für  diesen  Fall  ihre  Berechtigung  völlig  verlieren,  ähnlich  wie  im  Falle  der  flach  gelagerten 
baltischen  Silurkalke,  die  sich  ja  ebenfalls  durch  evidente  Karsterscheinungen  auszeichnen 
(Vergl.  z.  B.  meine  Ausführungen  Jahrb.  geol.  R.-A.  1880,  pag.  732— 734.)  Dergleichen  That- 
sachen  bei  der  Theorie  der  Karsterscheinungen  ignoriren  zu  wollen  ist  unzulässig.  Trotzdem 
stellt  es  sich  als  nothwendig  heraus,    immer  auf's  Neue  auf  diese  Dinge  zu  verweisen. 


64  Dr.  Emil  Tietze.  ["54] 

der  Nähe  von  Jezierzany  (genauer  bei  dem  kleinen  üorfe  Konstancva  gleich 
südlich  von  dem  g'cnannten  Flecken)  gezeigt,  wo  nach  mir  daselbst  ge- 
wordenen jMittheilungen  ein  plötzlicher  Erdfall,  ein  Zusammensinken 
eines  Stückes  der  Terrainohcrfläche  stattfand,  welches  zur  Bildung-  einer 
trichterf(irmigen  Einsenkung  führte.  Jezierzany  liegt  südöstlich  von 
Czortköw  und  nördlich  von  Bilcze,  in  dessen  Nahe  zwischen  den  Erosions- 
furchen des  Sereth  und  der  Niclawa  nicht  allein  zahlreiche  Gypstrichter  1) 
vorkommen ,  sondern  wo  auch  nördlich  vom  Orte  eine  umfangreiche 
Höhle  bekannt  ist,  deren  Eingang  leider  sehr  beschwerlich  ist,  in  die 
ich  indessen  ein  Stück  weit  vordringen  konnte.  Eine  nähere  Ifntersuchung 
des  Höhlenlabyrinthes  von  Bilcze  wurde  von  Adam  Kirkov  durchgeführt 
(vergl.  die  KrakauerZeitschr.  ZbiörWiadomoscidoAntropologii  Krajowej). 
Um  noch  von  anderweitigen  Beobachtungen  in  der  Umgebung  von 
Ttumacz  zu  s])rechen,  so  möchte  ich  auf  das  eigenthümliclie  Schwefcl- 
vorkommen  bei  dem  Dorfe  Gruszka,  südöstlich  von  TJumacz,  hinweisen, 
von  welchem  in  der  Literatur,  wie  ich  glaube,  noch  keine  sichere  Mittheilung 
gegeben  w^urde.  F ö  tt  e r  1  e  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1851,  pag.87) 
schreibt  allerdings,  dass  sich  südlich  nahe  von  TJumacz  zwei  Schwefel- 
quellen, darunter  eine  ziemlich  starke,  befinden  sollen,  die  er  selbst  zu 
besichtigen  keine  Zeit  gefunden  habe  und  0.  Lenz  (Verhandl.  d.  k.  k. 
geol.  Reichsanstalt.  1878,  pag.  o37)  giebt  an,  dass  gewisse,  dem  Gyps 
bei  TJumacz  verbundene  Kalke  einen  Anfing  von  gediegenem  Schwefel 
zeigen,  aber  auch  dies  geschieht  ohne  nähere  Ortsangabc,  so  dass  bis- 
her nur  im  Allgemeinen  von  einem  Schwefel vorkonnnen  in  dieser  Gegend 
gesprochen  wurde,  ohne  dass  speciell  des  Vorkommens  bei  Gruszka 
gedacht  wurde,  während  ich  selbst  im  Jahre  1886  (Jahrb.  d.  k.  k. 
geol.  Reichsanstalt,  pag.  683)  nach  mündlichen  Mittheilungen  des  da- 
maligen Besitzers  von  Tiumacz,  des  Herrn  B  r  e  d  t,  allerdings  das  Schwefcl- 
vorkommen  beim  Rovenkateiche,  unweit  Gruszka,  erwähnte,  ohne  indessen 
an  Ort  und  Stelle  gewesen  zu  sein. 

Diese  Stelle  befindet  sich  östlich  vom  Dorfe  Gruszka,  an  dem  Süd- 
abhange  des  Berges  Gruszkowka,  oberhalb  des  Rovenkateiches.  Daselbst 
steht  Gyps  an,  den  die  Aufnahme  von  Lenz  nicht  verzeichnet  hat  und 
auf  diesem  Gyps  finden  sich  allenthalben  Ausblühungen  von  Schwefel, 
nicht  aber  auf  dem  sonst  in  dieser  Gegend  mit  dem  Gyps  im  Hangen- 
den desselben  verbundenen  Kalke,  wie  man  nach  der  oben  citirten  An- 
gabe von  Lenz  vermuthen  könnte.  Früher  sollen  hier  auch  schöne 
Schwefelkrystalle  unter  diesen  Ausblühungen  vorgekommen  sein ,  von 
welchen  sich  heute  allerdings  nichts  Deutliches  mehr  findet.  Von  einem 
directen  Zusammenhange  jener  Ausblühungen  mit  eigentlichen  Schwefel- 
quellen wurde  nichts  wahrgenommen ;  der  Ursprung  der  ersteren  ist  von 
dem  anderer  Efflorescenzen  jedenfalls  nicht  wesentlich  verschieden. 

Auch  die  vor  einigen  Jahren  durch  gewisse  Controversen  etwas 
bekannter  gewordene  Gegend  von  Bukowna  am  Dniestr  nordwestlich 
von  TJumacz  (vergl.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1881,  pag.  83; 
Petermann's  Mitth.   1881,  pag.  168.  Jahrb.  1882,  pag.  115;  Zeitschr. 

*)  Der  Gyps  von  Bilcze  liegt,  über  Leitliakalk,  unter  welcliem  ein  zum  Tlieil 
conglomeratisclier  Kalksandstein  mit  Nulliporenknollen  folgt,  wovon  man  .sich  besonders 
am  Wege  von  Bilcze  nach  (Ueboczek  überzeugen  kann. 


[55]  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien.  ß5 

deutscli.  g-eol.Ges.  1884,  pag.ßß ;  Vcrhandl.  d.  k.  k.  geol.  Keiclisaiistalt.  1884, 
jiag.  198)  konnte  ich  besuchen. 

Es  war  von  einer  Seite  die  Behauptung  aufgestellt  worden,  der 
Löss  jener  Gegend  werde  „in  den  meisten  Fällen  von  karpathischen 
Geschieben  überlagert",  welche  bis  zur  Höhe  des  podolischen  Plateaus 
reichend  beobachtet  wurden.  Daraus  war  der  Schluss  gezogen  worden, 
die  tiefen  Thaler  des  Dniestr  und  seiner  NebenHiisse  seien  erst  nach 
dem  Absatz  des  Löss  eingeschnitten  worden.  Von  mir  war  diese  Be- 
hauptung angezweifelt  und  von  IJhlig  derselben  auf  (Jrund  eigener 
Anschauung  entgegen  getreten  worden. 

Meine  eigenen  Beobachtungen  lehrten  mich  nun,  dass  bei  Bukowna 
bis  in  ziemliche  Höhen  hinauf,  wenn  auch  nicht  bis  zur  obersten  Fläche 
des  dortigen  Plateaus  karpathischer,  wohl  gerundeter  Handsteinschotter 
vorkommt.  Derselbe  reicht  bis  zu  den  Höhen ,  welche  die  dort  über 
Jura  liegende  Kreide  einnimmt  und  besteht  aus  ziemlich  grossen  Ge- 
schieben von  Faust-  bis  Kopfgrösse,  die  sich  auch  noch  in  der  Seiten- 
scblucht  vorfinden ,  welche  zwischen  Bukowna  und  dem  Walde  von 
Moliilew  entwickelt  ist.  Aber  davon,  dass  dieser  Schotter  den  Löss  über- 
lagert, konnte  schlechterdings  nichts  wahrgenommen  werden. 

In  der  That  konnte  Uhlig  (vergl.  Verhandl.  1884,  pag.  199)  mit 
Recht  betonen,  dass  der  Löss  dort  über  dem  Schotter  liegt. 

Ich  glaube  indessen  errathen  zu  haben ,  weshalb  man  zu  einer 
entgegengesetzten  Ansicht  gelangte.  Es  finden  sich  nämlich  am  Gehänge 
des  Dniestrthales,  welches  in  der  Gegend  oberhalb  Bukowna  und  bis 
zu  diesem  Orte  eine  ungefähr  von  Norden  nach  Süden  gerichtete  Strecke 
durchläuft,  einzelne  Lösspartien  in  hypsometrisch  tieferen  Lagen  als  gewisse 
Partien  des  bewussten  Schotters.  Man  sieht  dergleichen  schon  an  dem  Weg:e, 
der  von  Bukowna  abwärts  zu  der  dortigen  Ueberfuhr  geht.  Das  sind 
aber  einfach  Spuren  oder  Reste  einer  den  gegebenen  Terrainverhält- 
nissen sich  anschmiegenden  Lössbekleidung  des  westlichen  Gehänges 
des  Thaies,  welches  Gehänge  gerade  hier  stellenweise  weniger  steil  als 
sonst  ist  und  sich  deshalb  local  zum  Ansatz  und  zur  Conservirung  der- 
artiger Absätze  eignete. 

Gerade  dieses  Verhältniss  ist  aber  der  beste  Beweis  dafür,  dass 
das  Thal  mit  seinen  Gehängen  zur  Zeit  der  Lössbildung  bereits  bestand, 
ganz  wie  wir  das  für  alle  genauer  untersuchten  Thäler  Ostgaliziens  in 
ähnlicher  Weise  wissen.  Alle  weiteren,  an  das  angeblich  ganz  junge 
Alter  der  podolischen  Thäler  geknüpften  Corabinationen,  wie  z.  B.  die 
von  dem  AbHuss  der  ostkarpathischen  Gewässer  in  das  Weichselthal  in 
der  Zeit  vor  der  Lössbildung  (vergl.  den  citirten  Aufsatz  in  Peter- 
mann's  Mitth.)  werden  damit  hinfällig. 

Der  Fehler,  der  da  gemacht  wurde,  beruhte  also  auf  der  etwas 
zu  einfachen  Vorstellung,  dass  die  jüngsten  Bildungen  eines  Ge- 
bietes nicht  blos  geologisch,  sondern  auch  hypsometrisch  stets  die  höchst 
gelegenen  sein  müssten ,  was  eben  selbst  für  Gegenden  mit  flacher 
Lagerung,  wie  die  hiesige,  nicht  überall  zutrifft. 

Wäre  dies  der  Fall,  dann  dürfte  man  ja  selbst  den  besprochenen 
Flussschotter  nicht  für  jünger  halten,  als  die  vorausgängigen  Meeres- 
absätze dieses  Gebietes,  da  er  ja  noch  unter  dem  höchsten  von  der 
Kreide  eingenommenen  Niveau  anzutreffen  ist. 

JahrLucli  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  l.  Heft.  (E.  Tietze.)  9 


66  Dr.  Emil  Tietze.  [56] 

Uebrijiens  ist  nicbt  zu  verkennen ,  da?8  die  hohe  La.c,"e  jenes 
Schotters,  wenn  man  denselben  für  diluvial  halten  will,  und  etwas 
Anderes  wird  man  ja  zunächst  nicht  thun  ,  in  der  That  dafür  spricht, 
dass  der  tiefe  Einschnitt  des  Dniestr  sich  erst  seit  der  Diluvialzeit  ge- 
bildet  hat,  wenn  er  auch  schon  vcn*  der  Zeit  des  Lössahsatzes  im  Wesent- 
lichen vorhanden  war. 

Der  Fall  ist  nur  insoweit  kein  besonderer,  als  auch  anderwärts 
diluviale  Schotter  bis  zu  grösseren  Hiihen  an  den  Thalg-ehäng-en  reichen, 
und  speciell  für  Galizien  habe  ich  erst  vor  Kurzem  auf  die  bedeutende 
Vertiefung:  gewisser  Flüsse  während  der  Quartärzeit  im  Hinblick 
auf  die  H()henlag-en  der  älteren  Schotterabsätze  hinweisen  können 
(vergl.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  4.  Folge  dieser  Beiträge).  In- 
dessen ist  dabei  die  Frage  erlaubt,  ob  das,  was  wir  in  manchen  Gegen- 
den diluvial  nennen,  nicht  stellenweise  Ablagerungen  entspricht,  die  be- 
reits in  der  jüngsten  Tertiärzeit  ihren  Anfang  genommen  haben. 

Die  neogenen  Ablagerungen  Galiziens  nehmen  mit  den  ohnehin 
nur  mehr  spärlich  nachzuweisenden  Congerienschichten  ihr  Ende.  Eine 
marine  Bedeckung  des  ausserkarpathischen  und  speciell  des  podolischen 
Gebietes  hat  seit  der  sarmatischen  Zeit  nicht  mehr  und  selbst  während 
letzterer  nur  mehr  unvollständig-  stattg-efunden. 

Es  muss  also,  wie  ich  bereits  in  meiner  Arbeit  über  die  Gegend 
von  Lemberg  (vergl,  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1882,  pag.  99) 
betonte,  schon  vor  der  Glacialzeit,  das  heisst  jedenfalls  bald  nach  dem 
Rückzug-  der  miocänen  Wasserhedeckung,  „die  Modellirung  der  Ober- 
fläche des  galizisch-podolischen  Hügellandes  durch  die  Atmosphärilien 
u.  s.  w.  begonnen  haben".  Die  Flüsse  haben  demnach  schon  in  der 
jüngsten  Tertiärzeit  Raum  zur  Entwicklung  gefunden  und  wer  vermöchte 
in  Ermangelung  von  paläontolog-ischen  Belegen  (wie  beispielsweise  von 
bezeichnenden  Säugethierfunden)  sicher  zu  verneinen,  dass  manche 
Schotter,  die  aus  der  ersten  Zeit  der  Thätigkeit  jener  Flüsse  stammen, 
bereits  pliocänen  Alters  sind! 

Ob  der  Schotter  von  Bukowna  nun  pliocän  oder  altdiluvial  ist, 
mag  uns  übrigens  hier  gleichviel  gelten.  Sein  Auftreten  kann  uns  nicht 
mehr  wunderbar  vorkommen ,  wenn  wir  uns  davon  überzeugt  haben, 
dass  er  nicht  erst  nach  dem  Absatz  des  Löss  an  Ort  und  Stelle  gelangt 
ist.  Wir  können  dann  sogar  der  (übrigens  leider  nicht  specificirten)  An- 
gabe Dunikowski's  Vertrauen  schenken,  dass  auch  an  dem  linken 
(von  den  Karpathen  abgewendeten)  Ufer  des  Dniestr  stellenweise  wie 
gegen  die  Strypa  und  den  Sereth  zu  noch  karpathischer  Schotter  auf- 
tritt. Der  P'luss  hatte  eben,  bevor  er  sich  so  tief  wie  heute  in  die  podo- 
lische  Schichtplatte  eingesägt  hatte,  mehr  Spielraum  für  seinen  Lauf 
und  konnte  sich  anfänglich  wohl  hie  und  da  auch  nördlich  der  heutigen 
Flussrinne  bewegen. 

Das  Einzige,  was  mir  bei  dem  Schotter  von  Bukowna  merkwürdig 
vorgekommen  ist,  war  die  im  Verhältniss  zur  Entfernung  des  Fundortes 
von  den  Karpathen  ziemlich  bedeutende  Grösse  der  einzelnen  Geschiebe» 
Der  nächste  aus  den  Karpathen  kommende  Nebenfluss  des  Dniestr  ober- 
halb Bukowna  ist  die  Bystryca.  Ein  Vergleich  mit  den  heutigen  Ge- 
schieben dieses  letzteren  Flusses  unterhalb  Stanislau,  etwa  bei  Jezupol, 
dürfte  für  das  weitere  Studium  dieser  Frage  empfehlenswerth  sein. 


[57]  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizifen.  p,7 

T.  Beobachtungen  in  der  Gegend  von  Polana. 

Der  Ort  Polana,  dessen  Um^ehiinü"  ich  im  Sommer  IS87  unter  der 
überaus  liebenswürdigen  Führung-  seines  Besitzers,  Herrn  Grafen  Bulo  w, 
besuchte,  liegt  zwischen  Ustrzyki  und  Lutowiska  an  einem  Zuflüsse  des 
San.  welcher  Zuflnss  den  Namen  Czarna  reka  führt.  In  denselben  mündet 
bei  l'olana  der  Gluchy  potok.  Dieser  letztere  Bach  und  die  Gzarnareka 
unterhalb  l'olana  fliessen  in  einerDepression,  welche  ungefähr  die  Richtung 
eines  nach  Nordwest  verlaufenden  Längsthaies  hat  zwischen  zwei  höher 
ansteigenden  Bergzügen,  von  denen  der  nördliche  seine  höchste  Erhebung 
im  langgestreckten  Ostre  (nördlich  von  Skorodne)  besitzt,  während  der 
südliche  Bergzug  den  Namen  Odryt  führt.  Der  ('zarnabach  aber  bildet 
vor  seiner  Vereinigung  mit  dem  Gluchy  potok  ein  Querthal ,  welches, 
von  Norden  kommend,  den  Zug  des  Ostre  in  der  Gegend  des  Dorfes 
Rosolin  durchschneidet. 

Bei  Polana  selbst  stehen  in  den  genannten  beiden  Bächen  allent- 
halben plattige  Sandsteine  an,  welche  grosse  Aehnlichkeit  mit  den 
Schichten  von  Krosno  besitzen,  welche  ich  in  meinen  letzten  Beiträgen 
zur  Geologie  von  Galizien  (4.  Folge,  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsaustalt, 
1889)  genau  beschrieben  habe.  Hier  wie  in  der  Gegend  von  Krosno  giebt 
die  (in  diesem  Fall  bereits  vor  einer  Reihe  von  Jahren  aufgenommene) 
geologische  Karte  das  Vorkommen  oberer  Hieroglyplienschichten  an  und 
hier  wie  dort  haben  die  thatsächlich  anstehenden  Schichten  mit  typischen 
oberen  Hieroglyphenschichten  nicht  die  geringste  Aehnlichkeit.  Diese 
plattigen  Sandsteine  verfolgt  man  allenthalben  den  Bach  abwärts  bis  zum 
Dorfe  Chrewt,  wo  die  Einmündung  der  Czarna  in  den  San  stattfindet. 

Geht  man  nun  von  Polana  den  Czarna  potok  nördlich  aufwärts, 
um  den  Durchbruch  des  Baches  durch  die  Kette  des  Ostre  zu  besichtigen, 
so  trifft  man  bei  der  ersten  Krümmung  des  Baches,  dort  wo  auf  der 
Generalstabskarte  die  Höhenangabe  von  447  Meter  steht,  einen  etwas 
dicker  geschichteten  Sandstein,  der  bei  steiler  Stellung  etwas  nach  Nord- 
ost geneigt  ist  und  gleich  dahinter  dort,  wo  der  Bach  eine  kurze  Strecke 
lang  ostwestlich  verläuft,  Menilitschiefer.  Weiter  bachaufuärts  sieht 
man  wieder  Sandsteine,  welche  theilweise  die  Neigung  zur  Ausschei- 
dung von  concretionären  Sandsteinkugeln  aufweisen,  während  bei  Rosolin 
abermals  Schiefer  über  das  Thal  zu  streichen  scheinen. 

Man  erreicht  so  den  Bergvorsprung,  an  dessen  Fusse  die  für  die 
Thalsohle  berechnete  Höhenangabe  von  480  Meter  auf  der  General- 
stabskarte angebracht  ist.  Hier  steht  abermals  ein  massiger  Sandstein 
an,  der  bei  einiger  Neigung  zur  Ausscheidung  von  Sandsteinkugeln  im 
Einzelnen  keine  deutliche  Schichtung  zeigt,  während  sich  bei  Betrachtung 
der  Verhältnisse  im  Grossen  ergiebt,  dass  man  eine  vertical  gestellte  Ab- 
lagerung vor  sich  hat.  Derselbe  Sandstein  bildet  grosse  Felsen,  die  an 
das  Flussbett  knapp  herantreten.  Unten  bemerkt  man  hier  auf  der  west- 
lichen Thalseite  eine  Höhle  in  diesen  Felsmassen  und  vielfache  Corro- 
sionserscheinungen.  An  einer  Stelle  kommen  auch  Einschlüsse  von  Nulli- 
poren  darin  vor.  Gleich  dahinter  kommen  wieder  steil  gestellte  Schiefer, 
die  Aehnlichkeit  mit  Menilitschiefern  besitzen.  Mit  den  vorgenannten 
Sandsteinen  sind  wir  hier  schon  in  den  Theil  des  Durchschnitts  einge- 
treten, welcher  das  höher  ansteigende  Gebirge  durchquert. 


6g  Dr.  Emil  Tietxe.  [ftg] 

Ehe  man  nun  diesen  Theil  des  DniThschnitts  verlässt,  trifft  man 
nochmals  anf  zwei  dit'kbankiiic  Sandstcin/iig-e ,  welche  über  den  Fluss 
streichen.  Zwischen  denselben  stellen  sich  Schiefer  ein,  welche  stellen- 
weise, wenn  auch  eben  nicht  dnrch^ehends  Hieroglyphen  auf  den  Sand- 
steinzAvischenlag-en  fuhren,  und  welche  theils  ans  Strzolka  ähnlichen 
Lagen ,  theils  ans  dnnkelgranen  ,  thonigen ,  nicht  blätterigen  Schiefern 
bestehen.  Hinter  dem  letzten  jener  Sandsteinzüge  treten  bei  einer  nun- 
mehr folgenden  Stromschnelle  wieder  Schiefer  mit  Hieroglyphensand- 
steinen auf".  Weiter  als  bis  hierher,  das  heisst  bis  ungefähr  zu  der 
Mühle,  welche  sich  südlich  der  westliclien  Kirche  von  Czarna  befindet, 
habe  ich  diesen  Durchschnitt  nicht  mehr  im  Zusammenhange  verfolgt. 
Ich  vermag  deshalb  auch  nicht  anzugel)en,  was  für  Bildungen  etwa 
zwischen  den  genannten  Hieroglyphensandsteinen  und  den  grauen 
plattigen  Sandsteinen  anstehen ,  welche  man  dann  später  bei  Czarna 
selbst  zu  Gesieht  bekommt,  wohin  ich  von  einer  anderen  Seite  aus  gelangte. 

Weniger  deutliche  l^eobachtungen  als  längs  des  Czarnabaches 
lassen  sich  etwas  östlich  davon  anstellen,  wenn  man  ungefähr  bei  der 
nächsten  Schlucht,  welche  von  Norden  her  in  den  Gluchy  potok  mündet, 
gegen  den  Kamm  des  Ostre  zu  aufsteigt,  etwa  in  der  Richtung  gegen 
den  Höhen])unkt  675  der  Generalstabskarte.  Zuerst  sieht  man  plattige 
Sandsteine.  Dieselben  bilden  orographisch  annähernd  deutlich  markirte 
Kuppen,  welche  der  Kuppe  entsprechen,  an  welcher  wir  beim  H()hen- 
punkt  447  die  etwas  dicker  geschiciiteten  Sandsteine  vor  den  ersten 
Menilitschiefcrn  angetroffen  hatten.  Ich  habe  den  Eindruck,  dass  diese 
gleichfalls  nordöstlich  fallenden  Ränke  noch  zu  den  Krosnoschichten  ge- 
hören, welche  wir  im  Thale  von  Polana  kennen  lernten.  Es  kommt  ja 
auch  anderwärts  vor,  dass  sich  in  diesem  Schichtensystem  einzelne 
stärkere  Sandsteinpartien  unterscheiden  lassen,  welche  dann  auch  auf 
das  Relief  der  Gegend  einigen  Einfluss  ausüben  können. 

Die  weiteren  Glieder  des  vorher  beschriebenen  Durchschnitts  fand 
ich  nun  hier  weniger  sicher  angedeutet,  was  damit  zusammenhängen 
kann,  dass  die  Rerggehänge,  an  welchen  wir  nunmehr  hinaufsteigen, 
nicht  so  gute  Aufschlüsse  bieten  wie  der  Gzarnabach.  Jedenfalls  trifft 
man  nach  einiger  Zeit  einen  steil  aufgerichteten  Sandstein  mit  kuge- 
ligen Concretionen  ,  der  gegen  Rosolin  hinüberzieht,  dahinter  tauchen 
dann  in  Stunde  0  streichende,  steil  südwestlich  fallende,  dunkle,  thonige 
Schiefer  mit  Kalkspathadern  auf. 

Dieselben  sind  zum  Theil  von  Verwitterungslehm  bedeckt  und  kann 
man  im  Rereich  des  letzteren  die  eigenthümliche  Erscheinung-  beob- 
achten ,  welche  man  in  Lössgebieten  mit  dem  Namen  Lössbrunnen  zu 
bezeichnen  pflegt. 

Der  Kamm  des  Ostreberges  erweist  sich  nun,  rein  orographisch 
gesprochen  und  von  den  Entwässerungs-  und  Wasserscheidenverhält- 
nissen ganz  abgesehen,  als  ein  doppelter.  Der  südliche,  gegen  Polana 
zugewendete  Theil  dieses  Kammes  ist  allerdings  durch  Erosionsfurchen 
unterbrochen,  während  die  nöidliche  Kammhöhe  als  eigentliche  Wasser- 
scheide figurirt.  Trotzdem  ist  das  Verhältniss  besonders  stellenweise  ein 
ganz  eclatantes,  dass  nJimlich  hier  nahe  bei  einander  zwei  im  Allge- 
meinen gleichwerthige  Kammlinien  bestehen,  zwischen  welchen  auf  der 
Höhe  sich  eine  lang  gezogene  Depression  befindet. 


[511 1  Beiträpe  zur  Geologie  von  Galizien.  (5<J 

Diese  Depression  niaelit  an  sich  betniclitet  den  Kindrnck.  mit  einem 
Sattelant'briielt  zusammen  zu  liäni;en.  Die  Krhel)un<;en  beiderseits  der- 
selben, die  beiden  Kämme  bestellen  aus  Sandstein,  während  dazwischen 
schieferige  Bilduni;en  zu  herrschen  scheinen. 

Zwischen  dem  Czarnathal  und  der  Gegend  des  gleich  zu  erwäh- 
nenden Oelbcrgbaues  von  Polana  sind  es  vornehmlich  zwei  grössere 
Schluchten,  welche  vom  Ostrekannn  herab  die  Richtung  gegen  den  Gluehy 
potok  zu  nehmen  und  indem  sie  in  jener  Depression  des  Kammes  ihren 
Ursprung  nehmen,  die  südliche  Kannniiält'te  durchbrechen  und  in  ge- 
trennte Abschnitte  zerlegen.  Dabei  zeigt  sich  in  den  Diluviallehmen  der 
genannten  Depression  abermals  das  IMiänomen ,  welches  mit  der  Er- 
scheinung der  Lössbrunncn  zu  vergleichen  ist.  Die  Anfänge  der 
Bächlein,  welche  nach  jenen  Schluchten  zustreben,  verschwinden  stellen- 
weise in  Löchern  oder  treten  dann  wieder  als  mächtigere  Quellen,  denen 
man  einen  etwas  längeren  unterirdischen  Lauf  ansieht,  aus  einem  in 
den  Lehm  gehöhlten  Corridor  plötzlich  hervor.  Es  ist  das  gleichsam  im 
Kleinen  eine  Art  von  Karsterscheinungen,  auf  welche  ich  die  Aufmerk- 
samkeit lenken  möchte .  da  solche  Erscheinungen  doch  eigentlich  in 
unserer  karpathischen  Sandsteinzone  ziendich  selten  sind  und  nur  hie 
und  da  vorkommen. M 

Es  wurde  soeben  gesagt,  dass  die  Depression,  welche  den  Kamm 
des  Ostre  der  Länge  nach  halbirt,  den  Eindruck  eines  Sattelaufbruchs 
mache.  Dem  gegenüber  bin  ich  allerdings  verpflichtet,  eine  Beobachtung 
hervorzuheben,  uelche  diesem  Eindruck  zu  widersprechen  scheint.  Die 
Schluchten  nämlich ,  welche  von  jener  Depression  ausgehend  die  süd- 
liche Kammhälfte  in  einzelne  Kuppen  zerlegen,  haben  bei  diesem  Durch- 
bruch ziemlich  gute  Aufschlüsse  bewerkstelligt.  Diese  Aufschlüsse  aber 
lassen  erkennen,  dass  die  erwähnten  Kuppen,  welche  dem  ersten  ober- 
flächlichen Eindruck  zu  Folge  die  Südflanke  eines  Sattelaufbruchs  zu 
bilden  scheinen,  für  sich  allein  schon  einen  Schichtensattel  repräsentiren, 
in  dessen  Mitte  Schiefer  zum  Vorschein  kommen ,  welche  beiderseits 
von  Sandsteinbünken  überlagert  werden.  Das  Fallen  der  letzteren  beider- 
seits der  Schiefer  ist  evident,  trotz  der  Steilheit  der  Schichtenstellung, 
als  ein  entgegengesetztes  zu  erkennen ,  w^ährend  sie  sich  nach  oben, 
das  ist  gegen  die  Höhe  der  Kuppen  zu  über  dem  Schiefer  zu  vereinigen 
scheinen.  In  der  östlicheren  der  erwähnten  Schluchten,  welche  unmittel- 
bar westlich  von  dem  Höhenpunkt  731  Meter  der  Karte  herabkommt, 
sind  die  Schiefer  an  der  Basis  des  Sandsteines  deutlicher  entblösst  und 
zeigen  dort  selbst  ein  sattelförmiges  Fallen.  Der  Sandstein  im  Norden 
dieser  Schiefer  veranlasst  in  der  letztgenannten  Schlucht  einen  kleinen 
Wasserfall.  Dort  stehen  die  Sandsteinbänke  allerdings  vertical,  aber  ein 
wenig  weiter  oberhalb  des  Wasserfalles  ist  das  Fallen  des  Sandsteines 
als  ein  steil  nordöstliches  zu  erkennen. 

Wie  sich  die  Nordflanke  des  Sandsteinkammes  des  Ostre  verhält, 
ob  sie  ebenfalls  einem  besonderen,  nach  oben  geschlossenen  Sattel  ent- 
spricht, vermag  ich  leider  nicht  anzugeben.  Ich  möchte  deshalb  aber 
noch  immer  nicht  die  auf  der  Höhe  des  Ostrezuges  zwischen  den  beiden 

*)  Sehr  deutlich  beobachtete  ich  ähnliche  Verhältnisse  auf  der  ungarischen  Seite 
der  Sandsteinzone  im  Bereich  der  Diluviallebme  von  Luh,  nördlich  Unghvar,  und  zwar 
auf  der  westlichen  Flanke  des  Unghflusses. 


70  Dr.  Erail  Tietze.  [60] 

Sandsteinkänimen  auftretenden  Gebilde  für  eine  Mnldenansfiillung-  halten 
und  auch  noch  keinesfalls  die  Vernuithunii-  zurückweisen ,  dass  die 
Schiefer  der  oft  i;enannten  Kannndepression  nicht  doch  mit  den  Schietern 
an  der  liasis  des  oben  geschilderten  Sattels  identisch  seien,  denen  sie 
doch  sehr  ähnlich  sehen.  In  diesem  Falle  würde  man  nur  vorauszu- 
setzen haben ,  dass  die  Sandsteinbänke ,  welche  das  Hang-ende  der 
Schiefer  bilden,  eine  Einfaltung  in  die  Schiefer  erfahren  haben,  und 
dass  eine  Wiederholung-  steil  gestellter  Falten  hier  in  kurzen  Distanzen 
stattfindet.  Mit  dieser  Anscliauung  stimmt  auch  der  Umstand  überein, 
dass  nördlich,  bezüglich  nordöstlich  von  der  731  Meter  hohen,  der  süd- 
liclien  Kammhälfte  angehörigen  Kuppe  eine  Unterbrechung  oder  viel- 
mehr Abschwächung  der  Kammdepression  eintritt  und  eine  auch  hypso- 
metrisch zum  Ausdruck  gelangende  Verbindung  der  Sandsteine  beider 
Kamndiälften  stattfindet,  welche  die  Schiefer  dieser  Depression  überwölbt. 

Gehen  wir  nunmehr  noch  etwas  weiter  östlich  zu  den  Oelboh- 
rungen  von  Polana,  welche  sich  ziemlich  genau  nördlich  von  der  Kirche 
von  Skorodne  und  ungefähr  südlich  von  derjenigen  Kuppe  des  Ostre- 
kammes  befinden,  für  welche  die  Karte  die  Höhe  686  Meter  angiebt,  so 
gelingt  es  dort  schon  viel  schwerer,  deutliche  und  zusammenhängende  Be- 
obachtungen zu  machen.  Soviel  aber  steht  fest,  dass  die  ergiebig-sten 
Oelbohrungen  sich  daselbst  im  Bereich  von  dickschichtigeren  thonigen 
Schiefern  mit  Sandsteinzwischenlagen  befanden,  welche  beiderseits  wieder 
von  massiger  geschichteten  Sandsteinen  flankirt  werden.  Wir  haben  in 
jener  Gegend  einen  Sattel  vor  uns,  ähnlich  dem  oben  beschriebenen. 
Von  Interesse  erscheint ,  dass  der  flankirende  Sandstein ,  den  man  bei- 
spielsweise am  südlichen  Waldrande  des  Gebirges  aufgeschlossen  findet, 
gerade  in  der  Gegend  der  Oelgruben  einer  Knickung  des  Streichens 
oder  sogar  einer  Horizontalverschiebung  unterworfen  erscheint,  in  Folge 
deren  die  einzelnen  Stellen  seines  Auftretens  sich  nicht  der  Streichungs- 
linie gemäss  in  gegenseitiger  Verlängerung  ihrer  jeweiligen  Erstreckung 
befinden.  Ich  habe  auf  diesen  mit  der  Ergiebigkeit  des  Oelzuflusses  augen- 
scheinlich in  einem  gewissen  Zusammenhange  stehenden  Umstand  schon 
an  einer  anderen  Stelle  einmal  kurz  hingewiesen.  (Siehe  die  vierte  Folge 
dieser  Beiträge,  Jahrb.  g-eol.  R.-A.,  1889,  pag.  307,  in  der  Anmerkung.) 

Was  nun  die  Deutung  der  hier  besprochenen  Bildungen  anlangt, 
so  ist  dieselbe  nicht  durchgängig  leicht,  da  die  tektonischen  Verhält- 
nisse in  einigen  Punkten  noch  der  Aufklärung  bedürfen.  Soviel  scheint 
aber  festzustehen,  dass  von  einer  Vertretung  der  sogenannten  „mittleren 
Grup|)e''  der  Karpathensandsteine  am  Ostre  nicht  mit  Sicherheit  ge- 
sprochen werden  darf.  Die  massigen  Sandsteine,  deren  wiederholtes 
Auftreten  wir  kennen  lernten,  weisen  vielfach  Eigenschaften  auf,  durch 
welche  sie  sich  an  den  oligocänen  Ciezkowicer  Sandstein  anschliessen. 
In  Hinsicht  auf  diesen  Umstand  liegt  es  nahe,  in  den  thonigen  Schiefern, 
welche  zwischen  jenen  Sandsteinzügen  vorkommen ,  und  welche  das 
Liegende  derselben  zu  bilden  scheinen,  was  in  einem  Falle  (bei  dem 
Sattel  auf  der  Südseite  des  Ostrekammes")  auch  thatsächlich  erweisbar 
ist ,  ein  Aequivalent  der  oberen  Hieroglyphcnschichten  zu  vermuthen. 
Allerdings  wird  diese  Vermuthung  durch  die  petrographischc  Beschaffen- 
heit der  betreffenden  Gesteine  nicht  eben  unbedingt,  das  heisst  nicht 
durchwegs    unterstützt,    wenn    auch    die    bunten    S(;hiefer,    welche  H. 


[61]  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien.  -7  1 

W  alte  r  am  Ostro,  an  der  Strasse  gegen  Lutowiska  zu  antraf,  /ienilich 
gut  iu  den  Kalinien  der  oberen  Hicroglyplienseliieliten  liineini)a.ssen. 

Wurden  indessen  jene  massigen  Saudsteine  dem  Janinasandstein 
der  mittleren  (iruppe  entspreelicn ,  so  müsste  man  in  den  bezeichneten 
Scliieteru  ein  Aequivalont  der  Kopiankascliioliten  voraussetzen,  womit 
die  petrograpliisclie  BescliatTtenheit  der  Seliiel'er  noch  weniger  in  deut- 
lichem Einklang  stünde.  In  der  Tliat  haben  auch  die  bisherigen  Beob- 
achter (vcrgl.  Paul,  Jahrb.  d.  geol.  Reichsanstalt.  1881,  pag.  150  und 
Walter,  ibidem  1880,  pag.  644)  die  Schiefer  auf  der  Höhe  des  Ostre, 
denen  die  Oclfiihnmg  daselbst  untergeordnet  ist,  als  alttertiär  aufgefasst. 

Im  L'ebrigen  freilich  kann  ich  mich  mit  der  Auflassung,  welche 
die  Genannten  von  den  Verhältnissen  bei  Polana  besitzen,  nicht  be- 
freunden. Das  Kartenblatt  Ustrzyki  der  Generalstabskarte,  auf  welchem 
auch  die  l'mgebung  von  Polana  zur  Darstellung  gebracht  ist,  und  welches 
von  H.Walter  unter  theilweiser  Mitwirkung  von  Paul  geologisch  auf- 
genommen wurde,  stellt  die  Sachlage  in  einer  dem  beobachtbaren  Tliat- 
bestand  durchaus  nicht  entsprechenden  Weise  dar.  Die  Bergzüge  Ostre 
und  Odryt  zu  beiden  Seiten  des  Thals  von  Chrewt,  Polana  und  Skorodne 
werden  daselbst  als  geschlossene,  breitere  Züge  von  mittlerem  Kar- 
pathensandstein  (jüngere  Kreide)  bezeichnet,  welchen  sich  gegen  das 
Thal  zu  obere  Hierogly])henschichten  anschmiegen,  in  deren  Mitte  gleich- 
sam als  jüngstes  Glied  der  dadurch  bezeichneten  Mulde  ein  Zug  von 
Menilitschiefern  hindurchgeht.  Das  ist  auch  die  Anschauung,  welche 
Paul  in  seiner  Protilzeiclmung  (auf  der  oben  bezeichneten  Seite)  zum 
Ausdruck  gebracht  hat,  nach  welcher  Zeichnung  die  Naphthagruben 
von  Polana  sich  am  Rande  der  Mulde  befinden  würden.  So  einfach  ist 
aber,  wie  wir  gesehen  haben,  die  Sache  nun  eben  nicht. 

Der  vielfach  wiederholte  Wechsel  von  Schichtencomplexen ,  den 
man  in  dieser  Gegend  beobachten  kann ,  scheint  den  genannten  Beob- 
achtern nicht  genügend  aufgefallen  zu  sein ,  vor  Allem  jedoch  wurde 
der  Umstand  übersehen,  dass  im  Bereiche  des  Ostre  selbst  ein  solcher 
Wechsel  stattfindet,  und  dass  die  Naphthagruben  von  Polana  sich  nicht 
einfach  am  Südrande  des  massigen  Sandsteines  des  Ostre  befinden, 
sondern  dass  ihnen  südwärts  noch  eine  ähnliche  Sandsteinentwicklung 
vorliegt.  Die  rasche  Art,  in  welcher  die  Durchführung  unserer  Aufnahmen 
für  Galizien  gewünscht  wurde,  scheint  die  Ermittlung  der  speciellen  Ver- 
hältnisse in  diesem  Gebiet  beeinträchtigt  zu  haben. 

D'iese  Verhältnisse  sind  aber  in  derThat  so  überaus  schwierig  und  er- 
fordern zu  ihrer  Lösung  eine  so  zeitraubende,  eingehende  Begehung  der 
kleinsten  Terrainabschnitte,  dass  man  die  Missgritfe  der  genannten 
Autoren  durchaus  entschuldbar  finden  kann.  Bin  ich  doch  selbst  bei 
einigen,  allerdings  durch  ungünstiges  Wetter  beeinträchtigten  Excur- 
sionen  hier  nicht  viel  weiter  gelangt,  als  zur  Constatirung  jener  Miss- 
griffe und  zur  Feststellung  einer  Anzahl  von  Einzelheiten,  welche  noch 
der  weiteren  Verbindung  und  Ergänzung  bedürfen,  die  ich  aber  mit- 
theilte, weil  sie  künftigen  Untersuchungen  als  Anhaltspunkt  dienen  können 
und  weil  die  bisherigen  Angaben  über  Polana  viel  zu  allgemein  und  zu 
knapp  gehalten  sind,  um  zu  unmittelbarer  Verwendung  geeignet  zu  sein. 

Anschliessend  an  das  Vorige  kann  ich  noch  hinzufügen,  dass  mir 
auch  am  Odryt  südlich  von  Polana  von  einer  sicheren  Vertretung  des 
ostgalizischen  Jamnasandsteines  nichts  bekannt  geworden  ist. 


72  Dr.  Emil  Tietze.  [62] 

Die  westliclie  Verläng-eiiing  des  Odrytzuges  wird  vom  Sanflusse 
oberhalb  des  Dorfes  Rajskie  durcbsohnitten.  Bei  diesem  Dorfe  beob- 
achtet man  einen  Wechsel  von  Schiefern  und  Sandsteinen,  welche  ausser- 
ordentlich gestört  sind.  Z.  B.  sieht  man  am  linken  Ufer  des  San  ober- 
halb des  Meierhofes  dort ,  wo  der  kleine  von  Stawkowczyk  kommende 
Bach  mündet,  südwestlich  fallende  Sandsteine  auf  der  Nordseite  dieser 
Mündung.  Auf  der  Südseite  der  letzteren  trifft  man  bereits  meridional 
streichende  und  westlich  fallende  Schiefer  mit  eingelagerten  Sandstein- 
bänken, welche  mit  diesem  abweichenden  Streichen  an  die  vorgenannten 
Sandsteine  direct  anzustossen  scheinen,  so  dass  hier  eine  Verwerfimg 
vorliegt.  Weiter  bachaufwärts  kommt  bis  in  die  Nähe  des  höher  an- 
steigenden Gebirges  eine  Schiefereutwicklung  von  petrographisch  nicht 
sehr  bestimmtem  Charakter.  Doch  sehen  einzelne  dünnere  Lagen  den  Menilit- 
schiefern  ähnlich.  Diese  Schiefer  sind  vielfach  gebogen  und  geknickt. 
Namentlich  wechseltauch  das  Streichen  hier  auf  ungemein  kurze  Distanzen. 
Die  Stunden  8,  9,  IOV25  j^  beinahe  auch  Stunde  12  kommen  vor.  Das 
dauert  bis  zu  der  Gegend,  in  welcher  sich  die  Oelbohrungen  von  Rajskie 
befinden.  Dieselben  liegen  ausgesprochen  in  der  Nähe  einer  mit  jenem 
Streichungswechsel  zusammenhängenden  Horizontalverschiebung. 

Südlich  dahinter  steigt  das  nunmehr  bewaldete  Gebirge  höher  an 
und  zeigt  sich  aus  einer  Sandsteinentwickelung  von  theilweise  massiger 
Schichtung  zusammengesetzt.  Abgesehen  von  dieser  nördlichsten  Partie 
haben  diese  Bänke  südwestliches  Fallen.  Hat  man  das  höhere  Gebirge 
passirt,  so  kommt  man  an  einen  aus  der  Gegend  von  Studennc  konmien- 
den  kleinen  Bach,  wo  zwar  noch  immer  Sandsteinbänke  von  theilweise 
recht  erheblicher  Mächtigkeit  anstehen,  wo  sich  indessen  zwischen  diese 
Sandsteine  Schiefer  einschalten ,  welche  ziemlich  deutlich  den  Habitus 
von  Menilitschiefern  besitzen,  welchen  Schi('litencom])lex  ich  nach  dieser 
Seite  zu  i)is  zu  dem  (istlich  von  Studenue  am  Wege  gelegenen  Wirths- 
bause  verfolgte.  Diese  Schichten  fallen  hier  noch  immer  südwestlich,  aber 
viel  tlachcr  als  in  der  vorher  durchkreuzten  Hauptsandsteinentwicklung. 

Es  scheint  mir  nun  allerdings  keinem  Zweifel  zu  unterliegen,  dass 
diese  letztere  in  dem  beschriebenen  Durchschnitt  als  das  tiefste  der 
daselbst  angetroffenen  Gesteinsglieder  anzusehen  ist,  insofern  wir  hier 
einen  schiefen  Sattel  vor  uns  haben  dürften,  in  dessen  Mitte  die  massigen 
Sandsteine  vorkommen,  wie  das  auch  H.  Walter  (I.e.  pag.  (345)  ge- 
meint haben  dürfte;  es  ist  auch  schliesslich  nicht  abzustreiten,  dass  ge- 
rade hier  (mehr  als  bei  den  massigen  Sandsteinen  des  Ostre)  eine  ge- 
wisse petrographische  Aehnlichkeit  der  betreffenden  Sandsteine  mit  dem 
Jamnasandstein  Ostgaliziens  besteht,  allein  die  eigenthümliche  Ver- 
quickung der  betreffenden  Bänke  mit  Menilitschiefern,  welche  nach  dem 
Hangenden  zu  stattfindet,  spricht  nicht  dafür,  dass  hier  der  der  Kreide 
zugerechnete  und  jedenfalls  unter  den  oberen  Hieroglyphenschichten 
liegende  Jamnasandstein  ein  stratigrai)his(;hes  Aeqnivalent  besitzt. 

Unsere  karpathisclien  Aufnahmen  haben  sehr  viel  schätzbares 
Material  geliefert.  Dass  aljcr  eine  Revision  dieses  Materials  erwünscht 
ist,  glaube  ich  jetzt  wieder  gezeigt  zu  haben.  Dass  ferner  einer  der- 
artigen Revision  bisweilen  mehr  Zeit  zur  Verfügung  gestellt  werden  müsste, 
als  den  ursprünglichen  Aufnahmen  ist  unschwer  einzusehen. 


Chemische  Analyse  der  „Friedrichsquelle"  von 
Zeidelweid  bei  Sandau  in  Böhmen. 


Von  V.  V.  Jolin. 


Auf  Verlangen  des  Herrn  Dr.  Robert  Reich  1  in  Eger,  Badearztes 
in  Marienbad ,  Avurde  von  mir  eine  chemische  Untersuchung-  des  von 
ihm  neu  gefassten  Säuerlings  von  Zeidelweid ,  den  er  mit  dem  Namen 
Friedrichsquelle  belegte,  vorgenommen. 

Zu  diesem  Zwecke  fuhr  ich  nach  Sandau,  wo  ich  mich  behufs 
Beobachtung  der  Quelle  und  der  commissionellen  Entnahme  des  Wassers 
mehrere  Tage  aufhielt. 

Die  Entnahme  des  Hauptcjuantums  des  Wassers  der  Quelle  für 
die  eigentliche  chemische  Untersuchung  erfolgte  am  28.  Juni  1890  im 
Beisein  des  Herrn  k.  k.  Bezirkssecretärs  Johann  N  er  her,  des  Herrn 
k.  k.  Bezirksarztes  Dr.  Eduard  Q  u  i  r  s  f  e  1  d ,  sowie  der  Herren  Dr.  Robert 
Reichl  und  Siegfried  Reichl. 

Die  Feststellung-  der  Temperatur,  die  Kohlensäurebestimmung, 
sowie  die  Messung  des  pro  Minute  von  der  Quelle  gelieferten  Wasser- 
quantums wurde  an  drei  hinter  einander  folgenden  Tagen,  Vor-  und 
Nachmittags,  vorgenommen,  und  ergab ,  wie  schon  hier  bemerkt  sei, 
immer  übereinstimmende  Resultate.  Bevor  ich  zur  Angabe  der  bei  der 
chemischen  Untersuchung  gefundenen  Daten  schreite,  sei  hier  kurz  die 
Localität,  wo  die  Quelle  auftritt,  beschrieben  und  auch  etwas  über  die 
Geschichte  der  Quelle  mitgetheilt.  Die  auf  die  Geschichte  der  Quelle 
bezugnehmenden  Daten  verdanke  ich  den  Mittheilungen  des  Herrn 
Dr.  Robert  Reichl,  welche  Mittheilungen  mir  von  mehreren  Herren  in 
Sandau  bestätigt  wurden. 

Die  alte  Quelle,  die,  wie  beifolgende  Skizze  zeigt,  nicht  genau  an 
derselben  Stelle  zu  Tage  trat,  wie  die  jetzt  neu  gefasste,  wird  schon 
in  alten  Urkunden  erwähnt  und  ist  aus  denselben  ersichtlich,  dass  die 
Stadt  Sandau  auf  diesen  Sauerbrunnen  insoferne  Anspruch  erhebt,  dass 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  l.  Heft.  (C.  v.  .lohn.)  10 


74 


C.  V.  Johu. 


[21 


seiue  Einwolincr  iineingescliränkt  Wasser  dort  holen  dürfen.  Die  Ge- 
meinde Zeidehveid  widersetzt  sich  jedoch  diesen  Anforderungen  von 
Sandau  und  man  trifft  endlich  nach  langen  Streitigkeiten  das  Ueber- 
einkonmien,  dass  die  Gemeinde  Sandau  für  das  Schöpfen  des  Wassers 
aus  diesem  Brunnen  einen  gewissen  Pachtschilling  zu  zahlen  hätte,  der 
in  jüngst  vergangener  Zeit  in  5  Pfund  Fischen  bestand. 

Doch  wurde  das  llebereinkommen  nicht  genau  eingehalten  und 
so  erstreckten  sich  die  Streitigkeiten  bis  in  die  Gegenwart.  Erst  in 
Folge  der  Gruiidablösung  durch  die  Kaiser  Franz  Josefs-Bahn  im  Jahre 
1870  hörten  sie  auf.  Jedenfalls  ist  daraus  ersichtlich,  dass  diese  Quelle 
schon  seit  langer  Zeit  als  Genussmittel  von  der  Bevölkerung  getrunken 
wurde.  Da  sich  der  Brunnen  in  einer  Thalmulde  befindet  und  ganz  in 
der  Nähe  desselben  tracirt    wurde,    so   war   die  Anlage   eines  Verbin- 


OVc'ui 


l.--et  y-iaMxllo?e|.'?iI».«fp,i, 


cf?"^Utfa  . 


<r 


ÖAtAX 


dungsdammes  nothwendig  und  mussten  zur  Bildung  einer  ruhigen  soliden 
Grundlage  und  Sicherung  desselben  gegen  das  Hochwasser  Piloten  bis 
zur  Tiefe  von  8  Metern  eingeschlagen  werden.  Die  alte  Quelle,  in  der 
Richtung  von  Wien  nach  Eger  auf  der  rechten  Seite  des  Bahndammes 
gelegen,  büsste  in  Folge  dieses  Eingriffes  bald  an  Ergiebigkeit  ein  und 
als  noch  der  Druck  des  schweren  Bahndammkörpers  hinzukam,  ver- 
siegte sie  allmälig  fast  vollständig.  Der  von  Alters  her  in  quadratischer 
Form  in  Granit  gefasste  Bronnen  enthält  zwar  noch  Wasser,  aber  das- 
selbe hat  keinen  angenehmen  Geschmack,  ist  trübe,  enthält  nur  wenig 
Kohlensäure  und  hat  keinen  nennenswerthen  Abfluss.  Das  Wasser  wird 
auch  von  den  Umwohnern  nicht  mehr  getrunken.  Etwas  unterhalb  der 
alten  Quelle  tritt  an  einer  Stelle  in  sehr  geringer  Menge  ebenfalls 
Sauerwasser  zu  Tage ,  aber  auch  von  unangenehmem  Geschmack  und 
geringem  Kohlensäuregehalt. 


[H|  Chemisdie  Analyse  der  „Friedriclisiiuelle"   von  Zeidelweid  etc.  75 

Dio  olterliall),  also  südlich  von  dem  Haliiidainnic  gelo<iene  Tlial- 
niulde  inbibirte  sicli  durch  die  Verstopfung-  des  Abflusses  des  Säuerlin"-« 
immer  mehr  mit  Sauerwasser,  so  dass  dort  nur  mehr  schlechtes  Gras 
wuchs  und  an  vielen  Stellen  sich  der  Rasen  von  dem  lJnter<>runde  ab- 
löste und  beim  Betreten  schwankte.  Der  Besitzer  der  Wiese,  Herr  Bartl 
Sommer,  versuchte  im  Jahre  1884  diesem  Grundwasser  einen  Abfiuss 
zu  verschaffen  und  stiess  eine  ziemlich  dicke  Stange  in  den  Rasen  ein, 
worauf  sich  zuerst  Wasser  in  einem  aufsteigenden  Bogen  ergoss  und 
dann  eine  constante  neue  Quelle  hervorsprudelte.  Es  hatte  also  voller 
13  Jahre  bedurft,  ehe  die  durch  den  Bahndamm  abges])errte  Quelle  im 
Oberlauf  zum  Durchbruch  kam.  Die  neue  Quelle  verfehlte  nicht,  in  der 
Umgebung  viel  Aufsehen  zu  erregen  und  bald  strömten  Leute  von  allen 
Seiten  herbei,  um  von  diesem  Säuerling  Wasser  zu  holen.  Ich  selbst 
überzeugte  mich,  wie  noch  bei  meiner  Anwesenheit  an  der  Quelle,  also 
nach  6  Jahren ,  von  zahlreichen  Leuten  Wasser  geholt  wurde ,  was 
dafür  spricht,  dass  das  Wasser  den  Leuten  schmeckt  und  gerne  ge- 
trunken wird.  Herr  Dr.  Robert  Reichel  erwarb  nun  die  Quelle  mit 
einem  Theil  des  umliegenden  Grundstückes  und  liess  dieselbe  mit  Aus- 
schluss einiger  kleinerer  Quellen,  die  in  der  Nähe  auftraten,  fassen.  Er 
fand  bei  der  Bohrung  folgende  Erdschichten  : 


Humus 005  Meter 

Grauer  glimmerhältiger  Letten     .  0*95      ., 

Moorerde 3-46      „ 

Blauer  glimmerführender  Letten  .  1*35      ,, 

Kiesgerölle 0-79      „ 


.  6-60  Meter. 


Das  Kiesgerölle,  das  vornehmlich  aus  Quarz  und  Schiefer  besteht, 
ist  jedenfalls  noch  1*4  Meter  tief,  da  bei  der  Fassung  ein  Eisenstab 
von  1'4  Meter  Länge  noch  leicht  eingetrieben  werden  konnte,  ohne  auf 
festen  Untergrund  zu  stossen.  Der  feste  Untergrund  ist  aber,  nach  den 
geologischen  Verhältnissen  der  Umgebung  zu  schliessen,  sicher  Glimmer- 
schiefer. 

Die  Quelle  tritt,  wie  die  beigegebene  Skizze  zeigt,  in  einem  kleinen 
Thale  zu  Tage,  das  sich  vom  Tillenberg  über  die  Ortschaft  Zeidelweid 
gegen  Norden  herunterzieht.  Das  Thal  wird  flankirt  im  Osten  von  dem 
Lindenberg,  einem  Ausläufer  des  Tillenberges,  im  Westen  von  einem 
kleinen  Hügel  (sogenannter  Geseier).  Die  Quelle  entspringt  also  im 
Gebiete  des  Glimmerschiefers,  der  sich  vom  Tillenberg  gegen  Sandau 
herunterzieht  und  dort  an  die  Granitmasse  von  Sandau  und  Königswart 
anstösst.  Im  W^esten  steht  sogleich,  schon  am  Abhang  des  Geseier, 
Thonschiefer  an,  so  dass  also  die  Quelle  im  Glimmerschiefer,  aber  hart 
an  der  Grenze  gegen  den  Thonschiefer,  zu  Tage  tritt.  Die  Umgebung 
des  Tillenberges  besitzt  eine  ziemliche  Anzahl  von  Säuerlingen ,  die 
theils  auf  österreichischem,  aber  auch  auf  bayerischem  Gebiet  sich  finden. 
Hier  sei  nur  erwähnt,  dass  ausser  der  neugefassten  Friedrichs((uelle 
noch  oben  im  Ort  Zeidelweid  ein  ziemlich  starker,  aber  stark  nach 
Eisen  schmeckender  Säuerling  auftritt,  dass  ferner  im  Ortsteiche  zu 
Zeidelweid  das  Aufsteigen  von  Kohlensäurebläschen  bemerkbar  ist  und 

1')* 


76  C.  V.  John.  [4] 

dass  endlich  untorhall)  der  Fricdrichsquelle  noch  kleine  Quellen  mit 
deutlielicni  Kohlonsänregchalt  sich  vorfinden.  Die  Friedrichsquelle,  die, 
wie  niehrlaeh  voriienonnnene,  übereinstimmende  Bestinmningen  ergaben, 
etwa  "26  Liter  Wasser  pro  Minute  (pro  Stunde  1560  oder  pro  Tag 
37.440  Liter)  liefert,  ist  also  die  llauptquelle  eines  Säuerlinggebietes, 
das  sich  um  den  Tillenberg  gruppirt  und  wohl  die  Nachwirkungen  ehe- 
maliger vulkanischer  Erscheinungen  darstellt.  Daliir  spricht  auch  das 
Vorkommen  eines  alten  Vulkanes  ^)  auf  dem  Rehberg,  einem  Berg,  der 
mit  dem  Tillenberg  enge  zusammenhängt. 

Die  Temperatur  ist ,  wie  von  den  Umwohnern  der  Quelle  be- 
hauptet wird,  eine  constante.  Von  mir  wurde  dieselbe  mehrmals  an 
drei  auf  einanderfolgenden  Tagen  gemessen  und  constant  zu  8* 7"  C. 
gefunden. 

Die  Quelle  steigt  jetzt  in  einer  schönen ,  runden  Granitfassung 
auf  und  braust  lebhaft  von  aufsteigender  Kohlensäure.  Der  Geschmack 
des  Säuerlings  ist  ein  angenehmer  und  bleibt  das  Wasser  trotz  des 
verhältnissmässig  hohen  Eisengehaltes  lange  klar,  was  sich  durch  den 
sehr  hohen  Kohlensäuregehalt  desselben  erklärt.  Beim  längeren  Stehen 
setzt  es  Eisenoxyd  ab.  In  Flaschen  gefüllt,  bleibt  es,  wie  ich  mich 
selbst  überzeugen  konnte,  sehr  lange  klar,  nur  muss  beim  Füllen  darauf 
gesehen  werden,  dass  kein  bedeutender  Kohlensäure verlust  erfolgt  und 
die  Flaschen  wohl  verschlossen  sind. 

Die  qualitative  Untersuchung  zeigt  das  Vorhandensein  folgender 
Bcstandtheile :  Chlor ,  Schwefelsäure ,  Phosphorsäure ,  Kohlensäure, 
Natrium,  Lithium,  Calcium,  Magnesium,  Aluminium,  Eisen,  Mangan  und 
Spuren  von  Borsäure  und  organischer  Substanz. 

Directe  Proben  auf  Jod ,  Brom ,  Baryt ,  Strontium  und  schwere 
Metalle  ergaben  ein  negatives  Resultat.  Fluor  gab  nur  eine  unbestimmte 
Reaction ,    kann  also  nur  in  verschwindenden  Mengen  vorhanden   sein. 

Bei  der  quantitativen  Bestinmiung  der  einzelnen  Bcstandtheile 
wurden  folgende  Mengen  gefunden: 

Kieselsäure.  L  4004  Gramm  Wasser  gaben  01589  Gramm 
Kieselsäure,  d.  i.  0"3969  Gewichtstheile  Kieselsäure  in  10.000  Gewichts- 
theilen  Wasser. 

IL  4004  Gramm  Wasser  gaben  0*1577  Gramm  Kieselsäure,  ent- 
sprechend 0'3939  Gewichtstheilen  Kieselsäure  in  10.000  Gewichts- 
theilen  Wasser. 

Im  Mittel  also  O'^WA  Gewichtstheile  Kieselsäure  in  10.000  Gewichts- 
theilen Wasser. 

Calciumoxyd.  4004  Gramm  Wasser  gaben  bei  zwei  Bestim- 
mungen 0148  Gramm  und  0*145  Gramm  Calciumoxyd,  im  Mittel 
0-1465  Gramm  Calciumoxyd,  oder  O'^^HfJO  Gewichtstheile  Calciumoxyd 
in  10.000  Gewichtstheilen  Wasser. 

Magnesiumoxyd.  4004  Gramm  Wasser  gaben  bei  zwei  Be- 
stimnmngen     0*4950    Gramm  und    0*4906    Gramm    pyrophosphorsaure 


')  Dr.  August  Km.  Reuss,  Die  geogiiostischen  Verhältnisse  des  Egerer  Bezirkes 
und  des  Ascher  Gebietes  in  Böhmen.  Abhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstanstalt,  185^, 
I   Bd.,   l.  Aljtheil.,  pag.  42  u.  fl". 


[5]  Chemische  Analyse  der  „Frieilrichsquelle"   von  Zeidelweid  etc.  77 

Magnesia,  im  Mittel  also  04928  Gramm  i)yi()i)liosph()rsaurc  Magnesia, 
entsprechend  01792  Gramm  Magnesia  oder  0*4:435  Gevvichtstheilen 
Magnesia  in  10.000  Gevvichtstheilen  Wasser. 

E  i  s  e  n  0  X  y  d  u  1.  4004  Gramm  Wasser  gaben  bei  zwei  Bestim- 
mungen 0-1678  und  0-1698,  im  Mittel  also  01688  Gramm  Eisenoxyd, 
entsprechend  0*3795  Gewichtstbeilen  Eisenoxydul  in  10.000  Gewichts- 
theilen  Wasser, 

Kaliumoxyd  und  Natriumoxyd.  I.  1001  Gramm  Wasser 
gaben  0*1445  Gramm  Chloride  und  0060  Gramm  Kaliumplatinchlorid, 
entsprechend  Ol  158  Gewichtstbeilen  Kaliuraoxyd  in  10000  Gewichts- 
tbeilen Wasser. 

II.  1001  Gramm  Wasser  gaben  0143  Gramm  Chloride  und 
0059  Gramm  Kaliumplatinchlorid,  entsprechend  Ol  139  Gramm  Gewichts- 
tbeilen Kaliumoxyd  in  10.000  Gewichtstbeilen  Wasser. 

Daraus  berechnet  sich  im  Mittel  0*1148  Gewichtstheile  Kalium- 
oxyd und  0*6655  Gewichtstheile  Natriumoxyd  in  10.000  Gewichts- 
tbeilen Wasser. 

Lithiumoxyd.  16.016  Gramm  Wasser  gaben  0-1725  Gramm 
Chloride.  Aus  den  einzelnen  Bestimmungen  ergaben  sich  0-400  Gramm 
Chlorsilber  und  0-0424  Gramm  Kaliumplatinchlorid.  Es  berechnet  sich 
daraus  der  Lithiumgehalt  zu  0*0109  Gewichtstbeilen  in  10.000  Gewichts- 
tbeilen Wasser. 

A 1  u  m  i  n  i  u  m  0  X  y  d.  10.001  Granmi  Wasser  gaben  0*0139  Gramm 
Aluminiumoxyd ,  entsprechend  0*0139  Gewichtstbeilen  Aluminiumoxyd 
in   10.000  Gewichtstbeilen  Wasser. 

Pbospborsäure.  10.001  Gramm  Wasser  gaben  0  0158  Gramm 
phosphor-molybdänsaures  Amnion,  entsprechend  0*0006  Gewichtstbeilen 
Phosphorsäure  in  10  000  Gewichtstbeilen  Wasser. 

Manganoxydul.  10.001  Gramm  Wasser  gaben  0*0134  Gramm 
Mangansulfür ,  entsprechend  0*0109  Gewichtstbeilen  Manganoxydul  in 
10.000  Gewichtstbeilen  Wasser. 

Schwefelsäure.  4004  Gewichtstheile  Wasser  gaben  0267  und 
0-263  Gramm  Baryumsulfat ,  entsprechend  im  Mittel  0  2274  Gewichts- 
tbeilen Schwefelsäure  in  10.000  Gewichtstbeilen  Wasser. 

Chlor.  1752  Gramm  Wasser  gaben  bei  zwei  Bestimmungen  0129 
und  0-130  Gramm  Chlorsilber,  entsprechend  00319  und  00322,  im 
Mittel  also  0'0o205  Gramm  Chlor  oder  in  10.000  Gewichtstbeilen 
Wasser  0*1830  Gewichtstheile  Chlor. 

Bor.  6006  Gramm  Wasser  gaben,  mit  Kali  und  Fluorwasserstoff- 
säure entsprechend  behandelt,  nur  eine  Spur  von  Borfluorkalium. 

F 1  u  0  r.  Die  mit  10  Liter  Wasser  vorgenonmiene  Probe  ergab 
zum  Scbluss  nur  Spuren  von  Fluorcalcium. 

Kohlensäure.  Die  Bestimmungen  wurden  in  50  Cubikcentimcter, 
50-05  Gramm  Wasser  an  der  Quelle  durch  Fällung  mit  ammoniakaliscber 
Chlorbaryumlösung  vorgenommen.  Der  Niederschlag-  brauchte  14-95, 
14-63.  14-82,  14*76,  1480  und  14-57  Kubikcentimeter  einer  Salzsäure- 
lösung, von  welcher  ein  Cubikcentimcter  0*01071  Gramm  Kohlensäure 


78  c-  V.  Johu.  [6] 

entsprach.  Dies  gibt  ein  Mittel  von  31'5744  Gianini  Koliicnsäiire  in 
10.000  Gewichtstheilen  Wasser. 

Sulfat  rückst  and.  940' 1  Gramm  Wasser  gaben  ()44r).'^  Gramm 
Sulfatrückstand ,  entsprechend  4*7389  Gewiciitstheilen  Sultatriickstand 
in  10.000  Gewichtstheilen  Wasser. 

Die  bei  der  ([uantitativen  Analyse  gefundenen  Mittelvverthe  für 
10.000  Gevvichtstheile  Wasser  sind  folgende: 

Chlor 01880 

Schwefelsäure 02274 

Kieselsäure 03954 

Phosphorsäure 0-0006 

Kohlensäure 81-5744 

Kali 01148 

Natron 0-6655 

Lithion 00109 

Kalk 0-3660  ' 

Magnesia    .     .     .- 04435 

Eisenoxydul 03795 

Manganoxydul 0-0109 

Thonerde 00139 

Spuren  von  Borsäure  und  organischer  Substanz. 

Sulfatrückstand,  gefunden  .     .,    .     .     .  4-7389 

„              berechnet      ....  4-8494 

Specitisches  Gewicht 1 -00095 


« 


Die  sau  reu  und  basischen  Bestand  theile  zu  Salzen 

g  r  u  p  p  i  r  t. 

a)   Die  kohlensauren  Salze  als  normale   Garhonate  berechnet. 

In  10.000  Gewichtstheilen  Wasser  sind  enthalten : 

Schwefelsaures  Kalium 02 122 

„            Natrium 0-2309 

Chlornatrium 0-3022 

Kohlensaures  Natrium 0*6903 

„             Lithium 0-0269 

„            Calcium 0"6523 

„             Magnesium 0-9314 

„             Eisenoxydnl 0-6114 

„             Manganoxydul  ....  0-0177 

Phospliorsaures  Calcium 0*0013 

Thonerde 00139 

Kieselsäure 0-3954 

Spuren  von  Borsäure  und  organischer  Substanz. 

Halbgebundcne  Kohlensäure  ....  1-3159 

Freie  Kohlensäure 28-9426 

Summe  der  festen  Bestandtheilc      .     .  40859 


[71  riiemisclie  Analyse  der  ,.Frie(lrichsqnelle"   von  Zoidelwoid  otc.  79 

h)   Die  /iolilmsauren  Salze  als  Bicarbonate  berechnet. 
In  10.000  Gewiditstheilen  Wasser  sind  entbalten: 

Schwefelsaures  Kalium 02122 

Natrium 0-2309 

Chlornatrium 0-3022 

Natriunibicarbonat 0-9766 

Lithiumbicarbonat 0-0429 

Calciumbicarbonat 0-9393 

Magnesiumbicarbonat 1-4193 

Eisenoxvdulbicarbonat 0-8433 

Manganoxydulbicarbonat 0-0245 

Phosphorsaures  Calcium 0*0013 

Thonerde 0-0139 

Kieselsäure 0-3954 

Spuren  von  Borsäure  und  organischer  Substanz. 

Freie  Kohlensäure 28-9426 

Die  aus  der  Quelle  aufsteigenden  Gase  ergaben  bei  ihrer  Unter- 
suchung 99-74  Pro  Cent  Kohlensäure.  Der  Rest  ist  Stickstoff  und 
wahrscheinlich  etwas  Grubengas,  von  deren  Bestinmiung  bei  der  geringen 
Menge  derselben  abgesehen  werden  musste. 

Aus  der  Analyse  des  Wassers  der  „Friedrichsquelle"  von  Zeidel- 
weid  ergibt  sich,  dass  man  diese  Quelle  zu  den  schwach  alkali- 
schen Eisensäuerlingen  rechnen  muss. 

Das  Wasser  ist  verhältnissmässig  arm  an  Carbonaten  der  alkali- 
schen Erden  und  enthält  überhaupt  nur  wenig  feste  Bestandtheile.  Auf- 
fallend ist  der  überaus  hohe  Kohlensäuregehalt,  der  es  ermöglicht,  dass 
das  in  ziemlich  bedeutender  Menge  vorhandene  Eisen  in  Form  von 
Bicarbonat  in  Lösung  bleibt,  ohne  sich  sogleich  an  der  Luft  abzusetzen. 

Aus  der  Umgebung  von  Marienbad,  Königswart  und  Sandau  sind 
viele  Eisensäuerlinge  bekannt,  die  aber  alle  von  dem  Wasser  der 
Friedrichsquelle  in  dem  überaus  hohen  Kohlensäuregehalt  übertroffen 
werden. 

Unter  den,  dem  vorliegenden  Wasser  ähnlichen  Eisensäuerlingen 
der  w^eiteren  Umgebung  Marienbads  wären  besonders  die  von  Sanger- 
berg und  Königswart  zu  nennen. 

Die  Quellen  von  Königswart  z.  B.  enthalten  nach  den  Analysen 
Lerchs  folgende  Mengen  der  wichtigsten  Bestandtheile: 

In  10.000  Gewichtstheilen : 

Victor-     Eleonoren-     Marien-  Neu-  Bade- 


Quelle 

Kohlensaures  Eisenoxvdul  .     0-8542     0-7445     0-4748     0-5230     0-4510 
Kohlensaures  Natron  ."  .  .   .     0-4558     0-4823     0-1970     0-3433     0-6432 

Kohlensaurer  Kalk 3-2833     3-5910     3-68-24     3-6496     2-2798 

Kohlensaure  Magnesia  .  .  .     2-1150     2-6582     1-4708     1-7730     0*9438 
Freie  Kohlensäure 21-9792  19-7680  23-4790  20-7590  102220 


80  ^-  V.  Jolin.  [8] 

Die  Vincenzquelle  vou  Saiigerberg-  enthält  nach  K  letzins  ky  in 
10.000  Gewichtstheilen : 

Kohlensaures  Eisenoxydul 09965 

Kohlensaures  Natron  .......  0'4240 

Schwefelsaures  Natron 0*9201 

Kohlensauren  Kalk 30060 

Kohlensaure  Magnesia 0'4239 

Das  Wasser  der  Friedrichsquelle  ist  also  im  Wesentlichen  den 
angeführten  Wässern  ähnlich,  unterscheidet  sich  aber  zu  seinen  Gunsten 
von  denselben  durch  seinen  hohen  Kohlensäuregehalt  und  durch  die 
geringere  Menge  von  kohlensauren  alkalischen  Erden. 

Da  das  Wasser  einen  guten  Geschmack  besitzt ,  sich  mit  Wein 
ohne  denselben  dunkel  zu  färben  mischen  lässt,  und  wie  die  Erfahrung 
lehrt ,  seit  langer  Zeit  von  den  Bewohnern  der  Umgebung  gerne  ge- 
trunken wird,  so  wird  sich  dieses  Wasser  wohl  als  Genussmittel  empfehlen 
und  wäre  es  für  die  dortige  arme  Gegend  sehr  erwünscht,  wenn  der 
Verbrauch,  respective  Versandt  desselben  einen  bedeutenden  Aufschwung 
nehmen  würde. 


Zur  geologischen  Beurtheilung  der  Trinkwässer 
von  Wrschowitz  bei  Prag. 


Von  Dr.  Friedrich  Katzer. 


Zu  den  Anforderungen  des  öffentlichen  Gesundheitswesens,  auf 
welches  neuerer  Zeit  besonderes  Gewicht  gelegt  wird ,  gehört  in  erster 
Reihe  ein  gutes  reines  T  r  i  n  k  w  a  s  s  e  r  und  die  Beschaffung  eines 
solchen  in  durchaus  hinreichender  Menge  wird  allgemein  als  eine  der 
wichtigsten  Aufgaben  der  Gemeindeverwaltungen  anerkannt.  Leider 
gestatten  es  die  Verhältnisse  nicht,  überall  eine  völlig  befriedigende 
Lösung  dieser  Aufgabe  mit  Wünschenswerther  Raschheit  herbeizuführen. 
In  dieser  Lage  befindet  sich  auch  die  Stadtgemeinde  Wrschowitz, 
welche  bei  verhältnissmässig  beschränkter  Ausbreitung  eine  grosse  Be- 
völkerungsziffer aufweist  und  daher  in  höherem  Maasse  als  andere 
Orte  den  hygienischen  Anforderungen  der  Neuzeit  Rechnung  zu  tragen 
bestrebt  sein  muss,  leider  aber  nicht  im  Stande  ist,  an  die  selbständige 
Lösung  so  kostspieliger  Fragen ,  wie  die  Beschaffung  von  besserem 
Trinkwasser,  als  in  der  Gemeinde  selbst  gewonnen  werden  kann, 
herantreten  zu  können.  Dagegen  dürfte  aber  die  Geneigtheit  vorhanden 
sein,  seinerzeit  einen  Anschluss  an  die  Trinkwasserleitung  von  Prag 
anzustreben,  welchen  Plan  wohl  auch  andere  Vororte  der  Landeshaupt- 
stadt hegen  dürften.  Von  Prag  darf  diesbezüglich  das  grösste  Entgegen- 
kommen erwartet  werden,  da  es  in  seinem  eigensten  Interesse  gelegen 
ist,  für  die  Abschaffung  von  Missständen  in  den  Vororten,  welche  den 
Gesundheitszustand  der  Hauptstadt  sehr  gefährden  können,  unter  Um- 
ständen selbst  Opfer  zu  bringen. 

Vorläufig  ist  aber  das  goldene  Prag  von  gutem  und  reichlichem 
Trinkwasser  selbst  noch  weit  entfernt,  da  im  günstigsten  Falle  die 
Durchführung  des  Projectes  der  Zufuhr  von  Trinkwasser  aus  dem 
Tbalgebiete    des  Beraunflusses    und  Radotiner  Baches    bei    Lahovi^ka, 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Roichsanstalt.  1891.  41.  Band.  l.  Heft.  (Friedr,  Katzer.)      H 


82  Dr.  Friedricli  Kaizer.  [2] 

auch  ^vcnn  dessen  geologische  Begutachtung  ganz  unanfechtbar  wäre, 
noch  einige  Jahre  in  Anspruch  nehmen  dürfte.  Diese,  hoff'entlicli  nicht 
gar  /u  hinge  Zeit  über  bleil)en  die  in»  Pjcreiche  der  Stadt  und  der  Vor- 
orte bestehenden  Brunnen  nach  wie  vor  die  einzigen  Trinkwasseri^uellen 
der  Bevölkerung  und  ist  es  daher  sehr  angezeigt,  denselben  volle  Auf- 
nierksandceit  zu  widmen. 

Als  Mitglied  der  ständigen  Gesundheitscommission  der  Stadt- 
gemeinde Wrschowitz  habe  ich ,  zum  Theil  unter  Beihilfe  des  Herrn 
Apothekers  Mag.  A.  Bauer,  den  grössten  Theil  der  Brunnen  des  Ortes 
untersucht  und  glaube  einige  Resultate  von  allgemeinem  Interesse  erzielt 
zu  haben ,  die  ich  im  Folgenden  zusanmienstellen  will.  Da  die  geo- 
logischen Verhältnisse,  welche  naturgemäss  wesentlichen  Einfluss  auf 
die  BeschaÜenheit  der  Bodenwässer  ausüben ,  in  Wrschowitz  analoge 
sind  wie  in  Nusle,  den  Königlichen  Weinbergen  und  einem  grossen 
Theile  von  Prag,  so  darf  ich  meine  auf  enger  begrenztem  Gebiete  ge- 
wonnenen Ergebnisse  als  Beitrag  zur  K  e  n  n  t  n  i  s  s  der  g  e  o  1  o- 
gi sehen  Grundlagen  der  l^rager  Trinkwasserfrage  über- 
haupt bezeichnen. 

Wrschowitz  breitet  sich  zum  grctssten  Theile  auf  dem  südlichen 
Gehänge  des  Plateaus  aus,  welches  in  den  Königlichen  Weinbergen  in 
dem  für  den  neuen  grossen  Stadtpark  ausersehenen  Terrain  östlich  vom 
sogenannten  Kuhstall  am  höchsten  ansteigt  (oberhalb  der  Villa  Feslovka, 
27.'>  Meter).  Nur  ein  kleiner  Theil  der  (iremeinde  liegt  in  dem  breiten 
ebenen  Thale  des  Boticbaches  (195  Meter)  und  seines  kleinen  von  Alt- 
Straschnitz  konnnenden  Zuflusses  (sogenannten  Vantroky).  Der  Abfall 
des  besagten  PUitcaus  gegen  diese  Tlialniederung  ist  verhältnissmässig 
sehr  steil,  im  östlichen  Theile  des  Ortes  zwischen  der  Hus-  und  Piemysl- 
gasse  aber  durch  zwei  Ilügelrücken  abgestnit,  welche  selbst  gegen  Norden 
sanft,  gegen  Süden  jedoch  steil  abfallen. 

Das  ganze  höhere  Terrain ,  auf  welchem  sich  Wrschowitz  aus- 
breitet, wird  vcm  glimmerreichen  Grau wackens chiefer n  2c 
(Dd4  Barrande's)  eingenommen,  welche  in  der  Thalebene  des  BoticV 
baches  und  seines  erwähnten  Zuflusses    von  Alluvium    bedeckt  werden. 

Die  Grauwackenschiefer  besitzen  in  frischem  Zustande  eine  dunkel- 
graue Farbe,  erscheinen  aber  an  den  entblössten  Gehängen  angewittert, 
meist  rostbraun  oder  eigenthümlich  graugrün.  Im  Wesentlichen  vermag 
man  zwei  Abarten  der  Schiefer  zu  unterscheiden :  die  eine  Abart  stinmit 
v()llig  mit  den  typischen  Gesteinen  der  Stufe  überein.  Sie  bildet  grobe 
Schichten,  die  mit  reichlichen  (|uarzitischen  Zwischeulagen  abwechseln, 
wodurch  die  Schichtung  sehr  deutlich  hervorgehoben  wird,  obwohl  die 
Schiefer  häufig  durch  zahllose  transversale  Klüfte  in  lauter  unregel- 
mässig prismatische  Stücke  zerlegt  erscheinen.  Diese  Abart  ist  haupt- 
sächlich im  höheren  Theile  von  Wrschowitz,  etwa  von  der  Jungmann- 
und  Husgasse  aufwärts,  sowie  in  dem  angrenzenden  Theile  der  Wein- 
berge herrschend. 

Die  zweite  Abart  der  Grauwackenschiefer  ist  düunschichtig  bis 
blätterig,  auch  im  angewitterten  Zustande  grau,  nur  selten  von  einzelnen 
(|uarzitischen  Schichten  durchschossen,  an  welchen  man  das  Verflachen 
bestinimen  kann ,    welches   S(mst    durch  eine  ganz  unregehnässige  Zer- 


rji]  55nr  geolog.  Bcurtheilung  der  Trinkwässer  von  Wrscliowitz  bei  Pra>;.  8/J 

kliiftuni;-  und  Zcrbröckeliing-  der  Schiefer  Ncrwischt  zu  sein  pflegt.  Diese 
Abart  ist  liauptstichlieli  im  unteren  Tlieile  der  Gemeinde,  am  unteren 
Ende  der  ,laf)lonsky-  und  Havlic'^ekstrasse,  unterhalb  der  Piemyslgasse, 
in  der  Nähe  des  lirauhauses  u.  s.  w.  ver])reitet.  Das  verschiedene  Aus- 
sehen dieser  Schieferart  von  jener  zuerst  erwähnten  ist  wesentlich  durch 
den  höheren  Thongehalt,  dann  wohl  auch  durch  das  viel  feinere  Korn 
und  die  bedeutend  gleichmässigere  Textur  veranlasst,  aus  welchen 
Eigenschaften  sich  auch  das  verschiedene  Verhalten  gegen  Druck- 
wirkungen erklären  lässt.  Denn  während  die  ersteren,  mit  quarzitischen 
Zwischenschichten  wechsellagernden  Schiefer  durch  den  Gebirgsdruck, 
welcher  sie  fast  auf  den  Kopf  gestellt  hat,  wohl  transversal  völlig  zer- 
klüftet wurden,  aber  sonst  ihren  Zusammenhang  und  ihre  ganz  gleich- 
massige  Lagerung  bewahrten ;  erscheinen  die  letzteren  vielfach  zusammen- 
gestaut, gewunden  und  aufgeblättert,  so  dass  die  Schichtung,  wie 
erwähnt ,  stellenweise  ganz  unkenntlich  wird.  Diese  Erscheinung  ist 
um  so  auffallender,  als  die  einzelnen,  den  Schiefern  eingeschalteten 
quarzitischen  Schichten  die  wilden  Windungen  und  Biegungen  derselben 
in  der  Regel  nicht  mitmachen.  Es  lässt  dieser  Umstand  begründeter  Weise 
vermuthen,  dass  die  verworrene  Lagerung  dieser  Schiefer  kein  blosses 
Druck  ph  an om  en  ist,  sondern  zum  Theil  auf  die  Beschaffenheit  der 
Schiefermasse  selbst  und  die  mit  deren  Verhärtung  verknüpfte  Volum- 
änderung zurückgeführt  werden  muss. 

Ausser  diesen  ])eiden  Hauptabarten  des  glimmerreichen  Grau- 
wackenschiefers  2  c  kommt  noch  eine  dritte  vor,  welche  für  die  Brunnen- 
verhältnisse von  Wrschowitz,  wie  wir  weiter  unten  sehen  werden,  von 
besonderer  Wichtigkeit  ist.  Farbe  und  Aussehen  derselben  erinnern  an 
die  zweite  Abart ,  in  der  deutlichen  Schichtung  nähert  sie  sich  aber 
mehr  der  ersten.  Es  sind  harte,  quarzreiche,  graugrüne ,  recht  deutlich 
geschichtete,  unregelmässig  zerklüftete  Schiefer,  welche  sich  in  grössere 
Platten  brechen  lassen.  Quarzitische  Zwischenschichten  sind  darin  weit 
seltener  als  in  der  zuerst  angeführten  Abart,  dafür  aber  w^erden  sie 
häufig  von  Quarzadern  durchzogen.  Diese  harten  Schiefer  treten  haupt- 
sächlich in  zw^ei  Zügen  auf.  Der  eine  geht  aus  dem  hinteren  Theile 
des  Rhangerischen  Gartens  (Stadtparkes)  bei  der  Kirche  quer  über  die 
Strasse  und  über  den  Platz  vor  dem  Gemeindehause  durch  den  oberen 
Theil  der  Zizkagasse  und  die  Pfemyslgasse  zum  Botiöbache,  an  dessen 
rechtem  Ufer  die  Schiefer  in  einigen  Felswänden  entblösst  sind.  Der 
zweite  Zug  streicht  mit  dem  ersten  ziemlich  parallel,  beiläufig  vom 
Anfang  der  Horymirgasse,  nahe  der  Mündung  in  die  Husgasse  über  die 
Terrainerhebung  Na  sträni  und  quer  über  den  westlichen  Theil  der 
Safafikgasse.  Beide  Züge  sind  an  der  Oberfläche  einigermassen  dadurch 
kenntlich ,  dass  sie  über  die  Umgebung  mehr  minder  hervorragen ; 
namentlicli  die  beiden  oben  erwähnten  Hügelabstufungen  des  östlichen 
Terraines,  auf  w^elchem  sich  Wrschowitz  ausbreitet,  gehören  denselben 
an.  Durch  die  fortschreitende  Baubewegung  und  Strassenregulirung 
müssen  früher  oder  später  die  derzeitigen  Aufschlüsse  verdeckt  und  die 
äusseren  Anzeichen  des  geologischen  Aufbaues  des  Terrains  der  Beob- 
achtung entzogen  werden;  deshalb  ist  es  gewiss  nicht  ohne  Bedeutung 
Alles  zu  fixiren,  was  diesbezüglich  nach  dem  heutigen  Bauzustande  der 
Stadtgemeinde  mit  Sicherheit  bestimmt  w^erden  kann. 

11* 


84  Dr.  Friedrich  Katzer.  l^} 

Das  Streichen  der  glinimerreichen  Grauvvackenscbiefer  ist  ein  sehr 
glcichniässig  nordöstliches  (in  der  Palackystrasse  h4,  in  der  Jablonsky- 
gasse  h  3^2 ,  in  der  lloryniirgasse  h  41/2,  in  der  Zizkagasse  ebenfalls 
h4V2),  das  Verflachen,  abgesehen  von  localen  Ausnahmen,  steil  (70— 85o) 
südwestlich.  Nur  im  untersten  Stadttheile  sinkt  der  Fallwinkel  der 
Schichten  bis  auf  50"  herab. 

Das  ebene  Terrain  zwischen  dem  Wrschowitzer  Gehänge  im  Norden 
und  dem  Bohdalec  und  Tachlowitzer  Hügel  im  Süden  wird  von  allu- 
vialem Sand  eingenommen,  dem  sich  nur  ganz  untergeordnet  Schotter- 
und Geröllanhäufungen  beigesellen.  Der  Sand  ist  ein  verhältnissmässig 
sehr  feinkörniger  Quarzsand,  dessen  Korngrösse  zwischen  0"3 — 1  Milli- 
meter Durchmesser  variirt.  Mehr  minder  durchsichtige  oder  durch- 
scheinende Quarzkörnchen  bilden  etwa  85  Procent  des  Ganzen;  der 
Rest  besteht  aus  rothen  Eisenkiesel-,  grauen  bis  schwarzen  Kiesel- 
schiefer-, ferner  aus  Feldspath-,  Amphibol-  und  spärlichen  Granat- 
körnchen, dann  aus  Glimmerblättchen,  einer  limonitischen  Beimengung 
und  einzelnen  Magnetitpartikelchen.  Goldspuren,  die  man  darin  einmal 
gefunden  haben  will,  vermochte  ich  nicht  nachzuweisen.  An  den  Stellen, 
wo  der  Sand  ausgehoben  wird,  sieht  man  6 — 7  Meter  tiefe  Wände,  an 
welchen  sich  die  mehr  eisenschüssigen  von  den  reineren  Lagen  schon 
durch  die  Färbung  abheben ;  bei  näherem  Zusehen  vermag  man  auch 
ganz  deutlich  die  feinkörnigen,  von  den  mehr  grobkörnigen  Schichten  zu 
unterscheiden.  Im  Uebrigen  wird  die  gleichmässige  Ablagerung  nur 
selten  von  thonigen  oder  kohligen,  gewöhnlich  bald  auskeilenden  Ein- 
schaltungen unterbrochen.  Schichten  von  gröberen  Gerollen  kommen  nur 
äusserst  selten  vor. 

Auf  diesem  Sandterrain  liegen  nur  wenige  Nummern  von  Wrscho- 
witz,  darunter  der  Bahnhof  und  das  neue  k.  u.  k.  Traindepot  an  der 
Strasse  nach  Zäbehlitz. 

Schon  bei  oberflächlicher  Untersuchung  der  Trinkwässer  machte 
sich  ein  unverkennbarer  Unterschied  zwischen  jenen  aus  dem  Alluvial- 
gebiet und  jenen  aus  dem  Grauwackenschiefer  geltend.  Die  ersteren 
wurden  stets  vollkommen  klar,  frisch,  ohne  Beigeschmack  und  auch  in 
den  heissen  Sommermonaten  sehr  kalt  befunden,  die  letzteren  dagegen 
erscheinen  zuweilen  etwas  trübe,  besitzen  einen  eigenthümlichen  faden 
bitteren  Beigeschmack,  welcher  besonders  vermerkt  wird,  wenn  das 
Wasser  einige  Zeit  an  der  Luft  steht  und  sind  im  Sommer  wegen  ihrer 
verhältnissmässig  hohen  Temperatur  wenig  erfrischend.  Auch  die  quali- 
tative chemische  Untersuchung  unterscheidet  die  Wässer  der  Brunnen 
des  Grauwackenschiefergebietes  wesentlich  von  den  Wässern  des  Allu- 
vialterrains. Die  ersteren  enthalten  rehr  reichlich  Chloride  und  Sulphate, 
sowie  durchgehends  Nitrate,  und  zwar  zum  Theil  in  überraschender 
Menge,  aber  bis  auf  vereinzelte  Ausnahmen  (in  2  von  08  Brunnen) 
keine  Eisensalze;  die  letzteren  enthalten  wohl  auch  Chloride  und  Sul- 
phate, jedoch  nur  Spuren  von  Nitraten,  dafür  aber  stets  Eisenoxydver- 
bindungen. Allein  gerade  den  Grauwackenschiefern  2  c  wird  nachgesagt, 
dass  die  aus  denselben  cntsj)ringenden  Wässer  reich  an  schwefelsauerem 
Eisenoxydul,  dem  Zersetzungsproduct  des  in  den  Schiefern  angeblich 
stets  enthaltenen  Pyrits,  seien,  ja  J.  Krejßi  bezeichnet  gelegentlich 
Wässer  aus  diesen  Schiefern  in  Wyschehrad ,  in  Kosir ,    am  Belvedere 


[5]  Zur  geolog.   Beiirtheilung  der  Trinkwässer  von  Wrschowitz  bei  Prag.  y5 

u.  s.  w.  geradezu  als  Vitriohviisser,  welche  nur  durch  lauge  Gewöhnung- 
zu  Trinkwässern  werden  konnten.  Hieraus  ergiebt  sich  ein  Gegensatz 
zwischen  dem  chemischen  Verhalten  der  Brunnenwässer  des  Wrscho- 
witzer  Schietcrterrains  und  den  Wässern  in  einigen  anderen  Verbrei- 
tungsgebieten der  Stufe  2  c,  welcher  eine  nähere  Untersuchung  wünschens- 
werth  machte. 

Auch  die  eigenthümliche  Gestalt  des  Wasserspiegels,  wie  sie  sich 
aus  Tiefmessuugen  der  leider  sehr  ungleichmässig  vertheilten  Brunnen 
in  Wrschüwitz  ergiebt,  gab  Veranlassung  zur  möglichst  genauen  Fest- 
stellung der  bezüglichen  Verhältnisse. 

Die  in  diesen  beiden  Richtungen  gewonnenen  Resultate  werde  ich 
nun  im  Folgenden  darlegen,  und  zwar  erscheint  es  vorthcilhaft,  zunächst 
die  Gestalt  der  Wasserfläche  und  die  damit  zusammenhängenden 
Erscheinungen  zu  besprechen. 

Alle  Brunnen  von  Wrschowitz  werden  vom  Grundwasser  gespeist. 
Der  Begriff  des  Grundwassers  muss  allerdings  etwas  weiter  gefasst 
werden ,  als  sonst  üblich  ist ,  indem  namentlich  von  einer  wenig  ge- 
neigten undurchlässigen  Schicht ,  auf  welcher  sich  die  eingesickerten 
meteorischen  Niederschläge  ansammeln  und  fortbewegen  könnten ,  ab- 
gesehen werden  muss.  Die  Annahme  einer  solchen  ist  einigermassen 
nur  für  das  Alluvialterrain  statthaft,  weil  hier  die  sehr  permeabeln 
Sand-  und  Kiesablagerungen  auf  untersilurischen  Schiefern  ruhen,  deren 
Permeabilität  eine  bedeutend  geringere  ist,  so  dass  mit  Recht  ange- 
nommen werden  darf,  dass  nur  ein  Theil  des  zu  diesen  Schiefern  vor- 
dringenden Wassers  einen  Durchgang  in  noch  grössere  Tiefen  finden 
werde,  wogegen  der  andere  Theil  sich  über  die  Schichtenköpfe  der 
Schiefer  in  der  Richtung  des  Abfalles  ihres  durch  die  Sandauflagerung 
verdeckten  Niveaus  fortbewegen  wird.  Im  Schieferterrain  entfällt  aber 
die  Bedingung  einer  nicht  allzu  steil  geneigten,  wasserundurchlässigen 
Schicht  von  selbst,  weil  das  Verflachen  der  Schichten  ein  sehr  steiles 
ist.  Freilich,  die  Permeabilität  der  drei  oben  erwähnten  Schieferabarten 
ist  eine  recht  verschiedene :  die  normalen,  transversal  stark  zerklüfteten 
Schiefer  sind  am  meisten ,  die  thonigeren ,  dichteren  Schiefer  weniger 
und  die  quarzreichen  liarten  Schiefer  fast  gar  nicht  wasserdurchlässig. 
Diese  letzteren  stellen  somit  eine  Unterlage  vor,  auf  welcher  sich  das 
eingedrungene  Wasser,  bis  auf  jenen  kleinen  Theil,  welcher  durch  Risse 
und  Klüfte  weiter  vordringt,  ansammeln  könnte.  Dass  dies  bis  zu  einem 
gewissen  Grade  in  der  That  geschieht,  ist  durch  die  Brunnenmessungen 
erwiesen.  Da  jedoch  das  Fallen  der  Schichten  ein  sehr  steiles  ist,  so 
ist  das  Ansammeln  oder  besser  Anhaften  des  Wassers  an  den  harten 
Schiefern  nicht  allein  aus  der  geringen  Permeabilität  derselben  zu  er- 
klären, sondern  man  muss  annehmen,  dass  in  der  Tiefe  Wassermengen 
vorhanden  sind,  die  in  Bezug  auf  die  einsickernden  Niederschläge  wie 
eine  undurchlässige  Schicht  wirken,  d.  h.  das  Eindringen  derselben  in 
zu  grosse  Tiefen  verhindern. 

Im  alluvialen  Terrain  bildet  die  Wasserfläche  des  Grundwassers  — 
oder  vielleicht  besser  p  h  r  e  a  t  i  s  c  h  e  n  W  a  s  s  e  r  s  i)  —  fast  eine  Ebene. 


')  Daubree,  Les  eaux  souterraines  ä  l'epoque  actuelle.  Paris  1887,  T.  I,  pag.  19- 


gß  Dr.  Friedrich  Katzer.  IQI 

Das  Wasscrnivean  der  Brnnnen  befindet  sieh  durchwegs  ß— 7  Meter 
unter  der  Oberfläche  und  steigt  gegen  das  südliche  Gehänge  des  Thaies 
nur  wenig ,  gegen  das  nördliche  etwas  rascher  an.  Man  braucht  sich 
bei  Feststellung  dieser  Verhältnisse  jedoch  nicht  auf  die  wenigen  Brunnen 
zu  beschränken,  sondern  kann  lehrreiche  Beobachtungen  in  allen  Sand- 
gruben des  Terraines  machen.  Der  Sand  kann  nur  bis  zu  der  ange- 
gebenen 'J'iefe  von  G  — 7  Meter  ausgehoben  werden,  weil  man  tiefer  hinab 
sofort  auf  Wasser  stösst,  welches  mit  ziemlicher  Gewalt  empordringt. 
Ein  tieferer  Schaufelstich  genügt,  um  in  wenigen  Minuten  am  Boden 
der  Sandgrube  einen  Wassertiimpel  zu  schaffen.  Die  Wassermenge, 
w'elche  in  diesem  Alluvialterrain  angesammelt  ist,  ist  eine  sehr  grosse, 
für  gewöhnliche  Pumpvorrichtungen  geradezu  unerschöpfliche,  wie  sich 
daraus  ergiebt,  dass  bei  einer  Veranlassung  aus  dem  grossen  Brunnen 
auf  einem  Versuchsfelde  bei  Nr.  298  mittelst  Dami)fpumpe  durch  drei 
Stunden  AVasser  geschöpft  wurde,  ohne  dass  mit  der  Messschnur  eine 
Senkung  des  Wasserspiegels  constatirt  Averden  konnte.  Die  Länge  des 
Alluvialterrains  beträgt  im  Wrschowitzer  Kataster  etwa  2500  Meter, 
die  Breite  2 — 700,  im  Mittel  mindestens  300  Meter;  die  Fläche  der 
Alluvialniederung  macht  daher  niedrig  bemessen  750.000  Quadratmeter 
aus.  Die  Wassermenge,  welche  jährlich  auf  diese  Fläche  niederfällt, 
beträgt  bei  der  bekannten  Niederschlagsmenge  von  50  Centimeter  min- 
destens 375.000  Cubikmeter.  Sollte  hievon  nur  ein  Drittel  in  die  Tiefe 
dringen ,  was  bei  der  grossen  Durchlässigkeit  des  Sandbodens  gewiss 
nicht  zu  hoch  augeschlagen  ist,  so  wären  dies  125.000  Cubikmeter 
jährlich,  welche  dem  Sandterrain  entnommen  werden  könnten,  ohne  dass 
der  normale  Tiefwasserstand  eine  Einbusse  erleiden  müsste.  In  Wirk- 
lichkeit gestalten  sich  die  Verhältnisse  entschieden  günstiger, 
schon  aus  dem  Grunde ,  weil  von  den  Thalgehängen ,  besonders  aber 
vom  Norden  her,  fortwährend  Wasser  in  das  Alluvialgebiet  zuströmt. 
Man  würde  also  ganz  sicher  gehen,  wenn  man  die  Wassermenge, 
die  täglich  geschöpft  werden  könnte,  auf  400.000  Liter  veranschlagen 
würde,  was  bei  einem  Verbrauch  von  20  Liter  per  Kopf  und  Tag  einer 
Bevölkerung  von  20.000  Seelen  genügen  würde.  Wiewohl  nun  Wrschowitz 
in  sehr  raschem  Aufschwung  begriffen  ist,  so  dürfte  diese  Bevölkerungs- 
ziffer doch  vor  Ablauf  eines  Decenniums  nicht  erreicht  werden  und  bis 
dahin  würde  somit  ein  im  Alluvialterrain  entsprechend  an- 
gelegtes Pumpwerk  die  ganze  Stadt  mit  verhältniss- 
mässig  gutem  Trinkwasser  in  durchaus  hinreichender 
Menge  versorgen  können.  Sollte  eine  solche  Anlage  etwa  geplant 
werden,  so  wäre  der  wichtige  Umstand  zu  berücksichtigen ,  dass  sich 
das.s  phreatische  Wasser  im  Alluvialterrain,  wie  es  scheint  sehr  rasch, 
in  der  Bichtung  von  Osten  gegen  Westen  fortbewegt. 

Wie  einfach  und  regelmässig  die  Gestalt  der  Grundwasserfläche 
im  alluvialen  Gebiete  ist,  ebenso  verwickelt  und  unregelmässig  erscheint 
sie  im  Sehieferterrain.  Auf  Weinberger  Grund  in  der  Palackystrasse 
gegenüber  von  Nr.  427  erreicht  das  Wasser  die  Oberfläche  und 
strömt  frei  aus.  Diese  Quelle,  welche  nun  seit  einigen  Jahren  fast  un- 
unterbrochen ,  und  zwar  im  Sommer  reichlicher  als  im  Winter  fliesst, 
entströmt  den  stark  zerklüfteten  Grauwackenschiefern  im  Hangenden  der 
thonigeren,  blätterigen,  undeutlich  geschichteten  Schiefer,    welche  aber 


[7]  Zur  geolog.  Beurtlieiluüg  der  Trinkwässer  von  Wrscbowitz  bei  Prag.  ,^7 

kaum  von  Einfluss  auf  den  stetigen  Abfluss  des  Wassers  gerade  an 
dieser  Stelle  sein  dürften.  Vielniebr  ist  es  sebr  wabrsclieinlicb ,  dass 
dureli  die  vor  einigen  Jabren  vorgenonniiene  Tieterlegung  des  Strasseu- 
uiveaiis  einer  von  den  Saninielcanälen  des  in  den  Sebiel'erkliil'ten  circu- 
lirenden  Wassers  angel'abren  w^urde.  Ursprünglich  —  vor  5  Jabren  — 
befand  sieb  der  AiisÜiiss  des  Wassers  im  Niveau  des  Strassengrabens 
und  die  an  die  Obertläcbe  emporquellende  Wassermenge  war  ganz 
unbedeutend,  ?Ieute  befindet  sieb  die  Quellenmündung  fast  3  Meter 
über  der  ursprünglicben  Austrittsstelle  des  Wassers  und  zugleich  bat 
sich  die  Quelle,  welche  besonders  im  Frühjahr  und  Sommer  sehr 
wasserreich  ist,  etwa  2  Meter  tief  in  das  Gehäuge  eingegraben.  Den 
Weg ,  den  die  Quelle  von  ihrer  ursprünglichen  Mündung  zur  jetzigen 
zurückgelegt  hat,  ist  durch  eine  nach  oben  anTiel'e  und  Breite  zunehmende 
Kinne  bezeichnet.  Man  hat  hier  ein  Beispiel  der  rückschreitenden  Be- 
wegung der  Quellen  vor  sich  und  kann  sich  bei  dem  Effect,  den  die 
Quelle  in  wenigen  Jahren  erzielt  hat,  wohl  vorstellen,  dass  sie  mit  der 
Zeit  das  ganze  Scbieferplateau  bis  zum  höchsten  Funkte  durehsiigen 
könnte. 

Wahrend  bier  der  Spiegel  des  phreatischen  Wassers  über  Tage 
liegt,  befindet  er  sich  etwa  150  Meter  weiter  südlich,  nämlich  in  den 
Brunnen  der  mit  diesem  Theile  der  Falackystrasse  zicndich  parallelen 
Baräkgasse  schon  durchschnittlich  20  Meter  unter  der  Terrainoberfläche 
und  dies  trotzdem  sich  das  Terrain  rasch  senkt.  Denn,  wie  oben  dar- 
gelegt, ist  der  Abfall  des  Gehänges,  auf  welchem  sich  Wrscbowitz  aus- 
breitet ,  von  der  Falackystrasse  zum  Boticbacbe  herab  ein  verbältniss- 
niässig  sehr  steiler.  Die  Längsgassen  (Barak- ,  Jlus- ,  Jungmann-, 
Horymir-,  Safärik-  und  Fremyslgasse)  bezeichnen  gewissermaassen  Stufen 
des  Gehänges,  wäbrend  in  den  Quergassen  (Jablonsky-,  llavlicek-, 
Sokol-,  Zizka-,  Furkyuögasse)  die  ganze  Steilheit  des  Abfalles  deutlich 
ersichtlich  ist.  Diese  Gassen  sind  auch  zum  Tbeil  nicbt  befahrbar.  Die 
oberen  Längsgasseu  besitzen  eine  Neigung  von  Westen  gegen  Osten, 
welcher  jedoch  der  Grundwasserspiegel  nicht  genau  folgt.  So  beträgt 
am  Westende  der  Baräkgasse  in  Nr.  171  die  Tiefe  vom  Brunnenkranz 
bis  zur  Wasserfläche  25  Meter,  am  Ostende  derselben  Gasse  in  Nr.  174 
nur  19  Meter  und  noch  weiter  östlich  in  der  Husgasse  Nr.  296  blos 
15  Meter.  Nach  den  mir  von  Herrn  Stadtsecretär  J.  Zajic  freundlichst 
zur  Verfügung  gestellten  Gassenprofilen  liegt  aber  die  Cote  bei  Nr.  29G 
um  23  Meter  tiefer  als  bei  Nr.  171  und  es  müsste  daher  der  Wasser- 
spiegel, wenn  er  sich  genau  der  Terrainneigung  anpassen  würde,  bei 
Nr.  296  noch  um  10  Meter  tiefer  liegen,  woraus  sich  ergiebt,  dass 
der  Grundwasserspiegel  in  der  Richtung  der  flachen  Terrainabdachung 
von  West  gegen  Ost  sogar  relativ  steigt.  Ein  absolutes  Steigen  in 
Bezug  auf  die  Horizontale  findet  allerdings  nicbt  statt^  da  der  Wasser- 
spiegel bei  Nr.  296  um  13  Meter  tiefer  liegt  als  am  Westende  der 
Baräkgasse;  aber  er  nähert  sich  unverkennbar  der  Terrain- 
oberfläche. 

Diese  Annäherung  des  Grundwasserspiegels  an  die  Terrainoberfläche 
ist  am  grössten  in  der  Nähe  und  besonders  zwischen  den  beiden 
Eingangs  geschilderten  Zügen  der  verhärteten  (luarzreichen  Grauwacken- 
schiefer,    worin  eben    ihre  Wichtigkeit  für   die  Wrscbowitzer  Brunnen- 


Dr.  Friedricli  Katzer. 


[8] 


verliältnisse  beruht.  Sic  selbst  führen  so  £^ut  wie  gar  kein  Wasser, 
weshalb  Brunnen  in  ihrem  Bereiche  anzulegen  zu  keinem  Ergebnisse 
führen  kann,  um  so  weniger,  als  bei  der  fast  saigeren  Schichtenstellung 
ein  baldiges  Durchsinken  dieser  (quarzigen  Schiefer  nur  in  der  Liegend- 
zone zu  erhoffen  ist.  Zum  Glück  sind  diese  beiden  Züge  nicht  besonders 
mächtig,  und  zweitens  beeintiussen  sie  die  Terrainverhältnisse  des  öst- 
lichen Theiles  der  Gemeinde  in  solcher  Weise,  dass  selbst  bei  einer  durch- 
greifenden Regulirung  der  von  ihnen  durchzogenen  Strecken  nicht  zu 
befürchten  ist,  dass  in  ihrem  Bereiche  viel  Veranlassung  zu  hoffnungs- 
losen Brunnenanlagen  gegeben  sein  wird.  In  Bezug  auf  das  in  den  um- 
gebenden weicheren,  zerklüfteten  Grauwackenschiefern  enthaltene  Wasser 
verhalten  sich  die  beiden  Züge  fast  wie  zwei  in  eine  Flüssigkeit 
getauchte  Platten,  nämlich  der  Wasserspiegel  hebt  sich  gleichsam  durch 
Adhäsionswirkung  an  ihnen  und  zwischen  ihnen  in  die  Höhe.  In  Folge 
dessen  befindet  er  sich  hier  wenig  tief  unter  der  Terrainoberfläche,  und 
dies  ist  der  Grund ,  weshalb  die  Keller  der  Häuser  am  unteren  Ende 
der  Palackystrasse,  welche  auf  dem  Terrain  zwischen  den  beiden  Zügen 
stehen ,  so  häufig  ertränkt  werden,  da  schon  ein  geringes  Steigen  des 
Grundwasserspiegels  genügt,  um  ein  Eindringen  des  Wassers  in  die 
Keller  zu  bewirken. 

In  dem  l)esprochenen  Längsdurchschnitt  vom  westnordwestlichen 
zum  ostsüdüstlichen  Ende  von  Wrschowitz  zeigt  also  die  Grundwasser- 
flache  bei  allmäliger  Neigung  in  östlicher  Richtung  eine  Annäherung 
an  die  Terrainoberfläche,  welcher  sie  sich  an  den  beiden  Zügen  (quar- 
ziger, wenig  ])ermeabler  Schiefer  rapid  nähert,  um  weiter  ostwärts 
jenseits  derselben  wieder  rascli  gegen  das  Alhivialgebiet  herabzusinken. 

Im  beiläufig  nordsüdlichen  Qiierj)rofil  von  der  beschriebenen  frei- 
strömenden (Quelle  in  der  Palackystrasse  über  die  Barak-,  Jungmann- 
und  Jablonskygasse  zum  Botirbache  sinkt  der  Wasserspiegel  zunächst, 
wie  oben  erwähnt,  rasch  bis  auf  25  Meter  unter  Tage  und  erreicht  in 
der  am  Abhänge  tiefer  liegenden  Jungmanngasse  (nach  Brunnenmessungen 
inNr.  2;J(),  281,  290,  289  und  214)  die  grösste  Tiefe.  Während 
aber  in  der  Baräkgasse  die  Wasserfläclie  von  Ost  gegen  West  sehr 
allmälig  steigt,  erhebt  sie  sich  hier  westwärts  gegen  die  Jablonskygasse 
zu  äusserst  rasch,  ja  fast  unvermittelt,  indem  sie  schon  in  der  Jung- 
manngasse von  27  Meter  in  Nr.  214  auf  12  Meter  in  Nr.  183  steigt 
und  in  der  Jablonskygasse  an  gewissen  Stellen  (Borovanka)  fast  zu 
Tage  austritt.  Eine  Erklärung  für  diese  Erscheinung  finde  ich  in  der 
geringeren  Durchlässigkeit  der  dichten  thonigen  Schiefer,  welche  den 
unteren  Theil  der  Jablonskygasse  und  überhaupt  den  tieferen  Theil  des 
WrschoAvitzer  Gehänges  einnehmen,  und  an  welchen  daher  eine  Stauung 
des  Grundwassers  eintreten  muss.  Die  natürlich  nicht  scharfe  Grenze 
zwischen  beiden  Schieferabarten,  die  ja  durch  Uebergänge  mit  einander 
eng  verbunden  sind  und  nur  in  Zonen,  nicht  aber  in  einzelnen  Schichten, 
von  einander  geschieden  werden  können,  zieht  von  der  Borovanka 
ostwärts  unterhalb  der  neuen,  in  die  Havlic'^ekgasse  mündenden  Längs- 
gasse hindurch  gegen  das  Ostende  der  Horymirgasse.  Dieser  gegenwärtig 
von  Feldern  und  Gärten  eingenommene  Strich  darf  nach  den  Erfahrungen 
in  der  Jablonskygasse  als  wasserreich  bezeichnet  werden  und  bei 
der   künftigen  Verbauung   desselben    dürften   hier  Brunnenanlagen   mit 


[9]  55Hr  ffeolog.  BciirtlitMliiii<;-  dor  Trinkwässor  von  Wrseliowitz  bei   Prag:.  ,^j) 

^ering-en  Kosten  aiisgel'iilirt  werden  können.  —  Im  Bereiche  der  diiiui- 
scliielitigen  tlionigeren  Scbiefer  senkt  sieh  der  Wasserspiegel  sehr  rascli 
zum  Hotirhaehe.,  be/iehnngs weise  /um  Alhivialterrain  herab;  deslialb 
sind  aiu'li  alle  l»rnnnen  in   der  Premyslgasse  verhältnissniässig  tiel'. 

Fasst  man  nun  die  Ergebnisse  der  Urniniemnessungen  und  sonstigen 
Heobaehtungen  zusannnen,  so  stellt  sieh  die  Gestalt  der  Grundwasseriläehe 
im  Gebiete  der  Stadtgenieinde  Wrschowitz  als  aus  zwei  Längsnndden 
bestehend  dar.  Die  obere  dieser  Mulden  unifasst  das  Terrain  der 
norn)alen,  stark  zerklüfteten,  glimmerigen  Grauwaekenschieler  von  der 
Palaekystrasse  südwärts  bis  gegen  die  Mitte  der  Jablonskygasse  und 
zum  Ostende  der  llorymirgasse,  sowie  von  diesem  Punkte  dem  Streichen 
des  Gehänges  nach  bis  an's  Westende  der  Gemeinde  in  der  Paräkgasse. 
Der  nördliche  Flügel  der  Mulde  liegt  in  ziemlicher  Höhe  über  dem 
südlichen,  das  Muldentiefste  befindet  sieh  aber  näher  zum  letzteren.  Die 
untere  Mulde  unifasst  das  Gebiet  der  dünnschichtigen  Schiefer  südlich 
von  der  angegebenen  Grenze  und  das  Alluvialterrain.  Auch  ihr  Nord- 
rand liegt  entsprechend  der  Neigung  des  Terraines  und  der  Wasserzufuhi" 
höher  als  der  südliche  Rand,  nur  dass  hier  der  l'nterschied  wegen  der 
grossen  Fläcbenausdehnung  der  Grundwassermulde  nicht  autfallend 
hervortritt.  Die  obere  Mulde  der  Grundwasserflächen  wird  im  Osten  von 
den  Zügen  der  wenig  permeabeln  quarzigen  Grauwackenschiefer  begrenzt. 
Das  Grundwassergebiet  jenseits  derselben  gehört  als  höher  ansteigender 
Theil  schon  der  iinteren  Mulde  an.  Das  Tiefste  dieser  letzteren  befindet 
sich  beiläufig  7  Meter  unter  der  Oberfläche  des  Alluvialterraines.  Die 
beiden  Profile  Fig.  1  und  2  dürften  zur  Veranscliaulicbung  dieser  Ver- 
hältnisse dienlich  sein. 

Nun  sei  gestattet  auch  die  Qualität  des  phreati sehen 
Wassers  von  Wrschowitz  nnd  die  darauf  bezüglichen  Untersuchungen 
einer  Besprechung  zu  unterziehen.  Zunächst  unterliegt  es  wohl  keinem 
Zweifel,  dass  die  BeschalTenheit  des  Bodens  wesentlichen  Einfluss  auf 
die  Qualität  des  in  demselben  circulirenden  Wassers  ausübt.  Die  auf 
die  Erdkruste  niederfallenden  meteorischen  Niederschläge  enthalten, 
abgesehen  von  Spuren  der  in  der  Luftregion  enthaltenen  Gase,  keinerlei 
mineralische  Stoffe.  In  die  Erdkruste  eindringend,  beginnen  sie  aber 
sofort  eine  zersetzende  nnd  auflösende  Thätigkeit,  in  welcher  sie  nament- 
lich in  den  obersten  Schichten  durch  die  Wirksamkeit  der  Luft  unter- 
stützt werden.  Das  in  den  Boden  einsickernde  Wasser  nimmt  die 
löslichen  Zersetznngsproducte  in  sich  auf  und  behält  sie  bis  zu  einem 
gewissen  Grade  unter  allen  Umständen  in  Lösung.  Daher  wird  man 
aus  der  qualitativen  Zusanmiensetzung  der  Grundwässer  stets  er- 
sehen können,  welche  Stoffe  sie  den  Gesteinsschichten,  in  welchen 
sie  sich  bewegten,  entzogen  haben,  wenn  auch  die  quantitative 
Zusammensetzung  kein  richtiges  Bild  von  der  relativen  Menge  dieser 
Stoffe  zu  geben  vermag,  da  ein  mehr  minder  grosser  Theil  derselben 
während  des  unterirdischen  Laufes  der  Wässer  schon  zum  Absatz  gelangt 
sein  kann.  Uebrigens  wird  man  auch  bei  Beurtheilung  der  Qualität  der 
aufgenommenen  Bestandtheile  auf  die  möglicher  Weise  eingetretenen 
chemischen  Umsetzungen  bedacht  sein  müssen. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichaanstalt.  1891.  41.  Band.  l.  Heft,  (l-riedr.  Katzer.)      12 


90 


Dr.  Friedrich  Katzer. 


[10] 


Es  ist  oben  bemerkt  worden ,  dass  in  allen  Brunnenwässern  des 
Scliieferterraines  von  Wrscliowitz  in  zum  Tbeil  sehr  bedeutenden  Quan- 
titäten Sulphate,  Chloride  und  Nitrate  nachgewiesen  wurden.  Es  entsteht 


n'    2. 

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Palacky- 
strasse 


Baräk^asse 


Jungmann- 


Pfemysl- 

gasse 

Botifibach 


die  Frage:  wo  kommen  diese  Salze  herV  lieber  den  Ursprung  der 
Nitrate  (und  Nitrite)  ist  irgendwo  angedeutet  worden,  dass  dieselben 
von  den  Versteinerungen  der  Schichtgesteine  herstammen  könnten.  Nun 


\{\]         Zur  geolog.  Beurtheilung  der  Trinkwässer  von  Wrscliowitz  bei  Prag.  9[ 

sind  zwar  die  glimineriüeu  Graiiwackcnscliiefer,  iiaiiuMitlicIi  die  grünlich 
grauen,  weicheren,  ^  erhiiltnissniässii:-  reich  an  Tetrefakten  und  vielleicht 
dürfte  in  den  8chietern  —  ich  hcsit/.e  liierüber  keine  Krfalirung  — 
sogar  eine  gewisse  iStickstoff'nienge  aufgefunden  werden  können ;  dennoch 
ist  es  völlig  ausgeschlossen ,  dass  der  Gehalt  an  Nitraten  im  Wasser 
von  den  organischen  Einschlüssen  der  Schiefer  abgeleitet  werden  könnte. 
Derselbe  ist  mit  aller  Hestinimtheit  auf  locale  Einflüsse  zurückzufahren 
und  findet  seine  Erklärung  in  der  Infiltration  des  Rodens  durch 
stickstoffhaltige,  der  Nitrification  verfallende  Stoffe. 

Dasselbe  dürfte  von  den  Chloriden  gelten.  Es  ist  zwar  bekannt, 
dass  sämmtliche  Schichtgesteine  des  mittelböhmischen  Silurs  geringe 
Mengen  löslicher  Chloride  enthalten ,  aber  es  ist  ausgeschlossen ,  den 
hohen  Gehalt  an  Chloriden  in  unseren  Brunnenwässern  von  daher  er- 
klären zu  wollen.  Auch  die  Chloride  dürften  zum  grössten  Theil  durch 
Infiltration  in  die  Brunnen  gelangen. 

Bezüglich  der  S  u  1  p  h  a  t  e  in  den  Wässern  aus  dem  Bereiche  der 
glimmerigen  Grauwackenschiefer  2  c  herrscht  allgemein  die  Ansicht, 
dass  dieselben  ihre  Entstehung  der  Zersetzung  des  in  den  Schiefern 
fein  vertheilten  Pyrites  verdanken.  In  der  That  lässt  sich  in  gewissen 
Schiefern  der  Stufe  Pyrit  nachweisen,  so  namentlich  in  den  grüngrauen 
feinkörnigen,  im  frischen  Zustande  weichen,  an  der  Luft  verhärtenden 
Schiefern  von  Alt-Straschnitz ,  vom  Gehänge  des  Bolidalechügels  und 
auch  aus  dem  tiefsten  Theile  des  Wrschowitzer  Gehänges ,  —  ganz 
abgesehen  von  den  in  dieser  Hinsicht  mehrfach  untersuchten  Grauwacken- 
schiefern  der  Bruska,  des  Prager  Belvederes  und  von  Kosif.  Allein  in 
den  Schiefern,  'welche  auf  Wrschowitzer  Gebiete  am  meisten  ver- 
breitet sind,  nnd  welche  den  allergrössten  Theil  j  e  n  e  s  (Weinberger) 
Gebietes  zusammensetzen,  aus  welchem  sich  das  Grund- 
wasser gegen  W  r  s  c  h  o  w  i  t  z  h  e  r  a  b  b  e  w  e  g  t ,  ist  Pyrit  nur  in 
einzelnen  Lagen  in  minimaler  Menge  nachzuweisen ,  während  in 
der  grossen  Mehrzahl  der  Schichten  überhaupt  keine 
Schwefelverb  in  düngen  enthalten  sind.  Es  wurden  dies- 
bezüglich die  Schiefer  von  verschiedenen  Stellen  oberhalb  des  Zde- 
kauerischen  Gartens,  in  der  Nähe  des  Weinberger  Wasserreservoirs,  in 
der  Palackystrasse ,  in  der  Jablonsky-,  Havliöek-  und  Purkynegasse 
untersucht.  In  vielen  von  den  22  Proben  konnten  Spuren  von  in  Wasser 
löslichen  Sulphaten  nachgewiesen  werden;  nachdem  dieselben  jedoch 
durch  energisches  Auslaugen  des  Pulvers  entfernt  worden  waren,  konnten 
nur  in  5  von  22  Fällen  Spuren  von  Schwefelverbindungen  in  den 
Scliieferproben  ermittelt  werden.  Sehr  auffallend  war  hiebei,  dass  eben 
diese  fünf  Proben  grösseren  Tiefen  entstammten ,  beziehungsweise 
frischer,  weniger  verwittert,  als  die  übrigen  waren.  Diese 
Thatsache  scheint  zu  beweisen,  dass  in  den  zu  Tage  ausgehenden 
Schiefern  2c  bis  in  jene  Tiefen,  aus  welchen  überhaupt  bei  ver- 
schiedenen Anlässen  Proben  gewonnen  werden  können,  die  durch  die 
starke  transversale  Zerklüftung  in  hohem  Grade  geförderte  Zersetzung 
so  weit  vorgeschritten  ist,  dass  von  dem  ursprünglich  in  den  Schiefern 
wahrscheinlich  vorhanden  gewesenen  Eisenkies  keine  oder  höchstens 
schwache  Spuren  übrig  geblieben  sind.     In  Folge  dessen  wird  man  in 

12* 


92  Dl"-  Friedrich  Katzer.  [12] 

Hcziiii'  auf  den  Pviit^üelialt  unter  den  auf  der  Erdoberfläche  der  Unter- 
sucluuig  zug'äni;li(*lien  iilinuuerigcn  (Trauvvackenschiefern  2  c  zwei  Ab- 
arten zu  unterscbeidcn  haben:  p  yri  thal  tige  und  pyrit  freie.  Die 
erstcren  sind  nacli  den  bisherigen  Erfahrung-en  die  fcinkörnig-en, 
tlionij;-en,  von  transversalen  Klüften  weniger  durchsetzten;  die  zweiten 
aber  die  als  typisch  bezeichneten ,  von  quarzigen  Zwischenschichten 
durchschossenen,  stark  zerklüfteten  Schiefer.  Diese  letzteren  sind  nicht 
nur  auf  Wrschowitzer  Terrain,  sondern  im  ganzen  Verbreitungsgebiete 
der  Stufe  iibcrhau])t  viel  mehr  verbreitet  als  die  erstcren,  welche 
haui)tsächlicli  im  Hangenden  der  Stufe,  am  IFebergang  in  die  höhere 
Stufe  2d  {J)db  Harr.)  auftreten.  Die  i)yritarnien  Schiefer  dürften  aber 
in  bedeutenden  Tiefen  ebenfalls  einen  grösseren  Pyritgehalt  aufweisen, 
denn  aus  der  Zersetzung  der  Kiese  blos  in  jenen  wenig  verbreiteten 
Schiefern,  in  welchen  in  den  Oberflachenschichten  Pyrit  wahrgenommen 
wird,  lässt  sich  der  immerhin  bedeutende  Gehalt  an  Sulphaten  in  dem 
Grundwasser  nicht  erklären. 

Auf  Grund  der  Voraussetzung,  dass  man  aus  der  qualitativen  Zu- 
sammensetzung der  frei  strömenden  oder  künstlich  erschlossenen  Quell- 
wässer dürfte  ersehen  können,  welche  Bestandtheilc  dieselben  dem  Boden 
entzogen  haben ,  gedachte  ich  eine  umgekehrte  Beweisprobe  dadurch 
durchzuführen,  dass  ich  die  stofflichen  Veränderungen  bei  der  Ver- 
witterung der  glimmerigen  Grauvvackenschiefer  verfolgte ,  um  hieraus 
ableiten  zu  können ,  welche  Bestandtheilc  durch  die  Sickerwässer  fort- 
geführt worden  sind  und  daher  namentlich  im  Grundwasser  angetroffen 
werden  dürften. 

Gelegentlich  der  Anlage  des  Parkes  auf  dem  Plateau,  dessen  Süd- 
abfall Wrschowitz  einnimmt,  wurden  theils  behufs  Planirung  des  Terrains, 
theils  zum  Zwecke  der  Versetzung  von  alten  Bäumen  Bodenaushebungen 
vorgenommen,  durch  welche  ich  in  den  Stand  gesetzt  wurde,  zu  meinem 
Zwecke  besonders  geeignetes  Material  zu  gewinnen.  Eine  Grube  war 
von  der  Tcrrainoberfläche  bis  zur  Sohle  475  Meter  tief.  In  den  fast 
saiger  stehenden  Schieferscliichten  war  die  Verwitterung  so  gleichmässig 
vorgeschritten,  dass  die  durch  ihre  verschiedene  Färbung  deutlich  unter- 
schiedenen Verwitterungsproducte  fast  horizontale  Lagen  bildeten :  Zu 
oberst  schwarzbraune ,  recht  hunnisrcichc  Ackerkrume  80  Centimeter, 
darunter  eine  mehr  graue  erdige  Lage  o5  Centimeter,  unter  dieser  eine 
kaolinischc,  nach  oben  zu  hellgraue,  in  der  Mitte  gelblichweisse,  unten 
bräunliche,  etwa  GO  Centimeter  starke  Lage,  unter  dieser  eine  45  Centi- 
meter mächtige,  dem  Zerfall  nahe  Zone,  in  welcher  aber  die  Schichtung 
der  Schiefer  wieder  kenntlich  wurde,  darunter  eine  Zone,  die  sich  durch 
lichtere  Färbung  und  die  sehr  deutlich  hervortretenden  Glimmerblättchen 
von  dem  als  normal  zu  bezeichnenden  Schiefer  unterschied,  ujid  endlich 
unten  dieser  letztere  selbst.  Das  Gestein  von  der  Sohle  der  Grube 
besass  ganz  das  Aussehen  der  frischen  Grauwackenschiefer  2c,  wie 
man  sie  überhaupt  zu  erlangen  vermag,  dennoch  kann  es  aus  dem  oben 
erwähnten  Grunde  nicht  als  vollkommen  unangegriflen  bezeichnet 
werden.  Es  versteht  sich  von  selbst,  dass  die  einzelnen  Verwittcrungs- 
zonen  nicht  scharf  von  einander  getrennt,  sondern  durch  allmälige  Ueber- 
gänge  miteinander  verl)unden    waren.     Im  Allgemeinen    wird    man   die 


[131        ^"J"  geolog-  Beurtheilung  der  Trinkwässer  von  Wrschowitz  bei  Prag. 


93 


einzeln  anpet'iilirten  Zersetznngsstadicn  überall,  wo  bei  Grun(lj;rabnng^en 
oder  sonstigen  Gelegenheiten  die  typischen  (Jiauvvackenscbiefer  2  c  gut 
aut'g;escblossen  werden ,  wieder  /u  erkennen  vennög-en .  obwohl  die 
Mächtigkeit  der  Zonen  meist  wohl  eine  geringere  sein  wird  als  in 
unserem  Falle. 

Da  die  Schicliten,  wie  mehrmals  erwähnt,  fast  senkrecht  stehen, 
so  war  es  leicht,  die  verschiedenen  Zersetzungsproducte  ein  u  n  d  d  e  r- 
selben  Schicht  zu  entnehmen.  Ich  wählte  nun  zur  genauen  Anal} se 
das  möglichst  wenig  angegriffene  Gestein  von  der  Grubensohle  und 
dann  jenes  kaolinische  Zersetzungsproduct  (130  Centimeter  unter  der 
Terrainoberfläche),  welches  das  höchste  Stadium  der  Verwitterung  des 
Grauwackenschiefers  vorstellt ,  auf  welches  die  wohl  Jahrzehnte  lange 
Düngung  und  Bearbeitung  der  Ackerkrume  keinen  augenscheinlichen 
Einfluss  ausgeübt  hat.     Die  quantitative  Analyse  ergab : 


1.  Im  frischen  2.  Im  verwitterten 

Gestein  Gestein 

Schwefelsäure  SO^      .     .     .     Spuren  — 

Kohlensäure  CO2    ....        —  Spuren 

Schwefel  S Spuren  — 

Kieselsäure  SW2   ....     74-15  Procent     6624  Procent 

Aluminiumoxyd  Al^Os     •     •     17-22       „  24-01       „ 

Eisenoxyd  Fe^O,   ^    .     .     A  f  0-69       „ 

Eisenoxydul  FeO  .     .     .     .  f     "^  ^'^       "  \  0-25       „ 

Manganoxyd  MnO     ...       0-03       „  — 

Kalk  CaO 1-51       „  0-62       „ 

Magnesia  MgO      ....       178       „  1*33 

Kali  K^O 1-57       „  1-96       „ 

Natron  Na^O 0-82       „  0-42 

Wasser  Ho^O     .     .     .     .     .       1-12       „  5-04 

Summa     .     .  100-93  Procent  100-56  Procent. 


Wie  aus  diesen  Ergebnissen  ^)  ersichtlich ,  äussern  sich  die  stoff- 
lichen Aenderungen,  welche  die  Grauwackenschiefer  2  c  durch  die  Ver- 
witterung erfahren ,  theils  in  einer  relativen  Abnahme ,  theils  in  einer 
Zunahme  gewisser  Bestandtheile.  Eine  Abnahme  findet  bei  Kieselsäure, 
den  Eisenoxyden,  Kalk,  Magnesia  und  Natron  (?)  statt,  eine  Zunahme 
bei  Thonerde,  Kali  und  Wasser.  Dürfte  man  das  kaolinischc  Zersetzungs- 
product als  blosses  Verwitterungsresiduum  des  frischen  Gesteines  be- 
trachten, dann  lässt  sich  leicht  berechnen,  dass,  um  den  ursprünglichen 
Thonerdegehalt  von  17-22  auf  24-01  Procent  relativ  zu  erhöhen,  aus 
dem   frischen  Gestein   3714  Procent  Kieselsäure,    2*56  Procent  Eisen- 


^)  Herr  J.  Schneider,  damals  Assistent  der  Chemie  an  der  böhm. -technischen 
Hochschule  in  Prag,  hat  im  März  1890  auf  mein  Ansuchen  einige  Eevisionsbestimmungen 
vorgenommen.  Er  fand  unter  Anderem  im  frischen  Gestein:  S  0'0077  Procent,  SiO.^ 
76'147  Procent.     Die  übrigen  Werthe  stimmen  mit  den  angeführten  gut  überein. 


94  Dr-  Friedrich  Katzer.  [14] 

oxyd  (das  Oxydul  auf  Oxyd  unigereclmet),  148  Procent  Kalk,  115  Pro- 
cent  Magnesia  ausgelaugt  worden  sein  niüssten ,  auf  dass  sich  die  ge- 
fundenen Mengenverhältnisse  dieser  Bestandthcile  im  verwitterten  Gesteine 
ergeben.  Die  Annahme  ist  aber  keineswegs  zulässig,  schon  aus  dem 
Grunde  nicht,  weil  bei  der  Verwitterung  Thoncrdeverbindungen  allen- 
falls auch  in  Lcisung  übergehen,  also  ein  unverminderter  Bestand  der- 
selben im  Residuum  nicht  angenommen  werden  darf.  Die  chemischen 
Hergänge  bei  der  Verwitterung  sind  bei  der  nicht  einfachen  Zusammen- 
setzung der  Granwackenschiefer  2  c  gewiss  so  complicirter  Natur,  dass 
sie  wohl  kaum  durch  eine  ganze  Reihe  von  Bauschanalysen  erklärt 
werden  könnten ,  geschweige  denn  durch  blos  zwei  Analysen ,  welche 
sich  nur  auf  die  Endglieder  der  Verwitterungsreihe  beziehen.  Immerhin 
dürfte  man  aber  erwarten,  diejenigen  Bestandthcile  des  Grauwacken- 
schiefers ,  welche  durch  die  Zersetzung  und  Auslaugung  nachweislich 
eine  Abnahme  erfahren  haben ,  zunächst  und  hauptsächlich  im  Grund- 
wasser anzutreffen. 

Um  mich  hievon  zu  überzeug-en,  unterzog-  ich  eine  grössere  Anzahl 
von  Brunnenwässern  des  oberen  Schiefergebietes  von  Wrschowitz  i) 
einer  qualitativ-chemischen  Prüfung.  In  allen  wurde  Kieselsäure, 
Kalk  und  Magnesia,  in  den  meisten  T  h  o  n  e  r  d  e  ,  allein  nur 
in  zweien  S  puren  von  E  i  s  e  n  v  e  r  b  i  n  d  u  n  g  e  n  gef und  en .  Dieses 
Ergebniss  ist  insofern  ein  überraschendes,  als  Thonerde  welche  beim 
Verwitternngs-  und  Auslaugeprocess  eine  relative  Anhäufung  erfährt, 
im  Grundwasser  nachgewiesen  werden  kann,  wogegen  Eisenvcrbindungen, 
obwohl  sie  im  verwitterten  und  ausgelaugten  Schiefer  in  geringerer 
Menge  erscheinen  als  im  frischen  Gestein ,  dennoch  im  Wasser  in  der 
Regel  nicht  anzutreffen  sind. 

Aus  diesem  Resultate  ist  sofort  zu  ersehen ,  dass  die  gemachte 
Voraussetzung ,  man  könne  aus  den  stofflichen  Veränderungen ,  welche 
die  Schiefer  2  c  durch  Verwitterung  erleiden ,  direct  ableiten ,  welche 
Ikstandtheile  im  Grundwasser  erscheinen  werden,  eine  irrthümliche 
war.  Aus  der  Beschaffenheit  der  Quellwässer  kann  man  sich  wohl  ein 
Urtheil  darüber  bilden,  welche  Stoffe  dem  Boden  entstammen  dürften, 
aber  umgekehrt  aus  den  Voränderungen ,  welche  die  Gesteine  durch 
den  zersetzenden  Einfluss  von  Luft  und  Sickerwasser  erfahren,  ist  man 
nicht  berechtigt  abzuleiten,  welche  Bestandthcile  im  Grundwasser  wieder 
g;efunden  werden  müssen.  Das  Verhältniss  zwischen  dem 
chemischen  Verhalten  des  phreatischen  Wassers  und 
des  Bodens  ist  kein  solches,  um  es  durch  eine  einfache 
Formel  zum  Ausdruck  bringen  zu  können. 

Behufs  genauerer  Erkenntniss  der  Beschaffenheit  der  Wrschowitzer 
Trinkwässer  wurden  auch  einige  (luantitative  Analysen  ausgeführt, 
wobei  ich  mich  aber  auf  die  Bestimmung  der  Ilauptbestandtheile  be- 
schränkte. Der  Abdampfrückstand  wurde  bei  UW  C.  getrocknet,  die 
Salpetersäure  nach  der  Marx-Bemmelen'schen  Methode,   Schwefelsäure, 


*)  In  der  Baräkgasse  7,  in  der  Jungmanngasse  16,  Jablonskygasse  9,  Havlicek- 
gasse  und  der  neuen,  noch  nicht  benannten  Längsgasse  15,  in  der  Hnsgasse  2,  in  der 
Palackygasse  5- 


[15]         ^^"r  geolog.  Beiirtheiliing  clor  Trinkwässer  von  Wrschowitz  hei  Prag.  95 

Clflnr.  Kalk  und  Mai^nesia  iu  üblicher  Weise  im  unverdiehteten  Wasser 
bestinmit. 

Ans  dem  AUnvialterrain  wurde  nur  das  Wasser  aus  dem  Brunnen 
im  Hofe  bei  Nr.  2\)i^  analysirt.  Die  i;evvoynenen  Resultate  unter- 
scheiden sich  recht  auffallend  von  den  Ergehnissen  der  Wasseranalyseu 
aus  4  Brunnen  des  Schieferterrains,  die  untereinander  ziendiche  Ueber- 
einstimmung-  zeigen.  Zum  Vergleiche  genügt  es,  eine  derselben  jener 
des  Wassers  aus  dem  Alluvialterrain  gegenüber  zu  stellen ,  und  zwar 
wähle  ich  die  Analyse  des  Wassers  aus  dem  Brunnen  Nr.  296  in  der 
Husgasse,  weil  dieselbe  ebenso  wie  jene  des  Brunnenwassers  aus 
Nr.  298  im  October  1890  ausgeführt  wurde. 


Es  wurden  gefunden  Milligramme  im  Liter 


Brunnenwasser  des  Brunnenwasser  des 

Schieferterrains  Alluvialgehietes 

Nr.  296  Nr.  298 

Chlor  Cl 134-6  111'2 

Schwefelsäureanhydrid  SO^  .     .     2602  102- 1 

Salpetersäureanhvdrid  N^O^     .     1974  32-4 

Kalk  CaO     .     .^ 2048  1492 

Magnesia  MgO 109-1  67-5 

Abdampfungsrückstand     .     .     .   1320  1035. 


Man  ersieht  aus  diesen  Analysen,  dass  weder  das  Brunnenwasser 
aus  dem  Schieferterrain,  noch  jenes  aus  dem  Alluvialgebiete  strengen 
Anforderungen,  die  man  an  die  Qualität  der  Trinkwässer  zu  stellen 
berechtigt  ist,  entsprechen,  dass  aber  das  Brunnenwasser  aus  dem 
Alluvialterrain  ganz  entschieden  besser  ist  als  jenes 
aus  dem  Grau  wacken  schief  er.  Ueberdies  ist  anzunehmen,  dass 
das  Wasser  in  Nr.  298  verdorben  ist,  weil  sich  in  nächster  Nähe 
des  Brunnens  Pferdeställe  und  eine  grosse  Schlächterei,  weiter  entfernt 
eine  Rosshaarspinnerei  und  eine  andere  industrielle  Unternehmung  be- 
finden. Mau  darf  also  berechtigter  Weise  annehmen,  dass  das  phreatische 
Wasser  im  Alluvialgebiete  im  Allgemeinen  von  besserer  Qualität  ist  als 
das  analysirte  Wasser;  dagegen  sind  die  Brunnenwässer  des  Schiefer- 
terrains im  Durchschnitt  eher  schlechter  als  jenes  aus  Nr.  296,  und  es 
ist  daher  leicht  zu  entscheiden,  welchem  Wasser  man  den  Vorzug  geben 
soll,  wenn  keine  andere  Wahl  übrig  bleibt,  als  eines  von  beiden  zum 
Trinkgebrauch  und  Kochen  zu  verwenden. 

Die  angeführten  Analysen  zeigen  zugleich,  dass  das  Grundwasser 
des  Alluvialterrains  einen  starken  Zufluss  aus  dem  Schieferbereiche  er- 
fährt, welcher  seine  chemische  Beschaffenheit  unverkennbar  beeinfiusst. 
Wäre  dies  nicht  der  Fall,  dann  müsste  das  Grundwasser  dieses  Gebietes 
besser  sein  als  es  in  der  That  ist.  Die  mächtigen  Sandablagerungen 
des  Terrains  wirken  als  natürliches  Filter  und  verbessern  das  aus  dem 
Schiefergebiete  zuströmende  Wasser  in  physikalischer  und  hygienischer 
Hinsicht    gewiss    wesentlich.     Den    Vorzug    der    Klarheit,    niedrigeren 


96  Dr.  Friedrich  Katzer.  Mßl 

Temperatur  und  vielleicht  Keinifreilieit  wird  somit  das  plireatische 
Wasser  des  Alluvialterrains  vor  jenem  des  8eliiefergebiet.es  stets  voraus 
haben  und  dies  sind  schliesslich  Eigenschaften,  die  bei  Beurtheilung  der 
Trinkwässer  ebenso  ins  Gewicht  fallen,  wie  die  chemische  Beschaffenheit. 


Ich  wäre  sehr  erfreut,  wenn  diese  kleine  Arbeit  zu  ähnlichen 
Untersuchungen  an  recht  zahlreichen  Orten  Anregung  bieten  möchte, 
weil  sich  aus  denselben,  selbst  wenn  sie  in  erster  Reihe  nur  von 
localem  Interesse  sein  sollten,  Material  zur  Beleuchtung  von  noch  unge- 
lösten Fragen  eines  der  wichtigsten  Capitel  der  allgemeinen  Geologie 
ergeben  würde. 


Triaspetrefakten  von  Balia  in  Kieinasien. 

Von  A.  Bittner. 

(Mit  3  Tafeln  und  mehreren  Zinkotypien  im  Texte.) 

In  der  Sitzung  der  mathematisch-naturwissenschaftlichen  Classe 
der  kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  vom  20.  October  1887 
(Anzeiger  1887,  Nr.  XXII,  pag.  242)  berichtete  Prof.  M.  Neumayr 
„lieber  Trias-  und  Kohlenkalkversteinerungen  aus  dem  nordwestlichen 
Kleinasien",  wie  folgt: 

„Vor  Kurzem  brachte  Herr  Bergwerksdirector  N.  Manzavinos 
eine  Anzahl  von  Versteinerungen  aus  dem  nordwestlichen  Kleinasien 
nach  Wien.  .  .  Der  Fundort  liegt  bei  dem  Orte  Kodja-Gümüsh-Maden,  im 
District  Balia  der  Provinz  Karassi,  im  alten  Mysien.  Die  Fossilien  sind 
theils  in  einem  schwärzlichen  Schiefer,  der  äusserlich  gewissen  Halobien- 
p:esteinen  der  Alpen  auffallend  ähnlich  ist,  theils  in  weisslichen  und 
grauen  Kalken  eingeschlossen.  Die  Schiefer  enthalten  Ammoniten  der 
ausschliesslich  triadischen  Gattung  Arcestes,  einen  wellig  gerippten 
Nautilus,  der  an  gewisse  Hallstätter  Arten  erinnert  und  eine  Halobia, 
welche  mit  der  Halobia  rugosa  der  alpinen  Carditaschichten  sehr  nahe 
verwandt  ist,  ferner  noch  einige,  vorläufig  nicht  sicher  bestimmbare 
Muscheln.  Jedenfalls  reichen  diese  Angaben  hin ,  um  zu  zeigen ,  dass 
hier  eine  Ablagerung  der  oberen  Trias  in  alpiner  Ent- 
wicklung vorliegt. " 

Voranstehende  Mittheilung  ist,  soweit  sich  dieselbe  auf  die  Trias 
bezieht,  der  Vollständigkeit  wegen  wörtlich  wiedergegeben.  Die  von 
Prof.  Neumayr  erwähnten  Fossilien  sind  von  deren  Entdecker  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  überlassen  worden. 

Vor  Kurzem  nun  erhielt  dieselbe  durch  freundliche  Vermittlung 
des  Herrn  H.  Baron  v.  Foullon  von  Herrn  Bergwerksdirector  N. 
Manzavinos  abermals  eine  grössere  Sendung  der  Triaspetrefakten 
von  Balia-Maden.  Dieselben  mit  Einschluss  der  ersten  Sendung  sind 
es,  welche  der  nachfolgenden  Beschreibung    als  Grundlage  dienen,  mit 

Jahrhuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  -il.  Ban'l.  i.  Heft.  (A.  Bittner.)  13 


98  A.  Bittner.  [2] 

Ausnalinie  der  nicht  allzu  zalilrcich  vorhandenen  Cephalopoden,  welche 
Herr  Obcrbergrath  E.  v.  Mojsisovics  gcleg-entlich  zu  besprechen  sich 
vorbehalten  hat. 

Der  Ort  Balia-Maden  liegt  etwa  8  Wegstunden  in  ostnordöstlicher 
Richtung  von  der  Hafenstadt  Edremid  entfernt,  nach  der  neuesten 
Kiepert'schen  Specialkarte  (1  :  250000)  vom  Jahre  1890  (überein- 
stimmend mit  F.  V.  T  c  h  i  h  a  t  c  h  e  f  s  älteren  Angaben)  im  oberen  Fluss- 
gebiete (Deirmen  Dere)  des  Kara-Dere-Tshai  (Tarsios) ,  welcher  sich 
nach  Durchströmung  des  Maniassees  in  den  Susurlu-Tshai  (Makestos) 
ergiesst.  Die  genauere  Position  von  Balia-Maden  ist  westnordwestlich 
von  der  grösseren  Stadt  Balikesri  im  Susurlug-ebiete ,  dagegen  ostsüd- 
östlich von  Balia-Bazarkiöi  im  Flussgebiete  des  Gonen-Tshai  (Aesepus). 
Balia-Bazarkiöi  wieder  liegt  unfern  von  dem  Punkte,  an  welchen  die 
Karten  die  Lage  der  alten  mysischen  Stadt  Skepsis  verzeichnen.  Die 
geologische  Karte  von  P.  v.  Tchihatchef  giebt  für  diese  Gegend 
alte  Schiefer,  Thonschiefer  und  Kalk  der  Uebergangsformation,  Syenit 
und  Trachyt  an. 

Es  sind  unter  den  von  Herrn  Manzavinos  eingesandten  fossil- 
führenden Triasgesteinen  mehrere  Vorkommnisse,  die  aber  keineswegs, 
wie  es  scheint,  schärfer  von  einander  getrennt  werden  können,  zu  unter- 
scheiden. 

Das  älteste  dieser  Gesteine  dürfte  nach  den  beigefügten  Notizen 
des  Herrn  Manzavinos  der  schon  von  Prof.  N e u m a y r  erwähnte, 
Halobien  führende  Schiefer  sein,  ein  dunkelgefärbtes,  theilweise  schwärz- 
lichgrünes, feinglimmeriges,  in  Thoneisenstein  übergehendes  oder  Thon- 
eisensteinlagen  einschliessendes  Gestein ,  welches  wirklich  gewissen 
Abänderungen  des  nordalpinen  j^aZo^m  rw^rosa-Schiefers  zum  Verwechseln 
ähnlich  sieht  und  neben  spärlichen  Pflanzenresten  vorzüglich  eine 
Halobia  führt,  welche  der  Halohia  rugosa  Oümh.  sehr  nahe  verwandt 
ist  und  weiterhin  als  H.  Neumayri  n.  sp.  beschrieben  werden  soll. 
Aus  diesen  Schiefern  oder  Schieferthonen  scheint  sich  nach  oben  ein 
Sandstein  zu  entwickeln,  welcher  nach  den  Angaben  des  Herrn  Man- 
zavinos thatsächlich  an  einer  Stelle  (zwischen  der  Memishquelle 
[Memish  -  oglilu]  und  dem  Garten  von  BumbuUa)  auf  den  Schiefern  ge- 
lagert beobachtet  wurde.  Es  stammen  von  dieser  Localität  zunächst 
plattige  Sandsteine  mit  feinen  weissen  Glimmerschüppchen ;  nach  oben 
wird  der  Sandstein  dickbankiger  und  nähert  sich  in  seinem  Aussehen 
sehr  dem  Lunzer  Sandsteine  der  nordalpinen  oberen  Trias.  Sehr  zähe, 
massige,  verkohlte  Pflanzenreste  einschliessende  Sandsteine,  die  zum 
Theil  in  Quarzit  übergehen,  scheinen  ebenfalls  diesem  Niveau  anzu- 
gehören (Localität  Gümüshlü). 

Andererseits  geht  dieser  Sandstein  offenbar  in  ein  mehr  oder 
weniger  kalkiges  Gestein  über,  von  dessen  einzelnen  Handstücken  bis- 
weilen schwer  zu  sagen  ist,  ob  man  sie  noch  zum  Sandstein  zählen 
oder  bereits  für  Kalk  erklären  solle.  Es  ist  zum  grossen  Theile  ein 
unreines,  grau  oder  gclblichgrau  gefärbtes,  sandig  verwitterndes  Gestein 
mit  zjihlreichen  Einschlüssen  und  Gerollen  heller  Kalke.  Von  der 
Localität  Kyzyl-te])c  heisst  es  auf  einem  der  von  Herrn  Manzavinos 
beigelegten  Zettel:  „Oestlicher  Aldiang  des  Kyzyl-tepe;  die  Kalksteine 
sind  oben,  die  Schiefer  unten,  die  Neigung  ist  nach  Südost."    Da  nun 


|3|  Triaspetrefakten  von  Balia  in  Kleiuasien.  99 

andererseits  auch  die  Sandsteine  als  auf  dem  Schiefer  lief;cnd  aii.i;e,ii-el)en 
werden,  so  dürfte  jedenfalls  soviel  sicherii,-estellt  sein,  dass  die  Schiefer 
mit  llalohia  Neumayri  das  älteste  Niveau  rci)räsentiren  und  dass  ent- 
weder an  verschiedenen  Punkten  bald  die  Sandsteine,  bald  die  sandig-en 
Kalke  über  dem  Schiefer  liegen,  oder  dass  vielleiclit  die  Schichtfolge 
Schiefer,  Sandstein,  Kalk  vorhanden  ist.  Im  letzteren  Falle  würde  man 
es  mit  einer  ganz  analog  entwickelten  Serie  eng  mit  einander  ver- 
bundener Gesteine  und  Niveaus  zu  thun  haben  ,  wie  in  den  Kegionen 
der  Nordostalpen ,  wo  die  Reingrabener  Schiefer ,  Lunzer  Sandsteine 
und  Op])onitzer  Kalke  auftreten,  ohne  dass  hiemit  auch  nur  angedeutet 
sein  soll ,  dass  diese  beiden  Schichtfolgcn  einander  auch  wirklich 
entsprechen. 

Diese  oberen  sandigen  und  unreinen  dunklen  Kalke  von  Balia- 
Maden  (Localitäten  :  östlich.er  Abhang  des  Kyzyl-tepc,  nordöstlich  von 
der  Hütte  des  Mustapha)  haben  die  IIau[)tmasse  der  von  Herrn  M  a  n  z  a- 
vinos  aufgesammelten  Petrefakten  geliefert;  es  sind  neben  verkohlten 
Pflanzenresten  insbesondere  Lamellibranchiaten  und  Brachiopoden,  seltener 
Cephalopoden  und  Gasteropoden  in  diesen  Gesteinen  eingeschlossen. 

Ausser  diesen  Vorkommnissen  und  wie  es  scheint,  im  Auftreten 
ohne  Zusammenhang  mit  ihnen,  liegt  noch  ein  Gestein  vor,  welches 
als  von  Ary-Maghara  (Bienengrube,  nordöstliche  Traverse)  stammend 
angegeben  ist.  Es  ist  ein  dunkel  violettgraues,  feinsandig -glinnnerig 
aussehendes,  zähes,  kalkiges  Gestein,  das  in  ziemlich  zahlreichen,  aber 
durchaus  ungenügend  erhaltenen  Exenii)laren  eine  Bivalve  enthält  und 
vorläufig  nicht  mit  Sicherheit  als  triadisch  angesprochen  werden  kann, 
daher  besser  unberücksichtigt  bleibt. 

Es  soll  nun  die  Beschreibung  der  aus  den  voranstehend  bezeich- 
neten Gesteinen  stammenden  Fauna  mitgctheilt  werden,  und  zwar  derart, 
dass  die  beiden  Niveaus  der  Schiefer  und  der  sandigen  und  unreinen 
Kalke  getrennt  zur  Darstellung  kommen. 


I.  Fauna  der  Schiefer  mit  Halobia  Neumayri  m.  von 
Balia-Maden. 

Halobia  Neumayri  nov.  spec. 

Halobia  äff.  rugosa  Gämh.  bei  Neumayr  im  Anzeiger  der  kais.  Akad.  d.  Wissensch., 
mathem.-naturw.  Cl.  1887,  XXII,  pag.  242. 

Eine  Form,  die  der  HaloMa  ruqosa  Gümh.  in  der  Gesammtgestalt 
ausserordentlich  nahe  steht  und  sich  von  derselben  nur  durch  ihre 
Sculptur  unterscheidet.  Der  Wirbel  liegt  wie  bei  Halobia  i-rnjosa  stark 
excentrisch  nach  vorn ,  zwischen  den  beiden  vorderen  Dritteln  des 
Schlossrandes.  Das  vordere  Ohr  ist  breit,  stark  von  der  übrigen  Schale 
abgesetzt ,  durch  undeutliche  Furchung  in  einen  schmäleren  äusseren 
und  einen  breiteren  inneren  Theil  zerfallend,  von  welchen  der  letztere 
Spuren  nach  einwärts  gerichteter  Anwachsstreifung  zeigt,  ähnlich  dem 
Byssusausschnitte  der  Pectiniden.  Auch  ein  hinteres  Ohr  ist  vorhanden 
und  völlig  deutlich  ausgebildet,   von  der  übrigen  Schale  abgesetzt  und 

13* 


100 


A.  Bittner. 


[4] 


mit  auffallend  schräger  Aiivvaclisstreifimg-  verschen,  ausserdem  dadurch 
schärfer  markirt,  dass  die  gröberen  conccntrischen  Runzeln  der  übrigen 
Schale  ihm  zu  fehlen  pflegen.  Die  Anwachsrunzelung  ist  zumeist  kräftig 
ausgebildet;  etwa  15 — 16  Millimeter  vom  Wirbel  entfernt  macht  sich 
eine  besonders  starke  Unterbrechung  bemerkbar,  in  v^^elcher  die  erste 
durchgreifende  Knickung  der  Rippen  eintritt.  Jenseits  dieser  Unter- 
brechung treten  die  conccntrischen  Runzeln  besonders  nächst  dem  hinteren 
Schlossrandc  stark  hervor. 

Die  Radialfurchen  sind  zahlreich ,  scharf  eingeschnitten ,  schon 
nahe  dem  Wirbel  beginnend  und  derart  gekrümmt,  dass  ihre  Con- 
vexität  sich  gegen  rückwärts  richtet.    Die  am  meisten  nach  rückwärts 

gelegenen  werden  bisweilen  so  stark  von 
der  radialen  Richtung  abgelenkt,  dass 
bei  ihnen  schon  vor  jener  starken  Wachs- 
thumsunterbrechung  eine  Wiederum- 
beugung in  radiale  Richtung  eintritt 
(oberes  der  beiden  nebenstehend  abge- 
bildeten Exemplare),  gleichsam  um  die 
starke  Convexität  wieder  auszugleichen. 
Der  dem  hinteren  Schlossrande  zunächst 
liegende  (respective  dem  hinteren  Ohre 
benachbarte)  Theil  vor  jener  ersten 
concentrischen  Unterbrechung  bleibt  dabei 
entweder  ganz  frei  von  Furchen  oder 
besitzt  nur  einige  verschwommene  Spuren 
solcher;  erst  jenseits  der  Hauptunter- 
brechung  stellen  sich  auch  nächst  dem 
hinteren  Ohre  mehr  oder  minder  deutliche 
Furchen  ein.  Auch  nächst  dem  vorderen 
Ohre  bleibt  eine  schmale  Partie  rippen- 
frei oder  ist  nur  sehr  undeutlich  berippt. 
Jenseits  der  Hauptunterbrechung  sind 
die  Rippen  und  Furclien  mehr  radial  gestellt  und  von  da  an  constant, 
bei  manchen  Stücken  (das  untere  der  beiden  abgebildeten)  ausser- 
ordentlich kräftig,  zickzackförmig  hin-  und  hergebogen,  was  dadurch 
hervorgebracht  wird,  dass  die  dicht  gedrängten  concentrischen  Runzeln 
nicht  flach,  sondern  kamniförmig  erhaben  sind  und  in  schiefer  Richtung, 
nicht  vertical  von  den  radialen  Furchen  geschnitten  werden.  Zwischen 
den  stärkeren  primären  Radialfurchen  erscheinen  in  ziemlich  unregel- 
mässiger Anordnung  feinere  und  gegen  den  Rand  verwischt  sich  die 
gesammte  Sculptur,  wodurch  die  Oberfläche  jener  von  Hai.  rugosa 
ähnlich  wird.  Taf.  IV,  Fig.  7  bei  E.  v.  Moj  sisovics  „Ueber  die 
triadischen  Pelecypodengattungen  Daonella  und  Halobia"  giebt  ein  sehr 
gutes  und  charakteristisches  Bild  der  Halohia  riigom.,  auf  welches 
hier  zum  Vergleiche  mit  unserer  Art  hingewiesen  sei.  Die  von  E.  v. 
Moj  sisovics  gegebene  Gattungsdiagnose  von  Halobia  (1.  c.  pag.  7) 
muss  dahin  ergänzt  werden,  dass  gewisse  Halobien  auch  ein  deutlich 
entwickeltes  hinteres  Ohr  besitzen,  wie  aus  der  hier  gegebenen  Be- 
schreibung   hervorgeht.     Das    gilt    auch   für  Halobia  rugosa,   vielleicht 


[5]  Triaspetrefakteu  von  Balia  iu  Kleinasieu.  Jq]^ 

auch  für  andere  Foniien  dieser  Gruppe,  so  für  //.  Z'dteli  Lindstr.  von 
Spitzbergen. 

So  nahe  Halohia  Neumayri  in  ihren  Unu'issen  der  //.  rinjosa 
steht,  so  leicht  unterscheidet  sie  sich  von  derselben  durch  ihre  eben  be- 
schriebene schärfere  Sculptur.  Von  den  übrigen  verwandten  und  als 
Gruppe  der  Halohia  f'allax  von  E.  v.  Mojsisovics  zusanimengefassten 
Halobien  erinnert  Halohia  fallax  in  der  Ornanientirung  ihrer  Wirbel- 
partie recht  lebhaft  an  unsere  Art,  gehört  aber  wie  //.  superha  zu 
jenen  Formen,  bei  denen  jenseits  der  llauptunterbrechung  der  Verlauf 
der  Furchen  wieder  ein  gerader  wird.  H.  intermedia  kann  zum  Ver- 
gleiche nicht  herbeigezogen  werden,  da  sie  eine  viel  breitrippigere 
Form  ist,  die  E.  v.  Moj  sisovics  nur  in  ungenügenden  Bruchstücken 
gekannt  hat;  auch  ist  ihr  Wirbel  weit  weniger  excentrisch  gelegen. 
Der  mehr  gerade  Verlauf  der  Rippen  bei  H.  Zittelü  von  Spitzbergen 
schliesst  auch  diese  Art  von  einem  näheren  Vergleiche  mit  unserer  Form 
aus  und  auch  H.  Hochstetteri  von  Neuseeland  scheint  sich  enger  der 
H.  ZitteUi  als  der  Halohia  rugosa  anzuschliessen.  Die  Hauptunter- 
schiede dieser  letztgenannten  und  der  H.  Neumayri  liegen ,  wie  aus 
der  oben  gegebenen  Beschreibung  hervorgeht,  hauptsächlich  in  der  bei 
H.  Neumayri  näher  am  Wirbel  beginnenden  radialen  Furchung,  deren 
stärker  hervortretenden  Convexität,  in  dem  Fehlen  der  Furchen  nächst 
dem  hinteren  Ohre  und  in  der  kräftigeren  Sculptur  überhaupt,  während 
diese  auf  der  Schale  von  H.  rugosa  gleichmässiger  entwickelt  und 
ausserordentlich  verschwommen  und  schwach  ausgebildet  ist.  Diese  Ver- 
schwommenheit wird  hervorgebracht  durch  die  grosse  Menge  und  ge- 
ringe Tiefe  der  Furchen,  zwischen  denen  sich  noch  eine  grosse  Anzahl 
feiner  Nebenfurchen  entwickeln,  so  dass  schliesslich  die  gewöhnlich 
breiten  und  flachen  Halobienrippen  bei  dieser  Form  auf  scharfkantige, 
schmale  Räume  zusammenschmelzen,  welche  für  H.  rugosa^  wie  schon 
E.  v.  Moj  sisovics  hervorhebt,  ganz  besonders  charakteristisch  sind. 
Auch  H.  Neumayri  besitzt  dieselben  nicht,  sondern  ihre  Rippen  nähern 
sich  denen  der  übrigen  Halobien.  Bei  Halohia  rugosa  sind  im  Gegen- 
satze zu  den  übrigen  Formen  die  Furchen  breiter  als  die  Rippen.  Die 
concentrische  Runzelung,  die  bei  H.  rugosa  am  stärksten  an  den  Wirbel- 
partien auftritt  —  und  zwar  hier  nahezu  mit  Ausschluss  der  Radial- 
sculptur  —  erstreckt  sich  bei  H.  Neumayri  gleichmässiger  über  die 
gesammte  Schale.  Diese  Unterschiede  in  der  Sculptur  geben  bei  aller 
Aehnlichkeit  in  den  allgemeinen  Umrissen  den  beiden  Arten  doch  ein 
sehr  verschiedenes  Aussehen. 

H.  Neumayri  scheint  in  den  Schiefern  und  den  damit  verbundenen 
Thoneisensteinlagen  von  Balia-Maden  durchaus  nicht  selten  vorzu- 
kommen. 

Pecien  (Leptochoncfria  nov.  subgen.)  aeolicus  nov.  spec. 

Tab.  II,  Fig.  13. 

Aus  einem  Stücke  zähen  Thoneisensteins  wurden  mehrere  gewölbte 
und  zwei  ganz  flache  Klappen  einer  pectenartigen  Bivalve  gewonnen, 
welche  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  zusammengehören. 


102  A.  Bittner.  [6] 

Die  g-ewölbtc  Klai)pc  besitzt  sehr  wenig'  abgesetzte,  mit  der  übrigen 
Schale  naiiezu  zusaninienfiiessende  Ohren,  von  denen  das  linksseitige 
(von  aussen  gesehen)  fast  constant  ein  wenig  breiter  und  zugleich 
weniger  schräg  abgestutzt  zu  sein  scheint  als  das  der  entgegengesetzten 
Seite;  es  würde  das  erstere  mnthmasslich  als  vorderes  Ohr  anzusehen 
sein.  1)  Die  Bcrippung  der  Schale  ist  ziemlich  unregelmässig,  die  Haupt- 
rippen beginnen  in  geringer  Zahl  (ungefähr  10)  nächst  dem  Wirbel ; 
zwischen  sie  schalten  sich  entfernter  vom  Wirbel  ebenfalls  10  kaum 
viel  schwächere  ein  und  weiterhin  entstehen  zwischen  diesen  Haupt- 
rippen noch  in  jedem  Zwischenräume  meist  2,  wieder  unter  einander 
ungleiche  Ri])pchen.  Es  herrscht  somit  in  der  Berippung  eine  ziemlich 
weitg-ebcnde  Unregelmässigkeit,  in  einem  Zwischenräume  k()nnen  auch 
3  feinere  Rippchen  oder  nur  ein  solches  vorhanden  sein.  Gegen  die 
F'lanken  hin  erscheint  die  gesannnte  Berip})Uiig  feiner  und  dichter  ge- 
drängt, die  Ohren  sind  nahezu  oder  ganz  frei  von  Rippen.  Alle  Rippen 
sind  dünn ,  rundlich ,  fadenförmig ,  sie  entwickeln  sich  durchwegs 
selbständig,  niemals  durch  Spaltung,  Sie  sind  fast  immer  unbe- 
deutend wellig  hin-  und  hergebogen,  überdies  durch  die  stärkeren  An- 
wachsringe  meist  verschoben ,  durch  die  äusserst  zarte  und  dichte 
feinere  Anwachsstreifung  oft  ein  ganz  klein  wenig  rauh.  Gegen  den 
Unterrand  hin  verwischt  sich  die  gesammte  Berippung  recht  beträcht- 
lich. Der  Rand  verflacht  sich  überhaupt.  Die  beiden  rechtseitigen 
Klap])en,  welche  aus  demselben  Gesteinsstücke  stammen,  sind  fast  ganz 
eben,  nur  in  ihrem  oberen  Theile  kaum  merklich  vorgewölbt,  besitzen 
eine  ganz  ähnliche,  aber  weit  undeutlichere  Berippung,  etwa  so  wie 
jene  des  Unterrandes  der  gewölbten  Klappen.  Das 
hintere  Ohr  ist  gar  nicht  von  der  übrigen  Schale 
,,.-—— :i^sr — -^  abgesetzt,  das  vordere  durch  einen  tiefen  Byssus- 
ausschnitt  abgetrennt.  Leider  sind  diese  Deckel- 
klappen nicht  zum  Besten  erhalten,  doch  dürfte 
nebenstehende  Skizze  ein  ziemlich  richtiges  Bild 
derselben  geben.  An  einer  der  grossen,  respective 
gewölbten  Klappen  ist  der  Schlossraud  zu  beob 
achten.  Es  besteht  aus  einer  sehr  niedrigen ,  die 
ganze  Breite  des  Schlossrandes  einnehmenden  Area, 
in  deren  Mitte  eine  äusserst  flache,  kauai  vertiefte, 
breitdreieckige  Grube  liegt. 
Vorausgesetzt  nun,  dass  die  beiden  verschiedenen  Klappen  aus 
demselben  kleinen  Gesteinsstücke  —  wie  es  wohl  wahrscheinlich  ist  — 
wirklich  zu  einer  und  derselben  Form  gehören,  so  stösst  die  Fixirung 
der  generischen  Stellung  dieser  Form  auf  nicht  unbeträchtliche  Schwierig- 
keiteji.  Von  verwandten  Formen  ist  es  fast  allein  Pecten  inaequtstriatus 
Ooldf.  (nach  Giebel:  Lieskau,  pag.  21 ,  Tab.  H ,  Fig.  18),  auf  den 
man  beim  Vergleiche  geführt  wird,  eine  Form  oder  Formengru])])e, 
welche  bekanntlich  unsicher  zwischen  Pecten,  Avicula  und  jMonotis 
hin-  und  herschwankt,    neuestens    von  den  Meisten  wieder  zu  Monotis 


')  Fig.  i;-i  zeigt  das  rechtseitige  Olir  ein  wenig  kräftiger  entwickelt.  Das  ist  ein 
Umstand,  welcher  vielleicht  dagegen  spricht,  dass  die  erwähnten  flachen  Klappen  zu 
dieser  Art  gehören. 


\ 


[7]  Triaspetrefakten  von  Balia  in  Kleinasien.  |Q3 

gestellt  wird.  Doch  wird  für  diese  Formen  von  keiner  Seite  das  Vor- 
handensein eines  Byssiisohres  angegeben,  daher  trotz  aller  vVehnlichkeit 
in  der  äusseren  Form  und  in  der  Scul})tnr  die  kleinasiatische  Art  — 
immer  vorausgesetzt,  dass  die  erwähnte  flache  rechte  Klappe  wirklich 
ihr  angehört  —  nicht  weiter  mit  ihnen  verglichen  werden  kann.  Ebenso 
entfallt  der  weitere  Vergleich  mit  Monotis  überhaupt.  Es  wäre  also 
zunächst  an  Pseudonionotis  zu  denken.  Allein  alle  sicheren  Pseudo- 
monotisarten  (Typus :  Pseudom.  speluncaria  des  Zechsteins)  sind  ausge- 
sprochen ungleichseitige,  aviculaartige  Formen ,  so  dass  auch  an  eine 
Zutheilung  zu  dieser  Gattung  nicht  gedacht  werden  kann;  überdies 
würde  einer  solchen  auch  das  Schloss  des  P.  aeolicus  widersprechen. 
Würde  die  hier  beschriebene  Form  aus  paläozoischen  Schichten  stammen, 
so  wäre  zunächst  an  das  Genus  Aviculopecten  zu  denken ,  das  viele 
ähnliche  Formen  in  sich  begreift.  Aber  auch  die  Charakteristik  von 
Aviculopecten  schliesst  die  hier  beschriebene  Form  aus,  indem  diese 
Gruppe  ungleichseitige  Arten  mit  einer  dem  Schlossrande  parallelen 
Ligamentfurche  in  sich  begreift.  Es  bleibt  also  nur  noch  Pecten  im 
weiteren  Sinne  übrig ,  obschon  ebenfalls  nicht  leicht  eines  der  zahl- 
reichen Subgenera  und  Genera,  in  welche  die  ursprüngliche  Gattung 
zerspalten  wurde,  als  geeignet  zur  Aufnahme  des  P.  aeolicus  bezeichnet 
werden  kann,  wenn  man  an  der  Fassung  derselben  festhalten  will. 
Es  dürfte  sich  demnach  wohl  als  der  beste  Ausweg  die  Aufstellung 
eines  eigenen  subgenerischen  Namens  für  diese  Form  empfehlen ,  als 
welchen  ich  „Leptoch  ondria"  vorschlage.  Leptochondria  umfasst 
gleichseitige,  uugleichklappige  Pectiniden  mit  ganz  undeutlich  abge- 
setzten Ohren,  deren  Schlossrand  eine  sehr  breite  niedrige  Area,  in 
der  Mitte  mit  ganz  unmerklich  vertiefter  breitdreieckiger  Grube  auf- 
weist ;  die  linke  Klap])e  ist  gewölbt,  die  rechte  flach,  deckclförmig,  mit 
tiefem  Byssusausschnitte  unter  dem  vorderen  Ohre.  Die  Schalenstructur 
der  einzigen  bisher  hieher  zu  stellenden  Art  ist  eine  fein  und  unregelmässig 
gerippte,  die  Rippen  sind  durch  Anwachsringe  zumeist  verschoben. 

Pergamidia  nov.  gen.   Eumenea  nov.  spec. 

Tab.  III,    Fig.  1—3. 

Eine  dickschalige  aviculaähnliche  Bivalve,  wohl  das  häufigste  und 
auffallendste  Fossil  der  Schiefer  mit  Halohia  Neumayri.  Beide  Klappen 
gleichgestaltet,  beiderseits  geflügelt,  der  hintere  Flügel  durch  ein  sehr 
schwach  ausgeprägtes  Eck  von  dem  nicht  ausgebuchteten  Hinterrande 
abgesetzt.  Das  vordere  Ohr  sehr  dickschalig,  weit  am  Vorderrande 
herabziehend  und  hier  einen  ungemein  stark  entwickelten  Byssusaus- 
schnitt  begrenzend ,  der  sich  über  nahezu  zwei  Drittel  der  Höhe  des 
Vorderrandes  erstreckt  (Fig.  3  a) ;  der  Vorderrand  der  Muschel  klafft 
demnach  in  einer  ungewöhnlich  weitgehenden  Weise.  Schlossrand  dick, 
innen  der  ganzen  Länge  nach  mit  rinnenartig  vertiefter  Ligamentarca 
versehen ;  diese  Rinne  erstreckt  sich  auch  auf  den  vorderen  Flügel,  ist 
aber  hier  seichter  und  wird  von  der  tieferen  Rinne  des  hinteren  Flügels 
dwch  einen  schwach  angedeuteten  niedrigen  Absatz  geschieden,  welcher 
Absatz  der  vorderen  Begrenzung    der   schiefen  Bandgrube  bei   Avicula 


104  A.  Bittner.  [g] 

ZU  entsprechen  scheint.  Noch  undeutlicher  als  in  der  rechten  ist  dieser 
Absatz    in    der    linken  Klappe    —    vergl.    nebenstehende  Zinkotypien, 

während     Fig.   2     auf 
Tab.  III    nach     einem 
gerade  an  dieser  Stelle 
verbrochenen       Exem- 
plare gezeichnet  ist.  Die 
untere  Begrenzung  des 
rückwärtigen      Theiles 
dieser    Ligamentfurche 
gegen    das   Innere   der 
Schale  ist  völlig  gerad- 
linig   und     scharf  bis 
gegen  den  Rand  hinaus. 
Die  hier   beschriebene   Form    erreicht  beträchtliche  Dimensionen, 
das  grösstc  der  mir  vorliegenden  Exemplare  wird  nahezu  1  Decimeter 
lang  und  fast  ebenso  hoch.  Es  ist  das  in  Fig.  1  in  reducirter  Grösse  ab- 
gebildete.    Die  Gestalt  der  Klappen  variirt  ein  wenig;  ein  schmäleres 
Exemplar  ist  in  Fig.  3  in  seiner  linken  Klap])e  dargestellt.  Die  Zuwachs- 
streifung    tritt    nur    stellenweise    ein   wenig  deutlicher   hervor,    andere 
Sculptur  ist  nicht  einmal  in  Spuren  vorhanden.     Die   dicke  Schale    ist 
in  Späth  umgewandelt. 

Die  rinnenförmige  Randgrube  und  der  ungewöhnlich  weitklaffende 
Vorderrand  beider  Klappen  dieser  Form  lassen  es  wohl  gerechtfertigt 
erscheinen ,  dass  für  dieselbe  eine  eigene  generische  Abtheilung  er- 
richtet wurde. 

Im  Schiefer  mit  Halolna  Neumayri  sowohl  als  in  den  begleitenden 
Sandsteinen ;  eine  zweite  Art,  die  weiterhin  zu  beschreiben  sein  wird, 
auch  in  den  Kalken  von  Balia-Maden. 

?  Posidonomya  pergamena  nov.  spec. 

Mit  Halohia  Neumayri  auf  denselben  Gesteinsstiicken  tritt  in  sehr 
zahlreichen,  aber  durchwegs  verdrückten  und  verzerrten  Individuen  eine 
Bivalve  auf,  welche  provisorisch  ihren  Platz  bei  Posidonomya  finden 
mag.  Die  Abbildungen,  welche  F.  v.  Hauer  in  Denkschr,  d.  kaiserl. 
Akad.  1850,  II.  Bd.,  Tab.  III,  Fig.  7,  9  giebt,  entsprechen  ziemlich 
genau  dieser  Form  ,  die  bisweilen  noch  ein  wenig  grösser  zu  werden 
scheint.  Der  Wirbel  ist  immer  völlig  zerdrückt,  daher  der  Schlossrand 
nicht  blosszulegen ;  derselbe  war  jedenfalls  nur  kurz  und  von  den 
Seitenrändern  kaum  merklich  abgesetzt.  Die  Oberfläche  der  Schale 
zeigt  concentrische  Anwachsstreifung  und  gröbere  Anwachsringe,  stellen- 
weise auch  eine  Art  radialer  Runzelung,  welche  aber  wohl  Folge  der 
Verdrückung  ist. 

In  den  zähen  eisenschüssigen  Lagen  sind  diese  Bivalven  weniger 
verdrückt,  aber  nur  als  Steinkerne  erhalten;  sie  werden  dann  theilweise 
höher,  nehmen  bisweilen  eine  starke  concentrische  Wellung  an  und 
erinnern  dann  aufs  lebhafteste  an  Stoppani's  Östren  rictetiana  des 
Infralias  (Tab.  37),  nur  zeigen  sie  nie  jene  Anwachsstelle,  welche 
Stoppani  bei  dieser  Art  zeichnen  lässt. 


rg]  Triaspetrefakten  von  Balia  in  Kloinasien.  jQfj 

Dieselbe  Bivalve  scheint  auch  in  den  weiterhin  zu  besprechenden 
Kalken  aufzutreten,  wie  gezeigt  werden  soll. 

Es  ist  ferner  nicht  ausgeschlossen,  dass  die  oben  erwähnten 
Bivalvenrcste  der  Localität  Ary-Maghara  ebenfalls  dieser  Art  angehören. 
Das  verschiedene  Aussehen  des  Gesteins  ist  vielleicht  darauf  zurück- 
zuführen, dass  es  von  einem  frischen  Grubenanbruche  genommen  wurde. 

Corbis  spec. 

Sehr  ähnlich  der  später  zu  beschreibenden  grossen  Gorhx's  Man- 
zavinii  aus  den  Kalken,  aber  weit  kleiner  bleibend,  entsprechend  feiner 
concentrisch  gefurcht  und  mit  weiter  rückwärts  liegenden  Wirbeln.  Mit 
Pergamidia  Eiimenea  und  Halohia  Neumayri  zusammen  von  der  Localität 
Memish-oghlu. 


Ausser  den  hier  beschriebenen  Arten  treten  besonders  in  den 
verwitternden,  zu  einer  gelben  staubigen  Masse  zerfallenden  Thoneisen- 
steinen  noch  andere  Arten  auf  Es  liegen  in  Steinkernen  und  Hohl- 
drücken vor  insbesondere  eine  kleine  Nucula  und  mehrere  Pleuro- 
toraariaartige  Gasteropoden.  Mit  ihnen  zusammen  fand  sich  ein 
Fragment  einer  grossen  Gyroporella,  das  circa  7  Millimeter  im 
Durchmesser  hat  und  in  unregelmässige  Ringe  zu  zerfallen  beg-innt; 
die  innere  Structur  ist  durch  Späthigwerden  gänzlich  verwischt. 

Endlich  liegt  aus  den  grünlichschwarzen  sandigen  Schiefern  mit 
Halohia  Neumayri  ein  Pflanzenrest  vor,  welchen  Herr  Hofrath  D.  Stur 
zu  untersuchen  und  zu  bestimmen  die  Güte  hatte.  Es  ist:  Heeria 
Lunzensis  Stur. 


II.  Fauna  der  Kalke  mit  Spirigera  Manzavinii  m.  von 

Balia-Maden. 

Terebratula  iurcica  nov.  spec. 

Tab.  I,  Fig.  6,  7,  8. 

Vom  Aussehen  einer  etwas  plump  gestalteten  Ter.  gregaria  Suess^ 
leicht  biplicat,  mit  besonders  kräftig  verdickten  Schnabel-  und  Schloss- 
partien. Der  Schnabel  ist  nur  wenig  vorgebogen,  ungewöhnlich  schief 
abgeschnitten  .  daher  die  Endöflfnung  ansehnlich  gross  und  weit.  Die 
Figuren  7  und  8  sind  nach  Stücken  mit  wohl  erhaltener  Mündung  ge- 
zeichnet. Der  Wirbel  der  kleinen  Klappe  mit  Septum.  Schale  sehr  fein 
und  dicht  punctirt. 

Ganz  eigenthümlich  ausgebildet  erweisen  sich  die  Schnabel-  und 
Schlosspartien.  Die  Schnabelöflfnung  erscheint  ringsum,  auch  nach  innen, 
geschlossen ,  was  bei  einzelnen  Exemplaren  schon  äusserlich  wahrge- 
nommen werden  kann.  Beim  Beginne  des  Anschleifens  erw^eist  sich  die 
Aussenwand  des  Schnabels  als  ungewöhnlich  verdickt,  später  löst  sich 
eine  innere  Lamelle  von  der  Aussenwand  ab  und  der  Schlitf  zeigt  eine 

.Taliibncli  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  1.  Heft.  (A.  Bittner.)  14 


106  A.  Bittner.  fio] 

balbiiiondfdrmig'e  Fiii'ur,  welche  beide  Lamellen  mitsammen  bilden. 
Nachdem  diese  Verdoppelung  der  Aussenwand  bereits  verschwunden  ist, 
erscheint  der  Schnabel  noch  immer  als  geschlossener  King;  an  der 
Innenseite  desselben  stossen  die  verdickten  Wände  in  einer  Naht  zu- 
sammen. Nun  erst  zeigt  sich  im  Schliffe  der  massive  Wirbel  der  kleinen 
Klappe,  in  welchem  sich  weiterhin  die  Zahngrubenstützen  entwickeln, 
welche  in  der  Mitte  der  kleinen  Klap])e  zusammenstossend  das  Median- 

septum    bilden.     Zahnstiitzen    der    grossen 

Klap])e  sind  nicht  vorhanden. 

^  JL  Ein    zweites ,     sehr    schräge    durch- 

/  rFv)     üi^^       r^        schliffenes  Exem])lar  zeigt  naturgemäss  alle 

H«i#'       \^    J       ^^        diese  Bildungen    in    rascherer  Reihenfolge, 

O'"''^^       /0\       theilweise   zu  gleicher  Zeit  (nebenstehende 
W       Fig.  II). 
^_^   7/      X       ^^  Die     eigenthümliche     innere    Neben- 

"^  (L  -J  Se*  w  (^  lamelle  der  Aussenwand  des  Schnabels  ist 
^"yg^  y^^  y~J  auf  eine  sehr  kräftige  Verdickung  der 
/"^"--v  i  \SB       Schalenwand  und  Umstülpung  des  Schnabel- 

'*  ^^^  /^"^"^  randes    nach    innen    zurückzuführen ,    wie 

''JK'  (  )        M       Medianschliffe  lehren.  Ein  durch  die  Fig.  III 

/-— --\   ^L2^     '--/^      ^^^^    Medianschliflfes    in    der  Richtung    der 
j  (        ^  /^^~      punktirten    Linie    gelegter    Schnabelschliff 

y^^  giebt  dann  natürlich   die  doppelte  Lamelle 

^^  und  halbmondförmige  Figur  der  Schnabel- 

aussenwand. 
In  der  Schlosseinrichtung  steht,  abgesehen  von  der  Verdoppelung 
des  Aussenrandes  des  Schnabels,  Ter.  turcica  dem  Typus  der  rhätischen 
Terehratula  gregaria    (Rhaetina   iVaagen)    am    nächsten    (vergl.    Zug- 
mayer, Taf.  I,  Fig.  7  mit  nebenstehender  Fig.  8). 

Terehratula  turcica  ist  eines  der  häufigsten  Fossile  in  den  Kalken 
vom  Östlichen  Abhänge  des  Kyzyl-tepe  bei  Balia-Maden.  Die  grössten 
Exemplare  werden  nur  wenig  grösser  als  das  Tab.  I,  Fig.  8  abgebildete, 
sehr  gut  erhaltene  Stück. 

Rhynchonella  anatolica   nov.  spec. 

Tab.  I,  Fig.  5. 

Wie  Terehratula  turcica  an  die  rhätische  Ter.  gregaria ,  so  er- 
innert eine  nur  in  wenigen  Stücken  von  Balia  vorliegende  Rhynchonella 
an  die  rhätische  Rh.  fissicostata  Suess. 

Es  ist  eine  Form  mit  ungefähr  24 — 25  vom  Wirbel  ausstrahlenden 
Rippen,  von  denen  10  einer  Mittelregion  entsprechen,  welche  aber  nur 
in  der  breiten  Stirnzunge  der  grossen  Klappe  ausgesprochen  ist, 
während  derselben  ein  eigentlicher  Sinus  fehlt.  Die  Seiten  sind  neben 
dem  Wirbel  der  kleinen  Klappe  ein  wenig  ausgehöhlt.  Die  Stirn- 
commissur  ist  ungewöhnlich  hoch  und  scharf  gezackt ,  wie  das  bei 
Rhynchonella  fissicostata  wohl  kaum  jemals  vorkommt;  auch  scheinen 
die  Rippen  durchaus  selbständig  vom  Wirbel  an  zu  verlaufen,  nicht  zu 
spalten ,  wie  es  einige  bei  Rh.  fissicostata  stets  zu  thun  pflegen.  Die 
Rippen  sind  nicht  so  scharfkantig  wie  bei  der  rhätischen  Art,  sondern 


jll|  Tiiaspetret'aktcii  von   IJalia  in   Kleiuasien.  |  ( )7 

abjicrinulot.  Ol)  diese  Merkmale  eine  gewisse  C'oiistan/  besitzen,  kann 
vorlautii;'  nicht  entschieden  werden.  Vorliiutii;'  glau))e  ich  wenigstens 
auf  Grund  der  scharf  ge/ackten  Stirnconnnissur  diese  Form  nicht  mit 
Rh.  ßtisicostata  vereinigen  zu  können. 

Rhynchonella  levaniina  nov.  spec. 

Tab.  I,  Fig.  1—4. 

Wie  die  rhiitisehe  BhijnchoneUa  fi's.ii'costata  in  Bh.  fiuhrimoaa  eine 
constante  lieg:leitform  besitzt,  so  erseheint  auch  Rh.  anatolica  mit  einer 
durch  schwächere  Berippung  ausgezeichneten  analogen  Form  vergesell- 
schaftet. Dieselbe  ist  indessen  weit  stärker  berip|)t  als  die  rhätische 
Rh.  rubrvmosa  das  in  der  Regel  zu  sein  pflegt  und  entfernt  sich  in 
Folge  dessen  weiter  von    dieser   als  Rh.  anatolica  von  Rh.  fissicostata. 

Es  ist  eine  kleine,  zumeist  symmetrische,  nur  selten  unsymmetrische 
(Fig.  2)  Form  mit  10 — 14  Ri])pen,  deren  4 — 5  mittlere  einem  merklich 
vertieften  Sinus  der  grossen  Klappe ,  respective  einer  Erhöhung  der 
kleinen  Klappe  entsprechen.  Die  Rippen  sind  einfach  ,  wenig  kräftig 
und  entspringen  unweit  der  Wirbel.  In  der  Gesammtgestalt,  speciell  in 
der  Breite,  unterliegt  diese  Form  beträchtlichen  Schwankungen,  einzelne 
Stücke  werden  darin  gewissen  Abänderungen  der  Rh.  subnmosa  recht 
ähnlich,  insbesondere  den  von  Zugmayer,  Tab.  IV,  Fig.  27  abge- 
l)ildeten  schmäleren  Formen.  Die  echte  Rh.  rubrirnom  der  Kössener 
Schichten  besitzt  aber  entfernter  vom  Wirbel  ansetzende,  oft  nur  auf 
den  Stirnrand  beschränkte  Rippen,  während  Zugmayer  vorzugsweise 
solche  Stücke  zur  Abbildung  gebracht  hat,  welche  eine  durchgreifendere 
Berippung.  also  Annäherung  an  Rh.  ßssicostata  zeigen.  Ein  Vergleich 
der  Abbildungen  der  Rh.  levantina  mit  den  von  Suess  gegebenen 
Abbildungen  der  Rh.  subrimosa  lässt  demnach  die  Unterschiede  beider 
greller  hervortreten. 

Von  anderen  Arten  der  alpinen  Trias  ist  es  die  von  mir  be- 
schriebene Rh.  carantana  der  Bleyberger  Carditaschichten ,  die  der 
Rh.  levantina  am  nächsten  steht;  doch  ist  das  einzige  bisher  bekannte 
Stück  der  Kärntener  Art  schmäler  als  Rh.  levantina.  Vielleicht  wird 
reichlicheres  Materiale  von  derselben  erlauben ,  beide  Arten  zu  ver- 
einigen. Rhynchonella  Concor diae  m.  des  Dachsteinkalkes  ist  im  Allge- 
meinen spärlicher  berippt  als  die  hier  beschriebene  Art  und  gehört 
einem  anderen  Typus  an. 

Rhynchonella  levantina  scheint  eine  der  häufigeren  Arten  des  Trias 
von  Balia-Maden  zu  sein. 

Spirigera  Manzavinii  nov.   spec. 

Tal).  I,  Fig.  9-11. 

Unter  voranstehendem  Namen  sei  ihrem  Entdecker  und  Einsender, 
Herrn  Bergwcrksdirector  N.  Manzavinos  zu  Ehren,  eine  der  schönsten 
und  autfallendsten  Arten  der  Fauna  vom  Kyzyl-tepe  bei  Balia-Maden 
beschrieben  und  eingeführt.  Wie  die  vorangehenden  Brachiopodenarten, 
findet    auch    diese    in    einer   rhätischen  Form  der  Alpen,    der  grossen 

14* 


108  A.  Bittner.  |12] 

Spin'gera  oxycolpos  Emmr.  ^  ihr  SeitenstUck,  ohne  doch  mit  derselben 
identisch  zu  sein. 

Spin'gera  Manzavhni  steht  in  der  Grösse  den  g-rössten  Exemplaren 
der  alpinen  Spirigera  oxycolpos  nicht  nach ,  bleibt  zwar  etwas  kürzer 
als  diese  Art,  übertritü't  sie  dagegen  namhaft  in  der  Breite.  Während 
Spirigera  oxycolpos  durch  nahezu  kreisrunde  Form  ausgezeichnet  ist, 
besitzt  Spirigera  Majizavimi  eine  quersechseckige  Gestalt,  welche  durch 
Fig.  9  recht  entsprechend  wiedergegeben  ist.  Manche  Stücke  sind  gegen 
den  Stirnrand  hin  noch  merklich  verbreitert.  Die  Wölbung  der  Kla])pen 
ist  eine  nur  geringe ,  weshalb  Sp.  Jlanzavinü  im  Vergleiche  mit  Sp. 
oxycolpos  flacli  erscheint.  Der  Schnabel  der  Art  von  Balia  ist  nicht 
übergebogen,  sondern  nur  ein  wenig  vorgebogen,  die  Endöffnung  gross, 
insbesondere  im  Vergleiche  mit  der  winzigen  Schnabelöffuung  der  Kös- 
sener  Art.  Ein  Fragment  der  grossen  Klappe  erlaubte  die  Schlossregion 
mit  ihrer  gut  entwickelten  Area  und  dem  offenen  Deltidium  sammt  den 
Schlosszähnen  vollkommen  blosszulegen  (Fig.  11). 

Die  Anwachsstreifung  der  Schale  ist  nicht  so  fein  und  dichtge- 
drängt wie  bei  Sp.  oxycolpos.,  sondern  die  Wachsthumsunterbrechungen 
bilden  eine  Reihe  stark  markirter,  schärferer  Absätze  in  etwas  unregel- 
mässigen, meist  ansehnlich  weiten  Zwischenräumen.  Darin  steht  diese 
Art  der  neuseeländischen  Spiriqero  Wreyi  Siiess  (Novarareise ,  geol. 
Theil  I,  2.  Abth. :  Paläont.  v.  Neuseeland,  pag.  28,  Tab.  VII,  Fig.  3) 
nahe.  Jugendformen  von  Sp.  Manzavinii  (Fig.  10)  dürften  kaum  von 
solchen  der  Sp.  oxycolpos  (vergl.  Suess,  Rhät.  Brach.  Tab.  1,  Fig.  5 
bis  8)  zu  unterscheiden   sein. 

Die  Scliale  der  Sp.  Manzavinii  ist  faserig ,  innen  eigenthümlich 
radial-lamellar  zusammengesetzt.  Ein  angeschliffenes  Bruchstück  zeigte 
auch  den  einen  Spiralkegel ,  dessen  Umgänge  aus  einer  einfachen 
Lamelle  bestehen,  welche  die  conunaförmige  Verdickung  besitzt,  wie 
jene  von  Sp.  oxycolpos  (Suess,  1.  c.  Tab.  I,  Fig.  20). 

Es  dürfte  nach  voranstehender  Beschreibung  kaum  nöthig  sein, 
nochmals  die  Unterschiede  dieser  hier  beschriebenen  Art  gegen  Spirigera 
oxycolpos  hervorzuheben.  Spirigera  Manzavinii  ist  nach  dem  mir  vor- 
liegenden Materiale  eines  der  häufigsten  Fossile  des  Kalkes  vom  Kyzyl- 
tepe  bei  Balia-Maden,  so  dass  sie  gewissermassen  als  bezeichnende 
Form  desselben  betrachtet  werden  kann. 

Spiriferina  cfr.   Emmrichii  Suess. 

Tab.  I,  Fig.  12. 

Waren  die  bisher  beschriebenen  Brachiopoden,  wenn  auch  rhäti- 
schen  Arten  nahe  verwandt ,  doch  specifisch  von  ihnen  zu  trennen ,  so 
dürfte  es  kaum  möglich  sein,  die  wenigen  bis  jetzt  aus  der  Fauna  von 
Balia-Maden  vorliegenden  Reste  von  Spiriferincn  von  rliätischen  Arten 
der  Alpen  zu  unterscheiden. 

Die  Tab.  1,  Fig.  12  abgebildete  Schnabelklappe  ist  ohne  Zweifel 
eine  Repräsentantin  der  sehrvariabeln  Gruppe  der  Spiriferina  Emmriclm., 
und  zwar  eine  jener  gleichmässig  und  sparsam  bcrippten ,  wenig  sinu- 
irten  Formen,  welche  auf  den  ersten  lUick  lebhaft  an  die  ältere 
Spirif.    (Mentzelia)  Köveskalliensis  Suess  erinnern    (vergl.   Abhandl.  d. 


[13]  Triaspetrefakten  von  Balia  in  Kleinasien.  |Q<) 

k.  k.  c:eol.  Rcichsanstalt.  XIV',  pai;-.  284),  sieli  aber  diircli  ihren  tripar- 
titen  Schnabel  als  Angehörige  der  Enunrichii-Gruppe  verrathen.  Die 
Siniisfalten  sind  bei  dieser  sparsam  beripptcn  Form  nur  in  der  Zwei- 
zahl vorhanden. 

Auf  eine  weit  verschiedene  Form  der  Emmrichii-Gruppe ,  und 
zwar  auf  die  grob  gerippte  var.  acerrima  m. ,  welche  von  Dernö  in 
Ungarn  bekannt  wurde,  dürfte  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  ein 
Bruchstück  einer  Spiriferina  mit  tripartitem  Schnabel  und  mit  Rippen 
im  Sinus,  sonst  vom  Aussehen  der  Muschclkalkart  8p.  fragüis^  zu  be- 
ziehen sein.  Wir  hätten  also  hier  wie  zu  Dernö  und  in  den  Starhem- 
bcrger  Schichten  Niederösterreichs  sehr  verschiedene  Formen  dieses 
Typus  vergesellschaftet. 

Spiriferina  Suessii  Winkl. 

Eine  einzelne  grosse  Klappe  dieser  für  Kössener  Schichten  so 
charakteristischen  Art,  welche  sich  aber  auch  bereits  tiefer,  im  Bereiche 
des  Hauptdolomits ,  respective  Dachsteinkalks  in  identischen  oder  doch 
sehr  nahestehenden  Formen  wiederholt  gefunden  hat ,  ähnlich  wie 
Spirifjera  oxycolpos.  In  demselben  Gesteinsstücke  mit  einem  Exemplare 
der  Spirigera  Manzavinii. 

Discina  spec. 

Tal).  I,    Fig.   13. 

Eine  Discina  von  länglicher  hochgewölbter  Gestalt  und  ziemlich 
guter  Erhaltung. 

Lima  (Plagiostoma)   mysica  nov.  spec. 

Tal).  II,   Fig.  1. 

Eine  dünnschalige  und  fast  vollkommen  glatte  Lima,  welche  nur 
ganz  nahe  dem  Vorder-  und  dem  Hinteriande  einige  äusserst  schwache, 
mit  freiem  Auge  kaum  wahrnehmbare  Spuren  von  Radialstreifung  be- 
sitzt. Der  vordere  Schlossrand  der  abgebildeten  rechten  Klappe  ist  ein 
Avenig  concav,  das  hintere  Ohr  ragt  nur  sehr  wenig  hervor,  immerhin 
aber  ist  es  deutlicher  w^ahrnehmbar,    als  die  Figur  das  erkennen  lässt. 

Lima  mysica  gehört  einem  in  triadischen  und  jurassischen  Ab- 
lagerungen sehr  verbreiteten  Typus  an.  Am  nächsten  unter  den  be- 
kannten alpinen  Arten  steht  ihr  wohl  Lima  (Plag.)  nuda  Parona  aus 
lonibardischen  Raibler  Schichten  (Studio  monogr.  della  Fauna  Raibliana 
diLombardia,  1889,  pag.  83,  Tab.  IV.  Fig.  5);  dieselbe  ist  aber  viel 
grösser  und  besitzt  starke  Anwachsstreifung.  Sehr  ähnlich  ist  auch 
Lima  (Plag.)  fraecursor  Qu.  (Jura,  Tab.  I,  Fig.  22— -24),  doch  meint 
Quenstedt,  dass  sie  nicht  ganz  glatt  gewesen  sei. 

Lima  (Radula)  Baliana  nov.   spec. 
Tab.  II,    Fig.  3. 

Eine  Form  aus  der  Verwandtschaft  der  besonders  im  Lias  und 
Jura  verbreiteten  duplicatcn  Linien,  welche  dadurch  ausgezeichnet  sind, 


110  A.  ßittncr.  |14| 

dass  sie  in  den  Zwisclieiiräiimen  der  /iemlicli  scliarf  daclifonnii;'  i;o- 
stalteten  Hauptrippen  eine  mehr  oder  minder  deutlich  entwickelte 
Nebenrippe   besitzen. 

Die  abgebildete  rechte  Klappe  ist  mit  ungefähr  15  —  IG  Ri])pcn 
bedeckt,  welche  schmal  und  dachförmig-  erhaben  sind.  Ihre  Zwischen- 
räume zeigen  zumeist,  aber  nicht  durchgehends,  eine  sehr  schwache 
Nebenrippe,  die  sich  nur  da,  wo  die  Hau])tri])pen  weiter  aus  einander 
treten,  kräftiger  erhebt.  Die  Ohren  sind  ziendieh  gross,  leider  nur  in 
den  Umrissen  blosszulegen  gewesen ,  während  fest  anhaftendes  Gestein 
ihre  Oberfläclie  verdeckt.  Das  vordere  Ohr  ist  das  grössere,  es  ist  am 
Vorderrande  ein  wenig  ausgerandet. 

So  ähnlich  manche  der  beschriebenen  Arten  der  hier  angeführten 
Lima  auch  sind,  so  bin  ich  doch  nicht  im  Stande ,  eine  mit  ihr  iden- 
tische namhaft  zu  machen.  Es  liegen  mehrere,  darunter  auch  doppelt  so 
grosse  Exemplare,  als  das  abgebildete  ist,  vor. 


?  Hinnites  scepsidicus  nov.  spec. 

Tab.  II,   Fig.  9. 

Der  Gattung  Hinnites  wohl  dürfte  noch  am  ehesten  der  Steinkern 
einer  unregelmässig  gestalteten  pectenartigen  Schale  zuzuweisen  sein, 
deren  Wirbelpartien  stark  gewölbt  sind,  während  weiterhin  die  Klappe 
viel  flacher  wird.  Die  Ohren  sind  stark  ungleich ,  das  rcchtseitige 
(hintere?)  viel  kleiner  als  das  linksseitige,  im  Uebrigen  ist  die  Schale 
mit  etwa  10  Hauptrippen  verziert,  zwischen  welche  nächst  dem  Rande 
in  der  Kegel  je  3  feinere  Rippen  eingeschoben  sind. 

Diese  Form  erinnert  auf  den  ersten  Blick  einigermassen  an 
Parona's  Hinnites  Omhonii  ans  lombardischen  Raibler  Schichten,  doch 
ist  letztere  Art  weitaus  kräftiger  geflügelt,  als  die  kleinasiatisclie  Form. 


Pecten  mysicus  nov.   spec. 

Tab.  II,  Fig.  7,  8. 

Ein  Pecten,  dessen  gewölbte  linke  Klappe  etwa  60 — 70  sehr 
ungleich  entwickelte  Rippen  besitzt,  während  die  wahrscheinlich  dazu- 
gehörende flache  rechte  Klappe  ein  wenig  si)arsamer  berippt  ist  (Fig.  <S 
Abbildung  derselben  von  der  Innenseite).  Auch  die  Ohren  tragen  Rippen. 
Die  Anwachsstreifung  tritt  gegenüber  der  Radialsculptur  in  der  Stärke 
merklich  zurück. 

Pecten  Valoniensis  Defr\  (bei  S  u  e  s  s  und  0  p  p  e  1 :  Kössencr 
Schichten,  in  Sitzber.  kais.  Akad.  XXI,  Tab.  II,  Fig.  8)  ist  recht  ähidich, 
aber  bei  der  hier  beschriebenen  Art  sind  die  Rippen  wohl  noch  un- 
gleichmässiger  ausgebildet  und  die  rechte  Klappe  ist  flacher.  Da  die 
von  Suess-Oppel  und  die  von  Moore  (Quart.  Jourii.  1861)  gegebenen 
Abbildungen  des  P.  Valoniensis  unter  einander  völlig  übereinstimmen, 
so  scheint  diese  Art  recht  constante  Charaktere  zu  besitzen,  \\as  dafiir 
sprechen  würde,  die  hier  beschriebene  Form  davon  zu  trennen. 


Mf)]  Triaspelrefakten  von  Balia  in  Kleinusien.  l\1 

Pecten  spec.    ind. 
Tab.  II,  Fig.  18. 

Ein  selii"  indifferenter  glatter  Pecten ,  welcher  am  ehesten  mit 
Stopp ani's  P.  inomatus  von  Esino  verglichen  werden  kann.  Die 
abgebildete  Klappe  dürfte  die  rechte  oder  ßyssusklappe  sein,  doch  ist 
das  des  anhaftenden  zähen  Gesteines    wegen    nicht  sicher  festzustellen. 

Avicula  (?  Meleagrina)  Foulloni  nov.  spec. 

Tat  ir,  Fig.  2. 

Eine  glatte,  ziemlich  schiefe  Avicula,  deren  stark  gewölbte  linke 
Klappe  vorliegt.  Sie  besitzt  eine  Form,  welche  lebhaft  an  jene  zahl- 
reicher triadischer  Gervillien  erinnert,  in  erster  Linie  an  GervüUa 
Meriani Stopp,  (bei  Parona,  1.  c.  Tab.  VII,  Fig.  2,  Avicula  spec.  bei 
Es  eher,  Geol.  Bern.  Tab.  IV.)  Aber  Parona  zeichnet  das  Gervillien- 
schloss  dieser  Art,  während  an  der  Form 
von  Balia  ein  Aviculenschloss  blossgelegt 
werden  konnte ,  wie  es  nebenstehende 
Figur  zeigt.  Diesem  zu  Folge  haben  wir 
es  hier  mit  einer  Avicula ,  vielleicht 
speciell  sogar  mit  einer  Meleagrina  zu 
thun.  Meleagrinen  sind  auch  sonst  aus 
der  Trias  bekannt;  ich  erinnere  nur 
an  Avicula  (Meleagrina)  Tundrae  Teller 
von  Wercbojansk  (Mem.  Ac.  Imp.  Sc. 
Petersburg     1886,      7.    Ser. ,     XXXIII, 

pag.  133,  Tab.  XIX,  Fig.  9).  Aus  der  alpinen  Trias  dagegen  ist 
meines  Wissens  eine  Avicula,  welche  mit  der  kleinasiatischen  Art 
verglichen  werden  könnte,  bisher  nicht  bekannt  geworden.  Die  einzige 
rnir  bekannte,  als  Avicula  beschriebene  Form  aus  triadischen  Ablage- 
rungen, welche  der  Avicula  Foulloni  nahestehen  dürfte,  ist  die  sehr 
ungenügend  erhaltene  Avicula  Homfrayi  Gahb.  aus  der  californischen 
Trias  (Geol.  Surv.  of  California  bj  J.  D.  Whitney ;  Palaeontology,  1864, 
vol.  I,  pag.  29,  Tab.  VI,  Fig.  26).  Die  Rhätfauna  von  Schonen  hat 
einige  ähnlich  aussehende,  zu  Avicula  gestellte,  kleine  Formen,  so  be- 
sonders Avicula  Nilssoni  Lundgren  (Studier  öfver  faun.  in  d.  stenkolf. 
format.  i  nordvöstra  Skane,  1878,  pag.  40,  Tab.  I,  Fig.  11,  12). 

Es  sei  bemerkt,  dass  die  Abbildung  von  Avicula  Foulloni  nicht 
ganz  entsprechend  ausgefallen  ist ,  indem  das  vordere  Ohr  zu  gross 
gezeichnet  wurde.  Der  Hinterrand  dürfte  nicht  ausgebuchtet  gewesen 
sein ,  wie  die  Anwachsstreifung  am  Uebergange  vom  Scbloss-  zum 
Hinterrande ,  von  welcher  nachträglich  noch  eine  Partie  blossgelegt 
werden  konnte,  vermuthen  lässt.  Es  wurde  deshalb  ausser  der  Schloss- 
ansicht auch  noch  eine  correctere  Aussenansicht  des  Schlossrandes  in 
den  Text  beigegeben. 


112  A.  Bittner.  |10| 

Cassianella  angusta  nov.   spec. 

Tab.  II,  Fio'.  15,  16. 

Eine  sehr  scbmale,  glatte  Cassianella,  die  leider  nur  sclir  nnge- 
niigend  erhalten  ist,  da  an  beiden  vorliegenden  Exemplaren  der  hintere 
Flügel  fehlt  nnd  eines  derselben  überhaupt  mir  Steinkern  ist.  Der 
Wirbel  ist  sehr  stark  übergebogen  nnd  eingerollt.  Von  St.  Cassian  liegt 
in  der  Sammlung  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  eine  sehr  ähnlich  ge- 
staltete Form,  welche  schwerlich  mit  Cass.  gryphaeata  vereinigt  bleiben 
kann.  Eine,  wie  es  scheint,  vollkommen  identische  Form  tritt  in  den 
Carditaoolithen  vom  Segengottesstollen  bei  Kleinzeil  in  Niederösterreich 
auf  (Bittner,  Hernstein  pag.  114).  Auch  Stäche  bildet  (zur  Fauna 
der  Beilerophonkalke  Südtirols,  Jahrb.  1878,  pag.  114,  Tab.  IV,  Fig.  19) 
eine  sehr  ähnliche  schmale  '?  Cassianella  spec.  ab. 

Pergamidia  Aitalea  nov.  spec. 

Tab.  III,  Fig.  4. 

Ein  Bruchstück  einer  zweiten  Art  des  im  Vorhergehenden  aufge- 
stellten Aviculidengeschlechtes  Pergamidia,  von  der  oben  beschriebenen 
P.  Eumenea  dadurch  verschieden,  dass  der  steile  Abfall  des  Mittelfeldes 
der  Schale  gegen  den  vorderen  Flügel  eine  deutliche  Rippe  trägt, 
unterhalb  welcher,  noch  näher  dem  Ohre,  die  Andeutung  einer  zweiten 
sich  zeigt.  Die  Anwachsstreifung  ist  insbesondere  nächst  dem  Wirbel 
etwas  stärker  ausgeprägt  als  bei  der  zuerst  beschriebenen  Art ,  der 
hintere  Flügel  vielleicht  etwas  schmäler,  die  Byssusöftnung  vorhanden. 
Obschon  das  Schloss  nicht  blossgelegt  werden  könnte,  darf  diese  Form 
wohl  mit  Bestimmtheit  schon  ihrer  äusseren  Gestalt  wegen  zu  Perga- 
midia gestellt  werden. 

?  Posidonomya  pergamena  nov.  spec. 

Tab,  II,  Fig.  14. 

Diese  schon  aus  den  Schiefern  angeführte  Bivalve  tritt  auch  in  den 
Kalken,  wenn  auch,  wie  es  scheint,  viel  vereinzelter  auf,  wenigstens 
würde  ich  das  abgebildete  Stück  nicht  von  den  Formen  der  Schiefer 
zu  trennen  wagen.  Von  der  auf  derselben  Tafel  abgebildeten  Lima 
mysica  unterscheiden  sich  diese  Bivalven  leicht  durch  den  Mangel  des 
hinteren  Ohres  und  durch  die  gerundetere  und  kürzere  vordere  Schlosslinie. 

?  Gervillia  cfr.   angusta   Goldf. 

Tal).  II,  Fig.  17. 

Ein  kleines ,  wahrscheinlich  jugendliches  Exemplar  einer  wahr- 
scheinlich zu  Gervillia  gehörenden  Form  ,  zum  mindesten  dem  in  den 
obertriadi sehen  Ablagerungen  der  Alpen  weitverbreiteten  Typus  der 
Gervillia  angusta  Goldf.  äusserst  nahestehend. 


[17]  Tiiaspetrefakleu  von  Balia  in  Kleinasien.  1|3 

l/lysidia  nov.  gen.   orientalis  nov.   spec. 

Tab.  ir,  Fig.  10. 

Nur  rechte  Klappen,  vier  an  der  Zalil,  liegen  vor.  Die  Scliale  ist 
massig  gewölbt,  dünn,  selir  fein  gestreift;  im  angewitterten  und  ab- 
blätternden Zustande  wird  die  Streifung  deutlicher.  Die  Vorderseite  ist 
abschüssig,  ohne  Flügel  oder  Ohr,  der  hintere  Flügel  dagegen  breit, 
doch  allmälig  in  den  Hinterrand  übergehend.  Die  umgeschlagene  Areal- 
partie des  Vorderrandes  (vergl.  Fig.  10«)  ist  ansehnlich  breit,  tritt  dabei 
aber  etwas  aus  der  die  beiden  Klappen  trennenden  Ebene  zurück, 
so  dass  wohl  eine  Byssusöifnung  vorhanden  war ;  unter  dem  Wirbel 
steigt  neben  ihr  sehr  steil  ein  Zahn  auf,  hinter  welchem  eine  Aushöhlung 
folgt,  an  welche  erst  der  lange  hintere  Schlossrand  sich  anschliesst, 
der  durch  eine  Ligaraentrinne  ausgeh(ihlt  ist ,  die  nach  innen  durch 
eine  ziendich  scharf  ausgepriigte  Längsleiste  begrenzt  wird.  Seitenzähne 
sind  nicht  vorhanden. 

Die  systematische  Stellung  der  hier  beschriebenen  Form  ist  nicht 
leicht  zu  fixiren.  Der  äusseren  Form  nach  erinnert  sie  an  Angehörige 
der  paläozoischen  Gattungen  AmbonycMa  Hall,  und  Myalian  Kon.^ 
also  gerade  an  jene  Gattungen,  welche  in  ihrer  Charakteristik  zwischen 
den  Familien  der  Aviculiden  und  der  Mytiliden  schwanken.  Das  ebene, 
horizontal  gestreifte  Schlossfeld  der  Ambonychien  und  Myalinen  fehlt 
der  kleinasiatischen  Form  indessen,  andererseits  giebt  es  unter  den  als 
Myalinen  beschriebenen  Arten  einzelne ,  welche  in  der  Bildung  der 
Cardinalzähne  ihr  sehr  nahe  stehen  dürften,  so  Myalina  recurvirostris 
M.  a.  W.  (Pal.  of  Illinois  II,  pag.  M4,  Tab.  26,  Fig.  9).  In  der  Bildung 
der  Ligamentrinne  kommt  unserer  Form  wohl  Bey rieh's  Atomodesma 
aus  muthmasslich  triadischen  Ablagerungen  von  Timor  am  nächsten; 
eine  der  beiden  Arten  von  Atomodesma  ist  auch  in  der  Gestalt  unserer 
Art  zum  Verwechseln  ähnlich,  freilich  besitzt  letztere  nicht  die  Faser- 
schale von  Atomodesma,  auch  sind  die  beiden  Atomodesma  von  Timor 
nicht  gestreift  und  es  wird  auch  nicht  angegeben,  ob  sie  ein  gezähntes 
Schloss  besitzen ,  so  dass  auch  eine  Einreihung  in  dieses  Genus  nicht 
stattfinden  kann.  Atomodesma  ist  übrigens  ebenfalls  eine  jener  Gattungen, 
über  deren  systematische  Stellung  keine  Uebereinstimmung  besteht  ; 
denn  während  sie  Zittel  zu  den  Aviculiden,  spec.  Inoceraminen  bringt, 
versetzt  sie  Waagen  unter  die  MytiHden. 

Das  Schloss  von  Mysidia  erinnert  entfernt  auch  an  jenes  gewisser 
Limen  mit  schiefer  Area,  z.  B.  Plagiostoma  lineatum  Goldf.  bei  Giebel, 
Lieskau,  Tab.  VI,  Fig.  11  und  auch  die  Schalensculptur  und  Structur 
dürfte  jener  von  diesen  Plagiostomen  am  nächsten  stehen.  Doch  ist 
schon  der  äusseren  Gestalt  wegen  die  hier  beschriebene  Art  nicht  zu 
Plagiostoma  zu  ziehen.  In  der  alpinen  Trias  ist  nichts  bekannt ,  was 
mit  Mysidia  verglichen  werden  könnte  und  es  dürfte  nach  alledem  am 
gerathensten  sein,  die  hier  beschriebene  Art  als  Typus  eines  neuen 
Genus  zu  betrachten,  dessen  Kenntuiss  in  Folge  des  Fehlens  der  linken 
Klappe  allerdings  vorläufig  als  äusserst  unvollständig  gelten  muss. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  I.Heft.  (A..  Bittner.)  15 


114  A.Bittner.  [18] 


Modiola  spec.  indei. 

Tab.  IT,  Fig.  11,12. 


Eine  recht  indiifereut  aussehende  Modiola,  welche  vielleicht  am 
besten  mit  Stoppani's  Modiola  pupa  verglichen  werden  kann.  Auch 
gewisse  Pleurophorusarten  der  alpinen  Trias ,  deren  Stellung  aber 
theilweise  wohl  kaum  hinreichend  gesichert  ist,  sind  derselben  ähnlich. 

Myiilus  spec.  indei. 

Auch  die  Gattung  Mytilus  ist  vertreten ,  bisher  aber  nur  in  zu 
einer  Beschreibung  gänzlich  ungenügenden  Bruchstücken. 

Myophoria  micrasiatica  nov.  spec. 

Tab.  II,   Fig.  6. 

Die  Figur  dieser  Art  auf  Tab.  II  ist  gänzlich  misslungen.  Durch 
ein  zweites  etwas  grösseres  Exemplar,  das  seither  aus  dem  Gesteine 
gewonnen  wurde  und  durch  den  Umstand,  dass  es  gelang,  das  hinter 
dem  Kiele  gelegene  Feld  bei  dem  abgebildeten  Stücke  wenigstens  theil- 
weise vom  Gestein  zu  befreien,  bin  ich  jetzt 
in  die  Lage  versetzt,  eine  correctere  Umriss- 
skizze der  Form  beifügen  zu  können.  Man 
hat  es  in  dieser  Form  mit  einer  Verwandten 
der  rhätischen  M.  Emmrichii  Winkt,  zu  thun, 
wie  die  radiale  Verzierung  des  hinteren 
Schalenfeldes  (Schildes)  lehrt.  Am  besten 
unter  den  von  Dittmar  zu  If.  Emmrichii 
gezählten  Formen  stimmt  Moore's  Myophoria  postera  Qu.  (Quart. 
Journ.  1861,  XVII,  Tab.  XVI,  Fig.  8—9)  mit  unserer  Form  überein, 
doch  scheint  die  englische  Form  gedrungener  und  schmäler  zu  sein. 
Quenstedt's  Myophoria  postera  (Jura,  Tab.  I.)  hat  gröbere  concen- 
trische  Sculptur  und  die  Furche  vor  dem  Kiel  ist  stärker  entwickelt. 
Myophoria  alta  Gabh.  aus  der  californischen  Trias  ist  weit  höher  als 
unsere  Form. 

Eine  unregelmässige  Spaltung  der  concentrischen  Erhöhungen  lässt 
sich  auch  bei  unserer  Form  beobachten,  und  zwar  so ,  dass  nicht  nur 
einzelne  dieser  Runzeln  sich  gegen  rückwärts  spalten ,  sondern  auch 
umgekehrt,  dass  andere  sich  in  derselben  Richtung  vereinigen,  respective 
sich  gegen  vorwärts  spalten.  Diese  concentrischc  Runzelung  ist  demnach 
eine  recht  unrcgelmässige.  Beim  Durchsetzen  der  Rinne  vor  dem  Kiel 
verlöschen  die  Runzeln  nahezu ,  um  jenseits  derselben  nochmals  sich 
kräftiger  zu  erheben.  Der  Kiel  selbst  ist  ansehnlich  scharf;  die  Anzahl 
der  Radiallinien  auf  dem  Schilde  kann  nicht  mit  Sicherheit  bestimmt 
werden;  es  sind  jedenfalls  deren  nur  wenige  vorhanden,  vielleicht 
4—5.  An  der  intimen  Verwandtschaft  dieser  hier  beschriebenen  Form 
mit    den    um    die    rhätische    Myophoria  Emmrichii   Winkl.    sich    grup- 


[19]  Triaspetrefakten  von  Balia  iu  Kleiiiasien.  ^  ]  5 

pirenden  Myophoren  kann  keinesfalls  gezweifelt  werden.  Unter  den 
älteren  obertriadischen  Formen  kommt  am  nächsten  Myophoria  lineata 
Münst.  (Myophoriopis  Wöhrm.) ,  doch  fehlt  ihr  die  Furche  vor  dem 
Kiel,  ihre  concentrische  Ornamentirung  ist  regelmässiger  und  das  hintere 
Feld  anders  gebaut  und  verziert. 

?  Schizodus  spec.  indet  (äff.   Ewaldi  Born.) 

Tab.  II,   Fig.  5. 

Einen    zweiten    rhätischen  Myophoridentypus    in    der  Fauna    von 
Balia  vertritt  eine  kleine  Bivalve,  deren  Abbildung  Fig.  5  leider  eben- 
falls nicht  ganz  entsprechend  ausgefallen  ist,    weshalb  neben- 
stehend   eine  Skizze    derselben  beigefügt    wurde.     Sie   gehört      ^, 
offenbar  in  die  Gruppe  ^q^  Schizodus  (Myophoria)  Ewaldi  Born.      0] 
(Schizodus  cloacinus  Qu.),  ist  aber    beträchtlich    schmäler    als      ^ — 
die    Mehrzahl    der   hierher   gestellten  Formen,    von  denen  ihr 
Myophoria  isosceles  Stojjp.  noch  am  nächsten  stehen  durfte.  Von  älteren 
triadischen    Myophorien    wären    gewisse,    sehr    schmale  Abarten    der 
Myophoria    orbicularis    in    Vergleich    zu    ziehen,    sowie    insbesondere 
W  ö  h  r  m  a  n  n's  Myophoricardium  lineatum  aus  den  Nordtiroler  Cardita- 
schichten. 

Corbis  Manzavinii  nov.  spec. 

Tab.  II,  Fig.  4. 

Obschon  das  Schloss  dieser  Art  unbekannt  geblieben  ist,  dürfte 
dieselbe  doch  mit  hinreichender  Sicherheit  zu  Gorhis  (Fimhria,  Sphaeriola) 
in  der  Nähe  der  wohlbekannten  Raiblerart  Gorhis  MelUngii  Hauer  zu 
stellen  sein,  von  welcher  sie  sich  aber  durch  ihre  beträchtlichere  Breite 
unterscheidet.  Die  Wirbel  sind  massig  eingerollt,  die  Schale  ist  mit 
regelmässigen,  kräftigen  concentrischen  Wülsten  bedeckt.  Diese  sowohl 
wie  die  Mehrzahl  der  obertriadischen  Corbisarten  möchten  wohl  am 
besten  in  das  Seh afhäutl'sche  Genus  6^ono(^on  einzureihen  sein. 


Ausser  den  hier  beschriebenen  Arten  haben  die  Kalke  vom  Kyzyl- 
tepe  bei  Balia-Maden  noch  mehrere  andere  Arten ,  die  aber  noch  un- 
genügender erhalten  sind,  geliefert.  Es  sind  Angehörige  der  Gattungen 
Area,  Lima,  Pecten ,  Nucula ,  Myophoria  etc.  Von  Gasteropoden  liegt 
nur  eine  sehr  grosse,  aber  schlecht  erhaltene  Chemnitzia  vor  und  eine 
Patella,  welche  der  P.  costulata  Münst.  von  St.  Cassian  recht  nahe  steht. 

Betrachtet  man  die  vorangehend  beschriebene  Fauna  in  ihrer 
Gesammtheit,  so  lässt  sich  der  obertriadische  Charakter  derselben  nicht 
verkennen,  unter  den  Petrefakten  des  Schiefers  ist  es  insbesondere 
Halobia  Neumayri,  welche  lebhaft  an  die  verbreiteteste  aller  alpinen 
Halobieu,  an  Halobia  rugosa  Giimb.,  erinnert. 

Unter  den  Fossilien  der  Kalke  sind  es  in  erster  Jjinie  die  Brachio- 
poden,    welche  Art  für  Art   sich    an  obertriadische  Formen  der  Alpen 

15* 


116  A.  Bittner.  [20] 

anlehnen,  ja  tlieilweise  mit  solchen  sog-ar  specifisch  identisch  zu  sein 
scheinen.  Und  zwar  nähern  sie  sich  speciell  wieder  den  rhätischen 
Arten  der  Alpen.  Fast  dasselbe  gilt  für  die  Lamellibranchier  der  Kalke; 
auch  hier  ist  eine  ganze  Anzahl  von  Formen  zunächst  wieder  rhätischen 
Arten  vergleichbar,  daneben  giebt  es  aber  auch  solche,  welche  an  die 
nächst  ältere  verwandte  Fauna  ,  jene  der  Raibler  Schichten ,  erinnern. 
Einige,  den  triadischen  Ablagerungen  der  Alpen  bisher  fehlende,  fremd- 
artige Typen  treten  hinzu;  sie  wurden  als  Mysidia  und  Pergamidia 
nn.  gg.  beschrieben.  Sie  können  kein  Hinderniss  abgeben ,  dass  die 
entsprechenden  Ablagerungen  von  Balia  mit  Bestimmtheit  als  ober- 
triadisch  erklärt  werden ,  wobei  allerdings  die  Frage  offen  gelassen 
werden  muss ,  ob  man  dieselben  direct  für  eine  Vertretung  der  rhäti- 
schen Bildungen  oder  ob  man  sie  für  älter  als  diese  anzusehen  habe. 
Darüber  werden  jedenfalls  erst  weitere  AufsammUmgen  und  vorzüglich 
stratigraphische  Untersuchungen  an  Ort  und  Stelle  entscheiden. 

Das  Auftreten  einer  so  reichen  und  wolilcharakterisirten  Fauna 
von  obertriadisch-alpincm  Habitus  im  nordwestlichen  Kleinasicn  ist  um 
so  merkwürdiger,  als  bisher  in  den  zunächst  liegenden  Theilen  der 
europäischen  Türkei  obertriadische  Ablagerungen  nur  sehr  spärlich  bekannt 
geworden  sind.  Abgesehen  von  Bosnien  (vergl.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichs- 
anstalt, 1880,  pag.  262,  321 ;  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1888, 
pag.  162,  195;  1890,  pag.  311),  hatte  nur  die  Dobrudscha  obertriadische 
Petrefakten  geliefert,  während  gerade  in  dem  zunächst  liegenden  Balkan- 
gebiete von  F.  Toula  nur  triadische  Bildungen  vom  Alter  des  Werfener 
Schiefers  und  des  Muschelkalkes  aufgefunden  Avorden  w-aren.  Doch 
verdanke  ich  Herrn  Prof.  Toula  die  Nachricht ,  dass  neuestens  das 
Vorhandensein  obertriadischer  Ablagerungen  auch  im  Balkan  wahr- 
scheinlich geworden  sei. 


Ueber  die  Beziehungen  der  Barrande'schen 
Etagen  6'  ü  und  E  zum  britischen  Silur. 

Von  Dr.  Josef  Weiitzel, 

Privat-Doceut  au  der  deutsclien  techuisclieu  Hochschule  zu  Prag. 

Vorbemerkung. 

Ursprünglich  von  der  Absicht  getragen ,  mich  an  der  Hand  der 
iirafangreichen  Literatur  über  die  auf  der  Tagesordnung  stellende  Hercyn- 
frage  zu  belehren ,  schien  es  mir  von  nicht  geringer  Wichtigkeit ,  auf 
Grund  paläontologischer  Thatsachen  die  äquivalente  8chichtengruppe 
der  Bar  r  an  de'schen  Etage  E  in  Britannien  festzustellen.  Das  jüngst 
erschienene  Werk  von  Etheridge:  „Fossils  of  the  British  Islands" 
leistete  mir  dabei  vorzügliche  Dienste  und  ich  erkannte  bald ,  dass  die 
paläontologischen  Beziehungen  zwischen  dem  böhmischen  und  englischen 
Silur  viel  weiter  reichendere  seien,  als  man  bisher  anzunehmen  gewohnt 
war.  Dieser  Umstand  bewog  mich ,  auch  die  Etagen  D  und  G  mit  in 
das  Bereich  meines  Studiums  zu  ziehen  und  so  entstand  die  vorliegende 
Arbeit. 

Die  azoische  Schichtengruppe  Barrande's  (Etage  Ä  und  B) 
findet  keine  Berücksichtigung,  die  Frage  nach  der  Natur  der  Colonien 
wurde  hie  und  da  gestreift.  Mein  Hauptaugenmerk  blieb  der  Feststellung 
der  Cambrium-  und  Silurstufen  in  Böhmen  zugewendet ,  dabei  konnte 
auf  die  Gegensätze  in  der  Faunenentwicklung  beider  Länder  etwas 
näher  eingegangen  und  einige  der  von  britischen  Autoren  vorgeschlagenen 
Grenzen  zwischen  Cambrium  und  Silur,  Unter-  und  Obersilur  auf  ihre 
Anwendbarkeit  in  Böhmen  geprüft  werden. 

Alle  Thiergruppen  zur  Beantwortung  der  sich  ergebenden  Fragen 
heranzuziehen  war  nicht  möglich,  die  Veröffentlichung  der  böhmischen 
Gasteropoden,  Bryozoen,  Korallen,  Crinoideen  steht  noch  aus.  Reichliche 
Belehrung  schöpfte  ich  aus  dem  Bar  ran  de'schen  Trilobiten  werke, 
nicht  minder  aus  den  Lapworth'schen  Arbeiten  über  Graptolithen. 

Noch  drängt  es  mich,  meinem  hochverehrten  Lehrer,  Herrn  Ober- 
bergrath  Professor  Dr.  W.  Waagen,  für  die  mir  zu  Theil  gewordene 
Unterstützung  behufs  Erlangung  der  nöthigen  literarischen  Hilfsmittel 
meinen  herzlichsten  Dank  auszusprechen. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  1.  Heft.  (Josef  Wentzel) 


\ 


118 


Dr.  Josef  Wentzel. 


[2] 


Ehe  ich  die  versuchte  Lösung-  der  gestellten  Aufgabe  folgen  lasse, 
wird  es  nöthig  sein,  eine  Uebersicht  der  zu  Grunde  gelegten  Schichten- 
gruj)pirung  zu  geben. 


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Caerfaischichten 
Solvaschichten 


(       Harlech  und 
Longmynd  -  Gruppe 

Menevian  -  Gruppe 

-  T  *  o-  1  fl  0--  f  Maentwrogstufe 
in&    a  a^s- j  pfestiniogstufe 
^••"PP^      (Dolgellystufe 

Tremadoe- Gruppe  [Lower  Tremadoc 
Rocks  Salt,  and  Belt.]  i) 


Lower  Arenig  [Upper  Tremadoc 

Rocks  Salt,  and  Belt.]^) 
Middle  Arenig 
Upper  Arenig         |     Llanvirn 

T,      ,  .,      i  Lower  Llandeilo  I  Hicks  1881*) 
Llandeilo-     m^^uhoT  io«,io;i.  ^  ^ 


Lingula  Flags 
M  u  r  c  h  i  s  0  n  2) 


Arenig- 
Gruppe 


«'S 


J  o 


Middle  Llandeilo 


^^•"PP^    1  Upper  Llandeilo 

Bala-  oder  (  Lower  Bala 
Caradoc-  <  Upper    Bala    sammt 
Gruppe    [      Hirnant  Limestone 

\yr     Ti.||    r  Lower  Llandovery 

n  I  Upper  Llandovery 

Gruppe    \  rr  Oll 

^  *       [^  larannon  Shales 

Wenlock-  (  Woolhope  Beds 
P  .  <  Wenlock  Shale 

' '       [  Wenlock  Limestone 


Llandeilo 
Murchison") 


) 


Bala 
Series  ^) 


Ludlow- 
Gruppe 


Lower  Ludlow  Beds 
Aymestry  Limestone 
Upper  Ludlow  Beds 
Passage  Beds 


Die  Etage  6' und  das  Cambrium   (Hicks  und  Lapworth). 

Die  Schiefer,  welche  die  Primordialfauna  der  Etage  C  beherbergen, 
nehmen  nur  einen  geringen  Theil  des  Terraines  ein,  welches  stratigraphisch 
zur  Basis  des  böhmischen  Silursystemes  im  Sinne  Barrand  e's  gehört. 
Den  bei  weitem  grösseren  Theil  dieser  Basis  bilden  Quarzconglomerate, 


')  Woodward,  Geology  of  England  and  Wales.  1887,  pag.  64. 
^)  Murchison,  Siluria  1867,  pag.  42. 

")  Quart.  Journ.,    Geol.  Soc.  London  1875,    XXXI.  Bd.,    pag.  192    Tabelle    und 
pag.  175. 

*■)  Woodward,  Geology  of  England  and  Wales.  London  1887,  pag.  67  und  70. 

")  Ebenda,  pag.  67,  70  und  75. 

^)  Murchison.  Siluria.   1867,  pag.  46. 


[3] 


Ueber  die  Beziehungen  der  Bärrande'schen  Etagen    C,  D  und  E  etc. 


119 


sowie  grobkörnige  oder  auch  feinkörnige  quarzige  Grauwackensand.steine, 
und  zwar  so,  dass  sie  discordant  auf  den  iialbkrystallinischen,  azoischen 
Schiefern  lagern  und  nur  an  iiirer  oberen  geologischen  Clrenzc  in 
räumlich  sehr  beschränkten  Zonen  (Ginetz  und  Skrej)  von  den  Schiefern 
der  Primordialfauna  bedeckt  werden.  Die  Lagerung  der  Conglomerat- 
und  Schieferschichten  ist  vollkommen  concordant,  ja  bei  Tejrovic 
beobachtet  man  nicht  blos  eine  Wechsellagcrung  der  Conglomerat- 
und  Schieferschichten,  sondern  in  den  zwischen  den  Conglomeratbänken 
eingelagerten,  sandsteinartigen  Grauwacken  erscheinen  Reste  der  Primor- 
dialfauna, wie  ElUpsocephalus  Germari  Barr.,  Gonocephalües  Emmrichi 
Barr.^  Ortkis  Romingeri  Barr.  u.  s.  w.  Die  Zugehörigkeit  der  Conglo- 
merate  an  der  Basis  der  Ginetz-Skrejer  Schiefer  ist  demnach  sowohl 
stratigraphisch  als  paläontologisch  ausser  allen  Zweifel  gesetzt. 

Es  ist  bereits  von  Marr^)  darauf  hingewiesen  worden,  dass,  und 
dies  gilt  besonders  von  den  Schiefern  der  Etage  G  und  den  Menevian- 
schichten,  welche  sich  aus  Schiefern  und  Grauwacken  aufbauen, 
in  lithologischer  Beziehung  eine  grosse  Aehnlichkeit  besteht,  welche 
Aebnlichkeit  durch  die  Fauna  dermassen  gesteigert  wird ,  dass  sich 
Marr  veranlasst  sah,  die  C-Schiefer  geradezu  mit  den  Menevianschichten 
in  Parallele  zu  stellen.  Wenn  auch  Marr  die  Verwandtschaft  nur  in 
dem  beiderseitigen  Auftreten  der  Gattungen  Paradoxides  ^  Ärionellus, 
Gonocephalites^  Agnostus  etc.  begründet  findet ,  so  war  doch  H  i  c  k  s  ^) 
schon  früher  um  einen  wesentlichen  Schritt  weiter  gekonmien ,  als  er 
aus  den  Menevian  beds  Gonocoryphe  coronata  Barr,  beschrieb  und  seine 
Species  Ärionellus  longicephalus  mit  Ärionellus  ceticephalus  Barr,  als 
verwandt  erkannte.  Dabei  erscheint  von  nicht  geringem  Werthe  die 
Thatsache,  dass  Gonoc.  coronata.^  Ärionellus  longicephalus^),  respective 
Arion.  ceticephalus  die  Menevianschichten,  respective  die  Etage  G  nicht 
überschreiten,  Arion.  ceticephalus  in  Böhmen  in  erstaunlicher  Menge 
auftaucht  und  dass  die  erwähnten  Arten  in  der  Meneviangruppe  zu 
St.  David's  Promontory,  Soutii  Wales*),  Unterstufen  charakterisiren. 


Böhmische  Arten  aus 

c 

Idente  oder 

nächstverwandte  britische  Arten 

aus 

of 
St.  David's 
Promontory 

t^   CS 

_2  2 

T3  4) 

.1 

^1 

Conocoryphe  coronata  Barr.   . 
Ärionellus  ceticephalus  Barr.  . 

+ 
+ 

Conoc.  coronata  Barr 

Arion.  longicephalus  Hicks  .    .    . 

+ 

+ 

*)  Marr,  On  the  Predevonian  Rocks  of  Bohemia.  Quait.  Jouru.  of  the  Geolog. 
Soc.  of  London.   1880,  XXXVI.  Bd.,  pag.  601. 

^)  Hicks,  On  some  undescribed  Fossils  from  the  Menevian  Group.  Quart.  Journ. 
Geol.  Soc.  1872,  XXVIII.  Bd.,  pag.  176,  178. 

8)  R.  Etheridge,  Fossils  of  the  British  Islands,  Vol.  I.  Palaeozoic.  Oxford  1888, 
pag.  41,  48.  Barrande,  Trilobites.  Extrait  du  Suppleni.  au  Vol.  I  du  Syst.  sil.  du 
centre  de  la  Boheme.  1871,  pag.  21. 

*)  R.  Harkness  and  H.  Hicks,  On  the  Ancient  Rocks  of  the  David's  Pro- 
montory, South  Wales,  and  their  Fo.ssil  Contents.  Quart.  Journ.  Geol.  Soc.  1871, 
XXVII.  Bd.,  pag.  396. 


120 


Dr.  Josef  Wentzel. 


[4] 


Damit  sind  aber  die  Re/ieluuigen  noch  nicht  erschöpft.  Hicks^) 
erkannte  Paradoxidea  Ilarknessi  Hicks  als  verwandt  mit  Parad.  rugulosus 
Cord.  Ihreverticale  Verbreitung- veranschaulicht  die  nachfolgende  Tabelle: 


Böhmische  Arten  aus 

c 

1 

Verwandte  britische  Arten 
aus 

Solva  beds 

of  the 
St.   David'a 
Promontory 

o 

'S 

a 

Paradoxides  rugulosus  Cord.  . 

+ 

Parad.  Ilarknessi  Bicks    .... 

+ 

+ 

— 

Aber  nicht  allein  7a\  den  Solvaschichten  bestehen  Beziehungen, 
sondern  auch  zu  obercambrischen  Schichten,  Conocoryphe  vwnile  8ah-)^ 
eine  häufige  Art  der  Shinetonschiefer  von  Shropshire,  schliesst  sich  eng 
an  Gonoc.  striata  Emmr.  der  Etage  C  an.  Dein  Alter  nach  vperden 
die  Shinetonschiefer  mit  den  Unter-Tremadocscbichten  in  eine  Parallele 
gestellt. 

Murchison^)  glaubt:  „The  great  series  of  Lingula  flags*),  so 
well  developed  in  Wales,  is  the  zone  which,  in  Bohemia,  through  the 
enlightened  rescarches  of  M.  Barrande,  has  proved  to  be  the  basis 
of  all  Silurian  life,  and  which  therefore  received  from  him  the  name 
of  „Primordial". 

Lyell  ^)  pflichtet  im  grossen  Ganzen  diesem  Standpunkt  bei,  wenn 
er  die  Menevian-  und  Lingulaschichten  mit  der  Etage  G  vergleicht. 

Ich  komme  auf  diesen  Gegenstand  nach  Besprechung  der  Fauna 
der  Stufen  Dd-^  a  und  Ddy  (i  noch  einmal  zurück. 


Die  S  c  h  i  c  h  t  e  n  a  b  t  h  e  i  1  u  n  g  e  n  Dd^^  or,  Dd^  /:?  u  n  d  d  i  e  britischen 
Lower  Arenig-schich ten  (  =  Upper  Tremadoc  Salt). 

Die  beiden  Stufen  Dd^  a  und  Dd^^  ß  sind  in  Hinsicht  ihrer  Fauna 
von  der  6'- Etage  scharf  geschieden.  Die  Fauna  der  Ginetz-Skrejer 
Schiefer  (C)  besteht  vorwaltend  aus  Trilobiten  (27  Arten).  Zu  diesen 
gesellen  sich  nicht  häufig'e  Repräsentanten  der  Pteropoden  (5  Arten), 
Bracliioi)oden  (2  Arten)  und  Cystideen  (7  Arten).  Keine  dieser  Arten 
geht  in  die  nächstfolgende,  jüngere,  silurische  Schichtenstufe  über  und 
die  Trilobitengeschlechter  Paradoxides,  Agnostus,  Conocephalites,  Ario- 
nellus,  Eliipsocephalus,   Hydrocephalus  und  Sao  sterben  mit  Ausnahme 


')  H.  Hicks,  Descriptions  of  New  Species  of  Fossils  from  the  Longmynd  Rocks 
of  St.  David's.  Quart.  Journ.  Geol.  Soc.  1871,  XXVII.  Bd.,  pag.  399. 

")  Oll.  Ca  IIa  way  ,  On  a  new  Area  of  Upper  Cambrian  Rocks  in  South  Shropshire 
witli  a  Description  of  a  new  Fauna.  Quart.  Jonrn.  Geol.  Soc.  1877,  XXXIII.  Bd., 
pag.  üG5  und  659. 

^)  Murchison,  Siluria.   18Ö7,  pag.  47. 

(  Tremadocschichten  (Lower  Tremadoc  Salt.) 
'')  Murchison's  System  der  j  ,.       ,      v-  ij  T  Dolgellystufe 

Lingula-flags  umfasst  |  {  Ffestiniogstufe 


l  Menevianschichten  (  Maentwrogstafe 
^)  C.Lyell,  Stiideuts'  Elements,  pag.  487. 


["5]  üeber  die  Beziehungen  der  Barrande'schen  Etagen  T,   />  und   F.  etc.  ^9^ 

Aji;nostus,  welche  Gattung  in  Dd^  y  wieder  erscheint,  auf  der  0-Etage 
aus.  Ebenso  bleiben  die  Cystideengattung-en  Acanthocystes ,  Cigara, 
Lapillocystites ,  Lichenoides,  Pilocystites  und  Trochocystitcs  auf  die 
Primordialfauna  Barrandc's  beschränkt.  Die  Unterbrechung  in  der 
Entwicklung  der  Organismen  an  der  Grenze  der  Etagen  C  und  D  ist 
eine  solche,  wie  sie  vollständiger  kaum  gedacht  werden  kann. 

Die  tiefste  Schichtenabtheilung  der  Etage  Z>,  d^a  i),  die  nur  in  der 
Umgebung  von  Ginetz  auf  den  Schiefern  fC)  der  Primordialfauna  ruht, 
sonst  aber  überall  den  azoischen  Schiefern  aufgelagert  ist,  besteht  aus 
sandsteinartigen  Grauwackcn  oder  Conglomeraten.  Organische  Reste 
erscheinen  im  Bereiche  der  Zone  c/'i «  nur  sparsam ,  und  zwar  sind  es 
blos  Brachiopoden  in  21  Arten.  Trilobiten  wurden  bisher  in  dieser  Zone 
nicht  gefunden.  Die  Conglomerate  und  grobkörnigen  Grauwacken  führen 
keine  Petrefakten;  aus  den  Grauwackensandsteineu  sind  2  Discina- 
Arten,  7  Lingula-Arten  und  eine  Orthis  bekannt;  in  den  kieseligen 
Schiefern  kommen  6  Lingula-Arten ,  eine  Orthis- ,  eine  Discina-  und 
3  Obulas-Arten  vor.  Ausserdem  fand  K.  F  eist  man  t  el -)  Reste  von 
Spongien  in  kieseligen,  rothen  Schiefern,  die  er  unter  die  Mac  Coy'sche 
Art  Äcanthospongia  siluriensis  eingereiht  hat. 

Zwischen  der  d^  «Fauna  und  der  anderer  Gegenden  bestehen  nur 
schwache  Beziehungen.  T  r  o  m  e  1  i  n  et  L  e  b  e  s  c  o  n  t  e  ^)  vergleichen  die 
in  d^  a  häufige  Lingula  Feistmanteli  Barr,  mit  Lingula  liawkei  Bou., 
eine  nicht  seltene  Erscheinung  im  Gres  Armoricain,  welcher  fast  allgemein 
mit  den  englischen  Stiper  -  Stones  als  gleicbalterig  betrachtet  wird 
Äcanthospongia  siluriensis  M^ Goy  ^)  erscheint  in  Britannien  im  Caradoc 
und  Lower  Llandovery.  Das  Auftreten  dieser  Spccies  in  d^  a  verleiht 
dieser  Fauna  eine  stark  untersilurische  Färbung. 

Auf  einen  etwas  sichereren  Boden  befinden  wir  uns  beim  Betreten 
der  Schichtenabtheilung  Jj  ß.  Die  IM^  /V-Stufe  ^)  tritt  überall  in  der 
ganzen  Verbreitung  der  /AZ^-Zone  auf  und  scheidet  sich  scharf  petro- 
graphisch  von  der  sie  untcrlagernden  Grauwackenzone  ab.  Vorzüglich 
sind  es  Diabase,  die  sie  charakterisiren  und  die  in  verschiedenen  kry- 
stalliuischeu  und  aphanitischcn  Varietäten ,  als  Mandelstcine ,  Kalk- 
aphanite  und  Tuffschiefer,  erscheinen,  In  genetischer  Verbindung  mit 
diesen  eruptiven  Gesteinen  treten  Eisensteincinlagerungen  (oolithische 
Rotheisensteine)  mit  mehr  oder  weniger  untergeordneten  Schiefergesteinen 
auf.  In  paläontologischer  Beziehung  ist  auch  die  Stufe  d^  ß  sehr  arm. 
Hier  interessirt  uns  zunächst  das  erste  Erscheinen  der  Gattungen  Didy- 
mograptus  und  Conularia  (Conul.  modestn  Barr,  d^ß^  d^y,  d^).  Die 
ältesten  Didymograptusarten '')  (Didymograptus  sparsus  Hopk.  und  Bid. 


*)  Krejci  und  Feistmantel,  Orographiscli  - geotektonische  Uebersicht  des 
.silurisclien  Gebietes  im  mittleren  Böhmen.  Archiv  f.  naturw.  Landesdurchforschung  von 
Böhmen.  V.  Bd.,  Nr.  5,  1885;  pag.  24  und  25. 

^)  K.  Feistmantel  in  Sitzungsber.  d.  k.  böhm.  Ges   d.  AViss.  4.  März  1884. 

")  de  Tromelin  et  Lebesconte  in  Congres  de  Nantes.  1875,  pag.  25. 

*)  R.  Etheridge,  Fossils  of  the  British  Islands  etc.,  pag.  2. 

°)  Krejci  und  Feistmantel,  Orographisch-geotektonische  Uebersicht  etc., 
pag.  26. 

^)Lapworth,  On  the  Geological  Distribution  of  the  Rhabdophora  in  Ann. 
and  Mag.  nat.  bist.  Ser.  V,  Bd.  6,   pag.  185. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41. Band.  1.  Heft.  (Josef  Wentzel.)       ]Q 


122 


Dr.  Josef  Woiit/.ol. 


[6] 


pennatulus  Hall.)  und  die  ersten  Conularicn  ^)  (Con.  Homfraiji  Salt.) 
wurden  in  den  untersten  Arenigscliieliten  von  St.  üavid's  autj^efiinden, 
in  Böhmen  erreichen  genannte  Gattungen  in  der  Stufe  d,^ß  ihren  tiefsten 
Horizont.  Weiter  sind  beachtenswerth  die  Trilobiten.  Amphion  Lindaueri 
Barr.-).,  {d^ß)  bezieht  sich  auf  ein  isolirtes  Pygidiuni,  welches  die  grösste 
Aehnliciikeit  mit  dem  Pygidium  von  Amph.  Fischeri  EicJnv.  zeigt,  einer 
bekannten  Erscheinung  im  OrtJioceratite  Limestone  (Stage  B-^  nach 
F.  Schmidt^)  der  Baltischen  Provinzen  Russlands ,  dem  Aequivalente 
der  Arenigstufe.  Die  Gattung  Haiyides  Beyr.  bleibt  in  Böhmen  auf  d^  ß 
(Ilarpides  Qrimmi  Barr.),  in  England  auf  die  Menevian-  und  Lingula- 
schichten  beschränkt.  Eine  Mischung  von  cambrischen  und  silurischen 
Typen,  wie  sie  hier  vorliegt,  zeichnet  in  England  nur  die  Unter- 
Arenigschichten  aus,  denn  in  den  Tremadocschichten  treten  die  silurischen 
Formen  noch  sehr  zurück. 

Nachdem  wir  durch  die  vorangehenden  Betrachtungen  das  Lower- 
Arenigalter  der  d^  /:/-Stufe  festgestellt  haben ,  so  gewinnt  die  bis  jetzt 
unerwähnte  Thatsache  des  engen  Anschlusses  der  d^  a-Fauna  an  die 
von  ^/j  /i,  vermittelt  durch : 


(/,  u 


dxß 


Discina  undulosa  Barr. 

Lingula  insons  Barr.  . 
„         lamellosa  Barr 


Obulus  complextis  Barr, 


St.  Benigua 

n 
Libetscliow 


KruRchna 
Hora 


Svaro  V. 


Knischna 
Hora  (Eisen- 
steinlager) 


Barrande,  Syst.  sil.  du  centre 
de  la  Boheme,   vol.V,  pl.  101. 

—  1.  c.  pl.  105. 

—  1.  c.  pl.  lOG  und  pl.  111. 
Krejci  und  Feistmantel, 
1.  c.  pag.  27.  Krejöi  und 
Helmliacker,  Erläuterungen 
zur  geol.  Karte  d.  Umgebung 
von  Prag.  1879  (Archiv  d. 
uaturw.  Landesdurchf.  von 
Böhmen.  IV.  Bd.,  Nr.  !>,  Geol. 
Abthlg.),  pag.  25. 

Barrande,  1.  c.  pl.  95  ,  111, 
113  und  152. 


eine  erhöhte  Bedeutung  unter  Berücksichtigung  der  Erkenntniss ,  dass 
der  C-Fauna  ein  ausgesprochen  cambrischer ,  der  von  d^  a  ein  unter- 
silurischer  Charakter  innewohnt  und  dass  die  Schichten  G  und  Dd^  a 
nicht  eine  gemeinsame  Art  aufweisen.  Dieser  Anschluss  weist  uns  darauf 
hin ,  die  Stufe  c?,  a  im  Vereine  mit  d^  ß  als  Aequivalent  der  Unter- 
Arenigschichten  von  St.  David's  (=  Upper  Tremadoc  Salt,  in  North 
Wales)  zu  betrachten,  mit  welchen  Schichten  Lap  wo  rth,  Hicks  und 
Andere  das  Untersilur  beginnen  lassen. 


*)  H.  Hicks,  On  the  Succession  of  the  Ancient  Rocks  in  the  viciuity  of  St. 
David's,  Pembrokeshire  etc.  in  Quart.  .Tourn.  Geol.  Soc.   1875,  .31.  BA.,  pag.  176. 

'^)   liarrande,    Systeme  silur.  du  centro  de  la  Bohdmo.   Vol.  I,  pag.  820. 

")  F.  Schmidt,  On  the  Silurian  (and  Cambrian)  Strata  of  the  Baltic  Provincos 
of  Russia,  as  compared  with  those  of  Scandinavia  and  the  Briti.sh  Islos.  (^uart.  Journ. 
Geol.  Soc.  London.   1882,  38.  Bd.,  pag.  519  und  520. 


[7] 


Ueber  iHo   l!o/Jolmiigon  ddr  Biinaiide'schcn  Etageu  (\   D  und    h'  etc. 


2;^ 


Aclinliclicn  Verhältnissen  wie  in  Bölimcn  bege^nieu  wir  im  Süden 
des  frjin/ö.sisclicn  Centralplateaus.  Bergcron^)  liat  in  der  Monta^nc 
Noire  eine  canibrische  Fauna,  die  einzige  bis  jetzt  in  Frankreich  bekannte, 
entdeckt.  Hier  intercssiren  uns  zunäclist  die  zwisciien  Favayroles  und 
Faillieres  auftretenden  Stufen,  welche  er  dem  Paradoxidian  L  a  p  w  o  r  t  hs 
(=  Meneviauschiclitcn)  zuzählt. 

Die  älteste  Schicht,  4  Meter  dick,  besteht  aus  rothen  Thonschiefern, 
mit  Arionellus  cf.  longicephalus  Hi'cks,  Conocoryphe  coronata  Barr,  und 
Bruchstücke  von  grossen  Paradoxiden. 

Die  zweite  Schicht,  5  Meter  dick,  besteht  aus  gelben  Thonschiefern, 
reich  au  Agnostusavten ,  von  denen  der  häufigste  und  besterhaltcne 
Vertreter  Agnostus  Sallesi  Berg.  ist.  Neben  Fragmenten  von  grossen 
Paradoxiden  finden  sich  Fragmente  kleinerer  Individuen ,  wclclie  zu 
Paradoxides  rugiilosus  Cord,  gehören  dürften. 

Die  dritte  Schicht,  3  Meter  dick,  besteht  aus  grünen  Schiefern 
mit  Paradox,  rugulosus  Cord.,  Conocoryphe  Hehertl  Mun.-Chalm.  et  Berg. 
und  Goiiocoryplie  Levyi  Mun.-Chalm.  et  Berg.^  Trochocystües  Barrandei 
Mun.-Chalm.   et  Berg. 

Dieser  aus  drei  Stufen  bestehende  Schichtencomplex  beherbergt 
Arionellus  cf.  longicephalus,  Conocoryphe  coronata,  Paradoxides  rugulosus, 
lauter  Arten,  die  wir  schon  bei  der  Vergleichung  der  Barrande'schen 
Etage  C  mit  dem  britischen  Cambrium  genügend  gewürdigt  haben  und 
ich  kann  auf  das  an  jenem  Orte  Gesagte  verweisen. 

Auf  diesen  Schichtencomplex  folgt  ein  Gemenge  von  Sandsteinen 
und  Schiefern  mit  schlecht  erhaltenen  Fossilien.  Von  den  häufigen 
Trochocystitesresten  weisen  die  meisten  auf  Troch.  Bohemicus  Barr.  hin. 
Bergeron 2)  ist  geneigt,  diese  Stufe  dem  Olenidian  Lapworth's 
(^=  Lingula  Flags-\- Power  Tremadoc  Salt.)  entsprechen  zu  lassen,  und 
zwar  aus  dem  Grunde ,  weil  die  an  ihrer  Spitze  auftretenden  ßchistes 
a  Bellerophon  Oehlerti  eine  Mischfauna  von  vorwiegend  silurischen 
neben  cambrischen  Formen,  ähnlich  wie  im  Lower  Arenig,  enthalten. 
Neben  cambrischen  Gattungen,  wie  Oldhamia  und  Agnostus,  erscheinen 
typische  silurische  Genera,  wie  Calymene,  Illaenus,  Asaphus  etc.,  deren 
älteste  Vertreter  nicht  unter  die  Arenigstufe  herabsteigen. 


Erstes  Auftreten  der  Gattungen 

A  r  e  n  i  g 

Lower    Middle 

Upper 

Asaphus    

+ 

+ 

+ 

Quart.  Journ  Geol.  Soc.  London 
1875,  31.  Bd.,  pag.  191. 

Calymene 

Illaenus 

Es  ist  klar,  die  von  Bergeron  als  Olenidian  gedeutete  Stufe 
gehört  nach  ihren  Fossilresten  (Troch.  Bohemicus  Barr.)  noch  zur 
Barrande'schen  Etage  C.  Die  darüberfolgenden  Bellerophon  Oelderti- 
Schiefer  enthalten  nicht  eine  gemeinsame  Art  mit  den  darunter  liegenden 
Schichten ;  die  Trilobitengeschlechter :  Conocoryphe,  Paradoxides,  Ario- 

')  ßergeron,  Etüde  geologique  du  niassif  ancieu  situe  au  sud  du  plateau  central. 
Paris  1889,  pag.  78  ff. 

-)  J.  Bergeron,  1.  c.  pag.  81. 

16* 


124 


Dr.  Josef  Wentzel. 


[8] 


nellus  sterben  vor  und  die  Cystideengatuing  Trocliocystites  zu  lk'i;iun 
der  Ablagerunc,'  der  Bellcrophon  C>t7/^<^r^i-^Scl»iefcr  aus.  Nur  die  Gattung 
Agnostus  übersclireitet  die  Grenze.  Die  Unterbrechung-  in  der  Ent- 
wicklung der  Organismen  ist  nicht  zu  leugnen  und  erinnert  in  ilirer 
Deutlichkeit  an  diejenige  zwischen  den  Barr  and  e'schen  Etagen  0 
und  1).  In  den  Bellerophonschiefern  findet  eine  Mischung  von  silurischen 
und  cambrischen  Formen  [Oldhamia  ^j]  statt ,  wie  an  der  Basis  der 
Etage  Z>  (d-i^ß)  silurische  Gattungen,  Did\anograptus,  Conularia,  Amphion, 
mit  cambrischen,  Harpides  '^),  vereint  auftreten,  welche  Eigenthümlichkeit 
die  Upper  Tremadocschichten  Salt.  (=  Lower  Arenig ,  St.  David's)  so 
auszeichnet.  Die  Menevianschichtcn  sind  in  Frankreich  wie  in  Böhmen 
gleich  typisch  vertreten  durch  Gonocoryphe  coronnta  und  Arionellus  cf. 
longicephalus,  auch  bestehen  in  beiden  Ländern  dieselben  Beziehungen 
zu  den  Solvaschichten,  vermittelt  durch  Faradoxides  nujulosus,  aber  eine 
typische  Olenusfauna  fehlt  hier  wie  dort  und  nur  die  Lagerungsverhält- 
nisse zwingen  uns  dazu,  das  Olenidian  Lapwortlfs  in  beiden  Ländern 
als  vertreten  anzunehmen.  In  Böhmen  speciell  wäre  das  Cambrium 
(Solvagruppe  bis  Lower  Tremadoc  Salt.)  auf  die  Etage  C  zusammen- 
gedrängt. 

Die  Stufen  -Dd^y,  Dd^  und  die  britischen  Arenig-  (Middle 
und  Upper)  und  L 1  a  n  d  e  i  1  o  -  S  c  h  i  c  h  t  e  n. 

Für  eine  nähere  Vergleichung  genannter  böhmischer  und  britischer 
Stufen  untereinander  sind  folgende  Arten  wichtig: 


Böhmische  Arten  aus 


Nächstverwandte  oder 

ideute  britische  Arten 

aus 


Aeglina  rediviva  Barr,    . 

„        prisca  Barr.    .    . 
Agnostus  perrugatus  Barr. 
ÄsapliHS  nohilia  Barr. 
Xiobe  discreta  Barr.  sj).  . 

Placoparia  ZippeiBoeck  sp. 

Barrandia  crassa  Barr.  . 

Beyrichia  Bohemica  Barr. 
liedonia  Bohemica  Barr.  . 
Didgmograptus  avus     .    , 

Dalmanites  Phillipsi  Barr, 


+ 


10    1 


Aeglina  rediviva  Barr.  ? 

.,  bi)iodosa  Salt. 
Agnostus  Morei  Salt.  . 
Asaph.  tgraiiniisMurch. 
Niobe  peltata  Salt.  sp. 

Placoparia  cambriensis 

Hicks 

Barrand.  CordaiM'Coy 

Beyrich.complicataSalt. 
Redonia  anglica  Salt. 
Didym.MurchisoniBeck. 

Phacops    (Dalm.)  api- 
culatus  Salt,    .    .    . 


+ 


+ 


61  5 


Etheridge,  I.e. 
pag.  404. 

—  1.  c.  pag.  39. 

—  1.  c.  pag.  39. 

—  1.  c.  pag.  43. 
Quart.  Journ  Geol. 

Soc.    1875,  31. 

Bd.,  pag.  176. 
Ibidem,  pag.  186. 
Etheridge,  I.e. 

pag.  43. 

—  1  e.  pag.  44. 

—  1.  c.  pag.  109. 
Ann.    Mag.    nat. 

bist.  Ser.  V,  6. 
Bd.,  pag.  19. 
Etheridge,  I.e. 
pag.  62. 


')  Oldhamia  bleibt  in  Britannien  auf  die  Ilarlech  series  beschränkt  (Etheridge, 
1.  0.  pag.  12). 

*)  Harpides  Begr.  (^=  Erinnys  Salt.)  ist  in  Britannien  nur  in  der  Menevian- 
gruppe  und  den  Lingula  Flags  bekannt  (Etheridge  ,  1.  c.  pag.  52),  .setzt  aber  in  anderen 
Ländern  in's  Uutersilur  fort  (Zittel,    Handbuch  der  Paläontologie.  II,  Bd.,  pag.  625). 


r9]  lieber  die  Bezieh iinp;en  der  Burrande'schon  Etagen  C,  D  und   A'  etc.  \  ^5 

Aus  der  vorstehenden  Tabelle  ersieht  sieh ,  (hiss  die  d^  /-Stufe 
eine  Fauna  ciusehliesst,  welche  nelxMi  hervorrai;'cnden  Heziehuni;en  zur 
Arenigstufe  auch  solche  zur  Llandeilostui'c  erkennen  liisst ,  und  dass 
wir  in  Böhmen  ausser  Stande  sind ,  beide  Stufen  streng  sondern  zu 
können. 

Der  Arenigcharakter  wird  bedingt  durch  das  Auftreten  von  Aeijlina 
redioiva,  Aeglina  prisca,  A<jnostus  perrugatiis,  Niohe  discreta,  Placoparia 
Zippei  und  Redonia  Bohemica.  Das  Ilauptinteresse  unter  diesen  Foinien 
ziehen  Aeglina  prisca ,  Placoparia  Zippei.  und  Jie<lonia  Bohemica  auf 
sich.  Sie  treten  in  d-^  y  in  grosser  Häutigkeit  auf  und  bleiben  auf  ge- 
nannte Stufe  beschränkt.  Was  für  die  böhmischen  Arten  gilt,  das  gilt 
auch  für  ihre  Verwandten  in  England.  Aeglina  binodosa ,  Placoparia 
cambriensis  und  Redonia  anglica  sind  Leitfossilien  der  Arenigschichten. 

In  Bezug  ^wS.  Aeglina  hielt  es  Bar  ran  de  für  wahrscheinlich, 
dass  Aegl.  prisca  und  Aegl.  binodosa  sich  bei  genauerer  Kenntniss  der 
englischen  Form  als  ident  erweisen  werden.  Die  betreffende  Stelle 
lautet  bei  liarrande^):  „Nous  dcvons  signaler  Aegl.  binodosa  Salt.., 
comme  ayant  la  ])lus  grande  resseniblance  avec  .Aegl.  prisca.  Peut-etre 
l'identite  de  ces  deux  formes  sera  t-elle  un  jour  etablie,  lors(iue  celle 
d'Angleterre  sera  mieux  connucV  Cette  identitc  serait  d'autant  plus 
concevable,  qiie  ces  deux  Trilobites  caracterisent,  dans  les  deux  contres, 
une  meme  horizon.  [c?i  /  und  Arenig  Rocks  of  Shelve.  ^)] 

Die  Gattung  Placoparia  Cord,  ist  bis  jetzt  in  Britannien  nur  in 
einer  einzigen  Art  Placoparia  cambriensis  Hiclcs  ^)  bekannt,  welche  die 
meisten  Beziehungen  zu  Placop.  Zippei,  eines  der  gewöhnlichsten  Vor- 
kommnisse in  den  d^  /-Schichten,  zeigt. 

Die  Gattung  Redonia  erscheint  in  Böhmen  (Red.  Bohemica)  und 
in  Britannien  (Red.  anglica)  je  nur  in  einer  Art.  Red.  Bohemica  und 
Red.  anglica  werden  von  Barrande*)   als  analoge  Arten   aufgefasst. 

Was  die  übrigen  Arten  betrifft,  so  ist  Aegl.  redioiva  Barr,  durch 
eine  idente  Form  im  Arenig  vertreten  und  zu  Agn.  perrugatus  bemerkt 
Barraude^):  .^Agnostns  Morei  Salt,  pourratt  bien  etre  identique  avec 
Agn.  perrugatus  Barr."-  Er  hebt  dann  Unterschiede  an  der  Glabella 
hervor  und  fahrt  fort:  „Nous  pensons  que  ces  dififerences  api)arentes 
pourraient  s'evauouir,  si  on  connaissait  de  meilleurs  specimens  de  la 
forme  anglaise.  Les  Segments  thoraciques  de  cette  forme  ne  sont  pas 
connus  et  pourraient  offrir  des  caracteres  propres.  Ces  motifs  nous 
empechent  de  prononcer  Tidentite  entre  ces  2  formes.  Leurs  pygidiums, 
tels  que  nous  les  connaissons,  ne  presentent  aucune  difiference  notable." 
So  viel  ist  klar,  Agn.  perrugatus  Barr,  [d-^^y)  und  Agn.  Morei  Salt. 
(Arenig)  sind  ausserordentlich  genäherte  Formen.  Diese  Thatsache  ist 
von  Wichtigkeit,  weil  sie  das  Erscheinen  von  Agn.  perrugatus  Barr. 
in  der  Caradocstufe  ^)  zu  paralysiren  vermag. 


•)  Barrande,  Syst.  silur.  Suppl.  au  Vol.  I,  1872,  pag.  64. 

=)  Murchison,  Siluria.  1867,  pag.  38,  Profil. 

^)  Hicks  in  Quart.  Journ.  Geol.  Soc.  London  1875,  31.  Bd.,  pag.  186. 

*)  Barrande,   Extraits  du  Syst.  sil.  vol.  VI.  Acepliales.   1871,  pag.  474. 

^)  Barrande,  Syst.  sil.  Suppl.  au  Vol.  I,  pag.  144. 

«)  Etheridge,  1.  c.  pag.  404. 


126 


Dr.  Josef  Wentzel. 


10] 


Niobe  discreta  Barr.  sp.  ist  mit  Niohe  peliata  Salt.  sp.  sehr  nahe 
verwandt.  Dabei  verdient  hervorgehoben  7A\  werden,  dass  die  Gattung 
Niobe  in  der  Nova  k'schen  Begrenzung  i)  nur  drei  Arten ,  die  beiden 
genannten  und  Niobe  insignis  Linns.  aus  dem  Ceratopygekalk  Schönens 
umfasst. 

Für  den  Arenigeharakter  der  d^  /-Stufe  spricht  weiter  das  Er- 
scheinen der  Gattung  Bathmoceras  Barr.  (:=Conoceras  Bronn.) '■^)^  weil 
dieselbe  bisher,  wie  nachfolgende  Tabelle  zeigt,  noch  niemals  ausserhalb 
der  genannten  Stufen  angetroffen  worden  ist. 


Böhmen 


hY 


England 


Arenig 


Bathiiiocerns  complexum  Barr.    . 

„  ]}raeposterni0n  Barr. 

Bath.  (Cvn.)  Llanvirnensis  Bob.    . 


+ 
+ 


+ 


Etheridge,  1.  c.  pag.  420. 


Nach  diesen  Erörterungen  wollen  wir  der  Frage  näher  treten, 
welche  Untcrabthcihmgen  der  Arcnigstufe  besonders  in  Bd^  y  zu  er- 
kennen sind.  Im  Middle  Arenig  ^)  [St.  üavid's)  erscheint  Niobe  peltata 
Salt.  sp. ,  im  Upper  Arenig  ^)  (St.  David's)  Placoparia  cambriensis 
Eicks.  In  Shropshire  ist  die  Fauna  über  den  Stiper-Stoncs  *)  (Shelve 
Hill)  ausserordentlich  ähnlich  jener  der  Ober  -  Arenigschichten  von 
St.  David's. 

In  jener  Fauna  [Arenig-  Rocks  of  Shelve  ^)]  begegnen  wir  Aeglina 
binodosa  Salt,  und  Redonia  anglica  Salt. ,  welche  Arten  sich  so  sehr 
an  die  böhmischen  Formen  aus  Bd^  y  anschlicssen.  So  viel  scheint 
klar,  in  der  Stufe  Bd-^y  ist  nebeu  Middle  Arenig  vornehmlich  Upper 
Arenig  vertreten,  welche  Thatsache  gut  mit  der  Deutung  von  Dd-^  ß-\-Bd^  a 
als  Acquivalent  von  Lovver  Arenig  harmonirt. 

Wie  schon  Eingangs  betont,  lässt  die  Bd^  /-Fauna  auch  nahe  Be- 
ziehungen zur  Llandeilofauiia  erkennen.  Sie  werden  vermittelt  durch 
zwei  Trilobiten  [Barrandia  crassa  Barr,  und  Asaphus  nobilis  Barr.\ 
1    Ostracoden    (Beyrichia  Bohemica  Barr.)    und    Didymograptus-Arten. 

Was  zuvörderst  die  Trilobiten  betriff"!,  so  finden  wir  die  Gattung 
Barrandia  in  Böhmen  und  England  durch  folgende  Arten  vertreten: 


^)  Novak,  Zur  Kenntniss  d.  böhmischen  Trilobiten  in  Beitr.  zur  Paläontologie 
Oestcrreich-Üngarns,  herausgegeben  von  Mojsisovics  und  Neumayr.  III.  Bd.,  1884, 
p.ig.  34;  und  Novak,  Studien  an  Hypostomen  böhmischer  Trilobiten.  IL  Sitzungsber, 
d.  k.  böhni.  Gesellsch.  d.  Wissensch.   1884,  pag.  12. 

'■')   Barrande,  Extraits  du  Syst.sil.Vol.il,  Texte  V,   1877,  pag.  85. 

")  Hicks  in  Quart.  Jouru.  Geol.  Soc.  Londou   1875,  31.  Bd.,  pag.  176. 

*)  Ibidem,  pag.  \~ib. 

'=•)  Murchison,  Siluria,  18ö7,  pag.  38  Profil  und  pag.  48  Fossils  (9). 


I  I  I  UelHT  die  Bezieliuiigon  (l«>r  Riiiramln'schon   Klagen  (',  D  und   I'J  etc.  ]  27 


Böhmen 

Eng 

aud 

o 

U) 

4> 

^» 

a 

a 

•a"       1 

E 

c3 

'=i       i 

<i 

3 

Barrandia  crassa  Barr.  ,    . 

„  Bohcmica  Nov.    . 

„  llomfrayi  Micks' 

„  fahata  P.  u.   G. 

„  Cordai  M'Coif 

„  longifrons  Ediiell. 

„  radians  M'Coij     . 

„  Portlocki  Salt.    . 


+ 





+ 

— 

— 

— 

+ 

_ 

— 

+ 

— 

— 

— 

+ 

— 

— 

+ 

— 

— 

+ 

— 

— 

-f 

2 

2 

4 

Novak  in  Sitzb.  d.  k.  böhm.  Oes.  d. 
Wisseusch.  4- Juli  1884,  pag.  13 
Etheridge,  1.  c.  pag.  43. 

—  1.  c.  pag.  404. 

—  1.  c.  pag.  43. 

—  1.  c.  pag.  43. 

—  1.  c.  pag.  44. 

—  1.  c.  pag.  43. 


Diese  Gattung  ist  in  Böbmcn  auf  Dd^y.,  in  England  auf  Arenig 
und  Llandeilo  besclnänkt,  aber  ihre  Hauptverbreitung  in  der  Llandcilo- 
stufe  und  die  Tbatsaebe,  dass  Barr.  Cordai  und  Barr,  crast^a  von 
Barrande^)  als  repräsentative  Formen  betrachtet  werden,  sind  Eigen- 
thümliclikeiten  ,  welche  der  Dd^  y  -  Fauna  eine  Llandeilof  arbung  ver- 
leihen. 

Die  typische  Llandeiloform  Asaphus  tyrannus  Murch  2)  prescnte 
diverses  analogies  avec  Asaph.  nohilis  Barr.^  soit  dans  ses  forines  soit 
dans  ces  ornemens.  Asaph.  nohilis  besitzt  aber  eine  viel  grössere  verticale 
Verbreitung  \dy  /,  rfg,  of^,  d^  als  Asaph.  tyrranus  (Llandeilo) ,  beide 
Formen  charakterisiren  nur  in  ihrem  ersten  Auftreten  vergleichbare 
Horizonte  [d^  /,  Llandeilo],  Asaph.  tyrannus  wird  in  der  Caradocstufe  ^} 
von  Asaph.  nobilis  Barr,  abgelöst. 

Auch  Beyrichia  Bohemica  Barr,  verleiht  der  i>fZi/- Fauna  ein 
Llandeilogepräge.  „La  forme  la  plus  rapprochee  serait  Beyrichia  com- 
plicata Salt,  d'apres  la  figure  donnee  par  Salt  er  dans  les  Mem.  Geol. 
8urv.  HI,  PI.  19,  Fg.  9.  II  y  aurait  meme  Heu  de  presunier ,  ([ue  ces 
deux  formes  sont  identiques,  d'apres  la  tigure  citee."  *) 

Die  Graptolitheu  Didymograptus  Suessi  und  Didym.  avus,  welche 
in  Dd-^  y  gefunden  wurden ,  charakterisiren  in  England  Upper  -  Arenig 
und  Llandeilo.  Die  letztgenannte  Species  gehört  nach  Tullberg*^) 
dem  die  unterste  Llandeilozone  **)  bildenden  Didym.  Murchisoni- 
Typus  an. 

Ehe  wir  die  Dd^  /-Fauna  verlassen,  dürfte  es  von  Interesse  sein, 
über  das  Auftreten  einiger  der  obengenannten  Arten  innerhalb  der 
Llandeiloschichten ^)  zu  berichten: 


')  Barrande,  Syst.  sii.  Suppl.  au  Vol.  I,  pag.  59. 

^)  Barrande,  Syst.  sil.  Vol.  I,  pag.  661 

^)  Etlieridge,  1.  c.  pag.  404. 

*)  Barrande,  Syst.  sil.  Suppl.  au  Vol.  I,  pag.  498. 

'■')  TuUberg  in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Geseilsch.  1883,   35.  Bd.,  pag.  261. 

*)  Lapworth   in  Ann.  Mag.  nat.  bist.  Ser.  V,  Bd.  6,  pag,  205. 

'j  iJicks  in  Quart.  Journ.  Geol.  Soc.  London   1875,  31.  Bil.,  pag.  179  und   180. 


128 


Dr.  Josef  Wentzel. 


[12] 


Llandeilo,  Pembrokesliire 

Lower 

Middle 

Upper 

Di(fi/>nograj)tus  MiircJtisoiii  Heck 

Asaphus  ty  rann  US  Mnrch 

Barrandia  Cordai  M'Coij 

+ 

+ 

+ 

Wir  wenden  uns  nun  der  Betrachtung  der  Z^^g-Fauna  zu.  Ein 
Trilobit,  Dalm.  PldlUpsi  Barr.,  sehr  genähert  Pliacops  apiculatus  Salt.'^), 
stellt  eine  Verbindung  zwischen  der  Bd^  und  Llandcilofauna  her.  Ab- 
gesehen von  riesigen  Asaphiden  in  Ddi  (Asaph.  mgens  Barr.)  und  in 
Llandeilo  [Asaph.  Powisii  Murch.]  weiss  ich  keine  weiteren  analogen 
oder  genäherten  Formen  anzuführen  und  wir  müssen  uns  behufs  der 
Antwort  auf  die  Frage  nach  der  Zugehörigkeit  der  i)— c^2-Stufe  zum 
Llandeilo  an  die  B — fZ^-Stufe  wenden.  Hier  tritt  das  Leitfossil  für  die 
Caradocstufe,  Trinucleus  o malus  Stbg.  [^:^Tr{n.  concentricus  Eaton\  zuva 
ersten  Male  und  in  solcher  Häufigkeit  auf,  dass  man  geradezu  von 
Trin.  orwai!M5-Schichten  reden  könnte. 

Noch  auf  einen  Punkt  möchte  ich  aufmerksam  machen.  Er  betrifft 
den  geringen  Antheil  der  B — t/a-^auna  an  der  Zahl  der  mit  britischen 
Arten  vergleichbaren  Formen.  Dieser  Eigenthiimlichkeit  läuft  eine 
andere  in  der  Gesteinsbeschafifenheit  begründete  parallel.  B — d^  y  has 
the  peculiar  flaky  and  very  fine  black  sliales  so  characteristic  of  the 
more  typical  Arenig  Rocks  of  Britain  2)  ,^  die  Llandeiloversteinerungen 
sind  vorwiegend  an  graue,  zum  Theil  kalkige  Thonschiefer  ^)  gebunden, 
während  quarzitische  Sandsteine  die  i>— c?2-Stufe  auszeichnen. 

Fassen  wir  das  über  die  Stufen  X>— c?i  und  X>«^2  Mitgetheilte  zu- 
sammen, so  können  wir  sagen,  die  Stufen  B—dy  und  B — d^  repräsen- 
tiren  in  ihrer  Gesannntheit  die  Arenig-  und  Llandeilogruppe  oder  die 
Llandeilogruppe  M  u  r  c  h  i  s  0  n's. 


Die  Stufen  Bd^.,  Bd^.^  Bdr,  und  die  britische  Caradoc-  oder 

B  a  1  a  g  r  u  p  p  e. 

Die  der  Bd^-  bis  Dc^^-Stufe  und  der  Caradocgruppe  gemeinsamen 
oder  nächstverwandten  Arten  sind  folgende: 


')  Barrande,  Syst.  silur.  Vol.  I,  pag.  88. 

2)  Marr  in  Quart.  .Tourn.  Geol.  Hoc    London   \m),  30.  Rd.,  pag.  602. 

*)  Murchison,  Siluiia.   18ü?,  pag.  50. 


[131         Ueber  die  Beziehnngen  der  Barrande'schen  Etagon  (\  I)  und  F.  etc.  |90 


Böhmische  Arten  aus 


1.  Aeglina  ununta  Barr. 

2.  „        rediviva  Barr. 

3.  Agnostus  tardus  Barr. 
=Ayn.  trinodosus  Salt. 

4.  Asaphus  nohilis  Barr. 

5.  Remopleurides  radians 
Barr 

6.  Phillipsinella  parabola 
Barr 

7.  Trinucleus  ornatusStbg. 
sp.^^Trin.  concentricus 
Eaton 

8.  Trinucleus    Bucklandi 
Barr 

9.  Diplograpt.  pristis  His. 

10.  Dicellograptus     anceps 
Xich 

11.  Dahnanites      Phillipsi 
Barr 

12.  Beyricliia        Bohemica 
Barr 

13.  Echinosphaerites    con- 
fortatus  Barr.  *)   .    .    . 


+ 


+ 


+ 


5  110 


Itleote  oder  nächstver- 

wandte  britische  Arten 

ans 


Aegl.  armata  Barr.   .    . 

„      rediviva  Barr.  .    . 

Agn.  trinodosus  Salt.  . 
Asaph.  nohilis  Barr. 

Remopl.  radians  Barr.  . 

Phill.  parabola  Barr.    . 

Trin.  concentricus  Eat. 

Trin.  Bucklandi  Barr. 
Diplogr.  pristis  His. 

Dicell.  anceps  Nich.  .  . 
Phacops  apiculatus  Salt. 
Begr.  complicata  Salt.  . 
EcJiin.  aurantium  Gyll. 


Etheridge,  I.e. 
pag.  407. 

—  I.e.  pag.  407. 

—  1.  c.  pag.  40 

—  ].  c.  pag.  404. 

—  1.  c.  pag,  67. 

Quart.  Journal 
1885,  41.  Bd., 
pag.  481. 

Ether  id  ge,  I.  c, 
pag.  69  u.  70. 

—  I.e.  pag.  410. 
Ann.    Mag.    nat. 

bist.      Ser.  V, 

6.  Bd.,  pag.  21. 
Ibidem     pag.  18 

und  2U5. 
Etheridge.  1.  c 

pag.  62. 

—  1.  c.  pag.  44. 

—  1.  c.  pag.  33. 


In  obiger  Tabelle  spielen  die  Trilobiten  die  Hauptrolle.  Von  66 
von  Barrande  aus  den  d^, — c?5-Schicliten  beschriebenen  Arten  sind  8, 
also  ungefähr  der  achte  Theil,  mit  solchen  der  Caradocstufe  identisch, 
ein  Resultat ,  welches  schon  allein  für  die  Aequivalenz  beider  Faunen 
spricht. 

Bei  der  grossen  Rolle,  welche  den  Trilobiten  als  Leitfossilien  zu- 
fällt ,  sei  es  mir  erlaubt ,  auf  einzelne  Arten  und  Gattungen  an  dieser 
Stelle  etwas  näher  einzugehen. 

Was  zunächst  die  Gattung  Aeglina  Barr,  betrifft,  so  erscheint  sie^) 
in  den  ^3 — i^^-Schichten  durch  6  und  in  der  Caradocstufe  durch  4  Arten 
vertreten,  oberhalb  der  genannten  Stufen  kennt  man  sie  in  Böhmen  und 
England  nicht.  Zwei  gemeinsame  Arten  verzeichnet  die  voranstehende 
Tabelle ,  wovon  Aegl.  rediviva  Barr,  in  Böhmen  und  England  zu  den 
intermittirenden  Arten  zu  zählen  ist. 


Auftreten  von  Aegl.  rediviva  in 


Böhmen 


England 


d,  1 


Arenig 
Caradoc 


1)  Barrande,  Syst.  sil.  vol.  VII,  1887,  pag.  154. 
*)  E  t  h  c  r  i  d  g  e ,  1.  c.  pag.  39  und  pag.  407. 

Jahrbuch  derk.k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  l.  Heft.  (Josef  Wentzel.) 


17 


150  Dr.  .Tosof  Wontzül.  [t4j 

Sie  iil)ers])nnfit  in  Böhmen  die  d^  -  Qnarzite ,  in  England  die 
Llandeilostiito.  Das  Felden  genannter  Speeies  in  der  r/^-Stnfe  kann  dem 
gewonnenen  Ergebnisse  keinen  Eintrag  thnn ,  weil  die  Stnfen  c?3  und 
fl?4  paläontologiscli  kaum  von  einander  zu  trennen  sind  i)  und  bei  einem 
Vergleiche  mit  der  Caradocstufe  die  Schichten  0^3,  d^  und  d^  als  Ganzes 
betrachtet  werden  müssen. 

Die  Gattung  Ägnostus  Brongn.  geht  gleichfalls  in  Böhmen  wie  in 
England  über  die  Stufe  <?£,  respective  Caradoc  nicht  hinaus.  Sie  liefert 
für  die  Caradocstufe  2)  3  Arten  und  für  die  äquivalenten  Schichten  in 
Böhmen  eine  Art,  Agn.  tardus  Barr^  deren  Vorkommen  Nova  k  3)  auf 
die  Stufe  dr^  einschränkt.  E  t  h  e  r  i  d  g  e  *)  beti'achtet  Agn.  tardus  Barr. 
und  Agn.  trinodosus  Salt,  als  idcnte  Formen. 

Die  Gattung  Asaphus  Brongn.  erreicht  in  England  das  Maximum 
der  Entwicklung  (8  Arten)  im  Caradoc  '^),  in  Böhmen  in  der  Stufe  ^1  y 
{?>  Arten).  Der  einzigen  in  den  r/^ — c/^ -Schichten  auftretenden  Art,  Asaph. 
nohiUs  Barr. ,  wurde  schon  früher  gedacht  und  es  bliebe  nur  zu  be- 
merken, dass  genannte  Gattung  gleichzeitig  mit  Aeglina  und  Agnostus 
in  Böhmen  und  Britannien  ausstirbt. 

Dasselbe  gilt  von  der  Gattung  Remopleurtdeft  Porti.  In  Böhmen 
wird  sie  durch  eine  Art,  Remopl.  radians  Barr.^  aus  den  c?r, -Schichten 
repräsentirt,  in  England  erreicht  genannte  Gattung  im  Caradoc  **)  ihre 
höchste  verticale  Verbreitung  und  das  Maximum  der  Entwicklung  [eine 
Art  im  Llandeilo  "')  und  9  Arten  im  Caradoc ,  worunter  sich  Remopl. 
radians  befindet]. 

Die  Gattung  Phillipsinella  Nov.  ^)  kennt  man  nur  in  einer  Art, 
Phillips,  parahola  Barr.  sp.  Dieser  Trilobit  kommt  in  Böhmen  aus- 
schliesslich in  der  Abtheilung  df,  vor  und  ist  in  England  in  der  von 
Marr")  als  „Trinucleus  seticomis-Beds^'  bezeichneten  Schichtengruppe 
der  Gegend  von  Haverfordwest  entdeckt  worden.  Er  erscheint  daselbst 
ebenso  wie  in  Böhmen  gleichzeitig  mit  Remopl.  radians  Barr.,  Agnostus 
trinodosus  Salt,   und   Trin.  seticornis  var.  BucJdandi  Barr. 

Ein  besonderes  Interesse  verdienen  weiter  Trin.  ornatus  Sthg.  sp. 
und  Trin.  BucJdandi  Barr.  Trin.  BucJdandi  macht  sich  in  d,^  durch 
häufigere  Individuen  bemerkbar  und  die  c?3-  und  c?4-Schicliten  weisen 
Trin.  ornatus  wohl  in  eben  solcher  Häufigkeit  auf  wie  die  7Vm.  skales 
der  Caradocstufe,  die  nach  Etheridge^")  mit  der  böhmischen  idente 
Art   Trin.  concentricus  Eaton. 


')  Katzer,  Das  ältere  Paläozoicum  in  Mittclböhmen.  Prag  18P8,  pag.  16. 

^)  Etheridge,  1.  c.  pag.  40  und  pag.  404. 

")  Novak  in  Mojsisovics  und  Neuniayr,  Beiträge  z.  Paläontologie  Oester- 
reich-Ungaras.  1884,  III.' Bd.,  pag.  60. 

^)  Etheridge,  1.  c.  pag.  40. 

'•)  Etheridge,  1.  c.  pag.  42,  4.3,  404. 

*■')  Etheridge,  1  c.  pag.  67  und  pag.  410. 

')  Etheridge,  1.  c.  pag.  410. 

*)  Novak,  Studien  an  Hypostomen  böhmischer  Trilobiten.  III.  Sitzb.  d.  k.  böhm. 
Ges.  d.  Wi.Msensch.   1885,  pag.  4. 

")  Marr  and  Roberts,  On  the  Lower  Palaeozoics  Rocks  of  the  Neighbourhood 
of  Haverfordwe.st.  Quart.  .Tourn.  Geol.  Soc.   1885,  41.  Bd.,  pag.  481. 

'")  Etheridge,  I.e.  pag.  70. 


[15]  Ueber  die  Ueziiuliuugen  der  Banande'scheu  Etagen  (.)   I>   und  E  etc.  [;', ] 


Bei  den  Trilohitcn  wäre  noch  hervorzuheben,  dass  die  (Jatliing 
Dionide  Barr,  in  Böhmen  und  England  unter  die  interniittirenden 
Gattuniren  gehört. 


Dionide  formosa  Barr. 
„         atra  Salt.      .    .    . 
„         Lapirortlii  R.  Eth. 
„         sp.  N.  et  Eth.  .    . 


Böhmen  ||  England 


+ 


+ 


+ 


Etheridge,  1.  c.  pag.  51. 

—  1.  c.  pag.  407. 

—  1.  c.  pag.  407. 


Ihr  sprungweises  Auftreten  stimmt  völlig  mit  dem  von  Aei/l. 
rediviva  Barr,  überein. 

Wir  wenden  uns  den  Graptolithen  zu.  Sie  sind  in  den  d^ — df, 
Schichten  äusserst  spärlich  vertreten.  Marr^)  giebt  das  Vorkommen 
von  Cliniacograptus-Formen  in  D — d^  an.  „Les  schistes  de  la  bände 
di  2)  nous  ont  ä  peine  fourni  les  traces  d'une  seule  forme,  indeterminable, 
de  cette  famille."  Die  vonBarrande  aus  den  r/B-Schiefern  erwähnten 
Diplofjroptus  teres-)  und  Dipl,  tectus  Barr.^)  bieten  wenig  Bemerkens- 
werthes,  sie  wurden  bis  jetzt  ausserhalb  Böhmens,  ich  meine  besonders 
England  *),  noch  nicht  angetrotfen.  Von  grossem  Interesse  für  die  Ab- 
grenzung der  Caradocstuffe  in  Böhmen  nach  oben  hin  wird  das  Er- 
scheinen von  Dijüoijraptus  pristis  His.  und  Dicell.  anceps  Nich. 
Linnarsson^)  hat  in  einem  grauen  c^r.-Schiefer  bei  Gross-Kuchel  Dipl. 
pristis  und  Marr")  hoch  oben  in  d^  bei  Königshof  Dicellograptus 
anceps  Nich.  angetroffen. 

In  England  kennt  man  Dipl.  pristis  und  Dicell.  anceps  nur  aus 
den  Upper-Hartfcllschichten ,  dem  Endgliede  der  Bala  Caradocgruppe 
und  Dicell.  anceps  bildet  nacli  Lapworth^)  die  höchste  Graptolithen- 
zone  im  Caradoc  von  Südwest-Schottland  (Moffat  und  Girvan  Series). 

Ueber  die  grosse,  an  Identität  grenzende  Verwandtschaft  zwischen 
Beyr.  Boliemica  und  Beyr.  complicata  haben  wir  schon  berichtet,  genannte 
Arten  werden  durch  ihre  Häufigkeit  zu  einem  wichtigen  Bestandtheile 
der  ^3,  respective  der  Caradocfauna. 

Wenn  wir  noch  erwälmen,  dass  EcJmiosph.  confortatus  und  Echin. 
aurontium  von  Barrande'^)  als  analoge  Formen  betrachtet  werden, 
so  sind  wir  am  Schlüsse  der  Erläuterungen  zur  Eingangs  gegebenen 
Tabelle  angelangt  und  lassen  einige  Bemerkungen  über  den  petro- 
gra phischen  Charakter  der  eben  behandelten  Schichten  folgen. 

»)  Marr  in  Quart.  Jomn.  Geol.  Sog.  1880,  36.  Bd.,  pag.  603. 
■■*)  Barrande,  Defen.se  des  colonies.  IV,  1870,  pag.  126. 
■•')  Ebenda,  V,  1881,  pag.  27. 

■•)  Ann.  Mag.  nat.  bist.  Ser.  V,  Bd.  6,  pag.  21  (non  Ann.  Mag.  Ser.  V,  Bd.  5, 
pag.  363). 

')  Linnarsson  in  Zeitsclir.  d.  deutsch,  geol.  Ges.   1873,  25  Bd.,  pag.  685. 
'■•)  Marr  in  Quart.  Journ.   1880,  pag.  6iiü, 

')  Lapworth  in  Ann.  Mag.  nat.  bist.  Ser.  V,  Bd.  6,  pag.  18,  21,  205. 
»)  Barrande,  Syst  sil.  Vol.  VII,  1887,  pag.  154. 

17* 


132  Dr.  Josef  Wentzel.  Hgl 

Die  Stufe  ds  zeielinct  sicli  durch  i;Ioicliformii;'  entwickelte,  dunkel- 
graue  bis  schwarze,  feinglimnierig-e  und  dünnblättrige  Schiefer  aus.  Die 
Gesteine  der  Stufe  d^  sind  quarzig  -  thonige ,  glimnierige  Grauwacken- 
sehiefer  mit  eingefügten  Schichten  einer  quarzigen  ,  feinkiJrnigen  oder 
quarzitähnlichen  Grauwacke.  Die  Farbe  der  Schiefer  ist  meist  dunkel- 
grau, häutig  in's  Bräunliche  geneigt ;  die  quarzitischen  Grauwackenschichten 
sind  heller  gefärbt.  Die  Stufe  dr,  zerfällt  in  eine  Schiefer-  und  eine 
Grauwackcnzone.  Die  Schiefer  sind  thonig,  weich,  gelblich  oder  grünlich- 
grau, stellenweise  auch  dunkelgrau  und  schwarz  gefäi-bt,  wenig  glimmer- 
haltig.  Sie  sind  in  der  Litteratur  unter  dem  Namen  Königshofer  Schiefer 
bekannt.  Diese  Schiefer  und  diejenigen  der  Stufe  d-^  erweisen  sich 
nach  Marr^)  den  britischen  Bala  shales  als  sehr  ähnlich. 

Wenn  im  Vorausgehenden  von  Formen  der  c^^-Stufe  gesprochen 
wurde,  so  waren  stillschweigend  solche  der  Königshofer  Schichten  (dr,  a) 
gemeint,  denn  die  Kosower  Grauwackensandsteine  und  Quarzite  (d^ß) 
fuhren  keine  Versteinerungen.  Die  in  der  Fauna  begründete  Aequivalenz 
der  Caradocstufe  mit  den  d^ — ^^-Schichten  kann  auf  die  Kosower 
Schichten  nicht  ausgedehnt  werden.  Es  besteht  eine  Unterbrechung  in 
der  Entwicklung  der  Thierwelt  an  der  Grenze  von  Unter-  und  Obersilur 
in  Böhmen,  welche ,  wie  wir  später  ausführlicher  darthun  wollen ,  in 
dieser  Form  den  britischen  Silurbildungen  fremd  ist. 

Die  Graptolithen    der   Barrande'schen    Etage  .fi"  und    ihre 
verticale  Verbreitung  in  Britannien. 

Die  Etage  E^  die  1.  Phase  der  Barrande'schen  III.  Fauna  ent- 
haltend ,  besteht  in  scharfem  Gegensatze  zu  der  Grauwackenschiefer- 
und  Quarzitetage  D  aus  vorwaltend  kalkigen  Gesteinen,  so  dass  hier 
die  paläontologische  Grenze  auch  mit  einer  deutlichen  Gesteinsgrenze 
zusammenfällt.  B  a  r  r  a  n  d  e  unterscheidet  zwei  Stufen.  Die  tiefere  Stufe  e^ 
bilden  Graptolithenschiefer  mit  Einlagerungen  von  krystallinischen  oder 
tuffartigen  Diabasgesteinen.  In  den  höheren  Lagen  dieser  Schiefer  treten 
zuerst  sporadisch  und  dann  zahlreicher  werdend  ellipsoidische  oder 
auch  kugelrunde  Kalkconcretionen  auf,  die  sich  zu  continuirlichen  Reihen 
anhäufen  und  schliesslich  in  zusammenhängende  Kalkbänke  übergehen. 
Die  Stufe  e^  besteht  durchaus  aus  Kalksteinen.  Der  Kalkstein  ist  meist 
dunkelgrau,  häufig  bituminös,  ausgezeichnet  durch  eine  überaus  reiche 
Petrefaktenführung.  Was  die  Fauna  betrifft,  so  ist  bemerkenswerth,  dass 
sich  die  Zahl  der  identen  Arten  in  dem  Maasse  steigert,  als  wir  von 
den  einzelnen  i)-Stufen  zur  ^-Etage  aufsteigen  und  in  letzterer  Etage 
sich  so  häuft,  dass  es  mir  zweckmässig  erschien,  Jede  Thiergruppe  für 
sich  zu  betrachten. 

Wir  beginnen  mit  den  Graptolithen  und  lassen  zunächst  ein  Ver- 
zeichniss  der  von  Barrande^)  aus  E  erwähnten  Arten  mit  Rücksicht 
auf  ihre  verticale  Verbreitung  in  Britannien  ^)  folgen. 

1)  Marr  iu  Quart.  Journ.  Geol.  Soc.  1880,  36.  Bd.,  pag.  603. 

-)  Barrande,  Graptolites  de  Boheme.  1850,  pag.  18.  Barrande,  Defense  des 
colonies.  IV  et  V. 

'■')  Ann.  Mag.  nat.  bist.  Ser.  V,  Bd.  6,  Table  X,  pag.  16  und  Ann.  Mag.  Ser.  V, 
Bd.  5,  pag.  36i^,  Tal)le  VII. 


["17]         Ueber  die  I>cziiolmn<i;t>n  der  Barrande'.stben   Rtapeii  C,   D  und   PJ  etc 


13;^ 


Arten  aus  Böhmen 

Böhmen 

England                        1 

«1 

e» 

Birkhill 

Gala 

Wenlock 

Ludlow 
Lower 

o 

_2 

u 

3 

u 
<o 

p. 

Zone  mit 

Cyrtoijr. 
Miirchisoni 

o  <o 

\.  Monograptiis  priodon  Bronn.  .    . 

2.  „             Bolieinicii.'i  Barr.     . 

3.  „             Koemeri  Darr.     .    . 

4.  „              colonus  Barr.  .    .    . 

5.  „              niDitius  Barr.  .    .    . 

6.  „             Hallt  Barr 

7.  „             Becki  Barr.      .    .    . 

8.  „             Ni/ssoni  Barr.     .    . 

9.  „              chiniaera  Barr.  .    . 

10.  „              testis  Barr 

11.  „             spiralis  Gein.  .    .    . 

12.  „              turricalalus  Darr.  . 

13.  „             proteus  Darr.  .    .    . 

14.  „             Sedgu-icU  Porti.')  . 

15.  „              quadrans   Barr.'')    . 

16.  „              ieniiissinius  Barr.'') 

17.  Dyplograptus  pahneus  Barr.    .    . 

18.  Dipl.  ovatus  Barr. ^)= Dipl.  foliuni 

His 

4- 
+ 
+ 

+ 

+ 
+ 
+ 

+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 

+ 
+ 

4- 
+ 
+ 
+ 

+ 
+ 
+ 

+ 



+ 
+ 

+ 

+ 
+ 

+ 

+ 

+ 

+ 
+ 

+ 

+ 

+ 
+ 

+ 
+ 

+ 

? 
+ 

+ 

? 

+ 

+ 
+ 
+ 
? 

? 

? 
+ 

+ 
+ 
+ 

+ 

? 

19.  Eastrites  Linnaei  Barr 

20.  „         /iig(^^  Barr 

21.  „         peregrinus  Barr.    .    .    . 

22.  r,         gemniatus  Barr.     .    .    . 

23.  lietiolites  Geinitzianus  Barr.     .    . 

23 

Ö 

0 

•^ 

8 

6 

3 

3 

7 

b 

Die  voranstellende  Tabelle  zeigt,  dass  nur  vier  Barrande'sche 
Arten ,  Mon.  quadrans,  tenuissimus,  Rastr.  Linnaei  und  gemmatus,  dem 
britischen  Silur  völlig-  fremd  sind.  Die  Lücke,  welche  die  Rubrik  Lower 
Birkhill  und  die  geringe  Zahl  der  Formen,  welche  die  Rubriken  Middle 
Birkhill,  Upper  Gala  und  Cyrtogr.  Murchisoni-Zona  aufweisen,  werden 
durch  Marr's  Untersuchungen  ausgefüllt,  respective  vcrgrössert,  so  dass 
man  behaupten  kann,  die  ^-Schichten  umfassen  in  Bezug  auf  ihre 
Graptolithenführung  die  Birkhill-  und  Galastufe,  die  Cyrtograptus 
Murchisoni-Zoue  (Basis  der  Wenlockgruppe),  die  Wenlockschiefer  und 
Lower-Ludlowstufe. 

Es  drängt  sich  nun  die  Frage  auf,  ob  man  diese  Stufen  in  Böhmen 
räumlich  trennen  kann.  Eine  Antwort  auf  diese  Frage  scheinen  die 
Untersuchungen  M  a  r  r's  *)  zu  sein.  Er  gliedert  die  ^e^-Stufe  von  unten 
nach  oben  in  folgenden  Zonen:  1.  Diplograptuszone,  2.  Priodonzone  und 
3.  Colonuszone. 


')  Barrande,  Defense  des  colonies.  V,  pag.  37. 

^)  Ebenda,   IV,  pag.  25. 

'•')  Ebenda.  V,  pag.  25. 

*)  Marr  in  Quart.  Journ.  Geol.  Soc.  1880,  36.  Bd.,  pag.  608. 


134 


Dr.  Josef  Wentzel. 


[18] 


Die  unterste  oder  Diplogiaptnszone  besteht  aus  schwarzem  Schiefer 
(niudstones) ,  dem  Birkhillschicfer  Schottlands  vollkommen  ähnlich. 
FoIi;-ende  Specics  gehören  dieser  Zone  an.  ^) 


B  i  r  k  h  i  1  1 

Gala 

Lower 

Middle 

Upper 

Lower 

Upper 

1.  Monograptus  aiplius  Lopic 

2.  „              Bccki  Barr 

3.  „              tenuis  Porti 

4.  „             proteus  Barr 

5.  „             Sedgiricki  Porti 

6.  „              triangulatus  llarkn.    .    .    . 

7.  „             turriculatus   Barr 

8.  Rastrites  peregrimts  Barr 

9.  „          Linimci  Barr 

10.  Diplograptus  foliuin  His 

11.  „             tamariscus  NicJi 

12.  Climacograptus    scalaris    His.    var. 
nor  »Ullis? 

+ 

+ 

4- 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 
+ 
+ 

+ 

+ 

+ 
+ 

+ 

+ 

+ 
+ 

+ 

V 

2 

7 

9 

4 

— 

Marr  ist  noch  um  einen  Schritt  weiter  ,ü:egangen.  Er  hat  die 
Möglichkeit  eröffnet,  die  Diplograptnszone  in  eine  Reihe  von  Subzonen 
zu  zerlegen.  Die  unterste  derselben  soll  durch  ein  massenhaftes  Auf- 
treten von  RaHtrites  peregrinus  und  Glivtacagr.  scalaris  ausgezeichnet 
sein  ,  eine  andere ,  hoch  oben  gelegene .  Monogr.  turriculatus  Barr.^  in 
ungewöhnlicher  Anzahl  füliren.  Die  Priodonzone,  ans  weicherem  (flaggy) 
Schiefer,  stellenweise  auftretenden  Kalkconcretionen  und  Kalkbäuken 
bestehend,  wird  charakterisirt  durch  2) : 


Gala 

Wenlock 

" 

Lower 

Upper 

Zone  mit 

Cyrtogr. 
Murchisoni 

Wenlock 
shales 

1.  Monograptus  priodnn  Bronn 

2.  „             vomeriniis  Nick 

3.  Cyrtograptus  Murcliisoni  Carr 

4.  RetioUtes  Geinitzianus  Barr 

+ 

+ 

+ 

+ 

+                      - 

+                      + 
+                      - 
+                      — 

' 

3 

4 

1 

Die  Colonuszone,  eine  aus  sandigen,  rostbraunen,  im  angewitterten 
Zustande  bräunlich-gelben  Schiefer  und  Kalkellipsoiden ,  welche  nach 
oben  in  dünn  geschichtete  Kalksteine  übergehen ,  bestehende  Schicht 
enthält  nach  Marr  '^)  folgende  Graptolithen : 


*)  Marr  in  Quart.  Journ.  1880,  pag.  603  und  604. 
2)  Marr  ibid.,  36.  Bd.,  pag.  604. 
")  Marr  il»id.,  pag.  605. 


ri9l  lieber  tlie  Beziehungen  der  Barraude'sclicn  Etagen  C,  D  und   K  etc.  \';\^^ 


Wenlock 

liUdlow 

~ 

Cyrtogr. 
Murchiaoni- 

Zone 

Wenlock 
shales 

Lower 

1.  Monograptus  colonns  Barr 

1    1    I  +  I 

+ 
+ 
+ 
+ 
+ 

+ 
+ 
+ 

2.  „             Bohemiciis  Barr 

3.  „             JRoemeri  Barr 

4.  „             Fletnhigii  Salt? 

5.  „             testis  Barr 

1 

5 

3 

Zwischen  der  I.  und  II.  Zone  ist  keine  trennende  Schicht  nach- 
weisbar, zwischen  der  IL  nnd  III.  Zone  schieben  sich  Kalksteine  mit 
Gardiola  interrupta ,  Orthoceras  etc.  ein.  Kehren  wir  nach  diesem 
knrzen    Berichte    über    die    Marr'schen  Untersuchungen   zur    Ursprung-- 


r 


liehen  Frage  zurück. 

Unter  den  12  Arten  der  Diplograptuszonc  kommen  2  in  den 
untern,  7  in  den  mittleren,  9  in  den  oberen  Birkhillschichten  und  4  in 
der  Lower  Galastufe  A'or.  Zonen  bildend  treten  auf:  Monogr.  triangu- 
latus  Horkn.  im  Middle  Birkhill  und  Mon.  Sedgwicki  Porti.  [-=.  Man. 
spinigerus  Nich.J  im  Upper  Birkhill.  Glimacagr.  Scolaris  var.  normalts, 
obwohl  durch  die  ganze  Birkhillstufe  verbreitet ,  erscheint  in  grosser 
Häufigkeit  nur  im  Lower  Birkhill  als  bezeichnend  für  die  Zone  mit 
Diplogr.  acuminatus  Nich.  i) ,  SO  dass  an  eine  Vertretung  der  Lower 
Birkhillschichten  durch  die  unterste  Subzone  Mar  r's  gedacht  werden  kann. 

Mon.  turriculatus  Barr,  wird  von  Lapworth^)  als  typisch  für 
die  Zone  mit  Mon.  exiguus  Nich.^  dem  Repräsentanten  der  Lower 
Galastufe  Südschottlands,  genannt  und  von  Tullberg^)  zu  einer  Zone 
bildenden  Form  erhoben.  Genannte  Species  charakterisirt  durch  ihre 
Häufigkeit  die  oberste  Abtheilung  der  Diplograptuszonc.  Nach  diesen 
Auseinandersetzungen  wäre  an  einer  Aequivalenz  der  Diplograptuszonc 
mit  den  Birkhillschichten  mehr  Lower  Galastufe  nicht  zu  zweifeln  und 
die  Grenze  zwischen  Birkhill  nnd  Gala  unterhalb  der  Subzone  mit 
Mon.  turriculatus  gelegen.  Die  Priodonzone  enthält  4  Arten ,  welche 
sämmtlich  in  der  Zone  mit  Cp-t.  Murchisoni  auftreten;  diese  Zone 
leitet  die  Wenlockstufe  ein.  Typische  Upper  Galaformen  fehlen.  Die 
Colonuszone  wäre,  wegen  des  Auftretens  von  Mon.  testis,  dem  Wenlock- 
schiefer  zuzuzählen.  Mit  typischen  Ludlowformen  hat  uns  Marr  nicht 
bekannt  gemacht.  Halten  wir  uns  streng  an  die  Thatsachen,  wie  sie 
uns  Marr  an  die  Hand  giebt,  so  können  wir  in  Böhmen  die  Birkhill-, 
Lower  Gala-  und  Wenlockstufe  (Zone  mit  Ci/rt.  Murchisoni  und  Wen- 
lock Shales)  räumlich  gut  unterscheiden ,  aber  seine  Untersuchungen 
stehen  in  einigen  Punkten  mit  denjenigen  B ar r and e"s,  Lap  w  o r th's  etc. 
in  offenem  Widerspruche. 

Marr  hat  das  Vorkommen  von  Graptolithen  in  Ee2  gar  nicht 
berücksichtigt.  Barrande  erwähnt  folgende  Arten : 


1)  Lapworth  in  Ann.  Mag.  Ser.  V,  Bd.  G,  1880,  pag.  199. 

*)  Lapworth  ibid.  pag.  200. 

*)  Tullberg  in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  1883,  35.  Bd.  Tabelle  zu  pag 


259. 


136 


Dr.  Josef  Wentzel. 


[20] 


" 

IJöhmen  j 

E  1 

a  g  1  a  n  d 

e. 

«2 

Gala 

Wenlock       1 

Ludlow 

Lower 

Upper 

ö 

Lower 

1.  Monograptiis  x>rm1on  Bronn.    . 

2.  „             ßoJiemicus  Barr.  . 

3.  „             Boemeri  Barr.  .    . 

4.  „             eofouus  Barr.  .    . 

5.  „             Nilssoni  Barr.    . 

6.  „             Chimaera  Barr.  . 

Die  Differenz  der  Graptc 

+ 
+ 

+ 
+ 

+ 

+ 

+ 
+ 
? 

+ 

+ 

+ 

+ 
+ 
+ 

? 

+ 
+ 
+ 
+ 
? 

6 
lithe 

6 
nfau 

i             1 

na   von   e.  \ 

1 

ind  gg 

4 
erwe 

5 
ist   sich 

mehr  von  quantitativer  als  qualitativer  Natur ,  indem  die  in  Co,  auf- 
tretenden Arten  alle  schon  in  e^  vorkommen,  aber  in  e^  ebenso  vereinzelt 
sind  wie  sie  in  e^  in  erstaunlicher  Menge  auftreten.  Dagegen  fehlen 
der  ^2  Stufe  die  Rastriten,  Diplograptitiden,  Retioliten  und  eine  Anzahl 
stark  gekrümmter  Monograptiden,  z.  B.  turriculatas,  spiralis ,  Proteus.^ 
trionguhitus.  Die  übrigen  der  (?^-Stufe  eigenthümlichen  Arten  können 
leicht  aus  der  eingangs  gegebenen  Tabelle  entnommen  werden. 

Weiter  hat  Marr  das  Auftreten  von  Mon.  Nilssoni  Barr,  und 
Mon.  spiralis  Gein.  in  der  (?i-Stufe  übersehen.  Die  Zone  mit  Monogr. 
spiralis  rechnet  T  u  1 1  b  e  r  g  ')  der  Upper  Galastufe  zu  und  die  Zone 
mit  Mon.  Nilssoni  gehört  in  Britannien  der  Lower  Ludlowstufe  an,  sie 
ist  die  höchste  (20.),  von  Lapworth^)  im  britischen  Silur  aufgestellte 
Zone.  Durch  das  Auftreten  genannter  zwei  Graptolithen  erscheint  das 
Vorhandensein  dieser  beiden  Stufen  in  e^  gesichert. 

B  a  r  r  a  n  d  e  ^)  bildet  unter  Mon.  Nilssoni  zwei  verschiedene  Formen 
ab.  Fig.  16,  PI.  II,  genügt  allein  seiner  Diagnose,  Fig.  17,  PI.  II,  muss 
nach  Lapworth's  Graptolithenstudien  *)  Mon.  gregarias  Laino.  zu- 
gezählt werden.  Beide  Species  finden  sich  auf  demselben  HandstUcke. 
Zur  Würdigung  dieser  Thatsachc  verweise  ich  auf  einen  Ausspruch 
von  Lapworth^):  „The  zones  of  .  .  .  .  Monogroptas  gregarius  (12) 
and  Monograptiis  Nilssoni  (20)  are  of  such  paramount  consequence, 
whether  we  conslder  the  thickness  of  their  inchuled  strata  in  Britain, 
or  the  great  variety  and  wide  geographical  ränge  of  their  distinctive 
faunas,  that  they  deservc  rather  the  titles  of  subformatious."  Die  Zone 
mit  Mon.  gregarius  gehört  in  Britannien  dem  Llandovery  (Middle  Birk- 
hill)  an. 

Mon.  spiralis  habe  ich  bei  Konieprus  mit  Typen  der  Gyrtogr. 
Murchisoni-ZonQ  wie  Mon.  vomerinus^  Retiolites  Geinitzianus.^  bei  Malkow 
mit  Rastrites  peregrinus  (Subzone  der  Gregariuszone ")  vergesellschaftet 
angetroffen. 

»)  Tullberg,  1.  c,  pag.  236. 

*)  Lapworth  in  Ann.  Mag.  nat.  liist.  Sor.  V,  Bd.  6,  pag.  204. 

^)  Barrande,  Graptolites  de  Boheme.  Prague  1850,  pag.  51,  PI.  IT,  Fig.  16  u.  17. 

■*)  Lapworth  in  Geologic.al  Magazine.  New  Series,  Dec.  II,  Vol.  111,  1876,  pag.  316. 

')  Lapworth  in  Ann.  Mag.  nat.  hi.st.  Ser.  V,  Bd.  6,  pag.  202. 

")  Lapworth  in  Ann.  Mag.  Ser.  V,  Bd.  6,  pag.  199. 


[21]         Ueber  die  Bezielinngen  der  narrandc'sclion  Etagen  (',   /)  und   K  etc.  137 

Marr  beliauptet,  Man.  Bohemicus  und  Man.  Eoemeri  treten  nur 
in  den  obersten  Kalkscliichten  von  e,  auf,  während  Bar  ran  de  beide 
Arten  ausdriicklich  aus  den  Schiefern  der  Basis  von  e^  anführt. 

Weiter  sollen  die  drei  M  a  r  r'schen  Graptolithenzonen  untereinander 
nicht  eine  einzige  gemeinsame  Species  aufweisen  und  doch  geht  Mon. 
priodon  durch  e^  und  erscheint  mit  Mon.  colonus  in  e.^^  w'as  sich  nicht 
gut  mit  der  Unterscheidung  einer  Priodonzone  (Mitte)  und  Colonuszone 
(Spitze)  in  der  -E'^j-Stufe  zusammenreimt. 

Die  Colonuszone  [=  Zone  mit  Mon.  testis  Barr.]  schliesst  nach 
Marr  die  £"61 -Stufe  ab.  Ueber  der  Zone  mit  Mon.  testis  folgt  nach 
Lapworth')  die  Zone  mit  Mon.  Nüssoni.  Wir  hätten  demnach  in 
Böhmen  nur  in  Ee.2,  Mon.  Nüssoni  zu  erwarten.  Nun  begegnet  man 
aber  dieser  Form  schon  in  den -Eej-Schiefern^),  und  zwar  viel  häufiger 
als  in  den  Kalken. 

Stäche  2)  erw'ähnt,  dass  auf  den  Flächen  der  Graptolithenschiefer 
am  Osternigberge  in  Kärnten  zugleich  mit  Diplogr.  folium  mehrere 
Stücke  von  Mon.  Proteus  und  Mon.  triangulatus,  zahlreiche  Stücke  von 
Mon.  Nilssoni  und  Spuren  von  Rastriten  erscheinen.  Eine  zweite  häufige 
Form  der  Gruppirung  ist  die  von  Mon.  Nilssoni  mit  triangulatus-YovvsiQTü. 
und  Rastriten. 

In  den  unteren  Graptolithenschichten  des  Fichtelgebirges  *)  er- 
scheint Mon.  Nilssoni  im  Vereine  mit  Rastriten  und  Diplograptiden, 
in  den  oberen  Graptolithenschichten  tritt  diese  Lower  Ludlowform 
nicht  auf. 

In  ScMste  ampeliteux  von  Anjou  und  der  südlichen  Bretagne  sind 
bekannt  ^) :  Diplogr.  folium ,  Mon.  Becki,  Mon.  colonus,  Mon.  Nilssoni, 
Mon.  spiralis ;  in  den  darüber  liegenden  Galcaire  ampMiteux:  Mon. 
Becki,  Mon.  Bohemicus,  Mon.  priodon. 

Wir  bemerken,  dass  in  all  den  genannten  Gebieten  Mon.  Nilssoni 
in  Gesellschaft  von  Vertretern  der  Birkhillstufe  erscheint,  gerade  so 
wie  in  Böhmen. 

Nach  den  vorangehenden  Erörterungen  stehen  die  auf  die  Mar  r- 
schen  Graptolithenzonen  in  Ee-^^  basirten  Grenzen  zwischen  Llandovery  •') 
und  Tarannon  [unterhalb  der  Subzone  mit  Mon.  turriculatus],  Tarannon 
und  Wenlock  [unterhalb  der  Priodonzone]  auf  schwachen  Füssen,  weil 
Mon.  Nilssoni  in  Böhmen  mit  typischen  Birkhill-  und  Mon.  spiralis 
mit  Birkhill  und  Wenlockformen  auf  demselben  Handstücke  vergesell- 
schaftet angetroffen  worden  ist. 


')  Lapworth  iu  Ann.  Mag.  nat.  hist.  Ser.  V,  Bd.  6,  pag.  204. 

*)  Barrande,  Graptolites  de  Boheme.  1850,  pag.  52. 

")  Stäche,  Der  Graptolithenschiefer  am  Osternigberge  in  Kärnten.  Jahrb.  d. 
k.  k.  geolog.  Reichsanstalt.   1873,  XXIII.  Bd.,  pag.  238. 

■*)  G  um  bei,  Geognostische  Beschreibung  des  Fichtelgebirges.  1879,  pag.  450. 

")Tromelin  et  Lebesconte,  Catalogue  Silurian  Foss.  1875  (CongrtJS  de 
Nantes),  pag.  50  u.  52. 

'■)  Lapworth  in  Ann.  Mag.  nat.  hist.  Ser.  V,  Bd.  6,  pag.  16,  hat  folgende 
Parallelen  aufgestellt:  Llandovery  =  Birkhill,  Tarannon  =  Gala.  Früher  in  Ann.  Mag. 
Ser.  V,  l'd.  5,  pag.  364  :  Birkhill  =  Lower  Llandovery,  Lower  Gala  (=  Gala  Group)  -^  Upper 
Llandovery,  Upper  Gala  =  Tarannon.  Tullberg  in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch. 
1883,  pag.  236  folgt  der  Gleichung  Upper  Gala  —  Tarannon. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reicbsanatalt.  1891.  4J.  Band.  l.  Heft.  (Josef  Wentzel.)         18 


ms 


Ör.  Josef  Weutzel. 


19-v 


Bekanutlicli  finden  sich  alle  Graptolitlien  der  ^-Eta2:e  schon  in 
der  ^^'i -Stufe  vor.  Sie  re})räsentiren  hier  durch  nachfolgende  typische 
Arten  Llandovery-Tarannon,  Wenlock  [Murchisonizoue  +  Wenlock  Shale] 
und  Lower  Ludlow. 


Graptolithenzouen,  aufgestellt  von 
L  a  p  w  o  r  t  h   und    T  u  11  b  e  r  g 


Vertreten  in  Böhmen  durch 


LIandovery  -  Tarannon 

u)  Birkhill. 

Zoue  mit  Diplot/raptus  actiminatiis 
Nich.     .    .    ■ 


Zone  mit  Mon.  gregarius   Lapic. 
„       „        „      spiniger  US  Nich.  . 

h)  Gala. 
Zone  mit  Mon.  turriculatus  Barr. 
„      „        n     sptralis  Gein.    .    . 

Wenlock. 
Zone  mit  Ci/rt.  Murchisoni  Carr. 
„       „     Mon.  testis  Barr.    .    . 

Lower  Ludlow. 
Zone  mit  Mon.  Nüssoni  Barr.   . 


Climacogr.  Scolaris  His. 
var.  normalis 

Mon.  gregarius  Lapir.  .  . 
„  spiniger  HS  Nicii.  = 
Sc(lgiricl-i  Porti 


Mon.  turriculatus  Barr. 
„     spiralis   Gein.  .    . 


Ci/rt.  Murchisoni  Carr. 
Mon.  testis  Barr.  .    .    . 


Mon.  Nilssoni  Barr. 


Tiefste  Zone  im  Lower 

Birkhill.») 
Middle  Birkhiil. 

Upper  Birkhill. 

Lower  Gala. 
Upper  Gala. 


Basis  d.Wenlockstufe. 

Höchste  Zone  im 
Aequivalent  der 
Wenlockschiefer.*) 


Das  Auftreten  der  Graptolithen  in  der  ^'ej-Stufe  ist  kein  gleich- 
massiges.  Barrande^)  berichtet,  dass  alle  ^-Gniptolithen  ohne  Aus- 
nahme in  der  mit  den  Diabasen  wechsellagernden  Schiefermasse  {Ee{) 
auftreten,  und  14  von  20  Arten  sich  nicht  über  diesen  Schieferhorizont 
erheben ,  nur  6  gehen  in  die  unmittelbar  darüber  liegenden  ii^e^-Kalke 
über,  welche  Formen  er  auch  später  in  Ee^  nachgewiesen  hat. 

In  dieser  Schiefermasse  erscheint  also  Llandovery-Tarannon, 
Wenlock  und  Lower  Ludlow  zusammengedrängt.  Nun  steht  aber  der 
Dicke  *)  der  Birkhill-  (33  Meter)  und  Galastufe  (3333  Meter)  zusammen, 
d.  i.  3366  Meter,  nur  die  mittlere  Dicke  von  60  Meter  der  ganzen  Ee^- 
Stufe  gegenüber,  d.  i.  ungefähr  der  50.  Theil,  welches  Verhältniss  sich 
noch  ungünstiger  gestalten  würde,  wollte  man  noch  die  Wenlock  und 
Lower  Ludlowstufe  in  die  Rechnung  einbeziehen  und  dem  Umstände 
gerecht  werden,  dass  die  Schiefermasse  doch  nur  einen  Bruchtheil  der 
^gj -Stufe  ausmacht. 

Wir  sehen  also,  die  Fauna  der  Graptolithenschiefer  ist  eine  so 
stark  condensirtc,  dass  eine  Mischung  von  Formen  heterogener  Stufen, 
wie  Mon.  Nilssoni  mit  Mon.  gregarius.^  Mon.  spiralis  mit  Rastrites 
peregrinus,  Mon.  spiralis  mit  Typen  der  Murchisoni-Zone  etc.  verständ- 


*)  Lapworth  in  Ann.  Mag.  nat.  hist.  Ser.  V,  Bd.  (j,  pag.  199  u.  205. 
*)  Lapworth   in   Ann.   Mag.  Ser.  V,    Bd.  6,   pag.  201    und  Ann.    Mag.  Ser.  V, 
Bd.  5,  pag.  ,59. 

")  Barrande,  Graptolites  de  Boheme.   1850,  pag.  19. 
*)  Barrande,  Defense  des  Colonies.  V,  1881,  pag.  66. 


[231  lieber  die   Bczicluiii^en   der  Harrandi'selieu   Klage?!  (',   I)  und   /•.'  etc.  |  39 

lieh  wird  und  eine  liiuiuliclic  Trennung  der  einzelnen  Stufen  nicht  er- 
wartet werden  kann. 

Die  Graptolithenfauna  der  £'^2-Schichten  stellt  sich  nach  den 
Untersuchung-en  Barrande's  nur  als  eine  Fortsetzung  der  Graptolithen- 
fauna der  -E'ei-Kalkc  dar.  Keine  neuen  Formen  konnnen  hin/u,  so  dass 
man  sagen  kann,  die  ganze  -fi^-Etage  umfasst  in  Bezug  auf  ihren  Inhalt 
an  Graptolithen  die  Schichten  Llandovery-Tarannon,Wenlock  (Mnrcliisoni- 
Zone,  Wenlock  Shale)  und  Lower  Ludlow. 

Die  stratigra})hische  Grenze  zwischen  Ecy  und  Ec.^  deckt  sich  mit 
keiner  Grenze  der  im  britischen  Silur  unterschiedenen  Stufen,  denn  die 
-E'^i-Graptolithen  erscheinen  in  Britannien  in  der  Birkhill-,  Gala-,  Wenlock- 
und  Lower  Ludlowstufe,  die  Äca-Graptolithcn  in  denselben  Stufen,  aus- 
genommen die  Birkhillstufe. 

In  Britannien  verbreiten  sich  die  Graptolithen  vom  Caradoc  auf- 
wärts im  Llandovery,  Tarannon,  Basis  der  Wenlockgruppe  (Murchisoni- 
Zone),  Wenlock  Shale  und  Lower  Ludlow.  Im  Wcnlock-Limcstone, 
Aymestrj-Limestone  und  Upper  Ludlow  sind  Graptolithen  eine  unbe- 
kannte Erscheinung  i),  daher  uns  auch  die  Graptolithen  über  die 
Vertretung  dieser  Stufen  in  ausserbritischen  Gegenden  keinen  Aufschluss 
geben  können.  In  Böhmen  kennt  man  Graptolithen  nicht  nur  aus  Ecy 
und  is?2  5  sondern  colonusartige  Formen  reichen  bis  in  die  Stufe  i^-/,. 
Eine  Musterung  der  ^i-Cephalopoden  wird  uns  später  zu  dem  Ergebniss 
führen,  dass  in  der  ^- Etage  nicht  nur  die  durch  Graptolithen  fixirten 
Stufen ,  sondern  die  ganze  Wenlock-  und  Ludlowgruppe  [bis  Upper 
Ludlow  incl.]  vertreten  erscheinen,  was,  auf  unseren  Fall  angewendet, 
besagt,  die  Graptolithen  steigen  in  Böhmen  in  viel  höhere  Horizonte 
hinauf  als  in  England. 


Ueber  die  dem  böhmischen  und  britischen  Silur  gemein- 
samen Cephalopodenarten. 

In  der  1870  publicirten  Barrand e'schen  Arbeit  „Distribution 
des  Cephalopodes  dans  les  contröes  siluriennes"  2)  werden  nur  Ortho - 
ceras  annulatum  Soiv.  und  Cyrtoceras  Forbesi  Barr,  als  den  böhmischen 
und  britischen  Silurbildungen  gemeinsame  Arten  bekannt  gemacht. 
Bar  ran  de  unterschied  damals  in  allen  seinen  Etagen  zusammen 
979  Cephalopodenformen.  Ganz  anders  gestaltet  sich  das  Verhältniss 
nach  Etheridge's  Fossils  of  the  British  Islands  (1888).  Die  Zahl 
der  gemeinsamen  Formen  erreicht  die  nicht  unbeträchtliche  Höhe  von  24 ; 
Cyrtoceras  Forhesi  wird  von  Etheridge  nicht  erwähnt.  Wir  lassen 
ein  Verzeichniss  dieser  Arten  nebst  Angabe  ihrer  verticalen  Verbreitung 
in  Böhmen  und  Britannien  folgen. 


')  Etheridge  (Fossils  of  the  British  Islands,  pag.  397)  führt  Thamnograptus 
Scoticus  Lapw.  aus  dem  Aymestry  Limestone  an.  Cyrt.  Linnarssoni  Lapir.^irA  irr- 
thümlioh  im  Wenlockkalke  statt  im  Wenlockschiefer  auftretend  angeführt.  (Etheridge 
1.  c.  pag.  392  und  Ann.  Mag.  nat.  hist.  Her.  V,  Bd.  5,  pag.  158.) 

')  Barrande,  Extrait  du  Syst.  silur.  du  centre  de  la  Boheme.  Vol.  II,  1870, 
pag.  331  u.  123. 

18* 


140 


Dr.  Josef  W eilt zel. 


[24] 


Ascoccras  Boheinicum  Barr.  . 
Cijrtoccras  contr<irium   Barr. 

„  corniculum   Barr. 

„  fortiusculuniBarr. 

„  plchelnm  Barr.    . 

„  Uranus  Barr.  .    . 

Gomjjhocerns  amijgdala  Barr. 

„  ff  rat  um  Barr.  . 

Nautilus  Bohcmicus  Barr.     . 

Orthoceras    adornntum  Barr. 

„  annulatum  Sotv.  . 

„  areonosum  Barr. 

„  arffu.s  Barr.     .    . 

„  Bacchus  Barr.    . 

„  Duponti  Barr.    . 

„  oriffiiiole  Barr.    . 

„  Saturn  i  Jiarr.     . 

„  truncatum    Barr. 

„  striatopunctatuin 

MüHst.      .    .    . 

„  suhaiinulare 

Maust 

„  Phragmoceras  im- 

hricatum   Barr. 

Trochoceras  arietinuni  Barr. 

„  rapa.r  Barr.  .    . 

„  spcciosutti  JJatr. 


Zusammen 


Böhm 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 

4- 

+1-'- 


+ 


+ 


Britannien 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


10119 


1|1 


+ 


+ 


Ü  'S 


+  - 


+ 


+ 


+ 


2111  9 

^5 


14|  2  IJ 


+ 


Aus  dieser  Zusammenstellung  ist  zu  ersehen,  dass  22  von  24  Arten 
in  der  Etage  i^  erscheinen,  19  davon  auf  dieselbe  beschränl^t  bleiben 
und  nur  3  Arten,  Orth.  originale  [von  E  nach  -^/i],  Orth.  subannulare 
[von  E  nach  Ff-^  und  Ff<^]  und  Orth.  Bacchus  [von  .ß"  nach  Gg^\  höher 
hinaufsteigen.  Höhere  Stufen  als  E  charakterisiren  Orth.  adornatmn 
[^9\]  ^"'d  Orth.  arguH  [Ff^J.  Betrachtet  man  die  Barr  and  e'schen  Co- 
lonien  als  ein  in  Ddr,  eingefaltetes  ^^i,  so  geht  keine  mit  Britannien 
gemeinsame  Cephalopodenart  in  Böhmen  unter  die  -SZ-Etage  herab. 

Andererseits  finden  sich  von  den  genannten  24  böhmischen  Arten 
3  Species  im  Caradoc,  2  im  Llandovery,  15  im  Wenlock  [Woolhope 
Limestone — Wenlock  Limestone],  17  im  Ludlovv  [Lower  Ludlow  — 
Uj)per  Ludlovv)  und  1  Si)ecies  im  Devon  Englands. 

Von  22  Formen  der  -E'-Etage  entfallen  2  auf  Caradoc,  2  auf 
Llandovery,   14  auf  Wenlock  und   16  auf  Ludlow. 

Die  im  Caradoc  erscheinenden  Orth.  Satumi  und  Orth.  subanmdare 
sind  Beispiele  des  früheren  Auftretens  in  England  als  in  Böhmen,  wie 


[25]         Ueber  die  Beziehungen  der  Barrande'schen  Etagen  C,  7)  nnd  E  e\c.  \4\ 

Afjnostus  pemigatxs  und  Asnphus  nohilts  Beleg'C  für  ein  früheres  Auf- 
t.anclicn  in  Hölinicn  als  in  England  abgeben.  Bei  Orth.  argu.s  ist  die 
zeitliehe  Dirt'crenz  des  ersten  Erscheinens  |/*/2,  CaradocJ  in  genannten 
Ländern  besonders  aiittallig.  Benierkenswerth  wäre  noch  die  verschieden 
begrenzte  verticale  Verbreitung  von  Orfh.  ar<jus  und  Orth.  suhanmdare 
in  Böhmen  und  Britannien.  Wie  ein  Blick  auf  die  Tabelle  lehrt,  er- 
gänzen sich  hierin  beide  Formen. 

Aus  der  Llandover-Gruppe  sind  bekannt  Orth.  Saturni  und  Orth. 
annulatum.  Sie  besitzen  in  Britannien  eine  sehr  weite  verticale  Ver- 
breitung und  vermögen  zur  Vertretung  dieser  Gruppe  in  Böhmen,  welche 
fast  ausschliesslich  durch  Graptolithen  erfolgt ,  wenig  beizutragen. 

Wir  wenden  uns  der  Vertheilung  der  Cephalopoden  der  Wenlock- 
und  Ludlow-Gruppe  auf  die  Stufen  Ee^  und  Ee.^^  zu. 

Was  den  Woolhope-Kalk  betrifft,  so  ist  dessen  Cephalopodenfauna 
eine  sehr  arme.  E  t  h  e  r  i  d  g  e  erwähnt  nur  4  Genera  mit  7  Arten,  wovon 


rfs  COl. 


1.  Orthoc.  annulatum  Soiv. 

2.  „       truncatum  Barr. 


+ 


+ 
+ 


+ 
+ 


in  Böhmen  in  beigefügten  Horizonten  auftreten.  In  Procenten  ausge- 
drückt, entfallen  28  5  Procent  der  Woolhope-KalkCephalopodenfauna 
Siiif  Ee^  und28'5  Procent  der  Woolhope-KalkCephalopodenfauna  auf  Ee^. 

Die  Wenlockschiefer   besitzen    7  Gattungen  mit   39  Arten,  unter 
diesen   begegnet  man  11  böhmischen,  und  zwar: 


d^  COl. 


A  3i 


1.  Ci/rtoceras  contrarium  Barr. 

2.  „  conncuhoH  Barr 

3.  Nautilus  Bohemicus  Darr.     . 

4.  Orthoceras  annulatum  Soic.  . 

5.  „  areonosHin  Barr. 

6.  „  argus  Barr.     .    . 
11.           „           Bacchus  Barr. 

8.  „  Duponti  Barr.     . 

9.  „  originale  Barr.    . 

10.  Trochoccras  rapax  Barr.  .    . 

11.  „  speciosum  Barr. 


+ 


— 

+ 

— 

+ 

— 

+ 

+ 

+ 

— 

+ 

— 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

— 

+ 

— 

+ 

+ 


10 


+ 


In  Procenten  der  Wenlockschiefer- Cephalopodenfauna  ausgedrückt, 
erscheinen  in  der  e^-,  respective  «a-Stufe  7*6  Procent,  25"6  Procent. 

Im  Wenlock-Kalke  verbreiten  sich  die  Cephalopoden  mit  36  Arten 
in  8  Gattungen.  Hievon  zeigen  sich  in  Böhmen 


142 


Dr.  Josef  Wentzel. 


[2G] 


rfs  col. 

«1 

e-i 

9\ 

' 

1.  Cyrtoceras  contrariuni  Barr 

1       1    1  +  1    1    1    1    1     1 

+ 

+ 
+ 

+ 
+ 
+ 
+ 

+ 

+ 
+ 

\ 

2.           _           coruiculum  Barr 

3           ^          plebcium  Barr 

4.  Gomphoceras  ami/gdala  Barr 

5.  Nautilus  Boheiuicus  Barr 

6.  Orthoceras  annulatum  Sow 

7.  „           Bacchus  Barr 

8.  Phragvioceras  iiubricatutn   Barr 

9.  Troclioceras  spcciosum  Barr 

1 

3 

8 

1 

In  Procenten  der  Wenloekkalk  -  Cephalopodenfauna  ausgedrückt 
erscheinen  in  der  e^-,  respective  e-g -Stufe  8'3  Piocent,  22*2  Procent. 

Im  britischen  Obersilur  weisen  die  Lower  Ludlowschichten  den 
grössten  Cephalopodenreichthuni,  11  Gattungen  mit  61  Arten,  auf.  Als 
gemeinsam  mit  Böhmen  sind  zu  nennen : 


1 

d;,  col. 

fi 

'2 

/l 

A 

Si 

1.  Cyrtoceras  fortiusculum  Barr. 

2.  „            Uranus  Barr 

3.  Gomphoceras  amygdala  Barr.  .    . 

4.  „              gratum  Barr.  . 

5.  Nautilus  Bohemicus  Barr.    .    .    . 

6.  Orthoceras  annulatum  Soiv.  .    .    . 

7.  n            argus  Barr 

8.  „            Bacchus  Barr.     .    .    . 

9.  „            Duponti  Barr.     .    .    . 

10.  „            originale  Barr.    .    .    . 

11.  „            Saturni  Barr.     .    .    . 

12.  Trochoceras  arietinum  Barr.   .    . 

13.  „            rapax  Barr 

14.  „            speciosum  Barr.   .    . 

+ 
+ 

+ 
+ 

+ 

+ 
+ 

+ 
+ 
+ 
+ 

+ 

+ 
+ 
+ 

+ 
+ 



+ 

+ 

2 

5 

11 

1 

1 

1 

In  Procenten  ausgedrückt  8  2  Procent,   18  Procent. 

Aus  dem  Aymestry-Kalke  kennt  man  3  Gattungen  mit  9  Species, 
davon  gehören  Böhmen  an : 


4  col. 

Cl 

«2 

9i 

1.  Orthoceras  Bacchus  Barr 

2.  „            Saturni  Barr 

4- 

— 

+ 
+ 

+ 

1 

0 

2 

1 

In  Procenten  ausgedrückt  0  Procent,   22  2  Procent. 

Im  Upper  Ludlow  wächst  die  Zahl  der  Cephalopoden  auf  7  Gat- 
tungen mit  40  Arten  an,  wovon  7  in  Böhmen  angetroffen  werden, 
und  zwar: 


Anmerkung.  Diese  Tabellen  wurden  nach  Et  heridRe,  Fossils  of  the  British 
Islands.  Vol.  1,  Oxford  1888  und  Barrande,  Distribmion  des  Cephalopodcs  dans  les 
contrees  siluriennes.  Extrait  du  Syst.  sil.  du  centre  de  la  Boheme.  Vol.  II,  1870,  angefertigt. 


[27]  Ueber  die  Beziehungen  der  Barrande'schen  Etagen  C,  D  und  FJ  etc.  143 


«1 

''i         \        A 

?i         1 

1.  Ascoceras  Bohemicum  Barr. 

2.  Cyrtoceras   Uranus  Barr. 

3.  Orthoceras  annaJatiim  Sow. 

4.  „            areonosion  Barr. 

5.  „            argus  Barr.    .    . 

6.  r-            Bacchus  Barr.    . 
7-           „            striatopuuctatum 

+ 
+ 

+ 

+ 
+ 

+ 

+ 

+ 

l  +  l    II    II 

3 

5 

1 

1         1 

In  Procenten  ausgedrückt  7*5  Procent,  125  Procent. 

Im  Tilestone-  und  Passagebeds  wurde  von  Cephalopoden  bisher  nur 
Orthoceras  cochleatum  Schloth.,  eine  in  Böhmen  unbekannte  Form, 
gefunden. 

Stellen  wir  die  Procentsätze,  mit  welchen  die  Cephalopoden  der 
einzelnen  Wenlock-  und  Ludlowhorizonte  in  den  Stufen  Eei  und  E^ 
vertreten  erscheinen,  übersichtlich  zusammen. 


Wenlock-Gruppe. 

Woolhope-Limestone 

Wenlock  Shale 

Wehlock-Limestone 

Ludlow-Gruppe. 

Lower-Lndlow 

Aymestry-Limestone 

Üpper-Ludlow 


285  Procent 
7-6        „ 
8-3        „ 


8-2 
0-0 
75 


28  5  Procent 
25-6       „ 

222       „ 


18 

22-2 

12-5 


so  springen  zunächst  die  zahlreicheren  Berührungspunkte  der  Ee^-Stufe 
gegenüber  der  Ee-^Stuie  zu  den  Wenlock-  und  Ludlowschichten  in  die 
Augen.  Dieses  Resultat  muss  im  Zusammenhange  mit  einer  anderen, 
aus  der  Tabelle  ableitbaren  Tbatsache  betrachtet  werden.  Die  Wenlock- 
schiefer  zeigen  eine  grössere  Verwandtschaft  zu  e^,  als  die  Upper  Ludlow- 
stufe ,  welche  nicht  auf  Rechnung  ihres  verschiedenen  Cephalopoden- 
reichthums  zu  setzen  ist ,  denn  im  Wenlockschiefer  kommen  39 ,  im 
Upper  Ludlow  40  Arten  vor,  sondern  mit  Rücksicht  auf  die  für  E  ei 
gleichen  Zahlen  [7-6  Procent  und  7-5  Procent]  den  Ausdruck  der  Tbat- 
sache bildet,  dass  in  der  Ee^-  wie  in  der  Ee^-Stafe  eine  innige  Ver- 
mengung von  Wenlock-  und  Ludlowformen  sich  vollzieht,  so  dass  man 
nicht  sagen  kann,  wo  beide  Gruppen  sich  abgrenzen.  Die  grössere 
Uebereinstimmung  der  einzelnen  Wenlock-  und  Ludlowstufen  mit  der 
-£^^2  Stufe  erklärt  sich  aus  dem  grösseren  Cephalopodenreichthume 
dieser  böhmischen  Stufe.  Barrande^)  beschreibt  aus  Ee^  777  und 
aus  Ee^  nur  162  Arten. 

Noch  klarer  ergiebt  sich  der  Schluss ,  es  vollziehe  sich  sowohl  in 
der  Ee^-  wie  in  der  J'ca-Stufe  eine  Mischung  von  Wenlock-  und  Ludlow- 


')  Barrande,  Extraits  du  Syst.  sil.  Vol.  II,  Texte  V,  1877,  pag  164. 


144 


Dr.  Josef  Weutzel. 


[28] 


formen,  aus  der  iiäclisten  Betrachtung-.  Folgende  auf  die  Stufe  Ee^ 
beschränkt  bleibende  Arten  treten  in  England  in  beigefügten  Hori- 
zonten auf. 


JBe, -Arten 


Weulock 
Limestone 


Lower 
l^udlow 


Upper 
Lutllow 


Cyrioceras  fortiusculum  Barr. 
„  Uranus  Barr.  .    .    . 

Phragmoceras  imhricatum  Barr 


+ 


+ 
+ 


+ 


Andere  in  Böhmen  auf  Ee.^  beschränkt  bleibende  Arten  verbreiten 
sich  in  England  auf  folgende  Stufen: 


-Ep«- Arten 


Wenlock       Wenlock         Lower  Upper 

Shale         Limestone      Ludlow         Ludlow 


+ 

+ 

— 

+ 

+ 

— 

— 

— 

+ 

— 

— 

+ 

— 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

— 

— 

+ 

— 

+ 

+ 

+ 

+ 

Ascoceras  Bohemicum  Barr —  —  —  -|- 

Cyrtoceras  contrarium  Barr.     .    . 
„  cornicidum  Barr.     .    . 

Gomphoceras  gratum  Barr.  .  .  . 
Trochoceras  arietinum  Barr.  .  . 
Gotuphoceras  amygdala  Barr.  .  . 
Nautilus  Bohemicus  Barr.  .  .  . 
Orthoceras  areonosum  Barr.     .    . 

Trochoceras  rapax  Barr 

;,  speciosum  Barr.      .    . 

Wir  sehen  in  dem  Umstände,  dass  ^e^ -Formen  in  Britannien 
auf  Wenlock-Limestone,  oder  Lower  Ludlow ,  oder  Lower  und  Upper 
Ludlow  beschränkt  auftreten,  ^ea-Formen  Wenlock-Shale  und  Wenlock- 
Limestone,  Lower  Ludlow  oder  Upper  Ludlow  auszeichnen  oder  von 
Wenlock-Shale  bis  Lower  Ludlow,  beziehungsweise  Upper  Ludlow  auf- 
steigen, den  besten  Beweis,  dass  in  der  ^-Etage  die  Wenlock-  von  der 
Ludlowgruppe  sich  nicht  sondern  lässt. 

Das  gewonnene  Bild  lässt  sich  durch  eine  Aufzählung  von  Arten, 
welche  in  Böhmen  sowohl  in  Eei  als  in  Ee2  erscheinen ,  dagegen  in 
England  nur  eine  Stufe  kennzeichnen,  vervollständigen.  Diese  Arten  sind: 


Cyrtoceras  j)lebeii(m  Barr 

Orthoceras  truncatum  Barr.      .    .    . 
„  striatopunctatum  Münst.  . 


d. 

Woolhope 

Wenlock 

Upper 

col. 

''l 

«2 

Limestone 

Limestone 

Ludlow 

+ 

+ 

+ 



+ 

_ 

+ 

+ 

+ 

+ 

— 

— 

— 

+ 

+ 

— 

— 

+ 

Es  braucht  wohl  nicht  ausdrücklich  hervorgehoben  zu  werden, 
dass  unter  solchen  Umständen  von  einer  Abgrenzung  der  IJnterabthei- 
lungen  der  Wenlock-  und  Ludlow-Gruppe  in  der  ii^-Etage  nicht  die 
Rede  sein  kann.  Es  schwanken,  wenn  wir  vom  Woolhope-Kalke  ab- 
sehen, dessen  Cephalopodenfauna  sich  gleichmässig  [28  5  Procent |  über 
AVj  und  Ee^  vertheilt  und  beachten,  dass  Orth.  lSaturm\  weil  in  den 
rffi-Colonien  auftretend,  der  ^j -Stufe  zugezählt,  für  die  Rubrik  e^  Aymestry- 


[29]  Ueber  die  Beziehungen  der  Barrande'sclien  Etagen   (',  D  und  K  etc.  |45 


Limestone  statt  0  Procent  ll"1  Procent  bedingt,  die  Procentsätze  der 
Wenlock-  und  Ludlow-Unterabtheilungen  für  d  um  8,  für  e^  um  18. 

In  der  Wenlock-Gruppe  (Woolliope  Limestone  bis  Wenlock  Lime- 
stone inclusive]  kennt  man  nach  Etheridge  63  Ceplialopodenartcn, 
hievon   entfallen    auf  die  £^Etage  14,  d.  i.  ungefähr   der  vierte  Theil. 

In  der  Ludlow-Gruppe  (Lower  Ludlovv  bis  Upper  Ludlow  inclusive) 
verbreiten  sich  82  Arten,  davon  erscheinen  in  der  ^-Etage  16,  d.  i. 
ungefähr  der  fünfte  Theil.  Diese  Bruchzahlen  drücken  in  anderer  Form 
die  Aequivalenz  der  Wenlock-  und  Ludlow-Gruppe  mit  der  A'-Etage  aus. 


Entwicklung    der    Silu r-C ephalopoden     in    Bülimen    und 

Britannien. 

B  a  r  r  a  n  d  e  ^)  hat  dieser  Frage  schon  seine  Aufmerksamkeit  zu- 
gewendet und  wir  reproduciren  hier  seine  Tabelle  der  Entwicklung 
der  böhmischen  Silur-  Cephalopoden,  insoweit  sie  auf  die  Etagen  ü — E 
Bezug  hat. 


Zahl  der  Arten  in 

c 

d,y 

d^ 

d3 

d. 

di 

ei 

e» 

Trochoceras  Barr 

Nautilus  L 

— 

17 

3 

1? 

1 

2 
1 

1 

1 

7 

11 
1 

1 

6 

35 
109 

6 
3 

2 

1 

40 

5 
267 
357 

3 

25 
66 

11 

1 
2 

Cyrtoceras  Goldf. 

Orthoceras  Breyn 

Endoceras  Hall 

Tretoceras  Salt 

Lituites  Breyn 

Ophidioceras  Barr 

Phragmoceras  Brod 

Gomphoceras  Sow 

Conoceras  Bronn.     ) 

Bathinoceras  Barr.  ] 

Ascoceras  Barr.         1 

Aphragmites  Barr.    \ 

Mesoceras  Barr 

Glossoceras  Barr 

Bactrites  Sandb 

Summe  der  Arten    .... 
Summe  der  Gattungen    .    . 

—  1  25  1     1 

1 

7 

13 

162 

777 

6 

1 

1 

1 

3 

7 

10 

Die  folgende  Tabelle,  die  Entwicklung  der  Silur-Cephalopoden  in 
England  veranschaulichend,  stützt  sich  auf  die  Angaben  in  E  t  h  e  r  i  d  g  e : 
Fossils  of  the  British  Islands. 


')  Barra  nde,  Cephalopodes.  Extraits  du  Syst.  sil.  Vol.  IT,  Texte  V,  1877,  pag.  162. 
Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  l.  Heft.  (Josef  Wentzel.)  19 


146 


t)r.  Josef  Wentzel. 


\m 


Trochoceras  Barr.  . 
Nautilus  Breijn.  .  . 
Cijrtoceras  GoMf.  . 
Orthoceras  Brei/n.  . 
Endoeeras  Hall.  .  . 
Tretoceras  Salt.  .  . 
Lituite.s  Breyn.  .  . 
Ophidioceras  Barr. 
Phragmoceras  Brod. 
Goiiiphoceras  Soir.  . 
Conoceras  Bronn.  . 
Ascoceras  Barr.  .    , 


Actinoceras  Bronn. 
Exosiphonites  Salt. 
Koleoceras  Porti. 
Piloceras  Salt. 
Poterioceras  M'Coy 
Trocholites  Conrad 
?  Goniatites  de  Haan 


Summe   der  Arten 
Summe  der  Gattungen 


Zahl  der  Arten  in 


«3 


6  I  1^  !  68  I  13 


2\    5  1  101    3 


9  bCm 
"SS 


241    7  139  136  1611    9 


4  1    71    81111    3 


40 


Aus  den  beiden  Tabellen  lassen  sich  einige  nicht  unwichtige 
Thatsachen  ablesen.  Dem  englischen  Silur  mangeln  die  Gattungen : 
Mesoceras  ,  Glossoceras  und  Bactrites ;  den  B  a  r  r  a  n  d  e'schen  Etagen 
G,  />,  E  die  Gattungen :  Exosiphonites,  Piloceras,  Trocholites  und  ?  Gonia- 
tites. Die  ersten  Cephalopoden  erscheinen  in  England  im  Tremadoc, 
in  Böhmen  in  der  d^^  y-Stufe.  Viele  Gattungen  machen  sich  in  England 
viel  früher  bemerkbar  als  in  Böhmen: 


Erstes  Auftreten  in 


England 


Böhmen 


Trochoceras 
Nautilus  .  . 
Cyrtoceras  . 
Orthoceras  . 
Phragmoceras 


Llandeilo 

Caradoc 

Tremadoc 

» 
Caradoc 


«1 

^■^ 

d^y 
e. 


Diesen  Gattungen    lassen    sich    andere    gegenüberstellen,    welche 
in   Böhmen  früher  auftreten  als  in  England. 


Anmerkung.  Die  Gattung  Actinoceras  Bronn  wurde  lediglich  auf  eigentliüm- 
licli  erhaltene  Orthoceraten  mit  rosenkranzfürmigem  Sipho  erriclitet.  Die  Gattung  Koleo- 
ceras Portlock  iHt  für  schlecht  erhaltene,  zerdrückte  oder  in  einander  geschobene 
Exemplare  errichtet,  welche  der  Autor  für  innerliche  Schalen  gehalten  hatte.  Poterio- 
ceras M'Coy  =  Gomphoceras  Soiv.  Siehe  Zittel,  Handbuch  der  Paläontologie.  1.  Abth., 
II.  Bd.,  pag.  368,  369  u.  370. 


[31]         Ueber  die  Beziehungeu  der  Barraudescheu  Etagen  C,  I)  und  K  etc.  147 


Erstes  Auftreten  in 


Böhmen 


England 


Tretoceras  . 
Litiiites  .  . 
Gomplioceras 


d. 


Lower  Llandov. 

Caradoc 
Woolhope  Limest. 


Die  sonstige,  für  jedes  der  beiden  Gebiete  specifische  Entwicklung 
der  Cephalopoden  wird  klar,  wenn  wir  iiir  von  Stufe  zu  Stufe  nachgeben. 

Den  ersten  Cephalopoden  begegnet  man  in  Böhmen  in  der  Stufe  cf,  y. 
Hier  ist  diese  Ordnung  durch  25  Arten  in  6  Gattungen  repräsentirt, 
welche  in  verticaler  Richtung  die  Grenze  dieser  Stufe  nicht  überschreiten. 
In  den  folgenden  Zonen  d^  und  d^  finden  wir  immer  nur  eine  für  die 
betreffende  Zone  neue  Form,  und  zwar  Orthoceras  fractum  Barr,  (d^) 
und  Orth.  importunum  Barr.  (dj.  In  der  nächsten  Zone  d^  erscheint 
Orthoceras  mit  7  Arten  und  in  d^  mit  11  Arten.  Zu  diesen  11  Arten 
gesellt  sich  eine  sporadische  liactrites-  und  eine  gleichfalls  sporadische 
Gomphoceras-Art.  Aus  dieser  Vergleichung  der  5  fossiltragenden  Zonen 
der  Etage  D  resultirt ,  dass  die  Ordnung  der  Cephalopoden  in  dieser 
Etage  ihr  Maximum  in  der  Stufe  d^  y  erreicht. 

In  England  treten  die  Gattungen  Orthoceras  und  Crytoceras  schon 
im  Tremadoc  mit  je  einer  Art  auf.  Im  Arenig  steigt  die  Zahl  der 
Orthoceren-Species  auf  5,  wozu  sich  Conoceras  mit  1  Art  gesellt.  Im 
Llandeilo  begegnen  wir  5  Gattungen  mit  1*2  Arten  und  im  Caradoc 
10  Gattungen  mit  68  Arten. 

Die  Scliichtenreihe  Arenig,  Llandeilo  und  Caradoc  in  England 
entspricht  der  Schichtenreihe  d^,  c?2,  d^,  d^,  d^a  in  Böhmen.  Hieraus  er- 
giebt  sich  die  interessante  Thatsache  ,  dass ,  während  im  böhmischen 
Untersilur  das  Maximum  der  Cephalopoden  an  ihr  erstes  Auftreten 
und  an  den  Beginn  des  Untersilurs  geknüpft  ist,  dasselbe  in  England 
an  das  Ende  des  Untersilurs  [Caradoc]  verlegt  erscheint. 

Kehren  wir  zu  Böhmen  zurück.  Hier  folgen  auf  die  fossilführenden 
Königshofer  Schiefer  (d^  a)  die  fossilleereu  Kosower  Quarzite  (d^  ß)  und 
der  Beginn  der  ^-Etage  wird  durch  mächtige  Diabasmassen  im  Vereine 
mit  Graptolithenschiefern  eingeleitet.  Im  untersten  Horizont  der  Grapto- 
lithenschiefer,  der  sogenannten  Diplograptuszone  Marr's^),  wurden  nur 
Graptolithen  gefunden ,  den  Cephalopoden  begegnen  wir  erst  weiter 
oben  in  der  Zone  Ee^  mit  162  Arten  in  7  Gattungen.  Erklärt  man  die 
Colonien  aus  Lagerungsstörungen ,  durch  welche  örtlich  Schichten  mit 
einer  jüngeren  Fauna  in  das  Niveau  älterer  Gesteine  hineingerathen 
sind,  so  hat  die  Ordnung  der  Cephalopoden  in  Böhmen  keine  der  II. 
und  III.  Fauna  gemeinsame  Art  geliefert.  Es  wird  in  Böhmen  die 
Grenze  zwischen  Unter-  und  Obersilur  durch  eine  länger  anhaltende 
Unterbrechung  in  der  Entwicklung  der  Cephalopoden  und  das  völlige 
Aussterben  der  untersilurischen  Arten  markirt. 

Die  Zahl  von  162  Formen,  welche  Ee^  zukommen ,  überschreitet 
bedeutend  die  ganze  Artenzahl  der  II.  Fauna  [=  Etage  Z)],  aber  sie  wird 


')  Marr  in  (^nart.  .Tourn.   1880,  36.  Bd  ,  pag.  604. 

19* 


148 


Dr.  Josef  Wentzel. 


1321 


iliierseits  durch  die  Zalil  von  777  Formen  überliolt,  welche  Bar  ran  de 
in  Ee~i  entdockt  hat  und  die  10  Gattungen  angehören.  Der  Horizont 
Eci  bietet  einen  Cephalopodenreichthuni,  der  einzig  da  steht.  Dieser 
Keichthuni  muss  unisoniehr  unser  Erstaunen  hervorrufen,  als  die  grosse 
Mehrzahl  der  Cephalopoden ,  coexistirend  in  e^^  nur  eine  relativ  sehr 
begrenzte  Lebensdauer  gehabt  zu  haben  scheint,  wenn  man  die  Dicke 
von  100 — 150  Meter  i),  erreicht  von  dieser  Stufe,  erwägt  und  in  Betracht 
zieht,  dass  e.^,  weit  entfernt,  in  seiner  ganzen  Mächtigkeit  gleichförmig 
fossilreich  zu  sein ,  hauptsächlich  gegen  seine  Basis  in  einigen  Kalk- 
schichten, getrennt  durch  andere,  weniger  fossilreiche,  seinen  ganzen 
Reichthum  einschliesst.  Die  oberen  Kalkschichten  von  Ee^  sind  fast 
völlig  der  Cephalopoden  ledig.  Auf  das  absolute  Maximum  der  Cephalo- 
podenarten  im  unteren  Theile  von  Ee^  folgt  gegen  die  Spitze  dieser 
Stufe  ein  absolutes  Minimum. 

Wir  haben  England  bei  der  Caradocstufe  verlassen.  Im  Lower 
Llandovery  reducirt  sich  die  Zahl  der  Arten  von  68  auf  18  in 
3  Gattungen  und  erhöht  sich  im  Upper  Llandovery  auf  24  Arten  in 
8  Gattungen.  Eine  paläontologi^che  Discordanz  wie  in  Böhmen  an  der 
Grenze  zwischen  Unter-  und  Obersilur  besteht  in  England  zwischen 
der  Caradocfauna  und  derjenigen  der  höber  liegenden  Stufen  nicht. 
Von  den  68  Caradocformen  steigen  12  Orthoceren  ,  1  Phragmoceras-, 
1  Lituites-  und  1  Nautilusart  in  die  höheren  Stufen  hinauf. 

Ehe  wir  in  der  Be.trachtung  weiter  fortfahren ,  wird  es  nöthig 
sein,  die  Zahl  der  Cephalopodenarten  und  Gattungen  für  Schichten- 
gruppen anzugeben  ,  welche  ihrer  Mächtigkeit  nach  einigermassen  mit 
der  Caradocgruppe  vergleichbar  sind.  Ich  meine  die  Llandovery-, 
Wenlock-  und  Ludlow-Gruppe. 


Zahl  der  Arten  in  der 


Llandovery- 
Gruppe 


Wenlock- 
Gruppe 


Ludlow- 
Gruppe 


1.  Trochoceras   

2.  Nautilus 

3.  Cyrtoccras 

4.  Orthoceras 

5.  Lituites 

6.  Phragmoceras 

7.  Gomphoceras 

8.  Ascoceras 

9.  Actinoccras 

\0.  Exosi/phonites 

11.  Tretoceras 

12.  Goniatitcsl 

13.  Ophidioccras 

Summe  der  Arten  .    . 
Summe  der  Gattungen 


1 

2 

22 
2 
2 


32 


5 

2 
5 
32 
5 
6 
5 


63 


3 
3 
H 
43 
4 
8 
6 
3 

2 
1 
I 
2 


82 


12 


')  Barrande,  Extrait  du  Syst.  Vol.  II,  4.  S6r.,  1870,  pag.  198. 


(831         Ueber  die  Beziehungen  der  Barrande'schen  Etagen  C,  D  und  E  etc.  149 

Die  Zalil  der  Arten  sinkt  im  Llandovcry  von  GR  auf  32  und 
steigt  liieranf  im  Wcnlock  auf  03.  Das  absolute  Maxinnmi  der  Arten 
und  (lattungen  fällt  in  die  Ludlüw-Gru|)pe.  Hierin  giebt  sich  eine  IJeber- 
einstimmun^  mit  Biibmen  insoferne  kund,  als  das  absolute  Maximum 
der  Ceplialopoden-Arten  und  -Gattungen  liier  wie  dort  das  Obersilur 
auszeichnet.  Das  Auftreten  von  nur  1  Cephalopoden-  (Orthoceren-)  Art 
im  Tilestone  und  Passage  Beds  scheint  auf  eine  Erscheinung  ,  wie  sie 
sich  an  der  Spitze  von  Ee.i  abspielt,  hinzuweisen. 


Ueber  die  dem  böhmischen  und  britischen  Silur  gemein- 
samen B  r  a  c  h  i  0  p  0  d  e  n  a  r  t  e  n. 

Wir  stellen  wieder  ein  Verzeichniss   der   gemeinsamen  Arten  mit 
Angabe  ihrer  verticalen  Verbreitung  in  Böhmen  und  England  voran. 


B  ö  h  Ol  e  n                                     | 

d^ 

rf, 

d. 

^5 

«1 

«•a  1  /t 

/«   1    Si 

32          96 

», 

1.  Atrypa  compressa   Soiv.  .    .    . 

2.  „        ?  Grayi  Dav 

3.  „        marginalis  Dalm.   .    . 

4.  „        navicula  Soiv.  sj).    .    . 

5.  „        obovata  Sow 

6.  „        reticularis  Lin.  sp.     . 

7.  Cyrtia  trapezoidalis  His.    .    . 

8.  Cyrtina  heteroclyta  Defr.  sp.  . 

9.  Discina  rugata  ?  Sow 

10.  Leptaena  transcersalis   Wahl. 

sn 

+ 

+ 

col. 
col. 

+ 

col. 

+ 

col. 
col. 

+ 
+ 

+ 

+ 
+ 

+ 

+ 

+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 

+ 

+ 
+ 

+ 

4- 
+ 
+ 
+ 
+ 

+ 

+ 
+ 
+ 

+ 

+ 
+ 

+ 

+ 
+ 

+ 



+ 

+ 
+ 
+ 
+ 

+ 
+ 

+ 

+ 

+ 
+ 

■\- 

+ 
+ 

+ 

+ 

\\.  Lingula  Cornea?  Sow.     .    .    . 

12.  Meristella  Circo  Barr.     .    .    . 

13.  „           tumida  Dalm.     .    . 

14.  „           upsilon  Barr.     .    . 

15.  Orthis  eleganttila  Dalm.  .    .    . 

16.  „       redux  Barr 

17.  „       lunata  ?  Sow 

18.  „       testudinaria  ?  Dalm.    . 

19.  Pentamerus  galeatus  Dalm.  sp. 

20.  „           Knighti?  Sow.  .    . 

21.  „            linguifer  Soiv.  .    . 

22.  Retzia  Barrandei  Dav.    .    .    . 

23.  Rhynchonella  cuneataDahn.  sp. 

24.  „            deflexa  Sow.  .    . 

25.  „             Wilsoni  Sow.     . 

26.  Spirifer  sulcatus  His.     .    .    . 

27.  „         Urii  Flem 

28.  Strophomena  euglypha  His.    . 

29.  „         funiculata  M'Coy  . 
3').          „         pecten  Lin.  sp.  .    . 
31.           „          rhomboidalisWilck. 

sp 

1 

1 

1 

3  col. 

3 

2  col. 

4 

23 

2 

13 

4 

1 

2 

,1 

150 


Dr.  Josef  Wentzel. 


[34] 


Britanuieu 


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10. 

11. 

12. 

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14. 
15. 
16. 
17. 

18. 
19. 

20. 
21. 

22. 

23. 

24. 

26. 

27. 
28. 
29. 

30. 
31. 


Atrypa  compressa  Soiv.    . 

„        ?  Grayi  Dav.    .    . 

„         marginalis  Dalrn 

„         naviculaSow.sp.  . 

„         obovata  Sow.    .    . 

„         reticularis  Lin.  sp. 
Cyrtia  trapezoidalis  His. 
Cyrtina   heteroclyta  Defr. 

sp 

Discina  rugata?  Sow.  .    . 
Leptaena  transversalis 

Wahl,  sp 

Lingula  cornea?  Soiv.  .    . 

Mcristella  Circe  Barr.  .    . 

„  tumida  Bahn.  . 

„  upsilon  Barr.  . 

Orthis  elegantula  Dalm. 

„      rcdux  Barr.    .    .    . 

„      lunata  ?  Sow.  .    .    . 

„      testudinaria?  Dahn. 
Pentamcrus  galeatus  Dalm. 

^P 

Pentamerus Knighti?  Sow. 
„         linguifer  Sow. 
Retzia  Barrandei  Dav.     . 
Rhynchonella  cuneaia 

Dalm.  sp 

Rhynchonella  deflexa  Sow. 
„  Wilsoni 

Sow 

Spirifer  sulcatus  His.  .    . 
„         Urii  Flem.  .    .    . 
Strophomena  euglypha  His. 
„         funiculata 

M'Coy 

Strophomena  pecten  Lin.  sp. 
„          rhomboidalis 
Wilck.  sp 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


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+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


l      3 


10    10 


12    18 


22 


23    12 


11     7 


+ 


+ 


+ 


+ 


Ein  Blick  auf  diese  Zusammenstellung  lässt  die  an  den  Brachio- 
poden  höchst  auffällig  zu  Tage  tretende  Thatsache  erkennen,  dass 
dieselben  Arten  in  England  meist  viel  früher  zur  Entwicklung  kommen 
als  in  Böhmen.  Zur  bequemeren  Einsicht  wollen  wir  einige  Beispiele 
herausgreifen. 


f35l         Ueber  die  Beziehungen  der  Barrande'schen  Etagen  C,  D  und  E  etc.  15^ 


1.  Orthis  elegantula  Dahn 

2.  „        testudinaria  Dulm 

3.  Strophotnena  rhoinboidalis   Wilch.  sp. 

4.  Atri/pa  marghialis  Dalm 

5.  Ci/rtia  trapezoUJalis  His 

6.  Leptaena  traiisversalis    WaliJ.  sp.  .    . 

7.  Meristellu  tumida  Dalm 

8.  „  upsiloii  Barr 

9.  Strophomena  fuiiiculafa  M'Coi/  .    .    . 

10.  „  pecten  Lin.  sp 

11.  Rhynchonellu  cuneata  Dalm.  sp.     .    . 

12.  Petita niertis  galeutus  Dahn 

13.  Rhynchonella    Wilsoni  Soiv 


Erstes  Auftreten  in 


England 


Llandeilo 


Caradoc 


Lower  Llandovery 
Upper  Llandovery 


Böhmen 


Ee.. 
Dd, 
Ee., 
Ee., 
Ee^ 
Ee., 
Ee., 
Ee^ 
Ee., 
Ee., 
Ee.. 
Ff., 

Ff; 


Die  ersten  11  Arten  mit  Ausnahme  von  Orthis  testudinaria  und 
MeristeUa  upsilon  setzen  in  England  in  die  Wenlock-  und  Ludlow- 
Gruppe  fort  und  erscheinen  hier  als  Zeitgenossen   der   ideuten  Formen 


der  ^-Etage. 


Gering   ist   die  Zahl  der  Brachiopodenarten ,   welche   in  Böhmen 
früher  bemerkbar  werden  als  in  England.  Ich  nenne 


\ 


1.  Atrijpa  navicula  Soir.  sp.  .    . 

2.  Cyrtina  heteroclyta  Defr.  sp. 


Erstes  Auftreten  in 


Böhmen 


England 


Dd, 

Ee., 


Woolhope  Limest. 
Devon 


Ein  ganz  abweichendes  Verhalten  bietet  MeristeUa  upsilon  Barr. 
Sie  wird  nur  aus  den  altersverschiedenen  Stufen  Caradoc  und  E^^ 
verzeichnet. 

Höchst  auflTällig  bleibt  weiter  die  Thatsache,  dass  im  böhmischen 
Untersilur  so  wenig  mit  Britannien  gemeinsame  Arten  anzutreffen 
sind.  Mit  der  Nennung  von  Atrypa  navicula.,  Orthis  redux  und  Orthis 
testudinaria  ist  ihre  Zahl  erschöpft.  Diese  Zahl  (3)  ist  kleiner  als  die 
für  die  Stufe  Ee^  (4)  und  doch  beschreibt  Barrande  aus  der  Etage 
D  124:  und  aus  Ee^  nur  32  Arten,  Wird  hiebei  betont,  dass  Atropa 
navicula  seine  grösste  Entwicklung  in  der  Stufe  Ee^  erreicht,  Orthis 
testudinaria  von  Barrande  mit  einem  Fragezeichen  versehen  ange- 
führt wird,  so  bleibt  nur  Orthis  redux  übrig.  Diese  Form  besitzt  aber 
in  Böhmen  eine  zu  weite  und  in  England  eine  zu  enge  verticale  Ver- 
breitung, als  dass  sie  für  eine  Altersbestimmung  in  Betracht  kommen 
könnte. 

Was  die  in  den  2) di-Colonien  erscheinenden  Arten: 


152 


Dr.  Josef  Weutzel. 


[36] 


Erstes  Auftreten  in 


Böbmea 


England 


Atrypa  obovata  Soir.    .    .    . 
„       reticularis  Lin.  sp. 
Struphomena  euglypha  Hit;. 


d^  col. 
d^  coi. 
d,  col. 


Wenlock  Shale 
Lower  Llandovery 


betrifft,  so  spricht  ihr  erstes  Auftreten  in  Britannien  gegen  die  Bar- 
rand e'sche  Annahme  einer  Einwanderung  aus  diesem  Gebiete  nach 
Böhmen  zur  Zeit  der  Ablagerung  der  i) 0(4 -Schichten,  nachdem  Bar- 
rand e  i)  selbst  die  Zonen  d^  -f-  d^  als  gleichalterig  mit  der  Caradoc- 
gruppe  betrachtet. 

Wir  wenden  uns  zur  Etage  E.  Wir  kennen  aus  ihr  23  mit  Britannien 
gemeinsame  Arten,  welche  in  nachfolgenden  Schichten  mit  beigefügter 
Artenzahl  auftreten. 


Vertheilung  der  23  mit  Britannien  gemeinsamen  Alten 
aus  der  Etage  A' 


Artenzahl 


Llandeilo 
Caradoc 
Llandovery 
Wenlock 
Ludlow    .    , 


2 
9 

9 
20 
13 


Die  Llandeiloformen  Orthis  elegantula  und  Strophomena  rhomhoidaUs 
verdienen  keine  Berücksichtigung,  sie  erheben  sich  bis  in  die  Ludlow- 
Gruppe. 

Die  9  Caradocformen  mit  Ausnahme  von  Meristella  upsüon  ver- 
misst  man  im  Wenlock,  beziehungsweise  Ludlow  gleichfalls  nicht. 

Mit  dem  Llandovery  betreten  wir  eine  Stufe,  die  in  Ee^  so  typisch 
durch  Oraptolithen  von  Birkhill-Charakter  gekennzeichnet  wird.  Die 
Brachiopoden  erscheinen  in  der  Llandovery-Gruppe  89  Arten  stark, 
wovon  9  in  der  Etage  E  bekannt  sind. 

')  Barrande,  Syst.  sil.  Suppl.  au  Vol   I,   1872,  pag.  499. 


r^Tl  üebor  die  Beziehungen  der  Barrande'sdien  Etagen   C,  7)  und  E  etc.  ^  5;.> 


Dem  böhmischen  Silur  und 
der  Llandovery-Gruppe  gemeinsame  Arten 


1.  Cyrtia  trapezoiduUs  His.      .    .    . 
)l.  Atrypa  marginalis  Dalm.    .    .    . 

3.  n        reticularis  L 

4.  Leptaena  traiisversnlis   Wahl.     . 

5.  Ort  his  elegantula  Dalm.       .    .    . 

6.  Hhijuclionella  cuueata  Dalm.  .    . 

7.  Strophomena  eiiglypha  His.    .    . 

8.  „  pecten  L 

9.  „  rhomboidalis   Wilch, 

10.  Orthis  testudinaria  ?  Dalm.  .    . 

11.  Rhi/nchonella    Wilsoni  Soiv.     .    . 

12.  Petita meras  galeatus  Dalm.  sp.  . 


col. 


col. 


col. 


+ 


+ 


+ 


+ 


'4  col. 


1 
1  col. 


1      5      2 


In  Procenten  der  Llandoveiy - Bracliiopodenfauna  ausgedrückt: 
?i  2-2  Procent,  e.^  10- 1  Procent. 

Unter  den  9  E-,  respective  -ß'(?2 -Arten  findet  sicli  keine  auf  die 
Llandovery-Gruppe  be  chriinkt  bleibende  Species.  »Sic  steigen  alle  in 
die  Wenlock-,  beziehungsweise  Ludlow-Gruppe  auf. 

Wir  wenden  uns  den  beiden  letztgenannten  Gru])pen  zu.  Von 
23  jE-Arten  finden  sich  20  im  Wenlock  un<l  13  im  Ludlow.  Wir  wollen 
im  Folgenden  den  bei  der  Musterung  der  Cephalopoden  eingeschlagenen 
Weg  auch  hier  einhalten. 

Wir  beginnen  mit  dem  Woolhope-  oder  unteren  Wenlockkalke. 
Etheridge  verzeichnet  aus  ihm  18  Gattungen  mit  49  Arten.  Davon 
kennen  wir  in  Böhmen 


1.  Atrypa  compressa  Sow 

2.  „         marginalis  Dalm 

3.  „         reticularis  Linn 

4.  Cyrtia  trapezoidalis  His 

5.  Discina  rugata  ?  Sow 

6.  Leptaena  transversalis   Wahl.     .    .    . 

7.  Orthis  elegantula  Dalm 

8.  Pentamerus  galeatus  Dalm 

9.  „  linguifer  Soiv 

10.  lietzia  Barrandei  Dav 

11.  IHiynchonella  cuneata  Dalm 

12.  „  deflexa  Sow 

13.  „  (Atrijpa)  navicula  Sow. 

14.  „  Wilsoni  Sow 

15.  Strophomena  eugiypha  His 

16.  „  funiculata  M'Coy  .    .    . 

17.  „  pecten  L 

18.  „  rhomboidalis   Wilck.  S}). 


In  Procenten  der  ganzen  Woolhope-Brachiopodenfauna  ausgedrückt : 
gl  G-l   Proceut,  e^  32C  Procent, /g   14-2  Procent. 

Die  Wenlockschiefer  weisen  21  Gattungen  mit  85  Arten  auf. 
Böhmen  besitzt  davon: 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  l.  Heft.  (Josef  Wentzel.)        20 


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col. 

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— 

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+ 
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+ 

+ 

— 

+ 

— 

col. 

— 

— 

t 

— 

— 





— 

+ 



+ 

+ 

2  col. 

1 

1  col. 

3 

16 

2 

7 

3 

154 


Dr.  Josef  Wentzel. 


[38] 


"i    \A    \  /2 


?2         ."3 


1.  Atrypa  conipressa  Soir. 

2.  „        obovata  Soir.  .    . 

3.  „        mavginalis  Dahn. 

4.  „        reticularis  L. 

5.  Discina  rugata  ?  Soir.   . 

6.  Leptaena  transversalis   Wahl. 

7.  Meristella  ttimida  Dahn.   . 

8.  Orihis  elegcmtula  Dalm.    . 

9.  Pentamerus  galeafus  Dalm. 

10.  „  Knighti?  Soiv. 

11.  „  linguifer  Soir. 

12.  JRetzia  Barrandei  Dav.  .    . 
lii.  lUiynchonella  cuneata  Dalm 

14.  „  deßexa  Soir. 

15.  „  navicula  Soir. 

16.  „  Wilsoni  Sow. 

17.  Ci/rtia  trapezoidalis  His.  . 

18.  Spirifer  sulcatus  His.     .    . 

19.  Strophomena  euglypha  His. 

20.  „  funicnlata  M'Coy 

21.  „  pecten  L 

22.  „  rhomhoidalis  Wilch. 


sp 


col. 
col. 


+ 


col. 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


-  + 


+ 


+ 


+ 


+ 


3c(il.    1 


20 


2     9 


4      1 


In  Procenten  der  ganzen  Wenlock  sbale-Brachiopodenfauna  aus- 
gedrückt: e■^  4  7  Procent,  e.^  23  5  Procent,  f„_  10"5  Procent. 

Aus  dem  Wenlockkalke  werden  25  Brach iopodengattungen  mit 
93  Species  genannt,  Böhmen  kommen  davon  23  Arten  zu. 


1.  Atrypa  compressa  Sow 

2.  „        ?  Grayi  Dav 

3.  „        marginalis  Dalm 

4.  „        reticularis  L 

5.  Cyrtia,  trapezoidalis  His 

6.  Discina  rugata  ?  Soir , 

7.  Leptaena  transversalis   Wahl.     .    .    . 

8.  Meristella  Circe  Barr 

9.  „  tumida  Dalm , 

10.  Orthis  elegantula  Dalm 

11.  Pentamerus  galeatus  Dalm.     .    .    .    . 

12.  „  Knighti  ?  Soir.     .    .    . 

13.  „  linguifer  Soir 

14.  Retzia  Barrandei  Dav , 

15.  Rhynchonella  cuneata  Dalm.      .    .    , 

16.  „  deflexa  Suiv 

17.  „  (Atrypa)  navicula  Soir 

18.  „  Wilsoni  Soir 

19.  Spirifer  sulcatus  His 

20.  Strophomena  euglypha  His 

21.  „  funiculata  M'Coy  .    .    . 

22.  „  pecten  L 

23.  „  rhomhoidalis  Wilck.  sp 


col. 


col. 


col, 


+ 


+ 


+ 

+ 
+ 
+ 

-\X 


+ 


2  col. 


-    + 
3     20 


+ 


+ 


-1+    + 
!Ü      9      3 


[80]  Uel)er  die  Beziehungen  der  Barrande'schen  Etagen   C,  D  und  E  ete.  1 55 

In  Proccnteii  der  ganzen  Wenlüekkalk-Bracliiopodenfauna    ausge- 
drückt: ei  3'2  Trocent,  e,,  215  Procent, /a  9  6  Procent. 

Die  unteren  Lndlowscliicliten  enthalten  13  Gattungen  mit  35  Arten, 
davon  begegnet  man  in  Böhmen  12  Arten. 


1.  Atri/pa  compressa  Sow 

2-        „        reticularis  L 

3.  Cyrtia  trapezoidalis  Ilis 

4.  Discina  rugata  ?  Soir 

5.  Meristella  tmuida  Dalni 

6.  Orthis  elegantula  Dalm 

7.  rentumerus  galeatus  Dalm 

8.  lihynchoudla  (Atrgpa)  navicula  Soic 

9.  „  IVilnoni  Sow 

10.  Strophomena  mghjpha  Ilis 

11.  „  fiDiiculata  M'Coy  .    .    . 

12.  rkomboidalis   Wilde,  sp. 


i*     dj     e, 


col. 


col, 


col. 


+ 


+ 


2  col.    1      3 
hol. 


/i     /. 


+ 


+ 


10 


+ 


In  Procenten  der  Lower  Lndlow-Brachiopodenfauna  ausgedrückt: 
Ci  85  Procent,  e<y^  28*5  Procent,  f^  17' 1  Procent. 

Im  Aymestry-Kalk   treten    12  Gattungen   mit   27  Arten   auf,   das 
böhmische  Silur  besitzt  davon  11  Arten. 


j\    fi 


1.  Atrypa  reticularis  L 

2.  Discina  rugata  ?  Sow 

3.  Leptaena  transeersalis   Wahl.   .    .    . 

4.  Lingula  cornca  ?  Sou) 

5.  Meristella  tumida  Dalm 

6.  Pcntamerus  galeatus  Dalm 

7.  „  Knighti  ?  Sow 

8.  lihynchonella  (Atrypa)  navicula  Sow. 

9.  „  Wilsoni  Sow 

10.  Strophomena  euglypha  His 

11.  „  pecten  L 


col. 


col. 


col. 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


2  col.'  1 
Ücol. 


1   I  — 


+ 


+ 


1      1 


In  Procenten  der  Aymestry- Limestone -Brachiopodenfauna  ausge- 
drückt: e^   7-4  Procent,  eo,  296  Procent,  /a   111  Procent. 

Die  Upper  Ludlow  Schichten  sind  arm  an  Brachiopoden ,  9  Gat- 
tungen mit  17  Arten  erschöpfen  ihren  Reichthum.  Davon  erscheinen  in 
Böhmen : 

20* 


15G 


Dr.  Josef  Wenizel. 


[40] 


<^4        ''.S 


1.  Atnjpa  reticularis  L 

2.  Discina  rugata  ?  Soiv 

8.  Litiffnla  Cornea  ?  Sow 

4.  Orthis  elegantida  Dahn 

5.  „      lunatu  ?  Sow 

6.  Rhynchonella  (Ätrypa)  navicula  Sow. 

7.  Strophomena  eu</li/pha  His 


col. 


col. 


col. 


+ 


2  col. 


+ 


^2     /i    lA 


+  [  + 


3     1 


9i       93       *! 


+ 


+ 


1        1 


In  Procenten  der  Upper  Ludlow-Brachiopodenfauna  ausgedrückt: 
^1   11-7  Procent,  e^  29-4  Procent,/;   17-6  Procent. 

Die  nun  folgenden  Schichten,  Downton-Sandstein  und  Lcdhury- 
Shales,  wohl  auch  Passage  Beds  genannt,  beherbergen  nur  1  Brachiopoden, 
Lingula  Cornea ;  dieser  tritt  in  Böhmen  in  g^  und  h^  auf. 

Ich  lasse  an  dieser  Stelle  eine  tabellarische  Zusammenstellung  der 
Proceutsätze  folgen,  mit  welchen  die  Brachiopoden  der  einzelnen 
Wenlock-  und  Ludlow-Horizonte  in  den  Stufen  ^e^,  Ee^_^  und  Ff.^  vertreten 
erscheinen. 


A'f, 


in  Procenteu 


Wenlock-Gruppe : 

Woolhope  Limestone 

Wenlock  Shale 

Wenlock  Limestone 

Ludlow-Gruppe : 

Lower  Ludlow 

Aymestry-Limestone 

Upper  Ludlow      


61 

4-7 
B-2 


8-5 

7-4 

11-7 


32-Ö 
23-5 
21-5 


28-5 
29-6 
29-4 


14-2 

10-5 

9-6 


171 
111 
17-6 


Aus  dieser  Tabelle  geht  klar  hervor,  dass  die  Unterabtheilungen 
der  Wenlock-Gruppe  \'j — Vs  wnd  die  der  Ludlow-Gruppe  nahezu  Ya 
ihrer  Brachiopodenarten  mit  Ee.^,  gemeinsam  haben. 

Die  geringen  Beziehungen,  welche  die  ^Ci-Brachiopoden  mit  den 
genannten  britischen  Stufen  vermitteln ,  haben  ihre  Ursache  in  der 
Brachiopodenarmuth  dieser  Zone. 

Barrande^)  beschreibt  aus  Ee^ 
aus  Ee.^  1 9  Gattungen  mit  293  Arten, 
und  P)ritannieu    gemeinsamen    Formen 


11  Gattungen  mit  32  Arten  und 
Eine  Musterung  der  31  Böhmen 
hatte    uns    zu 


dem  Ergebnisse 


')  Barrande,  Extraits  du  Syst.  sil.  Vol.  V,  Bracliiopodes,  1879,  pag.  165. 


[41]         Ueber  die  Beziehiingeii  der  Barraude'schen  Etageu  C,   I)  und  A'  etc.  157 

^cfülirt,  dass  4  davon  in  E(\  und  2,H  in  Ee.^,  vorkommen,  was  dem 
aelitcn ,  beziehungsweise  zwölften  Tlieile  der  Ee^-^  respeetive  Ee^- 
Braehio|)odenfauua  gleichkommt  und  die  angeführte  Ursache  als  be- 
gründet erscheinen  lässt. 

Die  Ziffern  der  Rubriken  e^  und  e^  erlauben  weiter  den  Schluss, 
dass  eine  Abgrenzung  der  Wenlock-Gruppe  von  der  Ludlow-Gruppe  in 
Böhmen  nicht  durchführbar  ist,  noch  weniger  aber  an  eine  Unter- 
scheidung der  Unterabtheilungen  genannter  Schichtengruppen  gedacht 
werden  kann. 

Die  silurischc  Färbung,  welche  11  von  13  der  Zone  Fß^  und 
Britannien  gemeinsamen  Arten  genannter  Zone  verleihen  und  ihren  besten 
Ausdruck  in  den  Zahlen  der  Rubrik  f.^  findet,  will  ich  hier  nicht  weiter 
erörtern,  nur  möchte  ich  darauf  aufmerksam  machen,  dass  die  Be- 
ziehungen von  /j  ^"i*  Wenlock-  und  Ludlow-Gruppe  nur  scheinl)ar 
grössere  als  die  von  Ee^  zu  den  genannten  britischen  Ablagerungen 
sind,  denn  die  11  in /a  auftretenden  Wenlock-,  beziehungsweise  Ludlow- 
Arten  machen  nur  den  20.  Theil  der  ganzen  i^/'a-Bi'^cliiopodenfauna, 
welche  222  Arten  zählt,  aus,  während  die  ^^^ -Stufe  mit  dem  8.  Theil 
ihrer  Arten  in   der  Wenlock-   und  Ludlow-Gruppe   vertreten   erscheint. 

Alle  diese  klar  zu  Tage  liegenden  Thatsachen  sind  in  ihren  Haupt- 
zügen bereits  von  Barrande^)  in  volles  Licht  gesetzt  worden:  „Bien 
que ,  d'a])rcs  Ics  apparanccs  generales,  les  faunes  des  6tages  de  Wen- 
lock et  de  Ludlow,  en  Angleterre,  semblent  representecs  dans  leur 
ensemble  par  celle  de  notrc  ctage  E^  notre  tableau  resume  montre,  dans 
la  colonne  (3),  que  l'Angleterre  a  fourni,  ä  notre  bände  /^^  5  especes 
qui  n'avaient  pas  apparu  en  Boheme  durant  le  dcpot  de  notre  bände  e^. 
Les  4  prcmieres  de  ces  esi)eces  etablissent  une  connexion  directe,  cpii 
doit  ctre  remarquee,  entre  les  faunes  anglaises  de  Wenlock  et  de  Ludlow 
et  la  partie  centrale  de  notre  faune  troisieme  (fo).  Mais  la  cinquieme 
n'est  signalee  en  Angleterre  que  dans  le  devonien  moyen.  Ce  sont  les 
suivantes" : 

1.  Menstella  Circe  Barr. 

2.  Orthis  lunata  Soio. 

3.  Pentamerus  galeatus  Dalin. 

4.  Rhytichonella    Wilsoni  Sow. 

5.  Spirifer.  unguicidusf  Phill.  =  Spirif.    Urii  Flem. 


Ueber  die  dem  böhmischen  und  britischen  Silur  gemein- 
samen Aeephalen  arten. 

Was  die  Aeephalen  des  böhmischen  Silurs  betrifft,  so  hat  Bar- 
rande-) ihre  Beziehungen  zu  denen  des  englisclien  Silurs  in  einer 
Tabelle  veranschaulicht,  in  welcher  die  Rubrik  „idente  Arten"  Beach- 
tung verdient.  In  diese  Rubrik  gehören 


')  Barrande,  Extraits  du  Syst.  sil.  Vol.  V,  Brachiopodes,   pag.  242. 
-)  Barrande,  Extraits  du  Syst.  sil.  Vol.  VI,  Acephales,   1831,   pag.  474. 


158 


Dr.  Josef  Wen (zel. 


[42] 


X.Cardiola  interrupta  Sow. 


2.       „  ßbrosa  Sow.  .    .    . 

S.Pteriiiea  (Ävicula)  miraBarr. 


col. 


col. 


+ 


LIandeilo ,  Caradoc,   Upper  Llandov. ; 

Wenl.    Shale ,    Wenl.    Lim. ,  Lower 

Ludlow,  Upper  Ludlow. 
Wenlock  Shale,  Lower  Ludlow. 
Wenlock. 


Eine  hervorstechende  Eigenthüralichkeit  bildet  das  gänzliche  Fehlen 
von  untersilurischen  Arten  aus  Böhmen  in  England  und  die  weite  ver- 
ticale  Verbreitung  von  Cardiola  interrupta  in  England.  Gardiola  fibrosa 
und  Pterinea  mira  liefern  einen  kleinen  Beitrag  zur  Aequivalenz  der 
Etagen  Wenlock  und  Ludlow  mit  der  Etage  E. 


Ueber  die  der  Etage  E  und  dem  britischen  Silur  gemein- 
samen T  r  i  1 0  b  i  t  e  n  a  r  t  e  n. 

Barrande^)    hat    solcher  gemeinsamer  Arten    fünf  verzeichnet, 
welche  in  England  folgende  Stufen  auszeichnen. 


{insigninBeyr  1 

1 .  CheirufHs  \  bimncronatus 

\     Murch.        I 

2.  Cali/mene  ßlumeiibachii 

Broitff 

■S.  Deljjhon  Forbeai  Barr.  . 
4.  Sphaerexochus  mifiis 

Bei/r 

5-  Staurocephalus  Murchi- 

soni  Barr 


col, 


col, 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+   + 

I 

4-  + 
-|  + 

+!  + 


2coI.|  11215  1  Hill  1141  1  \'6\  4 


Ö  j3 


^3 


+ 


a>  o 

31 


<3-= 


+ 


2  I  1 


+ 


Einiges  Interesse  beanspruchen  Cheirurus  msigms  Beyr.  und 
fiphaerexochus  mirus  Beyr.  Sic  gehören  der  Colonie  Zippe  an.  Ihr  erstes 
Auftreten  im  Caradoc  und  Wiedererscheinen  im  britischen  Obersilur 
verwerthct  Bar  ran  de  2)  im  Sinne  seiner  Colonien. 

Staurocephalus  Murchisoni  und  Galymene  Blumenbachii  bilden 
Belege  für  das  frühzeitigere  Auftreten  derselben  Arten  in  England  als 
in  Böhmen.  Galymene  Blumenhachn  ragt  ausserdem  durch  seine  weite 
verticale  Verbreitung  (Tremadoc  bis  Lfpper  Ludlow)  hervor. 

Deiphon  Forhesi  ist  geeignet,  der  Vertretung  der  Wenlockstufe 
in  Ca  neuen  Ausdruck  zu  geben. 


>)  Bar  ran  de,  Extrait  du  Syst.  .sil.  Sapplem.  au  Vol.  I,   1871,  pag.  149. 
■*)  Bar  ran  de,  Defense  des  colonies.  V,  ISSI,   pag.  14. 


["43]  Ueber  die   Beziehungen  der  Barrande'schen  Etagen  C,  D  und  E  etc.  159 

Unter  den  5  in  P>rit;innien  auftretenden  Arten  der  Etage  E  tindet 
sich  keine  typische  Llandoveryforni.  Sie  bestätigen  aufs  Neue  die  mehr- 
fach berührte  Thatsache ,  dass  das  Llandovery  in  Böhmen  nur  durch 
Graptolithen  charakterisirt  wird. 

In  der  Wenlock-Gruj)pe  kennt  man  48,  in  der  Ludlow-Gruppe 
19  Trilohitenarten,  davon  erscheinen  5,  beziehungsweise  2  in  der  Etage  E^ 
d.  i.  ungefaln-  der  neunte  Theil.  Dieser  Bruchtheil  steht  weit  hinter 
denen  für  die  Cephalopoden  und  Rrachiopoden  erhaltenen  zurück. 

Im  böhmischen  Untersihir  konnte  man  zur  Parallelisirung  mit  briti- 
schen Schichten  fast  ausschliesslich  die  Trilobiten  mit  Vortheil  ver- 
werthen ,  im  Obersilur  nehmen  deren  Stelle  die  Graptolithen  und 
Cephalopoden  ein.  Den  für  das  Obersilur  in  Betracht  kommenden 
Trilobiten  ist,  mit  Ausnahme  von  Deiphon  Forbesi,  in  Britannien  eine 
zu  weite  verticale  Verbreitung  eigen. 

Die    Entwicklung    der    Silurtrilobiten     in    Böhmen    und 

Britannien. 

In  Böhmen  erscheinen  ^) 

in  der  Etage  G 27  Trilohitenarten 

„     „     Stufe  Dd^cf. 0             „ 

«     «          1^    Dd^^ 2             „ 

3»      ))          )j     -^  <^i  Y 4  <              „ 

n         »  »       -^"2 21  „ 

»        n  n      -^  <^3 '  o  » 

.    Dd, 23 

„      „  „    Dd^^ 0  „ 

Ee  1  ß 

V       V  »      -^^2 81  „ 

Den  ersten  Trilobiten  begegnet  man  in  Böhmen  in  der  Etage  C. 
Hier  ist  diese  Ordnung  durch  27  Arten  repräsentirt,  welche  in  verticaler 
Richtung  die  Grenzen  dieser  Etage  nicht  überschreiten.  Die  Stufe  di  x 
beherbergt  keine  Trilobiten ,  die  Stufe  d^  [i  zwei  auf  diese  Stufe  be- 
schränkt bleibende  Arten.  Es  findet  sich  an  der  Grenze  der  Etagen  0 
und  D  eine  Lücke  in  der  Entwicklung. 

Auf  ein  absolutes  Minimum  der  Arten  zu  Beginn  des  Untersilurs 
(d-^ce)  folgt  rasch  ein  Maximum  in  d-^y,  dann  ein  relatives  Minimum 
in  ^3,  welches  in  d^a  von  einem  zweiten  Maximum  abgelöst  wird. 
Die  d^  ß  Schichten  sind  fossilleer.  Von  1 1 8  Trilobiten  der  Etage  D  steigt 
nur  eine  Art  in  die  Etage  E  hinauf.  An  der  Grenze  der  Etagen  D  und  E 
tindet  sich  eine  zweite  Unterbrechung  in  der  Entwicklung  der  Trilobiten. 
In  der  ^-Etage  steigt  die  Zahl  der  Arten  von  16  (ej  auf  81  (e^),  ein 
absolutes  Maximum  in  Bezug  auf  die  Etagen  C  und  D. 


•)  Krejci  und  Feistmantel,  Uebersicht  d.  siliir.  Gebietes.  Archiv  f.  natnrw. 
Landesdurchf.  v.  Böhmen.  V.  Bd.,  Nr.  5,  pag,  25  u.  folg.  und  Barrande,  Trilohite??. 
Extrait  du  Suppl.  an  Vol.  I  du  Syst.  sil.   1871,   pag.  39. 


160  Dr.  Josef  Wentzel.  [44I 

Iq  Britauiiieu  erscheinen  ^)  in 

llarlech  und  Longniynd  Series     .     .     .  11  Trilobitenavten 

Menevian  Series 26  „ 

Lingiilaflags 53  „ 

Treniadoc 34  „ 

Arenig 46  „ 

Llandeilo 59  „ 

Caradoc 109  „ 

Llandovery 34  „ 

Wenlock  ^ 48  „ 

Ludlow 19  „ 

In  den  cambrisclien  Scliicbten  finden  sich  die  Trilobiten  in  grösster 
Artenzahl  in  den  Liogulaflags,  in  der  Tremadoc-Gruppe  sinkt  die  Zahl 
von  53  auf  34.  Eine  nicht  unbedeutende  Zahl  von  Arten  (7)  setzt  sich 
unverändert  aus  der  cambrischen  Tremadoc-Gruppe  in  das  silurische 
Arenig  fort.  Von  der  Tremadoc-  bis  Caradoc-Gruppe  greift  eine  an- 
haltende Steigerung  der  Artenzahl  Platz.  Im  Caradoc  wird  das  absolute 
Maximum  erreicht.  Eine  Unterbrechung  in  der  Entwicklung  der  Trilobiten 
an  der  Grenze  zwischen  Unter-  und  Obersilur,  wie  sie  Böhmen  eigen 
ist,  fehlt  dem  britischen  Silur.  14  Caradocarten  steigen  unverändert  in 
die  Llandovery-  und  zum  Theil  noch  jüngere  Schichten  auf.  Im  britischen 
Obersihir  zeigen  die  Trilobiten  nicht  mehr  die  blühende  Entfaltung  wie 
im  Untersilur.  Nach  einem  relativen  Maximum  iin  Wenlock  (48)  sinkt 
die  Artenzahl  in  den  Passage  Beds  zu  einem  absoluten  Minimum 
(0- Arten)  herab. 


Ueber  die  Grenze  zwischen  Cambrium  Lapworth,   Hicks 
und  Untersilur  Lyell  (—  Ordovician  Lapworth). 

Die  Grenzlinie  zwischen  cambrischen  und  silurischen  Schichten 
wird  von  verschiedenen  Forschern  in  sehr  abweichender  Weise  gezogen. 
Lapworth  2)  verlegt  die  Grenze  in  die  Mitte  von  Tremadoc  Salt.  •'') 
Die  Upper  Tremadocschichten  Salt,  zählt  er  zu  seinem  Ordovician- 
system,  Lower  Tremadoc  Salt,  zum  Cambrium. 


*)  Nach  Etheritlge,  Fossils  of  the  British  Islands  etc.,   zusammengestellt. 

■-')  Lapworth  in  Ann.  Mag    nat.  hist.  Ser.  V,  Bd.  3,  pag.  455,  Tabelle. 

'•')  Diese  Formation  liat  ihren  Namen  von  der  Stadt  Tremadoc  in  Caernarvonshire 
(Nordwales)  durch  S  e  d  g  w  i  c  k  erhalten.  S  a  1 1  e  r  theilte  die  Tremadocschichten  von  Nord- 
wales in  2  Unterabtheilangen,  die  Lower-  und  Üpper-Tremadocschichten.  Die  Lower 
Tremadoc  Rocks  von  Nordwales  correspondiren  mit  den  ganzen  Tremadocschichten  von 
St.  D  a  v  i  d's,  während  die  Upper  Tremadoc  Rocks  den  Lower  Arenig  Bosds  of  St.  Da  v  i  d's 
entsprechen.  Auch  im  eigentlichen  Arenigdistrict  (Merionethshire)  sind  die  untersten 
schwarzen  Schichten  von  Sedgwick's  Arenig-Gruppe  unzweifelhaft  in  Hinsicht  ihrer 
Lagerung  und  ihrer  Fossilien  mit  dem  Upper  Tremadoc  Salt,  in  Caernarvonshire  ident. 
Die  Upper  Tremadocschichten  werden  daher  fast  allgemein  in  die  Arenig-Gruppe  ein- 
bezogen und  die  Tremadoc-Gruppe  im  Sinne  ir  ick  s',  Lapw  o  rth's,  Wood  ward's  um- 
fasst  nur  die  Lower  Tremadocscliichten  von  Salt  er.  Siehe  Quart.  Journ.  Geol.  Soc. 
London  1875,  31.  Bd.,  pag.  175;  Wood  ward,  The  Geology  of  England  and  Wales. 
London  1887,  pag.  64;  Murchison,  Siluria.  18ü7,  pag.  40. 


[45]  Ueber  die  Beziehungen  der  Barrande'sclien  Etagen   C,   D  und  E  etc.  \Q,\ 

In  der  Tremadoc-Giuppe  Flicks  (—  Lowcr  Tremadoc  Salt.)  werden 
zwei  LJnterabtlieilung-en  unterschieden  ^) : 

1 .  Lovver  Tremadoc.  Dictyonema  Beds  mit  IHctyonema  sociale. 
Tremadoc,  Sliineton,  Malvern. 

2.  Upper  Tremadoc.  Mit  Asaphuft  (Asaphellus)  Homfrayi ^  Gono- 
coryphe  depressa.  Tremadoc,  Sliineton "? 

F.  Schmidt 2)  verlei;t  die  Grenze  zwischen  Cambrium  und  Silur 
an  die  S])itzc  der  Dictyonemaschiefer.  Die  Dictyonemaschiefer  der 
baltischen  l'rovinzen  sind  genau  ident  mit  derselben  Etage,  wie  sie  in 
Schweden  (Schonen ,  West-  und  Ostgothland ,  Oeland)  und  Norwegen 
entwickelt  ist.  Wegen  des  petrographischen  Charakters  muss  der  baltische 
Dictyonemaschieter  als  eine  directe  Fortsetzung  des  schwedischen  be- 
trachtet werden. 

Die  charakteristische  Species,  Dictyonema  flabelliforme  Eichw.,  ist 
beiden  Ländern  gemeinsam  und  nach  Törnqvist  ident  mit  Dictyon. 
sociale  Salt.  Der  Dictyonemaschiefer  führt  in  den  baltischen  Provinzen 
stellenweise  neben  Dictyonema  flabelliforme  noch  Bryo(jraptus  Kje- 
rulfi  Lapw. 

Tullberg^)  folgt  dem  Vorgange  Schmidts.  Er  schliesst  in 
West-  und  Ostgothland  mit  den  Dictyonemaschiefer,  in  Schonen  und 
Oeland  mit  der  Bryoyraptus  Kjerulfi-Tjiw^  das  Cambrium  (=  Primordial- 
silur)  ab.  In  England  tritt  die  der  genannten  entsprechende  Bryograptus- 
zone  *)  von  Low^er  Tremadocalter  in  den  Shineton  Shales  [Shropshire]  auf. 

Wir  sehen  also  in  Schweden  und  den  baltischen  Provinzen  das 
Cambrium  mit  dem  Lower  Tremadoc  Hicks  abgeschlossen.  Das  Silur 
wird  in  Schonen,  West-  und  Ostgothland  und  Oeland  mit  dem  Cera- 
topygekalk  eröffnet.  In  den  baltischen  Provinzen  bildet  sein  entsprechendes 
Aequivalent  der  Glauconite  Sand  (Etage  B^  nach  F.  Schmidt)  und 
mit  ihm  lässt  F.  Schmidt  das  Untersilur  beginnen.  Ceratopygekalk 
und  Griinsand  überlagern  direct  den  Dictyonemaschiefer,  daher  es  wohl 
gerechtfertigt  erscheint,  wenn  Schmidt  und  T  u  1 1  b  e  r  g  den  genannten 
Schichten  ein  Upper  Tremadocalter  im  Sinne  Hicks'  zuerkennen. 

Der  Auffassung  des  genannten  schwedischen  und  russischen  Geo- 
logen huldigt  auch  Kayser. '^)  Ervereinigt  das  Ober-Tremadoc  Hicks 
mit  der  Arenig-Gruppe ,  die  Dictyonemaschiefer  (=  Lower  Tremadoc 
Hicks)  belässt  er  beim  Cambrium.  Die  Gründe  für  solche  Auffassung 
sind  mehrfache.  In  Schweden  ^)  zeigen  sich  die  primordialen  Trilobiten 
in  den  obersten  Zonen  des  Alaunschiefers  zum  letzten  Male.  Der 
Ceratopygekalk  enthält  fast  ausschliesslich  silurische  Formen.  Die 
Dictyonemaschiefer  bilden  einen  durch  ihre  weite  Verbreitung  im  ganzen 
nördlichen  Europa  (Skandinavien,  baltische  Provinzen ,  England)  sehr 
wichtigen  Horizont.     Der  Nachweis   des  Cambriums   in  den   baltischen 


')  W  o  0  d  w  a  r  d  ,  The  Geology  of  England  and  Wales,  pag.  63. 

-)  F.  Schmidt  in  Quart.  Journ.  Geol.  Soc.  1882,  38.  Bd.,  pag.  517  u.  518. 

ä)  Tullberg    in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.   1883.   pag.  259,  Tabelle. 

*)  Lapworth  in  Ann.  Mag.  nat.  bist.  Ser.  V,  Bd.  5,  pag.  274  u.  Ser.  V,  Bd.  6, 
pag.  205;  Wood  ward,  The  Geology  of  England  and  Wales,  pag.  14,  Fig.  6  u.  pag.  65- 

'■')  E.  Kaysev,  Lehrbuch    d.    geologischen  Formationskunde.     Stuttgart     1891, 
pag.  41  u.  49. 

«)  Tullberg,  1.  c.  pag.  228. 
Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  1.  Heft.  (Josef  Wentzel.)  21 


lr>2 


Dr.  Josef  Wenf  zel. 


m 


Provinzen  >)  beruht  hauptsächlich  auf  der  Identität  der  höchsten  cam- 
brischen  Schichten  (Dictyonema  shalesj  mit  denen  Skandinaviens. 
Trilobiten  der  Paradoxides-  oder  Olenusgruppe  wurden  in  den  genannten 
Provinzen  nicht  gefunden. 

Etwas  anders  liegen  die  Verhältnisse  in  Norwegen.  Hier  hat 
Brögger^)  zwischen  der  primordialsilurischen  und  der  untersilurischen 
Abtheilung  mehrere  Grenzschichten  gefunden ,  welche  charakteristische 
Typen  der  ersten  und  der  zweiten  Fauna  fuhren. 


Norwegen 

England 

Etage  3 

3  c  mit  Asaphus  expansus. 

3  b  Phyllograptusschichten. 

Arenig  ^) 

'day  Ceratopygekalk  mit  Ceratopyge  forficula. 
Saß  Ceratopygeschiefer  mit  Euloma  ornatiim. 
3  a  a  mit  Symphysurus  incipiens. 

Upper  Tremadoc 
Hicks. 

Etage  2  oder 
Olenusetage 

Schiefer  mit  Bryograptus  Kjenilfi  Lupiv. 
Dictyonemaschiefer. 

Lower  Tremadoc 
Hicks'. 

Nach  Brögger's  Darstellung  entsprechen  3a«,  ?>aß  und  3a/ 
zusammen  den  Ober-Tremadocschichten  Hicks',  also  dem  obersten 
Cambrium  im  Sinne  Lapworth's  und  Hicks',  während  3Z>,  die 
Phyllograptusschichten  (untere  Graptolithenschiefer  Kj  er  ulfs),  der 
Tiefstufe  des  Untersilurs  gleichstehen. 

In  Böhmen  entsprechen  die  Schichten  i)c?i/:?  mit  ziemlicher  Sicher- 
heit der  Lower  Arenigstufe  5  es  wurden  auch  einige  Gründe  angeführt, 
welche  es  gerechtfertigt  erscheinen  lassen,  die  Stufe  Dd^a  noch  den 
Lower  Arenigschichten  zuzuzählen.  Organische  Reste  erscheinen  im 
Bereiche  der  Zone  Dd^a  nur  sparsam.  Die  Conglomerate  und  grob- 
körnigen Grauwacken  enthalten  gar  keine  Petrefakten.  Eine  typische 
Olenusfauna  fehlt  in  Böhmen.  Die  Trilobitengattungen  der  Etage  G 
sterben  mit  Ausnahme  Agnostus  in  dieser  Etage  aus.  Nicht  eine  Art 
der  ganzen  Primordialfauna  Barrande's  konnte  bis  jetzt  in  jüngeren 
Schichten  nachgewiesen  werden.  Es  besteht  eine  Lücke  in  der  Ueber- 
lieferung  an  der  Grenze  der  Etagen  G  und  D.  K  a  y  s  e  r  *)  ist  geneigt, 
das  Fehlen  eines  Aequivalentes  der  englischen  und  schwedischen  Olenus- 
schiefer  in  Böhmen  durch  die  Annahme  eines  stratigraphischen  Hiatus 
zwischen  der  Etage  G  und  der  Stufe  Dd^a  zu  erklären.  Die  Ginetzer 
Schiefer  bilden  nämlich  kein  um  die  ganze  Silurmulde  fortlaufendes 
Band,  sondern  sie  sind  ausser  bei  Ginetz  nur  noch  bei  Skrej,  am  Nord- 
rande der  Mulde,  bekannt.  Das  Wo  und  Wie  des  Zusammenhanges  der 


»)  F.  Schmidt,  1.  c.  pag.  516. 

'■')  Brögger,  Die  Siluretagen  2  und  3  im  Christianagebiet  und  auf  Ecker. 
Christiana  1882- 

")  Ann.  Mag.  Ser.  V,  Bd.  G,  pag.  197  und  Zeitschr.  d  deutsch,  geol.  Gesellsch. 
1883,  pag.  245. 

*)  Kay  ser,  Lehrbuch  d.  geolog.  Formationskunde,  pag.  37- 


["471         lieber  die  Beziehungen  der  Barrande'schen  Etagen   (\   D  und  E  etc.  |(53 

rriniordialzone  von  Skiej  ^)  mit  dem  mittclblilimiselicn  siliuisclien  Gebiet 
ist  bisher  vollständii;'  unbekannt.  Die  Scbichteiiabtheilnng  BdiU  ruht 
nur  in  der  Umgebung  von  Ginetz  auf  den  Schiefern  der  Primordial- 
faima  concordant  auf,  sonst  ist  sie  überall  den  azoischen  Schiefern 
aufgelagert. 

Eine  typische  Olenusfauna  fehlt  auch  in  der  Montagne  Noire  '-') 
und  die  von  Bergeron  unterschiedenen  Subetagen,  Paradoxidien 
Olenidien  y  und  Schistes  ä  Bellerophon  Oehlerti  (=  Lower  Arenig)  über- 
lagern sich  direct  und  in  concordantcr  Weise.  Die  sogenannte  Olenus- 
stufe  ist  sehr  arm  an  Fossilien,  es  besteht  auch  hier  eine  Lücke  in  der 
Ueberlieferung  an  der  Grenze  zwischen  Cambrium  und  Silur.  In  Frank- 
reich wie  in  Böhmen  lassen  sich  die  Lower  Arenigschichten  Hicks'  mit 
einiger  Sicherheit  feststellen,  daher  der  Lap  wort  haschen  Grenzbe- 
stimmung für  diese  Länder  der  Vorrang  gebührt. 

In  Britannien  ^)  ruhen  die  Untersilurschichten  concordant  auf  dem 
Tremadocschiefer  auf.  In  paläontologischer  Beziehung  herrscht  eine  durch- 
aus continuirliche  und  ununterbrochene  f^ntwicklung  vom  Cambrium 
zum  Untersilur.  Nach  einer  Zusammenstellung  auf  Grund  von  Etheridge 
Fossils  of  the  British  Islands  gehen  von  87  Arten  der  cambrischen 
Tremadoc-Gruppe  nicht  weniger  als  20  in  die  silurischen  Arenigschichten 
über.  In  der  Tremadoc-Gruppe  mischen  sich  charakteristische  cambrische 
Formen  mit  solchen,  die  erst  im  Silur  den  Höhepunkt  ihrer  Entwicklung 
erreichen. 

Diese  Mischung  erstreckt  sich  noch  in  die  unteren  Arenigschichten, 
aber  mit  weit  zurücktretenden  cambrischen  Typen  fort. 

Wenn  man  überhaupt  von  einer  Discordanz  in  paläontologischer 
Beziehung  sprechen  will,  so  muss  man  auf  die  Grenze  zwischen  Tremadoc 
Hicks'  und  Lower  Arenig  Hicks'  verweisen. 

Die  Fauna  der  Tremadoc-Gruppe  Hicks'  (=  Lower  Tremadoc 
Rocks  Salt.,  North  Wales)  gleich  jener  der  Tremadoc  group  at  St. 
David's  ist  eng  jener  der  Lingulaflags  *)  verwandt,  während  jene  der 
Lower  Arenigschichten  Hicks'  [=  Upper  Tremadoc  Rocks  Salt.,  North 
Wales)  starke  Beziehungen  zur  silurischen  Arenig-Gruppe  aufweist. 
Das  sind  die  thatsächlichen  Verhältnisse,  welche  in  Britannien  für  eine 
Grenzbestimmung  zwischen  Cambrium  und  Silur  im  Sinne  Lapworth's 
und  Hicks'  sprechen. 
Ueber    die    Grenze    zwischen  Untersilur    und  Obersilur. 

Die  Grenze  zwischen  Unter-  und  Obersilur  hat  Murchison  als 
zwischen  Lower-  imd  Upper  Llandovery  liegend  bestimmt.  In  der 
Lagerung  treten  starke  Discordanzen  ^)  an  der  Basis  der  oberen  Llan- 
dovery-Gruppe  auf,  während  sie  von  den  entschieden  obersilurischen 
Wenlockschichten  gleichmässig  überdeckt  wird.    Das  Profil  *')  zwischen 


')  Krejti  und  Feistmantel.  Orograph.-geotekt  Uebersicht  d.  silur.  Geb.  etr., 
pag.  22. 

^)  Bergeron,  Etüde  geologique  du  massif  ancieu  situe  au  sud  du  plateau 
central.  1889,  pag.  80,  82  etc. 

")  Woodward,  The  Geology  of  England  und  Wales,  pag.  07. 

")  Hicks  in  Quart.  Journ.  Geol.  Soc.  London   187ö,  ■)!.  Bd.,  pag.  175. 

^)  Wo  od  ward,  The  Geology  of  England  and   Wales,  pag.  87. 

8)  Murchison    Siluria  1847,  pag.  89. 

21* 


164  Dr.  Josef  Wentzel.  [48] 

Lougmynd  (Nordwest)  und  Wenlock  Edge  (Südost)  zeigt  an  einer  Stelle 
die  oberen  Llandovcryscliicliten  den  Long-niynd  Rocks,  an  einer  anderen 
den  wahren  Caradocschichten  transgressiv  aufgelagert. 

Lapwortlii)  würdigt  die  Bedeutung  der  stratigraphischen  Dis- 
cordanz  an  der  Basis  von  Upper  Llaudovery,  welche  sich  von  Wenlock 
bis  LIangadock  verfolgen  lässt,  verlegt  aber  die  Grenze  zwischen  seinem 
Ordovician-  und  Silursystem  an  die  Basis  von  Lowcr  Llandovery.  Als 
Gründe  hiefür  führt  er  an ,  dass  der  Lowcr  Llandovery-Saiidstein, 
welcher  in  Central-Wales  unmittelbar  auf  die  dunklen  Upper  Bala- 
Schiefer  folgt,  untrügliches  Zeugniss  von  wichtigen  und  weit  ver- 
breiteten Aendcrungen  zu  Beginn  der  Llandoverystufe  ablegt.  Durch 
das  ganze  Basin  of  the  Dee  behalten  die  Lowcr  LIandoveryschichtcn 
ihren  grobsandigen  Charakter  bei  und  die  Beziehungen  der  Bala  Shales 
zu  denselben  Sandsteinen  von  Conway  werden  ohne  die  Annahme 
einer  Transgression  (over  laj))  oder  Discordanz  (unconformability)  gerade- 
zu iinerklärbar. 

Das  überzeugendste  Argument  findet  aber  Lapworth  in  der 
Thatsache,  dass,  wenn  wir  vom  Towey-Thale  ^)  absehen,  wo  überhaupt 
keine  Schichtendiscordanz  zwischen  Caradoc  und  Lower  Llandovery 
einerseits,  und  zwischen  Lower-  und  Upper  Llandovery  andererseits 
besteht,  in  den  zwischen  der  Arenig-  und  Ludlow-Gruppe  gelegenen 
Schichten  sich  der  am  meisten  ausgesprochene  F'acicswechsel  und  die 
grösste  Unterbrechung  in  paläontologischer  Beziehung  an  der  Spitze 
der  Balastufe  und  seiner  ausserbritischen  Aecpiivalente  einstellt.  Die 
Balagruppe  enthält  614  verschiedene  Arten,  Lower  Llandovery  600  und 
Upper  Llandovery  261  Arten.  Von  den  614  Balaarten  gehen  lOH  in  die 
unteren  LIandoveryschichtcn,  die  beiden  Abtheilungcn  der  Llandovery- 
Gruppe  haben  104  Arten  mit  einander  gemein  und  von  den  261  Arten  der 
oberen  LIandoveryschichtcn  finden  sich  12ii  in  den  über  ihnen  folgenden, 
unbestritten  obersilurischcn  Wenlockablagerungcn  wieder.  Wir  sehen 
nahezu  die  Hälfte  seiner  Arten  sondern  den  Upper  Llandovery  in  den 
Lower  Llandovery  und  die  Wenlockgriippc ,  während  ungefähr  der 
6.  Theil  der  Balafauna  sich  in  den  Lower  Llandovery  [und  zwar  103  Arten] 
und  Upper  Llandovery  [und  zwar  107  Arten]  erstreckt,  somit  von  einer 
Unterbrechung  in  der  Entwicklung  der  Organismen  nur  an  der  S|)it/>c  der 
Balastufe  die  Rede  sein  kann.  Lapworth  weist  auf  Schottland  hin, 
wo  die  einzige  bemerkenswerthe  Discontinuität  in  paläontologischer 
Beziehung  sich  an  der  Basis  von  Lower  Llandovery  einstellt,  während 
die  Vertreter  der  Lower-,  Upper  Llandovery-  und  Tarannonschichten, 
d.  i.  Birkhill-  und  Galastufe,  unmerklich  in  einander  übergehen.  In 
Amerika  (Anticosti  ausgenommen)  hat  die  L  a  p  w  o  r t  h'sche  Abgrenzung 
von  Unter-  und  Obersilur  früher  als  in  England  Platz  gegriffen. 

Barrande  ^)  hat  Britannien  betreffend  die  Grenze  zwischen 
Unter-  und  Obersilur  über  dem  oberen  Llandovery  gezogen.    Von  den 


')  Lapworth  in  Ann.  Mag.  Ser.  V,   Bd.  5,   pag.  46. 

'^)  Murchison,  Siluria.   1867,  pag.  87,  Profil  Noeth  Grug  and  Text. 

*)  Harr  an  de.  Defense  des  colonies.  V,  1881,  pag.  18:  „il  nous  .semble  qua  la 
combinaison  la  plus  simple,  pour  etablir  l'uniformite  entre  la  serie  silnrienne  d'Angle- 
terre  et  la  serie  correspondante  dans  la  plupart  des  contrees    serait  d'incorporer  ks  2 


[491         Ueber  die  Beziehungen  der  Barrande 'sehen  Etagen  C,  D  und  E  etc.  165 

durch  Lapwortli  aufgestellten  Abtliellungcn ,  Lower- ,  Middlc  und 
Upper  Valeiitiaii  |—  Lower  Llandovery,  Upper  Llandovery  und  Tarannon 
in  Wales]  führt  er  die  zwei  erstgenannten  zum  Untersilur  und  die  letzte 
zum  Obersilur, 

F.  Schmidt^)  zieht  in  Uebereinstiinmung-  mit  Lapworth  die 
Grenze  zwischen  Unter-  und  Ohersilur  in  den  baltischen  Provinzen 
Russlands  über  der  Etage  F^  dem  Aequivalente  des  Caradocsandsteines. 
Er  berichtet:  „Our  Upj)er  Silurian  is  very  distinctly  separated  from  the 
Lower  Silurian.  There  is  a  clear  break  with  us  in  the  development 
of  organic  life  ,  notwithstanding  the  fact  that  the  physical  conditions 
remain  the  same ;  for  the  Upper  Silurianstrata  consist  of  limestone  and 
marls,  like  those  of  the  Lower  Silurian.  At  many  places  with  us  the 
lowest  Upper  Silurian,  stage  G^  is  observed  in  inmicdiate  contact  with 
the  highest  Lower  Silurian,  F-^  but  nowhere  can  there  be  any  doubt 
concerning  the  geological  age  of  these  unvarying  deposits." 

Die  Insel  Gothland  zeigt  nach  Schmidt  eine  sehr  vollständige 
obersilurische  Schichtenreihe,  das  Untersilur  fehlt  völlig.  Das  Gegen- 
stück bildet  Oelaud,  hier  finden  sich  nicht  die  geringsten  Andeutungen 
von  Obersilur.  Diese  Thatsachen  weisen  auf  weitgehende  Veränderungen 
zu  Beginn  des  Obersilurs  im  Sinne  Schmidt's  hin. 

In  Schonen  ist  die  Grenze  zwischen  Untersilur  und  Obersilur  durch 
das  Auftreten  der  Graptolithen  von  Birkhill-  [=  Llandover-]  Charakter 
gekennzeichnet.  In  Böhmen  deckt  sich  die  Grenze  zwischen  der  Bar- 
rande'schen  Fauna  II  und  III  mit  der  Lap worth'schen  in  England. 
Ein  scharfer  Facieswechsel  leitet  das  Obersilur  ein. 

Auf  Grauwackensandsteine  und  Quarzite  (Dd^ß)  folgen  Grapto- 
lithenschiefer  (EeJ.  In  paläontologischer  Beziehung  macht  sich  an  der 
Grenze  von  Unter-  und  Obersilur  eine  völlige  Unterbrechung  in  der 
Entwicklung  der  Organismen  bemerkbar. 

Die  II.  und  III.  Fauna  haben  nur  1  Trilobiten  2),  Calymene 
Blumenbachi  Brongn.  (d^^  ^i-ij\)i  ^  Brachiopoden  2)  und  1  Acephalen  *) 
gemeinsam,  welche  Ziffern  gegenüber  dem  ungeheuren  Reichthume  an 
-ß'-Formen  verschwinden.  Diese  Unterbrechung  in  der  Entwicklung  wird 
durch  den  Umstand  zur  klaffenden  Lücke,  dass  die  Kosower  Grauwacken- 
sandsteine und  Quarzite  völlig  versteinerungsleer  sind. 

Einer  analogen  Erscheinung  begegnen  wir  noch  in  Frankreich  *) 
(Anjou  und  Bretagne),  wo  der  versteinerungsleere  Gres  culminant,  und 
in  der  Umgebung  von  Almaden  *^),  wo  ein  nur  Bilobiten  führender  Quarzit 
sich  an  der  Grenze  von  Unter-  und  Obersilur  einstellt. 


subdivisions  du  groupe  de  Llandovery  ä  la  division  du  silurien  inferieur  de  Murchisou. 
c.  ä.  ä  la  faune  seconde.  —  Ib.  pag.  .38,  II  resulte  de  ces  dociiments,  que  les  schistes 
de  Tarannon  fönt  partie  Constituante  du  silurien  snperieur  de  Murchisou. 

*)  Schmidt  in  Quart.  Journ.  Geol.  Soc.  London  1882,  38- Bd.,  pag.  524. 

^)  Barrande,  Trilobites.  Extrait  du  Suppl.  au  Vol.  I  du  Syst.  sil.  du  ceatre 
de  la  Boheme.   1871,  pag.  ,39. 

")  Barrande,  Extraits  du  syst.  sil.  Vol.  V,  pag.  190  u.  191. 

*)  Barrande,  Extrait  du  syst.  sil.  Vol.  VI,  pag.  H39. 

°)  De  Tromelin  et  Lebesconte,  Congr^s  de  Nantes.   1875,  pag.  9. 

^)  Ch.  Barrois,  Recherches  sur  les  terrains  anciens  des  Asturies  et  de  la  Galice. 
Extrait  des  memoires  de  la  societe  geologique  du  nord.  Tom.  2,  mem.  I,  1882,  pag.  461. 


166 


Dr.  Josef  Wentxel. 


[50] 


Die  Brauchbarkeit  der  Lap  wort  h'schen  Grenze  zwischen  Unter- 
iind  Obersihir  (beziehungsweise  Ordovician  und  Silurian)  kann  nach 
dem  Vorangehenden  nicht  angezweifelt  werden.  Lapworth  liess  sich 
im  Gegensatze  zu  Murchison  bei  seiner  Grenzbestimmung  vornehm- 
lich von  paläontologischen  Gesichtspunkten  leiten ,  und  das  verschafft 
seiner  Grenze  die  Giltigkeit  ausserhalb  Englands. 


Schlussbemerkung. 

Wir  bringen  zunächst  eine  kleine  Tabelle,  welche  die  Entwicklung 
der  cambrischen  und  silurischen  Ablagerungen  in  Böhmen  und  Britannien 
und  deren  Parallelstellung  in  ihren  wichtigsten  Hauptzügen  angibt. 


Böhmen 

Britannien 

Obersilur 

Lyell. 

Silurian 

Lapworth. 

Barrande's 

III  Fauna 

1.  Phase 

E-e, 

Upper  Ludlow,    Aymestry  Limestone, 

Lower  Luiilow,   Wenlock  Limestone, 

Wenlock  Shale,  Woolhope  Limestone, 

Tarannon,   Llandovery. 

E-e, 

0?    fit 
>>  eis 

u    fl 
d    eä 

*   o 

Do 

03 

es  »— ( 

D-d,ß 
D—d.^a 
D-d^ 
D-d, 

Caradoc-Grnppe. 

D~d., 

Llandeilo-  und  Arenig-Giuppe. 

D-dr/ 

D-d,ß 
D—d^a 

Cambtium 
Hicks  und 
Lap  w  or  th. 

2  § 

es    CS 

es  i-i 
PQ 

C 

Treraadoc  ? 

Lingula  Flags? 

Meiievian. 

Solva. 

Die  Lap  worth' sehe  Grenze  zwischen  Cambrium  und  Silur,  ünter- 
und  Obersilur  entspricht  den  böhmischen  Verhältnissen  am  besten.  Das 
Cambrium  erscheint  gegenüber  der  mächtigen  Ausbildung  in  England 
sehr  reducirt.  Eine  typische  Olenusfauna  fehlt.  Mit  Sicherheit  lassen 
sich  nur  die  Solva-  iind  Menevianschichten  nachweisen.  In  paläonto- 
logischer Beziehung  ist  die  Grenze  zwischen  Cambrium  und  Silur  durch 
das  vollständige  Aussterben  der  Formen  der  Primordialfauna  zu  Beginn 
der  Etage  D  markirt. 

Im  böhmischen  Untersilur  können  wir  nur  die  Caradoc-Gruppe, 
nicht  aber  die  Llandeilo-  und  Arenig-Gruppe  für  sich,  sondern  nur  in 
ihrer  Gesammtheit,  d.  i.  Llandeilo  Murchison's  unterscheiden.  Arenig- 


[5ll         Ueber  die  Beziehungen  der  Barrande'schen  Etagen   C,  D  und  E  etc.  \Q1 

1111(1  Llandeilofonneii  nnsclien  sieb  in  der  Zone  c?,  /.  Dieser  Mischung 
läuft  eine  Reduction  der  Mächtigkeit  gegenüber  den  äquivalenten  Schichten 
in  England  parallel. 

Die  Mächtigkeit  von  d^  a  beträgt    20 —  30  Meter  ^) 
„    d,ß         „        50-100       „ 
r,    d,y         „        40-  80       „ 

„    dj „        50 —  80       „       östl.  von  Prag. 

Die  Mächtigkeit  von  d^  +  d^  beträgt  160 — 290  Meter. 

Die  Llandeilo-Gruppe  Murchison^s  umfasst: 

Arenig  Series 1000' -2500'  Mächtigkeit  2) 

Llanvirn  Series 20  0'....2000'  „ 

Llandeilo  Flags 3300'— 4000'  

Llandeilo  Murch 6300'— 8500'  Mächtigkeit. 

oder  1890  —  2500  Meter. 

Die  Caradocstufe ,  welche  sich  in  Böhmen  wohl  abgrenzen  lässt, 
besitzt  hier  und  in  England  eine  annähernd  gleiche  Mächtigkeit. 

d^ 80 —  100  Meter  mächtig 

d, 1000—1300       „ 

4  .     .     .     .     .     .  200-  800       „ 

di—d^     .     .  1280—2200  Meter  mächtig. 

Bala  Beds    ....      4000'— 12.000'  mächtig 
Hirnant  Limestone      .  50' —      300'       „ 

4050'— 12.300'  mächtig 
oder  1215—3690  Meter. 

Das  plötzliche ,  unvermittelte  Auftreten  von  47  neuen  Trilobiten- 
arten  und  der  ersten  Cephalopoden  in  maximaler  Anzahl  (25)  zu  Be- 
ginn des  Untersilurs  in  Böhmen,  das  rasche  Anschwellen  des  Formen- 
reichthums  an  Cephalopoden  [von  1 2  (Llandeilo)  auf  68  (Caradoc)J  und 
Trilobiten  [von  51  (Llandeilo)  auf  109  (Caradoc)]  zum  Schlüsse  des 
Untersilurs  in  England  kennzeichnen  die  Unabhängigkeit  der  Ent- 
wicklung des  Untersilurs  in  beiden  Ländern. 

An  der  Grenze  von  Unter-  und  Gbersilur  tritt  in  Böhmen  eine 
Unterbrechung  in  der  Entwicklung  der  Organismen  ein. 

Von  124  Z>-Brachiopoden  erscheinen  6  Arten  in  der  Etage  E 
„     118  i)-Trilobiten  „  1       „       „     „         „       „ 
„       73  Z)-Acephalen               „          1       „       „     „         „      „ 
V 39  i>-Cephalopoden          „         —      „       „     „         „       „ 

Von  354  Arten  der  Etage  D  erscheinen  8  Arten  in  der  Etage  E, 


')  Krejci  und  Feistmantel,  Orogr.-geotekt.  Uebersicht  d.  silur.  Geb.  Archiv 
f.  naturw.  Landesdurchf.  v.  Böhmen.   V.  Bd.,  5.  Abth. 

2)   Wo  od  ward,  The  Geology  of  England  and   Wales.   1887. 


168 


Dr.  Josef  Wentzel. 


[52] 


während  in  Britannien  von  614  Arten  der  Caradoc-Gruppe  ^)  nicht 
weniger  als  103  in  die  unteren,  107  in  die  oberen  Llandoveryschichten 
übergehen  und  eine  immer  noch  beträchtliche  Zahl  sich  in  noch  höhere 
Silurabtheilungen  erstreckt. 

In  England  herrscht  in  paläontologischer  Beziehung  eine  con- 
tinuirliche,  kaum  unterbrochene  Entwicklung  vom  unteren  zum  oberen 
Silur,  in  Böhmen  eine  deutliche  Unterbrechung,  welche  durch  das  Auf- 
treten der  versteinerungsleeren  Kosower  Schichten  (tZ^  ß)  an  der  Grenze 
zwischen  den  Etagen  1)  und  E  noch  vollständiger  gemacht  wird. 

Aus  Ddj^y  und  Do^g  konnten  wir  10,  mit  britischen  Arten  meist 
sehr  nahe  verwandte  Arten  zum  Vergleiche  heranziehen,  in  d^,  d^  und 
rfg  steigerte  sich  die  Zahl  auf  13,  vorwiegend  idente  Arten,  in  der 
Etage  E  fanden  sich  23  Graptolithen-,  24  Cephalopoden-,  31  Brachio- 
poden-,  3  Acephalen-  und  5  Trilobitenarten,  im  Ganzen  86  Arten, 
welche  in  Britannien  wiederkehren.  Es  machen  diese  Ziffern  den  Ein- 
druck ,  als  wenn  zum  Schlüsse  des  Untersilurs  und  zum  Beginne  des 
Obersilurs  neue  Verbindungswege  mit  Britannien  eröffnet  worden  wären. 

In  der  Fauna  der  Etage  E  kommt  die  individuelle,  selbstständige 
Entwicklung  der  beiden  Silurgebiete  am  stärksten  zum  Ausdruck.  Die 
Etage  E  vertritt  die  Schichtenfolge  von  Lower  Llandovery  bis  Upper 
Ludlow  (inclusive).  Diese  britischen  Stufen  in  Böhmen  abzugrenzen  ist 
unmöglich.  Die  Schichtengrenze  zwischen  e^  und  e.^  fällt  mit  einer  der 
britischen  Stufen  nicht  zusammen.  An  der  Basis  von  e^  concentriren 
sich  alle  ^Graptolithen  von  Lower  Birkhill-  bis  Lower  Ludlowalter. 
Gegen  die  Spitze  von  Cy  und  in  e^  mischen  sich  auf  die  Wenlock- 
respective  Ludlowgruppe  beschränkt  bleibende  Cephalopodenformen.  Die 
mit  Wenlock  und  Ludlow  gemeinsamen  Brachiopoden  treten  mit  über- 
wiegender Mehrheit  in  e^  auf. 

Ein  noch  viel  stärker  condensirter  Charakter,  als  wie  er  in  der 
Graptolithenfauna  der  Stufe  e^  zum  Ausdruck  kommt,  haftet  der  e^- 
Fauna  an.  Die  Trilobiten,  Cephalopoden,  Brachiopoden  und  Acephalen 
machen  sich  in  Böhmen  und  England  in  folgender  Artenzahl  bemerkbar : 


Trilobiten 
Cephalopoden 
Brachiopoden 
Acephalen     . 


Böhmen 

England 

Ee^ 

Ke^ 

Llandovery 

Wenlock 

Ludlow 

16 

162 
32 
57 

81 
777 
293 
767 

34 

32 
89 
34 

48 

63 

112 

40 

19 

82 
49 

70 

267 

191« 

189 

^63 

220 

Die  Gesammtzahl  der  Acephalen- ,  Brachiopoden-,  Cephalopoden- 
und  Trilobitenarten  erreicht  in  Ee,^  bei  einer  Mächtigkeit  von  100  bis 
150  Meter  die  erstaunliche  Höhe  von  1918.  Hiezu  kommt  in  p^  noch 
eine  Fülle  von  Gasteropoden,  Bryozoen,  Korallen  u.  s.  w.  Les  Gastero- 


»)  Neumayr,  Erdgeschichte.  1887,  H.  Bd.,  pag.  105. 


["53]         lieber  die  Bezieluingen  der  Barrando'schen  Etagen  C,  D  und  E  etc.  IfJQ 

podes  ^)  offrent  dans  cettc  bände  (e.2)  une  incroyable  variet^  de  fornics 
specifiqiies,  qiii  ne  s'cst  rencontree  jiisqu'  ici  sur  aucuii  horizon,  dans 
aucune  autre  contree  paleozoique.  Le  nombre  de  ces  formes  n'est  pas 
encore  exactement  dötermine,  mais  il  s'eleve  ä  qucbiues  centaines. 

Par  contraste,  les  Pteroi)odes  sont  rare  et  faibles  dans  notre  bände  ^2- 

Enfin  les  Polyzoaires.  Hryozoaires  et  Polypiers  de  la  bände  e^  ne 
sont  pas  moins  varies  qiie  ceux  qui  sont  connus  sur  l'horizon  de  Wenlock 
en  Ang:leterre. 

Eine  Concentration  der  Formen,  wie  sie  sich  in  dem  Brachiopodcn- 
nnd  Cephalopodenkalke  der  Stufe  eg  voUzielit,  ist  in  Britannien  eine 
unbekannte  Erscheinung.  Die  obersilurisclic  Fauna  vertheilt  sich  daselbst 
mehr  weniger  gleichmässig  auf  die  einzelnen  Stufen. 

Die  maximale  Mächtigkeit  der  Etage  E  giebt  Barrande-)  zu 
300  Meter  an.  Die  Mächtigkeit  des  Obersilurs  ^)  beträgt  in  Nordwest- 
England  4200  Meter,  während  sie  in  Wales  von  900  Meter  bis  1 800  Meter 
variirt.  Eine  Mischung  von  Formen  heterogener  Stufen  wird  auch  hier 
von  einer  Reduction  der  Mächtigkeit  gegenüber  den  äquivalenten  Schichten 
in  England  begleitet. 

Es  konnte  früher  mehrfach  und  besonders  bei  den  Brachiopodeu 
darauf  hingewiesen  werden ,  dass  dieselben  Arten  in  England  früher 
auftreten  als  bei  uns ,  woraus  sich  die  einige  Zeit  gangbare  Ansicht 
bildete,  die  Silurfauna  sei  in  Böhmen  etwas  später  als  in  England  zur 
Entwicklung  gekommen.  Zwei  im  Llandeilo  und  7  zuerst  im  Caradoc 
auftretende  Brachiopodeu,  die  aber  bis  Wenlock,  beziehungsweise  Ludlow 
aufsteigen ,  wurden  genannt ,  die  in  Böhmen  nicht  unter  die  Etage  E 
herabgeheu.  Ihr  späteres  Erscheinen  in  Böhmen  hat  mit  einem  Nach- 
hinken der  Entwicklung  nichts  zu  thun.  Die  Brachiopodeu  *)  sind  im 
Llandeilo  und  besonders  im  Caradoc  an  kalkige  Lagen  gebunden ;  das 
böhmische  Untersilur  setzen  kalkfreie  Schiefer  und  quarzitische  Sand- 
steine zusammen,  sobald  im  Obersilur  sich  Kalke  einstellen,  finden  sich 
auch  die  genannten  Arten  ein.  Diese  verschieden  petrographische  Be- 
schaftenheit  des  böhmischen  und  britischen  Untersilurs  macht  auch  die 
Thatsache  verständlich,  dass  trotz  des  grossen  Brachiopodenreichthums 

Llandeilo  60  Brachiopodenarten 
Caradoc   140  „ 

Barr.  Etage  i)  124  „ 

diese  Thiergruppe  im  Untersilur  kaum  nennenswerthe  Beziehungen 
eröffnet. 

Derselbe  Erklärungsgrund  passt  auch  auf  die  uutersilurischen 
Cephalopoden  Böhmens  und  Englands,  welche  nicht  eine  geraeinsame 
Art  aufzuweisen  haben,  obwohl  in  der  Etage  D  39  Arten,  im  Llandeilo 
12  und  im  Caradoc  68  Arten  auftreten. 


*)  Barrande,  Extraits  du  syst,  silur.  Vol.  II,  Texte  V,  1877,  pag.  168. 
2)  Derselbe,  Defense  des  colonies.  III,  1865,  pag.  221  und  Extrait  du  Syst.  sil. 
Vol.  IT,  1870,  pag.  198. 

'*)  Woodward,   The  Geology  of  England  and  Wales,   pag.  84. 
*)  Murchison,  Siluria.   1867,  pag.  66  ff.,  pag.  50  ff. 
Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41  Band.  l.  Heft.  (.Josef  Wentzel.)        22 


170  br.  Josef  Wcntzei. 

Die  Graptolitlien ,  welclie  im  britischen  Untersilur  (Moffat  Series 
in  Schottland  etc.)  eine  so  grosse  Kolie  spielen ,  machen  sich  in  der 
liarrande'schen  Etage  D  kamn  bemerkbar.  Ihr  vorwiegendes  Vor- 
kommen in  thonigen  nnd  mergeligen  Sedimenten  erklärt  ihr  sporadisches 
Anftreten  in  genannter  Etage. 

Ich  glaube  die  wesentlichsten  Gegensätze  in  der  Entwicklung  der 
Silurablagernngen  beider  Länder  hervorgehoben  zu  haben  und  es  bliebe 
nur  noch  die  Frage  offen,  ob  die  Passage  Beds  auch  in  der  Etage  E 
mitvertreten  erscheinen?  Diese  Frage  nuiss  verneint  werden.  Die  britischen 
IJebergangsschichten  7Aim  Devon  hin  mit  ihren  Resten  von  Landptlan/cn, 
zahlreichen  Fischen  und  grossen  Eurypteridcn  haben  keine  mit  der 
J^'-Etage  gemeinsame  Art  aufzuweisen. 


Das  Grüne  Farb-Erde-Vorkommen  bei  Atschau- 
Gösen  im  Bezirke  Kaaden  in  Böhmen. 

Von  H.  Becker. 

Mit  (i  Ziukotypieu  im  Texte. 

Jokely  beschreibt  dieses  jetzt  einzig  in  seiner  Art  dastehende 
Vorkommen  im  Jahrbuchc  1858  der  k.  k.  geologischen  Reiclisanstalt. 
Da  jedoch  seit  jener  Zeit  eine  bedeutende  Erweiterung  der  Aufschlüsse 
nach  der  Tiefe  hin  stattgefunden  hat,  und  die  einzelnen  Schächte  sammt 
deren  Grubenbauen  von  mir  markscheiderisch  aufgenommen  wurden, 
so  habe  ich  es  versucht,  auf  Grundlage  dieser  Aufnahmen  die  Lagerungs- 
verhältnisse der  Schichten  in  dem  genannten  Gebiete  nochmals  genauer 
darzustellen. 

Die  umstehend  beigegebene  Situationsskizze  und  die  nächstfolgenden 
Profile  sollen  diese  Mittheilungen  näher  erläutern. 

Die  Schichtenfolgen,  welche  die  grüne  Erde  einschliessen ,  sowie 
das  Grünerdevorkommen  selbst  sind  an  bestimmte  Horizonte  gebunden, 
sie  stehen  aber  auch  unter  einander  in  einem  anderen  Verhältnisse,  als 
Jokely  (loc.  cit.  Profil  Fig.  14)  angiebt.  Es  dürften  daher  diese  Mit- 
theilungen für  Jene,  welcbe  an  dem  heimatlichen  Producte  Antheil 
nehmen,  nicht  ohne  Interesse  sein. 

Die  Gewinnung  der  grünen  Erde  ist  schon  seit  Jahrhunderten  im 
Betriebe.  Schon  im  15.  Jahrhundert  soll  Georg  von  Podiebrad  als 
König  von  Böhmen  zwei  Kuttenberger  Bergleute  nach  Kaaden  gesandt 
haben,  um  die  hiesigen  Bergleute  in  rationeller  Gewinnung  der  grünen 
Erde  zu  unterweisen. 

In  der  Geschichte  der  Stadt  Kaaden  von  Nicolaus  Urban  von 
Urbanstädt  finde  ich  eine  Notiz  aus  dem  Jahre  1558,  worin  es 
heisst:  „Es  hatte  der  hiesige  Rat  wegen  gemeiner  Stadt  Kaaden  und 
derselben  Burger  Unterthanen  des  Dorfes  Ahotschau  zugehörenden 
Lüsten  am  Purgperkh  sich  mit  dem  Bohuslaw  von  Hassenstein  wegen 
Bergwerksstrittigkeiten  zu  vergleichen  angeordnet  etc. "  Ob  dieser  Streit 
über  die  Grünerde-Gewinnung  handelte ,  ist  nicht  angeführt ,  möglich, 
da  man  früher  und  noch  in  den  Dreissiger-Jahren  dieses  Jahrhunderts 
die  grüne  Erde  als  Kupfererz  ansah,  da  ferner  in  der  ganzen  Umgebung 
kein    anderes   bergmännisch    zu   gewinnendes   Mineral    vorkommt,    am 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  lieichsanstalt.  1891.  41.  Band.  i.  Heft.  (H.  Becker.)  '^i  * 


172 


H.  Becker. 


[2] 


allerwenigsten  edle  Metalle,  auf  die  vorherrschend  in  jenen  fernen  Zeiten 
gefahndet  wurde.  Die  Stadtgenieinde  Kaaden  dürfte  sich  den  Grünerdeberg- 
bau angeeignet  und  nach  dem  Patente  von  1809  als  Kupfererze  verliehen 
haben.  Anfangs  der  Dreissiger-Jahre  wurde  durch  diverse  Processe  der 
Grundbesitzer  mit  der  Stadt  Kaaden  entschieden ,  die  grüne  Erde  sei 
kein  Erz,  gehöre  folglich  nicht  zu  den  vorbehaltenen  Mineralien,  und 
ging  hienach  die  Gewinnung  derselben  in's  Eigenthum  der  Grundbesitzer 


über.  Von  jener  Zeit  an  bauen  diese  theils  in  eine  Gesellschaft  vereint, 
theils  einzeln  auf  ihrem  Grundbesitze  die  grüne  Erde  ab,  und  bewegt 
sich  der  jetzige  Betrieb  ausschliesslich  in  einer  Basaltsenkung  nördlich 
von  Atschau  in  einer  Länge  von  450  Meter  von  Süd  nach  Nord,  und 
Breite  von  150  Meter,  wie  die  eingetragenen  Schächte  auf  dem  Situa- 
tionsplan zeigen.  Dass  aber  schon  vorher  ein  Abbau  an  den  Ausbissen 
in  der  Richtung  nach  Gösen  stattgefunden  hat,  beweisen  die  zahlreichen 
alten  Halden  in    dieser  Gegend,    über   die   meistens   wieder    der  Pflug 


[3] 


Das  Grüne  Farb-Erde-Vorkommen  bei  Atschau-Gösen  etc. 


173 


jj^eht,  da  das  verwitterte  Kalk-  und  Basalttuffgcstein  einen  fruchtbaren 
Boden  bildet. 

Wie  einerseits  bei  Kaaden  der  untere  Basalttuff  direct  auf  Granulit 
lagert,  findet  hier  bei  Atscliau  die  Auflagerung  desselben  auf  gebrannten 
und    zersetzten    Gneis    (rotben    Kaolin)    statt,    welcher    mit    dem  Ent- 
wässerungsstollen für  den  Grünerdebergbau,  dessen 
Mundloch  auf  dem  Plane  mit  I  bezeichnet  ist,  durch- 
quert und  mit  dem  Luftschachte  II  durchteuft  wurde 
(Profil  I).  An  dem  Kreuzungspunkte  der  Strassen  von 
Atschau   nach  Kaaden  und  Burberg  tritt  aus  dem 
rothen  Gneise  Basalt  fast  bis  zu  Tage  hervor.  Ersterer 
hat   noch   die   vollständige   Structur   des   Mutterge- 
steines   und   bildet    derselbe    aufgelöst    die    rothen 
Thone.    Offenbar    ist    dieses   Gestein    vom   Basalte 
verändert  und  vielleicht  in  sein  jetziges  Niveau  ge- 
hoben worden,  da  dasselbe  an  keinem  anderen  Punkte 
der  nächsten  Umgebung  zu  beobachten  ist. 

Die  hier  lagernden  rothen  Thone ,  wie  auch 
jene  weissen  am  Wehrlust  bei  Klösterle  sind  keine 
Zwischenlager  des  unteren  Basalttuffes,  wie  J  o  k  6 1  y 
bemerkt,  sondern  unterlagern  denselben  und  sind 
Zersetzungsproducte  des  Gneises ,  respective  Gra- 
nulites,  wie  der  allmälige  Uebergang  in  das  feste 
Gestein  beweist ,  das  an  so  vielen  Punkten  in  der  o' 
Umgebung  von  Kaaden  zu  beobachten  ist.  i^' 

Der  auf  den  Gneis  auflagernde  untere  Basalt-  ^. 
tuff,  welcher  in  den  Profilen  mit  2  bezeichnet  wurde,  9 
ist   an   der   Oberfläche   am  Gehänge   nördlich   von  2 
Atschau  gelblich-grau  verwittert  und  findet  man  in 
demselben   wie  überall   faserigen  Gyps  in  Bändern 
von  5 — 10  Millimeter  Dicke  eingeschlossen.  In  den 
Schächten  III  und  IV  wurden   diese  Schichten  mit 
Strecken  durchquert,  sie  treten  dort  als  ein  dichtes 
blaugraues  Gestein  mit  Einschlüssen  von  Glimmer- 
blättchen  auf,  das  keine  Schichtung  erkennen  lässt, 
aber  unregelmässig  zerklüftet  ist  und  an  der  Ober- 
fläche in  kurzer  Zeit  zu  Staub  zerfällt.  In  demselben, 
namentlich  in  den  hangenden  Theilen ,   finden  sich 
Kohlennester  bis  100  Millimeter  Stärke,  die  in  einem 
vor  mehreren  Jahren  aufgelassenen  Schachte  westlich  y^>^  ^ 

von  X  bis  200  Millimeter  stark  waren ,  und  deren 
Kohle  zum  Brennen  benutzt  werden  konnte.  An  der 
Strasse  von  Kaaden  nach  Rachel  sieht  man  ver- 
steinerte Baumstämme  in  nicht  geringer  Menge  ein- 
gelagert. 

Die  Mächtigkeit  des   unteren  Basalttuffes   be- 
trägt in  dem  grünen  Erde-Gebiete  40 — 50  Meter,  dürfte  aber  dort,  wo 
die  Ablagerung  nicht  unterbrochen  ist,  eine  nocb  bedeutendere  Mächtig- 
keit haben. 


B 


1 74  H.  Becker.  [4] 

Unmittelbar  auf  den  unteren  Basalttuff  lagert  ein  Süsswasserkalk, 
der  in  den  Scliäcliten  IX — XI  3 — 4  Meter,  im  Scliaclitc  XVI  bis 
10  Meter  niäclitig  aufgeselilossen  ist.  Am  oberen  Gehänge  nördlich  von 
Atschaii  treten  in  den  verwitterten  Schichten  braune  Bänke  hervor, 
welche  diesem  Kalke  angehören.  Die  unteren  Lagen  bestehen  aus 
dichten  festen,  bis  30  Ccntimeter  starken  Bänken  von  hornstein-  und 
sinterartigem  Aussehen ,  mit  ausgesprochener  Schichtung ,  welche  an 
Klüften  mit  stark  eisenschüssigen  Schalen  umgeben  sind,  so  dass  sie 
fast  das  Aussehen  von  Brauneisenstein  haben. 

Hin  und  wieder  besteht  der  Kalk  vorherrschend  aus  Conchylien, 
deren  Schalen  im  frischen  Bruch  und  im  Schliff  ersichtlich  sind.  Da 
der  dichte  Kalk  im  hohen  Grade  politurfähig  ist,  durch  den  Conchilien- 
einschluss  schön  gezeichnet  erscheint,  und  in  mannigfachen  Farben 
spielt,  wie  einige  Schliffe,  die  auf  meine  Veranlassung  gemacht  wurden, 
ergaben,  würde  sich  derselbe  trefflich  als  Marmor  zur  Anfertigung  kleiner 
Luxusgegenstände  eignen. 

Die  oberen  Schichten  des  Kalkes  sind  dünnschichtig  mergelig, 
mit  abwechselnd  thonigcn  weichen  Zwischenlagcn ,  welche  theilweise 
mit  grüner  Farbe  imprägnirt  sind  und  welche  die  Grünerde-Lage  bilden, 
die  in  den  Profilen  mit  4  bezeichnet  ist.  Auf  diesen  Schichten  lagert 
sodann  eine  1—3  Meter  mächtige  ausgelaugte  Basaltbank,  5  der  Profile, 
die  unter  dem  Namen  „Sand"  bekannt  ist.  Dieser  sogenannte  Sand  ist 
krystallinisch  körnig  und  braun,  bläulich  und  grünlich  gefärbt;  letztere 
Farbe  erscheint  namentlich  an  Verdrückungen ,  wo  der  dichte  Kalk 
an  den  „Sand"  herantritt,  wie  nachstehende  Skizze  (Profil  II)  zeigt;  es 
ist  daher  dieser  Sand  für  den  Bergmann  eine  unliebsame  Erscheinung. 

Profil  II. 


An  einzelnen  Punkten ,  z.  B.  zwischen  Schacht  IX  und  X  ,  fehlt 
der  Sand ,  an  solchen  Punkten  ist  auch  keine  grüne  Erde  vorbanden. 
Die  Kalk-  und  Sandlagen  sind  die  Bedingungen  für  die  grüne  Erde ; 
wo  die  eine  oder  die  andere  feidt,  ist  keine  grüne  Erde  vorliaiulen. 
Es  ist  unzweifelhaft,  dass  es  die  Auslaugnngsi)roductc  des  Basaltes 
sind,  welche  die  Färbung  der  auf  dem  Kalke  lagernden,  lockeren  und 
aufsaugungsfähigen  Schichte  hervorriefen. 

In  seltenen  Fällen,  z.  B.  in  den  Scbächten  XIV  und  XVI,  kamen 
Grüncrdeschalen  unmittelbar  unter  dem  oberen  Basalte  vor,  die  jedoch 
nicht  bauwürdig  sind.  Die  Mächtigkeit  der  grünen  Erde  wechselt  von 
5 — 50  Centimeter,  ist,  wo  festere  Sciiicliten  imi)rägnirt  wurden,  stein- 
artig, wo  weichere  gefärbt  wurden,  thonig  plastisch;  diese  letztere  ist 
unter  dem  Namen  „fette  Erde"  bekannt.  Jene  Kalkschichten  sind  im- 
prägnirt, welche  das  gefärbte  Wasser  mehr  oder  weniger  anzogen,  so 


[^] 


Das  Grüne  Farb-Erde -Vorkommen  bei  Atsclian-fiösen  etc. 


175 


(lass  zwischen  der  grünen  Erde  unveränderte  Mergellager  oder  zum 
Farbegel)raHch  zu  wenig  gefärbte  Zwisclienlagen  auftreten.  Die  oberen 
Lagen  sind  am  kräftigsten  gefärbt ;  dann  tritt  noch  circa  1  Meter  tiefer 
eine  Färbung  auf.  wie  sie  deutlich  in  Schacht  XI  aufgeschlossen  ist; 
diese  verschwindet  daselbst  aber  im  tieferen  Horizonte.  In  jenen  Fällen, 
wo  die  untere  Lage  intensiver  gefärbt  wird .  verschwindet  die  obere 
Farbe  bis  auf  Spuren,  sogenannte  Zeichen. 

Diese  Ablagerung  hat  die  Veranlassung  zur  Annahme  zweier 
selbständigen  Grünerdelager  gegeben,  die  aber  nicht  zulässig  ist.  da 
stets  der  Erzeuger  der  Farbe .  der  Sand .  auf  der  oberen  Erde  lagert, 
und  kein  Basalttutf.  noch  weniger  Sand,  zwischen  der  grünen  Erde 
auftritt,  wie  Jokely  angiebt. 

Es  wurde  auch  in  solchen  Fällen  ein  oberes  und  unteres  Grün- 
erdelager angenonmien.  wo  man  dieselben  in  zwei  verschiedenen,  durch 
Verschiebungen  und  Rntschungen  entstandenen  Horizonten  abbaute.  Ein 
s<»lcher  Fall  liegt  in  Schacht  VIII  und  IX  vor. 

Im  Allgemeinen  kann  man  als  bestimmt  annehmen,  dass  die  grüne 
Erde  in  den  tiefsten  Punkten  namentlich  in  den  Mulden  am  mächtigsten 
und  intensiv  blaugrün  gefärbt  Ist ,  wie  dieses  aus  den  Aufschlüssen  in 
den  Schächten  IV.  VIII.  XII  und  XV  deutlich  hervorgeht,  während 
nach  dem  Ausgehenden  die  Erde  gellilich-laubgrün  war,  in  Folge  dessen 
man  in  früheren  Jahren  laubgrüne  und  blaugrüne  Erde  schied  und 
separat  in  den  Handel  brachte.  An  solchen  Pimkten ,  wo  die  Kalk- 
sohichten  sehr  eisenschüssig  sind,  ist  die  grüne  Erde  mit  Braun  gemischt. 
Es  entsteht  so  die  sogenannte  rothe  Erde,  welche  wertblos  ist,  da  sie 
im  Handel  nicht  angenommen  wird.  Die  schönste  Farberde  tindet  sich 
in  der  Regel  an  jenen  Punkten,  wo  die  unteren  Kalkschichten  horu- 
steinartig  werden  und  geschlossene  Bänke  bilden,  während  der  Sand 
braun  gefärbt,  daher  ganz  ausgelaucht  ist. 

Wie  aus  den  Profilen  hervorgeht,  ist  die  Ablagerung  nach  allen 
Richtungen  wellenfürmig.  in  ununterbrochener  Reihenfolge  Sättel  und 
Mulden  bildend.  Es  kann  daher  von  einer  regelmässigen  Streichnugs- 
richtung  niemals  die  Rede  sein .  die  Neigungswinkel  wechseln  von 
10 — 50  Grad.  Diese  unregelmässige  Art  der  Ablagerung  ist  es  aber 
nicht  allein,  welche  die  Gewinnung  erschwert;  es  treten  hiezu  noch  die 
häufig  vorkommenden  Verwerfungen  und  Verdrückungen ;  zu  welcher 
Bedeutung  erstere  gelangen ,  ist  im  Profil  HI ,  zwischen  Schacht  VIII 
und  IX,  ersichtlich. 


Prciil  m.  F.  G. 


Eine  weitere  Betriebserschwerniss  bildet  der  nicht  unbedeutende 
Wasserzufluss.  Wohl  hat  die  Grünfarberde-Gesellschaft  zur  Entwä-sserung 
einen  Stollen  herangeholt,  mit  dem  man  bei  Schacht  IV  49  Meter  Saiger- 
tenfe  erzielte.  Durch  schlechte  Beaufsichtigung  bei  Auffahrung  desselben 
gingen  bis  zur  genannten  Schachtsohle  1 1  Meter  Saigerteufe  verloren 
und    setzt   die  Farberde  noch  unter  der  Stullensohle  fort.    Der  Stollen 


1 76  H.  Becker.  [6] 

nimmt  die  Wassei  Zuflüsse  von  den  Schächten  IV,  V  und  VIH  auf, 
während  XI,  XII,  XIV  und  XV  dasselbe  in  die  weiten  Basaltklüfte 
giessen,  wo  es  theilweise  einen  Abfluss  findet,  theils  aber  auch  im 
Kreislauf  zurückkehren  dürfte.  Durch  die  fortschreitende  Entwässerung 
des  unteren  Basalttuffcs  und  Kalkes  in  dem  Bergbaurayon  versiegten 
sämratliehe  Brunnen  in  Atschau,  welche  jetzt  nur  mehr  Bachsicker- 
wasser enthalten. 

Schacht  XVII,  welcher  bis  vor  einigen  Jahren  laubgrüne  Erde 
am  Ausbisse  baute,  erscheint  noch  dadurch  besonders  bemerkenswerth, 
dass  sich  daselbst  in  der  Grünerde  thierische  Reste  vorfanden.  Ich  habe 
dieselben  seinerzeit  an  die  geologische  Reichsanstalt  eingesendet,  wo 
sie  als  der  Gattung  Anthracotherium  angehörig  erkannt  wurden.  ^) 
Auflfalleud  ist  es,  dass  in  den  tieferen  Lagen  der  grünen  Erde  noch 
nie  ein  derartiger  Fund  gemacht  wurde  (Profil  IV). 

Profll  IV.  D.  E. 


Die  Gewinnung  der  grünen  Erde  geschieht  mittelst  Streekenbetrieb. 
Wo  eine  unverritzte  Ablagerung  vorhanden  ist ,  wird  auf  der  tiefsten 
erreichbaren  Sohle  eine  söhlige  Grundstrecke,  von  dieser  ansteigende 
Strecken  bis  zur  Feldesgrenze,  respective  bis  zum  höchsten  Sattelrückeu 
getrieben.  Von  hier  aus  werden  rückwärts  gehend  Abbaustrecken  mit 
Bergversatz  zu  beiden  Seiten  der  steigenden  Strecken  je  5  Meter  lang 
angesetzt  und  wird  auf  diese  Weise  bis  zur  Grundstrecke  zurück- 
gegangen; man  nennt  diese  Arbeit  das  „Auspressen"  der  Erde.  In 
sämmtlichen  Strecken  ist  eine  starke  Holzverzimmerung  nothwendig, 
weil  die  mürben  Kalkschichten  stark  blähen  und  einbrechen. 

Die  oben  beschriebenen  Schichten  3,  4  und  5  der  Profile  dehnen 
sich  gegen  Osten  bis  zur  Strasse  nach  Gösen,  gegen  Norden  bis  Gösen 
und  darüber  hinaus  aus.  Spuren  von  grüner  Erde  findet  man  nördlich 
vom  Burberge  bei  Pokatitz,  dann  westlich  von  demselben  in  dem  tief 
eingeschnittenen  Thale  bei  Meseritz  und  Prödlas,  ebenso  in  den  Wasser- 
rachel n  am  unteren  südlichen  Gehänge  des  Berges ,  so  dass  man  mit 
Bestimmtheit  annehmen  kann,  dass  diese  Schichtenreihen  unter  dem 
Burberg,  vielleicht  noch  in  grösserer  Ausdehnung  unter  dem  Liesener 
Basaltgebirge  hindurchsetzen.  Hiefür  spricht  das  mächtig  entwickelte 
Vorkommen  von  Süsswasserkalk  zwischen  Atschau  und  Prödlas,  wo 
allerdings  der  Sand,  sowie  die  grüne  Erde  fehlt. 

In  der  östlichen  Fortsetzung,  südlich  von  Atschau,  tritt  bei  Männels- 
dorf  die  Schichtenreihe  mit  grüner  Erde  in  voller  Entwicklung  wieder 
auf;  die  Farberde  soll  sich  hier  gelblich-grün  finden  ,  gegenwärtig  ist 
daselbst  kein  Bau  auf  grüne  Erde  offen. 

*)  F.  Teller,  Neue  Antliraootherienreste  etc.  (Beiträge  zur  Paläontologie  Oester- 
reich-Ungarns,  lierausgegeb.  von  Mojsisovics  und  Neumayr.  Wien  1886,  Bd.  IV, 
pag.  51.) 


[7] 


Das  Grüne  Farb-Erdo-Vorkoninien  hoi   Atscli.in-Gösen  etc. 


177 


Selir  sehöu  entwickelt  ist  der  Süsswasserkalk  bei  Klein-Scliönliof. 
und  beobachtet  man  ihn  noch  in  einer  Kacliel  nördlich  von  Wcineru 
u.  a.  0.,  aber  ohne  Spuren  von  Grlinerde. 

Nach  dieser  Abschweifung  kehre  ich  '/ur  Beschreibunc;  der  Profde 
zurück,  und  konnnen  zu  dem  Schichtcngliedc  0,  welches  von  dem 
Grünerdebcri;-mann  „Wildes  Zeug-"  oder  schlechtwcf^-  „Berji;e"  g-enamit 
wird.  Diese  Schichtabtheilung-  ist  g-elblich-grau  und  besteht  aus  einem 
Gemeng-e  von  erdigem  Basalttuff  und  thonig-kalkigem  Gestein ;  das 
Gesteinsmaterial  ist  meist  mürbe,  zeigt  selten  eine  reg-el massige  Schichtung 
und  zerfallt  an  der  Luft  ebenso  wie  der  untere  Basalttuff  zu  feinem  Staube ; 
die  Mächtigkeit  wechselt  zwischen  5 — 20  Meter.  In  diesen  Schichten 
konnnen  häufig  mit  Kalkspath  ausgefüllte  Röhren  von  2—5  Millimeter 
Durchmesser  vor,    welche    von    organischen  Resten    herrühren  dürften. 

Der  obere  Theil  dieser  Schichte  ist  ein  braunroth  gefärbter 
Basalttuff'  und  wird  von  dem  Bergmanne  „Röthe"  genannt;  sie  ist  circa 
1  Meter  mächtig.  Die  Röthe  liegt  unmittelbar  unter  dem  Basalte ;  da 
dieselbe,  obzwar  keine  besondere  Schichtenabtheilung,  den  Basalt  stets 
begleitet,  habe  ich  sie  in  den  Profilen  ausgeschieden  und  mit  7  bezeichnet. 

Das  oberste  Glied  der  hier  zu  behandelnden  Schichten  bildet  der 
Basalt  8  der  Profile,  von  dem  Bergmanne  „Fels"  genannt.  Er  füllt  die 
Mulden  aus  und  erhebt  sich  zu  steilen  Rücken,  die  in  ein  Haufwerk 
von  Blöcken  zerfallen,  während  er  in  den  Senkungen  mit  einer  starken 
Humusschicht  bedeckt  ist.  Das  Gestein  ist  zumeist  Augitbasalt,  in 
einzelnen  Partien  drusig  und  dann  mit  ausgeschiedenen  Kalkspath- 
mineralien  erfüllt.  Die  meisten  Schächte  stehen  vom  Tage  ab  im 
Basalte,  welcher  durchweg  in  mächtigen  Blöcken,  mit  offenen  Zwischen- 
räumen bis  zu  10  Centimeter  Weite,  aufgeschlossen  ist.  In  den  Schächten 
V  und  XV  wurden  1 — 2  Meter  starke  Lagen  von  festem  drusigen 
Basalttuffe,  den  sogenannten  „milden  Felsen",  durchteuft.  Die  Schächte 
stehen  von  13 — 42  Meter  im  Basalte,  und  scheint  die  Mächtigkeit  am 
Fasse  des  Burberges  zuzunehmen,  da  mit  Schacht  XIV  die  grcisste 
Mächtigkeit  von  42  Meter  durchteuft  wurde. 

Niemals  beobachtet  man  den  Basalt  im  Bereiche  des  Grünerde- 
bergbaues in  Säulen  ,  auch  nicht  am  Burberge ,  wie  J  o  k  e  1  y  angiebt. 
Wohl  treten  die  Säulenbasalte  bei  Kaaden  am  Heiligenberge  und  dem 
Spitzing  auf,  wie  überall  an  den  Rändern  des  Liesener  Basaltmassives, 
welche  die  Hebung  desselben  hervorgerufen  haben  dürften. 

An    das  Querprofil  V    habe   ich    einen   idealen  Durchschnitt    des 
Burberges   angeschlossen;   derselbe  erhebt   sich   etwa 
150  Meter  hoch  steil  über  das  umgebende  flache  Ge- 
hänge  und  zeigt  einen  Wechsel  von  schroffen  Lagen 
festen  Basaltes    und    sanfter    geböschten  Basalttuften. 


Diese  Weehsellagerung    ist   auf   allen   Seiten    des    isolirten  Berges    in 
gleicher  Weise  zu  beobachten,   und    giebt    zugleich    ein  Bild    von  der 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  l.  Heft.  (H.  Becker.)  23 


178  H.Becker.  [g] 

Zusammensetzung-  des  Liesener  Basaltg-cbirges,  von  welchem  der  Burberg 
nur  ein  abgerissenes  Stück  darstellt.  Die  oberste  Basaltlage  besteht  aus 
dicliteni  IMattenbasalt,  den  man  seiner  äusseren  Erscheinung  nach  als 
Phonolith  bezeichnen  möchte. 

Die  grüne  Erde  besteht  nach  einer  Analyse,  mitgetheilt  im  Jahr- 
buche der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  vom  Jahre  1858,  aus 
folgenden  Bestandtheilen : 

Kieselerde 4r0 

Thonerde 30 

Eisenoxydul 23-4 

Kalkerde 8-2 

Talkerde 23 

Kali 3-0 

Kohlensäure  und  Wasser 19'3 

Die  Farbe  wird  von  Eisenoxydulhydrat  gebildet.  Glüht  man  die 
Erde,  so  verliert  sie  die  Farbe  und  wird  braun,  und  dieses  neue  Product 
findet  insofern  Beachtung,  als  es  zur  Porzellanmalerei  verwendet  werden 
kann.  Schon  bei  50  Grad  Reaumur  wird  die  Erde  mattgrün,  zieht  aber 
wieder  lebhaft  Feuchtigkeit  an ,  wobei  sich  dann  die  frühere  Färbung 
wieder  einstellt. 

Mit  gelöschtem  Kalk  gemischt  tritt  eine  innige  Verbindung  ein, 
welche  einen  dauernden  Facade-Anstrich  giebt,  und  ist  dieses  auch 
wohl  die  einzige  und  Hauptverwendung  der  Farbe.  Zur  Herstellung  von 
Oelfarbe  ist  die  Erde  nicht  verwendbar,  höchstens  dass  man  in  früheren 
Jahren  die  theueren  grünen  Metallfarben  damit  versetzte. 

In  der  Grube  findet  schon  ein  sorgfältiges  Aushalten  der  Erde 
statt,  und  wird  dieselbe  über  Tage  in  kleine  Stückchen  geklopft,  wobei 
noch  schlechtere  Partien  ausgeschieden  werden.  Dieses  Product  kommt 
unter  dem  Namen  Stückerde  in  den  Handel,  mit  circa  15  Procent 
Feuchtegehalt.  Der  weit  grössere  Thei!  wird  als  „gemahlene  Erde" 
abgesetzt;  die  Stücke  werden  zu  diesem  Behufe  getrocknet,  gestampft 
und  gesiebt. 

Deutsche  Fabriken  verarbeiten  die  grüne  Erde  mit  Harzer  grünen 
Thonen,  welche  bedeutend  billiger  sind ,  zusannnen ,  wovon  dann  ein 
Tlieil  wieder  als  echtes  Kaadener  Grün  nach  Oesterreich  eingeführt  wird. 

Seit  Eröffnung  der  Buschtehrader  Eisenbahn  und  seit  man  in  den 
Achtziger -Jahren  mit  der  Verarbeitung  der  Erde  begonnen,  hat  der 
Handel  wesentlich  zugenommen.  So  wurden  in  den  Jahren 

1888  =  49  Waggon  Erde 

1889  =  35 

1890  =  55         „ 

in  Stücken  und  gemahlen  versandt. 

Die  Hau])tabsatzgel)iete  sind:  Prag,  Wien,  Budapest,  dann  Regens- 
burg, Nürnberg,  Mannheim,  Dresden,  Magdeburg  etc.  etc.  als  Stapel- 
und  Exportplätze. 

Der  Preis  der  Roherde  beträgt  loco  per  100  Kilo  6— 7  fl.  österr. 
Währung,  jener  der  gemahlenen  Erde  9 — 10  11. 


Ein  Beitrag  zur  Kenntniss  der  Fauna  der  Priesener 
Schichten  der  böhmischen  Kreideformation. 

Von  Dr.  J.  Jahn. 

Ueber  die  Ausbildung  der  Rückenlippe  bei  einem  Scaphiten. 

Mit  5  in  den  Text  gedruckten  Figuren. 

Im  heurigen  Winter  wurde  mir  vom  Herrn  Director  der  geologisch- 
paläontologischen  Samnilnngen  des  k.  k,  naturhistorischen  Hofmuseums 
Th,  Fuchs  eine  ziemlich  formenreiche  Suite  von  Kreidepetrefakten 
aus  Böhmen  zur  Bestimmung  übergehen.  Bei  der  Arbeit  ist  mir  unter 
den  zumeist  hübsch  erhaltenen  Fossilien  ein  durch  seinen  äusseren 
Habitus  bemerkenswerthes  Exemplar  von  Scaphites  Geinitzü  d'Orb.  var. 
hinodosus  Rom.  aufgefallen.  An  der  Riickenseite  der  Mundöflfnung  nahm 
ich  nämlich  einen  nach  vorn  und  unten  hakenförmig  umgebogenen  Aus- 
wuchs wahr  (Fig.  1  und  2),  der  einer  stark  verdickten  Lamelle  nicht  un- 
ähnlich ist  und  meine  Aufmerksamkeit  und  mein  Interesse  um  so  mehr 
fesselte,  als  ich  an  den  Exem])laren  des  Vergleichsmateriales  und  auch 
in  der  Literatur  Anzeichen  ähnlicher  Bildungen  begegnete.  Eine  ein- 
gehendere Trüfung  dieses  Scaphiten-Exemplares  schien  mir  aus  einigen 
Gründen  angezeigt  zu  sein,  auch  deshalb,  um  auf  diese  Eigenthümlich- 
keit,  welche,  wie  man  sich  beim  Studium  der  einschlägigen  Literatur 
zur  Genüge  überzeugen  kann  ,  nicht  allzu  selten  vorzukommen  pflegt, 
aufmerksam  zu  machen  und  die  Erklärung  ihres  Verhältnisses  zum 
übrigen  Gehäuse  wenigstens  zu  versuchen. 

Es  sei  mir  gestattet,  an  dieser  Stelle  meinem  hochverehrten  Lehrer 
Herrn  Prof.  Dr.  Wilh.  Waagen,  für  seine,  bei  dieser  Arbeit  mir 
gütigst  ertheilten  Rathschläge  den  verbindlichsten  Dank  aussprechen 
zu  dürfen. 

Das  erwähnte  Exemplar  ist  verhältnissmässig  gross,  schön  aus- 
gebildet und  wohl  erhalten.  Es  entstammt  den  Priesener  Schichten 

JahrLuch  der  k.  k.  geol.  ReicLsanstalt.  1891.  41.  Band.  1.  Heft.  (J.  Jahn.)  23  * 


180  Dr.  J.Jahn.  [2] 

(Plänevniergel)  und  wurde  in  einem  Spbärosidevitknollen  bei  Priesen 
unweit  Lauu  gefunden.  In  den  cretaeisclien  Gebilden  Böbniens  treten 
8  p  b  ä  r  0  s  i  d  e  r  i  t  k  n  0 1 1  e  n  nur  in  einer  der  obersten  Bänke  der 
Priesener  Baculi  tcntb  one  auf,  in  den  Scbicliten  der  tiefer  ge- 
legenen Stufen  sind  sie  nicbt  vorfindlicb.  Die  Structur  dieser  Concretionen 
ist  eine  concentriscb-scbabgc.  Für  die  Priesener  Scbicbtcn  ist  ibr 
Auftreten  von  unleugbarer  Bedeutung,  weil  sie  eine  verbältnissniiissig 
reicbe  Fauna  (besonders Exemplare  der  verscbicdenen  Cepbalopoden- 
Gattungen :  Ammonitcs,  Scapbites,  Hamites,  Helicoceras, 
Baculites  u.  a.  m.)  fübren  und  dieselben  oft  in  grossen  und  wobl- 
erbaltenen  Exemplaren  liefern.  Mit  den  böbmiseben  Kreidespbärosiderit- 
knollen  corrcspondiren  in  den  Formationen  anderer  Länder  Concretionen, 
an  deren  Bildung  sieb  ausser  dem  Ferrocarbonatc  auch  Kalk,  Quarz  etc. 
betbciligt. 

Bei  der  Untersuchung  des  vorliegenden  Scaphitengebäuses  trachtete 
ich  zunächst  zu  ermitteln ,  ob  der  erwähnte  Auswuchs  einheitlicher 
Natur,  oder   aber  vielleicht    aus  mehreren  Elementen   zusammengesetzt 

Fig.l. 

Fig.  2. 


Voi'derausicht  (Naturgrösse). 
Seitenansicht  vor  dem  Präpariren  (Vi). 

ist.  Ausserdem  war  mein  Bestreben  dahin  gerichtet,  denselben  in  das 
Innere  des  Gehäuses  zu  verfolgen.  Das  einzige  vorhandene  Exemplar 
und  das  Interesse,  welches  der  Auswuchs  an  und  für  sich  beansprucht, 
veranlassten  mich  natürlich ,  bei  Zerlegung  der  Schale  möglichst  be- 
hutsam vorzugehen. 

Vor  Inangriffnahme  dieser  Operation  habe  ich  es  für  nothwendig 
erachtet,  die  Dimensionen  des  noch  ziendich  unverletzten  Gehäuses  zu 
bestimmen  und  ermittelte  seine  Länge  mit  25  Millimeter ,  seine  Breite 
dagegen  mit  20"  8  Millimeter. 

Nach  vollzogener  Entfernung  eines  Theilcs  der  Wohnkammer 
(Fig.  3)  gelangte  ich  zu  der  Ueberzeiigung,  dass  die  Laraelle  tief  in  die 
Wohnkammer  hineinreiche.  Dem  letzteren  Umstände  allein  ist  es  zu 
verdanken,  dass  es  möglich  ist,  heute  schon  eine  —  meinem  Ermessen 
nach  —  den  bestehenden  Verhältnissen  entsprechende  richtige  Deutung 
des  gedachten  Auswuchses  zu  geben.  Untersucht  man  nun  weiter,  in 
welchem  Zusammenhange  sich  unsere  Lamelle  mit  dem  übrigen  Gehäuse 


[3] 


Ein  Beitrag  zur  Eenntniss  der  Fauna  der  Priesener  Schichten  etc. 


181 


befindet ,  so  gewahrt  man ,  dass  sie  rechts  und  links  aUniälig  in  das- 
selbe übergeht.  Daraus  ist  evident,  dass  der  hintere  Theil  dieser  Lamelle 
d  e  n  H  0  d  e  n  oder  Rücken  der  W  o  h  n  k  a  ni  m  e r ,  der  vordere,  ein- 
gerollte Theil,  die  Lippe,  welche  wir  nach  ihrer  Lage  die  Rücken- 
lippe nennen  wollen,  vorstellt.  Die  Stelle,  wo  die  Wohnkammer  endet, 
ist  an  der  Lippe  (Fig.  4)  als  deutliche  Linie  ersichtlich.  Das  Ende  der 
Wohnkanmier  kann  man  auch  am  Seitenrande  des  Bodens  bemerken 
(Fig.  3),  und  wenn  auch  ein  Theil  der  Wohnkanmier  bei  der  Mundung 


FiR.  3. 


Seitenansicht  nach  dem  Präpariren  (Vi)- 

abgebrochen  ist,  so  kann  man  doch  an  dem  Vergleichsmateriale  der- 
selben Form  leicht  nach  der  Anzahl  der  Rippen  und  Knoten  abmessen, 
wie  weit  sich  die  Wände  der  Wohnkammer  erstreckten  und  wo  die 
Lippe  anfängt. 

Die  Oberfläche  der  Rückenlippe  ist  mit  unter  der  Lupe  deutlich 
wahrnehmbaren  Zuwachsstreifen  dicht  bedeckt,  welche  nach  vorne  aus- 
gebogen sind  (Fig.  5).  Diese  Streifen,  jenen  vollkommen  gleich,  die  an 


Fig.  4. 


Die  Lippe  und  der  Boden  der  AVohu- 
kammer  von  oben  gesehen  (Vi). 


Fig.  5. 


Das  vordere  Ende  der  Rückenlippe 
von  vorne  gesehen  (Vi). 


der  Oberfläche  der  Scaphitenschale  bemerkbar  sind,  liefern  den  Reweis 
dafür,  dass  das  Wachsthum  des  Bodens  der  Wohnkammer  an  der 
Rückenseite  noch  angedauert  hat,  als  ihr  Ventraltheil  und  ihre  Sciten- 
theile  bereits  aufgehört  haben  zu  wachsen. 

In  dem  Masse ,  als  die  Rückenlippe  länger  wurde ,  hat  ^ie  sich 
eingerollt ,  doch  nicht  vollständig  (Fig.  2  und  5).  Ihr  hjffelförmig  er- 
weitertes Ende  schliesst  einen  Raum  ein,  den  jetzt  Sphärosidcritsubstanz 


182  Dl'-  J-  Jahn.  ^  [4] 

ausfüllt  (Fig.  1  und  2).  Diese  Riickenlippe  ist  jedoeli  weder  eine  terato- 
logisclie,  iioeh  patliologisclie  Erselieinung',  es  koiiuiit  iiir  aber  allerdings 
auf  der  Riickenseite  der  Mimdung-  dieselbe  morphologische  Be- 
deutung zu,  wie  den  Obren  auf  dem  Seiten-  und  Ventralrande  der 
jMündung  bei  den  Cepb  alo  pode  n  und  entspricht  auf  der  Schale  des 
reccnten  Nautilus  jenem  Theile  der  Schale  auf  der  Querachse,  wo  die 
bekannte  schwarze  Schichte  anfängt.  Der  IJodcn  der  Wolmkammer 
stösst  nicht  unmittelbar  an  die  älteren  Windungen,  sondern  er  steht 
von  ihnen  ab.  Der  Umstand  nun,  dass  die  diesen  Raum  ausfüllende 
Masse  (in  Eisenhydroxyd  umgewandelter  Pyrit,  vordem  aber  höchst 
Avahrscheinlich  aus  Weichtheilen  bestehend)  sich  nach  der  Wohnkammer 
zu  nur  allmälig  auskeilt,  beweist,  dass  die  Richtung  der  Wohnkammer 
eine  von  der  nächst  älteren  Windung  abweichende  gewesen  ist,  dass 
sich  jedoch  das  Gehäuse  allmälig  aufgewunden  hat. 

Unsere  Riickenlippc  ist  keineswegs  identisch  mit  den  Seitenohren 
anderer  Scaphiten  (z.  B.  der  Scapli.  aurüus  Hdd.J^  wohl  aber  weist 
sie  Merkmale  auf,  welche  an  jene  Auswüchse  erinnern,  die  Schlüter 
an  den  Mündungen  einiger  Gehäuse  der  cretacischen  Scaphiten  beob- 
achtet hatte  und  die ,  offenbar  nur  unvollständig  entwickelt ,  uns  die 
Form  kleiner,  nächst  der  Antisiphonalgegend  des  Gehäuses  gelegener, 
mit  der  Schale  innig  verwachsener,  daher  leicht  zu  übersehender  Lappen 
entgegen  treten. 

Der  Zweck  jener  Masse,  welche  den  zwischen  den  älteren  Kammern 
und  dem  Boden  der  Wohnkammer  befindlichen  Raum  ausfüllt,  liegt 
auf  der  Hand,  allein  es  hält  sehr  schwer,  eine  Erklärung  der  physio- 
logischen Bedeutung  der  hier  besprochenen  Rückenlippe  zu  finden.  Es 
ist  dies  im  Moment  deshalb  fast  unmöglich,  weil  das  untersuchte  Materiale 
ausserordentlich  wenig  Anhaltspunkte  liefert,  um  einer  so  wichtigen 
Frage  gerecht  werden  zu  können.  Es  möge  mir  jedoch  gestattet  sein, 
zwei  Ansichten  zu  entwickeln,  die  unter  den  obwaltenden  Verhältnissen 
als  die  besten  erscheinen,  ohne  Anspruch  auf  ihre  Richtigkeit  erheben 
zu  wollen. 

Die  eine  von  ihnen  erklärt  sich  dafür ,  dass  unsere  Rückenlippe 
lediglich  den  jedenfalls  sehr  dünnen  freien  Aussentheil  des  Scaphiten- 
gehäuscs  widerstandsfähiger  zu  machen  hatte.  Die  andere  Ansicht 
möchte  behaupten,  dass  die  Lippe  dem  Tliiere  beim  llerausgleiten  aus 
der  Schale  als  Rutschfläche  diente.  Wie  schon  erwähnt,  müssen  um- 
fassende Untersuchungen  darüber  entscheiden ,  ob  und  inwieferne  die 
obigen  Anschauungen  Geltung  haben  können. 

Wie  bereits  erwähnt,  habe  ich  sowohl  im  Vergleichsmateriale  als 
auch  in  der  einschlägigen  Literatur  einige  schwache  Anzeichen  dieser 
Bildung  gefunden.  Die  zahlreichen  Scaphiten,  die  ich  zu  diesem 
Behufe  in  den  liiesigen  Sammlungen  und  meinem  Materiale  aus  den 
P  r  i  e  s  c  n  e  r  Schichten  der  Umgegend  von  P  a  r  d  u  b  i  c  untersucht 
habe,  lieferten  mir  Einiges,  was  an  die  besprochene  Rückenlippe  erinnert. 
Auch  einige  Exemplare  von  den  übrigen  Scaphiten,  welche  von 
derselben  Localität  und  in  demselben  Erhaltungszustand  in  den  Sanmi- 
lungen  des  k.  k.  naturhistorischen  Uofmuseums  vorliegen,  wiesen  eine 
ähnliche  Bildung  auf.     Dasselbe  gilt  auch  von  den  von  meinem  hoch- 


r5l  Ein  Beitrag  zur  Kcnntniss  der  Fauna  dor  Priosoner  Schichten  etc.  \Sf\ 

verehrten  Lelircv  Prof.  Dr.  A.  FricS')  beseliriebcncn  und  al)«;'e1)il(leten 
zalilreidieu  Scapliiten  uns  der  böliniiselien  Kreidetbrniation,  an  denen 
jedoch  diese  Eii>enthiiinli('hkeit  keine  Beachtung  gefunden  hat. 

Beim  Studium  der  Literatur  war  ich  in  der  Lage  zu  constatiren, 
dass  bereits  Schlüter  in  seiner  Monographie-)  der  cretacischen  vVm- 
monitcn  eine  Reihe  westphälischer  Kreidescai)hi ten  bildlich 
darstellt,  deren  vier  auf  der  Riickenseite  der  Mündung  eine  unserer 
Rückenlippe  ähnliche  Bildung  aufweisen.  Es  sind  das  Sc.  Qeinüzii 
d'Orh.  von  Innen  thal  bei  Langen  holz  (Taf  XXIII,  Fig.  17),  bei 
welchem  jedoch  dieser  Auswuchs  nur  undeutlicli  in  Erscheinung  tritt, 
Scwpintes  sp.?  aus  der  Nähe  von  Essen  (Taf.  XX 111,  Fig.  2.'^).  ein 
grosser  Sc.  qnniger  Seid.  (Taf.  XXV,  Fig.  I }  aus  den  M  u  c  r  o  n  a  t  e  n- 
schichten  von  Darup  und  schliesslich  ein  Sc.  ornatus  A.  Rom.  von 
Hai  dem  (Taf.  XXVII,  Fig.  5).  Eine  Deutung  dieses  Fortsatzes  hat 
jedoch  Schlüter  nicht  versucht,  er  sagt  darüber  blos,  „dass  sich  die 
Sehale  am  Unterrande  der  Mündung  zungenformig  auf-  und  rück- 
wärts in  der  Richtung  zum  spiralen  T heile  hinausdehut" 
(pag.  83  \m  Texte).  Quenstedt  bemerkt  im  Texte  zu  seiner  Petre- 
faktenkunde  ^) ,  dass  er  an  einigen  Scaphiten  einen  vorspringenden 
Zahn  beobachtete,  w^elcher  bei  den  kleineren  Exemplaren  etwas  stärker 
markirt  erscheine,  als  bei  den  grossen.  Nebstdem  findet  sich  im  Atlas 
dieser  Petrefaktenkunde  (Taf.  XL V,  Fig.  20)  auch  der  von  Schlüter 
beschriebene  Sc.  sjnniger  mit  dem  ihn  charakterisireuden  zungenförmigen 
Fortsatze  abgebildet.  Eine  Erklärung  dieses  Vorsprunges  findet  sich 
jedoch  auch  bei  Quenstedt  nicht  vor.  Der  S c h  1  ü t e r'schen  Abbildung 
des  ScapMtes  spmiger  begegnen  wir  auch  in  Steinmann's  Paläonto- 
logie.^) Stein  mann  spricht  sich  bezüglich  des  Fortsatzes  folgender- 
massen  aus :  „Bei  genabelten  Argonauten  schalen  bildet  sich  dort, 
wo  die  Arme  austreten,  ein  Spiralausschnitt,  wie  er  in  gleicher  Weise, 
wenn  auch  weniger  tief,  am  Mundrande  von  ScapMtes  spiniger  beob- 
achtet wird.''  Auch  Zittel,  dem  diese  I^igenthündichkeit  der  Scaphiten- 
schalen  nicht  entging,  hat  es  niclit  unterlassen,  in  seinen  paläontologischen 
Wandtafeln  (Taf.  LXXVII,  Fig.  3a)  eine  Abbildung  dieses  Schlüter- 
schen  Exemplares  zu  geben.  Hieraus  ist  zu  ersehen,  dass  die  erwähnten 
Scaphiten  allerdings  im  Stande  gewesen  waren,  die  Aufmerksamkeit 
ihrer  Beobachter  in  Anspruch  zu  nehmen. 

Wenn  man  nun  die  angeführten  Formen  in  Vergleich  zieht  mit 
jener  des  vorliegenden-  Sc.  Oeinitzii  d^Orh.  var.  Mnodosus  Rom.  und 
dabei  das  Hauptgewicht  auf  den  Zusammenhang  legt,  welcher  zwischen 
den  Fortsätzen  der  Schi  üter'schen  Exemplare  und  dem  von  uns  als 
Rückenlippe  gedeuteten  besteht ,  so  fällt  uns  vor  Allem  anderen  auf, 
dass  die  Seh  1  üter'schen  Scaphiten  einen  nach  aufwärts  gebogenen 


')  Dr.  Ant.  Fric  und  Dr.  Urb.  Schlöubach,  Cephalopoden  der  böhmischen 
Kreideformation.  Prag  1872,  pag.  41-44,  Taf.  13-14. 

'^)  C.  Schlüter,  Amuioiiiteu  der  Kreideformat'on.  Paläontographica.  XXI, 
Taf.  23—28. 

')  Fr.  Äng.  Quenstedt,  Handbuch  der  Petrefaktenkunde.  Tübingen  1885, 
pag.  583,  Taf.  45,  Fig.  20. 

*)  Dr.  Gustav  Stein  mann  und  Dr.  Ludwig  Döderlein,  Elemente  der  Paläonto- 
logie. Leipzig  1890,  Fig.  546,  pag.  457. 


184  Dr.  J.  Jalin.  [ß] 

Fortsatz  aufweisen,  wobing-egen  die  hier  besprochene  Rückenlippe,  wie 
bereits  erwähnt,  nach  unten  gebogen  erscheint.  AVeitere  IJntersucbung-en 
der  von  Schlüter  beschriebenen  Scaphiten  und  jener,  an  welchen 
ähnliche  Vorspränge  beobachtet  wurden,  ohne  besprochen  worden  zu 
sein ,  werden  wohl  im  Stande  sein,  die  Frage  zu  entscheiden  ,  ob  die 
Auswüchse  in  dem  Sinne  gedeutet  werden  dürfen ,  wie  dies  hier  ver- 
sucht wurde. 

Da  sowohl  bei  den  europäischen,  als  auch  bei  den  amerikanischen 
cretacischen  Scaphiten  das  Auftreten  der  der  Rückenlippe  analogen 
Bildungen  eine  nicht  seltene  Erscheinung  zu  sein  scheint,  glaube  icb  daraus 
die  Schlussfolgerung  ziehen  zu  dürfen,  dass  wir  es  im  gegebenen  Falle  mit 
einem  Merkmale  zu  thun  haben,  dessen  Bedeutung  wohl  nicht  zu  unter- 
schätzen ist.  Es  muss  noch  die  Frage  offen  gelassen  werden ,  ob  dies 
darauf  hindeutet,  dass  jene  Scaphiten,  welche  die  Rückenlippe 
besitzen ,  einer  Sippe  angehören ,  in  welcher  wir  den  Uebergang  zu 
einer  noch  unbekannten  Gruppe  zu  erblicken  haben,  oder  aber,  ob 
wir  sie  nicht  vielleicht  blos   zu  abnormalen  Bildungen  zu  zählen  hätten. 


Guilfordia  Waageni  nov.  form. 

Mit  4  in  den  Text  gedruckten  Figuren. 

In  der  am  Anfange  erwähnten  Sammlung  böhmischer  Kreide- 
petrefakten  befinden  sich  auch  zwei  Exemplare  einer  G  a  s  t  r  o  p  o  d  e  n- 
form,  die  trotz  ihres  minder  günstigen  Erhaltungszustandes  schon 
darum  einer  Besprechung  würdig  sind ,  weil  sie  einer  Gattung  ange- 
hören, deren  Vertreter,  wie  bereits  hinreichend  erwiesen  ist,  sehr  selten 
vorkommen. 

Zekeli^)  hat  in  den  Gosaugebildcn  die  später  von  Stoliöka-) 
diesem  Genus  zugewiesene  DelpMnula  spinosa  beschrieben  und  bereits 
im  Jahre  1847  berichtet  Philippi  über  Gehäuse  der  recenten  Guil- 
fordia triumphans  aus  dem  japanesischen  Meere,  welche  er  als  Trochus 
trium'plians  bezeichnet  und  später  zu  Astralium  gezählt  hat.  In  den 
trefflichen  Arbeiten  von  Philippi  3),  H.  u,  Arth.  Adams*),  J.  C. 
Chenu^),  P.  Fischer«),  W.  Kobelt^),  K.  A.  Zittel^)   u.  A.  m. 


')  L.  F.  Zekeli,  Die  Gastropoden  der  Gosaugebilde  in  den  nordöstl.  Alpen. 
Abhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reiehsanstalt.  I.  Bd.,  2.  Abtblg.,  Nr.  2,  Wien  1852,  pag.  60, 
Taf.  XI,  Fig.  2  a— c. 

■■*)  F.  Stolicka,  Eine  Revision  der  Gastropodeu  der  Gosauschichteu  in  den 
Ostalpen.  Sitzungsber.  d.  k.  Akad.  d.  Wi.ss.  in  Wien.  Bd.  LH,  1865,  pag.  60,  155. 

")  R.  A.  Pb  il  ippi,  Handbucli  der  Concbyliologie  und  Malakozoologie.  Halle 
1853,  pag.  268. 

*)  H.  and  Artb.  Adams,  Tbc  genera  of  recent  mollusca.  London  1858,  pag.  399, 
PI.  44,  Fig.  5. 

■■)  .T.  C.  Chenu,  Manuel  de  Concbyliologie.  Paris  1859,  pag.  349.  Fig.  2568—2570. 

")  P.   Fiscbcr,  Manuel  de  Conchyliologie.  Paris  1887,  pag.  813 

')  W.  Kobelt,  Illustrirtes  Concb"ylienbucb.  Nürnberg  1878,  pag.  153,  Taf.  53, 
Fig.  8. 

**)  K.  A.  Zittel,  Handbuch  der  Paläontologie.  11.  Bd.,  pag.  191. 


[7]  Eiu  Beitrag  zur  Ktnntaiss  der  Fauna  der  Priesener  Schichten  etc.  Ig5 

finden  Nvir  tlieils  eiageliende  Bescliveibiing-en,  tlieils  Ervviilinungen  und 
Abbildunjicn  dieser  recenten,  selten  anzutreffenden  japanesisclien  Form, 
aber  keiner  anderen,  die  die  Reilie  der  G  n  i  1  f  o  r  d  i  e  n  vermehren  würde. 

Vorliegende  Exemplare  sind  insofern  von  Interesse  und  Wichtig- 
keit, als  es  bis  jetzt  nicht  gelungen  war,  in  den  böhmisch-sächsischen 
cretacischen  Sedimenten  Vertreter  dieses  Genus  nachzuweisen.  Sie 
wurden  in  den  Baculitenthonen  der  Priesener  Schichten  bei 
Priesen  unweit  Laun  gefunden  und  haben,  wie  die  meisten  Gastro- 
poden der  genannten  Gebilde ,  meistens  stark  verdrückte,  ihrer  Schale 
mehr  weniger  entkleidete  Gehäuse. 

Ungeaclitet  dessen  nehme  ich  die  Besprechung  dieser  Exemplare 
vor  und  erachte  mich  dazu  um  so  mehr  für  berechtigt,  als  die  an  ihnen 
beobachteten  Merkmale  dafür  sprechen,  dass  wir  es  mit  Vertretern  einer 
neuen  Form  zu  thun  haben. 


Fig.  7. 


Seitenansicht  (■",). 


Das  untere  Ende  der  Schlusswindung  (' ,). 


Das  Gehäuse  ist  kegelförmig  (Fig.  8),  6*9  Millimeter  hoch  und 
7*1  Millimeter  breit.  Sein  Gewinde  ist  zugespitzt,  von  sechs  Umgängen 
gebildet,  die  allmälig  anwachsen  und  von  schmalen,  rinnenförmigen 
Nähten  getrennt  sind  (Fig.  6).  Die  zwei  Embryonalwindungen  sind  klein, 
convex,  die  darauf  folgende  Mittelwindung  leicht  gewölbt.  Die  übrigen 
Mittelwindungen  erscheinen  fast  eben.  Die  unten  gekielte  Schlusswindnng 
hat  ihren  dachförmig  abfallenden  Theil  fast  eben,  den  Kiel  abgerundet 
und  den  unteren  Theil ,  welcher  in  die  Basis  übergeht ,  schmal  und 
leicht  gewölbt  (Fig.  7).  Den  Mittelwindungen  scheinen  die  Stachel, 
welche  die  Schlusswindung  zieren,  gefehlt  zu  haben.  An  dem  Kiele  der 
Schlusswindung  sitzen  lange,  drehrunde,  hohle,  scharf  zugespitzte  Stachel, 
deren  zwei  der  Mündung  zunächst  gelegene  gegen  diese  zu  bogenförmig 
gewendet  sind;  die  nächsten  zwei  stehen  auf  der  Peripherie  der  Windung 
senkrecht,  während  die  folgenden  zwei  eine  dem  zu  allererst  erwähnten 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  l.  Heft.  (J.  Jahn.)  24 


186  Or.  J.  Jalin.  [g] 

Stacbelpaare  entgegengesetzte  Biegung  erkennen  lassen.  Die  Schale 
hat  sich  nur  an  der  Basis  erhalten ,  den  Windungen  fehlt  sie  ganz. 
Ihre  Ol)erfläche  bedecken  25  gedrängt  stehende ,  erhabene ,  mit  dem 
Kiele  parallel  laufende  Streifen,  über  welche  nur  mit  der  Lupe  sicht- 
bare Zuwachsstreifen  setzen.  Dort,  wo  die  Zuwachsstreifen  die  Quer- 
streifen durchschneiden,  sind  letztere  ein  wenig  verdickt,  was  das  Ansehen 
gibt,  als  ob  die  Querstreifen  fein  granulirt  wären  (Fig.  9).  Die  Mündung 
ist  an  beiden  Exemplaren  abgebrochen. 


Fig.  8. 


Seitenansicht  des  Gewindes  (Vi). 

Ein  Schalenstück  i'7i). 

Guüfovdia  Waageni  unterscheidet  sich  von  den  l)isher  bekannten 
Formen  dieses  Genus  scharf.  Von  der  Glosau-Form,  Ouüfordia  spinosa 
Zeh.  sp.,  trennt  sie  zunächst  die  Totalgestalt  ihres  Gehäuses ,  sodann 
die  Ausbildung  und  Stellung  ihrer  Stachel,  ferner  die  Form  ihres  Ge- 
windes und  endlich  die  Beschaffenheit  ihrer  Basis.  Ebenso  leicht  ist  sie 
von  der  recenten  Form,  Ouüfordia  triumphans  Phil,  sp.,  zu  scheiden. 

Fundort:  Pri  esen  bei  Laun. 


Uiuck   Villi   üottliub   Giiit<!l  &  Comp     iu  Wi 


Tafel  I. 

Brach iopodeii  der  Trias  von  Italia-Maden  in  Kleinasien. 


Erklärung  der  Tafel  I. 

Fig.    1 — 4.  Ehynchonella  levantina  nov.  spec. 
Fig.    5.  „  anatolica  nov.  spec. 

Fig.    6 — 8.  Terehratiila  turcica  nov.  spec. 

Fig.    9 — 11.  Spin'(/era  Manzavinti  nov.  spec. 

Fig.  12.  Spififerina  cfr.  Emmricliii  Suess. 

Fig.  13.  Discina  spec. 

Alle  Figuren  mit  Aus.sehluss  vou  Fig.  13  und  der  unteren  Figur  von  12  in 
natürlicher  Grös.se  gezeichnet.  Sännntliche  Arten  stammen  aus  den  Kalken  des  Kyzyl- 
tepe  bei  BaliaMaden. 


A.   Bittner:   Triasbrachiopoden  aus  fTleinas'en 


Taf.  I. 


^  tt    4ft        ^ 


0 


Dttigr  \'  l<hJh.'.xp^.  :r  -V-.ör' 


Jahrbuch derk.k  Geolo^stiien Reiclisanslall M. XLI.  1891, 

Verlagv.yVIfred  Höldar  k  i-k  Hof  u  Umversi+äis  Buchhändler  m  Wien 


Tafel  II. 

Lamellibraiichiaten  der  Trias  von  Balia-Maden  in  Kleinasien. 


Erklärung  der  Tafel  II. 

Fig.     1.         Liiiia  (Plagiostomn)  mijska   )ioi\  spcc.    Rechte    Klappe      Das    Iiiiiteie    Ohr 

derselben    tritt     in    Wirklichkeit 
ein  wenig  stärker  hervor. 
Fig.    2.        Avicula  (?  Meleagrina)  Foulloni  nov.  apec.  Schlossrand    nicht    ganz    correct 

gezeichnet,     vergl.  Ziukotypie 
im  Text. 
Fig.    3.         Lima  fEadulaJ  Baliana  nov.  spec.  Rechte  Klappe. 
Fig.    4.         Corbia  Manzarinii  nov.  spec.  Rechte  Klappe. 

Fig.    5.        ?  Sdiizodus  spec.  indet.  (äff.  Eivaldi  Born.)    Nicht    ganz    gelungene    Figur, 

weshalb    eine   Zinkotypie   in 

den  Text    beigegeben  wurde. 

Fig.    6.         Mijophoriu  micrasiatica  nov.  spec.  Figur  nicht  enisprechend  und  durch  eine 

Zinkotypie  im  Texte  ersetzt. 
Fig.    7,    8.  Pecten  mysicus  nov.  spec.    Fig.  7  die   linke,    gewölbte  Kliip))e:    Fig.  8    die 

flache,  rechte  Klappe  von  innen. 
Fig.    9.         Ilinnites  scepsidicus  nov.  spec.  Wahrscheinlich  linke  Klappe 
Fig.  10.         Mi/sidia  (nov.  gen.)  orlentalis  nov.  spec.   Rechte  Klappe;  Fig.  10«  Schloss 

derselben  Klappe. 
Fig.  11,  12.  ModioJa  spec.  indet.  in  zwei  Exemplaren. 
Fig.  IH.        I'ecten  (Leptochondria  nov.  subgen.)  acolicus  nov.  sjicc. 
Fig.  14.         f*  Posidonvmi/n  pergamena  nov.  spec. 
Fig.  15,  1').  Cdssianella  angusta  nov.  sp.  in  zwei  Exemplaren. 
Fig.  17.         Gervillia  c/r.  angusta  Goldf. 
Fig.  18-        Pecten  spec.  indet.  Rechte  Klappe. 

Alle  Figuren  sind  in  natürlicher  Grösse  gehalten.  Säramtliche  Arten  mit  Aus- 
nahmen des  Pecten  aeolicus ,  Fig.  13,  aus  den  Kalken  des  Kyzyl-tepe,  dieser  Pecten 
selbst  ans  den  Thoneisensteinen  der  Halobicnschiefcr  von   Balia-Maden. 


A.  Bjtiner:  Trias-Petrefacten  aus  Kleinasien. 


Taf.  n 


Aowo'bodaijLh 


iJru'.;t'/  üuitUAu 


Jahrbuch  der  k  k  G  colo^i  sdien  Reichsanstalt  Bd .  XLI.  1891. 

Verlag  v.^lfred  Holder  k  ukHof  u  Unrversita+s  Buchhändler  in  Wien 


Tafel  III. 

Laiuellibraiichiateii  der  Trias  vou  Balia-Maaen  in  Kleinasieii. 


Erklärung  der  Tafel  III. 

Fig.  1.   Peri/aim'dia  fiiov.  <jcn.)  Eumenea  nov.  spec.  Rechte  Klappe ;  1  (c  Schloss  derselben. 
Fig.  2.  „  Eumenea  n.  sp.    Schlo.ss  der  linken  Klappe  (vergl.  auch  die  Zinko- 

typien  im  Tex(e). 
Fig.  3.  „  „  „        Linke    Klappe    eines   schmäleren   Exemplares;    ia 

Vorderansicht  derselben  Klai)pe,   um  das  Klaffen 

der  Schale  zu  zeigen. 
Fig.  4.  „  Attalea  >iov.  spec.    Rechte  Klappe  und  4«  Vorderansicht  derselben. 

Die  Figuren  1  und  3  sind  beträchtlich  verkleinert,  die  übrigen  in  natürlicher 
Grösse  gehalten. 

Feryamidia  Eumenea  stammt  aus  den  Schiefern  mit  Halobia  Netiinoi/ri ;  Perg. 
Attalea  aus    den  Kalken  mit  Spiriyefu  ManzavinU    des    Kyayl-tepe    bei  Balia-Maden. 


A.  Bittner:  Trias-Petrafacten  aus  Kleinasien. 


Taf.  UI. 


A.Swo1)odaij)i 


Jahrbuch  der  kk. Geologischen  Reidjsanstall  Bd.  XLI.  1891. 

Verlag  v.^|fr«d  Höld»r  k.u  k.Hof  u  Universita+s  Buchhändler  in  Wien 


Dnict  V  JoTvilatrcT.  in  Vviaii 


Inhalt. 


Heft  1. 

Seite 

Die  Tiefbobrung  bei  Batzdorf  nördlich  bei  Bielitz-Biala.  Von  D.  Stur  ...  l 
Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien  (Fünfte  Folge).  Von  Dr.  EmilTietze  .  .  11 
Chemische    Analyse    der    ^Friedrichsquelle"    von    Zeidelweid    bei    Sandau    in 

Böhmen.  Von  C.  v.  John 73 

Zur  geologischen  Beurtheilung  der  Trinkwässer  von  Wrschowitz  bei  Prag.  Von 

Dr.  Friedrich  K  atz  er 81 

Triaspetrefakten  von  Balia  in  Kleinasien.  Von  A.  B  i  1 1  n  e  r.  Mit  3  lithographirten 

Tafeln   (Taf.  I — III)  und  mehreren  Zinkotypien  im  Texte  ......      97 

lieber  die  Beziehungen  der  Barr  and  e'schen  Etagen  C,  D  und  E  zum  britischen 

Silur.  VonDr.  J.  Wentzel 117 

Das  Grüne  Farb-Erde- Vorkommen  bei  Atschau-Gösenim  Bezirk  Kaaden  in  Böhmen. 

Von  H.  Becker  (Mit  6  Zinkotypien) 171 

Ein    Beitrag  zur  Kenntniss    der  Fauna    der  Priesener   Schichten.    Von  Dr.  J. 

Jahn.  (Mit  9  Zinkotypien.) 179 


•^• 


NB.  Die  Autoren  allein  sind  für  den  Inhalt  und  die  Form 
ihrer  Aufsätze  verantwortlich. 


Druck  Ton  Cottlieb   Oiiil«.'!  &  Co 


Ansgegeheii  am  15.  April  1892. 


JAHRBUCH 


K  AISERLICH-KÖN  [GLICHEN 


GEOLOGISCHEN  REICHSANSTALT. 


JAHRGANG  1891.  XLI.  BAND. 

2.  iiud  3.  Heft. 

Mit  Tafel  IV  bis  IX. 


c>»--       -ccy 


fS)ö' 


WIEN.  1892. 
ALFRED   HOLDER, 

K.  U.   K.   HOF-  UND  UNIVERSITÄTS-BUCHHÄNDLER, 
Röthentlmrnistiasso  15. 


Im  October  1891   erscliien  und  wird  auf  Verlangen  gratis  und 
franco  versandt: 

Antiquarischer  Katalog  Nr.  13 : 

Mineralogie.  Geologie.  Palaeontologie. 

Zum  Tlieil  aus  der  BiMiotliek  des  t  Herrn  Professors 

3Dr.  IMIelcliior   3>Te'U.3:n.a37-r 

in  Wien. 

LEIPZIG,  Leplaystrasse  1.  MAX  WEG. 


1 


Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien. 

(Sechste  Folge.) 

Von  Dr.  E.  Tietze. 

U.  Zur  Literatur  über  Wieliczka. 

Als  Professor  N  i  c  d  z  w  i  c  d  z  k  i  seinen  vierten  Beitrag  zur  Kennt- 
niss  der  Salzlbrmation  von  Wieliczka  und  Bochnia  (Lemberg  1889) 
veröflfentliclit  und  dal)ei  andere  Autoren ,  insbesondere  aber  mich  in 
einer  tlieilvveise  b-idist  auttallenden  Sprache  ang-egritfen  hatte,  begnügte 
ich  mich,  diesen  Angritf  in  einem  relativ  kurzen  Referat  (Verhandl.  d. 
geol.  Reichsanstalt.  Wien  1889,  Seite  280)  zu  quittiren.  Ich  wünschte 
eine  höchst  unerquicklich  werdende  Discussion  nicht  zu  weiteren  Dimen- 
sionen anschwellen  zu  lassen. 

Bald  erschienen  aber  Nachträge  zu  jenem  vierten  Beitrage,  in 
welchen  der  Autor  seine  Ausdrucksweise  noch  weniger  als  vorher  zu 
massigen  vermochte.  Mein  Versuch,  den  Streit  abzubrechen,  war  nicht 
verstanden  worden  und  ich  fand  mich  veranlasst,  in  einem  längeren 
Artikel  (Verhandl.  d.  geol.  Reichsanstalt.  1890,  Seite  151  —  169)  die 
Ausführungen  Niedz  wiedz  ki's  etwas  eingehender  zu  prüfen.  Ich  habe 
das  ohne  Rücksicht  auf  das  provocirende  Verhallen  des  Lemberger 
Autors  von  sachlichen  Gesichtspunkten  aus  gcthan.  Es  han<lclte  sich 
mir  ja  vornehmlich,  Avie  ich  mich  ausdrückte,  darum,  „denen,  welche 
genöthigt  sind,  die  durch  Controversen  bereits  recht  verwickelte  Literatur 
über  Wieliczka  zu  studiren,  die  Orientirnng  zu  erleichtern".  Den  Glauben, 
Herrn  Niedz wiedzki  selbst  überzeugen  z u  können,  hatte  ich  damals 
bereits  verloren. 

Wohl  aber  glaubte  ich,  dass  die  trotz  aller  Bestimmtheit  stets  in 
den  Grenzen  der  Höflichkeit  bleibende,  nach  Thunlichkeit  sogar  ver- 
bindliche Form  meiner  Erwiderung  ^)  meinen  Gegner  wenigstens  bewegen 


*)  Auch  in  den  Bemerkungen ,  welche  ich  (.lahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt. 
1889,  pag.  393  etc.),  anlässlich  einer  Discussion  gewisser  Aussagen  Panl's  über 
Nied  z  wi  ed  zk  i'.s  Arheitnn  einflicssen  licss,  wird  n  au,  so  giaiibü  ich,  <las  Bestreben, 
eine  srhickliche  Form  der  Auseinandersetzung  mit  dem  Letzteren  zu  fiiid-in  ,  nicht 
vermissen. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  2.  Heft.  'Dr.  E.  Tietze.)  25 


188  Dr.  Emil  Tietze.  ^2] 

könnte,  seinen  eventuellen  zukünftigen  Erörtcnini;en  einen  weniger 
persönlielien  und  nielir  sachlichen  Zuschnitt  zu  geben.  Ich  dachte  mir, 
dass  Herr  Niedzwiedzki  seine  Aufwallung-  beschwichtigen  und  die 
liebenswürdigen  Umgangsformen,  die  ich  früher  im  persönlichen  Verkehr 
mit  ihm  kennen  gelernt  hatte,  bei  der  Fortsetzung  seiner  Thätigkeit 
auch  am  Schreibtisch  endlich  wieder  finden  werde.  Vor  Allem  aber 
hoti'te  ich ,  dass  er  bei  der  weiteren  Bekümpfung  fremder  Ansichten 
diesen  letzteren  wenigstens  durch  Vermeidung  jeder  Art  von  Entstellung 
gerecht  werden  würde.  In  diesem  Falle  wäre  es  ja  den  Lesern  unserer 
Schriften  schliesslich  möi^lich  gewesen,  zu  einer  selbstständigen  Auf- 
fassung der  besprochenen  Fragen  zu  gelangen  und  so  erklärte  ich  denn, 
dass,  „sofern  nicht  neue  Beobachtungen  eine  besondere  Stellungnahme 
zu  den  Wieliczka  betreflfenden  Fragen  erwünscht  machen"  sollten,  ich 
die  Absicht  hätte,  auf  die  weitere  Betheiligung  an  einem  vermuthlich 
recht  sterilen  Streite  zu  verzichten. 

Die  Verhältnisse  haben  sich  indessen  nicht  von  meinen  Wünschen 
beherrschen  lassen.  Ich  habe  einer  Aufforderung  des  Herrn  Professor 
v.  Szajnocha  entsprechen  zu  sollen  geglaubt  und  mit  demselben  das 
in  jenen  Controversen  viel  genannte  Mietniöw  besucht.  Ferner  sind  bei 
Wieliczka  einige  Bohrungen  ausgeführt  worden,  deren  wichtige  Resultate 
zu  meiner  Kenntniss  kamen.  Damit  lagen  nun  solche  neue  Beobachtungen 
vor,  welche  mich  veranlassen  mussten,  aus  der  beabsichtigten  Reserve 
herauszutreten.  Ich  habe  mich  der  Besprechung  dieser  Beobachtungen  in 
der  fünften  Folge  meiner  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien  (Jahrbuch 
d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891)  unterzogen  und  glaube  dies  ohne 
irgend  welche  Schärfe,  ja  fast  ohne  jeden  polemisclien  Beigeschmack 
gethan  zu  haben.  Man  konnte  also  noch  immer  hoffen,  dass  die  weitere 
Discussion  über  Wieliczka  sich  in  ruhigem  Geleise  bewegen  würde. 

Gleichzeitig  und  augenscheinlich  ganz  unbeeinflusst  von  dem  Er- 
scheinen meiner  letzterwähnten  Publication  hat  aber  auch  Professor 
Niedzwiedzki  sich  wieder  vernehmen  lassen,  und  zwar  in  einer  Weise, 
die  leider  meine  Voraussetzungen  völlig  getäuscht  hat.  Der  genannte  Autor 
hat  eine  fünfte  Folge  seiner  Beiträge  zur  Kenntniss  der  Salzformation  von 
Wieliczka  und  Bochnia  (Lemberg  1891)  publicirt,  welche  sich  nicht  allein 
durch  die  Kernigkeit  ihrer  Ausdrucksweise  recht  innig  und  organisch  an 
die  vierte  Folge  derselben  Beiträge  anschliesst,  sondern  welche  auch  durch 
so  eigenthümliche  Deformirungen  der  bisherigen  Ausführungen  über 
Wieliczka  sich  auszeichnet,  dass  ich  dazu  unmöglich   schweigen  kann. 

Würde  ich  dort  beispielsweise  blos  zu  lesen  bekommen  haben 
(vergl.  1.  c.  Seite  217,  218,  225),  dass  ich  ebenso  ungcnirt  wie  unlogisch 
bin,  dass  bei  meinen  Darstellungen  und  denen  meines  Collegen  Paul 
„die  Mängel  der  Begründung  durch  dreistes  Vorbringen  ersetzt"  werden, 
so  könnte  ich  solche  Bemerkungen  einfach  der  kleinen  Blumenlese  von 
Freundlichkeiten  beizählen,  die  ich  bereits  in  den  früher  erschienenen 
Theilen  der  Ni  edz  wiedzki'schen  Schrift  zu  sammeln  Gelegenheit 
hatte,  in  welchen  ja  der  Vorwurf  der  Dreistigkeit,  Leichtfertigkeit, 
Urtheilslosigkeit  und  der  beabsichtigten  Täuschung  schon  ausgiebig 
an  meine  Adresse  verschwendet  wurde.  Dergleichen  Anwürfe  kann 
man,  sofern  ihre  rein  literarische  Seite  in  Betracht  konnnt,  getrost  der 
Kritik  des  Publicums  überlassen.  Anders  verhält  es  sich  mit  dem  Ver- 


[31  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien.  A'^ij 

such  einer  nicht  ganz  correcten  Beeinflussung  des  öffentlichen  Urthcils 
über  die  tliatsächliche  Gestalt  meiner  früheren  Mittheiliingcn ,  wie  ihn 
der  genannte  Autor  bei  seiner  Polemik  unternimmt.  Da  erscheint  eine 
Richtigstellung  der  literarischen  Thatsachen  dringend  geboten ,  selbst 
auf  die  Gefahr  hin ,  dass  dies  vielleicht  nach  der  Meinung  meines 
Widersachers  (vergl.  1.  c.  Seite  204,  unten)  „nur  einen  neuen  Schatten" 
auf  mein  Vorgehen  wirft.  Ich  ziehe  diesen  Schatten  jedenfalls  der  Be- 
leuchtung vor,  in  welcher  sich  Professor  Niedzwicdzki  nach  den 
neuesten  Proben  seiner  Dialektik  darstellt. 

In  ganz  besonders  eigenthümlichem  Lichte  erscheint  diese  Dialektik 
dort,  wo  der  genannte  Autor  in  seiner  diesmaligen  Verlautbarung  die 
in  der  Nähe  Wieliczkas  ausgeführten  Bohrungen  bespricht.  An  diese 
Besprechung  soll  daher  meine  Abwehr  zuerst  anknüpfen. 

Bekanntlich  hat  Niedzwicdzki  selbst  (vergl.  dessen  Schrift 
über  Wieliczka,  Seite  149)  schon  vor  etlichen  Jahren  ausser  anderen 
Bohrungen  auch  eine  solche  im  Norden  der  Grube  von  Wieliczka,  und 
zwar  in  der  Nähe  des  Reformatenklosters  vorgeschlagen.  Diese  Bohrung, 
welche  mit  Nr.  III  bezeichnet  wurde ,  ist  (ohne  dass  ich  Gelegenheit 
gehabt  hätte,  bei  ihrer  Anlage  zu  interveniren)  später  unternommen 
und  bis  in  grosse  Tiefen  niedergebracht  worden.  Sie  hat  ergeben,  dass 
in  jener  Gegend  keinerlei  Salz  mehr  vorhanden  ist.  ^)  Heute  sagt 
Niedzwicdzki  aus,  dass  ich  meinerseits  von  jenem  Punkte  eine 
günstige  Meinung  gehegt  und  im  Gegensatz  zu  seinen  Ausführungen 
der  Hoffnung  auf  Erreichung  von  Salzlagern  daselbst  bestimmten  Aus- 
druck verliehen  habe.  Sieht  das  nicht  beinahe  so  aus,  als  sollte  ich 
für  den  Mangel  eines  praktischen  Erfolges  bei  einer  von  anderer  Seite 
befürworteten  Unternehmung  verantwortlich  gemacht  werden? 

Wie  verhält  es  sich  nun  mit  jenem  angeblichen  Gegensatz  der 
Ansichten  und  Vorhersagen? 

Ohne  Weiteres  darf  zunächst  anerkannt  werden,  was  ich  ja  ohne- 
hin niemals  bestritten  habe,  dass  Niedzwicdzki  die  Bohrung  beim 
Reformatenkloster  in  erster  Linie  aus  theoretischen  Bedürfnissen  vor- 
geschlagen hat,  ohne  in  seinen  Publicationen  irgendwelche  sichere 
Hoff'nungen  auf  reiche  Salzfunde  in  jener  Gegend  ausgesprochen  zu 
haben.  Er  vermuthete  im  Gegentheil  daselbst  (wenigstens  hinsichtlich 
der  Fortsetzung  des  oberen  Theiles  der  Salzformation)  ein  salzarmes 
oder  salzleeres  Gebirge  und  erwartete  von  dieser  Bohrung  nur  „eine 
definitive  Entscheidung  in  Betreff  der  nördlichen  Grenze  des  Salz- 
schichtensystems " . 

Doch  wurde  ursprünglich ,  wie  nicht  unerwähnt  bleiben  kann, 
ausser  diesem  Bohrloch  III  noch  eine  andere,  weiter  nördlich  gelegene 
Bohrung  projectirt,  die  doch  wohl  den  Zweck  hatte,  diese  definitive 
Entscheidung  kommenden  Falls  erst  jenseits  des  Bohrloches  III  zu 
suchen.  Jedenfalls  ist  es  denkbar ,  dass  die  Salinenverwaltung ,  wenn 
sie  das  heute  bekannte  Resultat  der  Untersuchung  beim  Reformaten- 
kloster mit  absoluter  Bestimmtheit  hätte  voraussehen  können,  sich  nicht 
in  die  Unkosten  dieser  Unternehmung  gestürzt  hätte. 


')  Näheres  darüber  findet  man  in  der  fünften  Folge  meiner  Beiträge  zur  Geologie 
von  Galizien  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891,  pag.  44  etc.). 

25* 


\[){)  Dr.  Emil  Tietze.  m 

Nun  spricht  aber  Niedz  wie  dzki  gegenwärtig- nicht  blos  davon, 
dass  jenes  Resultat  seine  Erwartungen  bestätigt  liabe,  er  benützt  diesen 
Anlass  vielmehr  zu  einem  Versuch,  meine  eigene  Darstellung  der  im 
Norden  der  Grube  zu  erwartenden  Verhältnisse  in  nicht  gerade  loyaler 
Weise  blosszustcllen.  Er  citirt  die  Seiten  251  und  256  meiner  Monographie 
der  Gegend  von  Krakau  und  greift  einzelne  Sätze  meiner  dortigen  Aus- 
führungen entgegen  dem  klaren  und  unzweideutigen  Sinne  der  letzteren 
aus  dem  Zusammenhange  heraus,  lässt  die  diesen  Sätzen  entgegen- 
gestellten Bemerkungen  einfach  weg  und  behauptet  sodann  auf  Grund 
der  also  präparirten  Belege  ,  ich  hätte  die  Bohrung-  beim  Reformaten- 
kloster  „direct  als  hoffnungsreich  in  Betreff  der  Erreichung  von  Salz- 
lagern" bezeichnet  und  damit  eine  der  seinigen  entgegenstehende  Auf- 
fassung ausgesprochen. 

Nun  bitte  ich  zuerst  Seite  250  meiner  oben  erwähnten  Arbeit 
aufzuschlagen.  Ich  citire  dort  wörtlich  die  früheren  Aeusserungen 
Ni  edz  wiedzki's  (vergl.  die  Seiten  148  und  112  von  dessen  Schrift), 
wonach  derselbe  im  Norden  von  Wieliczka  „eine  sehr  salzarme  und 
später  auch  ganz  salzleere  Fortsetzung  des  Salztrünmiergebirges"  vor- 
aussetzt. Ich  füge  hinzu:  „Eine  bessere  Bestätigung  meiner  Ansichten 
über  den  Facieswechsel  der  bei  Wieliczka  entwickelten  Bildungen  kann 
ich  mir  nicht  wünschen."  Anschliessend  daran  sage  ich  sodann  aut 
Seite  251:  „Ich  bin  also  mit  der  eben  erwähnten  Auffassung"  (Niedz- 
wiedzki's)  „völlig  einverstanden".  (Vergl.  übrigens  Seite  219 
meiner  Arbeit ,  wo  dieses  Einverständniss  ebenfalls  zum  Ausdruck 
kommt.)  Und  da  behauptet  der  Genannte  heute,  ich  hätte  eine  der  seinigen 
entgegengesetzte  Ansicht  „vertheidigt". ! ! 

Für  jeden  halbwegs  aufmerksamen  Leser  ist  ferner  klar,  dass  die 
hier  von  mir  zustimmend  besprochenen  Aeusserungen  Niedz  wiedzki's 
sich  nur  auf  das  Salztrümmergebirge,  das  ist  die  obere  Abtheilung  der 
Wieliczkaer  Salzformation  und  deren  im  Norden  der  Grube  zu  erwartende 
Aequivalente  beziehen.  Ueber  das  Liegende  des  Salztrümmergebirges, 
das  ist  über  die  untere  geschichtete  Salzformation  und  deren  eventuelle 
Fortsetzung  im  Norden  der  Grube  hat  der  genannte  Autor  überhaupt 
keine  auf  die  Bohrung  HI  bezügliche  Prognose  gegeben.  Er  kann  in 
dieser  Beziehung  also  weder  behaupten ,  dass  die  thatsächlichen  Er- 
gebnisse dieser  Bohrung  seiner  Voraussicht  entsprachen,  noch  kann  er 
behaupten,  dass  ich  mich  dabei  in  Gegensatz  zu  seinen  Ansichten  gesetzt 
habe,  insofern  diese  Ansichten  eben  für  jenen  speciellen  Fall  verborgen 
geblieben  sind. 

Ich  selbst  sprach  mich  allerdings  über  diesen  Punkt  aus  und 
schrieb  (auf  Seite  251  meiner  oben  citirten  Arbeit) :  „Wir  haben  ja  gar 
keine  Veranlassung  anzunehmen,  dass  es  Aecjui  vale  n  tc  des  älteren 
geschichteten  Salzgebirges  nordwärts  von  Wieliczka  nicht  mehr  giebt", 
und  diesen  Satz  greift  lieute  Niedz v/iedzki  für  seinen  merkwürdigen 
Anwurf  heraus.  Er  fügt  aber  nicht  hinzu,  dass  ich  unmittelbar  dahinter 
schreibe:  „Wir  können  uns  aber  sehr  gut  vorstellen,  dass  dieselben" 
(jene  Ae(|uivalente  nämlich)  „dort  doch  bald  oder  si)äter  gleichfalls 
aus  mehr  oder  weniger  salzarmen  Schichten  bestellen,  mögen  dies 
nun  Sande,  Thone  oder  Gypse  sein."  Man  darf  wohl  annehmen,  dass 
Niedz  wiedzki  alle  die  von  mir  hier  citirten  Sätze  gelesen  und  dass 


[5]  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien.  \()\ 

er  nicht  etwa  bei  flüchtiger  Durchsicht  meiner  Arbeit  blos  auf  jenem 
von  ihm  herausgei;riftcnen  Satz  sein  Auge  liat  ruhen  hissen.  Wie  soll 
man  nun  sein  Vorg-ehen  nach  Gebühr  qualiticiren  V  Aber  selbst  wenn 
er  thatsäehlich  die  vor  und  hinter  jenem  herausgegriffenen  Satze 
stehenden  Ausführungen  nicht  beachtet  hätte  ,  so  hiitte  er  doch  diesen 
Satz  noch  immer  nicht  für  seine  heutigen  Folgerungen  verwerthen 
können,  denn  Aequivalente  von  Salzlagern  sind  eben  nicht  die 
Salzlager  selbst.  Das  sollte  doch  Jemand  wissen,  der  mir  (vergl. 
Seite  23Ö  seiner  Schrift)  Lehren  über  den  Begriff  der  Facies  er- 
theilen  will. 

Auf  der  von  dem  Autor  gleichfalls  citirten  Seite  256  meiner  Arbeit 
spreche  ich  sodann  direct  von  den  im  Norden  Wieliczkas  vorgeschlagenen 
Bohrungen.  In  völliger  Uebereinstimmung  mit  dem  auf  den  Seiten  250 
und  251  derselben  Arbeit  Gesagten  schreibe  ich  dort  wörtlich:  „Nach 
Norden  zu  sind,  wie  wohl  bewiesen  wurde,  die  H  o  f  f  n  u  u  g  e  n  ziemlich 
geringe."  Ich  fahre  dann  einige  Zeilen  später  fort:  „Es  sind  in  nördlicher 
Richtung  zunächst  zwei  Bohiungen  projectirt,  von  welchen  selbstver- 
ständlich die  am  wenigsten  nordwärts  zu  veilegende,  in  der  Nähe  des 
Reformatenklosters  als  die  etwas  hoffnungsreichere  bezeichnet  werden 
kann."  Das  lieisst  doch  im  Zusammenhang  mit  dem  soeben  citirten 
und  an  die  Spitze  meiner  Aeusseruugen  über  jene  Bohr[)rojecte  gestellten 
Satze  betrachtet  nicht  mehr,  als  dass  von  zwei  Punkten  geringer  Hoffnung, 
der  eine  etwas  weniger  schlecht  erscheine  als  der  andere.  Das  ist  aber 
offenbar  der  Passus  ,  aus  welchem  N  i  e  d  z  w  i  e  d  z  k  i  die  Behauptung 
ableitet:  Tietze  „bezeichnete  auch  direct  die  in  Rede  stehende 
Bohrung  als  hoffnungsreich  in  Betreff  der  Erreichung  von  Salz- 
lagern". Man  muss  den  Muth  des  „dreisten  Vorbringens"  doch  wohl  in 
seltenem  Grade  besitzen ,  wenn  man  es  wagt ,  in  solcher  Weise  die 
Dinge  auf  den  Kopf  zu  stellen. 

Zwischen  den  beiden  zuletzt  citirten  Sätzen  meiner  Arbeit  stehen 
dann  einige  weitere  Bemerkungen,  die  zwar  das  Urtheil  der  unbe- 
dingten Aussichtslosigkeit  der  Bohrung  beim  Rcformatenkloster  nicht 
enthalten,  aus  denen  aber,  selbst  wenn  sie  aus  dem  Zusammenhange 
herausgerissen  werden ,  doch  Niemand  umgekehrt  folgern  kann,  dass 
sie  im  Widerspruch  zu  der  von  mir  vorangestellten  Ansicht  stünden, 
wonach  die  Hoffnungen  auf  Salz  im  Norden  der  Grube  „ziemlich 
geringe"  seien. 

Ich  sagte  nämlich,  es  sei  ein  urplötzliches  Verschwindendes 
Salzes  nach  dieser  Richtung  „nicht  gerade  unbedingt"  anzu- 
nehmen, aber  es  „dürften  Verunreinigungen  des  Salzes  dort  eine  immer 
grössere  Rolle  spielen,  je  weiter  man  sich  nordwärts  mit  seinen  Arbeiten 
setzt"  und  dem  Bergbau  sei  mit  einem  derartigen  Gebirge  nicht  gedient. 
Heisst  das  vielleicht  „directe  Hoffnungen"  erwecken?  „Am  ehesten 
mag,"  so  fuhr  ich  fort,  „bei  der  anscheinend  grösseren  Constanz  der 
unteren  Salzablagerung  die  Hoffnung  auf  die  Erreichung  von  Szybiker 
Salzen  in  der  Tiefe  daselbst  berechtigt  sein."  Das  bedeutet  doch  auch 
nicht  mehr,  als  dass  ähnlich  wie  in  dem  früher  citirten  Vergleich 
zwischen  den  zwei  projectirten  Bohrlöchern  die  Aussichten  in  dem  einen 
Falle  mir  etwas  weniger  ungünstig  schienen  als  in  dem  anderen,  dass 
also  (aus  Gründen,    die    ich  Seite  251,  Zeile  27  anführe)    immer  noch 


192  Dr.  Erail  Tietze.  [6] 

mehr  Hoflfuung  vorhanden  schien  ,  allenfalls  das  tiefere  Salzgebirge  anzu- 
treffen, als  die  Salze  des  oberen ,  aber  das  bedeutet  doch  nicht,  dass 
ich  Aussichten  auf  lohnenden  Abbau  an  dieser  Stelle  eröffnete,  nament- 
lich da  ich  ja  unmittelbar  vorher  betone,  dass  eventuell  in  dieser  Gegend 
gefundenes  Salz  für  die  Zwecke  des  Bergbaues  nicht  mehr  rein  genug 
sein  dürfte. 

Wenn  Jemand  schreibt ,  es  seien  für  den  Erfolg  einer  geplanten 
Nordpolexpedition  die  Hoffnungen  „ziemlich  geringe" ,  das  Fahrwasser 
werde  wahrscheinlich  nicht  offen  sein,  „am  ehesten"  sei  es  indessen  noch 
denkbar,  diese  oder  jene  Stelle  des  Polarmeeres  relativ  eisfrei  anzu- 
treffen, so  wird  doch  kein  vernünftiger  Mensch  behaupten,  der  Betreffende 
habe  der  Expedition  einen  günstigen  Verlauf  prognosticirt  oder  gar  zu 
der  Hoffnung  ermuthigt,  es  werde  in  der  Umgebung  der  bezeichneten 
Stellen  ein  ewiger  Frühling  herrschen,  lieber  den  Sinn  solcher  Rede- 
wendungen sollte  man  doch  wenigstens  mit  Personen  von  grammatika- 
lischer Schulung  nicht  länger  zu  discutiren  genöthigt  sein. 

Schliesslich  habe  ich  hier  nichts  weiter  gethan,  als  für  die  von 
Niedzwiedzki  vorgeschlagene  Bohrung  die  äusserstenfalls  noch  zu- 
lässige Möglichkeit  eines  Erfolges  abgewogen.  Das  hätte  unter  Um- 
ständen sogar  als  Freundschaftsdienst  aufgefasst  werden  können,  denn 
wenn  man  nach  dem  damaligen  Stande  unseres  Wissens  berechtigt 
gewesen  wäre,  eine  Fortsetzung  selbst  der  untersten  Salze  bis  in  jene 
Gegend  hin  für  gänzlich  unmöglich  zu  erklären,  dann  würde  sich  viel- 
leicht Niemand  gefunden  haben,  der  dem  Wunsche  des  Herrn  Professors, 
dort  eine  „definitive  Entscheidung"  zu  suchen,  entgegengekommen  wäre. 

Heute,  nachdem  das  gänzlich  negative  Bohrresultat  vorliegt,  kann 
man  allerdings  sagen,  dass  selbst  der  meinerseits  gebrauchte  Ausdruck 
„ziemlich  geringe  Hoffnungen"  für  den  betreffenden  Punkt  noch  zu  weit- 
gehend war  und  ich  habe  deshalb  erst  kürzlich  (vergl.  Jahrb.  d.  k.  k. 
geol.  Reichsanstalt.  1891,  Seite  45)  ohne  Weiteres  zugestanden,  dass 
mich  ein  „so  rasches,  absolutes  Verschwinden  des  Salzes"  überrascht 
hat,  aber  zwischen  der  von  mir  zugelassenen  Voraussetzung  einer  etwas 
langsameren  Vertaubung  des  Salzgebirges  und  der  mir  insinuirten  An- 
nahme einer  hoffnungsreichen  Fortsetzung  der  Salzlager  besteht  doch 
ein  himmelweiter  Unterschied. 

Ich  w^ar  im  Gegentheil  sogar  völlig  berechtigt  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol. 
Reichsanstak.  1891,  Seite  44)  in  dem  bewussten  Bohrergebniss  bezüglich 
der  wesentlichen  Punkte  eine  Bestätigung  meiner  früheren  Aeusse- 
rungen  zu  erblicken.  Zum  mindesten  hat  Niedzwiedzki  keine  Ver- 
anlassung, ein  ähnliches  Recht  für  sich  in  höherem  Grade  zu  beanspruchen, 
da  er,  ich  wiederhole  das,  hinsichtlich  der  eventuellen  Fortsetzung  des 
unteren  Salzgebirges  nach  Norden  zu  keine  bestimmte  Prognose  aus- 
gesprochen und  da  er  zweitens  hinsichtlich  der  Fortsetzung  des  oberen 
Salzgebirges  nach  derselben  Richtung  zu  nicht  mit  Sicherheit  von  einem 
salz  leeren  Gebirge,  sondern  auch  von  der  Möglichkeit  eines  salz- 
armen Gebirges  geredet  hat,  was  sich  von  meinen  Voraussetzungen 
für  diesen  Fall  nicht  unterscheidet. 

Jenes  Bohrergebniss  scheint  aber  Herrn  Niedzwiedzki  noch 
nach  einer  anderen  Seite  hin  wichtig  zu  sein,  nämlich  zur  Entscheidung 


1 


["7]  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien.  193 

der  Streitfragen,  welche  sich  au  den  bekannten  Wassereinhnich  im 
Kloski-Schlage  knüpften.  Meine  und  Herrn  Paul's  Ausfiihrunf2:eu  über 
diesen  Gegenstand  werden  bei  dieser  Gelegenheit  sehr  abfällig  be- 
urtheilt.  Der  Autor  meint,  dass  dieselben  nunmehr  „hoffentlicli  das 
Schlussstück  von  dem  Rattenkönig  von  Irrthümern"  bilden  werden,  der 
bezüglich  jener  Fragen  entstanden  sei.  Niedzwiedzki  schlägt  in- 
dessen seine  eigene  Mitwirkung  bei  der  Herstellung  dieses  Gebildes 
etwas  zu  gering  an. 

Auf  Seite  195  meiner  Krakauer  Arbeit  gedenke  ich  bei  einer 
einleitenden  Besprechung  der  Verhältnisse  von  Wieliczka  gewisser  über 
diese  Verhältnisse  bestehender  Meinungsditferenzen  etlicher  Autoren. 
Dabei  sage  ich,  dass  Niedzwiedzki  den  bewussten  Wassereinbruch 
das  einem  al  aus  dem  Hangenden,  das  andere  Mal  aus  der  ver- 
änderten Fortsetzung  des  Salzgebirges  abgeleitet  habe,  was  ich  dann 
auf  den  Seiten  249  und  250  derselben  Arbeit  näher  begründe. 

Dagegen  schreibt  jetzt  Niedzwiedzki  (Seite  221  seiner  Schrift), 
er  habe  die  erste re  Behauptung  oder  eine  ihr  gleichkommende 
nirgends  gemacht;  dieselbe  widerspreche  auch  direct  seinen 
bezüglichen  Aeusserungen.  Aber  auch  das  zweite  Glied  des  vermeint- 
lichen Widerspruchs  beziehe  sich  nur  auf  eine  seinerseits  „blos  neben- 
her zugelassene  Möglichkeit". 

Was  jene  erstere  Behauptung  anlangt,  so  meint  Nied- 
zwiedzki weiter,  ich  hätte  eine  seiner  Meinungsäusserungen  für  meinen 
Zweck  „ummodellirt  und  ergänzt",  also  ein  wenig  gefälscht.  Gegen- 
über einer  derart  zwanglosen  Anwendung  der  Regel :  Si  fecisti,  nega, 
bin  ich  genöthigt,  jene  Aeusserung  hier  nochmals  zu  citiren.  Der  Autor 
schrieb  (1.  c.  Seite  145  unten),  „dass  das  Wasser  in  den  Querschlag  Kloski 
durch  Oeffnung  einer  ursprünglich  sehr  engen  Spalte  gelangte,  welche 
zu  einer  oberhalb  und  nördlich  vorliegenden  wasserführenden ,  sandig- 
thonigen  Lage  eines  an  das  salzführende  von  Norden  her  seitlich  an- 
stossenden  Schichtensystems  reichte".  —  „Die  Voraussetzung  der  An- 
wesenheit einer  sandig- thonigen  wasserführenden  Lage  innerhalb  des 
Schichtensystemes ,  welches  unter  den  Bogucicer  Sauden  folgt,  dürfte 
wohl  um  so  weniger  einem  Widerspruch  begegnen,  als  nach  der  früheren 
Darlegung  östlich  von  Wieliczka  bei  Przebieczany  als  Liegendes  der 
Bogucicer  Sande  thatsächlich  eine  Schichtenfolge  von  abwechselnden 
Thonen  und  thonigen  Sanden  zum  Vorschein  kommt.  Es  wird  vielleicht 
auch  nicht  überflüssig  sein ,  daran  zu  erinnern ,  dass  die  westlich 
angrenzenden ,  stratig  raphisch  ziemlich  entsprechenden 
Schichten,  nämlich  die  Swoszowicer  Mergel,  nach  den  Er- 
fahrungen des  Swoszowicer  Bergbaues  stark  wasserführend  sind." 

Damit  vergleiche  man,  was  ich  aus  Niedzwiedzki's  Darlegung 
auf  Seite  249  meiner  Arbeit  citirt  und  im  Anschlüsse  daran  gesagt  habe. 
Ich  machte  dort  darauf  aufmerksam,  dass  der  Autor  die  Schichten,  aus 
denen  der  Wassereinbruch  erfolgte,  mit  den  Swoszowicer  Mergeln  ver- 
glich ,  also  mit  Schichten ,  deren  stratigraphisches  Niveau  nach  der 
wiederholt  ausgesprochenen  Meinung  desselben  Autors  unter  den  Bogu- 
cicer Sanden  und  über  dem  Grünsalzgebirge  gesucht  werden  muss, 
das  heisst,  dass  jener  Wassereinbruch  nach  Niedzwiedzki's  an 
dieser  Stelle  seiner  Arbeit  ausgesprochenen  Ansicht  aus  dem  Hangen- 


194  Dr.  Emil  Tietze.  [8] 

den  des  oberen  Salzgebirg-es  abgeleitet  werden  müsse.  Auch  diesmal 
(vergl,  Seite  22S  seiner  Schrift)  vertritt  ja  Niedzwiedzki  noch  immer 
die  (von  mir  allerdings  nicht  getheilte)  Auffassung,  dass  die  Swoszowicer 
Mergel  im  Wesentlichen  jünger  als  das  Grünsalzgebirge  seien  und  da 
muss  es  doch  erlaubt  sein,  die  entsprechende  Folgerung  daraus  abzu- 
leiten .  gleichviel  ob  der  Autor  sich  der  zwingenden  Nothwendigkeit 
einer  solchen  Folgerung  selbst  bewusst  ist  oder  nicht. 

Wie  kann  Niedzwiedzki  nun  behaupten,  er  habe  „nirgends" 
ausgesagt,  dass  der  bewusste  Wassereinbruch  aus  dem  Hangenden  des 
Salzgebirges  gekommen  sei,  ja  er  habe  nicht  einmal  eine  dem  „gleich- 
kommende" Acussernng  gcthan? 

Er  geht  aber  noch  weiter.  Er  sagt  (vergl.  seine  neueste  Schrift, 
Seite  221  unten  und  222  oben),  man  könne  hier  meine  Berufung  auf  seine 
eigensten  Worte  nicht  einmal  als  ein  durch  Unachtsamkeit  entstandenes 
Missverständniss  betrachten.  Wenn  ich  nämlich  seine  Arbeit  weiter  gelesen 
und  dabei  an  anderer  Stelle  die  Erklärung  angetroffen  habe,  dass  er  „die 
dem  Salzgebirge  beim  Kloski-Querschlage  von  Norden  her  seitlich  vor- 
liegende Schichtenfolge  als  Fortsetzung  des  oberen  Salzgebirges  be- 
trachte", dann  hätte  ich  „geziemender  Weise"  folgern  sollen,  dass  ich 
ihn  missverstanden,  statt  ihn  eines  Widersj)ruchs  zu  zeihen.  Das  ist 
freilich  viel  verlangt.  Es  findet  Jemand  dieselben  Schichten  einmal  für 
jünger  als  das  obere  Salzgehirge,  das  anderemal  als  dessen  Fortsetzung 
oder  directes  Aequivalent,  das  ist  für  gleich  alterig  mit  diesem 
Salzgebirge  erklärt,  es  ziemt  sich  aber  nicht,  darin  einen  Widers})ruch 
zu  entdecken!  Ich  hätte  vielmehr,  wie  Niedzwiedzki  etwas  naiv 
hinzufügt,  meine  Auffassung  über  seine  Ansichten  nach  der  Entdeckung 
des  zweiten  Ausspruches  corrigircn  sollen.  Ja ,  wenn  ich  nur  schon 
damals  gewusst  hätte,  zu  Gunsten    welcher  von  diesen  Ansichten ! 

Damit  sind  wir  eigentlich  schon  bei  dem  „zweiten  Glied" 
meiner  von  Niedzwiedzki  incriminirten  Aeusserung  angelangt  und 
müssen  diese  Aeusserung,  so  wie  ich  sie  niedergeschrieben,  als  völlig 
berechtigt  anerkennen.  Die  Sache  wird  aber  durch  die  neuerlichen 
Bemerkungen  des  genannten  Autors  noch  viel  verwickelter. 

Während  derselbe  nämlich  in  den  ganz  zuletzt  erwähnten  Sätzen 
(Seite  222  oben)  den  Ausspruch  in  den  Vordergrund  stellt,  die  wasser- 
führenden Schichten  beim  Kloskischlage  seien  eine  „Fortsetzung  des 
oberen  Salzgebirges"  gewesen  (weil  er  ja  sagt,  ich  hätte  meine  An- 
schauung über  seine  Ansichten  nach  diesem  Ausspruch  corrigiren 
sollen),  schreibt  er  kurz  vorher  (Seite  221,  Zeile  17 — 18),  dieses  zweite 
Glied  des  ihm  vorgeworfenen  Widerspruches  beziehe  sich  auf  eine 
seinerseits  „blos  nebenher  zugelassene  Möglichkeit".  Da  stehen  wir  also 
vor  einem  neuen  Räthsel. 

Dasselbe  klärt  sich  aber ,  wenn  dieser  euphemistische  Ausdruck 
gestattet  ist,  bald  darauf  (Zeile  24— 27)  durch  eine  neue  Wendung 
in  überraschender  Weise  auf.  Niedzwiedzki  schreibt,  er  habe  ja 
(Seite  145  seiner  Schrift)  ganz  ausdrücklich  gesagt,  dass  jenes  fragliche 
wasserführende  Schichtensystem  an  das  Salzgebirge  „seitlich"  anstossc, 
ohne  dass  er  sich  sonst  über  die  Position  der  wasserführenden  Lage 
und    ohne    dass    er   sich    „an    dieser  Stelle    über    das  stratigraphische 


rp]  Beiträge  zur  Geologie  von  G<alizien.  j95 

Verliältniss  des  die  wasserführende  Lag"e  ciiisclilicsseuden  Scliichteu- 
systeras"  ausgesprochen  habe.  Da  haben  wir  also  die  dritte  Lesart 
über  jenes  Schichtensysteni.  Das  eineraal ')  erscheint  dasselbe  als  ein 
Aequivalent  der  Swoszowieer  Mergel,  die  junger  als  das  Salzgebirge 
sein  sollen,  das  zweite  Mal  (Seite  148,  sowie  auch  Seite  112)  als  eine 
Fortsetzung  des  oberen  Salzgebirges  selbst  und  das  dritte  Mal  als  ein 
besonderes,  undefinirbares  Schichtensystem,  über  dessen  stratigraphische 
Stellung  man  sich  nicht  ausgesprochen  hat  und  von  dem  man  nur  sagen 
kann,  dass  es  eine  „seitliche"  Lage  besitzt! 

N  i  e  d  z  w  i  e  d  z  k  i  findet  an  einer  anderen  Stelle  seiner  diesmaligen 
Ausfuhrungen  (Seite  217,  Zeile  (3),  dass  meine,  wie  er  es  nennt,  gewalt- 
same Discreditirung  seiner  Darstellung  über  Wieliczka  „jeder  Logik 
bar"  erscheint.  Sollte  er  nicht  diesen  Mangel  an  logischer  Schärfe  auch 
bei  einem  weiteren  Kreise  seiner  Leser  voraussetzen?  Muss  man  nicht 
in  der  That  glauben,  für  ein  sehr  minder werthiges  Publicum  zu  schreiben, 
wenn  man  demselben  zumuthet,  drei  verschieilene  Aussagen  über  einen 
Gegenstand  für  identisch  oder  doch  für  vereinbar  zu  halten?  Und  da 
erzählt  man  noch  Geschichten  von  „Rattenkönigen" ! 

Der  genannte  Autor  spricht  aber  heute  nicht  allein  von  dem 
Bohrloche  beim  Reformatenkloster,  dessen  Ergebnisse  ihn,  wie  wir  sahen, 
zu  so  originellen  Darlegungen  veranlassten,  er  kommt  auch  noch  einmal 
auf  das  erste  der  bei  Wieliczka  gestossenen  Bohrlöcher,  auf  die  Bohrung 
von  Kossocice,  zurück  und  benützt  diese  Gelegenheit  gleichfalls  zu  einem 
Ausfall  auf  meine  Darstellung.  Natürlich  soll  ich  auch  hier  wieder  dem 
Autor  Aussagen  insinuirt  haben  ,  die  derselbe  heute  verleugnen  zu 
können  glaubt.  Recapituliren  wir  also  in  Kürze  den  auf  dieses  Bohrloch 
bezüglichen  literarischen  Hergang. 

Auf  Seite  113  seines  Buches  (II.  Beitrag  im  Jahre  1884)  besi)richt 
Niedzwiedzki  anfänglich  die  Verhältnisse  des  Salzes  in  der  Gegend 
des  Josephschachtes  und  betont  dabei  die  Reinheit  dieses  Salzes.  Darauf 
fährt  er  wörtlich  fort:  „Nach  alledem  erscheint  es  also  unzweifel- 
haft, dass  das  Salzgebirge  sich  über  den  Josephschacht  nach 
Westen  hinaus  in  seiner  Gesammtmächtig'keit  ungeschmälert 
fortsetzt."  Er  fügt  unmittelbar  darauf  hinzu,  dass  auf  seinen  Vorschlag 
bei  Kossocice  i'4  Kilometer  westlich  der  Grube  eine  Bohrung-  in  An- 
griff genommen  wurde  und  sagt,  dass  diese  Bohrung  „thatsächliche 
Aufklärung"  bringen  solle  über  die  Verhältnisse  „innerhalb  dieser 
supponirten  westlichen  Fortsetzung  des  Wieliczkaer  Salz- 
gebirges". 

Im  Jahre  1885,  als  diese  Bohrung  schon  Fortschritte  gemacht 
und  bereits  Spuren  von  Salz  und  Salzthon  erreicht  hatte ,  berichtete 
Niedzwiedzki  über  dieses  „günstige"  Resultat  (Verhandl.  d.  k.  k. 
^eol.  Reichsanstalt.  1885,  Seite  331),  bezog  sich  dabei  ganz  ausdrücklich 
(1.  c.  in  der  Anmerkung)  auf  die  Seite  113  seiner  Schrift  gethanen 
Aeusserungen  und  interpretirte  diese  Aeusserungen  dahin ,  dass  diese 
Bohrung  „über  die   vermuthete    westliche  Fortsetzung   der  Wieliczkaer 

^)  Und  zwar  gerade  „aii  dieser  Stelle",  Seite  145  und  146,  bezüglicli  welcher 
der  Autor  heute  leugnet,  sich  darin  über  das  betreffende  stratigraphische  Verliältniss 
ausgesprochen  zu  haben. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891. 41.  Baml.  2.  Heft.  (Dr.  E.  Tietze.)  26 


196  I^r.  Emil  Tietze.  [10] 

Salzlager''  Aufklärung-  zu  bringen  bestimmt  gewesen  sei.  Ich  bitte 
diesen  Umstand  im  Hinblick  auf  das  Folgende  genau  festzubalten,  denn 
demgemäss  ist  es  N  i  e  d  z  w  i  e  d  z  k  i  selbst  gewesen ,  der  in  diesem 
Falle  eine  scharfe  Unterscheidung  zwischen  den  Worten  Salzgebirge 
und  Salzlager  nicht  aufrecht  erhielt  und  der  jene  Fortsetzung,  so  wie  sie 
in  der  früheren  Aeusserung  desselben  Autors  für  das  Salz gebirge  sup- 
ponirt  war,  nunmehr  als  eine  Fortsetzung  speciell  auch  der  Salzlager 
aufgefasst  wissen  wollte.  Er  fügte  dann  am  Schluss  derselben  Notiz 
(1.  c.  Seite  332)  die  Bemerkung  hinzu,  dass  durch  die  gewonnenen  Daten 
.,das  Fovtstreichen  der  Wieliczkaer  Salzlager  bis  nach  Kossocice 
hin  ganz  zweifellos  constatirt  und  die  künftige  Ausdehnung  des 
Wieliczkaer  Bergbaues  nach  dieser  Richtung  hin  gesichert"  sei. 

Kein  Leser  konnte  in  diesen  Auslassungen  etwas  anderes  finden, 
als  einerseits  eine  mit  der  grösstmöglichen  Bestimmtheit  gemachte 
Vorhersage  und  andererseits  den  Versuch  der  Constatirung,  dass  diese 
Vorhersage  eingetroffen  sei. 

Als  ich  später  nun  auch  meinerseits  micii  mit  den  Resultaten  der 
Kossocicer  Bohrung  beschäftigte  (in  dem  Capitel  Wieliczka  meiner 
Krakauer  Arbeit,  vergl.  Seite  211  und  212  der  letzteren),  war  die  be- 
treffende Bohrung  schon  zu  Ende  geführt  und  demgemäss  ein  abschlies- 
senderes  IJrtheil  über  die  Ergebnisse  derselben  ermöglicht.  Es  hatte 
sich  herausgestellt,  dass  bei  Kossocice  nur  das  geschichtete  oder  untere 
Salzgebirge  entwickelt  ist,  das  obere  Grünsalz-  oder  Salztrünnnergebirge 
hingegen  nicht  mehr  nachgewiesen  werden  konnte.  An  Stelle  desselben 
war  über  dem  unteren  Salzgebirge  ein  mächtiger  tauber  Schichten- 
complex  vorgefunden  worden,  der  zum  grössten  Theil  aus  Swoszowicer 
Mergeln  bestand,  wie  das  bezüglich  der  Deutung  dieser  Mergel  bereits 
Niedzwiedzki  selbst  (siehe  wieder  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichs- 
anstalt. 1885,  Seite  331)  ausgesprochen  hatte. 

Ich  citirte  nun  schon  damals,  und  zwar  zumeist  wörtlich  und 
theilweise  unter  Anführungszeichen  die  wichtigsten  der  vorher  erwähnten 
Aeusserungen  Niedz wiedzki's.  Dabei  musste  ich  im  Vergleich  mit 
dem  thatsächlichen  Bohrergebniss  natürlich  zu  der  Ansicht  gelangen, 
dass  jenes  von  dem  Autor  vorausgesetzte  „Fortstreichen  der  Salzlager 
in  der  That  nur  cum  grano  salis  behauptet  werden  darf,  wenn  man 
darunter,  sowie  es  ursprünglich  vermuthet  wurde,  die  ungeschmälerte 
(Jesammtmächtigkeit  derselben  versteht".  Mit  dieser  keineswegs  aggres- 
siven Bemerkung,  in  welclier  ich  einfach  feststellte ,  dass  eine  gewisse 
Vorhersage  nur  theilweise  eingetroffen  sei,  habe  ich  mir  aber  das 
Missfallen  Niedz wiedz  ki's  in  solchem  Grade  zugezogen,  dass  der- 
selbe heute  durchblicken  lässt,  ich  hätte  seine  früheren  Aeusserungen 
mir  erfunden  oder  doch  den  Sinn  derselben  sogar  durch  fremde  „Bei- 
gaben" entstellt. 

Zunächst  will  er  überhaupt  (1.  c.  Seite  220)  nicht  zugeben ,  dass 
er  in  der  besprochenen  Frage  eine  Vorhersage  oder  Voraussetzung  in 
dem  angedeuteten  Umfange  gemacht  hat.  Eine  solche  auf  die  weite 
Entfernung  von  1'4  Kilometer  hin  zu  geben  wäre,  wie  er  jetzt  sagt, 
„unmotivirt"  gewesen.  Aus  meinen  Aeusserungen  allein  und  nicht  aus 
den  seinigen  könne  man  schliessen,  dass  er  „ein  Fortstreichen  der 
Wieliczkaer  Salzlager  in  ungeschmälerter  Gesammtmäehtigkeit  bis  Kos- 


[11]  Beiträge  zur  Geologie  vou  Galizien.  ^97 

socicc  ^•o^allsgesct7-t"  habe.  Er  habe  überhaupt  von  einer  Fortsetzung 
der  Gesanimtheit  der  Öalzlagcr  gar  nicht  gesprochen,  welche  „Heigabe" 
nur  von  mir  iierriihre  I  Was  er  wirklich  vorgebracht  habe,  das  habe 
auch  „seine  Giltigkeit  vollständig  behalten". 

Da  niuss  ich  allerdings  die  Leser  bitten,  diese  Behauptungen  mit 
den  vorher  citirten  Stellen,  und  zwar  womöglich  im  Original  zu  ver- 
gleichen, zunächst  um  sich  über  die  thatsächlichen  Voraussetzungen  des 
Autors  gewissenhaft  zu  orientiren. 

Gleichviel  aber,  ob  man  in  diesen  Voraussetzungen  bestimmte 
Vorhersagen  erblicken  will  oder  nicht,  so  wird  man  doch  heute,  selbst 
bei  noch  so  subtiler  und  dem  Wortlaute  sich  anpassender  Autfassung 
der  Aussagen  Niedz wiedzki's,  nicht  mehr  aussprechen  dürfen,  dass 
dieselben  ihre  „Giltigkeit  vollständig  behalten"  haben.  Es  kann  gar 
keine  Rede  mehr  davon  sein,  dass  das  Salzgebirge  sich  bis  Kossocice 
„in  seiner  Gesammtmächtigkeit  ungesclimälerf'  fortsetzt,  und  zwar  am 
wenigsten  von  des  Autors  eigenstem  Standpunkte  aus.  Die  an  Stelle 
des  Grünsalzgebirges  auftretenden  Swoszowicer  Mergel  bilden  ja  nach 
diesem  Standpunkt  bekanntlich  nicht  einmal  (so  wie  das  ungefähr 
meiner  Auffassung  entspricht)  ein  A  e  q  u  i  v  a  1  e  n  t  des  oberen  Salz- 
gebirges, sondern  ein  besonderes  jüngeres  Glied  des  dortigen  Miocän. 
Es  fehlt  also  nach  diesem  Standpunkte  bei  Kossocice  die  ganze  obere 
Hälfte  der  „supponirten"  Fortsetzung  jener  Gesammtmächtigkeit.  Das- 
sell)e  ist  aber  auch  nach  meiner,  bezüglich  der  stratigraphischen 
Stellung  der  Swoszowicer  Mergel  gehegten  Auffassung  der  Fall ,  denn 
zum  Begriff  eines  Salzgebirges  gehören  doch  gewisse  i)etrographische 
Eigenthümlichkeiten,  die  eben  jenen  Mergeln  fehlen.  Es  kann  aber  auch 
ferner,  und  zwar  von  gar  keinem  Standpunkte  aus,  fortan  ohne  Ei n- 
s  c  h  r  ä  n  k  u  n  g  behau] )tet  werden,  dass  die  Salz  1  a  g  e  r  Wieliczkas  sich 
bis  Kossocice  fortsetzen,  eben  weil  die  mächtigen  Grünsalzmassen  des 
Salztrümmergebirges  daselbst  fehlen. 

Das  bleibt  unanfechtbar,  selbst  wenn  man  mir  mit  dem  Anschein 
des  Rechtes  vorwerfen  könnte,  dass  ich  in  meiner  damaligen  Besprechung 
der  Niedz wiedzki'schen  Aussagen  die  Ausdrücke  Salzlager  und 
Salzgebirge  nicht  scharf  genug  auseinandergehalten  hätte. 

Diesen  Vorwurf  scheint  nämlich  der  Genannte  erheben  zu  wollen, 
denn  nur  so  ist  es  einigermassen  verständlich ,  -dass  er  schlankweg 
versichert,  er  habe  überhaupt  von  einer  Fortsetzung  der  Wieliczkaer 
Salzlager  in  ungeschmälerter  Gesammtmächtigkeit  bis  Kossocice  gar 
nie  gesprochen  (!) ;  das  sei  eine  von  mir  erfundene  „Beigabe"  zu  seinen 
Ausführungen. 

Indem  ich  aber  bei  meiner  damaligen  Besprechung  dieser  Aus- 
führungen in  jener  oben  citirten  Redewendung  (vergl.  Seite  10,  Zeile  84 
bis  37  meines  heutigen  Aufsatzes)  die  Worte  Gesammtmächtigkeit  und  Salz- 
lager  (statt  Salzgebirge)  verband,  habe  ich  nur  eine  Begriffsver- 
bindung angewendet,  die  dem  Sinne  nach  aus  N  i  e  d  z  w  i  e  d  z  k  i's  im 
Jahre  1885  gegebener  Interpretation  seiner  1884  gemachten  Vorhersage 
ganz  von  selbst  hervorging  (vergl.  S.  9  unten  und  S.  10  oben)  dieses  heutigen 
Aufsatzes).  Er  selbst  hat  sich  damals,  als  er  von  dem  „günstigen"  Er- 
gebniss  der  von  ihm  vorgeschlagenen  Bohrung  berichtete,  so  citirt,  dass 
er  an  Stelle  des  Wortes  Salzgebirge  das  Wort  Salz  1  a  g  e  r  gesetzt  hat, 

26* 


198  Dr.  Emil  Tietze.  [12] 

und  da  er  sich  bei  diesem  Citat  ausdrücklich  auf  jene  Stelle  berief,  in 
welcher  er  von  einer  „snpponirten  Fortsetzung"  der  ungeschmälerten 
Gesammtmächtigkeit  des  KSalzgel)i  rges  geredet  hatte,  so  habe  ich 
seine  Vermischung  beider  sich  sonst  nicht  völlig  deckender  Begriftc  als 
in  seinem  Sinne  liegend  ganz  einfach  quittirt.  Ich  habe  ihn  so  besprochen, 
wie  er  sich  (damals)  besprochen  sehen  wollte ,  nicht  anders  ,  als  wie 
man  sonst  eine  spätere  Auslegung  und  genauere  Begrenzung  der  früheren 
Worte  eines  und  desselben  Autors  als  authentisch  anzunehmen  pflegt. 
Da  ich  zudem  den  Wortlaut  der  beiden  in  Verbindung  gesetzten 
Aeusserungen  vorher  genau  wiedergegeben  hatte ,  ohne  bei  diesen 
directen  Citaten  die  geringste  Verwechslung  zwischen  den  Worten  Salz- 
lager und  Salzgebirge  zu  verschulden,  so  konnte  ich  erwarten,  nicht 
allein  für  Jedermann  verständlich,  sondern  auch  vor  jedem  Verdacht 
einer  beabsichtigten  Sinnesentstellung  geschützt  zu  sein. 

Ich  will  dabei  gar  nicht  länger  davon  reden,  dass  N  i  e  d  z  w  i  e  d  z  k  i 
seine  Annahme  betreffs  der  Fortsetzung  des  Salzgcbirgcs  nach  Westen 
doch  gerade  aus  der  Beschaffenheit  und  dem  Auftreten  des  Salzes 
selbst  gefolgert  hatte,  und  brauche  auch  nicht  besonders  hervorzuheben, 
dass  schliesslich  die  betreffende  Bohrung  doch  wohl  unternommen 
wurde  mit  der  Hoffnung  Salz  und  nicht  etwa  blos  Salzthone  oder  der- 
gleichen zu  erreichen. 

Nach  alledem  muss  ich  den  Vorwurf,  ich  hätte  den  Sinn  von 
Niedzwi  edzki's  Ausführungen  bei  dieser  Gelegenheit  durch  „Bei- 
gaben" verändern  wollen,  als  unbegründet  zurückweisen.  Keinesfalls 
aber  kann  ich  im  Hinblick  auf  das  von  dem  Autor  selbst  gegebene 
Beispiel  für  die  nicht  genügend  scharfe  Trennung  der  Begriffe  SaJzlager 
und  Salzgebirge  besonders  verantwortlich  gemacht  werden. 

Ich  bedauere  nur  im  Interesse  der  durch  solche  Auseinander- 
setzungen vielleicht  etwas  gelangweilten  Leser,  dass  ich  hier  wieder 
„breitspurig"  werden  musste ,  Avelche  Eigenschaft,  mir  nändich  Herr 
Niedzwiedzki  (merkwürdigerweise  gleichzeitig  mit  der  Anschuldigung 
einer  leichtfertigen  Behandlung  des  Gegenstandes)  vorwirft  und  die  er 
an  meinen  Darlegungen  über  Wieliczka  sehr  unangenehm  zu  finden 
scheint.  Man  wird  indessen  unschwer  einsehen,  dass  die  Widerlegung 
mancher  kurz  hingeworfenen  Behauptung  mehr  Raum  beansprucht  als 
die  letztere  selbst.  Das  wird  namentlich  dann  der  Fall  sein,  wenn  die 
aufgenöthigte  Methode  der  Discussion  sich  wie  bei  der  eben  besprochenen 
Differenz  mit  Wortklaubereien  zu  befassen  hat. 

Ein  drastisches  Beisj^iel  solcher  Silbenstecherei  liefert  N  i  e  d  z- 
wiedzki  übrigens  noch  an  einer  anderen  Stelle  seiner  neuesten  Ver- 
öffentlichung. 

Auf  Seite  201  meiner  Arbeit  über  die  geognostischen  Verhältnisse 
der  Gegend  von  Krakau  schrieb  ich  nach  Aufzählung  der  an  der 
Zusammensetzung  der  Salzfornuition  theilnchmenden  Salzvarietäten  und 
wichtigeren  Gesteine  den  folgenden  Satz:  „Ausser  diesen  Gesteinen 
kommen,  wie  in  einer  Salzablagerung  selbstverständlich  ist,  auch  Gypse 
und  Anhydrite  vor."  Diese  sicher  sehr  harmlos  stylisirte  Bemerkung 
dient  nun  Herrn  Niedzwiedzki  zum  Ausgangspunkt  einer  Betrach- 
tung über  das  Mengenverhältniss  zwischen  Gyps  und  Anhydrit.  Die 
Mas«e  des   letzteren  überwiege   die    des    ersteren    und    es   sei  deshalb 


I 


M3]  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien.  \C)C) 

nicht  zu  rcclitfertijicii,  <lass  ich  die  frypsc  ..an  erster  Stelle'  i^eiianiit 
habe.  Das  sei  aber  gewiss  nur  /u  dem  Zwecke  geschehen ,  um  meine 
Annahme  einer  Aequivalenz  der  an  Gyps  thatsächlich  reichen  Swo- 
szowiccr  Mergel  mit  einem  Theile  der  KSal/tbriiiation  /Aigäiigliclier  /,ii 
machen.  Als  ob  ich  über  das  Mengcnverhältniss  zwisclien  (lyps  und 
Anhydrit  mich  näher  geäussert  und  aus  diesem  Verhältniss  irgend  welche 
Folgerungen  hätte  ableiten  wollen  I  Gyps  und  Anhydrit  erscheinen  in 
jener  meiner  Bemerkung  einfach  als  verwandte  Gebilde  kurz  zusammen- 
gefasst.  Man  muss  aber  wohl  schon  beim  Aeussersten  angelangt  sein, 
wenn  man  an  der  blossen  Wortstellung  einer  derartigen  Redewendung 
seine  Kritik  üben  will. 

Ebenfalls  auf  Seite  201  meiner  eben  citirten  Arbeit  hatte  ich  das 
allerdings  seltene  Vorkommen  von  Schwefel  in  der  Grube  von  Wieliczka 
alp.  ein  theoretisch  nicht  unwichtiges  Factum  bezeichnet.  Insofern  nach 
meiner  (selbstverständlich  in  der  Hauj)tsache  mit  anderen  Gründen  ge- 
stützten) Autfassung  das  obere  Salzgebirge  ein  zeitliches  Acciuivalent 
der  Mergel  ist,  denen  das  Schwefelvorkommen  von  Swoszowice  angehört, 
schien  es  immerhin  interessant,  hervorzuheben,  dass  auch  in  Wieliczka 
Spuren  von  Schwefel  gefunden  wurden. 

Schon  vorher  war  ich  in  derselben  Arbeit  (l.  c.  Seite  184)  in  dem 
Capitel  über  Swos7.ow'ice  auf  dieses  Vorkommen  zu  sprechen  gekommen 
und  hatte   dort   eine    darauf   bezügliche  Angabe  Keferstein's  citirt. 

Niedzwiedzki  belehrt  uns  nun  (Seite 200  seiner  Schrift)  darüber, 
dass  diese  Angabe  Kefersteins,  die  ich  „als  geltend"  angeführt 
haben  soll,  „keine  weitere  Beachtung  verdiene"  gegenüber  anderen 
Angaben  von  Hrdina,  Zeus  ebner  und  Li  11.  Keferstein  habe 
ja  Wieliczka  erst  unter  der  Führung  Lill's  kennen  gelernt. 

Wer  jetzt  blos  Niedz  wiedzki's  Schrift  zur  Hand  nimmt,  muss 
glauben,  mir  seien  die  Auslassungen  dieser  letztgenannten  Autoren  über 
den  Schwefel  von  Wieliczka  unbekannt  geblieben.  Nun  aber  citire  ich 
als  Gewährsmänner  in  der  bewussten  Frage  in  dem  Capitel  über 
Wieliczka  auf  Seite  20 1  meiner  Arbeit  ausdrücklich  H  r  d  i  n  a,  Z  e  u  s  c  h  n  e  r 
und  an  erster  Stelle  Li  11.  Da  sich  Niedz  wie  dzk  i  im  Uebrigen  mit 
der  älteren  Literatur  über  Wieliczka,  abgesehen  von  Hrdina's  Buch, 
ziemlich  wenig  bei  seinen  Darlegungen  beschäftigt  hat,  so  kann  man 
vielleicht  annehmen,  dass  er  auf  die  betreffenden  Stellen,  die  mir  heute 
zur  Belehrung  vorgehalten  werden,  erst  durch  meine  Citate  aufmerk- 
sam gew'Orden  ist.  Das  wäre  kein  besonderer  Vorwurf  für  ihn,  aber  er 
hätte  in  jedem  Fall  seine  Literaturangaben  mit  den  meinigen  in  eine 
etwas  deutlichere  Beziehung  bringen  können. 

Wer  meine  Arbeit  zur  Hand  nimmt,  wird  sich  zudem  leicht  über- 
zeugen, dass  ich  die  Angaben  jener  älteren  Autoren  unter  verschiedenen 
Gesichtspunkten  anführe.  Speciell  Li  11,  Hrdina  und  Zeuschner 
gelten  mir  als  Bürgen  für  die  blosse  Thatsache  der  Entdeckung  von 
Schwefel,  während  ich  Keferstein  hauptsächlich  deshalb  citirte,  um 
zu  zeigen,  dass  dieser  Geologe  bereits  vor  Pusch  und  im  Gegensatz  zu 
diesem  eine  ziemlich  richtige  Vorstellung  über  das  Alter  der  Ablage- 
rungen von  Swoszowice  und  Wieliczka  gehabt  hat,  was  man  ihm  auch 
im  Vergleich  mit  seinem  „Führer"   Li  11  als  Verdienst  anrechnen  kann. 


200  Ör.  Emil  Tietze,  [14] 

da  Liii  diese  Scliichten  noch  für  alter  als  den  Karpatlicilsandstciu 
gehalten  hatte  (vergl.  darüber  eine  andere  Stelle  meiner  Arbeit,  1.  c. 
Seite  261).  Man  sieht  also,  dass  es  Niedzwi  edzk  i  gelungen  ist, 
seinen  Lesern  von  meinen  hierauf  bezüglichen  Aeussernngen  ein  recht 
verzerrtes  Bild  vorzuführen. 

Der  Genannte  scheint  schliesslich  der  Meinung  zu  sein,  dass  das 
Vorkommen  von  Schwefel  in  Wieliczka  überhaupt  als  unsicher  zu 
betrachten  sei ,  da  man  dieses  Mineral  in  neuerer  Zeit  in  der  Grube 
nicht  mehr  gefunden  habe.  Mit  demselben  liecht  dürfte  man  freilich 
viele  ältere  Fundortsangaben  in  Zweifel  ziehen. 

Insbesondere  aber  scheint  Niedzwi  edzk i  bestreiten  zu  wollen, 
dass  jener  Schwefel  der  oberen  Abtheilung  des  Salzgebirges  angehört 
habe.  Die  erwähnten  älteren  Angaben  bezögen  sich  auf  zwei  verschiedene 
Punkte,  einen  in  dem  obersten  Theil  der  Grube,  wo  es  zweifelhaft  sei, 
ob  dort  noch  die  eigentliche  Salzformation  und  nicht  vielmehr  Hangend- 
gebilde derselben  entwickelt  seien ,  dann  auf  einen  anderen  Punkt 
(Neubau  Seeling),  der  sich  „tief  unten"  befinde.  Es  sei  aber  möglich, 
dass  man  im  letzten  Fall  einen  „integrirenden  Bestandtheil  des  Salz- 
gebirges" gar  nicht  mehr  vor  sich  habe.  Betrefts  der  genaueren  Orien- 
tirung  über  diesen  Punkt  im  Neubau  Seeling  und  die  dort  auftretenden 
Absätze  verweist  er  auf  Seite  111  seines  Werkes.  Dort  liest  man  indessen, 
dass  die  betreffenden  Bildungen  „wohl  als  ein  Zipfel  des  Salztrümmer- 
gebirges", also  des  oberen  Salzgebirges  zu  betrachten  seien !  So  eigen- 
thümlich  verhält  es  sich  mit  den  eigenen  Hinweisen  des  Autors  auf 
sich  selbst. 

Selbstverständlich  kommt  ferner,  wie  ich  nebenher  bemerken  will, 
der  Umstand,  ob  ein  Vorkommen  in  der  Grube  oben  oder  „tief  unten" 
gefunden  wird,  für  die  Zutheilung  eines  solchen  Vorkommens  zum 
unteren  oder  oberen  Salzgebirge  an  sich  bei  der  geneigten  und  gestörten 
Anordnung  der  einzelnen  Theile  dieses  Miocäns  nicht  allzusehr  in 
Betracht.  „Nach  oben  hin"  schreibt  Niedzwi edzki  (Seite  112  1.  c), 
„reicht  das  Salztrümmergebirge  wenigstens  in  der  mittleren  Längszonc 
des  Bergbaues  bis  fast  unmittelbar  unter  die  Quartärbildungen  hin", 
und  dass  es  andererseits  bis  in  grosse  Teufen  verfolgt  werden  kann, 
ist  aus  Niedz wiedzki's  eigener  Darstellung,  z.  B.  in  dem  Profil 
über  den  Franz  Josephscbacht,  deutlich  zu  ersehen. 

N  i  e  d  z  w  i  ed  z  k  i  giebt  sich  (1.  c.  Seite  228)  der  Hoffnung  hin,  dass 
seine  eben  besprochenen  „Aufklärungen"  über  meine  „Behauptungen 
betreffs  des  Gypsreichthums  und  der  Schwefelführung  der  Salzformation" 
dazu  beitragen  werden,  meine  Ansicht  über  die  Altersbeziehungcin 
zwischen  dem  oberen  Theil  dieser  letzteren  und  den  Swoszowicer 
Mergeln  „zu  beseitigen".  Er  veranstaltet  auch  eine  al)ermalige  Dis- 
cussion  seiner  Anschauungen  über  die  Gliederung  des  Wieliczkaer 
Miocäns,  aus  welcher  Discussion  das  gleiche  Resultat  hervorgehen  soll, 
und  er  tritt  bei  dieser  Gelegenheit  von  Neuem  als  ein  Vorkämpfer  der 
bekannten  Theorie  von  den  beiden  Mediterranstufen  auf. 

Ich  überlasse  es  indessen  den  Lesern ,  sich  durch  Vergleich  mit 
den  betreffenden  Abschnitten  meiner  Ausführungen  ein  eigenes  Urtheil 
über  diese  Dinge  zu  bilden.  Man  wird  dort  dasr  stratigraphisch-paläonto- 


J 


["151  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien.  201 

logische  Material,  welches  t'iir  die  (iliedenmg  und  Altersdeiitung-  des 
subkarpathisehen  Miocäns  hei  Wieliczka  in  Betracht  koinnit,  genügend 
beleuchtet  tinden,  auch  (Seite  259  meiner  Krakauer  Arbeit)  in  Bezug 
auf  die  Flora  des  Salzgebirges,  welcher  der  Autor  in  seiner  Beweis- 
führung eine  sehr  wichtige  Stelle  einräumt.  Am  wenigsten  wird  man  nur 
zumuthen  dürfen,  die  allgemeinere  Frage  der  beiden  Mediterranstufen 
hier  nochmals  durchzusprechen  nach  den  eingehenden  Auseinander- 
setzungen, die  ich  dieser  Frage  bereits  an  verschiedenen  Orten  und  zu 
wiederholten  Malen  gewidmet  habe.  Scheint  es  ja  doch,  dass  Nie- 
d  z  w  i  e  d  z  k  i  hiebei  ohnehin  nicht  sowohl  an  das  Pul)likum  der 
Fachgenossen,  als  an  ganz  andere  Kreise  sich  wendet,  da  er  es  für  nöthig 
erachtet  (Seite  229  seiner  Schrift) ,  die  bekanntesten  Vertheidiger  der 
Zweistufentheorie,  die  Herren  Director  Fuchs  und  Prof.  R.  Hoernes, 
nach  ihrer  amtlichen  Stellung  und  nach  ihrer  sonstigen  wissenschaft- 
lichen Thätigkeit  seinen  Lesern  genauer  vorzustellen.  Ich  habe  über- 
hau})t  weder  Zeit  noch  Lust,  sämmtliche  von  meinem  Gegner  vorgebrachten 
Punkte  zu  erörtern ,  denn  es  genügt  mir ,  an  einigen  Beispielen  die 
eigenthümliche  Methode  seiner  Angriffe  zu  erläutern. 

Einige  derartige  Beispiele  muss  ich  aber  doch  noch  vorführen,  von 
denen  mir  insbesondere  das  nächstfolgende  ebenso  für  jene  Kampfes- 
w^eise  wie  für  das  Verständniss  charakteristisch  zu  sein  scheint ,  das 
NiedzwMedzki  den  Wieliczka  betretfenden  Fragen  entgegenbringt. 
Es  bandelt  sich  um  die  Bemerkungen  ,  welche  mir  N  i  e  d  z  w  i  e  d  z  k  i 
(Seite  205  seiner  Schrift)  betreffs  der  Lagerungsverhältnisse  des  Grün- 
salzgebirges  entgegenhält. 

Bekanntlich  bestehen  die  grossen  Salzkörper,  welche  von  dem 
oberen  Salz-  oder  Salztrümmergebirge  eingeschlossen  werden,  der 
Hauptsache  nach  aus  einer  bestimmten  Salzvarietät,  die  man  Grünsalz 
genannt  hat,  w^eshalb  dieses  obere  Salzgebirge  namentlich  bei  den 
früheren  Autoren  auch  kurzweg  als  Grünsalzgebirge  bezeichnet  wurde, 
im  Gegensatze  zu  dem  unteren  (geschichteten)  Salzgebirge,  in  welchem 
die  Spiza-  und  Szybiker  Salzflötze  vorkommen.  Der  Umstand  jedoch, 
dass  dem  Grünsalz  petrographisch  ähnliclie  Lagen  stellenweise  auch 
in  der  unteren  Abtheilung  der  Salzformation  auftreten ,  hat  mit  der 
Eintheilung  des  Salzgebirges  von  Wieliczka  in  jene  untere  und  obere 
Abtheilung  nichts  zu  thun. 

Ebenso  ist  bekannt,  dass  man  seit  längerer  Zeit  in  der  Grube 
drei  sogenannte  Salzgruppen  unterscheidet,  welche  bei  südlicher  Fall- 
richtung  der  Schichten  von  Norden  nach  Süden  aufeinanderfolgen.  Diese 
Aufeinanderfolge  findet  in  der  Weise  statt,  dass  das  Grünsalzgebirge 
bei  jeder  Gruppe  in  der  obersten,  das  geschichtete  Salzgebirge  aber  in 
der  untersten  Lage  erscheint,  so  dass  das  Bild  einer  dreimal  wieder- 
holten Folge  desselben  Schichtencomplexes  erzeugt  wird.  (Vergl. 
Hrdina,  Geschichte   der  Wieliczkaer  Saline.    Wien  1842,  Seite  138.) 

Dieses  Verhültniss  führte  Herrn  Paul  und  mich  in  wesentlicher 
Uebereinstimmung  mit  den  älteren  Darlegungen  des  verdienstvollen 
Markscheiders  Hrdina  zu  der  Vorstellung,  dass  die  Tektonik  des 
Salzgebirges  auf  eine  Reihe  überschobener  Falten  zurückzuführen  sei, 
während  Niedzwiedzki  diese  Anschauung  bekämpft. 


202  ^^'-  Emil  Tietze.  [^IGj 

Nun  hat  der  Letztere  in  seiner  Arbeit  einen  über  den  Franz- 
Josephschaelit  von  Norden  nach  Süden  geleg-ten  Durclisclniitt  dnreli 
das  Salzg-ebiri;-e  mituetlieilt ,  der  zwar  mit  den  von  Hrdina  und 
Panl  iiei;ebenen  Durchschnitten  keinesweii's  völlig  übereinstimmt,  der 
aber  trotzdem,  wie  ich  klar  genug-  auseinandersetzte,  in  nmnchen 
wesentlichen  Punkten  eine  Bestätigung  der  von  dem  genamiten  Autor 
bestrittenen  Hrdina-PauFschen  Ansichten  bietet,  während  er  anderer- 
seits gewissen,  von  N  i  e  d  z  w  i  e  d  z  k  i  selbst  vertretenen  Anschauungen 
direct  widerspricht. 

Um  jedes  Missverständniss  ausznschliessen ,  habe  ich  diesen 
Niedz wiedzki'scheii  Durchschnitt  für  meine  Arbeit  über  die  g-eo- 
g-nostischen  Verhältnisse  der  Gegend  von  Krakau  reproducirt  und 
dieser  (I.e.  Seite  2ii2)  beigegeben.  ^)  Jedermann  erkennt  in  der  betrefltenden 
Zeichnung-  auf  den  ersten  Blick ,  was  als  (oberes)  Salztrümmergebirge 
und  was  als  (unteres)  geschichtetes  Salzg-ebirge  aufzufassen  ist.  Desbalb 
fallt  auch  dabei  sofort  in's  Auge,  wie  ich  (1.  c.  Seite  231)  sclirieb,  dass 
in  diesem  Durchschnitt  „thatsächlicli  eine  mehrmalige  Wiederholung  der 
südlich  fallenden  Lagen  des  Salzgebirges  angedeutet  wird  und  dass 
dabei  ein  j  e  weiliges  Auftreten  des  Grünsalzgebirges  in 
Form  eines  sozusagen  sackförmigen  Hinabgreifens  unter 
das  geschichtete  Salzgebirge  verzeichnet  wird". 

Ich  führte  des  Weiteren  aus,  dass  Niedzwiedzki  zwei  Vor- 
stellungen ausgesprochen  hat ,  welche  mit  diesem  Bilde  absolut  nicht 
in  Uebereinstimmung  zu  bringen  sind,  erstens  die  Vorstellung,  dass  das 
Salzgebirge  bei  Wieliczka  eine  ziemlich  einfache  Wölbung  bilde,  zweitens 
die  Vorstellung ,  dass  die  dargestellten  Ablagerungen  eine  fortlaufende 
Aufeinanderfolge  vorstellen,  so  dass  „der  genannte  Autor  die  früher 
erwähnten  sogenannten  Salzgruppen,  in  welchen  sich  die  südlich  fallende 
Schichtenfolge  wiederholt,  für  thatsächlicli  übereinanderfolgend"  und 
somit  auch  dem  Alter  nach  etwas  verschiedene  Gesteinscomplexe  hält, 
die  ihm  um  so  jünger  scheinen,  je  weiter  man  nach  Süden  kommt. 
Ich  erklärte  diese  letztere  Vorstellung  für  unmöglich,  wenn  man ,  wie 
das  der  Autor  ja  doch  wieder  andererseits  thut,  das  Salztrünimergebirge 
für  jünger  hält,  als  das  geschichtete  Salzgebirge.  Dort,  wo  das  Salz- 
trümmer- oder  Grünsalzgebirge,  welches  jeweilig  einen  ganz  integriren- 
den  Bestandtheil  der  Salzgruppen  bildet,  zwischen  das  geschichtete 
Salzgebirge  eingepresst  wird,  so  dass  es  wiederholt  nach  der  einen  Seite 
hin  über  demselben  nach  der  anderen  unter  demselben  zu  liegen  scheint, 
kann  entweder  nicht  mehr  von  einer  continuirlichen  Reihenfolge  der 
ganzen  Ablagerung  oder  nicht  mehr  von  einem  durchgehends  jüngeren 
Alter  des  Grünsalzgebirges  die  Rede  sein. 


')  Eine  nochmalige  Eeproduction  desselben  Durchschnittes  wäre  l'iir  das  Ver- 
ständniss  der  gegenwärtigen  Ausführungen  allerdings  bequem  gewesen.  Indessen  darf 
ich  voraussetzen,  dass  diejenigen  Leser,  welche  sich  ernstlich  für  den  hier  behandelten 
Gegenstand  interessiren,  die  Mühe  nicht  scheuen  werden,  die  betreffende  Zeichnung  in 
meiner  früheren  Arbeit.,  eventuell  auch  im  N  i  e  d  z  w  ied  zk  i'schen  Original  zu  ver- 
gleichen. Es  wer  icn  für  diese  Le.«er  ohnehin  noch  einige  andere  derartige  Vergleiche 
notliAvendig  sein,  da  es  doch  Avohl  nicht  angeht,  meinen  heutigen  Aufsatz  mit  dem  ge- 
sammteii  auf  Wieliczka  bezüglichen  literarischen  Apparat  zu  belasten. 


I|7]  Bfiitriigo  7A\r  Geolo2;io  von  fializien.  9();-^ 

Man  sollte  meinen,  dass  dies  l'iir  jeden  einigerniassen  versiiten 
Geologen  klar  ist  oder  dass  doch  zum  Mindesten  für  jeden  denken- 
den Leser  verstiludlioli  ist,  was  ich  damit  habe  sai;en  wollen.  Statt 
dessen  deutet  Herr  Trofessor  Niedzwiedzki  an  (1.  c.  Seite  205\  dass 
er  anlaniilich  j;ar  nicht  habe  begreifen  können ,  was  für  eine  Incon- 
sequenz  ich  ihm  eigentlich  dabei  zum  Vorwurf  gemacht  habe.  Das 
sehe  ja  so  aus,  als  ob  er  die  von  ihm  stets  mit  allem  Nachdruck  ver- 
theidigte  Anschauung  von  dem  jüngeren  Alter  des  (Jrünsalzgebirges 
stellenweise  verleugnet  hätte.  Für  meinen  Vorwurf  finde  er  nur  eine 
Erkläinng.  nändich  die,  dass  ich  den  Begriff  der  Griinsalzlagen ,  wie 
sie  bisweilen  zwischen  anderen  Steinsalzschichten  (auch  des  unteren 
Salzgebirges)  auftreten,  „irrthümliclier  Weise  mit  dem  Begriff  des  Salz- 
triimmergebirges  verwecliselt"   hätte. 

Diese  Bemerkungen  beweisen  allerdings  zur  Genüge,  duss  der 
genannte  Autor  auch  heute  noch  nicht  verstehen  will,  um  was  es  sich 
eigentlich  bei  der  Sache  und  bei  unserem  Streite  über  die  Tektonik  der 
Wieliczkaer  Salzformation  handelt.  Man  braucht  übrigens  eine  Anschauung 
nicht  direct  „verleui^net"  zu  haben  und  kann  doch  gleichzeitig  eine 
andere  Ansicht  vorgebracht  haben,  die  jener  Anschauung  widerspricht; 
natürlich  macht  man  das  nur,  wenn  man  sich  des  Wi(lers])ruchcs  nicht 
bewusst  wird.  Die  Behauptung  aber,  ich  sei  mir  vernuithlich  über  den 
Unterschied  zwischen  dem  Grünsalzgebirge  und  den  einzelnen  im  tieferen 
Salzgebirge  vorkommenden  Grünsalzschichten  nicht  klar  gewesen ,  hat 
doch  wohl  keinen  anderen  Zweck ,  als  dem  leichtgläubigeren  Theile 
des  Lescri)ublikums  darzuthun,  wie  wenig  ich  von  den  fundamentalsten 
Begriffen  der  Geologie  von  Wieliczka  eigentlich  wisse.  Sonst  wüsste 
ich  wirklich  nicht,  was  dieser  Hinweis  mit  unserer  Frage  zu  thun 
hätte,  nachdem  ich  doch,  abgesehen  von  allem  Anderen,  speciell  bezü:;lich 
des  Grünsalzgebirges,  wne  es  sich  in  Niedzwiedzki's  Zeichnung  dar- 
stellt, ausdrücklich  ein  sackförmiges  Hinabgreifen  unter  das  gescl lichtete 
Salzgebirge  betont  habe ,  ein  Verhältniss ,  welches  Niemand  bezüglich 
der  dem  letzteren  Gebirge  eingeschalteten  Zwischenlagen  von  Grünsalz 
aus  jener  Zeichnung  herauslesen  wird. 

Mir  scheint  übrigens,  dass  vielmehr  Herr  Niedzwiedzki  selbst 
sich  stellenweise  im  Unklaren  über  das  Verhältniss  jener  Zwischenlagen 
zu  dem  Begriffe  der  Salzgruppen  befunden  hat.  Er  schrieb  ja  (siehe 
Seite  90  seiner  Schrift  unten  und  Seite  91  oben),  dass  die  „bergbauliche 
Unterscheidung  von  drei  Salzgruppen  keiner  durchgreifenden  und  tek- 
tonischen  Gliederung  des  Salzschichtensysteraes  entspricht"  und  begründete 
dies  zum  Theil  (s.  1.  c.  Seite  90)  damit,  dass  die  Grünsalzlagen  „mehrfach 
zwischen  den  mächtigen  Szybiker  und  Spizaer  Salzlagen  auftreten".  Da 
ist,  wie  man  sieht,  ausdrücklich  von  solchen  Zwischenlagen  die  Redi', 
während  zum  Begriff  einer  Salzgruppe ,  sowie  er  historiscli  bei  den 
Bergleuten  Wieliczkas  fixii  t  ist,  eben  die  Mitanwesenheit  des  eigentlichen 
Grünsalz-  oder  Salztrümmergebirges  im  jeweiligen  Hangenden  des  ge- 
schichteten Salzgebirges  gehört. 

Bei  einer  Beweisfidirung ,  welche  sich  auf  das  gegenseitige  Ver- 
hältniss der  Salzgruppen  bezog,  durften  al)er  jene  belanglosen  Zwisclici> 
lagen  dem  echten  Grünsalzgebirge  nicht  substituirt  werden.  Jene  „irr- 
thümliche  Verw^echslung" ,  die  mir  in  die  Schuhe  geschoben  wird ,    i>t 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  KeichsanHtalt.  1891.  41.  Band.  2.  Heft.  (Dr.  E.  Tiotze.)  27 


204  D''-  I^-"'il  Tie<ze.  Ms] 

also  von  dem  Autor  selbst  geniaclit  worden,  nnd  es  bewährt  sich  hier 
wieder  einmal  das  Sprichwort,  dass  Keiner  den  Anderen  hinter  der 
Thür  sucht,  wenn  er  nicht  vorher  selber  dahinter  gesteckt  hat. 

Nur  "vvenn  man  das  eigentliche  Griinsalzgebirge,  jenen  integriren- 
den  Theil  der  Salzgruppen,  von  der  Betrachtung  willkürlich  aus- 
scheidet, wird  es  allenfalls  erklärlich,  dass  Jemand  in  den  tieferen 
Horizonten  der  Grube,  sofern  die  Einfaltungen  jenes  oberen  Gebirges 
bis  zu  diesen  nicht  mehr  herabgreifen ,  bezüglich  des  unteren  geschich- 
teten Salzgebirges  eine  ganz  ununterbrochene  Schichtenfolge  durch 
einen  Theil  der  Salzgrup))en  hindurch  zu  beobachten  glaubt,  wie  das 
Niedzwiedzki  bezüglich  aller  Salzgruppen  ausgesprochen  hat. 

Einen  solchen,  auf  jener  willkürlichen  Ausscheidung  basirten 
Standpunkt,  bei  welchem  freilich  noch  immer  auf  die  mehrfachen 
Wiederholungen  der  Szybiker  und  Spizaer  Flütze  keine  Rücksicht  ge- 
nommen wird ,  könnte  man  ja  schliesslich  aus  der  neuesten  Verlaut- 
barung des  Autors  herauslesen,  da  er  (Seite  203  seiner  Schrift)  davon 
redet,  „dass  alle  Lagen  des  Salzschi  chtengebirges  eine  einzige  conti- 
nuirliche  Altersfolge"  bilden,  wobei  es  scheint,  dass  in  diesem  Falle  die 
Continuität  ausschliesslich  auf  die  Schichten  des  unteren  Salzgebirges 
bezogen  wird  (vergl.  hier  auch  1.  c.  Seite  159  u.  160,  sowie  pag.  156, 
wo  es  heisst,  dass  zwischen  den  aufeinandertolgenden  Schichten  des 
Salzgebirges  „überall  der  bei  ihrer  Bildung  entstandene  ursprüngliche 
Zusammenhang"  intact  besteht).  Indessen  wird  damit  doch,  wie  Jeder- 
mann einsieht,  die  Discussion  über  die  tektonische  Bedeutung  der  Salz- 
gruppen auf  eine  gänzlich  verschobene  Grundlage  gestellt  und  es 
werden  die  Voraussetzungen  geändert,  unter  welchen  ich  aus  den  Dar- 
legungen des  Autors  jenen  unheilbaren  Widerspruch  heraustinden  musste, 
von  dem  oben  die  Rede  war.  Ich  fand  ja  nirgends  direct  gesagt, 
dass  das  Grünsalzgebirge  nicht  zu  den  Salzgruppen  gehöre. 

Verweilen  wir  aber  einige  Augenblicke  bei  der  zuletzt  angedeuteten 
Auffassung  N  i  e  d  z  w  i  e  d  z  k  i's  oder  vielmehr  bei  der  Autfassung,  welche, 
wenn  der  bewusste  Widerspruch  überhaupt  vermieden  werden  soll,  aus 
seinen  Aeusserungen  hervorgehen  niüsste  (denn  was  des  Autors  wirk- 
liche Auffassung  sein  mag,  ist  mir  heute  noch  weniger  klar  als  früher), 
so  stehen  wir  vor  einem  neuen  Probleme. 

Nehmen  wir  also  an,  dass  nach  der  Meinung  des  Autors  die  Con- 
tinuität dei'  Salzgruppen  nur  für  das  untere  geschichtete  Salzgebirge 
Geltung  besitzen  soll,  das  Salztrümmergebirge  aber,  gleichviel  wo  und 
wie  es  auftritt ,  in  jedem  Fall  jünger  ist  als  das  geschichtete  Salz- 
gebirge. 

Wir  haben  dann  (ich  bitte  hier  wieder  den  Durchschnitt  durch 
den  Franz  Josephschacht  in  der  Zeichnung  Nied  z  wi  edzki's  zu  ver- 
gleichen) eine  fortlaufende  Reihenfolge  geneigter  Schichten  des  unteren 
Salzgebirges  vor  uns,  welches  gänzlich  discordant  von  dem  oberen  oder 
Salztrümmergebirge  bedeckt  wird,  denn  nur  bei  der  Voraussetzung  einer 
solchen  eclatanten  Discordanz  w^äre  die  Art  des  Auftretens  des  oberen 
Salzgebirges  als  einer  jüngeren  Formationsabtheilung  nach  dieser 
Zeichnung  und  in  diesem  Durchschnitt  principiell  überhaupt  möglich. 
Nehmen  wir  nun  der  Vereinfiichung  der  Betrachtung  wegen  an,  dass 
sich  gegen  eine  Discor^lanz  in  so  grossem  Style  nichts  einwonden  Hesse, 


[19]  Beiträge  zur  Geologie  vou  G;ilizieii.  2()f) 

dann  wäre  wohl  das  diiiTli  jene  Zciclinung  dargestellte  Verliältniss  der 
älteren  Unterlage  zu  der  jüngeren  liedcckung  das  Unglaubliclisfe,  was 
sich  ersinnen  Hesse.  Wenn  man  sieh  nämlich  auch  vorstellen  könnte, 
dass  gewisse  Unebenheiten  der  Unterlage  durch  spätere  Absätze  aus- 
gefüllt worden  wären,  so  vermöchte  man  sich  doch  in  keiner  Weise  zu 
erkären,  wie  es  konmien  konnte,  dass  das  obere  Salzgebirge  von  Norden 
nach  Süden  geneigte,  tief  in  die  Unterlage  schräg  hineindringende 
mächtige  Massen  bildete ,  derart ,  dass  das  untere  geschichtete  Salz- 
gebirge jeweilig  über  diesen  Eindringlingen  überhängende  Partien 
von  grosser  Erstreckung  vorstellt. 

Sollten  diese  überhängenden  Partien  des  doch  zumeist  ziemlich 
weichen  nnd  jedenfalls  viele  auflösbare  Bestandtheile  enthaltenden 
Gebirges  gleichsam  etwas  Ursprüngliches,  bezüglich  bald  nach  der  Auf- 
richtung der  geschichteten  Salzmassen  Entstandenes  sein  und  vielleicht 
A'or  dem  Absatz  des  oberen  Salzgebirges  in  die  Luft,  bezüglich  in  das 
Wasser  aufgeragt  haben,  in  einer  Weise,  dass  damit  die  Erhebung  des 
schiefen  Thurnies  von  Pisa  über  seine  Unterlage  in  gar  keinen  Vergleich 
zu  bringen  wäre?  Nein,  das  ist  einfach  unmöglich  und  das  scheint  ja 
Niedzwiedzki  selbst  nicht  unbedingt  zu  glauben.  Wie  kommen  dann 
aber  die  betreffenden  Partien  des  Salztrümmergebirges  zum  Theil  in  das 
scheinbare  Liegende  der  älteren  Salzablagerung'?  Wie  gelangten  sie,  um 
einen  von  dem  Autor  selbst  (1.  c.  Seite  103)  gebrauchten  Ausdruck  anzu- 
wenden, „zwischen  einzelne  auseinanderklaffende  (!)  Partien  des  ge- 
schichteten Salzgebirges  hinein?"  Das  ist  eben  die  Schwierigkeit,  deren 
sich  der  Autor  bei  seinen  Darlegungen  kaum  bewusst  wird. 

Dieselbe  besteht  nicht  etwa  blos  für  den  bewussten  Durchschnitt 
durch  den  Franz  Josephschacht,  sie  besteht  in  ähnlicher  Weise  auch 
für  den  durch  das  Westfeld  gelegten  Durchschnitt  durch  den  Elisabeth- 
schacht, den  Niedzwiedzki  auf  Taf.  V  seiner  Abhandlung  zur 
Ansicht  gebracht  hat,  weil  auch  dort  Keile  der  beiden  Abtheilungen 
des  Salzgebirges  ineinander  eindringen. 

Und  was  vermag  der  Autor  zur  Erklärung  dieser  Verhältnisse  zu 
sagen"?  Er  spricht  in  einem  Falle  (Seite  136  seiner  Schrift)  von  einer 
stattgefundenen  „Aufreissung  und  theilweisen  Zerstörung  des  geschichteten 
Salzgebirges "  und  von  einer  „Ausfüllung  der  dadurch  entstandenen 
Höhlung  durch  den  ungeschichteten  Salzthon  mit  eingeschlossenen 
Grünsalzkörpern".  Oder  er  spricht  (1.  c.  Seite  162)  ganz  einfach  von  einer 
„Hineinpressung  des  Salztrümmergebirges  zwischen  vorragende  Theile" 
des  unteren  Salzgebirges,  welche  durch  „senkrecht  zum  Karpathenrand 
gerichteten  Gebirgsdruck"  erzeugt  worden  sei,  oder  durch  „auftrennenden 
und  verschiebenden  Gebirgsdruck"  ,  wie  man  nach  Seite  106  derselben 
Schrift  sagen  darf.  Ein  auftrennender  Druck,  das  ist  ein  famose  Vor- 
stellung ! 

Was  überhaupt  der  Gebirgsdruck  nicht  Alles  leisten  soll!  Im 
Sinne  der  modernen  Anschauungen,  denen  ja  Niedzwiedzki  bezüg- 
Hch  des  Gebirgsdruckes  sicher  zu  huldigen  wünscht,  muss  man  sich 
den  letzteren  doch  jedenfalls  als  einen  seitlichen  denken.  Wie  aber 
dieser  Seiteudruck  jüngere  Absätze  zwischen  ältere  und  unter  die 
letzteren  anders  „hineinpressen"  kann,  als  durch  Faltung,  und  zwar 
durch  schiefe  und  gemeinsame  Faltung  zweier  übereinander  liegender 

27* 


206  ör.  EmU  TietB*.  [gQ] 

Oesteinsconiplcxe .  das  bat  bis  bcuk'  uocb  Xieiuainl  g^ezeiirt.  Wenn 
Xiedzwiedzki  daobt.  eine  solebe  andere  Mögbehkeit  enuleckt  zu 
baben.  dann  hätte  er  die  nähere  Erlänternng  eines  fdr  die  physikalische 
Geok>£rie  so  wichtigen  Gedankens  nns  nicht  vorenthalten  sollen.  Haben  wir 
es  aber  bei  jenen  mehrfachen  Hineinpressangen  mit  wiederholten  Ein- 
faltungen  zu  thnn.  so  haben  wir  bei  den  in  einander  greifenden  Keilen 
der  beiden  Salzgebirge  es  anch  jeweilig  mit  Wiederholungen  derselben 
Absätze  zu  thun.  Dies  gilt  nicht  blos  f^r  das  obere  oder  8alztrümmer- 
gebirge.  sondern  auch  für  den  liegenden  Theil  der  beiden  Scbichten- 
complexe  und  von  einer  fortlaufenden  Altersfolge  aller  Schichten  des 
tieferen  Schiehtensystemes  kann  keine  Rede  mehr  sein.  Der  kaam  hie- 
seitigt  geglaubte  Widerspruch  zwischen  den  Aussagen  des  genannten 
Autors  kommt  also  auch  bei  dieser  IJetrachtnngsweise  in  wenig  ver- 
änderter Gestalt  wieder  zum  Vorschein. 

Diese  Betrachtungsweise,  wenn  sie  von  Niedzwiedzki  darcb- 
gedacht  worden  wäre,  hätte  also  diesen  dahin  führen  müssen,  seine 
Behauptungen  von  der  Continuität  der  Aufeinanderfolge  und  von  der 
Altersverschiedenheit  der  drei  Salzgmppcn  fallen  zu  lassen.  Er  hätte 
dann  zwei  Voraussetzungen  übrig  behalten,  die  sich  untereinander  und 
mit  den  thatsächlichen  Verhältnissen  vereinigen  lassen,  einmal  die  An- 
nahme des  jüngeren  Alters  des  Salztrömmergebirges  und  zweitens  die 
Annahme,  dass  für  die  Störungen  des  Salzgebirges  ein  seitlicher  OJebirgs- 
druck  bestimmend  war.  der  dem  in  den  benachbarten  karpathischen 
Erhebungen  zur  Geltung  gelangten  analog  gewesen  ist.  Damit  hätte  er 
aber  eine  Vereinigung  mit  dem  von  Paul  und  mir  vertretenen  .Stand- 
punkt vollzogen,  welchem  gerade  dieselben  Voraussetzungen  zu  Grunde 
liegen  und  er  wäre  wenigstens  in  diesem  Fundamenlalpunkt  weder  mit 
uns,  noch  mit  sieh  selbst  in  Gegensatz  gerathen. 

Die  Consequenz  dieses  von  Paul  und  mir  in  wesentlicher  Ueber- 
einstimmung  mit  der  älteren  Auffassung  Hrdina's  eingenommenen 
Standpunktes  ist  bekauutlich  und  wie  übrigens  leicht  einzusehen  die. 
dass  wir  uns  das  snbkarpalhische  Salzgebirge  von  Wieliezka  in  eine 
Eoilie  überschobener  (eventuell  in  Läng>brüche  \)  übergegangener) 
Falten  gelegt  denken,  welche  den  priucipiell  ganz  ähnlichen  Gebirgs- 
falten  der  benachbarten  karpathischen  Flyschzone  entsprechen,  und  es 
ist  geradezu  merkwürdig,  dass  sich  Xiedzwiedzki  so  hartnäckig 
weigert,  diese  nächstliegende  Vorstellung  zu  acceptiren.  nachdem  er 
doch  selbst  die  letztere  als  zwar  unwahrscheinlich,  aber  ah?  raii^Iieh 
bezeichnet  hat,  dieselbe  also  seinem  Gedankenkreise  nicht  fremd  ge- 
blieben ist.  Er  schrieb  ja  (Seite  137  seiner  Schrifit)  bezüglich  der 
.sehr  tiefen  seitlichen  Einbuchtungen  des  Salztrümmergebirges"  den 
folgenden  Satz:  _Wenn  man  diese  nicht  als  seitliche  Intmsionen  zwischen 
das  erodirte  oder  aufgerissene  Salzschichtensystem  betrachten  wollte, 
so  müsste  man  Tür  die  Gesammtheit  des  letzteren  eine  complicirte  und 
dabei  vollständig  raaskirte  Schuppenstructur  voraussetzen,  was  wohl 
sehr  unzuk'immlich  wäre."  Damit  ist  ja  doch,  obschon  in  sehr  gewundener 
Weise,  die  principielle  Zulässigkeit  einer  Annahme  zugestanden,  die 
der   von    Paul    und    mir    verlautbarten  Auffassung    sehr   ähnlich   ist. 


Was  för  das  Princip  der  tektonisckoi  Anschamuis  keinen  ünteiacUed  aacht. 


[21]  Beitrüge  zur  Geologie  von  Galizien.  207 

Warum  aber  diese  Auiialmie  un/ukoimuliclicr  sein  soll ,  als  diejenij^e 
des  Autors,  wird  nicht  ersichtlich,  denn  der  fabelhafte  Vorgang  jener 
in  colossalein  Massstabe  vorausgesetzten  „seitlichen  Intrusionen"  des 
hangenden  Gebirges  in  das  liegende,  ein  Vorgang,  über  dessen  Verhalten 
schliesslich  auch  nur  sehr  verschwommene  Aussagen  vorgebracht  werden 
konnten ,  wird  für  alle  Zeiten  ein  staunenswerthes  Räthsel  bleiben, 
welches  in  dieser  Gestalt  nicht  bald  ein  Seitenstück  finden  wird. 

Jener  Standpunkt  von  Paul  und  mir  hat  aber  noch  eine  weitere 
Consequenz,  nämlich  die,  dass  wir  die  Tektonik  des  Wieliczkaer  Salz- 
gebirges unmöglich  auf  eine  einfache  Wölbung  zurückfuhren  können, 
wie  dies  Niedzwicdzki  seinerseits  gethan  hat.  Wie  weiter  oben 
bereits  angedeutet,  hatte  ich  mir  auch  hiebei  erlaubt,  darauf  hinzu- 
weisen, dass  selbst  Nied  z  wie  dzki"s  eigene  Darstellung  mit  dieser 
Idee  einer  einfachen  AVölbung  nicht  übereinstimmt,  eben  weil  in  dieser 
Darstellung  das  keilftirmige  Ineinandergreifen  beider  Abtheilungen  des 
Salzgebirges  zum  Ausdruck  gebracht  wird. 

Der  genannte  Autor  glaubt  (1.  c.  Seite  206)  auch  diesen  Wider- 
spruch rechtfertigen  und  denselben  nur  meiner  missverständlichen  Auf- 
fassung seiner  Aussagen  zuschreiben  zu  sollen.  Ich  hätte  hier  zwei 
verschiedene,  zu  trennende  Dinge  miteinander  vermischt,  seinen  Durch- 
schnitt durch  das  Ostfeld  der  Grube,  wo  die  tektonischen  Complicatiouen 
thatsächlich  geringer  seien  als  weiter  westlich  und  den  vorher  bespro- 
chenen Durchschnitt  durch  den  Franz  Josephschacht,  der  dem  Mittelfelde 
der  Grube  angehöre.  Ueberdies  sei  jener  Durchschnitt  durch  das  Ostfeld 
(pag.  94  seiner  Schrift)  blos  schematisch  und  es  erkläre  sich  auf  diese 
Weise  die  scheinbare  Nichtübereinstimmung  seiner  Angaben. 

Dem  gegenüber  darf  ich  wohl  hervorheben ,  dass  auf  derselben 
Seite  94  der  Schrift  des  Autors  auch  ein  (ebenfalls  schematischer)  Durch- 
schnitt durch  das  Westfeld  der  Grube  gezeichnet  erscheint,  in  welchem 
ungefähr  dieselbe  einfache  Gewölbeform  zum  Ausdruck  kommt,  obschon 
das  genauere  Bild,  welches  der  Verfasser  später  von  den  Verhältnissen 
des  Westfeldes  in  seinem  Profil  über  den  Elisabetbschacht  (Taf.  V  seiner 
Schrift)  gegeben  hat,  von  einer  so  einfachen  Tektonik  nichts  mehr  be- 
merken lässt,  wie  ich  soeben  (Seite  19  diese  Schrift)  schon  zu  betonen 
Gelegenheit  hatte.  Ich  habe  mich  nun  auf  der  von  Niedzwicdzki 
incriminirten  Seite  231  meiner  Abhandlung  gleich  Anfangs  ausdrücklich  auf 
beide  Querprofile,  und  zwar  unter  besonderer  Hervorhebung  ihres  schema- 
tischen Charakters,  bezogen,  weil  diese  Profile  in  engem  Zusammenhange 
raitgetheilt  wurden  und  bestimmt  waren  (vergl.  Seite  94  jener  Schrift, 
Zeile  9 — 12),  die  Art  der  „Zusammenbiegung  des  salzfiihrenden  Schichten- 
systems" ganz  im  Allgemeinen  zu  erläutern,  dieselben  auch  sonst  im 
Rahmen  der  ganzen  Darstellung  des  Autors  keinen  ersichtlichen  Zweck 
gehabt  hätten.  Da  fand  ich  denn  natürlich,  dass  der  mehr  auf  Einzel- 
heiten eingehende  Durchschnitt  durch  den  Franz  Josephschacht  ein 
principiell  ganz  anderes  Bild  liefere  als  jene  allgemeinen  Darstellungen, 
welche  eine  jenen  Einzelheiten  widersprechende  tektonische  Autfassung 
bekundeten.  Es  ist  mir  aber  gar  nicht  eingefallen,  dort,  wo  ich  gleich 
nach  Erwähnung  der  beiden  schematischen  Bilder  specieller  von  dem 
Durchschnitt  durch  das  Ostfeld  spreche ,  denselben  ohne  Weiteres  mit 
dem  Durchschnitt  durch  den  Franz  Josephschacht    zu    ideutificiren,    da 


208  ß'"-  En''l  Tietze.  [22] 

dieser  letztere  Durclisclinitt  zwar  eine  ziemlich  östliche  Lage  besitzt, 
aber  kaum  als  «iaiiz  geeignet  erscheinen  konnte,  die  Verhältnisse  des 
eigentlichen  Ostfliigels  der  Grube  zu  illustriren  ,  in  welchen  das  Salz- 
gebirge der  Terrainoberfläche  mehr  genähert  und  in  seinen  oberen 
Partien  unvollständiger  erhaUen  ist. 

Ich  erwähnte  sogar  ausdrücklich ,  dass  aus  diesen  Gründen  ein 
Durchschnitt  durch  das  Ostfeld  sich  „weniger  zur  Erläuterung  der 
tektonischcn  Erscheinungen  von  Wieliczka  eignet".  Die  jetzige  Behaup- 
tung Nicd  zwiedzki's,  ich  hätte  wieder  einmal  „den  entscheidenden 
Umstand  übersehen"  ,  dass  die  von  mir  „verglichenen  Bilder  nicht 
gleiche  oder  gleich  sein  sollende  Objecte  zur  Darstellung  bringen",  ist 
daher  nichts  weiter  als  eine  der  Sonderbarkeiten,  an  denen  seine  Dialektik 
so  reich  ist. 

Gerade  der  jetzt  und  früher  von  dem  Autor  betonte  rein  schema- 
tische Charakter  jener  das  Ost-,  wie  das  Westfeld  darstellenden  Zeich- 
nungen und  seine  dazu  gemachten  Bemerkungen  weisen  indessen  darauf 
hin,  dass  er  die  Anschauung  von  der  einfachen  Gewölbeform  als  seine 
Grundanschauung  über  die  Lagerungsverhältnisse  von  Wieliczka  ange- 
sehen wissen  will.  Diese  Bilder  sollten  ja  eben  der  Vorstellung  von 
jener  durch  eine  „laterale,  nach  Nord  gerichtete  Druckkraft"  erzeugten 
Aufwölbung  als  Anhalt  dienen.  Da  war  es  also  mein  volles  Recht,  zu 
betonen ,  dass  die  vielgestaltigeren  Verhältnisse  eines  detaillirter  ge- 
zeichneten Durchschnitts,  wie  desjenigen  durch  den  Franz  Joseph- 
schacht ,  mit  einer  so  einfachen  Auffassung  nicht  harmoniren.  Nicht 
ich  habe  Herrn  Niedzwiedzki  missverstanden,  sondern  er  mich,  da 
er  übersah,  dass  ich  nicht  seine  einzelnen  Zeichnungen  als  solche,  son- 
dern das  Princip  seiner  tektonischcn  Darstellung  kritisirte. 

Niedzwiedzki  hat  aber  bei  dieser  Gelegenheit  auch  sich  selbst 
missverstanden.  Als  ich  nämlich  meine  Arbeit  über  die  geognostischen 
Verhältnisse  der  Gegend  von  Krakau  schrieb,  hatte  ich  selbstverständ- 
lich seinen  erst  1889  erschienenen  vierten  Beitrag  zur  Kenntniss  der  Salz- 
formation von  Wieliczka  und  Bochnia  noch  nicht  zur  Hand.  Wäre 
dieser  Beitrag  einige  Jahre  früher  erschienen,  dann  hätte  ich  sogar  das 
Recht  gehabt  zu  behaupten,  dass  der  vielgenannte  (im  dritten  Beitrag  auf 
Taf.  IV  abgebildete)  Durchschnitt  durch  den  Franz  Josephschacht,  der 
heute  als  ein  solcher  durch  das  Mittelfeld  der  Grabe  bezeichnet  wird, 
und  jener  schematische  Durchschnitt  durch  das  Ostfeld  im  Sinne  des 
Autors  in  der  That  „gleiche  oder  gleich  sein  sollende  Objecte  zur 
Darstellung  bringen".  Gleich  auf  der  ersten  Seite  dieses  4.  Beitrages 
(Seite  153  der  citirten  Schrift),  insbesondere  aber  auf  Seite  15G  derselben 
Schrift  (Zeile  18)  wird  nämlich  der  Durchschnitt  durch  den  Franz 
Joseph-Schacht  ausdrücklich  als  ein  solcher  durch  das  Ostfeld  der  Grube 
aufgeführt. 

Wenn  ich  also  wirklich  die  von  dem  Autor  mir  vorgeworfene 
Verwechslung  von  Ost-  und  Mittelfeld  begangen  hal)en  sollte  ,  welches 
Recht  hätte  unter  solchen  Umständen  gerade  er,  einen  derartigen  Vor- 
wurf zu  verlautbaren  V  Niedzwiedzki  theilt  in  diesem  vierten  Beitrage 
einen  specialisirteren  Durchschnitt  durch  das  Westfeld  mit,  er  beruft 
sich  dabei  darauf,  dass  er  im  dritten  Beitrage  derselben  Abhandlung  „eine 


\2P>]  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizieu.  209 

detaillirtcre  Sehildernng*"  eines  Diirclisohnittes  durch  das  Ostfeld  f;'eg-ebcii 
habe,  und  zwar  in  eben  jener  Darstellung",  welche  sich  ausschliesslich 
mit  dem  über  den  Franz  Joseph-Schacht  ^ele<?ten  Querschnitte  befasst.  Soll 
man  da  nicht  am  Ende  gar  annehmen  dürfen,  dass  jene  schematischen 
beiden  Bilder  auf  Seite  94  derselben  Abhandlung  (im  zweiten  Beitrage) 
nichts  als  die  ganz  directen  Vorläufer  der  späteren  Einzeldarstellungen 
gewesen  sind?  Diese  Annahme  wäre  um  so  natürlicher,  als  das  Profil  über 
den  Elisabethschacht  gegen  Westen  hin  gar  nicht  viel  mehr  von  der 
Mittelregion  der  Grube  entfernt  ist  als  das  Profil  über  den  Franz  Joseph- 
schacht nach  der  anderen  Richtung.  Hätte  ich  aber  dann  nicht  erst 
recht  Ursache  gehabt,  die  principielle  Nichtübereinstininmng  jener 
schematischen  Auffassung  mit  der  specialisirten  Darstellung  zu  betonen? 

Der  Autor  hätte,  wie  man  sieht,  jedenfalls  gut  daran  gethan, 
seine  früheren  Veröffentlichungen  etwas  genauer  durchzublättern,  ehe 
er  sich  anschickte,  darzulegen,  dass  ich  hier  „wieder  einen  entscheiden- 
den Umstand"  übersehen  habe.  Er  hätte  bei  jener  Durchsicht  vielleicht 
auch  den  folgenden  Satz  (Seite  140  seiner  Schrift)  gefunden:  „Ich  halte 
nämlich  die  ganze  unmittelbar  südlich  von  dem  Franz  Josephsehacht 
gelegene  und  nördlich  von  ihm  aufgedeckte  Gebirgsmasse  für  ein  an 
einem  Bruchrande  tief  eingestürztes  Salztriimmergebirge."  Der  Leser,  der 
sich  hier  nicht  nebenbei  den  Kopf  zerbricht  über  jene  Gebirgsmasse, 
die  südlich  von  dem  bewussten  Schacht  gelegen,  aber  nördlich  von  dem- 
selben aufgeschlossen  ist,  erkennt  doch  bald ,  dass  hier  von  einer  be- 
deutenden Verwerfung  gesprochen  wird,  die  mitten  durch  das  Salzgebirge 
hindurchgehen  soll  und  sieht  schon  daraus  ein,  dass  sich  in  der  That, 
sowie  ich  das  angedeutet  hatte,  die  eigene  Darstellung  des  Autors  mit 
der  von  demselben  vertretenen  Vorstellung  einer  einfachen  Wölbung  des 
Salzgebirges  „nicht  zusammenreimt",  mit  jener  Vorstellung,  welche 
N  i  e  d  z  w  i  e  d  z  k  i  überdies  vielleicht  nur  als  das  Erbtheil  einiger  anderer 
von  ihm  hochgeschätzten  Forscher  zu  vertheidigen  sich  entschlossen  hat, 
wie  ich  das  in  meiner  Krakauer  Arbeit  darzulegen  versuchte  (vergl. 
1.  c.  Seite  223,  224  und  230). 

Im  unmittelbaren  Zusammenhange  mit  der  Frage  der  Grundzüge 
der  Tektonik  des  Salzgebirges,  wie  sie  gelegentlich  der  soeben  be- 
sprochenen Differenzen  berührt  wurde,  steht  nun  die  speciellere  Frage, 
ob,  abgesehen  von  dem  oben  erwähnten  faltungsformigen  Ineinander- 
greifen des  Grünsalzgebirges  und  des  geschichteten  Salzgebirges,  auch 
innerhalb  des  letzteren  selbst  directere  Anhaltspunkte  für  die  Annahme 
einer  faltenförmigen  Zusammenschiebung  gefunden  werden  können.  Ich 
habe  in  meiner  Beschreibung  der  geognostischen  Verhältnisse  der  Gegend 
von  Krakau.  auch  diesen  Gegenstand  berührt  (vergl.  1.  c.  Seite  234—236) 
und  dabei  besonders  auf  gewisse  Beobachtungen  hingewiesen,  die  sich 
in  der  Strecke  WiesioJowski  anstellen  lassen. 

Niedzwiedzki  (Seite  207  etc.  seiner  Schrift)  glaubt  indessen 
die  Beweiskraft  dieser  Wahrnehmungen  bezweifeln  zu  sollen.  Es  sei 
zwar,  so  meint  er  dabei,  für  ihn  „keineswegs  leicht"  meine  hierauf 
bezüglichen  Behauptungen  „zurückzuweisen,  aber  die  „gänzliche  Un- 
richtigkeit" derselben  sei  doch  für  ihn   „völlig  evident"  (sie!). 

Immerhin  giebt  der  genannte  Autor  zu,  dass,  wenn  sich  dort  that- 
sächlich  solche  spitze,  scharf  geknickte,    schiefe  Schichtensättel    beob- 


210  Dr.  Emil  Tielze.  [24] 

achten  Hessen,  wie  ich  sie  gesehen  zu  haben  vorgab,  dies  „natlirlich 
eine  Entscheidung-  zu  Ungunsten"  seiner  DarsteUung  l)e\virken  müsse. 
Es  ist  ja  auch  zunächst  von  vornlierein  klar,  dass  dann  eine  continuir- 
liche  Aufeinanderfolge  der  verschiedenen  Schichten  des  Salzgebirges 
nicht  einmal  fiir  dessen  untere  Abtheilung  festgehalten  werden  dürfte. 
So  haben  sich  denn  auch  in  der  That,  wie  der  Autor  beklagt ,  einige 
Referenten  von  meinen  betreffenden  Angaben  bestechen  lassen,  wie  z.  H. 
Uhlig  im  neuen  Jahrbuche  (Stuttgart  1889,  11.  Bd.,  Seite  801,  vergl. 
übrigens  auch  dessen  Profil  von  Wieliczka  in  N  e um ay  r's  Erdgeschichte, 
II.  Bd.,  Seite  727). 

Zur  Aufklarung  dieser  Stellungnahme  Uhlig's  kann  vielleicht 
dienen,  dass  der  Letztgenannte  in  meiner  Gesellschaft  und  unter  Führung 
des  verstorbenen  Bergrathes  Schreiter,  damaligen  Markscheiders  von 
Wieliczka,  die  Grube  besucht  hat  und  dass  Seh  reit  er,  der  mich 
schon  früher  auf  die  betreffende  Strecke  aufmerksam  gemacht  hatte, 
damals  auch  Herrn  Uhlig  die  dort  sichtbaren  Erscheinungen  als  für 
das  Verständniss  der  Tektonik  des  Salzgebirges  massgebend  zeigte. 
Uhlig  war  also  in  die  Lage  versetzt  worden,  jene  Knickungen  mit 
eigenen  Augen  zu  sehen  und  weder  er,  noch  liergrath  Sc  breiter 
haben  damals  jene  Faltungen  für  blosse  bei  der  Entstehung  des  Stein- 
salzes oder  durch  Mineralbildungen  bewirkte  „Structurerschcinungen" 
angesehen,  als  welche  sie  N  ied  z  wiedzki  heute  (1.  c.  Seite  211)  gern 
hinstellen  möchte. 

Wenn  der  Letztere  ausserdem  meint,  der  Aufschluss  in  der  Strecke 
Wiesiol'owski  sei  nicht  ausgedehnt  genug,  um  das  thatsächliche  Vor- 
handensein spitz  geknickter  Faltungen  ersichtlich  zu  machen,  so  ist  das 
ein  Irrtlium.  Es  handelt  sich  für  mich  ja  gar  nicht  darum,  zu  behaupten, 
dass  dort  vielleicht  eine  grosse,  einer  ganzen  Salzgruppe  entsprechende 
Falte  auf  einen  Blick  siebtbar  werde.  Solche  Verhältnisse  können  in 
einer  Grube  wohl  nie  direct  beobachtet,  sondern  müssen  durch  Com- 
bination  von  verschiedenen  Daten  erschlossen  werden.  Es  handelt  sich 
vielmehr  darum,  zu  zeigen,  dass  schiefe,  mit  dem  Scheitel  nach  Nord 
geneigte  Schichtenknickungen  bei  südlichem  Schichtenfall ,  wie  sie 
meinen  und  P  a  u  Ts  theoretischen  Anschauungen  über  das  Wesen  der 
Wieliczkaer  Tektonik  entsprechen,  in  der  Grube  factisch  zu  beobachten 
sind  und  das  Hess  sich  an  der  bezeichneten  Stelle  gerade  in  kleineren, 
der  unmittelbaren  Anschauung  zugänglichen  Verhältnissen  sehr  gut 
demonstriren. 

Wer  mit  der  karpathischen  Geologie  einigermassen  vertraut  ist, 
was  ja  Nie  dz  wiedzki  zu  werden  langjährige  Gelegenheit  gehabt 
hat,  der  weiss  auch,  dass  derartige  Schichtenknickungen,  die.sich  zu  dem 
grossen  Faltenwurf  wie  Erscheinungen  zweiter  Ordnung  verhalten ,  bei 
den  dünnschichtigen  Abtheilungen  des  Flyschgcbirges  (wie  z.  B. 
bei  den  Roi)iankaschichten)  oft  in  ziemlich  kleinem  Maassstabe  vor- 
kommen, in  einem  Maassstabe,  der,  wie  ich  hinzufügen  kann,  stellen- 
weise sogar  viel  kleiner  ist,  als  bei  der  Faltung  des  Spizasalzes  in  der 
Strecke  Wiesioiowski.  Man  hat  also  kein  Recht,  zu  sagen  (wie  dies 
1.  c.  Seite  208  unten  geschieht),  dass  Beobachtungen,  wie  sie  daselbst 
anzustellen  sind,  „schon  a  priori  eine  Unmöglichkeit  darstellen".  Wohl 
aber  hat  man  ein  Recht,    zu   sagen,    dass  solche    Beobachtungen  eine 


[251  Beiträge  y.nr  Geologie  von  Galizien.  211 

eminent  principielle  Bedeutung-  besitzen,  wenn  es  sich  um  die 
Frage  iiandelt,  ob  das  l)etretfende  Salzgebirge  in  schiefe  Falten  gelegt 
ist  oder  nicht  und  um  die  ähnliclie  Frage ,  ob  die  Schichten  dieses 
Gebirges  eine  continuirliche  Aufeinanderfolge  bilden  oder  eine  mehrfache 
Wiederholung  derselben  Lagen.  Dass  es  aber  im  Hinblick  auf  die  prin- 
cipielle Bedeutung  der  bewussten  Knickungen  fiir  mich  nothwendig 
gewesen  wäre,  ausfuhrlicher  darüber  zu  sprechen  und  dieselben  durch 
eine  Zeichnung  zu  illustriren,  wie  mir  Niedzwiedzki  schliesslich  als 
Unterlassung  vorwirft,  vermag  ich  nicht  einzusehen.  Ich  schrieb  ja  doch 
für  Leute,  welche  bereits  wissen,  was  eine  schief  gestellte  Schichten- 
knicUung  ist  und  „breitspurig"  zu  werden,  habe  ich  wohl  nur  dann 
Veranlassung,  wenn  es  sich  um  complicirtere  Verhältnisse  handelt,  sei 
es,  dass  diese  Complication  in  der  Sache  selbst  oder  in  der  durch  die 
Autoreu  herbeigeführten  Unklarheit  über  einen  solchen  Gegenstand  be- 
gründet ist. 

Zum  Schlüsse  will  ich  nun  noch  einige  Worte  an  die  Bemerkungen 
anknüpfen,  welche  NiedzwMcdzki  bezüglich  des  zwischen  der  Salz- 
formation und  den  Bildungen  des  Karpathenrandes  bestehenden  An- 
lageruugsverhältnisses  verlautbart  hat  (I.  c.  Seite  216  etc.). 

Bei  dieser  Gelegenheit  kann  ich  ausnahmsweise  einen  Fall  her- 
vorheben ,  in  welchem  mir  ein  von  dem  genannten  Autor  gemachter 
Vorwurf  der  missverständlichen  Auffassung  seiner  Aeusserungen  theil- 
weise  begründet  erscheint. 

Es  handelt  sich  dabei  um  einen  Widerspruch,  welchen  ich  (vergl. 
Seite  239  meiner  Krakauer  Arbeit)  zwischen  zwei  früheren  Aeusserungen 
des  genannten  Forschers  zu  finden  glaubte. 

Der  Letztere  hatte  geschrieben  (Seite  152  seiner  Schrift) :  „Es  nähert 
sich  das  Salzschichtensystem,  an  seiner  Südflanke  im  Südfallen  verblei- 
bend ,  bereits  dermassen  dem  altkarpathischen  Rande ,  dass  kein 
Platz  mehr  vorhanden  ist  für  eine  noch  so  steil  rückgebogene 
Falte  der  ganzen  Salzschichtenfolge."  Kurz  vorher  hatte  sich  der  Autor 
bei  der  Begründung  dieses  G-edankens  auf  eine  bereits  Seite  111  der 
selben  Schrift  gegebene  Auseinandersetzung  bezogen.  Dort  liest  man 
folgenden  Satz:  „Wenn  man  von  den  südlichsten  Endpunkten  auch  der 
tiefsten  Grubenstrecken  lothrechte  Linien  hinaufziehen  würde,  so  kämen 
deren  Endpunkte  ausnahmslos  noch  nördlich  von  der  evidenten  oder 
vermutheten  oberflächlichen  Grenzlinie  zwischem  dem  Salzgebirge  und 
dem  karpathischen  System  zu  liegen.  —  Es  ist  sogar  noch  genügend 
Zwischenraum  vorhanden,  dass  die  karpathische  Randfläche  mit 
einer  nicht  aussergewJhnlich  steilen  Neigung  nach  Norden  unter  die 
gesainmte  Salzablagerung  einfalle." 

Eine  vollkommene  Harmonie  zwischen  diesen  Sätzen  bin  ich  nun 
zwar  auch  heute  noch  nicht  in  der  Lage  aufzufinden.  Wohl  aber  bekenne 
ich  ohne  Weiteres,  dass  ich  durch  ein  Missverständniss  der  Stylisirung 
des  letzten  Satzes  verleitet  wurde,  darin  einen  Widerspruch  zu  entdecken, 
der  in  der  Form,  in  welcher  ich  denselben  präcisirte,  nicht  vorhanden 
ist.  Die  Aeusserung  von  dem  nördlichen  Einfallen  der  karpathischen  Rand- 
fläche unter  die  Salzformation  hat  mich  veranlasst  zu  glauben,  dass  damit 
auf  eine  nördliche  Fallrichtung  derselben  Schichten  in  der  Tiefe  angespielt 

Jahrbuch  der  k,  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  2.  Heft.  (Dr.  E.  Tietze.)  28 


212  Dr.  Emil  Tietze.  [20] 

werde,  welclie  in  der  Hcilie  den  Karpatlienrand  /Aisamimensetzeii  und 
dort  an  der  Oberllaclie  eine  südliche  Neiguni;-  zeigen.  Ich  glaubte  also, 
die  karpathischen  Schichten  hätten  nach  der  Meinung  des  Autors  Platz 
genug  zu  einer  Faltung  in  demselben  Räume,  welcher  für  eine  Umtaltung 
der  Salzschichten  als  ungenügend  gefunden  wurde.  Nach  der  ausdrück- 
lich abgegebenen  Erklärung  Niedzwiedzki's  indessen,  dass  er  unter 
der  karpathischen  Randtläche  ganz  einfach  die  Böschung  der  kar- 
])athischen  Hügel  und  deren  supponirte  Fortsetzung  nach  der  Tiefe 
verstanden  habe,  dass  er  also  auch  in  der  Tiefe  eine  Umkehr  des  Ein- 
fallens  der  diese  Böschung  zusammensetzenden  Schichten  nicht  voraus- 
setze, zögere  ich  nicht  einen  Augenblick,  einzugestehen,  dass  ich  mir 
in  diesem  Punkte  von  seiner  Auffassung  ein  falsches  Bild  gemacht  habe. 

Andererseits  kann  ich  freilich  nicht  sagen ,  dass  mich  diese  Auf- 
fassung, so  wie  sie  mir  heute  klar  geworden  ist,  mehr  anspricht,  als 
die,  welche  ich  früher  aus  den  bewussten  Aeusserungen  herausgelesen 
hatte.  Der  Gegensatz  unserer  Meinung  bezüglich  der  Art  des  Anein- 
andergrenzens  der  karpathischen  und  der  subUarpathischen  Bildungen, 
wie  ich  ihn  (Seite  237—246  meiner  Krakauer  Monographie)  ausführlich 
geschildert  habe,  wird  dadurch  leider  nicht  gemildert.  Dieser  Gegensatz 
besteht  nach  wie  vor  darin,  dass  ich  (ähnlich  wie  früher  Paul)  das 
gegen  den  Karpatlienrand  gerichtete  südliche  Einfallen  im  Principe  einer 
Ueberkipjmng  zuschreibe,  während  Niedzwiedzki  bei  diesem  schein- 
baren Einschiessen  jüngerer  Absätze  unter  die  gleichfalls  südwärts  ge- 
neigten karpathischen  Bildungen  von  einer  Ueberkippung  nichts  wissen 
will  und  nicht  einmal  an  eine  (eventuell  als  Faltenbruch  aufzufassende) 
Verwerfung  denkt.  Jener  Gegensatz  besteht  ferner  darin,  dass  Paul  und 
ich  hier  eine  Anschauung  vertreten  haben,  welche  ebenso  ganz  im 
Allgemeinen  den  bekannten  Grundzügen  des  Aufbaues  der  Karpathen 
gerecht  wird,  wie  sie  im  Einzelnen  mit  der  nach  unserer  Ansiclit  auf 
schiefe  Faltung  zurückzuführenden  Tektonik  der  Salzformation  selbst 
harmonirt,  während  Niedzwiedzki  diese  Anschauung  bekämpft,  ohne 
freilich  etwas  Verständliches  an  deren  Stelle  zu  setzen. 

Ich  habe  eine  Zeit  lang  geglaubt,  dass  er  mit  der  für  derartige 
Fälle  freilich  ganz  unzureichenden  Annahme  einer  Discordanz  das  er- 
wähnte Verhältniss  erklären  zu  können  vermeinte  und  wenn  ich  in  seinem 
neuesten  Beitrag  die  Seite  216  aufschlage,  so  scheint  es  auch,  dass  ich 
wenigstens  hierin  keinem  Missverständnisse  unterlegen  bin.  Der  Autor 
verwahrt  sich  dort  dagegen,  dass  er  bezüglich  jenes  Lagerungsverhält- 
nisses nur  Negationen  vorgebracht  habe.  Er  habe  dasselbe  vielmehr 
„ganz  präcise  definirt  in  der  Annahme  eines  discordanten  Abstossens 
der  südfallenden  Salzschichten  gegen  die  karpathis"he,  frei  nach  Norden 
abfallende,  aus  südgeneigten  Lagen  aufgebaute  Böschung".  Zwei  Seiten 
später  (Seite  218)  liest  man  aber  wörtlich,  er  habe  nirgends  behauptet, 
„dass  die  discordante  Anlagerung  an  dem  Lagerungsverhältnisse ,  also 
der  discordanten  Lagerung  selber  Schuld  wäre ,  was  einen  c  a  j)  i- 
talcn    Unsinn   giebt". 

Da  stehe  ich  nun  freilich  ganz  rathlos  da.  Wer  sich  nach  diesen 
Ixndcn  Sätzen  in  ihrer  Conibination  eine  correcte  Vorstellung  von  den 
Ansichten  des  Autors  über  jenes  Lagerungsverhältniss  bihlcn  kann,  der 
njuss  jedenfalls  ein  sehr  tiefer  Denker  sein.    Der    Autor   fügt  aber  zur 


[271  Beiträge  zur  Geologie  von  (ializieu.  91;^ 

Ei'Iäuteninj^'  des  Gcs;iij;-tcii  liinzii,  dass  ich  bei  dieser  Diseussion  ofil'enldir 
zwei  verscliicdeiie  Sachen  verwechsle:   ,,dic  Eniiruiii;-    der  Art  der    An 
higerimg:  und  die  Erklärung,  wie  dieselbe  entstanden  sei",    das  heisst 
also,  wenn  ich  recht  verstehe,   die  blosse  Constatirnng  einer  'iMiatsache 
und  den  Versuch,   diese  Thatsacbe  zu  deuten. 

Lässt  man  diesen  Satz  gelten,  dann  kommt  man  zunächst  zu  dem 
Schluss,  dass  der  Autor  vermuthlich  überhaupt  auf  eine  „Erklärung" 
des  Sachverhaltes  verzichten  will  und  sich  mit  der  „Eruirung  der  Art 
der  Anlagerung"  in  diesem  Ealle  begnügt.  Damit  würde  aber  bewiesen 
sein,  dass  ich  Recht  hatte,  in  seinen  hierauf  bezüglichen  Darlegungen 
eine  zureichende  Erklärung  der  tektonischen  Beziehungen  zwischen  der 
Salzformation  und  dem  Karpathenrande  zu  vermissen ,  wenn  ich  auch 
zu  dieser  Annahme  früher  auf  einem  anderen  Wege  gelangte. 

Jener  Satz  verbirgt  indessen  oder  enthüllt  vielmehr  einen  schweren 
Irrthum  Niedzwi  edzki's.  Aus  jenem  Satze  spricht  nämlich  dessen 
]\Ieinnng,  dass  er  die  Art  der  Anlagerung  des  Salzgebirges  an  den 
Karpatheurand  thatsächlich  „eruirt",  dass  er  das  betreffende  Lagerungs- 
verhältniss,  so  wie  es  ist,  festgestellt  habe  und  dass  die  Versuche  einer 
Deutung  mit  dieser  Feststellung  zu  rechnen  haben.  Ja  was  hat  er  denn 
eruirt  und  was  konnte  er  denn  in  dem  nicht  aufgeschlossenen  Terrain 
zwischen  den  südlichsten  Grubenstrecken  und  der  idealen  unterirdischen 
Fortsetzung  der  karpathischen  Raudzone  überhaupt  eruiren? 

Selbst  die  nach  Norden  geneigte  unterirdische  Böschung  des 
Karpathenrandes  existirt  ja  doch  vorläufig  nur  in  seinem  Kopfe.  Findet 
in  jener  Gegend  eine  blosse  Ueberkippung  statt,  dann  giebt  es  keine 
solche  Böschung,  und  giebt  es  daselbst  eine  Verwerfung ,  dann  kann 
die  betreffende  Kluft  zwar  unter  Umständen  eine  nordwärts  geneigte 
Lage  einnehmen,  aber  eine  solche  Kluftfläche  wäre  abermals  keine 
Böschung.  Hat  denn  ferner  der  Autor  wirklich  gesehen ,  dass  sich  die 
Salzformation  in  der  nächsten  Nähe  des  Karpathenrandes  in  der  Tiefe 
nicht  umbiegt?  Seine  oben  citirte  Behauptung,  es  sei  für  eine  steil 
rückgebogene  Falte  der  ganzen  Salzschichtenfolge  zwischen  dem 
karpathischen  Bande  und  den  beobachteten  südlichsten  Theilen  der 
Salzformation  kein  genügender  Platz  mehr  vorhanden,  ist  ja  doch  keine 
Beobachtung,  sondern  nur  eine  Folgerung,  und  zwar  eine  Folgerung 
aus  einer,  wie  wir  sahen,  durchaus  anfechtbaren  Prämisse,  nämlich  aus 
der  Voraussetzung,  dass  die  in  der  Grube  aufgeschlossenen  Salzschichten 
eine  continuirliche  Aufeinanderfolge  bilden.  Hält  man  die  früher  be- 
sprochenen Salzgruppen  indessen  für  mehrfache  Wiederholungen  ein 
und  desselben  Complexes,  dann  hat  man  es  für  die  Rechnung  mit 
einer  viel  geringeren  Mächtigkeit  des  Salzgebirges  zu  thun  und  kann 
sieb  viel  leichter  vorstellen,  dass  dieses  (oder  dessen  unter  Umständen 
vertaubtes  Aequivalent)  jene  Umfaltung  bewerkstelligt.  Ein  gewisser 
Zwischenraum  zwischen  den  südlichsten  Aufschlusspunkten  des  Salz- 
gebirges und  den  nördlichsten  Aufschlüssen  der  karpathischen  Rand- 
bildungen steht  ja  selbst  nach  Niedzwi  edzki's  Ausführungen  dafür 
noch  immer  zu  Gebote.  Die  Sache  ist  also  die,  dass  der  Letztgenannte 
bei  dieser  Frage  seine  Vorstellungen  für  Constatirungen  hält,  dass  er 
seiner  Deutung  das  Gewicht  einer  beobachteten  Thatsacbe  beimisst, 
dass  also  gerade  er  es  ist,  der  hier  jene  zwei  verschiedenen  Dinge  mit 

28* 


214  Dr.  Emil  Tietze  .  [28] 

einander  verwechselt,  die  l"'rniittliini2,'.  wie  sicli  die  jüngere  Formation 
an  die  ältere  angelai^ert  hetindet  und  die  Erkliirnnj;-,  wie  man  sich  das 
Entstehen  dieser  Anlai»erung-  zu  denken  habe;  denn  Vorstel hingen,  die 
man  sicli  über  ein  nicht  überall  direct  sichtbares  Lagernngsverhältniss 
macht,  schliessen  ja  doch  uaturgemäss  den  Versnch  einer  Deutung  ein, 
während  thatsächliche  Constatiruugen  mit  einem  solchen  Versuche  nichts 
gemein  /u  haben  brauchen. 

Wenn  sich  also  Niedzwiedzki  beklagt,  bctreflfs  der  in  Rede 
stehenden  Streitfrage  in  meinen  früheren  Darlegungen  keine  „gerechtere 
Würdigung  des  Werthes  seiner  Angaben  undSchlussfulgerungen"  gefunden 
zu  haben,  so  bedauere  ich,  gerade  vom  Standpunkte  einer  gerecliten,  das 
ist  rein  sachlichen  Kritik  ihm  auch  heute  noch  nicht  den  gewünschten 
Beifall  spenden  zu  können.  Ob  es  aber  seinerseits  gerecht  ist  (siehe  dessen 
Schrift  Seite  217),  in  meiner  allgemeinereu  Discussion  der  Verhältnisse 
zwischen  den  karpathischen  Randbildungen  und  dem  subkarpathischen 
Miocän,  wie  ich  sie  in  meiner  Beschreibung  der  Gegend  von  Krakau 
(1.  c.  Seite  241—244)  gegeben  habe,  nur  eine  „breitspurige  Vorführung" 
zu  finden,  die  in  der  vorliegenden  Frage  keine  „directe  Verwendung" 
beans])ruchen  könne,  das  muss  ich  dem  Urtheil  Anderer  überlassen. 

Der  genannte  Autor  hatte,  wie  wir  jetzt  wieder  gesehen  haben, 
unter  allen  Umständen  von  einer  Discordanz  zwischen  der  miocänen 
Salzformation  und  dem  karpathischen  Schichtencomplex  bei  Wieliczka 
gesprochen.  Unmittelbar  zu  beobachten  war  diese  Discordanz  nicht. 
Lag  es  da  nicht  ungemein  nahe,  sich  im  Allgemeinen  die  Frage  vorzu- 
legen, was  und  wie  viel  von  einer  Discordanz  zwischen  den  kar- 
pathischen und  den  subkarpathischen  Bildungen  in  Galizien  übcrhaujit 
zu  halten  seiV  Meine  langjährigen  Erfahrungen  im  Bereich  der  galizi- 
schen  Geologie  gaben  mir  dazu  sogar  ein  specielles  Recht,  und  ich  meine, 
dass  die  Gesichtspunkte,  die  ich  dabei  (zum  Theil  im  Anschluss  an  eine 
frühere  Mittheilung  von  mir)  entwickelte,  ursprünglich  nicht  gerade  so 
„allgemein  bekannt"  waren,  wie  Niedzwiedzki  behauptet.  Wenigstens 
hat  er  selbst  von  dieser  Kenntniss  wenig  Gebrauch  gemacht,  und  wenn 
er  heute  unter  Bekämpfung  meiner  Ausführungen  (1.  c.  Seite  217  in  der 
Anmerkung  unten)  schreibt,  dass  die  „ersichtlichen  Verhältnisse  der 
Lagerung  keine  Concordanz"  der  verglichenen  Bildungen  bei  Wieliczka 
anzunehmen  gestatten,  so  zeigt  er  damit,  dass  ihm  jene  „allgemein" 
bekannten  Anschauungen  noch  immer  nicht  ganz  geläufig  sind,  denn 
ich  habe  von  einer  Concordanz  ohne  Einschränkung  dieses  Begriffes  in 
meiner  eben  citirten  Arbeit  für  diesen  Fall  überhaupt  nicht  gesprochen. 
Eine  solche  Concordanz  ohne  Einschränkung  hat  Niedzwiedzki  viel- 
mehr für  das  Wieliczka  benachbarte  Bochnia  angenommen  und  ich  habe 
bereits  bei  einer  früheren  Gelegenheit  (Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichs- 
anstalt. 1890,  Seite  160)  auf  die  eigenthümlichen  Extreme  aufmerksam 
gemacht,  zwischen  denen  sich  des  Verfassers  Ansichten  bei  diesen 
Dingen  i)ewegen. 

Was  ich  mit  jenen  angeblich  überflüssigen  Auseinandersetzungen 
gethan  habe,  war  jedenfalls  etwas  ganz  Naturgemässes ,  insofern  als 
ich  mich  hier  wie  sonst  bemühte ,  den  Aufbau  der  Salzformation  von 
Wieliczka  in  Beziehung  zu  bringen  zu  den  allgemeinen  tektonischen 
Gesetzen,  von  welchen   die  karpathische  Kette    beherrscht  wird.  Nie- 


[20]  Beiträge  zur  Geologie  von  Galizien.  215 

dzvviedzki  liinf;'ec:cn  hat,  wie  ich  erst  kürzlich  wieder  betonte 
(Verhandl.  d.  k.  k.  v;q<^\.  Keiehsaiistalt.  1S90,  Seite  löO  u.  160  ol)en, 
Einiges  über  die  Unij;ebung-  von  Wieliczka,  Seite  9  u.  10  des  Separat- 
abdrnckes),  die  Tektonik  von  Wieliczka  fiir  etwas  Apartes  ^olialtcn  nnd 
i>'eglaiibt ,  dieselbe  nnbekiininiort  um  die  sonstigen  Verhältnisse  der 
Karjiathen  behandeln  zu  diirlen. 

Icli  wiederhole  das  hier  nochmals  ausdrücklich ,  obschon  der 
genannte  Autor  (I.  c.  Seite  218,  in  der  Mitte)  dies  als  eine  Freiheit 
bezeichnet,  die  ich  mir  herausnehme.  Er  beruft  sich  dabei  darauf,  dass 
er  ja  die  Dislocation  der  Salzformation  einem  lateralen ,  von  den 
Karpathen  ausgehenden  Druck  zugeschrieben  habe  und  dass  ich  dies 
(Seite  238  meiner  Krakauer  Arbeit)  anerkannt  habe.  Daraus,  meint  er, 
hätte  ich  doch  das  Geg-entheil  meiner  oben  ausg'csprochcncn  Folgerung- 
ableiten  sollen.  Er  geht  sogar  noch  weiter  und  behauptet,  ich  hätte 
direct  gerade  aus  jener  seiner  Aussage  über  den  karpathischcn  Seitendruck 
den  unlogischen  Schhiss  gezogen ,  dass  er  die  Tektonik  Wieliczkas  als 
eine  von  der  Tektonik  der  Karpathen  unabhängige  betrachtet  habe. 

Das  ist  wieder  ein  starkes  Stück  von  willkürlicher  Verdrehung 
fremder  Aussagen.  Nicht  daraus,  dass  der  Autor  die  Aufwölbung  der 
Salzformation  einem  karpathischen  Drucke  zuschreibt,  sondern  daraus, 
dass  er  sich  die  Wirksamkeit  dieses  Druckes  in  einer  ganz  ungewöhn- 
lichen, den  tektonischen  Erscheinungen  der  Karj)athen  widersprechen- 
den Weise  vorstellte,  habe  ich  gefolgert,  dass  dieser  Autor  die  Salz- 
formation Wieliczkas  „tektonisch  auf  den  Isolirschemel"  gesetzt  hat. 
Ich  fand  eben,  dass  die  Aussage  über  jenen  Druck  in  keinen  organischen 
Zusammenhang  mit  den  sonstigen  Behauptungen  des  Verfassers  gebracht 
war  und  dass  er  diese  Behauptungen  im  Gegensatze  zu  den  Voraus- 
setzungen aufgestellt  hatte ,  die  mit  der  Annahme  eines  karpathischcn 
Druckes  hätten  verbunden  sein  müssen  (vergl.  auch  Seite  230  meiner 
Krakauer  Arbeit).  Das  hatte  ich  so  deutlich  auseinandergesetzt,  dass 
ein  unabsichtliches  Missverständniss  meines  Gedankenganges  wohl  aus- 
geschlossen erschien. 

Ehe  wir  nun  die  Discussion  der  Vorwürfe  abschliessen ,  welche 
Herr  Niedzwiedzki  mir  bezüglich  meiner  Ausführungen  über  das 
Verhältniss  der  Salzformation  zum  Karpathenrande  gemacht  hat,  kann 
noch  der  Ausspruch  des  genannten  Autors  erwähnt  werden ,  ich  hätte 
eine  sachliche  Widerlegung  gewisser,  von  ihm  für  entscheidend  gehaltener 
Momente,  wie  z.  B.  bezüglich  des  Auftretens  der  rotlien  Mergel  in  der 
Grube,  gar  nicht  einmal  versucht.  Ich  habe  mich  indessen  auf  Seite  245 
meiner  Krakauer  Arbeit  (vergl.  auch  1.  c.  pag.  220)  über  diesen  Gegen- 
stand geäussert.  Ausdrücklich  wurden  dabei  die  Gründe  angeführt,  durch 
welche  ich  bestimmt  wurde ,  die  Deutung ,  welche  Niedzwiedzki 
gewissen  rothen  Thoneu  als  Hangendgebilden  der  Salzformation  giebt, 
tür  anfechtbar  zu  halten.  Ich  habe  betont,  dass  analoge  rothe  Thone 
in  der  Umgebung  Wieliczkas  ganz  sicher  an  der  Grenze  des  Karpathen- 
sandsteines  gegen  die  Salzformation,  bezüglich  gegen  das  Miocän  auf- 
treten ;  ich  habe  darauf  hingewiesen ,  dass ,  unter  der  Voraussetzung 
einer  ITeberkippung  der  Salzformation,  die  gegen  den  karpathischen 
ßand  zu  im  directen  scheinbaren  Hangenden  der  Salzformation  vor- 
kommenden   rothen  Thone    ebenso    gut   älter   als  die  Hauptmasse  des 


216  I^r-  Emil  Tietze.  ("30] 

Miocäns  sein  können ,  wie  die  i;leiclif{ills  im  scheinbaren  Hangenden 
des  Miocäns  auftretenden  Kar|)athcnsandstcinc ;  ich  habe  endlich  auch 
hervorgehoben,  dass  solclie  rotiie  Thonc  den  hangenden  l*artien  der 
nördlicher  gelegenen  Salzgruppcn  fehlen,  was  wenigstens  im  Hinblick 
auf  die  von  mir  gemaclite  Annahme,  dass  die  verschiedenen  Salzgruppen 
Wiederholungen  derselben  Schiehtenfolge  bedeuten ,  beweisen  würde, 
dass  jene  rothen  Thone  unmöglich  als  normale  Hangendgcbilde  der 
Sal/formation  gelten  können.  Wenn  jetzt  dem  gegenüber  gesagt  wird, 
ich  hätte  eine  Widerlegung  der  von  dem  Autor  in  dieser  Frage  vor- 
gebrachten Behauptungen  nicht  einmal  versucht,  so  ist  das  ziendich 
unverständlich.  Der  bewusste  Ausspruch  beruht  demnach  abermals  auf 
einem  recht  seltsamen  Missverständniss. 

Weiter  will  ich  meine  Abwehr  nicht  fortspinnen.  Es  muss  Alles 
ein  Ende  haben;  insbesondere  gilt  dies  von  einer  polemischen  Erörterung, 
die  man  nothgedrungen  unternommen  hat.  Ich  bin  ja  endlich  aucli 
nicht  so  kampfesfreudig,  wie  mein  Gegner,  der  sich  am  Schlüsse  seiner 
Schrift  (1.  c.  Seite  2H1  oben)  bereit  erklärt,  „weitere  Ergänzungen"  zu 
dieser  Polemik  zu  „bieten,  sofern  sich  dies  als  nötliig  herausstellen 
sollte".  Ich  habe  an  dem  von  jener  Seite  bis  jetzt  Gebotenen  durchaus 
genug. 


Ueber  F.  Herbich's  Neocomfauna  aus  dem 
Quellgebiete  der  Dimbovicioara  in  Rumänien. 

Von  Dr.  Victor  Uhlig. 

Der  erste  Band  der  „Abhandlungen  des  vSiebenbürgisclien  Museum- 
vereins in  Klausenburg"  und  der  dritte  Jahrgang  des  Bukarester  „Auua- 
rulii  Biorului  Geologicü"  enthalten  eine  interessante  Arbeit  von  Fr  an  z 
Herbich,  welche  die  Kreidebildungen  im  Quellgebiete  der  Dimbo- 
vicioara ')  betrifft  und  mit  17  paläontologischen  Tafeln  ausgestattet  ist. 
Das  Material  biezu  wurde  von  dem  genannten,  um  die  Geologie  der 
Ostkarpathen  so  hoch  verdienten  Forscher  bei  Gelegenheit  einer  Ueber- 
sichtsaufnahme  gesammelt,  welche  derselbe  in  den  Jahren  1882  und  1883 
im  Auftrage  der  ungarischen  Commission  für  die  geologische  Congress- 
karte  von  Europa  im  südlichen  Siebenbürgen  und  im  angrenzenden 
Theile  von  Rumänien ,  mit  anderen  Worten  in  jener  merkwürdigen 
Gegend  der  Ostkarpathen  durchgeführt  hat,  wo  das  allgemeine  Streichen 
aus  der  südsüdöstlichen  in  die  ostvvestliche  Richtung  übergeht. 

Sowie  es  dem  unermüdlichen  Fleisse  und  der  regen  Aufmerksamkeit 
H  e  r  b  i  c  h"s  gelungen  war ,  in  den  schwer  zugänglichen  Bergen  des 
Szeklerlandes  eine  Reihe  der  bemerkenswerthesten  mesozoischen  Faunen 
zu  Tage  zu  fördern,  so  verstand  er  es  auch,  bei  dieser  Aufnahme  wich- 
tige Fossilreste  aufzufinden.  Wie  aus  der  Einleitung  zu  seiner  Arbeit 
hervorgeht,  trug  er  sich  mit  der  Absicht,  der  geologischen  Beschreibung 
des  untersuchten  Gebietes  eine  paläontologische  Bearbeitung  der  auf- 
gefundenen Fossilien  vorangehen  zu  lassen.  Diese  Absicht  wurde  soweit 
verwirklicht,  dass  kurze  Zeit  nach  seinem  Tode  die  Beschreibung  der 
Kreidefossilien  aus  dem  Quellgebiete  der  Dimbovicioara  und  der  Jura- 
fossilien aus  dem  Vale  Jalomtia  erscheinen  konnte. 

So  wünsch enswerth  auch  die  paläontologische  Bearbeitung  von 
Fossilien  aus  einem  so  wenig  bekannten  Gebiete,  wie  die  südöstlichen 
Karpathen,  an  und  für  sich  ist ,  so  wenig  lässt  sich  leider  verkennen,, 
dass  die  betreffende  Arbeit  F.  Herb ich's,  namentlich  was  die  Kreide- 
fossilien anbelangt,  sowohl  hinsichtlich  der  Bestimmungen,  als  auch  der 
Abbildungen  wenig  brauchbar  ist. 

Da  ich  nun  seit  einer  Reihe  von  Jahren  die  Cephalopodenfauna 
der  Kreideformation  verfolge  und  im  Jahre  1889  eine  benachbarte 
Gegend ,  die  nordöstlichen  Karpathen ,  geologisch  kennen  zu  lernen 
Gelegenheit  gehabt  habe,  so  hatte  die  Arbeit  II  erb  ich's  für  mich  ein 


')  Herbich  schreibt   irrthiimlich  Dimboviti.i. 
Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanslalt.  i8'Jl.  4i.  Band.  2.  Heft.  (Dr.  V.  ühlig.) 


21  S  Dr.  Victor  Uhl ig.  [2] 

doppeltes  Interesse,  welclies  mich  wünschen  Hess,  die  dieser  Arbeit  zu 
Grunde  liegenden  Versteinerungen  genauer  kennen  zu  lernen.  Prof.  A. 
Koch  in  Klausenburg-,  in  dessen  Museum  die  Herbich'sche  Sammlung 
verwahrt  wird,  kam  meinem  Verlangen  auf  das  Hereitwilligste  entgegen 
und  stellte  mir  das  betreffende  Material  zur  Verfügung,  wofür  ich  mir 
an  dieser  Stelle  den  wärmsten  Dank  auszusprechen  erlaube.  Ich  wurde 
auf  diese  Weise  in  die  Lage  versetzt,  eine  Revision  der  llerbich'schen 
Bestinnnungen  vornehmen  zu  können,  deren  Ergebniss  in  den  folgenden 
Zeilen  enthalten  ist. 

Bevor  ich  auf  die  Besprechung  der  einzelnen  Arten  eingehe,  möchte 
ich  in  Kurzem  tlas  Wenige  mittheilen ,  was  sich  auf  die  geologischen 
Verhältnisse  des  Fundortes  und  auf  die ,  aus  der  vorhandenen  Fauna 
ableitbaren  Schlüsse  bezieht. 

Zur  näheren  Orientirung  über  die  topographische  Lage  dieses 
Vorkommens  ist  zunächst  zu  bemerken,  dass  dasselbe  nicht  etwa  in  der 
Zone  des  Karpathensandsteins  oder  an  der  Grenze  der  älteren  meso- 
zoischen Bildungen  gegen  den  Flysch  gelegen  ist.  Es  bildet  viehnehr 
die  Mitte  jener  Trias- Jura-Kreide-Mulde ,  welche  sich  zwischen  dem 
krystallinischen  Zuge  der  transsylvanischen  Alpen  und  der  krystal- 
linischen  Schieferinsel  des  Mte.  Lacu  und  Mte.  Leota  einsenkt.  Die 
Flyschzone  erreicht  man  erst  viel  weiter  östlich,  nach  Verquerung  einer 
zweiten  Zone  von  älteren  mesozoischen  Bildungen ,  die  sich  an  den 
krystallinischen  Aufbruch  des  Mte.  Leota  anlehnen. 

Eine  ungefähre  ,  wenn  auch  nicht  unmittelbare  Fortsetzung  der 
Neocomablagerung  an  der  Dtmbovicioara  stellen  die  von  Mes  chendörfer 
aufgefundenen  und  durch  F,  v.  Hauer  und  G.  Stäche  beschriebenen 
Neocomschichten  vom  Rittersteig  und  von  Vale  Drakului  bei  Kronstadt 
dar.  Es  sind  dies  graue  Mergel,  die  eine  Anzahl  bezeichnender  Fossi- 
lien, namentlich  Ammoniten  und  Belemniten,  geliefert  haben.  ^)  Herbich 
scheint  das  Neocom  des  Vale  Muierii  im  Gebiete  der  Dtmbovicioara 
schon  im  Jahre  1872  gekannt  zu  haben.  Er  erwähnt  wenigstens  in 
einem  an  F.  v.  Hauer  gerichteten  Briefe  2),  dass  „die  Mergel  des 
unteren  Neocomien  über  den  Törzburger  Pass  im  Thale  der  Dinüjovi- 
cioara  eine  weite  Ausdehnung  gewinnen  und  da  stellenweise  dicht 
mit  Versteinerungen  erfüllt  sind".  Die  Aufsammlung  der  beschriebenen 
Fossilien  erfolgte,  wie  schon  erwähnt,  viel  später,  und  nach  den  Be- 
stimmungen, welche  Herbich  vorgenommen  hat,  würde  man  nicht 
allein  auf  das  Vorhandensein  von  unterer,  sondern  auch  oberer  Kreide 
zu  schliessen  haben. 

Ein  Jahr  nach  Herbich  hat  Prof.  Gr.  Stefan escu  die  be- 
treffende Gegend  geologisch  untersucht  und  ebenfalls  von  dem  Vor- 
kommen neocomer  Mergel  im  Vale  Muierii  und  Vale  Cheii  Kunde 
gegeben.')  Prof.  Stefan  escu  veröffentlichte  eine  kleine  Fossilliste, 
welche  nur  neocome  Formen,  hauptsächlich  Ammoniten  enthält. 

Das  Gestein ,  in  welchem  die  vorliegenden  Versteinerungen  ent- 
halten sind,    besteht    aus  einem   lichtgrauen,    schieferigen    Kalkmergel 


')  Hauer  und  Stäche,  Geologie  Siebenbürgens.  Wien   1863,  pag.  280. 
2)  Verhantll.  d.  k.  k.  geol.  Reiclisaiistalt.   1872,  pag.  5^8. 

'••)  Anuiiaire   du    Bureau   geologique.  Biiounvsti,    H,,    Annö  1884,  Nr.  1,  pag.  35. 
(Herausgegeben  im  Jahre  1886) 


fßl  Uober  F.  Herbich's  Neocomfauna  ans  d.  Qncllgel)iete  d.  T)im])ovicioiira  etc.       21  9 

oder  Cementmergel,  der  in  nichts  von  jenen  bekannten,  liebten  Ccnient- 
mergelscbiefern  abweicht,  die  man  im  Neocom  des  gesamniten  ali)in- 
karpathischen  Gebietes  an/Aitreffen  gewohnt  ist.  Die  Versteinerungen 
sind  last  immer  etwas  gestreckt  oder  verzogen  und  flachgedrückt.  Sie 
sind  schlecht  erhalten,  aber  bei  Weitem  nicht  so  schlecht,  als  man  nach 
den  Abbildungen  bei  Herbich  schliessen  möchte.  Bezüglich  des  Er- 
haltungsznstandes der  Versteinerungen  und  der  Gesteinsbeschaffenheit 
weist  namentlich  das  Neocom  des  Urschlauer  Achenthaies  in  den  bayrischen 
Alpen  die  grösste  Aehnlichkeit  mit  den  Kreidebildungen  aus  dem  Quell- 
gebiete der  Dimbovicioara  auf.  Das  Gestein  wird  häufig  von  Horn- 
steinconcretionen  durchzogen,  die  im  Dünnschliffe  zahlreiche  Spongien- 
reste  und  Foraminiferen ,  dagegen  wider  Erwarten  keine  deutlichen 
Radiolarien  erkennen  lassen. 

Nach  den  Angaben  Herbich's  liegen  diese  lichten  Mergelschiefer 
unmittelbar  über  den  hellen  Tithonkalken  und  werden  von  sandigen, 
versteiuerungsleeren  Conglomeraten  überlagert.  Sie  lassen  wahrscheinlich 
eine  nähere  Gliederung  zu;  man  findet  an  der  Basis  nach  Herb  ich 
weisse ,  hornstein-  und  kieselreiche,  Spongien  führende ,  dickschichtige 
Kalke,  über  welchen  lichtgelblichgraue,  dichte,  brüchige  Mergel  in  ab- 
wechselnd dickeren  und  dünneren  Schichten  ein  höheres  Niveau  ein- 
nehmen ,  während  noch  höher  dunkelgraue,  etwas  sandige  Mergel ,  die 
zuweilen  verkohlte  Pflanzenreste  führen,  erscheinen.  Alle  diese  Schichten 
sind  reich  an  Cephalopoden,  das  Material  wurde  jedoch  ohne  Rücksicht- 
nahme auf  diese  Schichtgruppen  gesammelt.  An  den  Stücken  selbst 
sind  keinerlei  petrographische  Verschiedenheiten  erkennbar. 

Die  von  Herbich  beschriebene  Fauna  blieb  nach  dem  Erscheinen 
der  bezüglichen  Arbeit  nicht  unbeachtet.  Es  haben  E.  Hang  und 
namentlich  Prof.  W.  Kilian  einzelne  der  Herbich'schen  Abbildungen 
zu  deuten  gesucht.  Haug^)  berücksichtigt  die  rumänische  Fauna  nur 
insoweit ,  als  sie  mit  dem  Gardenazzaneocom  gemeinsame  Arten  ent- 
hält, und  zwar  Phylloceras  infundibulum  (:=  Acanthoceras  angulicostatum 
Herh.),  Desmoceras  difficile  (^=.  Haploc.  cassida  Herb.),  Toxoceras  Mou- 
toni  (=:  Crioc.  Duvalianum  Herb.). 

Kilian 2)  erblickt  im  Neocom  des  Vale  Muierii  eine  Vertretung 
des  Hauteriviens  und  namentlich  des  Barremiens  und  glaubt  folgende 
Formen  zu  erkennen: 

Belemnites  dilatatus, 

Nautilus  neocomiensis, 

Phylloceras  Thetys, 

Phylloceras  infundibulum, 

Haploceras    Qrasi, 

Desmoceras  cassida  (:=.  Haploc.  Parandieri  Herb.), 
„  cassidoides  (■=:■  Hapl.  muierense  Herb.), 

„  difficile   (^=  H.  cassida  Herb.), 

Pulchellia  Didayi, 

Holcostephanus  Astieri, 

^)  Beitrag  zur  Kenntniss  der  oberneocomen  Ammonitenfauna  etc.  Beiträge  zur 
Paläontologie  Oesterreich- Ungarns  etc.  von  Mojsisovics  und  Neumayr.  Bd.  VII, 
3.  Heft. 

^)  Dagincourt,  Annuaire  geologique  universel.  Paris  1884,  IV,  pag.  250. 
Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  2.  Heft.  (Dr.  V.  Uhlig.)      29 


220  ^^-  Victor  Uhlig.  Mj 

Holcodiscus  sp., 
Grioceras  cf.  Duvali, 
Toxoceras  ohliquatum. 

Die  Durchsicht  des  gesamniten  Matcriales,  welches  die  Grund- 
lage der  H  e  r  b  i  c  h'schen  Arbeit  biklete,  hat  die  Deutungen  K  i  1  i  a  n's 
grösstentheils  bestätigt.  Es  können  nunmehr  folgende  Arten  als  ver- 
treten betrachtet  werden : 

Belemnites  dilatatus  Bl. 

„  sp.  ind. 

Nautilus  neocomiensis  Orb. 
Phylloceras  infundihidum  Orb. 
„  ladinura    TJlil. 

„  Tethys  Orb. 

„  sp.  ind. 

„  semisulcatum  Orb.   (?) 

Lytoceras  subfimbriatum  Orb. 

„  cf.  densißmbriatum    UM. 

„  anisoptychum    Uhl. 

„  Phestus  Math. 

„  crebrisulcatum   Wd. 

Hamulina  sp.  ind. 
„  sp.  ind. 

Haploceras    Grasi  Orb. 
Desmoceras  dif fidle  Orb. 

„  cassidoides   TJhl. 

„  sp.  äff.  cassida  (Rasp.)  Orb. 

„  Charrierianum  Orb. 

Silesites  Serononis  Orb. 

„         vulpes  Coq. 
Hoplites  äff.  angulicostatus  Orb. 
„         cf.  pexiptychus   Uhl. 
„         sp.  ind. 

„         romanus  Herbich  sp. 
Holcodiscus  incertus  Orb. 

„  Gastaldinus  Orb. 

Pulchellia  Didayi  Orb. 
Grioceras  cf.  Duvali  Lev. 
Heteroceras  obliquatum  Orb.  sp. 
„  sp.  (Moutoni  Orb.  ?) 

„  sp.  ind. 

Hieraus  ergiebt  sich  zunächst,  dass  wir  es  hier  mit  einer  reinen 
N  e  0  c  0  m  f  a  u  n  a  von  echt  mediterranem  Typus  zu  thun  haben.  Die 
mittel-  und  obercretacischen  Formen,  die  Herb  ich  namhaft  macht, 
beruhen  durchaus  auf  irrigen  Bestimmungen. 

Von  den  neuen  Arten  Herbich's  konnte  nur  eine,  H.  romanus, 
vorläufig  aufrecht  erhalten  werden  und  auch  diese  Art  gehört  einer  wohl- 
bekannten, weitverbreiteten  Gruppe,  der  des  H.  cryptoceras  Orb.  an,  so 
dass  dieses  Vorkommen  einen  neuen  P>eweis  für  die  bemerkenswerthe  Ein- 


[51  Ueber  F.  llerbich's  Neocoinfauna  aus  d.  Quollj^ebicte  d.  Dimbovicioara  etc.        221 

fürrnigkcit  und  Ucbcrcinstininiiuii;-  der  iicoconicn  Ccplialopodcnfaiina   im 
ganzen  alpin-karpathischcn  Gebiete  abriebt. 

Weitaus  am  bäufigsten  sind  J >esmoceras  difficile  Orh.  und  JJesmo- 
ceras  cassidoides  Uhl.,  Formen,  welcbc  zu  den  verbreitctsten  und  leitendsten 
Vorkommnissen  der  Barrem est ufe  geboren.  Hieran  schliesst  sieb  eine 
Anzabl  anderer  Arten ,  welche  ebenfalls  besonders  oder  ausscbliesslicb 
für  diese  Stufe  bezeicbnend  sind ,  so  Desmoceras  Gharrierianum,  8üe- 
sites  Seranonis,  Sil.  vulpes,  Holcodiscus  Gastaldinus,  Pulchellia  Didayi, 
Tleteroceras  obliquatum,  Heteroceras  sp.  (Moutonianum?),  HamuUna  sp. 
ind.,  Phylloceras  ladiniim,  Lytoceras  anisoptychum,  Lyt.  Phestus. 

Wenn  auch  diese  letzteren  Arten  mit  Ausnahme  des  Phylloc. 
ladinum  nur  durch  wenige  Exemplare  vertreten  sind,  kann  doch  bei 
dem  ^'orhandensein  so  zahlreicher,  für  die  Barremefauna  charakte- 
ristischer Formen  kein  Zweifel  obwalten ,  dass  hier  die  Zone  des  Am. 
recticostatus  und  des  Macroscaphites  Yvani  in  der  That  vertreten  ist, 
wenn  auch  gerade  diejenigen  Formen  fehlen ,  nach  welchen  dieses 
Niveau  gewöhnlich  benannt  wird.  Es  wird  genügen,  wenn  ich  hervor- 
hebe, dass  die  genannten  Arten  sowohl  aus  dem  südfranzösischen 
J^arremien ,  wie  aus  dem  Barremien  des  Gardenazzastockes  und  den 
Wernsdorfcr  Schichten  bekannt  sind,  und  zwar  in  allen  diesen  typische- 
sten Ablagerungen  der  betreffenden  Stufe  mit  wenigen  Ausnahmen 
gemeinsam  vorkommen  und  daher  zu  den  verbreitetsten  und  gewöhn- 
lichsten Erscheinungen  dieser  Stufe  gehören. 

Es  scheint  speciell  das  Barremien  des  Gardenazzastockes  zu  sein, 
welches  mit  dem  rumänischen  die  meiste  Analogie  besitzt.  Hier,  wie 
dort  sind  drei  Arten  besonders  häufig,  und  zwar  Desmoceras  difficile 
Orh.,  Desmoceras  cassidoides  UJd.  und  Phylloceras  ladinum  Uhl.  Davon 
ist  eine  Art,  Phylloceras  ladinum,  bis  jetzt  mit  Sicherheit  nur  aus  diesen 
beiden  Ablagerungen  nachgewiesen  worden. 

Gewisse,  sonst  sehr  bezeichnende  Typen  fehlen  im  Barremien  des 
Vale  Muierii  vollständig,  wie  Costidiscus  recticostatus,  Macroscaphites 
Yvani,  die  zahlreiclien  Crioceren  und  Ancyloceren^  die  Gattungen  Äcan- 
thoceras,  Pictetia  etc.  Etwas  Aehnliches  hat  man  in  geringerem  Grade 
auch  bei  der  Barremienfauna  der  Puezalpe  hervorgehoben.  Sicher  neue 
Arten  enthält  die  rumänische  Barremienfauna,  soweit  sie  gegenwärtig 
vorliegt,  nicht,  nur  eine  der  mangelhaft  erlialtenen  kleineu  Hamulinen 
wird  sich  vielleicht  als  neu  herausstellen. 

So  unzweifelhaft  sich  aus  dem  Vorhergehenden  die  Vertretung  der 
Zone  des  Macroscaphites  Yvani  oder  der  Barremefauna  ergiebt,  so  ist 
es  ebenso  sicher,  dass  einige  andere,  aber  weniger  zahlreiche  und  weniger 
häufige  Formen  für  das  Vorhandensein  mindestens  eines  tieferen  Neocom- 
horizontes  sprechen.  Es  sind  dies  die  folgenden  Arten : 

Belemnites  dilatatus   Bl. 
Hayloceras  Grasi  Orb. 
Hoplites  cf.  pexiptychus    Uhl. 

„         romanus  Herh. 
Holcodiscus  incertus  Orh. 
Crioceras  cf.  Duvali  Lev. 
Phylloceras  semisulcatum  Orh.   (?) 

«9* 


222  Dr.  Victor  Uhlig.  [ß^ 

Haploceras  Grasi  ist  eine  weit  verbreitete,  g'emeine  Form,  die  ia 
allen  Horizonten  von  der  Berriaszone  bis  in  das  Mittelreocom  (Haute- 
rivien)  heimisch  ist,  dagegen  noch  niemals  im  Barrcmien  oder  in 
jüngeren  Schichten  gefunden  wurde. 

Belemnites  dilatatus ,  Holcodiscus  incertus  und  Cnoceras  Duvali 
haben  ihr  Hanptlager  im  echten  Mittelneocora ,  im  Hanterivien  oder 
der  Zone  des  Crioceras  Duvali.  Man  findet  wohl  vereinzelte  Angaben 
eines  tieferen  Auftretens  der  beiden  ersteren  Arten,  allein  völlig  sicher- 
gestellt ist  deren  Vorkommen  namentlich  im  Hanterivien.  Dies  gilt  be- 
sonders von  Crioceras  Duvali.  Wenn  auch  die  Form  aus  dem  rumä- 
nischen Neocom  mit  dem  Tyjius  dieser  Art  nicht  völlig  übereinstimmt, 
so  ist  dies  spcciell  für  die  Altersbestimmung  kaum  massgebend,  da  dem 
Crioceras  Duvali  auch  nur  ähnliche  Arten  in  älteren  Bildungen,  wie 
Hanterivien,  nicht  bekannt  und  wohl  auch  nicht  zu  erwarten  sind. 

Das  Lager  des  Hoplites  pexiptychus ,  der  von  mir  ursprünglich 
aus  den  „Rossfeldschichten"  beschriel)cn  wurde,  ist  in  letzterer  Zeit 
namentlich  von  K  i  1  i  a  n  genauer  festgestellt  worden.  Nach  Prof.  K  i  1  i  a  n 
gehört  diese  Art  im  Luregebiete  (Südfrankreich)  zu  den  leitenden  Ver- 
steinerungen der  Schichten  mit  Am.  neocomiensis  und  Belemnites  Eine- 
rlei (1.  c.  pag.  197),  welche  auf  den  Berriasschichten  aufruhen  und  vom 
Mittelneocom  mit  Crioceras  Duvali  noch  durch  den  Horizont  mit  Am. 
Jeamioti  getrennt  sind.  G.  Buch  au  er')  hat  dieselbe  Art  im  Atmoos- 
graben  bei  Niederndorf  in  Schichten  nachgewiesen ,  welche  zwar  über 
den  Berriasschichten  liegen,  aber  doch  älter  sein  dürften,  wie  Mittel- 
neocom. Ganz  ähnliche  Formen  kommen  auch  im  oberen  Teschener 
Schiefer  Schlesiens  vor,  der  nach  meinen  bisherigen  Studien  sicher  dem 
tieferen  Neocom  angehört. 

Fhylloceras  semisulcatum  ist  ebenfalls  vorwiegend  aus  dem  tieferen 
Neocom  bekannt. 

Hoplites  romanus  ist  eine  Form,  deren  nächste  Verwandte  sowohl 
im  Mittelneocom,  wie  etwas  tiefer  vorkommen. 

Wir  müssen  demnach  neben  dem  Barremien  ohne  Zweifel  auch 
das  Hanterivien  für  vertreten  annehmen,  das  Vorkonnnen  von  Crioceras 
cf,  Duvali,  Belemnites  dilatatus  und  Holcodiscus  incertus  genügen  voll- 
ständig zum  Nachweise  dieser  Stufe. 

Etwas  weniger  sicher  erscheint  die  Vertretung  eines  noch  tieferen 
Neocomhorizontes.  Hoplites  pexiptychus  und  Phylloceras  semisulcatum 
sprechen  zwar  sehr  für  eine  solche  Annahme,  allein  es  sind  leider  die 
betreffenden  Stücke  so  mangelhaft  erhalten,  dass  die  Bestimmung  keine 
vollständig  befriedigende  sein  kann.  Trotzdem  darf  man  es  wohl  als 
wahrscheinlich  bezeichnen,  dass  auch  ein  tieferer  Neocomhorizont  im 
Vale  Muierii  vorhanden  ist. 

Nach  allen  bisherigen  Erfahrungen  wird  man  annehmen  müssen, 
dass  die  den  nachgewiesenen  Horizonten  entsprechenden  Versteinerungen 
in  der  Natur  gesonderte  Lager  besitzen.  Ob  aber  dieselben  mit  den 
von  H  e  r  b  i  c  h  unterschiedenen  Schichtgruppen  zusammenfallen  ,  Hesse 
sich  natürlich  nur  durch  neue  Aufsammlungen  an  Ort  und  Stelle  nach- 
weisen. 


»)  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1887,  XXXVII,  pag.  64. 


[7]  üeber  F.  Herbich's  Neocomfauna  aus  d.  Quellgebiete  d.  Dinibovicioara  etc.       22li 

Beschreibung  der  Arten. 

Die  paläontologische  Ausbeute  des  vorliej»-enden  Materials  ist  eine 
sehr  dürftige.  Da  die  meisten  Arten  altbekannt  und  anderwärts  mehrfach 
gut  abgebildet  sind ,  erscheint  eine  nochmalige  Darstellung  der  meist 
schlecht  erhaltenen  Stücke  überflüssig.  Die  einzigen  Exenii)lare ,  die 
neben  Hoplites  romanus  Herb.  sp.  einer  Abbildung  werth  wären,  sind  die 
beiden  grossen  Ileteroceras  -  Arten.  Gerade  diese  letzteren  sind  bei 
H  e  r  b  i  c  h  kenntlich  gezeichnet ,  so  dass  von  einer  Wiederholung  der 
Abbildung  Umgang  genommen  werden  konnte.  H.  romanus  ist  leider 
fragmentär  erhalten  und  die  Selbstständigkeit  dieser  Art  nicht  ganz 
sichergestellt,  so  dass  auch  bei  dieser  Art  eine  Abbildung  unterbleiben 
durfte. 

Bei  der  Bestimmung  der  einzelnen  Arten  beziehe  ich  mich  auf 
jene  Fassung,  die  in  den  folgenden  Werken  vorgenommen  erscheint: 
V.  Uhlig,  Cephalopodenfauna  der  Wernsdorfer  Schichten.  Denkschr. 
d.  kais.  Akademie.  1883,  46  Bd. ;  V.  Uhlig,  Ueber  neocome  Fossilien 
vom  Gardenazzain  Südtirol.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  XXXVII  Bd.; 
Kilian,  Description  geologique  de  la  Montagne  de  Lure.  Annales  geol. 
Paris  1889;  W.  Kilian,  Sur  quelques  fossiles  du  Cretace  inferieur  de 
la  Provence.  Bull.  Soc.  geol.  France.,  3.  ser. ,  tom.  XVI,  pag.  663; 
E.  Hang,  Beitrag  zur  Kenntniss  der  oberneocomen  Ammonitenfauna 
der  Puezalpe  bei  Corvara.  Moj  sisovics  und  Neumayr's  Beiträge. 
VII.  Bd.,  3.  Heft,  pag.  193. 

Die  speciellen  Citate  bei  den  einzelnen  Arten  wurden  der  Kürze 
halber  weggelassen.  Da,  wo  auf  andere,  als  die  angegebenen  Werke 
Bezug  genommen  wurde,  wurden  dieselben  selbstverständlich  angetÜhrt. 

Belemnites   dilataius  Blainv. 

Ein  typisches,  von  Herbich  richtig  bestimmtes  und  kenntlich 
abgebildetes  Exemplar  (Taf.  I,  Fig.  3— 7).i) 

Belemnites  sp.  ind. 

Nicht  sicher  bestimmbares  Fragment,  von  Herbich  als  Bei. 
polijgonaUs  Bl.  gedeutet. 

Nautilus   neocomiensis  Orb. 

H  e  r  b  i  c  h  hat  ein  Exemplar  als  Nautilus  neocomiensis  bestimmt 
(Taf.  I,  Fig.  1,  2,  pag.  11),  welches  in  der  That  zu  dieser  Art  zu 
stellen  sein  dürfte.  Die  Rippen  zeigen  denselben  Verlauf  und  dieselbe 
Anordnung,  wie  bei  der  Art  0  r  b  i  g  n  y's,  nur  tritt  an  einzelnen  Stellen 
eine  Rippenspaltung,  wie  bei  Nautilus  hifurcatus  Oost.  ein,  während 
Orbigny  seiner  Art  durchaus  einfache,  ungespaltene  Rippen  zuschreibt. 
Da  jedoch  die  Form  des  Querschnittes  recht  gut  übereinstimmt  und 
man  wohl  annehmen  kann,  dass  Orbigny's  Zeichnung  etwas  scheraa- 
tisirt  sein  dürfte,  empfiehlt  es  sich,  die  Identification  mit  Nautilus  neo- 


')  Dieser,    sowie  alle  übrigen  Hinweise  beziehen  sich  auf  die  deutsche  Ausgabe 
der  H  e  r  b  i  c  h'scbeu  Arbeit, 


224  Dr.  Victor  Uhlig.  rgl 

comiensis   aufzunehmen.    Das    betreifende  Exemplav  ist  verdrückt,    die 
Abbildung  verfehlt. 

Phylloceras  infundibulum  Orb.  sp. 

Aus  dem  veränderlichen  Formenkreise  des  Phijlloceras  infundibulum 
liegen  15  meist  kleine  Exemplare  vor,  von  denen  vier  dem  Phylloceras 
mfundihulum  in  der  engeren  Fassung  angeboren.  Die  grössere  Mehrzahl 
repräsentirt  die  von  mir  Phylloceras  ladinum  genannte  Form ;  bei  einer 
Anzahl  kleinerer,  schlecht  erhaltener  Stücke  lässt  sich  die  Zugehörigkeit 
zu  der  einen  oder  anderen  Form  überhaupt  nicht  mit  Sicherheit  feststellen. 

Herbich  hat  nur  zwei  Exemplare  richtig  bestimmt  (Taf.  XII, 
Fig.  6,  7).  Das  grösste ,  leider  verzogene  und  unvollständige  Stück 
betrachtete  Herbich  s^s,  Acanthoceras  ancjulicostatuvi  (Taf.  XII,  Fig.  2, 
pag.  30),  wie  schon  Haug  richtig  erkannt  hat. 

Phylloceras  ladinum   Uhl. 

Im  Neocom  des  Gardenazzastockes  konmit  eine  mit  Phylloceras 
infundilmlum  sehr  nahe  verwandte  Form  vor,  welche  sich  von  der  ge- 
nannten Art  dadurch  unterscheidet,  dass  einzelne  Schaltrippen  auf  der 
Externseite  hoch  kammförmig  anschwellen ,  während  die  Hauptrippen 
eher  abgeschwächt  erscheinen.  Auf  den  inneren  Umgängen  ist  die 
Abschwächung  der  Hauptrippen  auf  der  Externseite  besonders  auffallend 
und  unvermittelt,  und  es  schalten  sich  zahlreiche,  oft  gespaltene,  schwache 
Secundärrippen  ein,  von  denen  wieder  einzelne  stark  verdickt  erscheinen. 
Wenngleich  diese  Form  Uebergänge  zum  echten  Phylloceras  infundi- 
bulum zeigt,  glaube  ich  doch  den  ertheilten  Namen  dafür  aufrechterhalten 
zu  sollen.  Jedenfalls  wird  in  diesem  Falle,  wie  in  so  vielen  anderen, 
die  Kenntniss  der  Formen  mehr  gewinnen,  wenn  wir  derartige  Typen 
unter  besonderen  Namen  festhalten,  als  wenn  wir  sie  in  weiten  Arten 
aufgehen  lassen.  Die  von  E.  Haug^)  ausgesprochenen  Zweifel  an  der 
Berechtigung  des  Phylloceras  ladinum  erscheinen  mir  daher  nicht  ge- 
nügend begründet. 

Da  die  Exemplare  aus  dem  Vale  Muierii  grösstentheils  ziemlich 
klein  sind,  haben  wir  fast  ausnahmslos  diejenige  Form  vor  uns,  bei 
welcher  die  Hauptrippen  plötzlich  verschwinden  und  auf  der  Aussen- 
seite  zahlreiche  schwache,  oft  gespaltene,  dicht  nebeneinander  liegende 
Schaltrippen  zur  Entwicklung  kon)nien.  Sie  stimmen  mit  der  von  mir 
gegebenen  Abbildung  eines  Exemplares  vom  Gardenazza  vollständig 
überein.  An  mehreren  Exemplaren  sieht  man  die  kammförmigc  Verdickung 
einzelner  Schaltrippen  auf  der  Externseite  sehr  deutlich.  Kei  einzelnen 
Exemplaren  tritt  die  Rippenspaltung  schon  in  der  Mitte  der  Flanken 
auf,  und  es  ist  gleichzeitig  die  Zahl  der  Schaltrippen  kleiner,  die 
letzteren  selbst  etwas  stärker.  Eine  solche  Form  hat  Herb  ich  als 
Scaphites  apertus  (Taf  XIII,  Fig.  11,  12)  abgebildet.  Es  existiren  jedoch 
Uebergänge  von  dieser  Form  zu  den  erstbeschriebenen,  bei  welchen  auf 
der  Externseite   «ahlreiche  streifige,    gespaltene  Schaltrippen  auftreten. 

Von  Herbichs  Arten  gehören  ausser  dem  schon  genannten 
Scaphites  apertus  folgende  hieher :    Scaphites  Meriani  (Taf.  XIII,  Fig.  5 

')  1.  c.  pag.  196. 


[9]  Ueber  F.  Herbich's  Neocomfanna  ans  d.  Quellgebiete  d.  Dimbovicioara  etc.        225 

bis  10,  pag.  40),  Phylloceras  nodatocostatum  (Taf.  XV,  Fig.  1,  pag.  IG), 
Scaphites  aequalis  (Taf.  XV,  Fig.  G,  7,  pag.  41),  Olcostephanus  Jeannoti 
Taf.  XV,  Fig.  2,  pag.  34),  Crioceras  pulcherrimum  (Taf.  XV,  Fig.  ,3  und  5) 
und  Hoplites  CasteUanensis  (pag.  29).  Den  beiden  ersten  Arten  schrieb 
Herb  ich  Knoten  am  äusseren  Rippenendc  zu,  welche  auf  irrtliümlicher 
Beobachtung  beruhen.  Offenbar  war  es  das  ziemlicli  plötzliche  Erlöschen 
der  Hauptrippen  in  der  Nähe  der  Aussenseite,  was  auf  Herb  ich  den 
Eindruck  von  Knoten  gemacht  hat. 

Phylloceras    Tethys  Orb.  sp. 

Diese  weitverbreitete,  häufige  Art  liegt  mir  in  7  Exemplaren  vor. 
Eines  hat  Herbich  ganz  richtig  als  Phylloceras  semistriatum  Orb.  (syu. 
Tethys  Orb.)  bestimmt  (Taf.  VI,  Fig.  3,  5),  zwei  andere  bezeichnete  er 
als  Phylloceras  Velledae  Orb.  (pag.  14)  und  ein  ferneres  Stück  endlich 
wurde  von  ihm  als  neue  Art  aufgefasst  und  mit  dem  Namen  Phylloceras 
Gregorianum  belegt  (Taf.  V,  Fig.  1,  2).  Es  ist  kein  Grund  vorhanden, 
hier  an  Phylloceras  Velledae  aus  dem  Gault  zu  denken,  da  die  vor- 
handenen Exemplare  ebenso  gut  mit  Phylloceras  Tethys  übereinstimmen.^) 
Phylloceras  Gregorianum  soll  nach  Herb  ich  durch  zwei  Einschnürungen 
gekennzeichnet  sein ,  welche  jedoch  auf  dem  Stücke  in  Wirklichkeit 
nicht  existiren.  H  e  r  b  i  c  h  Hess  sich  durch  den  Erhaltungszustand  täuschen. 
Da  auch  sonst  keinerlei  Unterschiede  gegen  Phylloceras  Tethys  auf- 
findbar sind,  hat  diese  Art  zu  entfallen. 

Endlich  gehören  noch  hieher  Herbich's  Phylloceras  Tervern 
Orb.  (Taf.  VI,  Fig.  7)  und  sein  Phylloceras  Morelianum. 

Phylloceras  sp.  indei. 

Unbestimmbares  Bruchstück  einer  Art  aus  der  Formenreihe  des 
Phylloceras  heterophyllum,  welches  ausser  der  feinen  Sichelstreifung  noch 
zahlreiche  flache ,  gegen  die  Externseite  erlöschende  Falten  trägt  und 
dadurch  an  Phylloceras  ylicatunx  Neum.  und  Phylloceras  Kudernatschi 
Hau.  genähert  erscheint.  Wahrscheinlich  ist  es  dieselbe  Form,  welche 
auch  im  Neocom  des  Gardenazzaplateaus  vorkommt  (Jahrb.  d.  k.  k. 
geol.  Reichsanstalt.  1888,  XXXVIII.  Bd.,  pag.  82). 

H  e  r  b  i  c  h  hat  das  betreffende  Stück  irrthümlich  als  Olcostephanus 
Astierianus  bestimmt. 

Phylloceras  semisulcaium  Orb.  (?) 

Ein  mangelhaft  erhaltenes  Exemplar,  welches  nur  die  Wülste  der 
Externseite  gut  erkennen,  die  Furchenrosette  der  Nabelgegend  dagegen 
vermissen  lässt.  Wahrscheinlich  ist  dies  nur  eine  Folge  des  schlechten 
Ei'haltungszustandes.  Da  dies  jedoch  nicht  zweifellos  festgestellt  erscheint, 
kann  die  Vertretung  der  genannten  Art  nicht  bedingungslos  angenommen 
werden.  Herb  ich  stellte  das  Exemplar  zu  Phylloceras  Calypso ,  das 
Exemplar,  welches  er  jedoch  als  Phylloceras  Calypso  abbilden  Hess,  ist 
nicht  das  besprochene,  sondern  ein  Desmoceras  Charrierianum  Orb. 

^)  Ueber  Phylloceras  Velledae  fehlen  vorläufig  noch  eingehendere  Untersuchungen  ; 
wahrscheinlich  ist  diese  Art  mit  PJiylloceras  Tethys  identisch  (vergl.  K  i  1  i  a  n ,  1.  c. 
pag.  226). 


226  Dr.  Victor  Uhlig  MqI 

Lytoceras  subfimbriatum  Orb.  sp. 

Zwei  Bruclistiicke,  die  auch  Herb  ich  unter  diesem  Namen  ver- 
standen hat ,  lassen  sich  zwanglos  mit  dieser  altbekannten  und  weit 
verbreiteten  Art  identificiren. 

L/toceras  cf.  densifimbriaium  Uhl. 

Ich  rechne  hieher  jenes  Bruchstück,  welches  Herbich  (Taf. IX, 
Fig.  2,  3,  4,  pag.  26)  als  Lytoceras  subfimbriatum  abbilden  Hess.  Der 
hochelliptische  Querschnitt  schliesst  jedoch  die  Zugehörigkeit  zw  dieser 
Art  aus,  ebenso  die  sehr  dichte  Streifung.  Dieselben  Merkmale  nähern 
dagegen  das  genannte  Vorkommen  an  Lytoceras  puezanum  Haug  und 
noch  mehr  an  Lytoceras  densifimbriatum  ühlig  (Wernsdorfer  Seh.  Taf.  VI, 
pag.  191)  aus  dem  Neocom  von  St.  Auban  (Var)  und  von  der  Veveyse 
bei  Freiburg.  Eine  sichere  Fixirung  der  Art  ist  bei  der  Mangelhaftigkeit 
des  vorliegenden  Stückes  unmöglich. 

Lytoceras  anisoptychum  Uhl. 

Es  liegt  wohl  nur  ein  kleines  Bruchstück  dieser  Art  vor,  aber 
dasselbe  genügt,  um  die  Vertretung  derselben  mit  Sicherheit  annehmen 
zu  können.  H  e  r  b  i  c  h  hat  dasselbe  als  Lytoceras  inaequalicostatum  Orb. 
(Taf.  XI,  Fig.  1,  pag.  25)  abgebildet. 

Lytoceras  Phestus  Math.  sp. 

Ein  kleines  Bruchstück,  welches  Herb  ich  als  Lytoceras  recti- 
costatum  aufgefasst  hat  (Taf.  XI ,  Fig.  2) ,  ist  wohl  mit  Bestimmtheit 
hier  einzureihen.  Herb  ich  bildet  ausserdem  zwei  andere  Exemplare 
als  Lytoceras  recticostatum  ab ,  von  denen  das  eine  (Taf.  XI,  Fig.  3) 
einem  specitisch  nicht  sicher  bestimmbaren ,  am  ehesten  mit  Lytoceras 
anisoptychum  verwandten  Fimbriaten  angehört,  während  das  andere 
(Taf.  XI,  Fig.  1)  ganz  unbestimmbar  ist.  Es  ist  nicht  gerade  ausge- 
schlossen ,  dass  dieses  Bruchstück  von  einem  Costidiscus  herrührt ,  es 
könnte  aber  auch  etwas  ganz  anderes  sein. 

Lytoceras  crebrisulcatum  UhL 

Ein  Exemplar  ,  welches  von  H  e  r  b  i  c  h  als  Lytoceras  quadrisul- 
catum  Orb.  (Taf.  XI,  Fig.  8,  pag.  24)  aufgefasst  wurde,  stimmt  recht 
gut  mit  der  angezogenen,  dem  Lytoceras  quadrisulcatum  übrigens 
ziemlich  nahestehenden  Art  überein. 

Haploceras  Gras/  Orb.  sp. 

Herb  ich  giebt  an  (pag.  17),  dass  sich  diese  Art  im  Neocora  von 
Vale  Muierii  ziemlich  häufig  vorfindet,  mir  liegen  jedoch  nur  zwei 
Exemplare  vor,  welche  zur  Artbestimmung  eben  noch  ausreichen. 

Desmoceras  difficile  Orb.  sp. 

Liegt  in  mindestens  26  Exemplaren  vor  und  ist  daher  weitaus 
die   häufigste  Art   der   zu  beschreibenden  Fauna.     Neben   Exemplaren, 


1 1 1 1        üeber  F.  Herbich's  Neocomlauna  ans  d.  (iuellgeljietc  ci.  Diiiibovicioara  etc.        227 

welche  mit  Orbig ny's  Abbildung-  vollständii;-  übcreinstiinnicn,  koinnien 
auch  soh;he  vor,  welche  einen  etwas  weiteren  Nabel  und  niedrigere 
und  etwas  dickere  Umgänge  aufweisen.  Leen  bar  dt  und  Kilian») 
haben  gezeigt,  dass  dies  auch  bei  dem  südfranzösischen  typischen  Vor- 
kommen der  Fall  ist,  und  haben  hervorgehoben,  dass  sich  diese  Ver- 
änderungen in  der  Gestalt  und  Einrollung  des  Gehäuses  namentlich 
im  höheren  Alter  vollziehen. 

Auch  hietür  bietet  das  mir  vorliegende  Material  neue  Belege.  Man 
kann  also  die  Uebereinstimmung  wirklich  eine  allseitige  nennen. 

H  e  r  b  i  c  h  hat  die  Exem])lare,  welche  man  hier  einreihen  muss, 
zum  Theil  richtig  als  Haploceras  difficüe  (Taf.  VI,  Fig.  1,  2),  zum 
Theil  als  Haploceras  cassida  bestimmt  (Taf.  III  und  Taf  IV,  Fig.  2,  3 
[non  Fig.  J]).  Das  auf  Taf.  III  abgebildete  Exemplar  stellt  das  ausge- 
wachsene Stadium  dieser  Art  vor.  Der  vorderste  Theil  des  Gehäuses 
gehört  bereits  der  Wohnkammer  an.  Leider  ist  das  Stück  doch  etwas 
mangelhaft  erhalten ,  es  würde  sich  sonst  empfehlen ,  eine  nochmalige, 
bessere  Abbildung  davon  zu  geben,  da  das  Altersstadium  dieser  Art 
noch  nicht  bildlich  dargestellt  wurde.  Die  Lobenlinie  entspricht  dem 
Gruppentypus.  Herb  ich  hat  dieselbe  auf  dem  Originalstücke  ziemlich 
gut  eingezeichnet,  nur  hat  er  zwei  aufeinander  folgende  zweite  Lateral- 
loben zusammengezogen.  Hiedurch  erklärt  sich  die  ganz  abnorme  Länge 
des  zweiten  Seitenlobus  in  der  Abbildung,  die  übrigens  viel  schlechter, 
als  die  Zeichnung  auf  dem  Stücke  und  ganz  unbrauchbar  ist.  Das  auf 
Taf.  IV,  Fig.  2,  3  abgebildete  Exemplar  zeigt  eine  etwas  auffallende 
Dicke,  die  aber  mindestens  zum  Theil  sicher  nur  eine  Folge  von  Ver- 
drückung ist.  Die  Abbildungen  Taf.  VI ,  Fig.  1 ,  2  gehören  zu  den 
besseren,  nur  die  Nabelkante ,  die  auf  den  Stücken  sehr  deutlich  her- 
vortritt, ist  fast  gar  nicht  markirt. 

Die  Zugehörigkeit  des  Haploceras  cassida  Herhich  zu  Desmoceras 
difficüe  wurde   bereits  von  K  i  1  i  a  n  und  H  a  u  g  vermuthet. 

Das  von  Herb  ich  auf  Taf.  XV,  Fig.  11  unter  dem  Namen 
Scaphites  apertus  Herbich  abgebildete  Exemplar  gehört  wohl  sicher 
hieher.  Das  Exemplar  ist  stark  verzogen ,  wodurch  sich  H  e  r  b  i  c  h 
täuschen  Hess. 

Ein  Theil  von  dem  ,  was  H  e  r  b  i  c  h  als  Haploceras  nisus  Orb. 
bezeichnet  hat,  gehört  ebenfalls  hierher. 

Desmoceras  cassidoides  Uhl. 

Seltener  als  die  vorhergehende,  aber  doch  durch  einige  Exemplare 
vertreten  ist  eine  Art,  welche  sich  durch  weiteren  Nabel  und  niedrigere 
Umgänge  von  Desmoceras  difficile  unterscheidet  und  daher  zu  Desmo- 
ceras cassidoides  zu  stellen  ist.  Das  besterhaltene  Exemplar  ist  jenes, 
welches  Herbich  unter  der  Bezeichnung  Ho.ploceras  muierense  zum 
Typus  einer  neuen  Art  erhoben  und  auf  Taf.  V,  Fig.  3,  4  abgebildet 
hat.  Obwohl  die  Abbildung  sehr  viel  zu  wünschen  übrig  lässt,  konnte 
K  i  1  i  a  n  doch  die  Zugehörigkeit  zu  Desmoceras  cassidoides  Uhl.  aus 
derselben  erschliesseii.  Das  betreffende  Exemplar  scheint  ein  wenig 
comprimirt.    Der  Nabel  erweitert  sich  mit  zunehmendem  Alter  ziemlich 


*)  Montg.  de  Lnre,  pag.  229. 
Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,,  wn.  41.  Band.  2.  Heft    (Dr.  V.  UhUg)       30 


228  Dr.  Victor  Uhlig.  [12 1 

beträchtlich,  wie  man  aus  der  Marke  ersehen  kann,  die  der  letzte  \]m- 
gan^'  zurückgelassen  hat.  Die  Scheidewandlinic  ist  nur  in  den  gröbsten 
Zügen  erkennbar,  sie  wurde  von  Herbich  uuiichtig  dargestellt,  da 
derselbe  beim  ersten  Hills-  und  beim  zweiten  Seitenlobus  die  Linien 
zweier  Scheidewände  zusammengezogen  und  daher  doppeltlange  Loben 
erhalten  hat. 

Ein  zweites,  von  Herbich  als  Haploceras  cassida  (Taf.  IV,  Fig.  1) 
abgebildetes  Exemplar  glaube  ich  ebenfalls  hierher  stellen  zu  sollen.  Es 
ist  zwar  nur  ein  Stück  Wohnkannner  und  ein  Stück  des  gekamnierten 
Theiles  erhalten,  allein  die  Bestinnnung  lässt  sich  doch  mit  ziemlicher 
Sicherheit  duichfiihren.  Die  Lobenlinie  ist  schlecht  erhalten,  die  Zeichnung 
derselben  bei  Herb  ich  nicht  brauchbar.  Die  Ktirper  der  Loben  scheinen 
etwas  breiter  zu  sein,  wie  bei  Desmoceras  difßcüe. 

Ausser  diesen  Exemplaren  rechne  ich  noch  einige  kleinere  Stücke 
und  auch  zwei  sehr  grosse  Fragmente  zu  dieser  Art.  Bezüglich  der 
letzteren  bin  ich  deshalb  nicht  ganz  sicher,  weil  sie  keine  deutliche  Nabel- 
kaute erkennen  lassen.  Möglicher  Weise  hängt  dies  aber  nur  von  dem 
schlechten  Erhaltungszustande  ab. 

In  einer  Beziehung  scheint  das  rumänische  Vorkommen  von  dem 
französischen  imd  dem  Südtiroler  (Puezalpe)  abzuweichen.  Die  Exemplare 
zeigen  eine  geringere  Dicke  und  scheinen  sich  daher  mehr  an  Desmo- 
ceras difßcüe  anzunähern ,  als  dies  für  den  Typus  dieser  Art  gilt.  Es 
ist  dies  vermuthlich  nur  eine  Folge  des  Erhaltungszustandes,  musste  aber, 
da  nicht  zweifellos  feststellbar,  doch  hervorgehoben  werden. 

Desmoceras  sp.,  äff.  cassida  (Rasp.)  Orb. 

Herb  ich  briugt  unter  der  Bezeichnung  Haploceras  Parandievi 
Orb.  (Taf.  n,  Fig.  1,  2)  eine  Form  zur  Abbildung,  welche  ohne  Zweifel 
nicht  zu  dieser  Art,  sondern  in  die  Verwandtschaft  von  Desmoceras 
difficile  Orb.,  cassida  (Rasp.)  Orb.  und  cassidoides  Uhl.  gehört ,  aber 
doch  mit  keiner  bisher  bekannten  Art  direct  zu  identificiren  ist.  Der 
schlechte  Erhaltungszustand  des  Exemplares  macht  es  leider  unmöglich, 
dasselbe  eingehender  zu  berücksichtigen,  man  muss  sich  darauf  be- 
schränken, es  bis  auf  die  nächstverwandte  Art  zu  bestimmen. 

Kill  an  hat  nach  Herbich's  Abbildung  die  Zugehörigkeit  zu 
Desmoceras  cassida  vermutbet,  und  auch  ich  möchte  diese  als  die  nächst- 
stehende Art  bezeichnen.  Der  verhältnissmässig  breite  Querschnitt,  der 
enge  Nabel  und  die  Sculptur  sprechen  dafür ,  das  einzige  Merkmal, 
welches  die  directe  Identification  nicht  gestattet,  ist  die  ziemlich  scharf 
ausgesprochene  Nabelkante.  Die  Abbildung,  welche  Quenstedt  (Cepha- 
lopoden.  Taf.  XX,  Fig.  9)  von  Ayn.  cassida  giebt,  lässt  zwar  auch  eine 
leichte  Nabelkante  erkennen,  allein  es  ist  noch  nicht  sichergestellt,  ob 
Q  u  e  n  s  t  e  d  t's  Am .  cassida  mit  dem  von  R  a  s  p  a  i  1  und  0  r  b  i  g  n  y 
identisch  ist,  und  dann  ist  bei  dem  vorliegenden  Stücke  die  Nabelkante 
doch  noch  beträchtlich  stärker  entwickelt,  als  bei  der  Form  Qucn- 
stedt's.  Unter  diesen  Umständen  erscheint  die  Identificirung  mit  ^m. 
cassida  nicht  annehmbar. 

Der  enge  Nabel  und  die  Nabelkante  nähern  die  rumänische 
Form  in  hohem  Grade  auch  an  Desmoceras  difficile  an ,  doch  ist  die 
Dicke   der  Umgänge    zu   gro^s,    als    dass   man   sie   an    diese  Art    an- 


[13]       Ueber  F.  Herbich's  Neocoint'auna  ans  d.  (iuoli;;el)it'te  il.  Diiiihovicioaia  etc.        220 

schliessen  könnte.  Mit  Besinoceras  ca.süidoides  (hl.  luit  das  voilic^cndc 
Stück  die  grössere  Dicke  und  die  Nabclkantc  ^enicinsani,  das  entschei- 
dende Merkmal  für  Desmoccras  cassidoides^  der  weite  Nabel,  trilVt  al)er 
nicht  zu  und  dies  verhindert  die  Anreihung-  an  diese  Art.  Die  iSculptur  ist 
bei  allen  genannten  Arten  zicndich  iibereinstininiend  und  fällt  daher  bei 
der  rnterscheidung  weniger  iu's  Gewicht.  Es  zeigt  sich  deutlich,  dass 
eine  gründliche  Revision  der  vorliegenden  Formengruppe,  namentlich 
aber  des  Am.  cnssida,  sehr  nothwendig  wäre.  Vielleicht  wäre  es  dann 
möglich ,  das  rumänische  Exemplar  trotz  der  mangelhaften  Erhaltung 
genauer  zu  bestimmen. 

Desmoceras  Charrierianum  Orb.  sp. 

Ein  Exemplar,  welches  Herb  ich  als  Phylloceras  Calypso  Orb. 
(Taf.  VI,  Fig.  6)  abgebildet  hat,  dürfte  wohl  zu  der  genannten  Art  gehören. 
Die  Bestimmung  ist  zwar  nicht  unanfechtbar,  weil  die  Lobenlinic  nicht 
sichtbar  und  die  Erhaltung  im  Allgemeinen  ziemlich  mangelhaft  ist, 
aber  die  Sculptur-  und  Formverhältnisse  sprechen  dafür.  Man  darf  daher 
wohl  vorderhand  diese  Art  als  vertreten  annehmen. 

Silesiies  Seranon/s  Orb  ig.  sp. 

Liegt  in  zwei  kleinen  Steinkernen  vor,  deren  Erhaltungszustand 
zwar  etwas  mangelhaft  ist,  aber  doch  die  Erkennung  der  bezeichnenden 
Merkmale  gestattet.  Das  eigenthümliche  Ansteigen  der  Nahtloben  ist 
bei  dem  grösseren  Exemplare  sehr  gut  zu  beobachten.  Bei  li  e  r  b  i  e  h 
erscheint  diese  wichtige  Barremespecies  als  Lytoceras  striatosulcatum 
(Taf.  XI,  Fig.  7,  pag.  26).  Ein  drittes  Exemplar,  von  Herbich  als 
Lytoceras  Honnoratianum  Orh.  bestimmt  (Taf.  XI,  Fig.  5,  pag.  21}  ge- 
gehört entweder  hierher  oder  zu  der  folgenden  Art. 

Silesites  vulpes  Coq.  sp. 

Durch  zwei  gut  bestimmbare  Exemplare  vertreten.  Bei  dem  einen 
sind  von  der  Scheidewandlinie  der  Aussen-  und  der  erste  Scitenlobus 
sichtbar,  welche  mit  der  Lobenlinie  der  Wernsdorfer  Exemplare  vor- 
trefflich übereinstimmen.  Herb  ich  hat  diese  Art  Perisphinctes  petrae 
regt's  nov.  sp.  genannt  und  hat  ihr  Knoten  auf  den  Seiten  der  Umgänge 
zugeschrieben,  von  denen  in  Wirklichkeit  keine  Spur  vorhanden  ist 
(Taf.  XIII,  Fig.  1—4,  pag.  28). 

Hoplites  äff.   angulicostaius   Orb.  sp. 

Ein  schlecht  erhaltenes  und  nicht  sicher  bestimmbares  Bruchstück, 
welches  jedenfalls  jener  Formengruppe  angehört,  die  man  gewöhnlich 
mit  dem  angezogenen  Namen  verknüpft.  Wie  Kilian  hervorhebt, 
ist  eine  Revision  des  Hoplites  angulicostatus  zur  Klarstellung  der 
darunter  zusammengefassten  Formen  nothwendig.  Hier  ist  man  nicht 
gezwungen,  auf  diese  Frage  näher  einzugehen,  da  es  sich  nur  um  eine 
Annäherungsbestimmnng  handelt. 

3Ü* 


280  rt''-  '^'i^''«"'  "f'iiiis-  |14] 

Hoplites  äff.  pexipiychus  Uhl. 

Zwei  sehr  sclilecbt  erlialteue  Bruchstücke  gehören  in  die  nächste 
Verwandtschaft  der  angezogenen  Art,  unterscheiden  sich  aber  durch 
den  Mangel  der  Knötclien  und  die  Beschaffenheit  der  Externseite ,  auf 
welcher  die  Rippen  nicht  in  so  ausgesprochener  Weise  unterbrochen  zu 
sein  scheinen,  wie  bei  dein  Typus  der  Art.  Eine  präcisere  Bestimmung 
ist  nach  dem  vorliegenden  Materiale  nicht  möglich. 

W.  Kiliau^)  hat  den  Hoplites  pexiptyclius  Uhl.  neuerlich  sehr 
eingehend  beschrieben  und  gezeigt,  dass  Hoplites  B.ouhaudi  Orbig.,  eine 
alte,  im  Prodrome,  II,  pag.  64,  ungenügend  gekennzeichnete  Art,  damit 
identisch  ist. 

H  e  r  b  i  c  h  beschrieb  die  vorliegenden  Exemplare  unter  dem  Namen 
Hoplites  cryptoceras  Orb.  (Taf.  XII,  Fig.  3,  4). 

HoplHes  sp. 

Ein  Bruchstück  eines  ungefälir  15  Millimeter  hohen  Umgangs, 
welches  möglicherweise  mit  der  Gruppe  des  H.  Malbosi  Biet,  aus  den 
Berriasschichten  in  Verbindung  steht.  Eine  gewisse  Aehnlichkeit  ist 
aber  auch  mit  der  Hilsspecies  Hoplites  curvinodus  Phill.  vorhanden. 

Hoplites  romanus  Herb.  sp. 

Unter  dem  Namen  Acanthoceras  romanum  n.  sp.  hat  Ilerbich 
ein  Exemplar  beschrieben  (Taf.  X,  Fig.  1,  2,  pag.  32),  welches  offenbar 
zur  Gruppe  des  Hoplites  cryptoceras  gehört.  Die  Berippung  ist  im 
Allgemeinen  dieselbe,  wie  bei  der  ganzen  Gruppe,  eine  spcciclle  Be- 
schreibung erscheint  daher  wohl  überflüssig.  Die  Seiten  sind  abgeflacht, 
die  Externseite  ziemlich  flach ,  nur  wenig  gewölbt.  Leider  ist  das 
Exemplar  ein  wenig  verdrückt  und  daher  die  natürliche  Form  nicht 
sicher  erkennbar.  Die  Externseite  ist  fast  glatt,  die  Rippen  setzen  nur 
ganz  abgeschwächt  über  dieselbe  hinweg,  ähnlich  wie  bei  Hoplites  vicarius 
Vacek  und  bei  Steinkernen  von  Hoplites  amblygonius  Neum.  und  Uhl.  ^) 

Nach  der  Sculptur  steht  die  vorliegende  Form  der  letztgenannten 
norddeutschen  Art  am  nächsten.  Die  Rippen  zeigen  dieselbe  kräftige 
Ausbildung  und  denselben  Verlauf,  und  es  theilen  sich  auch  hier,  wie 
bei  amblygonius.^  einzelne  Rippen  schon  in  der  Nähe  der  Naht.  Hoplites 
oxygonius  hat  etwas  stärker  geschwungene  Rippen  und  kommt  daher 
weniger  in  Betracht.  Eine  Identität  mit  der  norddeutschen  Art  ist  aber 
ausgeschlossen,  denn  die  letztere  ist  entschieden  engnabeliger  und  hat 
höhere,  rascher  anwachsende  Umgänge. 

Derselbe  Unterschied  trennt  die  rumänische  Art  von  Hoplites 
cryptoceras  Orb.  Diese  altbekannte  Art  bedarf  allerdings  erst  einer 
umfassenden  Revision  ,  allein  man  versteht  darunter  doch  stets  rascher 
anwachsende  und  etwas  engnabeligere  Formen,  wie  Hoplites  romanus., 
so  dass  eine  Uebertragung  des  Namens  nicht  vollkommen  gerechtfertigt 
wäre.  Hoplites  vicarius  Vac.  hat  eine  im  Allgemeinen  sehr  ähnliche 
Berippung,  aber  engeren  Nabel  und  einen  mehr  gerundeten  Querschnitt. 

')  Snr  quelq.  fossiles  du  Cretace  inf^rieur  de  la  Provence.  Bull.  Soc.  g6ol.  France. 
.3.  ser.,  XVI,  pl.  XVII,  Fig.  2,  3,  pag.  679. 

*)  Die  Erscheinung  des  sogenannten  eingesenlcten  Kiele.s  ist  bei  dieser  Art  nur 
hei  Schalenexemplar^'n  deutlich  zu  sehen. 


[15]        Uebcr  F.  Herbich's  Neocoinfauna  aus  d.  Quellgebiete  d.  Diml)ovicioara  etc.        231 

Da  sich  dcninach  Hoplites  roinanus  von  allen  vciwaiKltcii  Arten 
durch  engeren  Nabel  und  etwas  niedrigere  Unigiinge  unterscheidet, 
scheint  es  gerathen ,  diese  Form  als  eine  selhstständige  zu  betrachten. 
Zur  Begründung-  einer  neuen  Art  reicht  nun  das  vorliegende  F.xenii»lar, 
ein  Bruchstück,  bei  dem  das  innere  Gewinde  fehlt,  allerdings  streng 
genommen  nicht  aus.  Die  Lobenlinie  ist  nicht  bekannt,  und  es  fehlt 
jede  Gewähr  dafür,  dass  das  innere  Gewinde  dieselbe  Sculptur  besitzt 
wie  der  äussere  Umgang.  Nachdem  aber  der  11  e  r  biclfsclie  Name 
bereits  besteht,  scheint  es  wohl  am  passendsten,  denselben  J)eizubehalten. 
Die  endgiltige  Feststellung  dieser  Art  wird  erst  auf  Grund  neuen,  voll- 
ständigeren Matcrialcs  erfolgen  können. 

Holcodiscus  incertus  Orb.   sp. 

Verdrücktes,  schlecht  erhaltenes  Exemplar,  welches  Herbic  h  als 
Lytoceras  Stefanescuanum  n.  sp.  (Taf.  XI,  Fig.  1,  pag.  24)  beschrieben 
und  abgebildet  hat.  Man  wird  kaum  fehlgehen ,  wenn  man  dasselbe 
als  Holcodiscus  incertus  bestimmt. 

Holcodiscus  Gasialdinus  Orb.  sp. 

Drei  Exemplare,  von  denen  zwei  ziemlich  gut  erhalten  sind, 
lassen  sich  zwanglos  an  die  angezogene  Art  anschliessen.  Das  eine 
Exemplar  zeigt  einen  etwas  schmäleren  Querschnitt,  da  es  aber  augen- 
scheinlich etwas  zusannnengedriickt  ist,  so  kann  darin  kein  Hinderniss 
für  die  Identitication  gelegen  sein.  Ein  Exemplar  zeigt  etwas  gröbere 
und  entfernter  stehende  Rippen  und  damit  eine  Annäherung  an 
Holcodiscus  Caillaudianus  Orh.  Herb  ich  hat  zwei  Exemplare  dieser 
Art  zu  Crioceras  Villiersianum  Orb.  (Taf.  XV,  Fig.  8,  9,  pag.  49j,  eines 
zu  Crioceras  Emerici  gestellt. 

Pulchellia  Didayi  Orb.  sp. 

Ein  kleines  Exemplar ,  welches  auf  den  ersten  Blick  mehr 
Aehnlichkeit  mit  PaJchelUa  indcliella  zu  haben  scheint.  Die  Beschaffenheit 
der  Externseite  bedingt  jedoch  die  Zustellung  zu  Fulcliellia  Didayi,  so 
dass  die  l^estimmung  Herbic  h's ,  der  diese  Art  als  Hoplites  Didayi 
anführt  (Taf.  XII,  Fig.  5,  pag.  31),  bestätigt  werden  kann. 

Crioceras  cf.   Duvali  Lev. 

Das  Exemplar,  welches  H  erbich  unter  diesem  Namen  beschreil)t 
und  abbildet  (Taf.  XVI,  Fig.  4,  pag.  35),  lässt  sich  in  der  That  am 
besten  an  Crioceras  Duvali  anschliessen.  Die  Sculptur  entspricht  dem 
alpinen,  feinrippigen  Typus  dieser  Art,  das  Anwachsen  scheint  jedocli 
merklich  rascher  zu  sein,  so  weit  sich  dies  aus  dem  kleinen,  zusammen- 
gedrückten Stücke  entnehmen  lässt.  Es  ist  daher  nur  eine  Annäherungs- 
bestimmung möglich. 

Heieroceras  obliquaium  Orb.  sp. 

Die  von  Orbigny  im  Jahre  1847  begründete  Gattung  Äe^erocems 
wurde  von  den  Paläontologen  lange  vernachlässigt;  erst  die  ausgezeichneten 
Untersuchungen  W.  Kilian's  haben  über  diesen  merkwürdigen  Formen- 
kreis neues  Licht  verbreitet.  Man  vermag  nunmehr  die  hierhergehörigen 


2^2  Dr.  Victor  Uhlig.  [ißj 

Formen  viel  sicherer  zn  erl^ennen,  wie  früher  und  kann  gewisse,  meist 
frag'mentäre  Vorkommnisse,  die  als  Toxocems  oder  Amsoceras  n.  s.  w. 
beschrieben  wnrden,  mit  Sicherheit  dieser  Gattnng  zuweisen,  deren  Ver- 
breitungsgebiet damit  zugleich  eine  bedeutende  Erweiterimg  erfährt. 

Aus  dem  Neocom  des  Vale  Muicrii  liegen  mindestens  drei  Arten 
vor.  die  nur  in  Hruchstiicken  erhalten  sind  und  gegenwärtig  eine  end- 
giltige  Bcstinmuuig  nicht  zulassen.  Die  Abbildungen,  welche  Her bich 
von  diesen  Stücken  gegeben  hat ,  sind  glücklicher  Weise  besser  aus- 
gefallen ,  als  die  übrigen  und  geben  einen  ziemlich  guten  Begriff'  von 
den  bctretfenden  Formen.  Das  grösste  Exemplar  führt  Herb  ich 
(Taf.  XIV,  Fig.  1,  2,  3)  unter  demselben  spccifischcn  Namen  an ,  der 
hier  gewählt  wurde.  Es  ist  nur  ein  Theil  des  Schaftes  erhalten ,  die 
Spirale  und  der  Haken  fehlen.  Die  Sculptur  und  die  Beschaffenheit  des 
Schaftes  sind  jedoch  so  bezeichnend ,  dass  man  an  der  Zugehörigkeit 
zu  Heteroceras  nicht  zweifeln  kann. 

Innerhalb  dieser  Gattung  sind  H.  Astteri  Orh.  und  H.  ohliquatum 
Orh.  sp.  sicher  als  die  nächststehenden  Arten  zu  bezeichnen.  Die  erstere 
Art  ^)  hat  sehr  ähnliche,  grobe  Rippen,  wie  das  rumänische  Exemplar, 
das  Anwachsen  ist  jedoch  ein  merklich  langsameres,  so  dass  eine  voll- 
ständige Identität  nicht  wohl  angenommen  werden  kann.  Als  noch 
näher  stehend  muss  man  jene  Form  betrachten,  welche  Orbigny  als 
Toxoceras  ohliquatum  beschrieben  bat  (Pal.  fr.  Ceph.  cret.  Taf.  120, 
Fig.  1 — 4).  Die  grobe  Berippung  zeigt  bei  beiden  Formen  keinerlei 
unterschiede  und  auch  die  rasche  Verjüngung  gegen  die  Spira  ist 
gemeinsam.  Der  einzige  Unterschied,  den  man  nandiaft  machen  könnte, 
wäre  der,  dass  das  rumänische  Exemplar  um  eine  Spur  stärker  gekrümmt 
ist,  als  das  französische,  lieber  die  Bedenken,  welche  sich  aus  dieser 
Abweichung  und  aus  der  Unkenntniss  der  Scheidewandlinie  ergeben, 
könnte  man  sich  vielleicht  hinwegsetzen  und  die  Bestimmung  als  gesichert 
hinnehmen,  wenn  die  typische  Form  Orbignys  besser  fixirt  wäre. 
Orbigny  stand  bei  Begründung  seines  Toxoceras  ohliquatum  nur  der 
Schaft  zur  Verfügung ,  und  man  kann  heute  mit  grosser  Wahrschein- 
lichkeit vcrmuthen,  dass  das  Exemplar  zu  Heteroceras  gehört  (vergl. 
Kilian,  I.e.),  aber  eine  nochmalige  Untersuchung  wäre,  namentlich 
wegen  des  auffallend  schmalen  Endes  in  der  Abbildung,  doch  sehr 
wünschenswerth.  Unzweifelhaft  zu  Heteroceras  gehörig  ist  die  von 
Pictet^)  als  Anisoceras  ohliquatum  beschriebene  Art  von  Barrcme, 
welche  sich  jedoch  von  Orbigny's  Toxoceras  ohliquatum  durch  lang- 
sameres Anwachsen  und  etwas  feinere  Rippen  unterscheidet  und  einer 
besonderen  Art  angehören  dürfte.  Kilian  hält  es  für  möglich,  dass 
die  Pictet'sche  Form  nur  eine  eigenthümliche  Varietät  von  ITefteroceras 
Astteri  Orh.  darstellt. 

So  lange  die  älteren,  französischen  Arten  noch  nicht  vollständig 
geklärt  sind,  muss  man  wohl  auf  die  definitive  Bestimmung  solcher 
Fragmente,  wie  das  vorliegende  verzichten  und  es  kann  daher  die 
Bestimmung  des  Stückes  als  Heteroceras  ohliquatum  nur  als  eine  vor- 
läufige betrachtet  werden. 

')  Vergi.  Orbigny  im  Journal  de  Conchyliologie.  Bil,  III,  pag.  219,  Taf.  4, 
Fig.  1.  —  Kilian,  Montg.  de  Lure,  pag.  428. 

2)  Melanges  palöont.  I,  pag.  24,  Taf.  I,  Fig.  1. 


ri  7]       lieber  F.  Herbich's  Neocomfauna  aus  d.  Qiiellgebiete  d.  Dimbovicioara  etc.        2.'J.'J 

Heteroceras  sp. 

Die  zweite  IIeteroceras-^])Gc[c&  aus  dem  Neocom  des  Vale  Muierii 
wurde  von  II  erb  ich  unter  der  Bczeiclinnng-  Grioceras  Duvalianum 
(Taf.  XVI,  Fig-.  1 — 3)  abgebildet.  Leider  ist  von  dieser  wiclitigcn  Art 
nur  ein  zusaniniengedriicl^tes  lirucbstück  des  Schaftes  vorhanden. 

Auch  bei  dieser  Art  sind  die  Rippen  ziendidi  grob ,  aber  docli 
etwas  feiner,  wie  bei  Heteroceras  ohliquatum^  und  das  Anwaclisen  erfolgt 
etwas  langsamer.  Man  könnte  daher  an  Heteroceras  Astieri  denken, 
wenn  nicht  die  Beschaffenheit  der  Externseite  dies  ausschliessen  würde. 
Die  Rip})en  endigen  nämlich  an  der  Externseite,  wie  dies  schon  aus 
Herbich's  Abbildung  kenntlich  ist,  jederseits  in  einem  ziemlich  gut 
markirten  Knoten  und  sind  in  der  Medianebene  unterbrochen  oder 
mindestens  deutlich  abgeschwächt,  älinlich  wie  dies  bei  der  im  fiebrigen 
specitisch  verschiedenen  Art  Heteroceras  Oiraudi  Kutan  (Montagne  de 
Lure,  pag.  435,  Taf.  III,  Fig.  4 — 5)  der  Fall  ist.  Ausser  dieser  wurden 
noch  einige  andere  Arten  mit  unterbrochenen  Rippen  beschrieben.  So 
bat  Hang  eine  Form  aus  dem  Barremien  der  Puezalpe  als  Heteroceras  sp. 
indet.  abgebildet  und  damit  die  von  mir  unter  der  Bezeichnung  Aniso- 
ceras  n.  sp.  ind.  beschriebene  Form  von  derselben  Localität  identiticirt. 
Die  Studien  über  Heteroceras.,  welche  Kilian  seit  dem  Erscheinen 
meines  Aufsatzes  über  das  Neocom  des  Gardenazzaplateaus  an  vor- 
trefflich erhaltenem,  siidfranzösischem  Materiale  gemacht  hat,  erraog- 
licben  es  allerdings,  die  von  mir  beschriebene  Form  als  wahrscheinlich 
zu  Heteroceras  gehörig  zu  betrachten.  Die  Identität  dieser  Form  mit 
der  von  Hang  scheint  mir  aber  nicht  erwiesen.  Das  eine  Exemplar 
stellt  ein  Schaftfragment  von  circa  10  Centimeter  Durchmesser,  das  andere 
ein  solches  von  nur  1  Centimeter  Durchmesser  vor.  Da  müssten  denn 
doch  mittlere  Stadien  bekannt  sein,  bevor  man  sich  zu  der  Annahme 
völliger  Identität  entschliessen  könnte.  Beide  Arten  sind  noch  zu  tixiren, 
und  es  ist  daher  nicht  möglich  zu  sagen ,  in  w^elchem  Verhältniss  das 
vorliegende  rumänische  Exemplar  zu  denselben  steht.  Es  ist  jedoch 
sehr  unwahrscheinlich ,  dass  eine  sehr  nahe  Verwandtschaft  oder  gar 
Identität  obwaltet.  Ebensowenig  ist  an  eine  Identität  mit  Heteroceras 
Giraudi  KU.  zu  denken.  Diejenige  Art,  welche  hier  vielleicht  am 
meisten  in  Betracht  zu  ziehen  wäre,  nämlich  Toxoceras  Moutoni  Orh., 
ist  leider  auch  nur  ganz  unvollständig,  durch  eine  kurze  Beschreibung 
im  Prodrome,  II,  bekannt.  Haug^)  citirt  diese  Art  aus  dem  Barremien 
der  Puezalpe,  konnte  aber  leider  keine  Abbildung  liefern.  Er  ver- 
muthet,  dass  Toxoceras  Moutoni  Orh.  zu  Heteroceras  gehört,  spricht 
sich  aber  nicht  bestimmt  darüber  aus  und  macht  es  ferner  wahr- 
scheinlich, dass  das  Grioceras  Duvalianum  Herbich's  nach  der  Ab- 
bildung auf  die  genannte  französische  Art  zu  beziehen  ist.  Da  nun 
die  fragliche  Abbildung  Alles,  was  an  dem  Stücke  zu  sehen  ist,  ziem- 
lich gut  wiedergiebt,  so  gewinnt  die  Haug'sche  Vermuthung  sehr  an 
Wahrscheinlichkeit,  wenn  auch  bei  dem  Mangel  einer  näheren  Beschrei- 
bung des  Toxoceras  Moutonianum  eine  bestimmte  Identification  nicht 
vorgenommen  werden  kann. 

')  1.  c   pag.  210. 


234  Dr.  Victor  Uhlig.  [lg] 

Wir  stehen  also  hier  einer  Reihe  von  mangelliaft  bcl^^anuten  Vor- 
kommnissen gegenüber,  deren  definitive  Klärung  der  Zukunft  anheim- 
gestcllt  bleiben  muss. 

Heieroceras  sp,  ind. 

Zwei  kleinere,  schwach  bogenfurniig  gekrümmte  Fragmente,  welche 
der  Scnlptur  und  der  äusseren  Beschaffenheit  des  Gehäuses  zufolge 
wohl  auch  zur  Gattung  Heteroceras  gehören  dürften.  Herb  ich  hat 
eines  davon  unter  der  Bezeichnung  Grioceras  (Toxocera?,)  annulare  Orh. 
abgebildet  (Taf.  XIY,  Fig.  4  bis  G,  pag.  38).  Möglicher  Weise  vertritt 
jedes  Exemplar  eine  besondere  Species.  Eine  nähere  Bestimnuing  erscheint 
bei  der  Mangelhaftigkeit  des  vorliegenden  Materiales  und  der  Lücken- 
haftigkeit unserer  einschlägigen  Kenntnisse  gegenwärtig  undurchführbar. 


Zinn  Schluse  müssen  noch  einige  Exemplare  besprochen  werden, 
die  zwar  specifisch  nicht  sicher  bestimmbar,  aber  von  Herbich  mit 
Namen  belegt  worden  sind. 

Ho2)loceras  Belus  (Herbich,  Taf.  VI,  Fig.  4)  ist  ein  jugendliches 
Exemplar  aus  der  Gruppe  des  Desmoceras  difßcile  und  cassida.  Sichere 
Bestimmung  unmöglich. 

Haploceras  ßeudanti  (Herb ich,  Taf.  VH,  Fig.  1,  2,  3).  Ein 
Bruchstück ,  das  nach  der  Beschaffenheit  der  Lobenlinie  nicht  zu  der 
angezogenen  Art,  sondern  in  die  Gruppe  des  Desmoceras  difßcile,  wahr- 
scheinlich zu  dieser  Art  selbst  gehört.  Die  Sculptur  ist  nicht  zu  sehen, 
sonst  würde  die  Bestimmung  keinerlei  Schwierigkeit  unterliegen.  Die 
Lobenlinie  ist  übrigens  bei  Herbich  ganz  unrichtig  dargestellt,  es 
wurden  zwei  Linien  in  eine  zusammengezogen.  Haploceras  Beudanti  Brong. 
ist  jedenfalls  aus  der  Liste  der  Fauna  zu  streichen. 

Haploceras  Ntsus.  Herb  ich  stellte  mehrere  Exemplare  hierher, 
die  zum  Theil,  vielleicht  sämmtlich  nichts  anderes  sind,  als  schlecht 
erhaltene,  jugendliche  Exemplare  von  Desmoceras  difßcile. 

Haploceras  hicurvatum  Herb.  (Taf.  VHI,  Fig.  1,  2,  pag.  23).  Grosses 
Wohnkammerfragment ,  von  dem  sich  nur  soviel  mit  Sicherheit  sagen 
lässt,    dass  es  mit  Haploceras  hicurvatum    nichts    zu  thun  hat. 

Hoplites  Emilianus  Herb.  n.  sp.  (Taf.  XH,  Fig.  1).  Wohnkammer- 
fragment eines  Desmoceras,  das  vermuthlich  der  Gruppe  des  Desmoceras 
difßcile  angehört.  Vielleicht  Desmoceras  psilotatum  Ühl.  Nicht  sicher 
bestimmbar. 

Grioceras  Emerici  (H  e  r  b  i  c  h ,  Taf.  XV,  Fig.  10)  ist  ein  unbestimm- 
bares Fragment,  welches  möglicher  Weise  zu  Grioceras  l'abarelli  Ast. 
gehört,  aber  auch  eine  HamuUna  sein  könnte. 

Tnrrilifes  elegans  (Herb ich,  Taf.  XVI,  Fig.  7,  pag.  44)  ist  eine 
kleine  Plicatula. 

Turrilites  Robertianus  (Herbich,  Taf.  XVI,  Fig.  5,  6,  pag.  44) 
ist  ein  Lytocerenbruchstück. 

BacuUtes  neocomiensis  Herb.  Ein  nicht  näher  bestimmbares  Bruch- 
stück, welches  wahrscheinlich  zu  HamuUna  gehört  und  innerhalb  dieser 
Gattung  etwa  an  HamuUna  paxillosa   Uhl.  anzuschliessen   sein  könnte. 

Hamites  attenuatus  (Herbich,  Taf.  XIV,  Fig.  7 ,  <S).  Aeusserst 
feiurippige  Form,  die  wohl  zu  HamuUna  gehört;  nicht  nälier  bestimmbar. 


Die  Insel  älteren  Gebirges  und  ihre  nächste 
Umgebung  im  Elbthale  nördlich  von  Tetschen. 


Von  J.  E.  Hibsch. 


I.  Allgemeines. 

Die  Elbe  durchbricht  zwischen  Tetschen  in  Böhmen  und  Pirna  in 
Sachsen  die  cretaceischen  Quadersandsteinbänke  in  einem  engen  Fels- 
thale ,  welches  canonartig  in  das  Sandsteinplateau  eingeschnitten  ist. 
Von  einer  Plateauhöhe,  die  auf  böhmischem  Gebiete  440  Meter  über 
dem  Meeresspiegel  erreicht,  senkt  sich  die  Thalschlucht  zu  120  Meter 
Meereshöhe.  Der  Elbcafion  besitzt  sonach  eine  Tiefe  von  300  bis  320 
Meter,  während  seine  Breite  500  bis  900  Meter  misst.  Die  leicht  zer- 
störbaren Sandsteinmassen  senken  sich  als  verticale  Felswände  nicht 
bis  zum  Spiegel  des  Flusses  herab;  ihr  Fuss  ist  im  Canon  von  einer 
gewaltigen  Schutthalde  verdeckt.  Diese  erhebt  sich  vom  Wasserspiegel 
250  Meter  hoch,  so  dass  von  den  Sandsteinbänken  nur  noch  etwa  50 
Meter  als  verticale  Felswände  aus  der  Schutthalde  herausragen.  Die 
Halden ,  aus  grossen  Sandsteinblöcken  und  aus  kleinerem  Detritus  bis 
zum  losen  Sande  bestehend,  besitzen  einen  Neigungswinkel  von  30  bis 
40  Grad. 

Die  unterste  Thalsohle,  auf  welcher  sich  heute  die  Wassermenge 
des  Flusses  bewegt,  besteht  aus  Alluvionen,  die  bis  zu  einer  Mächtigkeit 
von  9  bis  10  Meter  auf  dem  felsigen  Untergrunde  aufgeschüttet  sind. 
Diese  Angaben  stützen  sich  namentlich  auf  die  beim  Bau  der  Brücke 
der  österreichischen  Nordwestbahn  über  die  Elbe  bei  Tetschen  ge- 
sammelten Beobachtungen.  Diese  Brücke  überquert  die  Elbe  knapp 
hinter  deren  Eintritt  in  den  Canon.  Sie  ruht  auf  drei  Pfeilern.  Am 
rechtsseitigen  ist  ein  Pegel  angebracht,  dessen  Nullpunkt  in  118682  Meter 
Meereshöhe  gelegen  ist.  Der  rechtsseitige  Brückenpfeiler  erreicht  den 
felsigen  Untergrund  7*36  Meter  unter  dem  Pegelnullpunkte,  der  links- 
seitige schon  bei  7*29  Meter,  während  der  mittlere  Brückenpfeiler  vom 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  2.  Heft.  (J.  E.  Hibsch)       31 


236 


J.  E.  Hibsch. 


[2] 


Nullpunkte   ab   erst  in  12-74  Meter  Tiefe   auf  dem  Felsgrunde  fundirt 
werden  konnte.  Da  die  mittlere  Wassertiefe  in  der  Nähe  dieses  Pfeilers 


2*5  bis  3  Meter,  vom  Nullpunkte  an  gerechnet,    beträgt,   so  bleibt  für 
die  Mächtigkeit  der  alluvialen  Aufschüttung  der  Maximalbetrag  von  9  bis 


[;>]  Die  Insel  alleren  Gebirges  uud  ihre  nächste  Umgebung  im  Elblhalo  etc.         2H7 


Schutt- 
halden nnd 
Deber- 
roUung 
durch 
Labiatus- 
quader 


238  J-  E-  Hibsch.  [4J 

10  Meter.  1)  Es  ist  nicht  anzunehnieu,  dass  diese  gewaltige  Schottermasse 
in  ihrer  Gesanimtheit  vom  Wasser  des  Flusses  heute  bewegt  werden 
kann,  zumal  die  AUuvionen  an  ihrer  untersten  Schicht  aus  grossen 
Sandstein-  und  Basaltblücken  bis  zu  Cubikmeter  Rauminhalt  bestehen. 
Eine  weitere  Vertiefung  der  Thalfurche  findet  demnach  heute  nicht 
mehr  statt. 

Die  Schutthalden  sind  zum  grössten  Theile  bewaldet,  Wiesen-  und 
Ackerland  nur  spärlich  zu  finden.  Deshalb  mied  auch  der  Verkehr 
zwischen  Sachsen  und  Böhmen  in  früheren  Zeiten  diesen  unwirthlichen 
„Grund",  er  suchte  Strassen  auf,  die  über  das  Sandsteiuplateau  führten. 
Erst  die  Eisenbahn  und  der  ausserordentlich  gesteigerte  Verkehr  auf 
der  Elbe  erschlossen  auch  diesen  Theil  des  Elbthales.  Heute  führt  die 
Weltverkehrslinie  Wien-Berlin-Hamburg  durch  diese  Thalschlucht.  Trotz- 
dem entbehren  die  im  Eibgrunde  gelegenen  Ortschaften  Ober-,  Mittel- 
und  Niedergrund  noch  immer  eines  verbindenden  Fahrweges. 

Während  der  Elhcanon  unmittelbar  bei  Tetschen  blos  von  Quader- 
sandstein, von  älteren  und  jüngeren  Diluvialgebilden  und  von  AUuvionen 
begrenzt  wird,  ist  etwa  anderthalb  Kilometer  nördlich  vom  genannten 
Städtchen  durch  die  Elbthalfurche  ein  eigenes  Grundgebirge  unter  den 
Sandsteinen  der  oberen  Kreideformation  augeschnitten.  Dasselbe  liegt 
in  der  Verlängerung  der  Erzgebirgsachse ;  an  seinem  Aufbau  betheiligen 
sich  jedoch  weder  die  Gneissformation,  noch  die  Glimmerschiefer-  oder 
Phyllitfonnation  dieses  Gebirges.  Es  besteht  vielmehr  im  Wesentlichen 
aus  klastischen  Tlionscliiefern  und  aus  Granitit,  denen  noch  eine  Reihe 
anderer  Felsartcn  in  untergeordneter  Menge  beigesellt  ist.  Zur  vorläufigen 
Orientirung  mag  eine  kurze  Uebersicht  des  petrographischen  und  archi- 
tektonischen Aufbaues  dieses  Grundgebirges  hier  Platz  finden. 

Von  Süden  her  trifft  man  auf  dem  rechten  Eibufer  schon  bei  den 
letzten  Häusern  der  Ortschaft  Laube  (nördlich  von  Tetschen)  ältere 
Gesteine,  und  zwar  findet  man  allda  Grau  wackensch  i  efer  und 
Diabasschiefer  mit  krystallinischem  Kalk.  Im  Walde  nörd- 
lich von  Laube,  besonders  am  Fromenadenwege  in  etwa  200  Meter 
Höhe  an  der  rechtsseitigen  Thallehne  kommen  S  e  r  i  c  i  t  q  u  a  r  z  s  c  h  i  e  f  e  r 
und  Sericitgneiss  vor.  Weiter  nördlich  besteht  die  ganze  Thalseite 
des  rechten  Ufers  bis  zu  Höhen  von  300  Meter  über  dem  Meeresniveau 
auf  eine  Länge  von  2  Kilometer  aus  T  h  onsch  iefe  rn  und  Grau- 
wackenschiefern,  welche  von  vier  Granititapophysen  und 
mehreren  Lamprophyrgängen  durchbrochen  sind.  Nördlich  vom 
Dorfe  Rasseln  tritt  auf  beiden  Ufern  der  Elbe  ein  Gra  n  i  tit stock 
zu  Tage,  welcher  anderthalb  Kilometer  weit  die  Flussufer  begrenzt.  Am 
linken  Ufer  der  Elbe  gewinnt  der  Thonschiefer  eine  geringere  Ent- 
wicklung als  am  rechten.  Man  kann  ihn  von  der  Südgrenze  des  Granitit- 
stockes  nach  Süden  nur  etwa  einen  Kilometer  weit  verfolgen.  In  seinem 
weiteren  Verlaufe  wird  er  von  Diluvionen  und  AUuvionen  bedeckt.  Vor 
seinem  südlichen  Ende  sind  dem  Thonschiefer  drei  Lagergänge  von 
Diabas  mit  Diabasschiefern  eingeschaltet.  Von  diesen  Diabasen 
ist    auf   dem    rechten  Eibufer  dort,   wo    man   sie   bei  Verfolgung    der 


*)  Ob  ein  unterer  Theil  dieser  Anschwemmungen  dem  Diluvium  zugezählt  werden 
ist  unentschieden. 


[5]  Die  Insel  älteren  Gebirges  und  ilire  nächste  Umgebung  im  Klbthaln  etc.        2H'.> 

Richtung  der  Lagergänge  vom  linken  Ufer  aus  erwarten  sollte,  nichts 
zu  finden.  Sie  treten  am  rechten  Ufer,  wie  schon  erwähnt,  viel  weiter 
südlich  zwischen  den  nördlichen  Häusern  von  Laube  wieder  auf. 

Vom  Granititstocke  aus  hat  der  Thonschiefcr ,  sowie  der  Diabas 
eine  eontactmetaniorphische  Beeinflussung  erfahren,  welche  sich  nament- 
lich auf  dem  rechten  Ufer  in  der  Ausbildung  von  Fleck-  und  Knoten- 
schiefern, am  unmittelbaren  Contact  des  Granitits  mit  dem  Thonschiefcr 
aber  durch  Entwickelung  von  Hornfels  äusserte. 

Die  Thonschiefcr  besitzen  eine  ostslidöstlichc  Streichrichtung 
zwischen  liT  bis  h9  mit  einem  recht  steilen  F^infallen,  40"^ — 80"  Diese 
Aufrichtung  der  Thonschiefcr,  an  welcher  die  Diabaslagergänge  theil- 
nahmen ,  fand  während  des  Carbons  statt ,  noch  vor  der  Eruption  des 
Granitits,  welcher  Apophysen  in  den  dislocirten  Thonschiefcr  entsendet. 

Granitit  und  Thonschiefcr  werden  von  jüngeren ,  also  nachcar- 
bonischen  Lamprophyrgängen  durchsetzt. 

Zwischen  der  Zeit  der  Lamprophyreruption  und  der  Ablagerung 
der  Kreidesandsteine  muss  eine  gewaltige  Abrasion  stattgefunden  haben, 
wodurch  die  Thonschieferdecke,  welche  den  Granititstock  bedeckte,  ab- 
getragen wurde. 

Erst  während  der  jüngeren  Kreidezeit  fanden  aus  dem  von 
Nord  nach  Süd  fortschreitenden  Kreidemeere  wieder  Absätze  über  dem 
alten  Gebirge  statt :  Conglomerate  und  grobkörnige  Sandsteine ,  dann 
glimmerreiche  feinkörnige,  endlich  mittelkörnige  Sandsteine.  Die  ersteren 
führen  Ostrea  carinata  Lam.  ^  sie  gehören  demnach  zur  Cenomanstufe, 
letztere  reihen  sich  wegen  der  in  ihnen  sich  häufig  findenden  Leit- 
muschel Inoceramus  lahiatus  ScJiloth.  dem  Unterturon  ein.  Die  dem 
Mittel-  und  Oberturon  angehörigen  Ablagerungen ,  welche  über  dem 
heutigen  Elbthale  sicher  abgelagert  waren,  sind  heute  allda  nicht  mehr 
vorhanden.  Durch  spätere  Abtragung,  die  wahrscheinlich  schon  im 
Tertiär  begonnen ,  sind  die  ober-  und  mittelturonen  Ablagerungen  ent- 
fernt worden ,  so  dass  das  Quadersandsteinplateau ,  welches  den  Eib- 
canon in  dem  beschriebenen  Gebiete  rechts  und  links  begrenzt,  heute 
von  dem  unterturouen  Labiatusquader  gebildet  wird. 

Das  Gebiet  älterer  Gesteine  im  Elbthale  ist  durch  überlagernde 
Kreidesand  steine  inselförmig  isolirt,  so  dass  nirgends  ein  directer  Zu- 
sammenhang mit  anderen  Gebieten  gleichen  Alters  erkennbar  ist.  Es 
ist  aber  kaum  ein  Zweifel  zulässig,  dass  unser  Schiefergebiet  unter 
der  Quaderbedeckung  im  Zusammenhange  steht  mit  dem  nordwestlich 
von  ihm  gelegenen  Schieferterritorium  des  „El  bthalgebirges"  in 
Sachsen,  welches  soeben  seitens  der  königl.  sächs.  Landesuntersuchung 
einer  Specialaufnahme  unterzogen  wurde,  an  welcher  namentlich  R.  Beck 
als  Sectionsgeolog  betheiligt  war.  Bis  jetzt  sind  als  Resultate  der 
Specialuntersuchung  veröffentlicht  worden  „Erläuterungen  zur  geol. 
Specialkarte  des  Königreichs  Sachsen,  Blatt  102,  Section  Berggiesshübel" 
von  R.  Beck'),  sowie  ein  Vortrag  desselben  Herrn  „Ueber  das  Schiefer- 
gebirge der  Gegend  von  Berggiesshübel,  Wesenstein  und  Maxen",  ge- 
halten   in   der  Sitzung  vom  9.    December   1890   der   naturforschenden 


»)  Leipzig  1889. 


240  J-  E-  Hibsch.  [6] 

Gesellschaft  zu  Lei])zig-.  ^)  Es  lierrsclit  eine  sehr  auffallende  petrogi'a- 
phische  UebereiDstinimung-  unter  den  in  beiden  getrennten  Gebieten 
vorhandenen  Gesteinen ;  ebenso  sind  in  beiden  Gebieten  die  Lagerungs- 
verhältnisse die  gleichen.  Hievon  konnte  sich  Verfasser  bei  Begehung 
des  Schiefergebirges  in  der  Umgebung  von  Berggiesshübel  unter  der 
liebenswürdigen  Führung  des  Herrn  R.  Beck  überzeugen.  Dieselbe  Auf- 
fassung gewann  der  genannte  Forscher,  als  Verfasser  ihn  durch  unser 
Gebiet  im  Elbthale  geleiten  konnte. 

Das  geologische  Alter  dieses  Elbthalschiefers  ist  in  unserer  kleinen 
Schieferinsel  nicht  festzustellen.  Die  Entscheidung  hierüber  muss  auf 
sächsischem  Gebiet  getroffen  werden.  Bis  jetzt  wurden  die  Thonschiefer 
des  Elbthales,  namentlich  auch  von  G.  Laube,  der  Phyllitformation 
des  Erzgebirges  zugezählt.  ^)  Dieser  Formation  gehören  sie  entschieden 
nicht  an.  Die  dem  Eibthal  zunächst,  bei  Buchenhain  nördlich  von  Tissa, 
auftretenden  Erzgebirgsph}  llite  unterscheiden  sich  ganz  wesentlich  von 
unseren  Elbthalthonschiefern.  Letztere  führen  auch  keine  Phycoden 
wie  die  cambrischen  Thonschiefer  in  Thüringen  und  Sachsen.  Deshalb 
sind  dieselben  vielleicht  dem  Untersilur,  möglicherweise  dem  Devon 
einzureihen.  Die  früheren  Beobachter  ^)  Hessen  sich  zu  der  Annahme 
eines  höheren  Alters  dieser  Thonschiefer  durch  den  relativ  hochgradigen 
krystallinischen  Zustand  derselben  verleiten.  Dieser  ist  aber  dem  Schiefer 
erst  secundär  verliehen  worden  durch  die  contactmetamorphische  Ein- 
wirkung seitens  des  Granitits. 

Es  ist  sehr  wahrscheinlich,  dass  unser  Schiefergebiet  auch  in 
Verbindung  steht  mit  den  östlicher  gelegenen  Thonschiefervorkoramen 
bei  Georgenthal  und  des  Jeschkengebietes.  Darauf  ist  auch  schon  von 
früheren  Beobachtern,  besonders  von  G.Laube,  hingewiesen  worden. 

So  viel  steht  aber  fest,  dass  das  Elbthalschiefergebiet  dem  eigent- 
lichen erzgebirgi sehen  Systeme  nicht  angehört,  sondern  den  Schiefer- 
gebieten des  „Elbthalgebirges"  *)  zuzuzählen  ist.  Schon  vor  der  ersten 
grossen  Dislocation ,  welche  das  gesammte  nördliche  Böhmen  während 
des   carbonischen  Zeitalters   erfasste,    scheint    ein    gewisser  Gegensatz 


')  Besonderer  Abdruck  aus  den  Berichten  der  naturf.  Gesellschaft  zu  Leipzig. 
Jahrgang  1890/91,  pag.  30—38. 

=*)  G.  Laube,  Geologie  d.  böhm.  Erzgebirges.  IL  Theil,  Prag  1887,  pag.  248  u.  f. 

^  F.  A.  Reu  SS,  Mineralog.  Geographie  voa  Böhmen.  Dresden  1793.  —  F.  X. 
M.  Zippe,  Uebersicht  der  Gebirgsformationen  in  Böhmen.  Prag  1831.  —  Derselbe, 
Allgem.  Uebersicht  u.  s.  w.  in  J.  G.  Sommer,  Das  Königr.  Böhmen,  statistisch-topogr. 
dargestellt.  I.  Band,  Prag  1833.  —  B.  v.  Cotta,  Erläuterungen  zu  d.  geognost.  Charte 
d.  Königr.  Sachsen  u.  d.  angrenzenden  Länderabtheilungen.  IV.  Heft,  Erl.  zu  Sect.  VII, 
1848.  —  J.  Jokely,  Geol.  Karte  der  Umgebungen  von  Teplitz  und  Tetschen,  Mass- 
stab 1  :  144.000.  K.  k.  geol.  Reichsanstalt.  Wien  1857.  —  Aug.  v.  Gut  hier,  Geognost. 
Skizzen  aus  d.  sächs.  Schweiz.  Leipzig  1858.  —  A.  E.  Renss,  Die  Gegend  zwischen 
Komotau,  Saaz,  Raudnitz  und  Tetschen  in  ihren  geognost.  Verhältnissen.  Mit  2  Karten. 
Löschner's  balneologische  Beiträge.  II.  Band,  Prag  1864.  —  B.v.  Cotta,  Er- 
läuterungen zur  geognost.  Karte  der  Umgebung  von  Dresden.  Dresden  1868.  — 
Job.  Krcjci,  „Vorbemerkungen"  u.  s.  w.  Archiv  für  die  naturwiss.  Landesdurch- 
forschung von  Böhmen.  Prag  1869,  I.Band,  pag.  13.  —  Herrn.  Mietzsch,  Ueber 
das  erzgebirgische  Schieferterrain  in  seinem  nordöstlichen  Theile  zwischen  d.  Roth- 
liegenden und  Quadersandstein.  Halle  1871,  pag.  5.  —  A.  Hettner,  Gebirgsbau  und 
Oberflächengestaltuug  der  sächsischen  Schweiz.  Stuttgart  1887,  pag.  255. 

*)  Man  vergl.  diesbezüglich:  Herrn.  Credner,  Ueber  das  erzgebirgische  Palten' 
System.  Vortrag,  geh.  in  Dresden  am  3.  Sept.  1883.  Dresden. 


["7]         Die  Insel  älteren  Gebirges  und  ihre  nächste  Umgebung  im  Elbthale  etc.       241 

zwischen  dem  Erzgebirge  und  dem  Schiefergebiete  des  Eibthalgebirges 
vorhanden  gewesen  zu  sein ,  so  dass  nach  der  Dislocation ,  also  von 
der  productiven  Steinkohlenformation  ab ,  das  Gebiet  der  gefalteten 
Erzgebirgsgneisse  jäh  abgebrochen  erscheint  in  einer  Linie,  welche 
nahezu  senkrecht  auf  der  nordöstlichen  Richtung  der  Erzgebirgsfalten 
von  Südosten  nach  Nordwesten  verlief.  Diese  Linie  ist  derzeit  allerdings 
vom  Quadersandstein  ganz  überdeckt.  Sie  ist  westlich  vom  heutigen 
Elbthal  zu  suchen.  Mliglicherweise  deuten  die  allerdings  sehr  jungen 
Basaltausbrüche  am  „kahlen  Berge"  niJrdlich  von  Eulau,  im  Dorfe 
Schneeberg  und  bei  Eiland  annähernd  ihren  Verlauf  an.  Die  Trans- 
gression  während  des  cretaceischen  Zeitalters  fand  im  nördlichen  Böhmen 
an  dem  Orte ,  wo  heute  die  Elbthalfurchc  das  Quadergebiet  durch- 
schneidet, altpaläozoische  Schiefer,  hingegen  Erzgebirgsgneisse  ohne 
jüngere  Bedeckung  erst  weiter  südlich  an  der  Stelle  des  vulkanischen 
Mittelgebirges  vor. 

Die  Erzgebirgsfalten  streichen  vorherrschend  von  Südwest  nach 
Nordost,  wenn  auch  local  namentlich  im  östlichsten  Theile  (so  bei  Tissa) 
Abweichungen  von  dieser  Richtung  zu  beobachten  sind.  Unsere  Schiefer 
im  Elbthale  streichen  von  Ostsüdost  nach  Westnordwest.  Deshalb  trennt 
sich  das  Elbthalschiefergebiet  vom  Erzgebirge  nicht  durch  die  einfache 
Verschiebungsfläche  eines  „Blattes"  im  Sinne  Ed.  Suess'.^)  Sonst 
müsste  in  beiden  Systemen  die  gleiche  Richtung  des  Streichens  vor- 
walten. Die  Trennungsfläche  zwischen  beiden  Gebieten  ist  eine  Grenze 
anderer  Ordnung. 

So  gewinnt  unsere  kleine  Schieferinsel  im  Elbthale  durch  ihre 
Lage  zwischen  dem  Erzgebirgssysteme,  dem  Eibthalsysteme  in  Sachsen 
und  dem  sudetisch  gefalteten  Jeschkengebiete  eine  allgemeine  Bedeutung, 
Da  sie  selbst  dem  sächsischen  Eibthalgebirge  zugehört,  so  ist  die  Ost- 
grenze für  das  Erzgebirge  weiter  gegen  den  Westen  zu  verschieben. 
Und  das  Elbthalgebirge  reicht  nach  Süden  bis  zu  dieser  Stelle  der 
Eibthalfurche. 

Das  Kreidemeer  setzte  im  Osten  des  Erzgebirges  nicht  blos 
während  des  Cenoman,  sondern  auch  im  Turon  vorzugsweise  sandige 
Ablagerungen  ab.  In  der  gleichen  Zeit,  namentlich  im  Turon,  wurden 
von  Tetschen  ab  bis  Teplitz  einerseits  und  bis  weit  nach  Mittelböhmen 
andererseits  vorzugsweise  thonige  und  kalkreiche  Sedimente  abgesetzt. 
Das  weist  auf  die  Existenz  einer  Erhebung  hin,  welche  als  niedriger 
Rücken  schon  in  der  Kreidezeit  östlich  vom  Erzgebirge  vorhanden  war. 

Die  zweite  grosse  Bewegung,  welche  im  nördlichen  Böhmen  während 
des  Tertiärs,  und  zwar  vom  mittleren  Oligocän  ab  vor  sich  ging,  bestand 
in  grossen  Einbrüchen.  Dadurch  wurden  wohl  an  den  Rändern  der 
Einbruchsfelder  Schichten  aufgerichtet,  allein  Faltung  fand  nicht  mehr 
statt.  Während  die  carbonischen  Bewegungen  die  erfassten  Schichten 
in  Falten  legten,  erzeugten  die  oligocänen  Brüche,  Das  Einbruchsgebiet 
flndet  seinen  Nordrand  entlang  des  südlichen  Steilabfalles  des  Erz- 
gebirges, greift  aber  in  seinem  weiteren  nordöstlichen  Verlaufe  über 
in  das  Quadersandsteingebiet  und  erfasst  auch  unsere  Schieferinsel  im 
Elbthal ,   so  dass    unser  Schiefergebiet  an  seinem  Südrande   jäh  9,bge- 


»)  Ed.  Sness,  Antlitz  der  Erde.  I,  159. 


242  J-  ^-  Hibsch.  [gl 

brochen  erscheint.  Es  überschreiten  demnach  die  tertiären  Bruchlinien 
die  früheren  Grenzen  verschieden  gerichteter  Falten,  Erzgebirge  und 
Eibthalgebirge  erscheinen  von  denselben  Einbrüchen  einheitlich  abge- 
brochen, unbeschadet  alter  Gegensätze  und  petrographischer,  sowie  geo- 
logischer Verschiedenheit. 

Durch  die  Bewegungen,  welche  im  Sinne  des  tertiären  Einbruches 
innerhalb  der  alten  Schieferinsel  im  Elbthale  stattfanden,  vollzogen  sich 
tiefgreifende  Veränderungen  in  den  Gesteinen  derselben.  Alle  Gesteine 
der  Insel  weisen  die  Wirkungen  einer  Dislocationsmetamorphose  in 
höherem  oder  geringerem  Grade  auf.  Der  höchste  Grad  der  Umwand- 
lung ist  an  der  Südgrenze  der  Schieferinsel  erreicht,  allwo  die  grösste 
Bewegung  stattgefunden  hat.  Granitit  ist  an  dieser  Stelle  zu  einem 
flaserigen  Sericitalbitgestein  zerquetscht,  welches  geradezu  als  Sericit- 
gneiss  angesprochen  werden  kann.  Desgleichen  ist  Grauwackenschiefer 
in  einen  Sericitquarzschiefer  umgewandelt.  Auf  diese  Bewegungen 
sind  auch  zurückzufahren  die  fiaserig  entwickelte  Gneissfacies  an  vielen 
Orten  innerhalb  des  Granititstockes,  sowie  auch  die  Andeutungen  von 
Driickschieferung ,  welche  an  vielen  Stellen  im  Thonschiefergebiete 
auttreten. 

Der  Erzgebirgsabbruch  besteht  aus  einem  ganzen  System  gleich- 
gerichteter Brüche,  entlang  welcher  von  Süden  gegen  Norden  an  Intensität 
abnehmende  Verschiebungen  eingetreten  sind.  Diese  Bruchlinien  finden 
schon  im  östlichen  Theile  des  Erzgebirges,  dann  im  Elbthale  und  öst- 
lich von  demselben  eine  Ablenkung  von  ihrer  ursprünglichen  Richtung. 
Aus  der  nordöstlichen  Richtung  wird  eine  westöstliche,  die  endlich  zur 
südöstlichen  wird.  Einzelne  Gneissschollen  in  Tissa  streichen  schon 
110"  Südost  bei  einem  südwestlichen  Einfallen  von  60 — 70^  Die 
Schichten  des  Qnadersandsteines  der  Schäferwand  bei  Tetschen  streichen 
nahezu  Ostwest  mit  einem  südlichen  Verflachen  von  15 — 20^».  Die 
Schichten  einer  Quadersandsteinscholle  nördlich  der  Laubenschlucht, 
rechts  der  Elbe,  streichen  ebenfall ■>  Ostwest  mit  einem  südlichen  Ein- 
fallen von  25*.  Am  Vogelstein  nördlich  von  Losdorf  bei  Tetschen,  öst- 
lich vom  Elbthale,  streichen  die  Quadersandsteinbänke  Südost  140" 
mit  einem  südwestlichen  Verflachen  von  10". 

Wenn  man  sich  den  Südrand  derjenigen  Gebirgsmassen ,  welche 
vom  Einbrüche  in  der  Tertiärzeit  nicht  ergriffen  wurden,  construirt,  so 
erhält  man  eine  ausserordentlich  unregelmässige  Linie,  welche  im  Erz- 
gebirge einer  nordöstlichen  Hauptrichtung  folgt,  gegen  das  Elbthal  zu 
und  i»ei  Querung  desselben  eine  ostwestliche  Richtung  annimmt,  um 
östlich  vom  Elbthale  sich  nach  Ostsüdost  zu  wenden. 

Unsere  Schieferinsel  stellt  sonach  ein  Gebiet  dar,  in  welchem 
selten  Ruhe  herrschte.  Auf  die  Eruption  der  silurischen  (?)  Diabase 
folgte  die  carbonische  Faltung.  Dann  die  carbonische  oder  postcarbo- 
nische  Eruption  des  Granitits ,  ferner  die  postcarbonische ,  aber  prä- 
oretaceische  Eruption  der  Lamprophyre.  Nachdem  vor  der  Kreide  eine 
weitgehende  Abrasion  stattgefunden ,  ging  die  Ablagerung  der  Kreide- 
sehichten  vor  sich.  Dieser  folgten  die  tertiäre  Senkung  und  die  endliche 
Erosion  des  Elbthales  während  des  Diluviums. 


9]  Die  Insel  alleren  Gebirges  und  ihre  nächste  Umgebung  im  Elbthale  etc.        243 


II.  Das   Schiefergebiet. 

In  ihrem  siidlielicn  Thcile  bestellt  die  lusel  älteren  flebiri!:es  aus 
Tlionschiefern,  mit  denen  Grauwackenseliicfer  wecliscUagern.  An  mehreren 
Orten  sind  den  Tlionschiefern  Lageriiängc  von  Diabas  und  Diabas- 
schiefer eingeschaltet.  Ganz  untergeordnet  tritt  an  einem  einzigen  l^unkte 
in  Verbindung  mit  Diabasschiefer  krystallinischer  Kalk  auf.  Deimiach 
betheiligen  sich  am  Aufbau  des  Schicfergcbictes  folgende  Gebirgsglieder  : 

\.  a)  Tho  nschiefer. 

b)  G  r  a  u  w  a  c  k  e  n  s  c  h  i  e  f  e  r. 

2.  Diabas  und  Diabasschiefer. 

3.  Krystallinischer  Kalk. 

4.  Q  u  a  r  z  i  g  e  u  n  d  g  r  a  n  i  t  o  i  d  e  Ausscheid  u  n  g  e  n, 

I.  a)  Thonschiefer. 

Die  Thonschiefer  unseres  Gebietes  stellen  diinnschieferige  Gesteine 
dar  von  lichtgrauer  bis  dunkelschwarzer  Färbung.  Auf  dem  Querbruche 
erscheinen  sie  matt.  Trotzdeiu  sie  auf  beiden  Seiten  der  Elbe  im  All- 
gemeinen gleich  entwickelt  sind,  weisen  sie  doch  auf  dem  linken  Ufer 
eine  grössere  Mannigfaltigkeit  auf  als  am  rechten.  Ihr  Gebiet  gewinnt 
auf  der  rechten  Eibseite  eine  fast  doppelt  so  grosse  Ausdehnung  als 
dies  auf  der  linken  der  Fall  ist ,  das  Eibthal  schneidet  die  Schiefer 
auf  der  rechten  Seite  in  einer  Strecke  von  2200  Meter  an ,  linksseitig 
sind  sie  blos  auf  1200  Meter  zugänglich.  Die  rechtsseitigen  Schiefer 
weisen  durch  den  grösseren  Theil  ihrer  Ausdehnung  eine  vom  Grnnitit- 
stock  au.sgehende  contactmetamorphische  Beeintlnssung  auf,  während 
die  Zone  der  Contactwirkung  auf  dem  linken  Ufer  eine  viel  kleinere 
ist.  Deshalb  will  es  scheinen,  als  ob  die  Südgrenze  des  Granititstockes 
rechtsseitig  einen  anderen  Verlauf  nähme  als  auf  der  linken  Seite.  Der 
Thonschiefer  des  rechten  Ufers  scheint  nur  eine  dünne  Scholle  darzu- 
stellen, welche  dem  Granititstock  seitlich  anhaftet.  Diese  Annahme 
findet  aucli  eine  Stütze  in  dem  Auftreten  von  Granitapophysen,  welche 
nur  am  rechten  Ufer  zu  finden  sind.  Auch  reicht  der  Thonschiefer 
rechts  der  Elbe  in  bedeutendere  Höhen ,  bis  300  Meter ,  während  er 
links  nur  zu  220  Meter  Meeresliöhe  sich  erhebt. 

Neben  den  Schieferungsflächen ,  die  der  Schichtung  parallel  ver- 
laufen, treten  an  wenigen  Orten  noch  anders  gerichtete  Absonderungs- 
flächen auf,  die  wohl  auf  Druckwirkung  zurückzuführen  sind.  Als 
Druckschieferung  kann  die  Erscheinung  noch  nicht  angesprochen  werden, 
sie  ist  hiefür  noch  nicht  deutlich  genug.  Sobald  Schieferung  und  die 
genannte  Absonderung  gleichzeitig  sich  geltend  machen,  zerfallen  die 
Schiefer  leicht  in  grössere  oder  kleinere  rhomboidale  Stücke.  Solcher 
Schiefer  wurde  früher  als  „Wetzscliiefer"  verwendet.  Das  war  nament- 
lich beim  Thonschiefer  südlich  von  Rasseln  der  Fall. 

Die  Thonschiefer  unseres  Gebietes  weisen  auf  der  so  kurzen 
Strecke  ihres  Aufschlusses  ziemlich  einheitliche  Lagerungsverhältnisse 
auf:  ein  Streichen  Ostsüdost  und  ein  steiles  Einfallen  nach  Nordnordost. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891-  41.  Band.  2.  Heft.  (.T.  E.  Hibscli.)  32 


244 


J.  E.  Hibsch. 


[10] 


Docli  lässt  sich  constatiren ,  dass  die  Tlionschieferschichten  an  der 
8udgTenze  ihres  Auftretens  eine  Streichrichtung'  von  nahezu  Ostwest 
besitzen  und  sich  dann  in  ihrem  weiteren  Verlaufe  nach  Südost  wenden, 
so  dass  die  nördlichsten  Schiefer  Südost  125''  bis  130'^  streichen.  In 
Folgendem  sind  einige  diesbezügliche  Ablesungen  notirt ;  die  angeführten 
Beohachtungsorte  sind  von  Süd  nach  Nord  augereiht.  Die  Aufnahmen 
wurden  auf  den  wirklichen  Meridian  unter  Annahme  einer  Declination 
von  10"  nach  West  reducirt. 


Rechtes  Ufer. 
Sericitschiefer   bei  den    .südlichen  Granitapophysen 

Thonschiefer  nördl.  von  den  südl.  Granitapophysen 

„  unterhalb  des  Rosenkammes    .    .    .    . 

„  nördlich  von  3 

Fleckschiefer  nördlich  von  4 

AVetzschiefer   unterhalb   des    aiifgelassenen  Schleif- 

steiubruches 

Grauwackenschiefer      nördlich     des     aufgelasseneu 

Schleifsteinbruches 

Fleckschiefer  südlich  von  Rasseln 

„  im  Eibbette  südlich  von  Rasseln    .    . 

Knotenschiefer,  Rasseln  Nord 

Hornfels  zwischen  Granitapophj'se  und  Granitstock 

Linkes  Ufer. 
Thonschiefer  am  unteren  Wego  neben  Diabas  II    . 

Diabasschiefer  am  oberen  Wege 

,,  „     unteren  Wege  nördlich  von  12  . 

Thonschiefer  südlich  des  Tschirteubaches    .    .    .    . 

am  Wege 

nach  Maxdorf 

Thonschiefer  nördlich  des  Tschirtenbaches  .... 
Grauwackenschiefer  nördlich  des  Tschirtenbaches  . 


Streichen 


I   Ostsüdost 
195"  bis  lOO** 

Ostsüdost  95" 

(    Ostsüdost 
UOCbislOö» 

Ostwest 
(Südost  115" 
1    bis  130° 

Südost  135" 

Südost  125" 
Südost  125° 

Südost  125" 
bis  130" 

Südost  120' 
Ostwest 


Ostwest  85" 
bis  90" 

Ostwest  90" 

Ostwest 
Ostsüdost  95" 

Ostwest 
I  Ostwest  bis 
1  Ostsüdost  100" 


FaUen 


f  Nordnordost 
i  50"  bis  70" 
I  Nordnordost 
{  50"  bis  75" 
I  Nordnordost 
1  45" 
Nord  70" 

Nordost  60" 

Nordost  40" 

Nordost  60" 
(Nordost  50" 
i     bis  65" 

Nordost  65" 

Nordost  40" 
saiger 


saiger 

I  saiger  bis 

[    Nord  80" 

Süd  70" 

saiger 

saiger 
}Nord70"bis80'' 


Ostsüdost  100"      Nord  80" 


Zwischen  beiden  Ufern  macht  sich  ein  gewisser  Gegensatz  bemerkbar 
in  der  Richtung  des  Streichens,  so  dass  die  Thonschiefer  namentlich 
bei  Rasseln  eine  mehr  nach  Südosten  gedrehte  Richtung  des  Streichens 
besitzen  als  die  Schiefer  der  Tschirte.  Weitere  Gegensätze  bestehen  in 
dem  Auftreten  von  Diabasen  südlich  des  Tschirtenthaies  und  in  dem 
Fehlen  von  Granitapophysen  auf  dem  linken  Ufer. 

Diejenigen  Thonschiefer,  welche  ihren  ursprünglichen  Zustand  am 
besten  erhalten  haben  dürften,  linden  sich  am  linken  Eibufer  südlich 
des  Tschirtenbaches.  Sie  kommen  allda  in  zwei  Modificationen,  itn 
Folgenden  mit  a  und  fi  bezeichnet,  vor. 


In]       Die  lusel  ältereu  Gebirges  und  ihre  nächste  Umgebung  im  Elbthale  etc.        245 

u)  Etwa  650  Meter  südlich  vom  Tschirtenbache,  am  Fahrwege 
zwischen  dem  Bahnkörper  und  der  Berglehne,  steht  die  erste  Modification 
des  Thonschiefers  (a)  südlich  der  daselbst  auftretenden  Diabase  an.  Es 
stellt  der  Thonschiefer  a  ein  dunkelgrünlichg-raues,  stellenweise  violett 
geflecktes  Gestein  dar ,  welches  dünnschieferig  ist  und  matt  oder  auf 
den  Schieferungsflächen  schwach  glänzend  erscheint.  Dieses  Gestein 
wurde  von  den  früheren  Beobachtern  als  „Phyllit"  angesprochen.  Von 
allen  Thonschiefern  unseres  Gebietes  mag  es  sich  auch  am  meisten  dem 
Phyllit  nähern ;  doch  ist  es  von  den  Erzgebirgsphylliten,  die,  dem  Elb- 
thal  zunächst,  bei  Buchenhain  in  Sachsen  etwa  4"5  Kilometer  nördlich 
Tissa  auftreten,  durch  Ansehen,  mineralogische  Zusammensetzung  und 
Structur  wesentlich  verschieden.  Diese  Erzgebirgsphyllite  sind  von  F. 
Schalch  der  unteren  Phyllitformation  zugezählt  worden.^)  Aehnbche 
ältere  Phyllite  werden  auch  von  R.  Beck  aus  der  Umgebung  von  Berg- 
giesshübel  beschrieben. 2) 

Unter  dem  Mikroskope  löst  sich  unser  Thonschiefer,  welcher  dem 
blossen  Auge  vollständig  dicht  erscheint,  in  ein  ausserordentlich  inniges 
und  feinkörniges  Gemenge  von  Quarzkörnchen  und  Glimmerblättchen 
auf.  Die  Mehrzahl  der  letzteren  ist  Kaliglimmer;  Magnesiaglimmer 
tritt  nur  untergeordnet  auf.  Auch  büschelweise  oder  fächerförmig  ange- 
ordnete Chloritblättchen  betheiligen  sich  am  Gesteinsgewebe.  Hie  und 
da  ein  Turmalinsäulchen.  Allenthalben  winzigste  Erzkörner  eingestreut, 
darunter  häufig  Pyrit.  Die  Glimmerblättchen  stehen  mit  ihren  Haupt- 
dimensionen oft  senkrecht  zur  Schieferung,  so  dass  auf  Schliffen  parallel 
zur  Schichtung  schmale  leistenförmige  Durchschnitte  sich  ergeben.  Rutil- 
nädelchen  sind  nicht  vorhanden.  Eine  das  Licht  einfach  brechende 
Substanz  war  nicht  aufzufinden.  Quarztrümchen  und  -Knauer  von  den 
dünnsten  mikroskopischen  Haarfäden  bis  zu  10  und  20  Centimeter 
mächtigen  Gängen  durchsetzen  das  Gestein.  Pyritkryställchen  werden 
vom  blossen  Auge  schon  erkannt. 

Ein  Mineral  der  Amphibolgruppe ,  auf  dessen  Anwesenheit  ein 
relativ  hoher  Gehalt  an  MgO,  wie  die  Bauschanalyse  ausweist,  schliessen 
Hesse,  ist  im  constituirenden  Mineralgemenge  des  Thonschiefers  nicht 
zu  erkennen.  Der  Mg  0-Gehalt  ist  vielmehr  den  Glimmermineralien  und 
dem  Chlorit  zuzuschreiben.  Die  leistenfiJrmigen  Umrisse,  welche  in  den 
Dünnschliffen  erscheinen  und  als  Längsschnitte  von  Prismen  gelten 
könnten,  sind,  wie  schon  erwähnt,  Durchschnitte  von  Glimmerblättchen. 
Dagegen  machen  es  die  Ergebnisse  der  Analyse  wahrscheinlich ,  dass 
sich  am  mineralischen  Bestände  ein  Kalknatronfeldspath  betheiligt.  Der 
Gehalt  an  Na  und  Ca  veranlasst  daran  zu  denken,  dann  aber  besonders 
das  mikroskopisch  nachweisbare  Vorkommen  von  Plagioklas  der  ge- 
nannten Art  in  den  grobkörnigeren  Einlagerungen  von  Grauwacken- 
schiefer  innerhalb  der  Thonschiefer.  In  den  dichten  Thonschiefern  sind 
wahrscheinlich  die  Plagioklase  wegen  ihrer  Kleinheit  von  Quarz  nicht 
zu  unterscheiden. 


*)  Erläuterungen  zur  geologischen  Specialkarte  des  Königreiches  Sachsen.  Section 
Rosenthal-Hoher  Schneeberg,  pag.  6. 

'^)  Erläuterungen  zur  geologischen  Specialkarte  des  Königreiches  Sachsen.  Section 
Berggiesshübel,  pag.  11. 

32* 


246  J-  E-  Hibsch.  [12] 

Ein  Theil  der  am  Aiifl^an  des  ThoDseliiefers  sich  betheiligeiiden 
Qnarzkönichen  ist  sicher  aHothisreneD  Ursprnags.  Das  irilt  namentlich 
fiir  die  grösseren.  Die  Glimmermineralien  müssen  znm  Theile  als 
anthigen  angesehen  werden.  Denn  Glimmerblättehen  fremder  Herknntt 
wären  durch  die  Sedimentation  mit  ihren  Fläihen  mehr  oder  weniger 
parallel  gerichtet  worden,  nnd  sie  könnten  nicht  mit  ihren  Hanptdimensionen 
ant'  der  Schichtimgsfläche  senkrecht  stehen.  Die  grösseren  Qnarz- 
kömer  besitzen  einen  Kern  allothigener  Art.  nm  welchen  sich  authigene 
Quarzsubstanz  in  gleicher  optischer  Orientirnug  angelagert  hat.  Diese 
jüngere  Quarzsubstanz  schmiegt  sich  in  vielen  Fällen  eng  an  benach- 
barte Glimmerblättcheu.  so  dass  dadurch  die  sonst  feiuköniige  Structnr 
etwas  tlaserig  wird.  Diese  Verflasernng  von  Quarz  und  Glimmerblättcheu 
weist  wohl  auf  mechanische  Einflüsse  hin.  denen  der  Thonschiefer  aus- 
gesetzt war.  Mit  der  Verflasernng  steht  im  ursächlichen  Zusammenhang  eine 
andere  Erscheinung.  Die  leistenförmigen  Glimmerdurchschnitte.  Quarze 
(und  ■?  Feldspathe^  sind  mit  ihrer  längeren  Achse  alle  parallel  gerichtet, 
so  dass  sie  bei  Beobachtung  im  ix>larisirten  Lichte  gleichzeitig  auslöschen. 
Dieselbe  .niedliche  Erscheinung"  ist  schon  von  H.  Kosenbusch  in  den 
.Phylliteu"  von  Eoth-Schönberg  im  Triebischthale.  sowie  in  den  Schiefem 
von  Wippra  am  Harz  beobachtet  und  als  eine  Folge  mechanischer  Ein- 
wirkung erkannt  und  beschrieben  worden.  Die  mechanische  Einwirkung 
-bat  alle  Glimmerblättcheu  und  Quarzkörner  in  die  Länge  gezerrt  und 
ihre  lange  Achse  der  Schichtung  parallel  gestellt "'.i) 

Und  so  haben  die  ursprünglich  klastischen  Thonschiefer  eine  theil- 
weise  krvstallinische  Strnctur  mit  deutlicher  Parallelstellung  der  einzelnen 
Gemengtheile  secundär  erhalten. 

Die  chemische  Zusammensetzung  dieses  Thonschiefers .  dessen 
Dichte  =  279,  ist  nach  einer  Analyse  des  Herrn  L.  Jesser  in  Wien 
folgende : 

Analyse  I 

SiO. tU-60 

Al^Öi 20-32 

Fe^Os S03 

CaO 1-20 

MgO 283 

K^O 2-35 

Na^O 1-43 

H^O ■     ■     ■  2-18 

Summe     .     .     99  94 


Diese  Analyse  würde  annähernd  folgende  Mengen  der  conslituireuden 
Minerale  l>eanspruchen :  Quarz  4^^  Procent .  Kaliglimmer  25  Procent. 
Magnesiaglimmer  10  Proceut.  Feldspath  (^Kalknatronfeldspath).  Chlorit 
und  Eisenkies  IT  Procent, 


')  H.  R  osenbnscb,    Die  Steiger  Schiefer  n.  s.  \r.    Strassburg  1877.   pa».  123 
und  124. 


113]       ^^ß  lusel  älteren  Gebirges  und  ihre  nächste  Umgebung  im  Elbthale  etc.        247 

(i)  Etwa  100  Meter  südlich  von  der  Moditication  a  des  Thon- 
schiefers,  also  im  Liegenden  desselben ,  tritt  ein  fast  schwarzer ,  auch 
dünnschicferig-er  Thonschiefer  auf,  welcher  in»  angewitterten  Zustande 
auf  den  Schichttliichen  schwache  Fältelung  aufweist.  Auch  diese  Modili- 
cation  ii  des  Thonschiefers  besteht  aus  einem  ungemein  dichten  Gemenge 
von  Quarz,  Glimmer  und  Chlorit  in  innigster  Verwebung.  In  lang- 
gestreckten Flecken  und  in  Streifen  häufen  sich  Rutilnädelchen  und 
winzigste  dunkle  Körnchen  an.  Letztere  sind  Ursache  der  schwarzen 
Färbung.  Es  lag  nahe,  die  schwarzen  Körnchen  für  eine  Form  von 
Kohlenstotf  oder  doch  für  einen  kohlenstotfreichen  Körper  zu  halten. 
Allein  einige  zur  Prüfung  der  fraglichen  Körnchen  von  Herrn  Dr.  Franz 
Ullik  ausgeführte  Reactionen  wiesen  auf  eine  an  Kohlenstoff  sehr 
arme  Substanz  hin:  1.  Beim  Glühen  an  der  Luft  geht  die  schwarze 
Färbung  des  Schiefers  über  in  eine  rothbraune ;  2.  beim  Glühen  im 
Glasrohre  mit  Cu  0  entwickelt  sich  nur  eine  ganz  minimale  Menge  von 
CCK:  3.  bei  der  Sublimation  entweichen  keine  brenzlichen  Stoffe,  sondern 
fast  reines  Wasser  mit  nur  schwach  alkalischer  Reaction.  Denmach 
enthalten  die  schwarzen  Kcirnchen  weder  erhebliche  Mengen  von  Kohlen- 
stoff, noch  solche  von  Schwefel.  Da  die  Schiefer  an  der  Luft  leicht 
verwittern .  wobei  sie  sich  gelbbraun  verfärben ,  ferner  beim  Glühen 
eine  rostrothe  Farbe  annehmen,  so  darf  wohl  auf  die  Anwesenheit  einer 
Eisenoxydulverbindung  geschlossen  werden. 

Auf  dem  rechten  Ufer  findet  sich  von  der  südlichsten  Granitit- 
apophyse  nordwärts  ein  grünlichgrauer,  dünnschieferiger  Thonschiefer, 
welchem  Bänke  von  Grauw^'ickenschiefer  eingeschaltet  sind.  Neben  der 
grünlichgrauen  Färbung  treten  stellenweise  violette  Flecke  auf.  Die 
violetten  Farben  sind  hervorgerufen  durch  locale  Oxydation  und  Hydra- 
tisirung  von  Eisenerzen.  Am  Aufbau  des  dichten  Sehiefergesteins  be- 
theiligen sich  Körnchen  von  trübem  Quarz  (und  von  Plagioklas?),  wegen 
ihrer  Form  als  allothigen  anzusehen,  ferner  Magnesiaglimmer  und  unter- 
geordnet Kaliglimmerblättchen.  Die  dunkeln  Glimmerblättchen  sind  häufig 
quergestellt  zur  Schieferungsfiäche,  dann  weisen  sie  trotz  ihrer  Kleinheit 
sehr  deutlichen  Pleochroismus  auf,  und  bei  gekreuzten  Nicols  zeigen 
sie  lebhafte  Interferenzfarben.  Endlich  finden  sich  allgemein  viele  rothe 
Eisenoxydblättchen  und  Körnchen  von  Eisenkies  eingestreut.  Letzterer 
hat  zum  Theil  Umwandlung  in  braungelbe  Eiseuoxydhydrate  erfahren. 
Rutilnädelchen  fehlen  wie  in  der  Moditication  a  des  linksseitigen  Thon- 
schiefers. Von  diesem  unterscheiden  sich  die  Thonschiefer  der  rechten 
Eibseite  aber  durch  eine  minder  stark  entwickelte  krystallinische  Aus- 
bildung. Local  tritt  in  den  Tiionschiefern  Kaliglimmer  in  makroskopisch 
schon  erkennbaren  Blättchen  auf,  so  nördlich  von  der  Granitapophyse  IV 
(von  Süden  an  gezählt). 

Der  Thonschiefer  des  rechten  Ufers  weist  die  chemische  Zu- 
sammensetzung II  auf.  Zum  Vergleiche  ist  in  Analyse  I  die  schon  auf 
pag.  246  [12]  angegebene  Zusammensetzung  von  Thonschiefer  des 
linken  Ufers  wiederholt.  Auch  diese  Analyse  II  wurde  wie  alle  Ana- 
lysen I  bis  X  von  Herrn  L.  Jesser  ausgeführt. 


248  J-  E.  Hibsch.  [14] 

Analyse  I  Analj'se  II 

StO^ 61-60  62-94 

ALO, 20-32  17-49 

Fe^O, 8-03  808 

CaO 1-20  1-21 

MgO 2-83  2-54 

K.O 2-35  3-53 

^'a^O 1-43  126 

^2  0 .     .       218 3-46 

Summe     .     .     99-94  lOO'öl 

Dichte      .     .       2-79  2-68 


I.  b)  Grauwackenschiefer. 

Mit  den  Thonschiefern  sind  durch  Wechsellagerung  Complexe  von 
harten,  festen,  zumeist  dunkel  schwarzgrau  gefärbten  Gesteinsbänken 
verbunden,  vrelche,  klastischen  Ursprungs,  derzeit  doch  die  mineralische 
Zusammensetzung  und  auch  nahezu  die  krystallinische  Structur  von 
dichten  Gneissen  besitzen.  Nur  mit  Widerstreben  nenne  ich  diese  theil- 
weise  an  Hälleflinte  erinnernden  Gesteine  „Grauwacken".  Sie  sind  aber 
unstreitig  klastischer  Herkunft,  sie  haben  ihre  subkrystallinische  Structur 
erst  nachträglich  erhalten.  Aus  diesem  Grunde  kann  man  sie  füglich 
nicht  gut  anders  benennen. 

Die  Grauwackenschiefer  bilden  20  bis  25  Centimeter  mächtige 
Bänke,  die  sich  zu  Complexen  von  20  Meter,  30  bis  50  Meter  Mächtig- 
keit gruppiren.  Am  zahlreichsten  treten  sie  im  südlichen  Theile  des 
rechtsuferigen  Tlionschiefergebietes  bei  den  südlichen  Granitapophysen, 
dann  in  der  Schlucht,  welche  vom  Rosenkamm  zur  Elbe  führt ,  ferner 
beim  Lamprophyrgang  unterhalb  des  aufgelassenen  Schleifsteinbruches 
südlich  von  Rasseln  auf  Am  linken  Ufer  sind  sie  von  einer  einzigen 
Stelle,  nördlich  des  Tschirtenbaches  am  Promenadenwege  im  Walde, 
noch  südlich  der  Knotenschiefer,  bekannt.  Die  Färbung  dieser  Gesteine 
ist ,  wie  erwähnt ,  zumeist  dunkelschwarzgrau ,  seltener  lichtgrau  oder 
röthlichgrau.  Sie  sind  grobkörniger  als  die  Schiefer,  dem  blossen  Auge 
erscheinen  sie  krystallinisch-feinkörnig.  Ihr  Bruch  fast  muschelig. 

Bei  mikroskopischer  Prüfung  erweisen  sie  sich  überwiegend  aus 
folgenden  Mineralien  zusammengesetzt :  Körner  von  Quarz,  von  Plagioklas, 
letzterer  sehr  reichlich  und  von  frischester  Beschaffenheit,  von  wenig 
Orthoklas,  dieser  meist  getrübt,  Flasern  von  Glimmer.  Zumeist  ist  der 
Glimmer  Biotit,  nur  ab  und  zu  erscheint  ein  grösseres  Blättchen  von 
Muscovit.  Aber  dort,  wo  das  Gestein  unverkennbar  grösserem  Druck 
ausgesetzt  war ,  so  dass  Bewegungen  stattgefunden  haben ,  zeigt  sich 
reichlich  Sericit.  Accessorisch  kommen  abgerundete  Apatitkörner,  rothe 
Eisenoxydblättchen ,  Zirkonkörner ,  sowie  Eisenkies  vor.  Der  letztere 
macht  sich  übrigens  schon  makroskopisch  bemerkbar. 

Quarze  und  Feldspathe  sind  häufig  getrübt  durch  winzigste 
Körnchen,  Nädelchen  und  Blättchen,  ersterer  auch  durch  Flüssigkeits- 
einschlüsse. Einzelne  dieser  trübenden  kleinsten  Einschlüsse  erweisen 
sich  als  Eisenoxydschüppchen,  andere  als  Glimmerblättchen,  die  Mehrzahl 


[15]       I^J6  Insel  alteren  Gebirges  und  ihre  nächste  Umgebung  im  Elbthale  etc.        249 

derselben  ist  aber  nicht  weiter  definirbar.  Viele  Quarz-  und  Feldspath- 
körner  sind  nachträglieh  zertrümmert,  die  eckigen  Trümmer  liegen 
nebeneinander,  durch  secundären  Quarz  oder  Glimmer  verbunden.  Die 
grösseren  Quarze  und  Feldspathe  stellen  ganz  unregelmässig  begrenzte 
Körner  dar.  Diese  sind  wohl  allothigen.  Die  neben  diesen  noch  vor- 
handenen kleineren  Quarz-  und  Feldspathkörnchen  müssen  als  authigen 
angesprochen  werden.  Der  authigene  Quarz  bildet  häufig  „comj)lexe 
Körner".  Die  authigenen  Plagioklase  fallen  durch  ihren  frischesten 
Zustand  auf.  Ein  Isoliren  der  Feldspathe  zum  Zwecke  genauer  Bestimmung 
war  bei  deren  geringen  Dimensionen  noch  undurchführbar.  Nur  die 
Beobachtung  der  Auslösungsschiefe  bot  einige  Anhaltspunkte.  Es  zeigten 
sich  durchwegs  sehr  geringe  Auslöschungsschiefen  gegen  die  Zwillings- 
streifung,  Winkel  von  5" — 8" — 10".  Hiebei  sind  nur  jene  Werthe  be- 
rücksichtigt, welche  sich  bei  symmetrischer  Auslöschung  zu  beiden 
Seiten  der  Zwillingsnaht  ergaben.  Hienach  wäre  ein  natronreicher  Kalk- 
natronfeldspath  vorhanden.  Nicht  selten  zeigen  sich  die  Feldspathe  von 
Quarz  in  der  bekannten  Weise  durchwachsen. 

Die  Structur  dieser  Grau wacken schiefer  nähert  sich  der  flaserigeu": 
die  grösseren  Quarz-  und  Feldspathkörner  sind  von  blätterig-schuppigen 
Glimmerflasern  und  kleinkörnigen  Gemengen  der  genannten  Minerale 
urawoben. 

An  einer  Stelle ,  etwa  400  Meter  südlich  vom  Rasselbach ,  ragt, 
rings  umgeben  von  gewöhnlichem  Thonschiefer ,  ein  isolirtes  Felsriff 
empor,  welches  von  einem  ausserordentlich  harten,  dunkelgrauen,  dichten 
Gestein  gebildet  wird.  Bei  der  Verwitterung  zerfällt  es  in  kleine  Stückchen. 
Unter  dem  Mikroskope  löst  sich  das  Gestein  in  ein  gleichförmiges, 
sehr  dichtes  Gemenge  richtungslos  verbundener  Quarzkörnchen  und 
Glimmerblättchen  auf.  Irgend  ein  Feldspath  ist  offenbar  wegen  der 
Kleinheit  der  Körnchen  von  Quarz  nicht  zu  unterscheiden.  Das  Gestein 
trennt  sich  in  Folge  Mangels  jeder  Schieferung  scharf  vom  Thonschiefer. 
Eher  lässt  es  sich  als  ein  ausserordentlich  feinkörniger  Grauwacken- 
schiefer  auffassen. 

Die  chemische  Zusammensetzung  des  Grauwackenschiefers,  dessen 
Dichte  =  269,  wird  durch  nachstehende  Analyse  III  gegeben : 

HiO. 7256 

Al^b^ 11-45 

Fe^O^ 5-98 

GaO 2-46 

MgO 0-50 

K^O 3-26 

Na..O 1-99 

IJ^'O .     .  1-44 

Summe    .     .     99-64 

Auch  die  chemische  Zusammensetzung  weist  auf  die  Anwesenheit 
von  viel  Quarz,  dann  von  Kalknatronfeldspath,  Kulifeldspath,  Magnesia- 
und  Kaliglimmer  hin. 


250  J-  E-  Hibsch.  [16] 

2.  Diabas  und  Diabasschiefer. 

In  den  Thon^cliiefern  treten  vier  Gänge  von  nnig-ewandeltcni 
Diabas  auf.  Der  erste  ist  nur  zugiinglicli  am  Waldwege ,  welcher  die 
zerstreuten  Gehöfte  von  Mittelgrund,  links  der  Elbe,  in  etwa  175  Meter 
Meereshöhe  verbindet.  Seine  Fortsetzung  nach  Osten  gegen  die  Elbe 
ist  angedeutet  durch  Lesesteine ,  die  auf  den  Feldern  ausserhalb  des 
Waldes  zerstreut  liegen.  Soweit  dieser  erste  Gang  (in  Folgendem  mit 
Gang  I  bezeichnet)  erschlossen,  ist  er  fast  ganz  in  Diabasschiefer  um- 
gewandelt. Der  zweite  Gang  (Gang  II)  liegt  vom  ersten  etwa  200  Meter 
weiter  gegen  Norden.  Derselbe  tritt  sehr  schön  zu  Tage  an  dem  Fahr- 
wege, welcher  entlang  der  königl.  sächsischen  Staatsbahnstrecke  nach 
der  Tschirte  führt.  Er  besitzt  am  Wege  eine  Mächtigkeit  von  nahezu 
20  Meter.  Nach  zerstreuten  Diabasblöcken  zu  urtheilen,  würde  sich  der 
Gang  in  seinem  weiteren  Verlaufe  westlich  im  Walde  in  zwei  Gänge 
gabeln.  Auf  seiner  Nordseite  grenzt  er  sich  gegen  den  Thonschiefer 
durch  eine  Diabasschiefcrlage  ab.  Der  dritte  (nördlichste)  Diabasgang 
(Gang  IIl)  setzt  im  Thonschiefer  50  Meter  nördlich  vom  zweiten  in  der 
Mächtigkeit  von  ebenfalls  20  Meter  auf.  Auch  dieser  Gang  ist  am  letzt- 
genannten Wege  gut  aufgeschlossen.  Auf  seiner  Nordscite  geht  er  ganz 
allmälig  in  Diabasschiefer  über,  welcher  sich  gegen  den  Thonschiefer 
scharf  abgrenzt.  Auf  das  Vorhandensein  eines  vierten,  am  rechten  Eib- 
ufer gelegenen  Diabasgnnges  nmss  mit  Sicherheit  geschlossen  werden, 
weil  sich  chloritreiche  Diabasschiefer  bei  den  nördlichsten  Häusern  der 
Ortschaft  Laube  vorfinden. 

Alle  Diabasgänge  streichen  in  der  gleichen  Richtung  von  Osten 
nach  Westen;  ihr  Einfallen  ist  theils  saiger,  so  Gang  II,  tlieils  mit 
sehr  steilem  Winkel  (70" — 80")  nach  Norden,  Gang  I,  oder  hei  Gang  III 
nach  Süden.  Die  Lagerung  der  Thonschiefer  ist  in  der  Umgebung  der 
Diabase  mannigfaltig  gestört;  die  Schiefer  erscheinen  im  Gegensatz  zu 
der  recht  gleichmässigen  Lagerung  des  rechtsseitigen  Tiionschiefers  derart 
dislocirt,  dass  sie  das  gleiche  Verflachen  und  Streichen  aufweisen  wie 
die  angrenzenden  Diabasgänge.  Und  deshalb  können  die  Diabasgänge 
füglich  als  Lagergänge  bezeichnet  werden. 

Das  Gestein  der  Gänge  ist  stark  zerklüftet.  Die  Klüfte  besitzen 
unregelmässigen  Verlauf,  doch  herrscht  bei  den  Kluftflächen  die  Richtung 
des  Gangstreichens  vor.  Dem  unbewaffneten  Auge  erscheinen  die  Dia- 
base als  mittel-  bis  feinkörnige  Gesteine  von  dunkelgraugrüner  Färbung. 
Nur  das  Gestein  des  zweiten  und  theilwcise  auch  das  des  dritten 
Ganges  erscheint  massig,  während  der  erste  Gang  und  ein  grosser 
Theil  des  zweiten  Ganges  mehr  oder  weniger  schieferig  ausgebildet  sind. 
Auch  vom  vierten  Gange  sind  nur  schieferige  Gesteine  bekannt. 

Unsere  Diabasgesteine  bestehen  dermalen  wesentlich  aus  Plagio- 
klas  und  Hornblende.  Da/Ai  gesellen  sich  Titaneisen  mit  Leucoxen- 
rändern,  Apatit,  ferner  Chlorit,  Calcit,  E])idot,  Magnesiaglimmer,  Quarz, 
stellenweise  Anatas,  endlich  der  schon  makroskopisch  autfallendc  Pyrit. 
Diese  Minerale  betheiligen  sich  in  verschiedenen  Mengenverhältnissen 
am  Aufbau  unserer  Gesteine.  Auch  die  Art  der  Ausbildung  und  des 
Auftretens  der  einzelnen  angeführten  Gemengtheile  wechselt  ausser- 
ordentlich. Desgleichen  ist  die  Structur  der  hier  zu  erörternden  Gesteine 


M7l        Die  Insel  älteren  Gebirges  und  ihre  nächste  Unisebnng  im  Elbthale  cfc.       251 

eine  sehr  mannigfaltige ,  so  dass  sich  Gemeinsames  nicht  leicht  an- 
führen lässt. 

Nirgends  ist  der  Diahas  in  seinem  ursprünglichen  Znstande  auf- 
zntinden.  Allenthalben  hat  er  mehr  oder  weniger  tief  gehende  Verände- 
rungen in  seinem  mineralischen  Bestände,  in  seiner  Structur  oder  in 
beiden  erfahren.  Die  Ursachen  dieser  metamorphischen  Erscheinungen 
sind  zu  suchen  in  der  Contactwirkung  seitens  des  benachbarten  Granit- 
stockes, namentlich  aber  in  dynamischen  Vorgängen,  die  mit  den  wieder- 
holten Dislocationen  des  Schiefergebietes  verbunden  waren.  Es  ist  nicht 
möglich ,  jeden  metamorphen  Vorgang  im  Gestein  auf  eine  bestimmte 
Ursache  zurückzuführen  ,  indem  sich  die  Wirkungen  der  verschiedenen 
Ursachen  noch  lange  nicht  in  der  gewünschten  iSchärfe  trennen  lassen. ') 

Unter  den  Veränderungen  ,  welche  der  mineralische  Bestand  der 
ursprünglichen  Diabase  erfahren  hat ,  steht  obenan  das  gänzliche  Ver- 
schwinden des  Augits.  Nirgends,  auch  nicht  dort,  wo  das  Gestein  die 
relativ  geringste  Veränderung  erlitten  hat,  ist  Augit  aufzufinden.  Ueberall 
ist  pleochroitische  uralitische  Hornblende  an  seine  Stelle  getreten.  Sogar 
die  ursprünglichen  Krystallformen  des  Augits  sind  verwischt.  Die  ura- 
litische Hornblende  bildet  Faseraggregate,  in  welchen  die  einzelnen  Horn- 
blendefasern mit  ihren  Längsachsen  einander  parallel  gestellt  sind  und  in 
ihrem  Gesammtumriss  die  Formen  des  Augits  wohl  annähernd  aufweisen, 
über  die  Augitformen  aber  hinauswuchern.  Die  Uralitisirung  ist  wohl 
auf  Contactwirkung  seitens  des  nördlich  etwa  1000  Meter  entfernten 
Granitstockes  zurückzuführen.  ^)  Denn  diese  Erscheinung  tritt  allgemein 
auf,  nicht  blos  local,  und  auch  dort,  wo  nur  geringfügig  dynamische 
Vorgänge  sich  abgewickelt   haben. 

Bei  dieser  Sachlage  konnte  der  Diabascharakter  vorliegender 
Gesteine  vorzugsweise  nur  aus  der  an  manchen  Orten  erhaltenen  Structur 
erschlossen  werden.  Mit  Lossen  wären  unsere  Gesteine  als  amphi- 
bolitisirte  Diabase  zu  bezeichnen. 

Die  geringsten  Veränderungen  dürfte  das  Gestein  des  Ganges  11 
erlitten  haben.  Dasselbe  besteht  derzeit  wesentlich  aus  Plagioklas  und 
uralitischer  Hornblende.  Ausserdem  nicht  selten  Chlorit.  Epidotkörner 
und  Calcitlappen  im  ganzen  Gestein.  Epidotkörner  sind  namentlich  auch 


*)  Man  vergl.  K.  A.  Lossen,  Stud.  an  metamorph.  Eruptiv-  u.  Sedimentgest. 
u.  s.  w.  Jahrb.  d.  k.  preuss.  geol.  Landesanstalt  für  1883,  pag.  635  u.  636. 

^)  K.  A.  Lossen,  Erläuterungen  zur  geol.  Specialkarte  von  Preussen  u.  s.  w. 
Blatt  Harzgerode,  Pausfelde,  Wippra.  1882  u.  1883  —  Derselbe,  Studien  an  metamorph. 
Eruptiv-  u.  Sedimentgest.  u.  s.  w.  I.  u.  IL  Jahrb.  d.  k.  preuss.  geol.  Landesanstalt  für 
188.3  u.  1884.  —  A.  Michel-L6vy,  Sur  les  roches  eruptives  basiques  cambriennes 
du  Mäconnais  et  du  Beaujolais.  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  (3),  XI,  281,  1883.  —  K.  Th.  Liebe, 
Uebers.  über  den  Schichtenaufbau  Ostthüringens.  Abhandl.  z.  geol.  Specialkarte  v. 
Preussen  u.  s.  w.  1884,  V.  Bd.,  Heft  4,  pag.  83.  —  H.  Rosenbusch,  Mikroskop. 
Physiogr.  d.  massigen  Gesteine.  II.  Aufl.,  J886,  pag.  56  u.  57,  feiner  pag.  222  u.  f.  — 
Derselbe,  Mikroskop.  Physiogr.  d.  petrogr.  wichtigen  Mineralien.  II.  Aufl.,  1885,  pag.  473. 
—  J.  Roth,  Allgem.  u.  ehem.  Geologie.  III,  1890,  pag.  92  u.  93.  —  W.  Bergt,  Bei- 
träge zur  Petrographie  d.  Sierra  Nevada  de  Santa  Marta  etc.  Tschermak's  Min.  und 
petrogr.  Mitth.  X.  Bd.,  pag.  335  u.  f.  —  R.  Beck,  Amphibolitisirung  von  Diabasgesteinen 
im  Contactbereiche  von  Graniten.  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  1891,  LXHI.  Bd.,  pag.  257. 
Letztere  Mittheilung  kam  mir  erst  während  des  Druckes  vorliegender  Arbeit  zu,  konnte 
daher  im  Texte  leider  nicht  weiter  berücksichtigt  werden. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanatalt.  1891.  41.  Band.  2.  Heft.  (J.  E.  Hibsch.)       ;i3 


252  JE  Tlibsch.  [18] 

/Avisolieii  den  einzelnen  Fasern  der  uralitisclien  HornblendcaggTCgate  an- 
gesiedelt. Apatitsäiilchen  und  Titaneisen  aliverbreitet. 

Der  Plagioklas  tritt  auf  in  Form  l)reiter  Tafeln  und  breitleisten- 
förniig.  Im  letzteren  Falle  ordnen  sieb  die  Leisten  divergentstrablig.  Der 
Felds])atb  ist  baufig  sebr  trübe.  Die  Krystalle  sind  mebrfacb  zerbrocben, 
die  Trtnnnier  durcli  Calcit  wieder  zusammengeleimt.  Calcit  ist  aucb  sonst 
innerbalb  der  unzcrbrocbenenFeldspatbe  reieblicb  vorbanden.  Soweit  der 
Plagioklas  primiire  Begrenzung  noeb  besitzt,  ist  er  zumeist  automorpb.  Der 
Plagioklas  geluirt  einem  natronreieben  Kalknatronfeldspatb  an  ;  Messungen 
der  AusKiscbungssclnefc  ergaben  bei  Spaltblättcben  auf  der  Fläcbe  M 
durcbscbnittlieb  Wcrtbe  von  -f  12",  auf  der  Fläcbe  P  +  2o  bis  +  S».  Die 
Diobte  wurde  zu  2'62  bis  2'G5  bestimmt.  Diese  Wertbe  verweisen  auf 
die  Peibe  des  Oligoklas.  Ausserdem  wurden  im  Dünnscbliff  niebt  selten 
an  Zwillingen  mit  synimetriscber  Auslöscbungsscbiefe  zu  beiden  Seiten 
der  Zwillingsnabt  Winkelpaare  von  \4c'^  ermittelt.  Im  Vereine  mit  der 
Dickte  von  2*62  würden  die  letzteren  Winkel  auf  einen  fast  kalkfreien, 
dem  Albit  sebr  nabe  stellenden  Plagioklas  scbliessen  lassen.  Dieser 
letztere  Plagioklas  tritt  im  Gestein  des  Ganges  II  nicbt  in  Form  einer 
feinkörnigen  Mosaik ,  sondern  in  Gestalt  von  kurzen  verzwillingten 
Leisten  und  grösseren  zum  Tbeile  nicbt  verzwillingten  Körnern  auf. 
Diese  sind  wobl  als  secr.ndäre  Neubildungen  aufzufassen,  aus  kalk- 
reicberem  Plagioklas  durcb  dessen  Zerfall  bervorgcgangen,  wie  das  auch 
schon   andererseits  beobachtet  worden  ist.  i) 

Neben  Plagioklas  spielt  die  Hornblende  unter  den  mineralischen 
Gemengtheilen  die  wichtigste  Rolle.  Dieselbe  ist,  wie  bereits  angeführt 
wurde,  secundär  aus  dem  ursprünglich  vorhandenen  Augit  hervorgegangen. 
Sie  stellt  Fascraggregate  dar,  welche  die  Augitformen  ausfüllen;  des- 
halb muss  sie  als  uralitiscbe  „schiltige  Hornblende"  bezeichnet  werden. 
„Compacte  Hornblende"  ist  nicht  vorhanden.  Ihre  Farben  sind  grün, 
der  Pleochroismus  sehr  deutlich :  o  und  b  gelblichgrün ,  c  blaugrün. 
Braune  Hornblende  fehlt.  Die  Faserbündel  der  Hornblende  zerfasern 
sich  häutig  am  Ende.  Inmitten  der  Faseraggregate  treten  kleine  Blättchen 
])raunen  Glimmers  vereinzelt  oder  zu  mehreren  gruppirt  auf.  Es  lässt 
sich  nicht  entscheiden,  ob  dieser  Glimmer  aus  dem  primiiren  Augit  oder 
aus  der  secundären  Hornblende  hervorgegangen  ist.  Beides  wurde  be- 
kanntlich vielfach  beobachtet.  2) 

Von  primären  Gemengtheilen  sind  Apatit  und  Titaneisen  hervor- 
zuheben. Ersterer  ist  in  Form  von  Säulchcn  besonders  im  Plagioklas 
häutig.  Letzteres  erscheint  oft  in  durchlöcherten  oder  in  lappig  zer- 
fetzten Formen,  welche  von  Leucoxenrändern  umgeben  sind. 

Recht  verbreitet  treten  chloritische  Substanzen  zwischen  den  übrigen 
Gemengtheilen,  aber  auch  im  Innern  derselben,  namentlich  im  Innern 
der  Plagiokhiskrystalle  auf.  Hier  mussten  die  zur  Bildung  der  Chlorit- 
schüppchen  nothwcndigen  Silicate  einwandern.  In  Bezug  auf  die  eben- 


')  H.  Rosenbnsch,  Mikroskop.  Phys.  d.  nia.ss.  Gesteine.  2.  Aufl.,  1886, 
pag.  223  u.  224.  —  K.  TL.  Liebe,  Uebers.  über  d.  Schichtenaufban  Ostthüringens. 
Abhandl.  z.  geol.  Specia'.karte  von  Preussen  n.  s.  w.  Bd.  V,  Heft  4,  pag.  83,   1884. 

*)  Vergl.  B.  Doss,  Die  Lamprophyre  und  Melapli.  d.  Plancn'schen  Grundes. 
Tsohermak's  Mincr.  u.  pelrogr.  Mittlieii.  N.Folge,  Bd.  XI,  j)ag.  42,  188!).  Üasell)st 
aucli  weitere  Literaturangabf-n. 


[191        Die  lusel  älteren  Gebirges  und  ihre  näclKste  Uiiigeliun:   im  Klbtliale  etc.        •>5;-J 

falls  sc('iiii(l;iieii  Minerale  Epidot  und  ('{ilcit  wurden  keine  specicll  lier- 
vor/uiiclionden  J^eobaelduniren  i;eniaelit. 

Die  Striictur  des  Diabas  aus  dem  Gan^e  11  hat  sieh  trotz  der 
niannigfaehen  Veräntlerungen ,  denen  das  Gestein  ausgesetzt  war,  als 
deutliehe  diverii-entstraldig--kr)rnii;'c  Diahasstruetur  erhalten.  Das  gie))t 
sieh  dnreli  die  Anordnunu,'  der  breitleisteufüraiij^-en  Feldspathe  kund  und 
durch  die  Bei;renzung'  derselben  geg'eniib'^r  den  xenoniorphen ,  derzeit 
uralitisirten  Aui;iten.  Daneben  machen  sich  die  Anfänge  einer  Kata- 
klasstructur  durch  die  Zertrümmerung  der  Feldspathe  bemerkbar. 

Von  dieser  Art  der  Gesteinsausbildung-  weicht  der  Diabas  im 
Gang-e  III  wesentlich  al).  Zunächst  zeigt  sich  im  südlichen  Thcile  dieses 
Ganges  eine  deutliche  Flaserung;  fernei'  tritt  neben  der  uralitischen 
Hornblende  noch  eine  zweite  Form  dieses  Minerals,  eine  actinolithische 
Hornblende,  auf.  Letztere  besitzt  gelblichgrüne  bis  blassgrüne  Färbung, 
ihr  l'leoehroismus  ist  minder  kräftig  als  bei  der  uralitischen  Hornblende. 
Sie  tritt  in  Form  feiner  Fasern  auf,  die  sich  namentlich  um  die  Faser- 
bündel der  uralitisclien  Hornblende  so  gruppiren,  dass  diese  von  den 
Actinolithfasern  S-formig  umschlungen  werden.  Die  Fnden  der  Fasern 
biegen  alle  in  dieselbe  Richtung  ein,  und  dadurch  ist  die  Flaserung 
des  Gesteins  hervorgerufen.  Verstärkt  wird  diese  Structur  noch  durch 
das  Einlenken  der  Faserenden  der  schilügen  Ilornblendebüschel  in  die 
allgemeine  Richtung  der  Flaserung ;  auch  die  Titaneisenkörner  ordnen 
sich  reihenweise  in  der  gleichen  Richtung.  Die  Flaserstructur  tritt  be- 
reits makroskopisch  hervor. 

Die  riagioklase  sind  arg  zertrümmert ,  die  einzelnen  Trümmer 
verschoben  uml  ganz  erfüllt  von  Chloritschüi)pclien ,  farblosen  Horn- 
blendenadeln, Calcit-  und  Ei)idotköinchen.  Nur  an  wenigen  Stellen  ist 
Zwillingsstreifung  noch  wahrzunehmen. 

Da  die  actinolithische  Hornblende  sich  in  unseren  Diabasgängen 
nur  dort  zeigt,  wo  bedeutendere  dynamische  Vorgänge  sich  vollzogen, 
so  ist  dieselbe  auch  hier  nur  als  das  Ergebnis«  cliemischer  Processe 
anzusehen ,  welche  unter  dem  Einflüsse  von  dynamischen  Vorgängen 
stattfanden.  ') 

Der  flaserige  Diabas  geht  im  nördlichen  Theile  des  Ganges  III 
allmälig  in  Diabasschiefer  über.  Die  Felsarten  dieser  schieferigen  Facies 
erscheinen  schon  dem  unbewaffneten  Auge  als  unvollkommen  schieferige 
Gesteine  von  unruhiger,  graugrüner  Färbung.  Auf  dem  Hauptbruche 
entwickelt  sich  ein  matter  Glanz,  der  Querbruch  ist  matt.  Kluftflächen 
weisen  reichliche  Krusten  von  kohlensaurem  Kalk   auf. 

Diese  Schiefer  bestehen  vorzugsweise  aus  blassgrünen  bis  farb- 
losen Actinolithnadeln ,  die  sich  zu  Bündeln  vereinigen ,  aus  einem 
Chloritmineral ,  aus  spärlichen  trüben  Plagioklaskörnern  und  -Leisten. 
Hiezu  treten  noch  sehr  häufig  Calcitkörner,  Köinchen  von  Epidot,  von 
Titaneisen ,  sehr  spärlicli  Quarz ,  hingegen  viele  zerstückelte  und  aus- 
einandergedrückte Apatitsäulchen.  Die  uralitische  Hornblende,  welche 
noch  im  flaserigen  Diabas  die  Augitformen  erfüllte,  ist  fast  gänzlich  ver- 
schwunden. An  ihre  Stelle  sind  Actinolithnadeln  getreten.  Die  Schieferung 


1)  Vergl.  H.  R  0  s  e  n  b  u  s  c  h  ,    Mil^roskop.    Physiographie    d.    massig.  Gesteine. 
2.  Aufl.,  pag.  222  u.  f. 

33* 


254  J.  E.  Hibsch.  [20] 

wird  vorzugsweise  durch  die  gleicligericlitetc  Anordnung  der  Hornblende- 
nadeln licrvorgerufen,  dann  dadurch,  dass  sich  auch  die  übrigen  Genieng- 
theile  eylindrischer  und  körniger  Form  ,  Feldspathe  und  Erzkörncr,  in 
die  Schieferungsrichtung  einreihen. 

Bei  Bestiinnumg  der  Auslöschungsschiefc  in  solchen  verzwilliogten 
Plagioklaskrystallen,  welche  zu  beiden  Seiten  der  Zwillingsnaht  sym- 
metrische Wcrthe  zeigten,  erhielt  man  häufig  Winkel  von  13''.  Es  ist 
demnach  vorzugsweise  Albit  vorhanden.  Da  derselbe  als  Neubildung 
angesehen  werden  niuss,  Aetinolith  ,  Chlorit,  Calcit  und  Epidot  gleich- 
falls secundären  Ursprungs  sind,  so  würden  diese  Diabasschiefer  Gesteine 
darstellen,  deren  Material  wohl  auf  plutonischem  Wege  geliefert  wurde, 
deren  mineralische  Gemengtheilc  jedoch  alle  bis  auf  wenige  Reste  von 
Feldspathen  und  Erzen  lange  nach  der  ursprünglichen  Verfestigung  des 
Gesteines  neu  gebildet  wurden.  Die  Schiefer  stellen  jetzt  nach  ihren 
wichtigsten  Hestandtheilen  Actinolith-Chlorit-Albitschiefer 
dar.  Diese  Schiefer  sind  mit  dem  flaserigen  Diabas  durch  Uebergänge 
verbunden.  Deshalb  ist  kein  Zweifel  zulässig ,  dass  diese  Diabas- 
schiefer durch  nietamorphe  Processe  aus  ursprünglichem  Diabas  hervor- 
gegangen sind. 

Näher  der  Nordgrenze  des  Ganges  III  wird  das  Gestein  grob- 
schieferig.  Auf  dem  llauptbruche  treten  kleine ,  dunkle  Knötchen  und 
langgestreckte  Chloritflatschen  hervor.  Auch  Pyritkrystalle  sind  zahl- 
reich eingestreut.  Bei  der  mikroskopischen  Untersuchung  ergiebt  sich, 
dass  sowohl  uralitische  wie  actinolithische  Hornblende  verschwunden 
sind.  Chlorit,  Calcit  und  Quarzkörner  sind  an  Stelle  der  Hornblende 
getreten.  Dabei  ist  die  ursprüngliche  Structur  vollständig  verwischt. 
Dermalen  liegen  Plagioklaskrystalle  und  Quarzk(h-ner  regellos  in  einer 
Art  Grundmasse ,  welche  aus  Chloritblättchen ,  Calcit  und  aus  einer 
feinkörnigen  Fcldspathquarzmosaik  besteht.  Krystalle  von  Pyrit  und 
kleinere  Erzkörnchen  ,  letztere  zu  Häufchen  gruppirt ,  sind  im  ganzen 
Gestein  vertheilt.  Die  makroskopisch  hervortretenden  Knötchen  bestehen 
aus  Anhäufungen  von  Erzkörnchen  und  Chlorit.  Dieser  Schiefer  wäre 
auf  Grund  seines  mineralischen  Bestandes  P 1  a  g  i  o  k  1  a  s  c  h  1  o  r  i  t- 
schiefer  zu  nennen. 

Aus  denselben  mineralischen  Componenten  baut  sich  auch  der 
Diabas  des  Ganges  I  auf.  Auch  hier  liegen  Plagioklase  in  Form  von 
Leisten ,  Körnern  oder  grösseren  Krystallen  in  einer  Grundmasse  von 
wirr  gestellten  Chloritblättchen  und  Calcitkörnern  eingebettet.  Auch  in 
diesem  Gestein  ist  die  aus  Augit  hervorgegangene  Hornblende  voll- 
ständig verschwunden.  An  manchen  Stellen  des  Dünnschliffes  ist  jedoch 
die  ursprüngliche  divergent-strahlige  Diabasstructur  in  der  Anordnung 
der  automorphen  Feldspathleisten  gut  erkennbar.  Erzkörnchen  ,  Pyrit 
und  Titaneisen,  letzteres  zum  Tlieil  gebräunt  oder  in  Leukoxen  um- 
gewandelt, sind  recht  häufig.  Den  Titancisenkörnern  sind  Anatas- 
kryställchen  eingebettet. 

Dem  unbewaffneten  Auge  erscheint  dieser  Diabas  als  ein  grau- 
grünes, feinkörniges  bis  dichtes  Gestein  mit  unvollkommen  flaserig- 
schieferiger  Textur.  Auf  dem  Hauptbruche  ist  matter  chloritischer  Glanz 
bemerkbar.  Calcitadern  durchsetzen  das  Gestein.  Vom  ganzen,  etwa 
40  Meter  mächtigen  Diabasgange  I  ist  nur   eine  kleine  Zone  in  dieser 


\^2\^       Die  Insel  älteren  Gebirges  und  ilire  nächste  Umgebung  im  Elbthale  etc.        2Ö5 

flaserig-schiefeiigeu  Ausbilduiifi:  angeschlossen .  der  ^rösste  Tlieil  des 
Ganges  ist  in  ein  ausgezeichnet  diinnschieferiges  Gestein  von  grau- 
grüner Farhung  umgewandelt ,  auf  dessen  Schieferungsflächen  his  zoll- 
lange Chloritflatschen  hervortreten.  Namentlich  im  angewitterten  Zustande 
des  Gesteins  sind  die  dunkelgrünen  Chloritblätter  sehr  auffällig.  Hei 
mikroskopischer  Untersuchung  erweist  sich  dieser  Diabasschiefer,  wie 
die  flaserig-schieferige  Ausbildung  desselben  Ganges  als  ein  Plagioklas- 
chloritschiefer.  Auch  hier  sind  Plagioklasc  von  recht  guter  automorpher 
Begrenzung  eingebeltet  in  eine  Art  (irundmasse  von  Chloritblättchen. 
Ein  Theil  der  Felds])athe  ist  wohl  secundär  entstanden.  Denn  der 
Feldspath  weist  oft  nur  geringe  Ausliischungsschiefen  auf,  die  Winkel 
von  2",  4",  6°,  8"  und  IP  wurden  häufig  abgelesen.  Man  hat  hier 
offenbar  neu  gebildeten  Albit  vor  sich. 

In  manchen  Lagen  dieser  .Schiefer  treten  auf  dem  Hauptbruch 
Knoten  hervor,  theils  vereinzelt,  theils  dicht  gedrängt,  von  liirsekcu'n- 
grösse  bis  erbsengross.  Dieselben  werden  hervorgerufen  durch  concrc- 
tionäre  Ausscheidung  von  Chalcedon.  Die  Knoten  sind  radialfaserig 
gebaut,  löschen  nicht  einheitlich  aus ,  sondern  zeigen  bei  gekreuzten 
Nicols   (las  bekannte  sphärolithische  Interferenzkreuz. 

Sehr  häufig  treten  Eisenerze,  Pyrit  und  Titaneisen ,  ferner  Calcit 
und  Epidot  in  diesen  Diabasschiefern  auf.  Der  Epidot  bildet  Körner 
oder  auch  w^ohl  ausgebildete  säulenförmige  Krystalle,  die  sich  gern  zu 
kleinen  Krystallgruppen  aggregiren. 

Schiefer ,  v^  eiche  sich  aus  der  Mineralcombination  Plagioklas 
(Albit),  Chlorit,  Calcit ,  Epidot ,  Titaneisen  und  Pyrit  aufbauen ,  wären 
nicht  ohne  Weiteres  für  Abkönnnlinge  von  Diabas  zu  erkennen.  Da 
aber  diese  Schiefer  im  Gange  I  schon  durch  Uebergänge  in  Verbindung- 
Stehen  mit  flaserig-schieferigen  Gesteinen,  welche  eine  deutliche  Diabas- 
structur  aufweisen,  da  ferner  im  Gange  III  der  Uebergang  von  ähnlich 
zusammengesetzten  Schiefern  in  Diabas  mit  uralitisirtem  Augit  sehr 
schön  verfolgbar  ist,  so  steht  wohl  fest,  dass  diese  Schiefer  alle  durch 
contact-  und  dynamo-metamorphe  Vorgänge  aus  ursprünglichen  Diabasen 
hervorgegangen  sind  und  derzeit  eine  m  et  a m  o  r  j)  h  e  D i  a  b  a  s  f  a  c  i  e  s 
darstellen.  Die  Diabasschiefer  unseres  Gebietes  erinnern  zum  Theil  an 
GümbePs  Chloropitschiefer '),  zum  anderen  Theil  an  dessen  Schal- 
steinschiefer. 2)  Ferner  sind  ähnliche  metamorphe  Diabasfacies  beschrieben 
worden  von  K.  A.  Lossen  aus  der  regionalmetamorphen  Zone  von 
Wippra  im  Südharz  2),  aus  dem  oberen  Ruhrthale  von  Ad.  Sehen ck  *), 
aus  dem    Taunus   von  Lossen'')    und    neuerdings    von  L.   Milch «), 


')  C.  W.  G  um  bei,  Geognost.  Beschreibung  des  Fichtelgebirges  u.  s.  w.  Gotha 
1879,  pag.  232  u.  f. 

2)  Ibidem,  pag.  228  u.  f. 

")  K.  A.  Lossen,  Erläut.  zur  geol.  Specialkarte  von  Preussen  u.  s.  w.  Blatt 
Wippra.  Berlin  1883. 

*)  Ad.  Schenck,  Die  Diabase  des  oberen  Ruhrthaies  u.  s.  w.  Verhandl.  d.  naturh. 
Ver.  d.  preuss.  Rlieinlande  und  Westphalens.  1884. 

')  K.  A.  Losse  n,  Kritische  Bemerkungen  zur  neueren  Taunus-Literatur.  Zeitschr. 
d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1877,  Bd.  XXIX,  341-363.  —  Derselbe,  Studien  an 
metamorphen  Eruptiv-  und  Sedimentgest.  u.  s.  w.  I.  u.  11.  Jahrb.  d.  k.  preuss.  geol. 
Landesanstalt  für  1883  und  für  1884. 

^)  L.  Milch,  Die  Diabasschiefer  des  Taunus.  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch. 
1890,  Bd.  XLI,  pag.  394  u.  f. 


256  J-  E.  Hibsch.  [22] 

endlich  von  Lehmann  aus  dem  sachsischen  Hchicferi;cbirge. ')  Die 
sehr  einiich.ende  l)ntei>iichuni>:  der  Diahass-chiefer  aus  dem  Taunus 
von  L.Milch  liefert  namentlich  in  denjenigen  Umvvaiulliingsproducten, 
welche  aus  „körnigem  Diabas"  liervorgingen,  trefliiche  Vergleichs- 
objecte  mit  unseren  Diabasgesteinen.  Eine  völlige,  oder  auch  nur  an- 
nähernde l'el)ercinstimmung  in  der  Art  der  Umwandlung  und  den 
Producten  derselben  ist  jedoch  um  so  weniger  zu  erwarten ,  als  sich 
bei  unseren  Diabasge^teinen  contact-  und  dynamometamorphc  Einflüsse 
geltend  gemacht  haben.  Augitrcste  sind  hier  nirgends  erhalten,  und 
Sericit  fehlt  unseren  Diabasgesteinen  vollständig. 

Gemeinsam  ist  dem  Sehiefergebiet  des  Taunus  und  der  kleinen 
Schieferinsel  des  Elbthales  die  Erscheinung,  dass  die  Umwandlungen 
der  Diabase  auf  ganz  kleinem  Räume  quantitativ  und  qualitativ  ver- 
schieden sei n  können.  F 1  a  s  e  r  d  i  a  b  a  s  ,  A  c  t  i  n  o  1  i  t  h  -  P 1  a  g  i  o  k  1  a  s- 
chlor  i  tsch  icfer  und  IMagiokl  as  ch  loritsch  i  cfer  treten  im 
Elbthale  kaum  1"5  Meter  von  einander  entfernt  auf.  Aehnliches  berichtet 
L.  Milch  aus  dem  Taunus.  2)  Weil  sich  ferner  die  Umwandlungen  aus 
undeutlich  flaserigen  in  schieferige  Gesteine  in  Gang  I  und  Gang  111 
trotz  verschiedener  Entfernung  vom  Granititstock  in  gleicher  Weise 
wiederholen  ,  so  ist  die  Ausbildung  der  schieferigen  Diabasfacies  auch 
in  unserem  Gebiete  nicht  als  Contactmetamorphose,  sondern  als  Dynamo- 
metamorphose anzusehen. 

In  Verbindung  mit  dem  Diabasgang  III  treten  noch  zwei  Schiefer- 
gesteine auf,  deren  Zusammenhang  mit  Diabas  nicht  durch  Uebergänge 
direct  nachweisbar  ist.  Das  eine  ist  ein  dunkelgraugriiner  Schiefer  mit 
chloritischem  Glänze  auf  dem  Hauptbruche.  Schon  das  unbewaffnete 
Auge  erkennt  viele  Pyritkrystalle ,  die  reichlich  dem  Gesteine  einge- 
streut sind.  Das  Mikroskop  lässt  eine  ausgesprochen  körnig-streitige 
Structur  erkennen.  Streifen  von  Chloritblättchen  wechseln  ab  mit 
Streifen ,  die  aus  einer  farblosen  Mosaik  von  Quarz-  und  Feldspath- 
körnchen.  denen  sich  sehr  reichlich  Calcit  zugesellt,  gebildet  sind. 
Erzkörnchen  sind  sehr  häufig  vorhanden  und  verstärken  durch  reihen- 
weise Anordnung  die  Streifenstructur.  Kleine  Epidotkörnchen  sind 
namentlich  den  Chloritblättchen  eingestreut. 

Der  zweite  Schiefer  ist  grau  von  Farbe.  Auf  dem  nur  schwach 
glänzenden  Hauptbruche  treten  dunklere  glänzende  Flatschen  und  kleine, 
schwarze  Körnchen  hervor.  Das  Gestein  besteht  fast  ganz  aus  Chlorit- 
blättchen und  Calcitschuppen.  Erze  (Pyrit)  sind  häufig  und  gleich  massig 
durch  das  ganze  Gestein  verbreitet.  Auffallend  ist  der  Reichthum  an 
kleinen,  sehr  vollkommen  ausgebildeten  Octaederchen  von  Magnetit.  ^) 
Feldspath  und  Quarz  finden  sich  als  feine  Körnclien  zwischen  den 
Chloritblättchen ,  sie  betheiligen  sich  nur  in  untergeordneter  Quantität 
am  Gesteinsauf  bau.  Die  oben  erwähnten  Flatschen  werden  durch  An- 
häufungen von  Chloritschuppen  gebildet;  die  dem  blossen  Auge  schwarz 


')  J.  Lehmann,  Unters,  über  d.  Entstehung  der  altkry.st.  Schiefergesteine  u.  s.  w. 
Bonn  1884. 

^)  1.  c,  besonders  aus  dem  Gebiet  von  Rauenthal  (Blatt  Eltville),  pag.  397  u.  f., 
sowie  pag.  403. 

')  Magnetitkryställchen  werden  auch  für  die  Taunusdiabasschiefer  als  charakte- 
stisch  angeführt. 


[23]        D'6  Insel  älteren  Gebirges  und  ilire  nächste  Umgebung  im  Elbthale  etc.        257 

erscliciiicndcn  Köinclien  hing-cgcn  stellen  radialfaserii^'e ,  conerctionäre 
Gebilde  dar,  aus  einer  farblosen  oder  scbvvacli  braun  gefärbten  doppelt- 
brechenden  Substanz  bestehend,  die  analog  den  früher  besehricl)enen 
grösseren  Coneretiouen  aus  den  Diabasschiefern  von  Gang  1  wohl  auch 
als  Chalcedon    angesprochen  werden  kann. 

Die  beiden  zuletzt  beschriebenen  chloritreichen  Schiefer  finden 
sich  an  der  Nordgrenze  des  Diabasganges  III;  sie  stellen  möglicher- 
weise durch  Dynamometamorphose  aus  Diabastuff  hervorgegangene 
Gesteine  dar. 

3.  Krystailinischer  Kalk. 

Der  sehr  schlecht  aufgeschlossene  Diabasgang  IV  am  rechten 
Ufer  erweckt  besonderes  Interesse.  Er  ist  allerdings  nur  durch  grüne 
Schiefer  mit  grossen  Chloritffatschen  auf  dem  Hauptbruche  vertreten. 
Solche  Schiefer  stehen  unmittelbar  bei  dem  Hause  C.-Nr.  6  in  Laube 
nördlich  von  Tetschen  an,  auch  finden  sich  Lesesteine  in  der  näheren 
Umgebung  genannten  Hauses.  Die  dünnschieferigen  Gesteine  sind  sehr 
ähnlich  den  Diabasschiefern ,  welche  beim  Gange  I  des  linken  Ufers 
auftreten.  Besonders  hervorgehoben  muss  jedoch  werden,  dass  sich  in 
Verbindung  mit  diesen  Schiefern  Kalkschiefer  und  körniger  Kalk  vor- 
finden. Das  Auftreten  kalkiger  Gesteine  konnte  nur  durch  Lesesteine 
in  der  nördlichen  Umgebung  des  oben  bezeichneten  Hauses  constatirt 
werden,  so  dass  leider  über  die  Form  des  Vorkommens  und  über  die 
Verbindungsart  mit  den  grünen  Schiefern  nichts  Näheres  festzustellen 
war.  Es  ist  aber  immerhin  von  Wichtigkeit ,  dass  in  Verbindung  mit 
den  Diabasschiefern  des  Elbthales  in  analoger  Weise  kalkige  Gesteine 
auftreten,  wie  in  der  Fortsetzung  des  Elbthalschiefergebietes  in  Sachsen.  ^) 

Der  Kalk  tritt  entweder  in  grobkörnigen  Blöcken  auf  oder  in 
dickschieferigen  Lagen.  Seine  Färbung  ist  weiss,  röthlichgrau  oder 
dunkelgrau.  Die  Blöcke  sind  fast  reiner  Calcit,  dem  ganz  untergeordnet 
Quarz,  Pyrit  und  kohlige  Substanz  beigemengt  sind.  Die  Calcitkörner 
zeigen  fast  alle  Zwillingsstreifung.  Dieser  Kalk  enthält  an  Carbonaten 
75  Procent. 

4.    Quarzige   und   granitoide  Ausscheidungen    in    der  Umgebung   der 

Diabasgänge. 

In  den  Thonschiefern,  welche  die  Diabasgänge  umgeben,  treten 
grössere  Linsen  und  kleinere  Knauer  von  Quarz  recht  häufig  auf.  Die 
grösseren  Quarzlinsen  erreichen  die  Mächtigkeit  von  l  Meter,  die  Mehr- 
zahl der  Quarzausscheidungen  besitzt  jedoch  geringere  Dimensionen, 
sie  können  selbst  zu  mikroskopisch  kleinen  Quarzäderchen  werden. 
Während  die  Quarzlinsen  mit  ihrer  Längenerstreckung  dem  Schiefer 
in  dessen  Streichrichtung  sich  einschalten ,  stehen  die  kleinen  Quarz- 
äderchen senkrecht  auf  der  Schichtungsebene.  Letztere  schliessen  häufig 
Chloritblättchen  ein,  die  sich  in  helminthisch  gekrümmten  Gruppen  an- 


')  Man  vergl.  H.  Mietzsch,    1.  c,  sowie    R.  Beck,  Erläut.  z.  geol.  Special- 
karle d.  Königr.  Sachsen.  Section  BerggiesshüLel,  pag.  19  u.  f. 


258  J-  E-  Hibsch.  [24] 

ordnen.  Die  grösseren  Qiiarzaussclieidiin^en  hingegen  um sclili essen 
Fetzen  von  Thonschiefer.  Die  Scbiefcrfetzen  winden  sich  um  die  Quarz- 
knauer  derart  herum  ,  als  wären  Quarz  und  Schieferfragniente  durch- 
einauderg-eknetet.  Der  Quarz  ist  grobkrystallinisch  und  weiss  von  Farbe. 

In  ähnlicher  Weise  wie  Quarz  linden  sich  granitoide  Aus- 
scheidungen; nur  besitzen  letztere  stets  geringere  Dimensionen. 
Ihre  Mächtigkeit  geht  nicht  über  einige  Centimeter,  so  dass  sie  stellen- 
weise das  Aussehen  sehr  schmaler  Gänge  gewinnen.  Da  sich  dieselben 
aber  nicht  auf  längere  Strecken  verfolgen  lassen ,  sondern  sich  immer 
wieder  auskeilen,  können  sie  nicht  als  Gänge  angesehen  werden.  An 
manchen  Orten  gewahrt  man  in  ihnen  Hohlräume,  in  welche  ganz 
kleine  Feldspatbkryställchen  mit  freien  Krystallflächen  hineinragen. 
Dieselben  besitzen  eine  Dichte  von  2*62 — 2"63.  Spaltblättchen  zeigen 
Auslöschungsschiefen  von  +  16"  bis  +  IS**  auf  der  Fläche  J/,  von 
+  3  bis  +  4"  auf  P.  Deshalb  müssen  sie  für  Albit  angesehen  werden, 
trotzdem  diese  Bestimmung  niclit  durch  eine  chemische  Untersuchung 
gestützt  wurde. 

Die  recht  grobkörnigen  granitoiden  Ausscheidungen  lassen  schon 
das  unbewatfnete  Auge  eine  Zusammensetzung  aus  Quarz  und  einem 
roth  gefärbten  Feldspath  erkennen.  Kluftflächen  sind  mit  grünen 
Malachitanflügen  überzogen.  Eine  nähere  Untersuchung  des  Feldspathes 
Hess  in  ihm  einen  dem  Anorthit  nahestehenden  Plagioklas  (wahrschein- 
lich Bytownit)  erkennen :  Spaltblättchen  besitzen  auf  M  eine  Aus- 
löschungsscliiefe  von  — 35^,  auf  P  — 32";  die  Dichtenbestimmung  des 
stark  zersetzten  Feldspathes  ergab  2*64.  Ausser  Quarz  und  Bytownit 
betheiligen  sich  auf  Grund  der  Ergebnisse  der  mikroskojjischen  Unter- 
suchung noch  ein  Chloritniineral ,  Turmalin ,  sehr  viele  Erzkörnchen 
(Schwefelmetalle)  und  untergeordnet  Sericithäute  am  Aufbau  dieser 
interessanten  Ausscheidungen.  Das  Chloritniineral  zeigt  deutlichen  Pleo- 
chroismus :  grün  und  fast  wasserhell ;  bei  gekreuzten  Nicols  treten 
dunkelblaue  Interferenzfarben  auf.  Turmalin  bildet  Prismen,  die  an  einem 
Ende  blau ,  am  anderen  bräunlicligelb  gefärbt  sind.  Die  Erzkörner 
dürften  aus  einer  Schwefelverbindung  des  Kupfers  bestehen.  Eine 
qualitative  Untersuchung  ergab  reichlichen  Kupfergehalt  in  diesen  grani- 
toiden Ausscheidungen. 

Wo  Thonschiefer  und  granitoide  Ausscheidungen  sich  berühren, 
stellt  sich  entlang  der  Thonschieferrändcr,  aber  innerhalb  des  Schiefers, 
eine  Anreicherung  der  dunklen  Erztheilchen  ein.  Es  kommt  auch  vor, 
dass  Thonschieferfetzen  in  die  granitoiden  Ausscheidungen  hineinragen, 
sich  allraälig  schwanzf(»rmig  verschmälern  und  endlich  mit  Zurück- 
lassung eines  dicht  gedrängten  Scliwarmes  von  Krzkörnchen  ganz  ver- 
schwinden, als  wären  dieselben  eingeschmolzen.  Da  aber  Turmalin  und 
Schwefelmetalle  so  häufig  vorkomtnen ,  scheinen  andere  Vorgänge ,  als 
ein  blosses  Einschmelzen  des  Thonscliiefers ,  stattgefunden  zu  haben. 
Wahrscheinlich  haben  heisse  Dämpfe  den  Thonschiefer  bis  auf  die 
schwer  löslichen  Erze  zerstört,  aus  den  hiedurch  entstandenen  Lösungen 
schieden  sich  zuletzt  die  genannten  Minerale  aus.  Man  kann  hiebei  an 
pneumatolytische  Processe   im   Sinne   von  W.  C.   Brögger^)   denken. 


')    W.    C.    B  r  ö  g  p;  e  r  ,     l'egniatitisclie    Gänge    n.    s.  w.     Zeitschr.    f.    Kry.stallo- 
graphie  u.  s.  w.  XVI.  Band.  1890. 


125]       Di^  I"'^^'  älteren  Gebirges  und  ihre  nächste  Umgebung;  im  Klhthalo  etc.        259 

Quarzlinsen  und  die  letztbescliricbenen  Aussclieidunjicn  halten  in  ihrem 
Auftreten  die  gleiche  Richtung  des  Streichens  ein  wie  der  'riionschiclcr 
und  die  Diabasgänge.  Man  wird  auch  deshalb  ihre  Entstehung  unge- 
zwungen mit  dem  Ausbruch  der  Diabase  in  Verbindung  bringen  können. 


III.  Der  Granitit. 

Der  Thonschiefer  des  Elbthales  setzt  nördlich  von  Rasseln  am 
rechten,  und  nördlich  vom  Tschirtenbache  am  linken  Ufer  scharf  an 
einem  Granititstock  ab,  welcher  durch  die  Erosion  der  Elbe  auf  eine 
Entfernung  von  etwa  P/a  Kilometer  blossgelegt  worden  ist.  Die  wahre 
Form  dieses  Granititvorkommens  kann  nicht  ermittelt  werden ,  da  von 
seinen  Grenzen  nur  die  gegen  den  Thonschiefer  auf  sehr  kurze  Strecke 
im  Elbthale  zugänglich  ist,  während  er  sonst  rings  von  Quadersand- 
stein überdeckt  wird.  Es  ist  jedoch  sehr  wahrscheinlich ,  dass  der 
Granitit  von  dieser  Stelle  des  Elbthales  unter  der  Quaderbedeckung 
im  Zusammenhang  steht  mit  den  nördlich  und  östlich  unter  dem  Quader 
auftauchenden  Granititen  der  Lausitz  und  des  Elbthalgebirges  in  Sachsen. 
Die  petrographische  Uebereinstimmung  der  Granitite  von  den  genannten 
Localitäten  ist  eine  so  allgemeine,  dass  diese  Anschauung  gerechtfertigt 
erscheint.  Hierauf  wurde  schon  von  G.  Laube  i)  hingewiesen.  Bereits  auf 
pag.  243  [9]  ist  erwähnt  worden,  dass  der  Granititstock  auf  dem  rechten 
Ufer  eine  grössere  Ausdehnung  nach  Süden  zu  haben  scheint ,  als  am 
linken  Ufer.  Desgleichen  erhebt  sich  derselbe  am  rechten  Ufer  zu  be- 
deutenderen Höhen,  bis  nahe  220  Meter  Meereshöhe,  während  er  auf 
dem  linken  blos  zu  190  Meter  emporsteigt.  Die  Oberfläche  des  Granitit- 
stockes  senkt  sich  allmälig  von  Süden  nach  Norden ,  das  Südende  be- 
findet sich  bei  220  Meter,  sein  Nordende  nördlich  des  Studenbaches 
taucht  unter  den  Elbspiegel  bei  120  Meter.  Auf  eine  Strecke  von 
1800  Meter  Länge  senkt  er  sich  um  90  Meter.  Die  Gesammtausdehnung 
am  linken  Ufer  beträgt  1600  Meter,  am  rechten  hingegen  1800  Meter; 
dazu  kommen  noch  vier  südliche  Apophysen  von  je  20  Meter  bis 
55  Meter  Mächtigkeit. 

Die  Granititapophysen  besitzen  im  Allgemeinen  dieselbe  Richtung 
des  Streichens  wie  der  Thonschiefer:  Ostwest. 

Der  Granititstock  ist  von  früheren  Beobachtern  in  übereinstimmen- 
der Weise  geschildert  worden.  B.  Cotta  beschreibt  ihn  in  „Erläute- 
rungen zu  der  geognost.  Karte  des  Königreichs  Sachsen"  u.  s.  w., 
4.  Heft,  Sect.  VIP)  als  „sehr  normal  aus  Quarz,  Glimmer  und  Feld- 
spath  zusammengesetzt".  Dem  scharfen  Auge  dieses  Beobachters  ent- 
gingen nicht  die  gneissartigen  Formen,  welche  hier  auftreten:  „am 
linken  Thalgehänge  geht  der  Granit  gegen  Tschirte  allmälig  in  Gneiss 
über".  J.  Jokely,  welcher  diesen  Theil  des  Elbthales  im  Jahre  1857 
als  Geolog  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  kartirte,  schied  auf  seiner  Karte  ^) 

')  G.  Laube,  Geologie  des  böhmischen  Erzgebirges.  Prag  1887,  II.  Theil, 
pag.  5  u.  6. 

')  Dresden  und  Leipzig  1845,  pag.  9. 

')  Geognost.  Karte  d.Umgeb.  v.  Teplitz  u.  Tetschen.  Maassstab  1  :  144.000.  Wien, 
k.  k.  geol.  Reichsanstalt. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891.  41.  Band.  2.  Heft.  (J.  E.  Hibsch.)  34 


260  J-  E.  Hibsch.  [26] 

sogar  mehrere  Gneisspartien  aus  dem  Granitc  aus.  Eine  ausführliche 
Beschreibung-  des  Granitits  wurde  von  ihm  in  seinen  Aufnahmsberichten 
ebensowenig  wie  von  der  ganzen  Schieferinsel  gegeben.  Job.  Krejßl 
erwähnt  im  I.  Bande  des  „Archiv  d.  naturwiss.  Landesdurchforschung 
von  Böhmen",  Prag  1864,  auch  im  Allgemeinen  des  Granitstockes  im 
Elbtliale.  ^)  Ausführlicher  behandelt  G.  Laube  unseren  Granitit  in 
seinem  bereits  angeführten  Werke  ^) :  „Das  Gestein  besteht  aus  einem 
ziemlich  gleichmässigen  Gemenge  von  fleischrothem  Orthoklas,  ebenso 
gefärbtem  Plagioklas,  rauchgrauem  Quarz  und  Biotit."  ...  „Es  weicht 
in  seinem  Aussehen  wesentlich  ab  von  allen  im  böhmischen  Erzgebirge 
vorkommenden  Gebirgsgraniten,  wozu  neben  dem  rothen  Feldspath  der 
Mangel  an  Kaliglimmer  vornehmlich  beiträgt.  Er  stimmt  vielmehr  mit 
den  Graniten,  welche  bei  Meissen  und  auf  dem  rechten  Elbeufer  bei 
Dresden  angetroffen  werden  ,  zu  welchen  er  wohl  auch  gehört."  .  .  . 
„Als  eine  besonders  eigenthümliche  Ausbildung  muss  die  vollständig 
gneissartige  Form,  welche  das  Gestein  zwischen  Tschirte  und  dem 
Adalbertusfelsen  zeigt,  bemerkt  werden.  Hier  erscheint  der  Glimmer 
derartig  vertheilt^  dass  man  einen  glimmerarmen  Gneiss  vor  sich  zu 
haben  glaubt.  Nur  im  Zusammenhange  mit  dem  folgenden  typischen 
Granite  vermag  man  die  Zugehörigkeit  dieser  Abweichung  in  der 
Structur  zu  erkennen" ;  .  .  .  „zwischen  beiden  Formen  des  Gesteins 
schalten  sich  üebergänge  ein." 

Mineralische  Zusammensetzung  des  Granitits.  Am 
Aufbau  des  Granitits  betheiligen  sich  wesentlich  Quarz,  viel  Plagioklas, 
weniger  Orthoklas  und  Maguesiaglimmer.  Im  normalen  Zustande  des 
Gesteins  ist  nur  brauner  Magnesiaglimmer  vorhanden,  ein  anderer 
Glimmer  fehlt.  Wo  aber  der  Granitit  grösserem  Druck  ausgesetzt  war, 
erscheint  regelmässig  secundär  gebildeter  Kaliglimmer.  Von  accesso- 
rischen  Mineralen  wären  zu  nennen :  reichlich  auftretender  Eisenglanz, 
vereinzelt  Titaneisen,  Apatit  in  feinen  Nadeln  und  grösseren  Krystallen 
mit  abgerundeten  Kanten ,  hie  und  da  Zirkon ,  an  manchen  Orten 
Granat,  auch  Turmalin.  Secundär  treten  ausser  dem  genannten  Kali- 
glimmer noch  Quarz,  Calcit  und  Dolomit  auf.  Die  beiden  letzteren  finden 
sich  in  Form  von  Körnchen  oder  feinen  Trümmern,  welche  kleinste 
Spalten  ausfüllen ,  die  überall  dort  häufig  vorhanden  sind,  wo  das  Ge- 
stein grösserem  Gebirgsdruck  ausgesetzt  war.  Das  Material  für  diese 
Carbonate  stammt  aus  zersetztem  Plagioklas  und  aus  dem  Magnesia- 
glimmer. Stellenweise  braust  das  Gestein  auf  bei  Behandlung  mit 
Salzsäure. 

Auch  der  secundäre  Quarz  heilt  gern  kleine  Spaltrisse  aus  und  stellt 
dadurch  den  durch  mechanische  Vorgänge  gestörten  Zusammenhang 
wieder  her.  Derjenige  (^uarz,  welcher  als  primärer  Gesteinsgcmengtheil 
auftritt,  erscheint  in  grösseren,  einheitlich  aufgebauten  Körnern,  häufig 
aber  als  ein  Haufwerk  von  Körnchen  in  verschiedener  optischer  Orien- 
tirung.  Oft  ist  der  Quarz  getrübt  durch  Flüssigkeitseinschlüsse,  diese  zum 
Theilmit  Libelle,  durch  Glinmierblättchen  und  durch  Eisenglanzflitterchen. 
Vom  Quarz  eingeschlossene  Apatitsäulchen  erscheinen  regelmässig  zer- 
stückelt,  die   einzelnen    Prismenscheibchen   gegeneinander    verschoben. 


')  i>ag.  13. 

•■')  1.  c.  pag.  249,  5,  6. 


127]        üiß  Insel  älteren  Gebirges  und  ihre  niichste  ümgcbuni;  im  EIhthalo  etc        261 

Unter  den  Feldspathcu  tritt  der  Ortkoklas  an  Menge  zurück  gegen- 
üher  dem  Plag-ioklas.  Letzterer  ist  auf  Grund  seiner  optischen  Eigen- 
schaften und  seiner  Dichte ,  die  mit  205  bestimmt  wurde ,  ein  kalk- 
reicher Olig'oklas.  Beide  Feldspathe  sind  im  ganz  frischen  Zustande 
von  grauer  oder  weisser  Färbung ,  so  dass  ein  Granitit  mit  solchen 
Feldspathen  eine  im  Ganzen  graue  Farbe  besitzt.  Wo  aber  das  Gestein 
angewittert  ist  oder  dynamischen  Wirkungen  ausgesetzt  war,  erscheinen 
die  Feldspathe  röthlichgrau  bis  roth  gefärbt ,  und  in  Folge  dessen  ge- 
winnt auch  das  ganze  Gestein  eine  röthlichgraue  Färbung.  Das  ist 
besonders  am  Süd-  und  Nordende  des  Granititstockes  der  Fall,  während 
in  der  Mitte  desselben  der  Granitit  eine  frischere  graue  Färbung  auf- 
weist. Die  secundäre  rothc  Färbung  der  Feldsj)at]ic  scheint  von  mini- 
malen Mengen  einer  Eisenoxydverbindung  herzurühren,  deren  Bildung 
aus  primär  vorhandener  Eisenoxydulsubstan/.  durch  die  dynamischen 
Vorgänge  gefördert  wurde.  Die  bekannte  mikroperthitische  Verwachsung 
verschiedener  Feldspathe  ist  recht  liäufig.  Mehrfach  führen  die  Feld- 
spathe secundäre  Quarzkörnchen  und  blätterige  Zersetzungsj)roducte. 
Die  Zwillingslamellen  des  Oligoklas  sind  häufig  geknickt  und  verbogen ; 
auch  der  Orthoklas  weist  Sprünge  auf,  die  durch  secundären  Quarz 
wieder  verleimt  sind. 

Der  Biotit  tritt  im  Granit  ausser  in  wohlausgebildeten  Krystallen 
auch  in  langgezogenen  Fetzen  auf  von  brauner,  seltener  grüner  Farbe. 
Einschlüsse  sind  nicht  allzuhäufig;  hervorzuheben  wären  solche  von 
Rutilnadeln^  welche  dem  Glimmer  in  drei,  unter  Winkeln  von  60°  sich 
schneidenden  Systemen  eingebettet  sind,  i)  In  Schnitten  parallel  zur 
Basis  der  Glimmerblättchon  kommt  diese  Erscheinung  besonders  schön 
zur  Geltung.  Auch  Apatit  tritt  als  Einschluss  im  Biotit  auf.  Kaliglimmer 
findet  sich  in  der  Form  von  Sericit  regelmässig  in  der  später  zu  be- 
schreibenden Gneissfacies  des  Granitits.  Die  feinschuppigen  Sericit- 
aggregate  bilden  allda  grobe  Flasern,  welche  Quarzfeldspathmosaik  so 
umgeben,  als  wäre  dieselbe  von  Sericit  umflossen. 

Structur.  Das  Gestein  im  Granititstock  besass  ursprünglich 
durchgehends  eine  gleichmässig  körnige  Structur,  die  sich  auch  bis  auf 
die  später  anzuführenden  Fälle  erhalten  hat.  Die  Korngrösse  ist  eine 
mittlere  zu  nennen.  Nur  an  einem  Orte,  etwa  300  Meter  nördlich  von 
der  Südgrenze  des  Stockes  am  rechten  Ufer ,  wird  die  Structur  etwas 
porphyrartig,  indem  aus  einem  kleinkörnigeren  Gemenge  der  consti- 
tuirenden  Minerale  grössere  Feldspath-  und  Biotitkrystalle  hervortreten. 
Eine  abweichende  Ausbildung  an  der  Grenze  des  Granitits  gegen  den 
Thonschiefer  ist  bis  auf  die  Ausscheidung  grösserer  und  wohl  um- 
grenzter Feldspathkrystalle  im  Granitit  entlang  des  Contactes  kaum 
wahrzunehmen.  Es  scheint  demnach  der  Contact  mit  dem  Thonschiefer 
auf  den  Granitit  keinen  wesentlich  structurändernden  Einfluss  genommen 
zu  haben.  Ebensowenig  ist  zu  beachten,  dass  im  Granitit  am  Schiefer- 
contact  irgendwie  Glas  vorhanden  wäre,  auch  nicht  in  den  Granitit- 
quarzen.  Unser  Gestein  verhält  sich  in  dieser  Beziehung  wie  die 
Granitite  von  Barrandlau  und  Hochwald  in  Berührung  mit  dem  Steiger 


1)  Vergl.H.  Rosenbusch,  Mikrosk.  Phys.  d.  Mineral.    2.  Aufl.,   1885,    pag.  483 
und  484. 

34* 


262  J-  E-  Hibsch.  [28] 

Schiefer.  ^)    Der   Granitit   der   schon    erwälinten  Apophysen   weicht    in 
seiner  Structur  nicht  merklich  ab  von  der  Structur  des  Stockes. 

Gneissfacies  des  Granitits.  ^) 

An  mehreren  Stelleu  im  Granititstock  hat  das  Gestein  durch 
grösseren  Gcbirgsdruck  eine  Kataklasstructur  erhalten  mit  Entwicklung 
einer  ausgespiocheuen  Flaserung.  Das  Auftreten  solch  gneissartiger 
Gesteinsausbildung  hat  J.  Jokely  veranlasst,  auf  seiner  oben  ange- 
führten Karte  geradezu  Gneiss  auf  beiden  Ufern  der  Elbe,  rechtsseitig 
sogar  an  zwei  verschiedenen  Stellen,  zu  verzeichnen.  G.  Laube  stellt 
indess  schon  richtig,  dass  dieses  flaserige  Gestein  nur  eine  Gneisfacies 
des  Granitits  darstellt.  ^) 

Folgende  Punkte  des  Granititstockes  zeigen  die  Gneissfacies  recht 
deutlich  ausgeprägt:  Zunächst  am  Nordrande  des  Stockes,  am  Studen- 
bach  rechts  der  Elbe,  beim  Eisenbahudurchlass  nördlich  des  Adalbertus- 
felsens  (des  „Kutschken")  links  der  Elbe;  ferner  am  Südende  des 
Stockes,  nördlich  von  Rasseln,  etwa  in  200  Meter  Höhe  in  gleicher  Ent- 
fernung von  den  beiden  Schneussen  44  und  45;  auch  in  der  Mitte 
des  Stockes,  links  der  Elbe,  in  einer  Erstreckung  von  100  Meter  von 
der  Schneusse  ab  nach  Süden;  dann  rechts  der  Elbe,  der  vorhin  ge- 
nannten Stelle  gegenüber,  in  dem  kleinen  Seitenthälchen ,  welches 
zwischen  Schneusse  43  und  44  in  das  Elbethal  mündet ;  besonders  schön 
aber  an  einem  Felsen  etwa  100  Meter  südlich  von  diesem  Thälchen 
in  180  Meter  Höhe.  —  Bei  der  Mehrzahl  der  hier  angeführten  Vor- 
kommnisse ist  die  Flaserung  des  Gesteins  so  deutlich,  dass  Streichen 
und  Fallen  dieser  Flaserungsrichtung  abgelesen  werden  können :  Streichen 
allenthalben  Ostwest  oder  oststidöstlich  100";  Verflachen  mit  60°  nach 
Norden.  Da  überall,  wo  die  Gneissfacies  auftritt,  dieselben  Richtungen 
im  Streichen  und  Verflachen  gefunden  wurden,  und  die  Flaserstructur 
stellenweise  ungemein  gneissähnlich  sich  zeigte,  wurde  es  während  der 
Feldarbeiten  für  diese  Studien  sehr  begreiflich,  dass  Jokely  zu  seinen 
Anschauungen  betreffend  die  Gneissuatur  dieser  flaserigen  Ausbildungen 
gelangt  ist.  Das  Vorkommen  von  Thonschiefereinschlüssen  im  flaserigen 
Gestein  an  der  Südgrenze  des  Granititstockes  (Rasseln  Nord) ,  ferner 
der  durch  die  mikroskopische  Untersuchung  geführte  Nachweis  ent- 
schiedener Kataklasstructur,  endlich  die  vorhandenen  Uebergänge  von 
der  ausgesprochen  flaserigen  Ausbildung  in  die  granitisch-körnige  sprechen 
entschieden  für  die  Auffassung  dieser  Gesteinsausbildung  als  gneiss- 
ähnliche Facies  des  Granitits. 

Weil  die  Flaserung  dieses  gneissartigen  Granitits  an  allen  Orten 
parallel  gerichtet  ist,  so  muss  die  Erscheinung  auf  einen  einheitlichen 
Ursprung,  auf  eine  gewaltige,  von  Süden  nach  Norden  gerichtete  Druck- 
kraft ursächlich  zurückgeführt  werden.  Die  Thonschiefer  besitzen  im 
grossen  Ganzen  dasselbe  Streichen  mit  gleichfalls  nördlichem  Einfallen 


')  H.  Rosenbusch,  Die  Steiger  Schiefer  u.  ihre  Contactbildungen  a.  d.  Grani- 
titen  von  Barrandlaa  u.  Hochwald.  Strassburg  1877,  pag.  156. 

^)  Gneissfacies  im  Sinne  von  H.  Rosen  bus  ch,  Phys.  d.  mass.  Gesteine.  2.  Anfl., 
pag.  41  u.  42. 

")  1.  c.  pag.  6. 


[29]       ^'^  Insel  alteren  Gebirges  und  ihre  nächste  Umgebung  im  Elbthale  elc.        2(58 

wie  die  Gneissf'ju'ies  des  Grnnitit^.  Die  Anfriclitimu:  derselben  fand 
schon  vor  der  Kruption  des  Oranitits  statt.  Wenn  man  im  jüngeren  (Jranitit 
Wirkungen  jrleich  gerichteter  Kräfte  auffindet,  so  nmssten  deninacii 
dieselben  Kräfte  auch  noch  in  postcarbonischer  (aber  präcretaceischer) 
Zeit  an  der  Arbeit  bleiben.  —  Wie  in  den  oben  beschriebenen  Diabas- 
gängen local  eine  Auswalzung  bis  zum  Diabasschiefer  nachweisbar 
war,  so  ist  auch  innerhalb  des  Granititstockes  die  Zertriinnnerung  und 
Flaserung  nur  an  wenigen  Orten  vor  sich  gegangen,  an  denen  wohl 
irgend  eine  Prädisposition  hiczu  vorhanden  gcw  esen  ist.  Auf  gewaltige 
stattgefundene  Bewegungen  weist  auch  das  gangförmige  Auftreten  einer 
1  bis  2  Meter,  stellenweise  4  Meter  mächtigen  Reibungsbrcccie  mitten 
im  Granititstocke  links  der  Elbe,  nahe  dem  Siidrande  des  Granitits, 
bin.  Auch  diese  Breccie  ist  mit  ihren  Grenzflächen  gegen  den  Granitit 
nach  Ostwesten  gerichtet  mit  saigerem  Einfallen. 

.Eine  Reihe  anders  gerichteter  Bewegungen  und  Verschiebungen 
hat  Hankungen  im  Granititstocke  und  sehr  bemerkenswerthe  Verwer- 
fungen in  Aplitgängen  hervorgerufen,  welche  den  Granititstock  durch- 
setzen. Von  diesen  soll  später  noch  gesprochen  werden. 

Während  das  unbewaffnete  Auge  ausgesprochene  Flaserung  er- 
kennt, tritt  bei  mikroskopischer  Untersuchung  der  Gneissfacies  eine 
„Kataklasstructur"  ^)  scharf  hervor.  Quarze  sind  in  langgestreckte, 
linsenförmige  Körper  ausgewalzt,  die  aus  einem  Aggregat  kleiner,  optisch 
verschieden  orientirter  Körner  bestehen.  Diese  Theilkörner  greifen  mit 
verzahnten  Nähten  ineinander.  Ebenso  sind  die  Feldspathe  (Plagioklas 
und  Orthoklas)  zertrümmert  und  wie  die  Quarze  zu  linsenförmigen 
Aggregaten  gestreckt.  Dabei  wurden  die  Zwillingslamellen  der  Pla- 
gioklase  mannigfach  verbogen.  Die  Feldspathfragmente  verkitten  sich 
untereinander  durch  Schnüre  von  secundärem  Quarz.  Um  die  linsen- 
förmigen Quarz-  und  Fcldspathaggregate  schmiegen  sich  Biotitblättchen 
herum.  Dadurch  wird  vorzugsweise  die  Flaserstructur  hervorgerufen. 
Die  kleinen  Glimmerblättchen  ordnen  sich  gern  in  abgestuften  Reihen. 
Auch  sie  zeigen  durch  Stauchungen  der  Blättchen  den  Einfluss  mecha- 
nischer Wirkungen.  Nicht  selten  sinken  ihre  Dimensionen  zu  solcher 
Kleinheit  herab,  dass  sie  wolkenförmige  Haufwerke  kleinster  Blättchen 
und  Schüppchen  darstellen ,  ähnlich  der  Sericitform  des  Kaliglimmers. 
Neben  Biotit  erscheint  lichter  Kaliglimmer  in  zweierlei  Formen:  er 
bildet  grössere  Blättchen  und  schuppige  Aggregate  von  Sericit.  Er  ist 
wohl  ausschliesslich  secundären  Ursprunges.  Dem  dunklen  Glimmer 
sind  sehr  häufig  kleine  Ilmenitkörnchen,  zum  grossen  Theile  in  Leucoxen 
umgewandelt,  eingebettet.  Mit  den  dunklen  Glimmern  sind  auch  kleine 
Körner  von  Granat  vergesellschaftet.  In  manchen  Feldspathen  treten 
ausserordentlich  zarte  Sillimanitfasern  auf.  Durch  das  ganze  Gestein 
ist  Calcit  verbreitet. 

Die  Dvnamometamorphose  hat  demnach  neben  der  mechanischen 
Umformung  aller  Gemengtheile  des  ursprünglichen  Granitits  auch  die 
Neubildung  von  Kaliglimmer  (und  Sericit),  Granat  und  Sillimanit  hervor- 


*)  „Kataklasstructur"  im  Sinne  von  Th.  Kjerulf,  Grundfjeldprofilet  ved  Mjösens 
sydende  (Nyt  Mag.  f.  naturvid.  XXIX,  3.  Heft,  pag.  215— 294).  Kristiania  1885.  Ref. 
in  N.  Jahrb.  f.  M.,  G.  u.  P.  1886,  H,  243. 


264  J-  £•  Hibsch.  [30] 

gerufen.  Der  sonst  in  mctaniorplien  Graniten  beobachtete  Epidot  konnte 
in  unserem  Gestein  nicht  mit  Sicherheit  erkannt  werden. 

Auch  die  Gesteine  der  sUdliclisten  Granitapopliysen  weisen  eine 
sehr  ausgesprochene  Kataklasstructur  auf,  mit  Neubildung  von  Kali- 
glimmer. 

Chemische    Zusammensetzung    des    Granitits    vom 
Adalbertusfelsen   oder   Kutschken: 

SiO^ 68-58 

P2Ö5 0-40 

Äl^O, 15-67 

Fe^O^ 2-95 

GaO 2-10 

MgO 117 

K^O 5-01 

Na^O 2-36 

H^O .     .  ]-30 

Summe     •     .     9954 


Apiitgänge. 

Granititstock  und  Apophysen  sind  mannigfach  durchsetzt  von 
Aplitgangen.  Dieselben  besitzen  sehr  verschiedene  Mächtigkeit ,  von 
wenigen  Centiraetern  bis  zu  einem  halben  Meter.  Ebenso  wechselnd  ist 
auch  die  Richtung  der  Gänge,  am  häutigsten  kann  man  noch  ein  nord- 
westliclies  Streichen,  Nordwest  1 30"  Südost,  und  ein  Fallen  nach  Nord- 
ost mit'  70  —  75''  beobachten.  Das  Gestein  dieser  Gänge  ist  von 
fast  zuckerkörniger  Beschaffenheit.  Es  besteht  aus  einem  sehr  glimmer- 
armen  Gemenge  von  Quarz,  überwiegend  Kalifeldspath  und  etwas 
zurücktretendem  Plagioklas.  Calcit  und  Chlorit  müssen  als  secundäre 
Minerale  genannt  werden.  Die  Continuität  der  Apiitgänge  ist  allent- 
halben durch  Verschiebungen  in  dem  von  Aplit  durchsetzten  Granitit 
gestört,  wodurch  sich  entlang  der  Apiitgänge  Verwerfungen  zeigen. 
Verwerfungen  dieser  Art  sind  besonders  schön  an  einem  A])litgange 
etwa  150  Meter  vom  Südrande  des  Granititstockes  rechts  der  Elbe  zu 
verfolgen  (s.  Fig.  1  auf  pag.  265  [31]). 

Bankung  und  Verwerfungen  im  Granititstock. 

Wurde  schon  durch  die  Kataklasstructur  der  Gneissfacies  des 
Granitits  festgestellt,  dass  der  ganze  Granititstock  grossem  Drucke 
ausgesetzt  gewesen  ist,  so  wird  dies  auch  noch  documentirt  durch  ein 
System  von  Kluftflächen ,  welche  den  Granitit  in  paralleler  Richtung 
durchsetzen  und  eine  grobe  Bankung  erzeugen.  Die  Kluftflächen  bleiben 
eine  Strecke  weit  aus,  treten  aber  immer  von  Neuem  in  der  alten 
Richtung  auf  Häufig  ist  staubförmiges  Rotheisen  auf  den  Klüften  aus- 
geschieden. Die  Kluftflächen  streichen  nahezu  Ostwest,  nämlich  100"  bis 
110"  nach  Ostsüdost,  und  verflachen  nördlich  mit  Winkeln  von  45"— 50". 


[31]       Die  Insel  älteren  Gebirges  und  ihre  nächste  Umgebung  im  Elbthale  etc.       265 

Da  an  manclien  Orten  in  den  Tlionscliiefern  eine  sccundüre  Scliiefening 
angedeutet  ist,  welche  zu  der  beschriebenen  Bankung  des  Granitits 
parallel  läuft,  so  ist  auf  Druckkräfte  zu  schliessen,  welche  das  ganze 
alte  Gebirge,  Schiefer  und  Granit  beeinflussten.  Durch  dieselben  wurde 
demnach  einerseits  eine  Aenderung  der  Gesteinsstructur  hervorgerufen, 
das  körnige  Gestein  local  zertrümmert  und  die  Trümmer  in  flaseriger 
Anordnung  wieder  verkittet,  andererseits  jedoch  wurde  der  Zusammen- 
hang im  Gestein    stellenweise   aufgehoben   und    eine  Bankung  erzeugt. 


Fig.  1. 


iin  (franih'lStoe/c^i.ji  Rasse/n. 


Maassstab  für  die  Höbe  und  Länge  l  :  50. 


Wie  in  den  meisten  Fällen,  wenn  in  älterem  Gebirge  die  Wir- 
kungen von  Druckkräften,  gewöhnlich  mit  „Gebirgsdruck"  bezeichnet, 
auftreten,  so  ist  man  auch  hier  nicht  im  Stande,  diese  bestimmt  erkannten 
Wirkungen  auf  sichere  Ursachen  zurückzuführen.  Es  muss  unentschieden 
gelassen  werden,  welche  Druckwirkung  in  unserem  Falle  dem  Gewicht 
der  einst  über  dem  „Tiefengestein"  lastenden  Massen  zuzuschreiben, 
welche  Wirkung  den  unbekannten  ,  horizontal  schiebenden  Faltungs- 
kräften, und  welche   einer   eventuellen  Volumsvermehruug  der    Silicate 


266  J.  E.  Hibsch.  [32] 

beim  Uebergange  aus  dem  glutflüssigen  in  den  festen  Aggregatzustand  ^) 
zu/uzäblen  ist.  Von  anderen  eine  Vohimsvermebrung  berbeifübrenden 
Factoren ,  als  Wasseraufnabnie ,  Oxydation ,  sonstige  ebemisebe  Um- 
setzungen u.  s.  w.,  sei  bier  ganz  abgeseben. 

Vorgänge  anderer  Art  baben  im  Gestein  grössere  Versebiebungen 
veranlasst.  Dieselben  würden  sieb  der  Wabrnebmung  entzieben ,  weil 
sie  im  Granitit  selbst  gar  nicbt  auffallen ,  wenn  nicbt  durcb  sie  aucb 
die  Aplitgänge  ,  welcbe  den  Granititstock  durcbsetzen ,  zerstückelt  und 
die  einzelnen  Tbeile  gegeneinander  verworfen  wären.  Besonders  ein 
grosser  Aplitgang,  welcber  oben  auf  pag.  264  [30]  bereits  erwäbnt  wurde, 
zeigt  dies  sebr  scbön  (Fig.  1).  Die  Verwerfungsklüfte  streicben  Südost 
140°  und  fallen  Südwest  mit  Winkeln  von  20".  Die  Ricbtung  dieser 
Klüfte  ist  von  den  früber  bescbriebenen  Kluftsystemen  verscbieden.  Im 
Ganzen  müssen  die  Versebiebungen  im  Granititstocke  recht  bedeutende 
sein;  man  misst  auf  die  kurzen  Entfernungen  von  4  Meter  Vertical- 
und  ebensoviel  Horizontalabstand  eine  Sprungböbe  von  im  Ganzen 
3  Meter  als  Summe  der  Partialsprungböben  auf  den  einzelnen  Ver- 
werfungsklüften. Störungen  dieser  Art  scbeinen  ursäcblicb  nicbt  auf 
einen  Druck  zurückfübrbar,  vielmehr  scbeinen  sie  stattgefunden  zu  baben 
als  ein  Nacbsinken  in  Folge  Ausweicbens  des  südlicben  Widerlagers, 
also  im  Zusammenbange  mit  dem  tertiären  Einbrucbe,  welcber  den 
südlicben  Tbeil  unserer  alten  Gebirgsinsel  so  stark  in  Mitleidenschaft 
zog.  Bemerkenswertb  ist  es,  dass  die  Riebtungen  der  beiden  Kluft- 
systeme im  Granititstock,  des  ersteren  nacb  Norden  einfallenden  und 
des  zweiten  nacb  Süden  geneigten,  auf  einander  senkrecbt  steben. 

Neben  der  erwäbnten  Zerklüftung  bemerkt  man  im  Granititstock 
noch  die  vielen  Granititen  eigene  grosscubiscbe  Absonderung.  Bei  der 
Verwitterung  zerfällt  unser  Granitit  in  einen  zuerst  grob-,  später  fein- 
körnigen Grus.  Dieser  kann  sieb  bei  der  grossen  Steilbeit  der  Tbal- 
gebänge  nur  an  wenigen  Stellen  zu  grösseren  Massen  anhäufen. 


IV.  Die  Contactzone  am  Granititstocke. 

Die  Tbonscbiefer  unseres  Gebietes  weisen  in  der  Umgebung  des 
Granititstockes  contactmetamorpbiscbe  Phänomene  auf.  Dieselben  sind 
am  unmittelbaren  Contact  von  Granit  und  Scbiefer  am  stärksten  aus- 
geprägt und  treten  mit  der  wacbsenden  Entfernung  vom  Granititstocke 
allmälig  zurück.  Am  linken  Ufer  reicht  die  Zone  der  umgeänderten 
Schiefer  von  der  Granitgrenze  bis  zum  nördlichsten  Diabasgange ;  die 
zwiscben  den  Diabasgängen  vorhandenen  Scbiefer  scbeinen  vom  Granit 
aus  unbeeinflusst  geblieben  zu  sein ,  wäbrend  alle  Diabase  die  schon 
oben  bescbriebene  Umwandlung  erfahren  baben.  Wäbrend  die  Zone  der 
Contactwirkung  im  Tbonscbiefer  demnacb  nur  800  Meter  misst,  reicbt 
sie  in  Bezug  auf  den  Diabas  bis   zu    1200  Meter  Entfernung   von   der 


')  Vergl.  Friedr.  Nies,  lieber  d.  Verhalten  d.  Silicate  beim  Ueberg.  aus  dem 
glutflüss.  in  d.  festen  Aggregatzustand.  Progr.  z.  70.  Jahresfeier  d.  k.  w.  landw. 
Akad.  Hohenheim,  Stuttgart  1889;  ferner  Lang  Dissert.  Halle  187;^;  Hornstein, 
Zeitscbr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1883,  636. 


[33]       ^^^  Insel  älteren  Gebirges  und  ihre  nächste  Umgebung  im  Elbthale  etc.        267 

Granitgrenze.  Auf  der  rechten  Seite  der  Elbe  erstreckt  sich  die  meta- 
morphe Schieferzone  bis  auf  1400  Meter  Entfernung  von  der  Siidgrenze 
des  Granitstockes,  Innerhalb  der  Contactzone  des  rechten  Ufers  gewahrt 
man  als  Beginn  der  Contactwirkung  an  der  Südgrenze  der  Zone  das 
Auftreten  kleiner ,  dunkel  gefärbter  Flecke  auf  den  Spaltflächen  der 
grauen  Thonschiefer.  Weiter  gegen  den  Granitit  zu  werden  die  Flecke 
deutlicher  und  grosser.  Nur  die  dünnschieferigen  Thonschiefer  weisen 
solche  Flecke  auf,  die  dickbankigen  Grauwackcnschiefcr  zeigen  gar 
keine  Veränderung.  An  mehreren  Orten  südlich  von  Rasseln,  so  im 
Eibbett,  dann  unterhalb  des  aufgelassenen  Schleifsteinbruches ,  der  im 
Unterquader  angelegt  war,  südlich  von  Schneusse  1 ,  bei  dieser  Schneusse 
selbst  und  a.  a.  0.  ist  der  Fleckschiefer  härter  und  sondert  sich  in 
rhomboidalen  Stücken  ab.  Diese  beiden  Eigenscliaften  gestatten  eine 
Verwendung  dieses  Fleckschiefers  als  „Wetzschiefer".  Bei  Rasseln  selbst 
ist  der  metamorphe  Schiefer  leider  durch  eine  Schutthalde  von  Labiatiis- 
quader  verdeckt.  Erst  nördlich  von  diesem  Orte  tritt  wieder  Schiefer 
zu  Tage.  Dieser  ist  jedoch  in  der  Umwandlung  viel  weiter  vorgeschritten: 
er  stellt  einen  Knotenschiefer  dar.  Auch  der  Knotenschiefer  wechsel- 
lagert mit  Bänken  von  Grauwackenschiefern ,  welche  Veränderungen 
nur  in  unbedeutender  Weise  erkennen  lassen.  Zuletzt,  unmittelbar  im 
Granitcontact,  tritt  eine  schmale  Zone  von  Hornfels  auf. 

Einfacher  gestaltet  sich  die  Contactzone  auf  der  linken  Seite  der 
Elbe.  Die  erste  Contactwirkung;  im  Thonschiefer  ist  nördlich  vom 
Diabasgang  III  zu  bemerken.  In  der  Umgebung  des  Gasthauses  („Glöckel- 
scbenke")  in  der  Tschirte  steht  ein  grau-violett  gefärbter  Thonschiefer 
an  von  etwas  gröberem  Korn ,  als  der  normale  Thonschiefer  besitzt. 
Auf  den  Schieferungsflächen  des  minder  dünnschieferigen  Gesteines 
zeigen  sich  kleine,  lichte  Glimmerschtippchen ;  auf  den  sonstigen  Kluft- 
flächen ist  viel  rothes  Eisenoxydpulver  ausgeschieden.  Auch  der  minera- 
lische Bestand  weicht  von  dem  des  normalen  Thonschiefers  ab,  da  zu  den 
Gemengtheilen  des  letzteren,  nämlich  Quarz  und  Glimmer,  noch  rothe 
Eisenoxydschüppchen  und  sehr  häufig  winzige  Turmalinprismen  treten.  Ein 
Auftreten  von  Flecken  ist  nicht  zu  bemerken.  Näher  zum  Granitit,  aber 
nördlich  vom  Tschirtenbache,  steht  schwarzgrauer,  harter,  undeutlich 
geschichteter,  aber  stark  zerklüfteter  Grauwackcnschiefcr  an,  mit  welchem 
Lagen  von  „Fleckschiefer"  wechsellag-ern.  Diesem  folgt  auf  eine  Ent- 
fernung von  20  Meter  sofort  „Knotenschiefer".  Die  folgende  Zone  und 
der  unmittelbare  Granitcontact  sind  leider  durch  eine  150  Meter  breite 
Schutthalde   von  Quadersandstein  verdeckt. 

Fleck  schiefer.  Vom  normalen  Thonschiefer  unterscheiden  sich 
die  in  der  äussersten  Contactzone  auftretenden  Fleckschiefer  durch 
Flecke  von  dunklerer  Färbung  und  stärkerem  Glanz,  welche  dicht 
gesäet  auf  den  Schichtungsflächen  erscheinen  und  sich  vom  lichter  ge- 
färbten Thonschiefer  scharf  abheben.  Hervorgerufen  sind  die  Flecke 
durch  flachgedrückte,  längliche  Körperchen  von  etwa  3  Millimeter  Länge, 
1  Millimeter  Breite  und  der  im  Vergleich  zur  Länge  ganz  geringen 
Dicke  von  O'l — 0'2  Millimeter.  Sie  sind  im  dünnschieferigen  Thon- 
schiefer regellos  eingestreut.  Wegen  ihrer  so  geringen  Dicke  kann 
man  die  scheibenförmigen  Körperchen  nicht  gut  „Knoten"  nennen.  Bei 
mikroskopischer  Untersuchung   heben   sich  die  Körperchen  als  dunkle, 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1891,  41.  Band.  2.  Heft.  (J.  E.  Hibsch.)       35 


268  J-  E-  Hlbsch.  [34] 

in  die  Länge  gezogene ,  elliptisch  umgrenzte  Flecke  von  der  lichten 
Schieferniasse  ab.  Sie  sind  nicht  durch  Anhäufung  eines  Pigmentes 
entstanden,  ebensowenig  durch  Concretionen  von  Mineralien  des  übrigen 
Gesteinsgewebes ;  vielmehr  stellen  sie  gegenüber  den  übrigen  Gesteins- 
gemengtheilen  im  Thonschiefer  etwas  Fremdes,  Neugebildetes  dar.  Die 
Flecke  erscheinen  als  ein  Gemenge  von  lappig  umgrenzten  Chlorit- 
schuppen  und  Quarzkörnchen.  Chloritschuppen  besitzen  Pleochroismus : 
farblos-a])felgrün.  Zwischen  gekreuzten  Nicols  entwickeln  sie  blaue 
Interferenzfarben.  Schwefelsäure  löst  sie  nur  schwer  unter  Abscheiden 
von  Kieselgallerte.  Vielleicht  sind  Chlorit  und  Quarz  ans  ehemals  vor- 
handenem Cordierit  hervorgegangen.  ^)  Das  zwischen  diesen  scheiben- 
förmigen Körperchen  vorhandene  Gesteinsgewebe  besteht  aus  unver- 
änderter Thonschiefermasse :  ein  innigstes  Gemenge  von  Quarzkörnchen 
und  Glimmerblättchen,  vorwiegend  Kaliglimmer,  untergeordnet  Magnesia- 
glimmer; hie  und  da  eingestreute  Pyritkrjställchen. 

Eine  Bauschanalyse  eines  Fleckschiefers  („Wetzschiefer")  vom 
Promenadenwege  unterhalb  des  aufgelassenen  Schleifsteinbruches  südlich 
von  Rasseln  lieferte  die  Resultate  V;  in  11  ist  die  Analyse  eines  un- 
veränderten Thonschiefers  vom  rechten  Eibufer;  in  I  die  eines  vom 
linken  Ufer  der  Elbe  wiederholt. 

Analy.se  V  Analyse  II  Analyse  I 

SiO^ 62-31  62-94  61-60 

ALO, 22-35  17-49  20-32 

Fe^O, 3-68  8-08  8-03 

CaO 0-58  1-21  1-20 

MffO 1-84  2-54  2-83 

K^O 3-32  3-53  2-35 

Na^O 1-72  1-26  1*43 

H^O   .     .     .     .     .     ■  3-98 3;46 2-18 

Summe     .     .  99-78  100  51  99-94 

Dichte      .     .  2-75  2-68  2-79 

Knotenschiefer.  Die  zweite  Stufe  contactmetamorpher  Um- 
wandlung, die  sich  vom  Stadium  der  Fleckschiefer  gut  unterscheiden 
lässt ,  wird  von  Knotenschiefern  gebildet.  Bei  diesen  liegen  in  einer, 
im  Vergleiche  zum  Fleckschiefer  dunkleren,  krystallinischen  und  grob- 
schieferigen  Thonschiefermasse  schwarzgraue,  seidenglänzende  Knötchen 
und  Schmitzen.  Die  Knoten  und  dunklen  Schmitzen  des  Knotenschiefers 
nördlich  der  Tschirte  am  linken  Ufer  erweisen  sich  bei  der  mikrosko- 
pischen Untersuchung  als  linsenförmige  oder  streifenartige  Aggregate 
von  vorwiegend  SericitschU])pchen ,  die  sich  im  Gegensatze  zum  ma- 
kroskoi)ischcn  Verhalten  als  hellere  Partien  von  der  dunkleren  Grund- 
masse abheben.  Die  Gruudmasse,  welche  in  Form  von  Flasern  und 
einzelnen  Lagen  die  genannten  Aggregate  umgiebt,  besteht  aus  einem 
Gemenge  von  Quarzkörnchen,  Biotitblättchen  und  Kaliglimmerschuppen 
und  -Blättern ,  dem  Pyrit ,  Eisenglimmer  und  kurze ,  dicke  Turmalin- 
säulchen  eingestreut  sind.  Die  im  Contact  ausgebildeten  Biotitblättchen 

')  Auch  E.  Hussak  hat,  heobachtet,  wie  Knoten  in  einigen  Knotenschiefern  aus 
der  Zersetzung  eingewacliseuer  Kiystalle  von  Cordierit,  Andalusit  u.  s.  w.  hervorgegangen 
sind.  Verhandl.  d.  natiuliistor.  Vereines  d.  Rlieinlande  u.  Westphalens.  1887,   XLIV.  Bd. 


[351       ^iö  Insel  älteren  Gebirges  und  ihre  nächste  Umgebung  im  Elbthale  etc.       269 

überwiegen  in  diesem  Gemenge  die  übrigen  Minerale.  —  Der  Knoten- 
schiefer, wie  er  am  rechten  Elbufcr  uönllii-h  von  Hasseln  am  Fahrwege 
im  Walde  anstellt,  hat  eine  noch  weiter  vorgeschrittene  krystallinische 
Ausbildung  erfahren.  Auch  er  besteht  aus  abwechselnden  Lagen,  lang- 
gestreckten   Linsen    und    Flasern    von    einem   Qiiarzbiotitgemenge    und 
Sericitaggregaten  mit  Cordieritresten.    Die  letzteren  sind  unregclmässig 
begrenzt,  farblos  und  reich  an  Einschlüssen.     Die    biotitreichen    Lagen 
sind  grobkörniger  als  die  feinschuppigen  Sericitanhäufungen.  Auch  hier 
sind  Turmalinkrystalle  in  Form  kurzer,  dicker,  im  Querschnitt  ungleich 
sechsseitiger,    an  den  Enden  der  Hauptachse  hemimorph  ausgebildeter, 
gelbl)rauner  Säulchen    eingestreut,    desgleichen  ßlättchen  rothen  Eisen- 
oxyds.    In    diesen    Knotenschiefern   erscheinen    fast   alle   Gemengtheile 
in  Folge  contactmetamorphen  Einflusses  neu  gebildet:  Cordierit,  Biotit. 
Kaliglimmer,  Turmalin  und  Quarz.  Glimmer  und  Quarz  sind  bei  weitem 
grossblätteriger  und  grobkörniger  als  im  normalen  Thonschiefer  ^)    und 
ebenso    wie   die ,    dem    unveränderten    ISchiefer    fremden ,    eigentlichen 
Contactminerale  in  der  bekannten,  für  die  Neubildungen  innerhalb  der 
Contactzonen  so  charakteristischen  Weise  als  einschlussreiche  Krystall- 
skelete  entwickelt.  ^)     Da  vom  Chlorit ,  der  in  den  Fleckschiefern  vor- 
handen war,  in  den  Knotenschiefern  nichts  zu  sehen  ist,  so  mag  wohl 
der  Magnesiaglimmer  hier  an  dessen  Stelle  getreten  sein,  ^)  Die  Sericit- 
anhäufungen  sind  offenbar  an  Stelle  des  Cordierits  bei  dessen  Umänderung 
getreten.     In    dem    so  häufigen  Auftreten  von  Sericit  und    in    der   ge- 
streckten Structur  des  Knotenschiefers   sind   wohl   Beweise   zu   suchen, 
dass  die  dynamischen  Einflüsse,    welche  im  Granitit  erkennbar  waren, 
auch  am  Knoten-  und  Fleckschiefer  nicht  spurlos  vorübergegangen  sind. 
In  Folgendem  die  Bauschanalyse  eines  Knotenschiefers  vom  Wald- 
wege nördlich  von  Rasseln. 

Analyse  VI 

SW^ 62-85 

Al^O^ 20-43 

Fe^Os 8-26 

GaO 0-79 

MgO 0-93 

K^O 2-81 

Na^O 1-11 

H,0 .  3-11 

Summe     .     .     100-29 
Dichte      .     .       2-732 

Hornfels.  Bei  weiterer  Annäherung  an  den  Granitit  folgen  Ge- 
steine, welche  durchaus  krystallinisch  und  entweder  gleichmässig  fein- 
körnig oder  ähnlich  den  Knotenschiefern  lagenweise  streifig- körnig 
entwickelt  sind.  Beiderlei  Ausbildungsweisen  müssen  als  Hornfelse  an- 
gesprochen werden.  Der  erstere  derselben  ist  fast  schwarz  von  Farbe. 
Er  besteht  aus  Quarzkörnern,  Biotitblättern  und  Sericitaggregaten,  mit 

0  Vergl.  H.  Rosenbusch,  Die  Steiger  Schiefer  u.  s.  w.,  pag.  192. 

^)  Ä.  Sauer,  Erläuterungen  zur  geol.  Specialkarte  d.  Königreiches  Sachsen. 
Section  Meissen.  1889.  —  O.Herr  manu  und  E.Weber,  Contactmetam.  Gesteine  d. 
westl.  Lausitz.  N.  Jahrb.  f.  M.,  G.  u.  P.  1890,  H,  188. 

^)  Vergl.  H.  Rosenbusch,  1.  c.  pag.  198. 

35* 


270 


J.  E.  Hibsch. 


[36] 


Von 


Resten  von  Cordieritkrvstallen ,  liie  nnd  da  ein  Apatitkorn. 
Schichtung  ist  jede  Spur  verschwunden.  Dieser  llornfels  ist  nadi 
seinem  mineralischen  Bestände  ein  Q  narzgiimme  rfels  mit  unter- 
g-eordnetem  Cordierit.  Hornfels  von  dieser  Ausbildung  tritt  besonders 
in  einer  etwa  20  Meter  mächtigen  Zone  in  der  Umgebung  der  Granit- 
apojihyse  (Rasschi  Nord)  auf.  Zwischen  dieser  Apopliyse  und  dem 
Granititstocke  stellt  hingegen  Hornfels  der  zweiten  Ausbildungsart  an. 
Dieser  nähert  sich  in  der  Structur  durch  abwechselnd  im  Gestein  vor- 
herrschende sericitreiche  und  biotitreiche  Lagen  dem  oben  beschriebenen 
Knotenschiefer.  Auch  dieser  zweite  Hornfels  ist  ein  Quarz  gl  i  mmer- 
fels  mit  zurücktretendem  Cordierit.  Dieser  Hornfels  enthält  Turmalin, 
welcher  dem  ersteren  abgeht. 

Der  gleichmässig  körnige  Hornfels  besitzt  dieselbe  für  contact- 
metamorphe  Gesteine  so  charakteristische  Structur,  welclie  von  A. Sauer") 
aus  dem  Contacthofe  des  Syenits  von  Meissen  als  „Maschenstructur", 
von  0.  H  e  r  r  ni  a  n  n  und  E.  W  e  b  e  r  2)  aus  der  westlichen  Lausitz  als 
„bienenwabige  Structur"  beschrieben  worden  ist.  Für  dieselbe  ist  be- 
zeichnend die  Polyederform  der  Quarze,  die  geradflächige,  unverzahnte 
Verbindung  von  Quarz  und  Glimmer.  Diese  Bienenwabenstructur  geht 
dem  lagenweise  streifigen  Hornfels  ab. 

Beiden  Hornfelsformen  gemeinsam  ist  aber  die  durch  den  Reichthum 
an  Einschlüssen  bedingte  skeletartige  Ausbildungsweise  aller  im  Contact 
neu  gebildeten  Minerale  :  Magnesiaglimmer ,  Quarz ,  Kaliglimmer ,  Cor- 
dierit, ja  selbst  des  Turmalin.  Eine  Neubildung  von  Feldspath  scheint 
im  Contact  nicht  stattgefunden  zu  haben. 

Die  eigenthümliche  strcifig-lagen weise  Structur  mit  Sericitquarz- 
aggregaten  ist  wohl  nur  ein  Product  der  Dynamometamorphose,  welcher 
dieser  Hornfels  unterworfen  war. 

Die  chemische  Zusammensetzung  eines  lagenweise  streifigen  Horn- 
felses  ist  durch  Analyse  VH  gegeben.  Zum  Vergleiche  mit  derselben 
sind  die  früher  bereits  angeführten  Analysen  von  unverändertem  Thon- 
schiefer  I  und  H,  Fleckschiefer  V  und  Knotenschiefer  VI  hier  wiederholt. 


Analyse   I 

Unveränderter 

Thonächiefer 

des    rechten 

Eibufers 

Analyse  II 

Unveränderter 

Thon  schiefer 

des  linken 

Ufers 

Analyse  V 
Fleckschiefer 
Rasseln   Süd 

Analyse  VI 
Knoten- 
schiefer, 
Rasseln  Nord 

Analyse  VII 
Streifig.  Horn- 
fels, nahe  der 

Granititapo- 

physe, 
Rasseln  Nord 

SiO^    .  .  61-60 

62-94 

62-31 

62-85 

66-64 

Ak  Os  .  .  20-32 

17-49 

22-35 

20-43 

22-06 

Fe^O^.  .     8-03 

8-08 

3-68 

8-26 

4-32 

CaO    .  .     1-20 

1-21 

0-58 

0-79 

1-80 

MgO   .  .     2  83 

2-54 

1-84 

0-93 

1-24 

K^O    .  .     2-35 

3-53 

3-32 

2-81 

2-16 

Na^O.  .     1-43 

1-26 

1-72 

1-11 

1-00 

H,0   .  .     2-18 

3-46 

3-98 

3-11 

2-18 

Summe  .  9994 

100-51 

99-78 

100-29 

101-40 

Sp.  Gew.     2-792 

2-68 

2-75 

2-73 

2-73. 

*)  A.  Sauer,  Erläuterungen  zur  geol.  Specialkarte  d.  Königreiches  Sachsen. 
Section  Meissen,  pag.  56  und  57. 

'')  0.  Herr  mann  und  E.  Weber,  Contactmetam.  Gesteine  d.westl,  Lausitz,  Neues 
Jahrb.  f.  M.,  G.  u.  P.  1890,  H,  187. 


37]        Die  Insel  älteren  Gebirges  und  ihre  nächste  Umgebung  iiu  Elltthale  etc.         21] 

Gran  wack  en  schiefer  im  Orani  ti  tco  n  tact.  Die  inner- 
halb der  Contact/onc  anstehenden  (iraiiwackensciiierer  weisen  gej^en- 
über  dem  Thonscliiefor  eine  minder  enerj^ischi  IJiniinderiing  auf.  In 
den  gröber  striiirtcn  Gesteinen  iiabcn  Quar/.e  und  Feldspathe  fast  i:;ar 
keine  Veränderun,:;"  erfahren,  selbst  nicht  an  jenen  Orten  der  Contact- 
zone ,  an  denen  der  Thonschiefer  das  llmvvandlungsstadiiun  der  llorn- 
felse  erreicht  hat,  zwischen  der  Granitaijophyse  und  dem  Granitstocke 
nördlich  von  Hasseln.  Eine  Veränderung  tritt  nur  in  der  Zwischenmas-ie 
zwischen  den  genannten  grösseren  Körnern  von  Quarz  und  Felds|iatii 
auf.  In  derselben  bilden  sich  grössere  Blatter  von  Magnesia-  und  Kali- 
glimmer neu.  Ja  es  kann  sich  die  contactmetamorphe  IJmiinderung 
bis  zur  Ausbikiung  von  Cordicrit  in  der  Zwischenniasse  steigern.  Die 
charakteristische  „Bienenwabenstructur"  tritt  nirgends  hervor.  Selbst 
die  skeletartige  Ausbildung  der  neu  entstandenen  Minerale  ist  nur  theil- 
weise  eingetreten.  In  der  äusseren  Erscheinung  sind  die  Grauwacken- 
schiefer  wenig  verändert.  Sie  erscheinen  dem  blossen  Auge  von  Orten 
ausserhalb  der  Contactzone  als  dieselben  dunkelgrauschwarzen ,  dem 
Schieferhornfels  nicht  unähnlichen,  feinkörnigen  Gesteine  wie  von  Stellen, 
wo  benachbarter  Thonschiefer  schon  in  Knotenschiefer  oder  in  Quarz- 
glimmerfels umgewandelt  wurde. 


Schliesslich  sei  daran  erinnert,  dass  die  Contactzone  unseres  Ge- 
bietes nur  einen  Theil  des  durch  die  Arbeiten  von  Naumann  und 
Cotta,  Mietzsch,  Rosenbusch,  Beck  u.  s.  w.  bekannten  Contact- 
gebietes  des  „Eibthalgebirges"  darstellt  und  (sowie  unser  gesammtes 
Schiefergebiet)  seine  Fortsetzung  am  linken  Eibufer   in  Sachsen   findet. 

Auch  in  unserem  Gebiete  sind  durch  die  Contactmetamor- 
p  h  0  s  e  die  innerhalb  der  Zone  der  Contactwirkungen  vorhandenen  Ge- 
steine in  ungleicher  Weise  je  nach  ihrer  Metamorpho- 
sirungsfähigkeit  beeinflusst  worden,  die  Diabase  und 
Thonschiefer  in  stärkerem  Grade  als  die  Grauwacken- 
schiefer.  Auf  die  Thatsache  einer  ungleichen  Beeinflussung  im  Con- 
tact,  bedingt  durch  das  der  Contactwirkung  unterworfene  Material ,  ist 
von  Brögger,  Barrois  u.  A.  bereits  hingewiesen  worden.  Die 
Contaetmetamorphose  hat  in  denvonihrerfasstenThon- 
schiefern  eine  Neubildung  der  Minerale  Quarz,  Magnesia- 
glimmer, Kaliglimmer,  Cordierit,  Tu r malin  und  in  minder 
auffälliger  Weise  auch  der  Eisenerze  veranlasst.  Dadurch  wurde  ein 
fast  vollständiges  Umkrystallisiren  der  Gesteinsbe- 
standtheile  bewirkt,  welches  schliesslich  eine  subkrystallinische 
Structur  herbeiführte.  In  den  Diabasen  wurde  innerhalb 
der  Zone  der  Contactwirkung  die  Uralitisirung  des  Au- 
gits  hervorgerufen. 


V.  Die  Lamprophyre. 

Thonschiefer  sowohl,  als  auch  der  Granititstock  werden  von  ver- 
schieden mächtigen  Lamprophyrgangen  durchsetzt.  Am  rechten  Ufer  finden 
sich  solche  Gänge  :  1.  Im  Thonschiefer  über  der  vierten  Granitapophyse, 


272 


J.  E.  Hibsch. 


[38] 


von  Süden  an  g:e7älilt;  nur  in  Form  stark  zersetzter,  loser  Blöcke  be- 
kannt. 2.  Nchdlicli  der  Riese,  welche  vom  aufgelassenen  Schleifstein- 
brucli  südlich  von  Schneusse  1  zur  Elbe  niederluhrt,  setzt  im  Grau- 
wackenschiefcr  ein  80  Centimeter  mächtiger  Gang  auf  mit  schmalem, 
stark  zersetztem ,  schieferigem  Salband.  3.  Im  Granititstock ,  Rasseln 
Norden,  tritt  südlich  von  Schneusse  44  ein  10  Meter  mächtiger  Gang 
auf,  mit  südöstlichem  Streichen.  Am  linken  Ufer  sind  nur  zwei  solcher 
Gänge  bekannt:  4.  Heim  Eisenbalmdurchlass  nördlich  der  Schneusse  30, 
mit  südöstlichem  Streichen  und  nordöstlichem  Verflachen;  auf  seiner 
Grenzfläche  gegen  den  Granitit  ist  ein  Harnisch  ausgebildet.  5.  Südlich 
am  Adalbcrtusfelsen  tritt  ein  Schwärm  von  Lamprophyrgiingen  auf, 
welche  alle  südöstlich  streichen,  Südost  160°  (s.  Fig.  2). 


Lamprophyrgänge  (L  \—h)  im  Grauititstocke  (Ot) 
am  Adalbertusfelsen. 


Die  Lampropbyre  des  Elbthales  stellen  grauschwarze  Gesteine 
dar  von  mittlerem  bis  feinem  Korn.  In  der  Verwitterung  sind  manche 
bereits  arg  vorgeschritten,  so  dass  ursprüngliche  Structnr  und  Zusammen- 
setzung nicht  überall  in  gewünschter  Schärfe  erkannt  werden  können. 
Doch  lässt  sich  mit  Sicherheit  constatiren,  dass  die  Gesteine  aller  Gänge 
derzeit  von  gleicher  Structur  und  mineralischer  Zusammensetzung  sind. 

Alle  Elbthallamprojihyre  setzen  sich  wesentlich  aus  Hornblende 
und  Orthoklas  zusammen,  gehören  demnach  zu  den  syenitischen  Lampro- 
phyren,  und  zwar  zu  der  Gruppe  der  „Vogesite"  Rose  nbusch's.  ^) 
Neben  Hornblende  tritt  ein  dunkler  Glimmer  local  häufig  auf,  während 
an  anderen  Stellen  der  Gänge  Glimmer  ganz  zurücktritt.  Augit  ist  nicht 
zu  finden.  Ausser  Orthoklas  stellt  sich  untergeordnet  ein  Plagioklas  ein, 
der  im  Lamprophyrgang  des  Granititstockes  rechts  der  Elbe  allerdings 
sehr  häufig  wird.  Im  ganzen  Gestein  finden  sich  allenthalben  feinere 
und  stärkere  Apatitnadeln  sehr  zahlreich  vor.  Dieselben  sind  in  manchen 
Gängen  der  Quere  nach  in  einzelne  Glieder  zerdrückt ,  die  vollständig 
auseinander  geschoben  sein  können.  Untergeordnet  nur  treten  Magnetit 
und  Titanit  auf.  Diesen  jjrimären  Gemengtheilen  stehen  Calcit,  Quarz 
und  Epidot   als   secundär   entstaiulene   gegenüber.    Besonders   letzterer 


*)  Mikroskop.   Phys.  d.  mass.  Gesteine.  II.  Auflage,  pag.  315. 


[39]       Die  Insel  älteren  Gebirges  und  ihre  iiiicliste  Umgebung  im  Elbthale  etc.       273 

überwucliert  in  dem  Laniprophyrgang-c  südlich  von  Rasseln  alle  übrigen 
Gemengtlieile. 

Die  Structur  der  Elbtliallaniprophyre  ist,  da  eine  Wiederholung 
in  der  Krystallisation  der  einzelnen  Geniengtheile  nicht  eintrat ,  keine 
porpliyrische,  sondern  eine  körnige.  Soviel  bei  dem  zersetzten  Zustande 
dieser  Gesteine  festzustellen  ist,  haben  sich  nicht  alle  constituirenden 
Minerale  automorph  ausgebildet,  vielmehr  scheint  dies  nur  bei  der  Horn- 
blende der  Fall  zu  sein,  während  die  Feldspathe  xenomorph  auftreten. 
Hornblendekrystalie  v^^erden  ringsum  von  breitleistenförmigcn  und  körni- 
gen Feldsjiathcn  umgeben.  Gegen  die  Grenzflächen  zu  wird  das  Gang- 
g:estein  durch  ein  feineres  Korn  der  Gemengtheile  dichter.  Ja  es  tritt 
allda  eine  entschiedene  Fluidalstructnr  parallel  zu  den  Contactflächen 
auf.    Ausnahmsweise  ist  ein  schieferiges  Salband  zu  beobachten. 

In  Bezug  auf  die  Ausbildung  der  einzelnen  Gemengtheile  mag 
Folgendes  hervorgehoben  werden.  Die  automorphe,  zu  den  ältesten  Aus- 
scheidungen gehörende  Hornblende  zeigt  prismatische  Formen,  an  denen 
im  Querschnitte  oo  P(llO)  und  oo  P  oo  (010)  gut  zu  beobachten  sind; 
die  terminale  Begrenzung  lässt  sich  in  Längsschnitten  nicht  scharf  de- 
finiren.  Die  Färbung  der  Hornblende  ist  lederbraun,  fleckenweise  durch 
secundäre  Ausbleichung  grün  oder  ganz  farblos,  letzteres  namentlich 
an  den  Prismenenden.  Ausbleichung  verändert  die  Auslöschungsschiefe 
nicht,  welche  zu  14",  löö",  17"  und  bis  zu  20"  gegen  die  parallelen 
Spaltrisse  in  Schnitten  der  Prismenzone  gefunden  wurde.  Eine  Zer- 
faserung an  den  Enden  der  Hornblendepiismen  findet  unter  normalen 
■  Verhältnissen  nicht  statt.  Nur  dort,  wo  mechanische  Einflüsse  sich  auch 
sonst  geltend  machen,  sind  die  Hornblenden  nicht  allein  an  den  Enden 
aufgefasert,  sondern  durch  die  ganze  Masse  des  Krystalls  „schilfig". 
Nicht  selten  erscheinen  dann  auch  die  Fasern  der  schilfigen  Hornblende 
in  ihrer  Gesammtheit  verbogen,  ja  selbst  geknickt.  Die  schilfige  Horn- 
blende besitzt  die  bekannte  apfelgrüne  Färbung.  Pleochroismus  ist  bei 
der  „compacten"  braunen  Hornblende  deutlich,  schwächer  bei  der 
grünen ,  gar  nicht  bei  der  farblosen  vorhanden.  Hingegen  zeigen  die 
farblosen  Stellen  der  „compacten"  Hornblende  bei  gekreuzten  Nicols 
lebhafte  Interferenzfarben.  Wo  grüne  „schilfige"  Hornblende  an  Stelle 
der  braunen  „compacten"  tritt,  wächst  dieselbe  über  den  ursprünglichen 
Krystallraum  hinaus.  Querschnitte  lassen  das  gut  beobachten :  der 
früher  durch  Prismenflächen  und  Klinopinakoid  scharf  begrenzte  sechs- 
seitige Raum  weist  jetzt  unregelmässig  abgerundete  Contouren  auf. 
Die  prismatische  Spaltbarkeit  ist  erhalten.  Mit  der  Umwandlung  scheint 
eine  chemische  Umsetzung  vor  sich  zu  gehen,  die  sich  durch  reichliche 
Ausscheidung  des  Ca  in  Form  von  Carbonat  kundgiebt.  i)  —  Magnesia- 
glimmer wechselt  in  seiner  Menge  ausserordentlich.  Seine  Formen  sind 
xenomorph  begrenzte  Lappen  von  verschiedener  Grösse.  Auch  dem 
Feldspathe  gegenüber,  welcher  doch  zu  den  letzten  Kiystallisations- 
producten  gehört ,  ist  der  Magnesiaglimmer  häufig  xenomor])h  ausge- 
bildet: deshalb  wird  man  die  grössere  Menge  des  Magnesiaglimmers  für 
secundär   halten  müssen.    Die  Farbe  des  Glimmers  ist  braun  ,  seltener 


')  Man  vergl,  Erwin  Goller,  welcher  (N.  Jahrb.  f.  M.,  G.  u.  P.  Beil. -Bd.  VI, 
pag.  517  11.  518)  in  Lamprophyren  des  Südspessarts  noch  weitere  interessante  Horn- 
blendezersetzung  raittheilt. 


274  J-  ^-  Hil^sch.  [40] 

grün.  Bei  beginnender  Zersetzung  treten  die  bekannten ,  zierlichen 
Rutileinsclilüsse  in  der  Anordnung  auf,  dass  sie  sich  mit  Winkeln 
von  GO''  kreuzen.  Endlich  finden  sich  kleine  Glimmerblättchen  häufig 
neben  oder  zwischen  den  schilfigen  Hornblendeaggregaten  vor.  —  Feld- 
spathe  sind  schon  recht  zersetzt ,  deren  Aufbau  deshalb  nur  schwierig 
erkennbar.  Es  ist  Orthoklas  und  ein  Plagioklas  —  wie  schon  erwähnt 
—  vorhanden.  Beide  in  Form  breiter  Leisten,  Tafeln  und  Körner.  Bald 
überwiegt  Orthoklas  den  Plagioklas,  bald  ist  das  Umgekehrte  der  Fall. 
Der  häufig  bräunlich  getrübte  Plagioklas  ist  wegen  der  geringen  Aus- 
löschuugsschiefe  ein  dem  Oligoklas  nahestehender  Kalknatronfeldspath.  — 
Ueberaus  häufig  tritt  in  manchen  Lamprophyren  Epidot  in  Gestalt  von 
wohlausgebildeten  Krystallen  und  von  Körneraggregaten  auf.  ')  Nament- 
lich in  dem  Lamprophyrgang  südlich  von  Rasseln  überwuchert  derselbe 
alle  übrigen  Gemeng theile.  Seine  Färbung  ist  blassbräunlich,  der  Pleo- 
chroismus  sehr  schwach.  Die  Krystalle  besitzen  deutliche  Spaltrisse 
nach  0  P  (001),  diesen  geht  auch  die  Auslöschung  parallel.  Auf  Schnitten 
in  der  orthodiagonalen  Zone  ist  häufig  der  Austritt  eines  Axenbalkens 
bemerkbar.  Manche  Schnitte,  nämlich  die  parallel  zur  Symmetrieebene, 
zeigen  äusserst  lebhafte  Interferenzfarben. 

In  manchen  Lamprophyren  des  Elbthales,  nicht  in  allen,  tritt 
Quarz  auf.  Dieser  ist  nicht  als  „Einschluss"  zu  betrachten,  da  ihm  die 
abgerundeten  Contouren  und  der  bekannte  Augitkranz  2)  abgehen.  Viel- 
mehr scheint  er  secundäreu  Ursprungs  zu  sein.  Er  fällt  im  Gestein- 
gewebe Lücken  aus,  die  von  den  übrigen  Gemengtheilen  in  geradliniger 
Begrenzung  offen  gelassen  werden;  eingebettet  in  Calcitaggregate  er- 
scheint er  mit  hexagonaleu  Umrissen.  Letzteres  ist  besonders  schön 
am  Lamprophyr  des  Adalbertusfelsen  zu  beobachten.  Deshalb  ist  eine 
nachträgliche  Einwanderung  von  Quarz  aus  dem  angrenzenden  Granitit 
nicht  unwahrscheinlich.  Der  durch  den  Contact  mit  dem  Lamprophyr 
beeinflusste  Granitit  konnte  durch  nachträgliche  Verwitterung  leicht 
Lösungen  von  Kieselsäure  liefern,  welche  Veranlassung  von  Quarzaus- 
scheidung im  Lamprophyr  gaben.  Diese  Entstehungsart  von  Quarz  inner- 
halb von  Lamprophyr  entspricht  nicht  den  diesbezüglichen,  auf  einer 
Hypothese  von  J.  B.  I  d  d  i  n  g  s  ^)  fussenden  Anschauungen  von  B.  G  o  1 1  e  r  *), 
nach  denen  dieser  Quarz  ein  Product  von  einer  unter  eigenthümlichen 
Umständen  sich  vollziehenden  Erstarrungsweise  des  Gesteinsmagmas 
bei  Einwirkung  überhitzten  Wasserdampfes  darstellen  würde.  Diesen 
Anschauungen  G  0 1 1  e  r's  über  Quarzbildung  in  den  von  ihm  genannten 
Lamprophyren    soll   hier   nicht    entgegengetreten   werden;    es   soll    nur 


')  Auch  B.  Doos  führt  reichliches  Auftreten  von  Epidotkörnchen  in  Lampro- 
phyren des  Plauen'schen  Grundes  an.  Tschermak's  Miner.  u.  Petrogr.  Mitth.  XI, 
24,  1889. 

'^)  R.  Pohl  mann,  Einschlüsse  v.  Granit  im  Lamprophyr  (Kersantit)  des 
Schieferbruches  Bärenstein  bei  Lehesten  in  Thüringen.  N.  Jahrb.  f.  M.,  G,  u.  P. 
1888,  II,  pag.  92  u.  f.  —  B.  Doos,  Die  Lamprophyre  u.  Melaphyre  d.  Plauen'schen 
Grundes.  Tschermak's  Min.  u.  Petrogr.  Mittheil.  1889,  XI,  62. 

*)  J.  B.  Iddings,  On  the  Origin  of  Primary  Quartz  in  Basalt.  Americ.  Journ. 
of  Science.  Vol.  36,  Septb.  1888. 

■*)  E.  Goller,  Die  Lamprophyrgänge  des  südl.  Vorspe.ssart.  N.  Jahrb.  f.  M., 
G.  u.  P.  VI.  B.-B.  1P89,  i)fig.  560  u.  f.  Auf  pag.  564  auch  weitere  Literatnrangaben  über 
d.  Auftreten  von  (^uarz  in   liHmprophyren. 


r411       Die  Insel  älteren  (iebirges  und  ihre  nächste  Umgehnnu;  im  Elbthale  etc.        ^Tf) 

für  unsere  Laniprophyrc  die  i;rösscrc  Wahrsclieinlichkcit  einer  secundärcn 
Einwanderung  von  Quarz  aus  dem  Nebengestein  betont  werden. 

Contactersch einungen  in  den  Lamprophy ren.  Kine 
Einwirkung-  seitens  der  Lauiprophyrgänge  auf  die  durchsetzten  Gesteine, 
also  exoniorphe  Contaetwirkung",  ist  mit  Sicherheit  nirgends  nachzu- 
weisen. Dagegen  weisen  die  Gänge  selbst  eudomorphe  Contacterschei- 
nungen  auf,  die  sich  jedoch  bei  den  einzelnen  Gängen  verschiedenartig 
äussern.  Der  Lamprophyrgang  südlichvon  Rasseln,  80  Centimeter  mächtig, 
grenzt  sieh  gegen  den  umgebenden  Grauwackenschiefer  mit  einem 
äusserst  schmalen  (3 — 4  Millimeter),  schieferigen  Salband  ab.  Dasselbe 
besteht  vorzugsweise  aus  Quarz,  welcher  durch  Brauneisen  gefärbt  ist,  aus 
eingestreuten,  dunklen  Glimmerblättchen  und  chloritischen  Aggregaten. 
Bedeutender  ist  die  endomorphe  Contactwirkung  bei  dem  Schwärm  von 
Lamprophyrgängen  am  Adalbertusfelsen.  Hier  weist  das  Gestein  am 
Salbande  eine  feinkörnige  bis  dichte  Moditication  auf,  mit  secundär 
schieferiger  Ausbildung.  Das  dichte  Salband  besteht  aus  vorherrschend 
kleinen  Blättchen  von  Magnesiaglimmer  und  äusserst  kleinen  Feldspath- 
säulchen  und  -Körnchen.  Durch  die  mehr  oder  weniger  gleich  gerich- 
teten Glimmerblättchen  wird  eine  Fluidalstructur  hervorgerufen.  Die 
Formen  und  das  Auftreten  des  Glimmers  sprechen  dafür,  dass  dieses 
Mineral  im  Salbande  nicht  aus  Hornblende  secundär  hervorgegangen 
ist,  sondern  einen  ursprünglichen  Gestein sgemengtheil  darstellt.  Olivin 
tritt  im  Salband  nicht  auf.  Sonst  erinnern  die  endomorphen  Contact- 
erscheinungen  in  den  Elbthallamprophyren  einigermassen  an  die,  welche 
von  B.  Do  SS  in  Lamprophyren  des  Plauenschen  Grundes  beobachtet 
worden  sind.  ^)  Auch  C.  Che  liu  s  beschreibt  „fast  dichte  und  schwarze" 
Salbänder  von  syenitischen  Lamprophyren  des  Odenwaldes.  ^) 

VI.  Sericitgesteine. 

Fast  allenthalben,  wo  grössere  dynamische  Wirkung  in  den  früher 
beschriebenen  Gesteinen  sich  äusserte,  trat  Sericit  in  das  Gesteinsgewebe 
ein.  In  diesen  Fällen  war  das  Vorkommen  von  Sericit  jedoch  nur  ein 
locales.  Anders  verhält  es  sich  nahe  der  Südgrenze  der  Insel  älteren 
Gebirges :  allda  finden  sich  Gesteine  vor,  in  denen  der  Sericit  allgemein 
auftritt  und  einen  wesentlichen  Gesteinsgemengtheil  bildet. 

Sericitgesteine  mit  Sericit  als  wesentlichem  Gemengtheil  kommen 
im  Elbthale  dreierlei  Arten  vor: 

a)  Sericitgneiss ; 

b)  faseriger  Quarzsericitschiefer ; 

c)  stengeliger  Quarzsericitschiefer. 

a)  Sericitgneiss.  Dieses  Gestein  tritt  zwischen  der  südlichsten 
Granititapophyse  und  der  Schneusse  4  am  rechten  Eibufer  auf,  im 
engen  Anschluss  an  den  Granitit.  Leider  ist  die  unmittelbare  Berührung 
beider  Gesteine  nicht  aufgeschlossen.  Auch  die  Lagerungsverhältnisse 
des  Gneisses  sind  unbekannt.  Trotzdem  ist  es  sehr  wahrscheinlich,  dass 

»)  1.  c.  pag.  65. 

*)  C.  Che  lins,  Die  lamprophyrischen  u.  granitporph.  Ganggesteine  im  Gmndgeb. 
d.  Spessarts  u.  Odenwaldes.  N.  Jahrb.  f.  M.,  G.  u.  P.  1888,  11,  75. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Keichsanstalt.  1H91.  41.  Band.  2.  Hott.  (J.  E.  Hibsch.)        36 


2tt)  J-  E.  llii.scli.  [42] 

der  Sericitgneiss,  wie  schon  auf  pag'.  13  ausgesproclien  wurde ,  durch 
Dynamonietamorphosc  aus  dem  Granitit  hervorgegangen  ist. 

Das  körnigfiaserige  Gestein  lässt  das  nnbewatfnete  Auge  graue 
Quarzkörner,  fleischfarbene  Feldspathe  und  iettglänzende,  grünlichgraue 
Sericitflatschen  erkennen.  Letztere  schmiegen  sich  in  vorwiegend  gleicher 
Richtung  den  Quarz-  und  Feldspathkörnern  an.  und  dadurch  wird  eine 
Art  Flaserstrnctur  erzeugt. 

Der  Quarz  erscheint  in  grösseren  Körnern  und  als  feinkörnige 
Mosaik.  Seine  Begrenzung  geschieht  allenthalben  durch  verzahnte  Ränder. 
Dieses,  im  Vereine  mit  uudulöser  Auslöschung,  Uisst  auf  Druckwirkung 
schliessen.  Die  grösseren  Körner  sind  reich  an  Einschlüssen  von 
Flüssigkeit  und  winzigen  Blättchen  (wahrscheinlich  Glimmer).  Der 
Feldspath  erweist  sich  trotz  starker  Zersetzung  als  Albit,  Seine  Dichte 
ist  2'60 — 2-Gl.  Viele  Feldspathkrystalle  sind  zerdrückt,  die  einzelnen 
Stücke  entlang  der  Spaltungsflachen  verschoben,  oder  die  unregelmässigen 
Trümmer  sind  durch  Quarzäderchen  wieder  zusammengeleimt.  Kali- 
glimmer findet  sich  selten  in  grösseren  Blättern,  deren  einzelne  Lamellen 
geknickt  oder  verbogen  sind,  zumeist  tritt  er  in  den  Schuppenaggregaten 
des  Sericits  auf.  Dessen  Dichte  beträgt  2"88.  Von  accessorischen  Ge- 
mengtheilen  fallen  zerdrückte  Apatitsäulchen  auf,  deren  einzelne  Stücke 
oft  weit  von  einander  geschleift  sind.  Eisenerze  sind  als  Pyrit  und  als 
Rotheisen  vorhanden. 

In  folgender  Analyse  VllI  ist  die  Zusannnensetzung  dieses  Ge- 
steins gegeben ;  dieser  Analyse  ist  die  Bauschanalyse  des  Granitits  vom 
Adalbertusfelsen  zum  Vergleiche  beigedruckt. 

Analyse  VIII,  Analyse  VII, 

Sericitgneiss  südlich  der  Granitit  vom  Adalbertiis- 
ersten  Granitapopliyse,  Felsen, 

rechtes  Eibufer,  Laube  Nord  linkes  Eibufer 

SW. 71-86  68-58 

Äkb^      ....     18-08  15-67 

Fe^O^      ....       2-22  2-95 

CaO 1-60  2-10 

MgO 0-17  1-17 

K^O 4-16  5-01 

Na^O      ....       1-11  2-36 

H^O 1-89  1-30 

P^O^,  .     .          .    nicht  bestimmt  0'40 

Summe    ~.     .  101-09  99-54 

Die  chemische  Zusammensetzung  des  mittelst  einer  Lösung  von 
Kalium(|uecksilberjodid  isolirten  Sericits  ist  durch  folgende  zwei  Analysen 

(IX  und  X)  gegeben.     Die  Dichte  desselben  betrügt  288. 

Analyse  IX  Analyse  X 

/SVO2 47-97  47-73 

AL  0, 35-95  35-78 

Fe^O, 3-13  3-11 

CaO 0-55  0-55 

MgO 0-25  0-25 

/uO 8-58  H-.Ö4 

Na^O       ....  0-54  0-54 

H,0    .     .     .          .  4-53 4-50 

Summe     .     .  101-50'  10100 


[48]        Die  iDsel  älteren  Gebirges  und  ihre  nächste  Umgebung  im  Elbthale  etc.        277 

h)  F 1  a s e  r  i  ii' 0  r  Q  u a  r z s c  r i  c i  t  s c  h i e  Ic  r.  Siidlicli  vom  Sciicit- 
gneiss,  etwa  von  der  iSclinenssc  4  al)  gegen  Süden,  linden  sich  an  der 
steilen  Berglehne  Rollsteine  eines  liehten ,  griinlichgranen  <jnaizsericit- 
schiefers.  Auf  den  Kluftfliichen  ist  rothes  Eisenoxyd  abgeschieden, 
auch  die  Obeifläche  der  Rollsteine  ist  durch  dasselbe  roth  gefärbt. 
Dieses  Gestein,  welches  dem  unbewaffneten  Auge  fast  qnarzitisch  er- 
scheint, besteht  aus  grösseren  Quarzkörnern  und  kleinkörniger  Quarz- 
mosaik, welche  von  Sericitflasern  und  -Häuten  umgeben  sind.  Hiedurch 
wird  eine  ausgesprochene  Flaserstructur  erzeugt.  Irgend  ein  Feldspath 
konnte  nicht  nachgewiesen  werden.  Von  accessorischen  Gemengtheilen 
sind  scharf  umgrenzte  Zirkonkrystalle  hervorzuheben,  ferner  Pyrit  und 
Pseudomorphosen  von  Branneisen  nach  letzterem  Mineral. 

c)  St  enge  liger  Quarzsericitsch  iefer.  Dem  vorigen 
ähnlich,  jedoch  durch  stengelige  Structur  unterschieden,  ist  ein  Gestein, 
welches  über  den  Granitapop hysen  11,  III  und  IV  (von  Süden  an  ge- 
zählt) in  der  Umgebung  der  Schneusse  3  auftritt.  Besonders  schön  ist 
es  aufgeschlossen  über  der  Apophyse  II.  Es  schiebt  sich  hier  mit  einer 
Mächtigkeit  von  5  — 10  Meter  zwischen  den  Granitit  und  den  Grau- 
wackenschiefer.  Man  kann  ein  Streichen  des  stengeligen  Gesteins  von 
nahezu  Ostwesten  constatiren.  Es  ist  häufig  von  Kluftflächen  durchsetzt, 
die  auf  der  Richtung  des  Streichens  senkrecht  stehen.  Alle  Kluftflächen 
sind  reichlich  mit  rothem  Eisenoxyd  ausgefüllt.  Die  Genesis  dieses  auf- 
fallenden Gesteins  ist  dunkel.  Am  nächsten  liegt  die  Annahme,  es  für 
einen  durch  Contactmetamorphose,  dann  aber  auch  in  hervorragender 
Weise  durch  Dynamometamorphose  beeinflussten  Grauwackenschiefer  zu 
halten.  Hiefür  spricht  das  Auftreten  sericitreicher  Partien  im  Grau- 
wackenschiefer, z.  B.  200  Meter  nördlich  von  der  Granitapophyse  IV, 
wo  gleichfalls  bedeutendere  mechanische  Einwirkung  stattgefunden  hat. 

Die  mineralischen  Gemengtheile  dieses  Gesteins  sind  Quarz  und 
Sericit.  Ersterer  ist  fast  nur  in  Form  kleinkörniger  Aggregate  vor- 
handen, dessen  einzelne  Körner  mit  verzahnten  Rändern  aneinander 
stossen.  Letzterer  bildet  die  bekannten  faserigschuppigen  Häute  und 
Flasern.  Feldspath  fehlt  dem  Gestein.  Von  accessorischen  Gemeng- 
theilen sind  Reste  von  Titaneisen,  umgeben  von  dickem  Leucoxenfilz, 
zu  nennen;  Zirkon  ist  nicht  selten.  Im  Quarz  finden  sich  häufig  Ein- 
schlüsse von  kleinsten  Blättchen  und  Körnern,  die  sich  gern  zu  Schnüren 
ordnen.  Die  stengelige  Structur  des  Gesteins  wird  namentlich  durch 
die  Anordnung  der  Sericithäute  hervorgerufen,  indem  die  si)indelförmig 
ausgezogenen  Quarzaggregate  von  Sericitflasern  umhüllt  werden.  Durch 
das  ganze  Gestein  ist  Rutil  relativ  häufig  verbreitet.  Er  bildet  dickere, 
prismatische  Krystalle  mit  abgerundeten  Enden  an  der  Hauptachse, 
während  die  Prismenzone  recht  scharfe  Begrenzung  aufweist :  ocP(llO) 
und  ooPoü  (100).  Die  Prismenflächen  sind  deutlich  vertical  gestreift. 
Färbung  bräunlichgrau  bis  farblos.  Zum  Theil  umgewandelt  in  weissen 
Leucoxenfilz,  welcher  auch  im  auffällenden  Lichte  hellweiss  erscheint. 
Querschnitte    liefern   im  convergenten  Lichte  ein  schönes  Achsenkreuz. 


An    dieser   Stelle   seien   kurz   die  Wirkungen  der  Dynamo- 
metamorphose    in    unserem    Gebiete    zusammengefasst.     Dieselben 

36* 


278  J'  ^-  Hibsch.  [44] 

erstrecken  sich  auf  U m w a n d  1  n n g- e n  einzelner  Minerale,  Neu- 
bildung von  Mineralen,  endlich  S  truc  turänd  erungen 
im  Gestein.  Zur  Mineralunnvandlung-  durch  Dynamometamorphose 
scheint  zu  zählen  das  „Schilfigwerden"  compacter  Hornblende  in  den 
Lamprophyren.  Als  Mineralneubildung  ist  anzuführen  das  Auftreten 
von  Actinolith  und  Albit  in  den  Diabasschiefern ;  das  Auftreten  von 
Chloritmineralen ,  soweit  dasselbe  nicht  als  Verwitterungserscheinung 
aufzufassen  ist ;  vielfach  das  Vorkommen  von  Quarz  :  namentlich  aber 
das  Vorkommen  des  kleinschuppigen  Kaliglinuners ,  des  Sericits.  Mit 
der  von  Norden  gegen  Süden  wachsenden  Energie  der  dynamischen 
Vorgänge  steigert  sich  der  Gehalt  an  Sericit  in  den  Gesteinen.  Als 
unter  dem  Einflüsse  von  dynamischen  Vorgängen  eingetretene  Structur- 
änderungen  sind  anzusehen  die  Kataklasstructur  (im  Sinne  von  Kjerulf, 
Törnebohm,  Eichstädt,  Lossen  u.  A.)  an  vielen  Stellen  des 
Granitits,  die  Anordnung  der  blätterigen  und  faserigen  Gemengtheile  in 
parallele  Richtung,  wodurch  die  Flaserung  der  Gneissfacies  des  Granitits, 
die  Ausbildung  der  Diabasschiefer,  endlich  die  Entstehung  des  Sericit- 
gneisses  hervorgerufen  wurden. 


VII.  Die  Kreideformation. 

Das  Gebiet  älteren  Gebirges  im  Elbthale  wird  allenthalben  von 
Ablagerungen  der  oberen  Kreideformation  bedeckt.  Diese  letzteren 
beherrschen  den  landschaftlichen  Charakter  des  Elbtliales  auch  dort, 
wo  die  älteren  Gesteine  mit  der  grössten  Mächtigkeit  sich  über  das 
Niveau  der  Elbe  erheben.  Die  cretaccischen  Quadersandsteine  haben 
dem  Elbthale  nördlich  von  Tetschen  wie  der  ganzen  „sächsisch- 
böhmischen  Schweiz"  das  eigenthümliche  Gepräge  gegeben;  daran 
ändern  die  älteren  Gesteine  fast  nichts.  Nur  das  Auge  des  Eingeweihten 
verfolgt  an  den  Buckeln  und  vorspringenden  dunklen  Felsmassen  entlang 
der  bewaldeten  Thallehncn  die  Grenzlinien  der  älteren  Gesteine  unter 
den  darüber  sich  aufthürmenden,  nackten  Quaderwänden. 

Cretaceische  Sedimente  überlagern  direct  und  discordant  die 
älteren  Thonschiefer  und  den  Granitit.  Eine  Einschiebung  jurassischer 
oder  anderer  Ablagerungen  zwischen  Kreidesandsteine  und  die  älteren 
Gebirgsglieder  ist  hier  nicht  zu  beobachten. 

Im  Gegensatze  zu  der  reichen  Gliederung  der  oberen  Kreide- 
formation in  den  benachbarten  westliclien  und  nördlichen  Theilen  des 
sächsisch-böhmischen  Quadergebirges  zeigt  diese  Formation  im  Elbthale 
nur  eine  einfache  Entwicklung.  Es  sind  in  unserem  Gebiete  nur  Quarz- 
sandsteine zu  finden;  kalkige,  mergelige  und  glaukonitische  Gesteine 
fehlen.  Die  Sandsteine  gehören  dem  Cenoman  und  dem  Turon  an. 
Das  Cenoman  beginnt  mit  Conglomeraten  und  grobkörnigen  Sandsteinen, 
auf  welche  feinkörnige  Sandsteine  folgen ,  die  zur  Stufe  der  Ostrea 
carinata  zu  zählen  sind.  Vom  Turon  ist  nur  die  untere  Abtheilung. 
die  Stufe  des  Inoceramun  lahiatus,  als  mittel  körniger  Sandstein  ent- 
wickelt. Diese  Gliederung  soll  durch  folgende  Tabelle  übersichtlich 
dargestellt  werden. 


r45l       I*iö  Insel  älteren  Gebirges  und  ihre  nächste  Umgebung  im  Elbthale  etc.        979 


Gliederung  der  oberen  Kreideformation  (des  Quadergebirges) 
im  Elbthale  nördlich  von  Totschen, 


Turon 

(Mittel- 
quader 
nach 
6  e  i  n  i  t  z) 

Unter- 
turon 

Stufe 
des  Inoceramus  lab  intus ; 
mittelköruiger  Sandstein 

Mächtig- 
keit 

Benennung 
nach  Krejöi 

bis 

150 

Meter 

Weissen- 

berger 

Schichten 

Cenoiuaii 

(Unter- 
quader 
von 
G  e  i  n  i  t  z) 

Feinkörnige  Sandsteine  mit 
Ostrea  carinata 

40 
Meter 

Korytzaner 
Schichten 

Grundconglomerate, 
gröbkörnige  Sandsteine 

Die  unzweifelhaft  einst  auch   über  unserem  Gebiete  vorhandenen 
jüngeren  Turonslufen^)  sind  durch  Denudation  abgetragen  worden.  Die 


')  Ueber  die  Gliederung,  über  die  Petrefakten  u.  s.  w.  der  Kreideformation  in 
Böhmen  und  Sachsen  vergleiche  man  namentlich:  A.  E.  Reuss,  Geognostische  Skizzen 
aus  Böhmen.  Prag  und  Teylitz,  1840  bis  1844,  I.  und  II.  Bd.  —  Derselbe,  Die  Ver- 
steinerungen der  böhmischen  Kreideformation.  Stuttgart  1845  bis  1846-  —  C.  F.  Nau- 
mann und  B.  Cotta,  Erlauf,  z.  geognost.  Karte  des  Königreiches  Sachsen  und  der 
angrenzenden  Länderabtheilungen.  1848,  IV.  und  V.  Heft.  —  J.  Jokely,  Allgem.  Ueber- 
sicht  über  die  Kreideformation  im  ösll.  Theile  d.  Leitmeritzer  Kreises.  Verhandl.  d.  k.  k. 
geol.  Eeichsanstalt.  1858,  pag.  72;  ferner  1859,  pag.  60.  —  Derselbe,  Quader-  und 
Plänerablagerungen  des  Bunzlauer  Kreises.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Eeichsanstalt.  1861  und 
1862,  XII.  Bd.,  pag.  367.  —  Aug.  v.  Gutbier,  Geognost.  Skizzen  aus  der  sächsischen 
Schweiz,  Leipzig  1858.  —  C.  M.  Paul,  Geol.  Verhält,  d.  nördl.  Chrudimer  und  südl. 
Königgrätzer  Kreises.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Eeichsanstalt.  1863,  XIII.  Bd.,  pag.  452.  — 
A.  "Wolf,  Ueber  d,  Gliederung  d.  Kreideform,  in  Böhmen.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichs- 
anstalt. 1864,  XIV.  Bd.,  pag.  463  und  1865,  XV.  Bd.,  pag.  183.  —  C.  W.  Gümbel, 
Beiträge  z.  Kenntniss  d.  Procän-  oder  Kreideform,  im  nordwestl.  Böhmen.  Abhandl.  der 
königl.  bayr.  Akad.  d.  Wiss.  11.  Cl.  1868,  X.  Bd.,  2.  Abth.  —  U.  Schlönbach,  Die 
Brachiopoden  d.  böhm.  Kreideform.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1868,  XVIII.  Bd., 
pag.  139.  —  Fr.  Hochstetter,  Durchschnitt  durch  d.  Nordrand  d.  böhm.  Kreideform, 
bei  Wartenberg  u.  s.  w.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1868,  XVIII.  Bd.,  pag.  247. 
—  J.  K  r  e  j  c  i ,  Studien  im  Gebiete  d.  böhm.  Kreideform.  Archiv  d.  naturw.  Landesdurchf. 
von  Böhmen.  Prag  1869.  —  A.  Fritsch,  Studien  im  Gebiete  d.  böhm.  Kreideform. 
I.  bis  IV.  Archiv  d.  naturw.  Landesdurchf.  von  Böhmen.  1869  bis  1890.  —  H.  B. 
Geinitz,  Eibthalgebirge  in  Sachsen.  Cassel  1871.  4  Bde.  —  A.  Fritsch  u.  U.  Schlön- 
bach ,  Die  Cephalopoden  d.  böhm.  Kreideform.  Prag  1872.  —  F.  Teller,  Rudisten  aus 
der  böhm.  Kreideform.  Sitzungsber.  d.  kais.  Akad.  d.  Wiss.  Wien  1877.  LXXV.  Bd.  — 
0.  No  vak,  Beitrag  z.  Kenntniss  d.  Bryozoen  d.  böhm.  Kreideform.  Denkschrift  d.  kais. 
Akad.  d.  Wiss.  Wien  1877,  XXXVIL  Bd.  —  A.  Fritsch,  Reptilien  und  Fische  der 
böhm.  Kreideform.  Prag  1878.  —  G.  Laube,  Note  über  das  Auftreten  von  Bakuliten- 
schichten  in  der  Umgebung  von  Teplitz.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1872, 
XXII.  Bd.,  pag.  232.  — -  Von  demselben  Autor  im  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt, 
1864,  XIV.  Bd.,  eine  Angabe  von  Petrefakten  der  Bakulitenschichten  von  B,-Kamnitz. 


280  J.  E.  Hibsch. 


[46] 


Grösse  des  Abtraiies  lässl  sich  nur  annähernd  bestimmen.  In  einem 
späteren  Absclinitte  wird  lestgcstellt,  dass  seit  dem  Oligocän  die  Kreide- 
ablageningen im  Minimum  um  175  Meter  abgetragen  worden  sind. 

I.  Das  Cenoman. 

Unmittelbar  über  dem  älteren  Gebirge  ist  durch  den  Eibcanon 
das  Cenoman  (Unterquader)  angeschnitten,  welches  nun  als  eine  schmale, 
ringförmige  Zone  die  älteren  Gesteine  rings  umsäumt.  Wenn  auch  an 
manchen  Orten  durch  Gebirgsschutt  aus  turonem  Mittelquader  verdeckt, 
wird  seine  Gegenwart  bekundet  durch  den  grossen  Reichthum  an  Quellen, 
w^elche  allenthalben  den  cenomanen  iSchichten  entströmen.  Denn  den 
raittelkörnigen ,  wasserdurchlässigen  Sandsteinen  des  Turons  gegenüber 
verhalten  sich  die  feinkörnigen  Sandsteine  des  Cenomans  als  wasser- 
haltende Schichten. 

Innerhalb  des  Cenomans  im  Elbthale  lassen  sich  folgende  Stufen 
unterscheiden : 

a)  Grundconglomerate  und  versteinerungsleere,  grobkörnige  Sand- 
steine. 

b)  Feinkörniger  Sandstein   mit  Ostrea  carinata  Lamk. 

Allerorts ,  wo  das  Cenoman  gut  zugänglich ,  so  nördlich  vom 
Studenbach  rechts  der  Elbe,  allwo  das  Cenoman  zum  Niveau  der  Elbe 
herabsinkt,  dann  am  linken  Ufer  oberhalb  des  Adalbertusfelsen  oder 
Kutschken,  beginnt  dasselbe  mit  Conglomeraten  oder  grobkörnigen 
Sandsteinen.  Eine  Süsswasserstufe  mit  Crednerien  (Perntzer  Schichten 
nach  Krej(';i  und  Fritsch)  fehlt. 

Die  Conglome rate  bestehen  aus  erbsen-  bis  nussgrossen,  theils 
eckigen ,  theils  abgerundeten  Quarzen  von  weisser  oder  blaugrauer 
Färbung  und  Thonschieferfragmenten  mit  bald  lockerem ,  bald  recht 
festem ,  sandig-thonigem  oder  eisenschüssigem  Bindemittel.  Darnach 
können  sie  ein  sehr  verschiedenartiges  Aussehen  gewinnen.  Die  blau- 
grauen Quarzkörner  der  Conglomerate  entstammen  wohl  dem  Granitit, 
doch  lässt  sich  der  Ursprung  der  bis  nussgrossen,  weissen  und  gelben 
Quarzkörner  nicht  gut  auf  zerstörten  Granitit  zuriickfiihren,  da  Quarze 
dieser  Art  und  dieser  Dimensionen  dem  heute  zugänglichen  Granitit 
abgehen.  Speculationen  über  die  mögliche  Herkunft  dieser  Quarze  er- 
scheinen noch  nicht  zeitgemäss.  Die  Conglomerate  und  grobkörnigen 
Sandsteine  bilden  Bänke  von  ein  bis  zwei,  selbst  mehreren  Metern 
Mächtigkeit. 

Feinkörnige  Sandsteine.  Ueber  den  Bänken  der  unteren 
Cenomanstufe  tritt  ein  feinkörniger  Sandstein  auf,  welcher  an  den 
meisten  Orten  eine  lichte  Färbung  besitzt.  Nur  stellenweise,  z.  B.  an 
dem  kleinen  Wassergerinne  südlich  von  Schneusse  42  in  etwa  200  Meter 


—  Derselbe,  Geologie  d.  böhm.  Erzgebirges.  Prag  1887,  pag  245.  —  Ph.  Pocta, 
Beiträge  z.  Kemitni.ss  d.  Spoiigien  d.  böhm.  Kreidefonn.  I.  und  II.  Bd.  Abhandl.  d.  königl. 
Imhm.  Ges.  d.  Wiss.  IKS4,  VI.  Folge,  XII.  Bd.  —  A.  Hettner,  Gcbirgsbau  und  Ober- 
flächengestaltung d.  säch.s!.  Schweiz.  Stuttgart  1887.  —  F.  Schal  ch,  Erläut.  zur  geol. 
Specialkarte  d.  Königreiches  Sachsen;  Sect.  Rosenthal  Hoher  Schneeberg.  Leipzig  1889. 

—  R.  Beck,  Erläut.  z.  geol.  Specialkarte  d.  Königreiches  Sachsen;  Sect.  Berggiesshübel. 
Leipzig  1889. 


[471        J^'*'  l'isel  iiltereu  Gebir^^s  iiiid   ilue  uäcliste  Uingcbuiif;  im  Klblliale  elc.        281 

Meeresliöhe  am  rechten  Ufer,  ist  er  diiiikeliirau  i;efärl)t  und  Glaukonit 
führend.  Der  Sandstein  ist  ein  Quar/sandstein  mit  thonigem  HinihMnittel. 


Recht  häufig  treten  lichte  Glimmerblättchen  auf.  An  organischen  Resten 
ist  dieser  feinkörnige  Sandstein  relativ  reich,  wenn  auch  unser  Eibsandstein 


282  -T-  K-  Hibsch.  [4<;^1 

an  Petrclaktcnrcichtluini  nicht  dem  bekannten,  glcichaltcrigen  Vorkommen 
vom  Ostende  des  Dorfes  Tissa  gleichkommt.  Die  Art  der  Erhaltung 
der  organischen  Reste  lässt  Vieles  zu  wünschen  übrig :  es  sind  fast  nur 
Steinkerne  und  Rudimente  von  solchen  zu  finden.  Das  gelegentlich 
dieser  Studien  aufgesammelte  Material  enthält  folgende  Arten ,  deren 
Bestimmung  durch  den  Herrn  Geheimen  Holrath  Dr.  H.  B.  Gei  nitz 
durchgeführt  wurde  und  vielfach  nur  dessen  geübtem  Auge  möglich  war. 

Cidaris  vesiculosa   Goldf. 
Serpulo  sp. 
Cardium   sp. 

Protocardium  MUomnn  Soio. 
Area  glabra  Park. 
Pinna  sp. 

Avicula  sp.   (cf.  Boxellana  d'Orh.) 
Pecten  elongatus  Lam. 
Spondylus  striatus  Sow. 
Vola  aequicostata  Lam. 
„      phaseolus  Lam. 
„       digitaUs  Rom. 
Ostrea  carinata  Lam. 

„  ?  hippopodium  Nilss. 

„  (Exogyra)  lateralis  Nilss. 

Eocogyra  haliotoidea  Sow. 

„  sigmoidea  Rss. 

„  .        columha  Lam, 

„  conica  Sow. 

Rhynchonella  compressa  Lam. 

Mächtigkeit.  Die  zwischen  das  ältere  Grundgebirge  und  das 
Turon  sich  einschiebenden  Cenomanschichten  erlangen  im  Elbthale 
nirgends  grössere  Mächtigkeit  als  30  bis  40  Meter.  Davon  entfällt  der 
grössere  Theil  auf  die  obere  Stufe  (25  bis  30  Meter),  während  auf  die 
untere  Stufe  der  grobkörnigen  Sandsteine  10  bis  15  Meter  entfallen. 
Die  dem  Elbthale  zunächst  gelegenen  Gebiete  des  Unterquaders  im 
Gefällenbachthale  bei  Biela  nordwestlich  von  Bodenbach ,  dann  bei 
Tissa  weisen  dieselbe  Mächtigkeit  auf.  Demnach  besteht  die 
Grundlage  für  das  gesammte  Quader  sandsteingebiet  in 
seinem  südlichen  Theile  aus  einer  30  bis  40  Meter 
mächtigen  Folge  von  cenomanen  Sandsteinen,  welche 
vom  Erzgebirge  bei  Schönwald  und  bei  Tissa  bis  in 
das  Eibthal  nördlich  Tetschen  reichen,  hier  wie  dort 
die  Grundgebirge   discordant  überlagernd. 

An  den  Lehnen  des  Elbthales  bilden  namentlich  die  grobkörnigen 
Sandsteine  des  unteren  Cenomans  senkrecht  abstürzende  Felswände, 
während  die  feinkörnigeren  Sandsteine  des  oberen  Cenomans  zumeist 
minder  steil  abfallen  und  eine  sanft  geböschte  Stufe  entlang  der  Thal- 
lehne darstellen. 

Im  feinkörnigen  Sandstein  ist  an  einer  Stelle ,  Rasseln  Süd,  ein 
Schleifsteinbruch  angelegt,  der  allerdings  derzeit  nicht  mehr  im  Be- 
triebe ist. 


r49]       ^iö  Insel  älteren  Gebirges  und  ihre  nächste  Umgebung  im  Elbthale  etc.        283 


2.  Das  Turon. 

Die  cenomauen  Sandsteine  werden  im  Elbthale  nördlich  von 
Tetsehen  von  einer  bis  150  Meter  mächtig:en  Folge  von  Quadersand- 
steinbänken  überlagert,  die  von  recht  gleichniässiger  petrographischer 
Beschatlenhcit  und  mit  sehr  spärlicher,  aber  gleichartiger  Petrefakten- 
fiihruug  in  paläontologischer  Hinsicht  eine  weitere  Gliederung  nicht 
zulassen.  Die  mittel-  bis  feinkörnigen  Quarzsandsteine  dieser  Stufe 
besitzen  ein  thoniges  oder  eisenschüssiges  Bindemittel.  Ihre  Farbe  ist 
weiss,  gelblichgrau,  bräunlichgelb  bis  dunkelbraun.  Von  organischen 
Resten  wurden  bis  jetzt  nur  gefunden: 

Inoceramu^  labiatus  Schloth. 
Exogyra  columba  Lamh. 
Pinna  decussata  Goldf. 

Rollblöcke  über  dem  Unterquader  enthielten  noch: 

Eriphyla    (Lucina)   lenticularis  Nilss. 
RhynchoneLla  octoplicata  Sow. 
Lima  pseudocardium  Reuss. 

Von  allen  ist  Inoceramus  labiatus  die  verbreitetste  Art.  Dieselbe 
weist  diesen  Sandsteinen  auch  ihre  Stellung  im  Turon  zu,  und  zwar  als 
unterste  Stufe  desselben.  Höhere  Turonstufen  konnten  bis  jetzt  nicht 
von  den  Labiatusquadern  in  unserem  Theile  des  Elbthales  abgegliedert 
werden.  Möglicherweise  sind  jene  Sandsteinbänke,  welche  nördlich  des 
Tschirtenbachthales ,  dann  am  Lachenberg  bei  Mittelgrund  in  Höhen 
von  400 — 450  Meter  anstehen ,  als  Reste  höherer  Turonstufen  anzu- 
sehen. Ein  sicheres  Urtheil  hierüber  ist  noch  nicht  fällbar,  da  es  noch 
nicht  gelang,  entscheidende  Petrefakteu  allda  aufzufinden. 


Lagerungsverhältnisse  der  Quaderformation. 

Die  mächtigen  Platten  des  Quadersandsteines  folgen  in  ihrer 
Lagerung  im  Allgemeinen  der  Oberfläche  des  liegenden  Grundgebirges. 
Letztere,  die  ursprüngliche  Auflagerungsfläche  der  Absätze  des  von 
Nord  nach  Süd  transgredirenden  Kreidemeeres,  ist  eine  ziemlich  ebene 
Ab rasions fläche  der  aufgerichteten  Thonschiefer  und  des  in  diese 
Thonschiefer  eingedrungenen  Granitit-Lakkolithen  gewesen.  Die  Auf- 
lagerungsfläche des  Cenomans  auf  das  Grundgebirge  steigt  gegen  das 
Erzgebirge  zu,  also  gegen  Westen,  allmälig  an.  Während  dieselbe  im 
Liegenden  des  Cenomans  unter  dem  Rosenkamm  im  Elbthale  nur  die 
Meereshöhe  von  300  Meter  erreicht,  steigt  sie  im  Liegenden  der 
Kreideablagerungen  bei  Tissa,  etwa  15'5  Kilometer  westsüdwestlich 
von  genannter  Stelle  des  Elbthales,  bis  zu  570  Meter.  Aber  auch  vom 
Rosenkamme   nordwärts   senkt   sich   die  Oberfläche   des  Grundgebirges 

Jabvbucli  der  k.  k.  geol.  Reiebsanstalt.  1891.  41.  Band.  2.  Heft.  (.1.  E.  Hibscb.)       37 


084  J.  E.  Hibsch.  [50] 

im  Liegenden  der  Kieidescbichten,  und  /war  viel  rascher  als  vom  Erz- 
gebirge gegen  das  Elbtlial.  Von  300  Meter  Meeresbcihe  unter  dem 
Roseukamme  erreicht  dieselbe  schon  3  Kilometer  weiter  nördlich  beim 
Studenbache  das  Niveau  der  Elbe  in  120  Meter  über  dem  Meeresspiegel. 
Da  nun  die  gesammten  Kreideschichten  des  Elbthales  in  ihrer  Lagerung 
dieser  Oberfläche  des  Grundgebirges  folgen,  so  besitzen  sie  im  Allge- 
meinen vom  Rosenkamm  ab  nach  Norden  ein  flaches,  nordöstliches 
Einfallen.  Südlich  vom  Rosenkamme  ändern  sich  diese  Verhältnisse. 
Die  nördlichste  der  Bruchlinien  von  dem  Systeme  der  tertiären  Erz- 
gebirgsbruchlinien  durchquert  südlich  des  Rosenkammes  das  Eibthal. 
Südlich  dieser  Linie  senkt  sich  die  Oberfläche  des  eingesunkenen 
Grundgebirges  sehr  rasch,  um  180  Meter  auf  eine  Entfernung  von 
1  Kilometer.  In  gleicher  Weise  fallen  auch  die  Kreideschichten  in 
südlicher  oder  südwestsüdlicher  Richtung  mit  Winkeln  von  ö",  lO**,  lö** 
bis  25°  ein.  Die  Quadersandsteinplatten  sind  zwischen  den  einzelnen 
Bruchlinien  in  Schollen  zerbrochen ,  welche  dem  einbrechenden  Grund- 
gebirge passiv  nachsanken.  (Vergl.  das  Profil  auf  Seite  237.) 

Auch  im  Quadergebirge  nördlich  des  Rosenkammes  müssen  noch 
verschiedene  Bruchlinien  vorhanden  sein,  längs  welcher  Einbrüche  im 
Grundgebirge  stattfanden;  sonst  wäre  das  Untertauchen  des  Cenomans 
unter  die  Linie  des  Eibniveaus  nördlich  vom  Studenbach  unverständlich. 
Allerdings  ist  im  Quadergebirge  selbst  bis  auf  das  nördliche  und  nord- 
östliche Verflachen  von  Dislocationen  sehr  wenig  zu  beobachten.  Es 
scheinen  aber  die  Seitenthäler  der  Elbe,  so  das  Tschirtenbachthal  und 
seine  Fortsetzung  am  rechten  Ufer  östlich  von  Rasseln,  ja  das  Eibthal 
selbst,  solchen  Bruchlinien  im  Quadergebirge  zu  folgen.  ^) 


VIIL  Das  Schwemmland. 

Im  engen  Eibcanon  finden  sich  nur  j  u  n g d i  1  u  v i  a  1  e  Ablage- 
rungen vor:  Sand,  lehmiger  Sand  und  sandiger  Lehm. 
Diese  Ablagerungen  bilden  5  bis  10  Meter  machtige  Terrassen  von 
130 — 140  Meter  Meereshöhe.  So  namentlich  am  Eingange  in's  Tschirten- 
thal, bei  Rasseln  und  oberhalb  dieses  Ortes  in  Form  eines  schmalen 
Streifens  südlich  bis  gegen  Laube.  Sand  und  Lehm  sind  bräunlichgelb 
gefärbt  und  glimmerreich.  Altdiluviale  Ablagerungen  fehlen 
dem  Eibcanon  in  unserem  Gebiete.  2) 

Ausser  den  genannten  Diluvialterrassen  sind  im  Elbthale  AUu- 
V  i  0  n  e  n  zum  Absatz  gelangt.  Die  Thalgehänge  sind  bedeckt  von  grossen 
Schutthalden,  die  vorwiegend  aus  Blöcken  und  Verwitterungsdetritus 
von  Labiatusquader  bestehen.  Der  Flusslauf  der  Elbe  ist  beiderseits 
von  Schotter  eingesäumt.  Dieser  heute  noch  sich  mehrende  Eibschotter 
besteht  aus  sehr  verschiedenartigem  Gesteinsmaterial :  alle  Gesteine  des 
böhmischen  Mittelgebirges ,   der  Kreideformation   in  Mittelböhmen  ,  des 


>)  Vergl.  A.  Hettner  1.  c. 

*)  Uehcr  Glacialersoheinungen  im  Elbsandsteingehiet  vergl.  E.  Mohne  rt,  Ina  11- 
gmal-Diss«rt.  lieipxig  ]888;  ferner  deri^elbe  Autor,  Entwickelung  des  PMiisssysienis  dca* 
Elbe  vor  und  uaeli  der  Eiszeit.  Sit/.ungsber.  d.  Tsis.   Dresden  1888. 


[51]        ß'e  Insel  alteren  Gebirges  uiul  ihre  nächste  Umgebung  im  Elbthale  etc.        285 

KotliliogcnchMi,  dos  Curbons,  des  Silurs  im  Innern  Hölimens,  des  Gnmd- 
gebirj;es  im  liöhmerwalde,  Kicseni;ebirgc,  Erzi!,cbirg-e  u.  s.  w.  sind  ver- 
treten. Gneissvarietäten,  llrschieter,  Granite,  Sandsteine,  Kieselschietcr, 
Quarzite,  Basalte  und  Plionolitlic  liegen  in  Eintracht,  bunt  durcheinander- 
gemengt,  nebeneinander.  Ab  und  zu  fallt  ein  Feuersteinknollen  als 
Fremdling  in  dieser  Gesellschaft  recht  auf.  Die  Dimensionen  der 
Schotterbestandtheilc  schwanken  von  Nuss-  bis  Eigrösse,  dazwischen 
findet  man  kiesige,  selbst  sandige  Ablagerungen  je  nach  der  mittleren 
Geschwindigkeit  der  Wasserbewegung  an  der  betreffenden  Stelle  des 
Eiblaufes.  Die  Mächtigkeit  der  alluvialen  Eibschotter  steigt  an  manchen 
Orten  bis  zu  10  Meter.  In  den  tieferen  Lagen  der  Eibschotter  finden 
sich  grössere  BhJcke  vor,  deren  Rauminhalt  den  eines  Cubikmeters 
erreichen  kann.  Basaltische  und  tcphritische  Gesteine  aus  dem  böhmi- 
schen Mittelgebirge  haben  häufig  das  Material  zu  diesen  Blöcken  geliefert, 
doch  finden  sich  auch  Blöcke  von  Quarzit,  Granit  und  anderen  Gesteinen, 
wenn  auch  seltener,  vor. 

An  denjenigen  Stellen  der  Thallehnen ,  die  von  dem  Labiatus- 
quaderschutt  nicht  bedeckt  wurden,  findet  man  die  Verwitterungsböden 
der  älteren  Gesteine :  über  dem  Granitit  vielerorts  eine  sandig-lehmige 
Krume  von  brauner  Färbung,  über  dem  Thonschiefer  eine  graue 
lehmige  und  über  den  Sericitgesteinen  eine  hellroth braune ,  lehmige 
Krume. 

Das  Quaderplateau  ausserhalb  des  Elbthales  ist  in  der  näheren 
Umgebung  des  Canons  mit  den  Verwitterungsproducten  des  Sandsteines 
bedeckt.  Dieselben  finden  sicli  jedoch  in  auffallen